Neues Lesefutter

Seit meinem letzten Blogeintrag ist eine lange Zeit vergangen, ich kann auch nicht sagen, ob sich an diesen längeren Intervallen in der nächsten Zeit viel ändern wird. Tatsächlich bin ich zwar sehr aktiv, die Tage werden gefühlt auch nicht kürzer, aber eben nur selten hier.

Nachdem ich im Sommer und frühen Herbst einige Bücher von Stephen King und John Scalzi gelesen habe, dachte ich mir vor ein paar Wochen, dass es doch schön wäre, einmal einen stilistischen Wechsel vorzunehmen. Und dafür hatte ich tatsächlich auch schon etwas bereit liegen…

Im Januar 2018 starb die einflussreiche Science Fiction- und Fantasy-Autorin Ursula K. Le Guin. Damals war ich noch bei Twitter, also kamen viele interessante Tweets über ihren Tod – nicht zuletzt von meinen oben genannten Lieblings-Autoren. Alle priesen sie als eine einflussreiche Autorin, die viele nachfolgende Schreiber nachhaltig geprägt habe. Und ich kannte kein einziges Buch von ihr. Also kaufte ich damals den ersten Band der „Erdsee“-Saga im iBooks Store, hatte da aber noch so viele andere Bücher, dass ich damit erst einmal nur den virtuellen SuB fütterte.

Zwischen September und November jedoch las ich zwei Scalzi-Romane („Der wilde Planet“, „Androiden-Träume“) und zischte geradezu durch ein paar längere King-Schmöker („The Dead Zone – Das Attentat“, „Schlaflos (Insomnia)“). Und jetzt war ich bereit, mich einem neuen Stil zu stellen, also begann ich mit dem bereits auf Halde liegenden ersten Band der „Erdsee“-Saga:

Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.
Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.

John Scalzi unterteilt die meisten seiner Romane in recht kurze, also schnell zu lesende Abschnitte, was mir üblicherweise sehr entgegenkommt. Und genau in dieser Hinsicht unterscheidet sich der Stil von Ursula K. Le Guin deutlich, denn sie schreibt meistens ein Kapitel in einem großen Rutsch durch. Nur selten wird in der Mitte eines Kapitels ein zusätzlicher Absatz eingefügt, ansonsten geht der Text ohne visuelle Unterbrechungen über 20-50 Seiten (gemeint ist am iPad Pro mit 12,9 Zoll) durch. Das war eine gewisse Umstellung, aber nicht weiter tragisch, binnen zweier oder dreier Kapitel war ich darauf eingestellt.

Und dann packte mich der Stil, der zuerst etwas nüchtern daher kam, mir dann aber immer besser gefiel. Durch den ungewohnten Schreibstil kroch ich gefühlt wie eine Schnecke über die ersten Seiten, je länger ich dran war, desto schneller „flog“ ich durch das Buch, denn die Geschichte hatte mich gepackt. Der erste Band war dann auch binnen weniger Tage durchgelesen. Darin wird ein Teil der Lebensgeschichte von Ged, einem der mächtigsten Magier seiner Zeit beschrieben, beginnend mit seiner Kindheit bis hin zum Lösen einer existenziellen Krise. Das war sehr gut, also musste sofort der zweite Band her, der wiederum in weniger als einer Woche gelesen war:

Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!
Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!

Im Nachwort äußerte sich Ursula K. Le Guin darüber, dass es ihres Wissens einer der ersten Fantasy-Romane (wenn nicht gar der erste) sei, in dem sich die Geschichte um das Schicksal einer weiblichen Hauptfigur dreht. Denn, und da kann ich ihr meiner bisherigen Lese-Erfahrung nach nur zustimmen, der gesamte Science Fiction- und Fantasy-Bereich sei voll von Patriarchen und anderen Männergestalten, Frauen finden darin nur als Randfiguren Platz. Wohlbemerkt: Das Buch hat sie in den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren geschrieben – und bis dahin galt das sicher auch noch (Ausnahmen würden vermutlich eher die Regel bestätigen).

Der zweite Band war im gleichen Stil wie der erste geschrieben, also brauchte ich nicht lange, um hineinzufinden und mich danach gleich an den dritten Band zu machen, in dem ich aktuell noch stecke. Die ersten zwei oder drei Kapitel sind exakt wie erwartet und dementsprechend gut. Bei dem Tempo habe ich bis Jahresende alle sechs Bände der Serie durch…

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Der erste „offizielle“ Halbmarathon

Genau vor einer Woche habe ich meinen ersten „offiziellen“ Halbmarathon absolviert – und es war ein spannendes Erlebnis.

Im Ziel, direkt vor dem Ulmer Münster – gut durchgeschwitzt und ziemlich geplättet...
Im Ziel, direkt vor dem Ulmer Münster – gut durchgeschwitzt und ziemlich geplättet…

Eigentlich bin ich ja ein absoluter Individualsportler, der beim Laufen gerne seine Ruhe (bzw. sein Hörbuch oder seine Playlist) hat. Das ist bei einem derartigen Massenevent wie dem Beuerer Halbmarathon in Ulm schlicht undenkbar, denn da gehen einige Tausend Läufer an den Start, entsprechend gedrängt geht es dann auch auf den Straßen und Wegen zu – zumindest anfänglich…

Angemeldet hatten meine Frau und ich uns bereits vor Monaten, denn wer sich früh einschreibt, zahlt nur die Hälfte. Irgendwie hätten wir uns ja auch vorbereiten können, doch ich rannte nach wie vor jeden Tag meine übliche 16-17 Kilometer lange Runde, ließ am Tag vorher einfach zwei Kilometer weg, um ein bisschen Energie einzusparen, dann war der „Tag X“ gekommen und es ging auch schon los.

Organisation und Umstände

Die Organisation des Beuerer Halbmarathons ist wirklich exzellent. Der Weg ist perfekt ausgeschildert, da kommen absolut keine Unklarheiten auf. Außerdem ist alles durchorganisiert: Von der Verstauung der persönlichen Utensilien in einem LKW, der alles zum Zielort transportiert über die digitale Zeitnahme bis hin zur Verpflegung und den Duschen für nach dem Lauf. Obwohl es mein erster Lauf dieser Art war, bestand kaum Unruhe hinsichtlich dieser Aspekte.

Aufgeregt war ich jedoch trotzdem – und zwar wie die Hölle! Das lag vor allem daran, dass ich mich leicht einschüchtern lasse, wenn um mich herum tausende von Läufern, alle in voller Montur, viele mit etlichen bereits absolvierten Läufen genau dieser Art auf dem Buckel (etc.), ihre letzten Vorbereitungen treffen. Dazu kam, dass ich um die Uhrzeit, als wir in Ulm erst starteten, daheim schon seit drei Stunden fertig gewesen wäre. Alles in allem waren die Umstände also sehr ungewohnt, was sich auch in einem erhöhten Puls niederschlug.

Der Lauf an sich

Nun gut, ich reihte mich in der Gruppe ein, die eine Zeit von 1:50 h für die 21,1 Kilometer anpeilten. Ein erfahrener Kollege hatte mir geraten, mich weit vorne in der Gruppe zu positionieren, was ich auch tat. Doch nach 1,5 oder 2 Kilometern waren die mir zu langsam, also zog ich kurzerhand vorbei; im Hinterkopf immer den Gedanken: „Hochmut kommt vor dem Fall“

Ich rechnete damit, das Tempo nicht komplett durchhalten zu können. Doch es ging… und ging… und ging… Als ich bei Kilometer 17 immer noch einen Schnitt von 4:45 Minuten/km hielt und meine Reserven nicht erschöpft waren, realisierte ich, dass es wohl so bis zum Ende gehen könnte. Und tatsächlich klappte es.

Gerade durch‘s Ziel gewitscht: 1:39:04 h für die 21,1 km – geschafft!
Gerade durch‘s Ziel gewitscht: 1:39:04 h für die 21,1 km – geschafft!

Kaum war ich durch‘s Ziel „geflogen“ (ging nicht, weil die Läufer vor mir quasi direkt hinter der Ziellinie stehen geblieben waren), erreichte mich eine automatisierte SMS mit meiner Laufzeit: 1:39:04 h.

Überraschend gute Zeit, für einen Moment war ich echt stolz auf mich!
Überraschend gute Zeit, für einen Moment war ich echt stolz auf mich!

Hui! Mit so einer guten Zeit hatte ich nicht gerechnet. Insgeheim hatte ich mir gewünscht, eine Zeit von etwa 1:40 h zu schaffen, ging aber nicht davon aus, das unter den Umständen zu schaffen – daher war ich echt stolz auf das Ergebnis.

Von den mehreren Tausend Läufern habe ich den Platz 552 erreicht (nur Männer: Platz 506), von den Männern zwischen 40 und 45 den 70. Rang. Keine Ahnung, ob das gut ist, aber ich war vollauf zufrieden.

So findet man mich in der Gesamtwertung aller teilnehmenden Männer.
So findet man mich in der Gesamtwertung aller teilnehmenden Männer.

Meine Frau hatte sich als Ziel eine Zeit unter zwei Stunden gesetzt – und es auch geschafft (sogar überdeutlich)! Das musste mit einem Selfie (beim Gehen aufgenommen, daher wirkt es etwas unentspannt) honoriert werden!

Beide erfolgreich ins Ziel gekommen, gute Stimmung und tolles Wetter – TSCHAKA!
Beide erfolgreich ins Ziel gekommen, gute Stimmung und tolles Wetter – TSCHAKA!

Fazit

Das Erlebnis war wirklich sensationell, allerdings weiß ich nicht, ob ich in den kommenden Jahren wieder an solch einem Massenevent teilnehme. Laufen macht auch ohne den Aufwand (sowohl finanziell als auch ökologisch und zeitlich) Spaß. Andererseits ist so etwas einmal im Jahr durchaus eine tolle Abwechslung. Mal sehen…

Mit der Finisher-Medaille, allerdings war ich da gerade sehr hungrig, daher der gierige Blick!
Mit der Finisher-Medaille, allerdings war ich da gerade sehr hungrig, daher der gierige Blick!

Addendum

Als wir später am Tag wieder daheim angekommen waren und sich bereits die ersten Anzeichen für die Muskelkater-Qualen des folgenden Tages abzeichneten, erfuhren wir, dass bei diesem Sportevent tatsächlich ein Läufer, ein recht junger Mann von ca. 30 Jahren, im Zieleinlauf kollabiert und später im Krankenhaus gestorben ist. Das hat der Hochstimmung nach dem Lauf dann doch einen deutlichen Dämpfer verpasst. Hoffentlich wiederholt sich das in den kommenden Jahren nicht.

Silent Brass: 20+ Jahre

1996 war ich noch ein junger Student, gerade einmal im zweiten Semester meines ersten Diplomstudiums (Orchestermusik). Für Rundfunkaufnahmen mit dem Bayerischen Rundfunk probte ich in Bayreuth mit einem Projektorchester und einigen Gesangssolisten (hier) für die Aufzeichnung der mehrere europäische Länder einbeziehenden Produktion einer tschechischen Oper (ich glaube, der Titel war „Im Brunnen“, aber es ist einfach schon so lange her…).

Kauf auf Empfehlung

Einer der anderen Musiker, ein Hornist, war gleichzeitig der Chef eines Musikgeschäfts in Bayreuth. Während einer Pause erzählte er mir von einer tollen technischen Neuerung: Yamaha hatte einen Übedämpfer für Trompete entwickelt, der fast frei vom sonst üblichen (und äußerlich hinderlichen) Rückstau (die Luft, die man vorne in die Trompete reinbläst, muss ja irgendwo wieder herauskommen) funktionierte. Zusätzlich konnte der Dämpfer mit einem elektronischen Gerät verbunden werden, über das man sowohl eine externe Klangquelle einschleifen als auch mit einstellbarem Raumhall spielen könne. Der Clou aber war, dass all das nach außen hin so leise blieb, dass man damit auch problemlos in einem Hochhaus üben könne, ohne die Nachbarn zu stören.

Ich wohnte damals im siebten Stock eines Hochhauses, außerdem war es zu der Zeit mein „Beruf“, jeden Tag mehrere Stunden mit Üben zu verbringen. Die Problematik war mir mehr als bewusst – und ich wollte auch nicht dauernd zum Haus meiner Eltern im nächsten Ort weiterfahren, um dort üben zu können… Also kaufte ich mir das angepriesene Gerät, es hieß Silent Brass.

Erfahrung

Das war vor 22 Jahren. Ich habe den Dämpfer immer noch. Erst letzte Woche habe ich täglich im Urlaub mit ihm geübt. Ich verwende zwar seit Jahren nicht mehr das elektronische Zusatzgerät (das „Studio“), weil ich dafür neben dem Dämpfer auch die ganzen Kabel, sechs (!) AAA-Batterien (bzw. Akkus und ein Ladegerät) und einen Kopfhörer mitschleppen müsste. Aber es klappt eben auch ohne den „Technik-Kram“, nur auf akustischem Wege.

Modernisierung

Vor ein paar Monaten kam nun eine neue Version des bewährten Systems heraus. Ein Kollege in der Schule, ebenfalls Blechbläser, erzählte mir davon. Doch ich vergaß es wieder. Bis ich letzte Woche im Urlaub eben wieder täglich mit dem „alten“ Silent Brass übte. Ich erinnerte mich, mein Interesse war geweckt, also recherchierte ich ein wenig – und tatsächlich berichten viele Benutzer, dass es nochmals deutlich besser geworden sei. Nun war ich wirklich gespannt, am Donnerstag bestellte ich das Set, gestern wurde es geliefert, heute habe ich das erste Mal damit geübt.

Mein erstes Fazit: „WOW!“ Insgesamt liegen gut 22 oder 23 Jahre technischer Entwicklung zwischen den beiden Geräten, es war mir klar, dass es hier und da Verbesserungen geben musste, doch das Ausmaß und die Stimmigkeit der Innovation hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit überraschte mich dann doch.

Vergleich zwischen altem und neuem Modell

Um allen, die es interessiert, einen Einblick zu geben, habe ich ein paar schöne Foto-Vergleiche angestellt, die sehr schnell zeigen, was sich getan hat.

Schon der bloße Blick auf die Verpackung zeigt, dass das alte Modell deutlich größer war (klar lag das auch an der Art, wie alles im Karton untergebracht war, dennoch ist die Dimension eine gänzlich andere):

Links das alte, rechts das neue Modell
Links das alte, rechts das neue Modell

Der Verpackungsinhalt ist nicht allzu unterschiedlich, wenn man sich anguckt, was grundsätzlich an Teilen enthalten ist:

Lediglich das Netzteil war beim alten Gerät mitgeliefert, so eines ist heute nicht mehr vorgesehen (kein Wunder, wer möchte beim üben maximal 1,5 Meter von der Steckdose entfernt stehen).
Lediglich das Netzteil war beim alten Gerät mitgeliefert, so eines ist heute nicht mehr vorgesehen – kein Wunder, wer möchte beim Üben maximal 1,5 Meter von der Steckdose entfernt stehen?

Wie man gleich sehen kann, gab es am elektronischen Teil viele Einstellmöglichkeiten, die beim Üben aber tatsächlich kaum ins Gewicht fallen, deswegen wurde der Großteil davon in der Revision abgeschafft. Aus der Praxis heraus weiß ich sicher, dass das kein Verlust ist, denn „zu viele Einstellungsmöglichkeiten“ verleiten fast immer dazu, „zu viel daran herumzuspielen“ – man sollte sich aber eher auf das Üben konzentrieren, nicht an der Technik herumbasteln. Ganz abgesehen davon konnte man sich mit der Reverb-Einstellung „Church“ hinsichtlich des eigenen Sounds ganz schön in die Tasche lügen…

Der elektronische Begleiter ist gleich deutlich schlanker ausgefallen, funktioniert aber (mit weniger Einstellungsmöglichkeiten) genauso gut.
Der elektronische Begleiter ist gleich deutlich schlanker ausgefallen, funktioniert aber (mit weniger Einstellungsmöglichkeiten) genauso gut.

Auf beiden Fotos habe ich mit voller Absicht die Kopfhörer unterschlagen, denn nach 22 Jahren gibt es das originale Paar Kopfhörer aus der blauen Kartonage einfach nicht mehr.

So weit ragt der alte Dämpfer aus dem Schallstück der Trompete heraus...
So weit ragt der alte Dämpfer aus dem Schallstück der Trompete heraus…
...und so (wenig) weit ist es beim neuen Modell – ich habe das rechte Foto nur dazugenommen, weil man vom Dämpfer links so wenig sieht.
…und so (wenig) weit ist es beim neuen Modell – ich habe das rechte Foto nur dazugenommen, weil man vom Dämpfer links so wenig sieht.

Tja, die Länge des Dämpfers hat sich am deutlichsten verändert, denn das originale Modell ragte wirklich weit aus der Trompete heraus (je nach Schallstück 10-15 Zentimeter). Wenn man da beim Üben in einer engen Wohnung oder einem kleinen Hotelzimmer nicht aufpasste, konnte man schon einmal anstoßen – eine schmerzhafte Sache, da sich der Stoß über Instrument und Mundstück auf die Lippen und Schneidezähne überträgt… (Ich schreibe aus schmerzvoller Erfahrung.)

Ein weiterer Nachteil des weiten Herausragens des alten Dämpfermodells war, dass es gerne mal nach einer Weile des Übens (wenn sich genug Feuchtigkeit aus der Atemluft im Schallstück angesammelt hatte), herausfiel. Ich ging, nachdem mir das ein- oder zweimal passiert war, dazu über, das Verbindungskabel vom Dämpfer zum Studio noch einmal um das Schallstück der Trompete zu winden, sodass der Dämpfer im Fall der Fälle erst einmal daran baumeln konnte. Dafür wurde das Kabel dann etwas kurz… Das neue Modell sitzt so tief und stabil im Schallstück, dass ich mir darüber erst einmal keinen Kopf zerbrechen muss.

Fast 118 Gramm – kein echtes „Schwergewicht“, am Ende eines Hebels aber deutlich spürbar...
Fast 118 Gramm – kein echtes „Schwergewicht“, am Ende eines Hebels aber deutlich spürbar…
Mit 69 Gramm sogar noch unter der Herstellerangabe (vielleicht haben die auch das Kabel eingerechnet) – den Unterschied fühlt man, vor allem in Verbindung mit der neuen Form!
Mit 69 Gramm sogar noch unter der Herstellerangabe (vielleicht haben die auch das Kabel eingerechnet) – den Unterschied fühlt man, vor allem in Verbindung mit der neuen Form!

Neben der Form ist das Gewicht des Dämpfers entscheidend, hier ist der Unterschied ebenfalls deutlich spürbar: fast 118 Gramm beim alten Modell stehen nicht einmal 70 Gramm beim neuen gegenüber. Verbindet man das mit der deutlich komprimierten Form, so ist das neue Modell viel besser im Alltag einzusetzen. Das ist sinnvolle Innovation, die auf Erfahrung basiert.

Eine Sache kann ich fotografisch nicht festhalten: den Rückstau. Beim Mundstück bläst man als Trompeter komprimierte Luft in das Instrument hinein, die muss ja irgendwo entweichen. Wie genau das Silent Brass-System die Kanalisierung gestaltet, dass es ohne den sonst üblichen – und äußerst hinderlichen – Rückstau klappt, weiß ich nicht. Dennoch: Auch an dieser Front hat sich einiges getan. Um es zu testen, habe ich heute von den 40-50 Minuten Üben zuerst 35 Minuten ohne Dämpfer gespielt. Dann bin ich auf den neuen Übedämpfer umgestiegen, um den direkten Vergleich zum „offenen“ Spielen zu erfühlen. Und das hat mich tatsächlich am meisten umgehauen, denn es war so gut wie gar kein Unterschied mehr zu fühlen. Wie auch immer die das hinbekommen haben, es war ein Geniestreich!

Fazit

Ich bin derart begeistert, dass ich in den nächsten Tagen garantiert allein deswegen noch einige Male mit dem neuen Silent Brass üben werde, auch wenn ich das hier (also zuhause) gar nicht müsste. Den Machern des neuen Systems sollten ganze Generationen von Trompetern dankbar sein, denn nun kann man wirklich „immer und überall“ spielen, ohne andere Leute damit zu nerven – gerade als Student, der eventuell in einem beengten Wohnheim üben muss ist das eine fantastische Sache! Hut ab vor den Entwicklern!

Gelesen: „Der wilde Planet“ von John Scalzi

Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!
Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!

In der Vergangenheit habe ich meine Begeisterung für die Romane von John Scalzi keineswegs verheimlicht (siehe hier, hier und hier). Mir gefallen an allen bisher genossenen Werken der locker-flapsige Ton, die oft skurrilen Wendungen, der wilde, teils absurde Humor und die halsbrecherische Action, die eigentlich immer wieder ausbricht.

Nachdem ich die gesamte „Dunkler Turm“-Reihe von Stephen King durchgelesen (und mittlerweile durchgehört) habe, wollte ich eine stilistische Abwechslung, denn wo Stephen King tendenziell in die epische Breite geht, bleiben die Romane von John Scalzi immer deutlich kürzer und kompakter, ohne dabei von minderwertiger Qualität zu sein. Es ist einfach ein knapperer Stil, der mir – gerade als Abwechslung nach vier King-Werken am Stück – gut taugt.

Zum Inhalt

Der Klappentext laut Amazon.de liest sich recht nüchtern und kann leider nicht im Geringsten das Vergnügen heraufbeschwören, das ich beim Lesen empfand:

Die Menschen haben die Galaxis besiedelt und beuten die Rohstoffe der Planeten nach Kräften aus. Für den Prospektor Jack Holloway ein einträgliches Geschäft, wird er doch an den Gewinnen beteiligt. Als auf Zara XXIII, einem paradiesischen Planeten, ein fossiles, in der Galaxis äußerst seltenes Material entdeckt wird, winkt plötzlich das große Geld. Aber keiner hat mit den geheimnisvollen Bewohnern dieser Welt gerechnet – und auch der Planet selbst hält noch einige Überraschungen parat …

Wie bei vielen anderen Scalzi-Romanen wird aus dem anfänglichen Antihelden Jack Holloway nach und nach in einigen überraschenden Wendungen ein absoluter Mega-Held, der mit geschickten und vorher nicht erahnbaren Kniffen für etliche Überraschungen sorgt.

Remake eines Klassikers

Was ich vorher nicht wusste: John Scalzi stellt mit diesem Roman eine Neufassung bzw. Umarbeitung eines bereits bestehenden Werks eines anderen Autors vor. Unter dem Titel „Der kleine Fuzzy“ wurde der Roman von H. Beam Piper bereits 1962 für den in Science Fiction-Kreisen äußerst begehrten Hugo Award vorgeschlagen – und das völlig zu Recht, wenn die Geschichte auch nur annähernd so gut wie die Neufassung ist.

Hörbuch hinterher

Wie immer habe ich mir gleich nach dem Beenden des eigentlichen Lesens das Hörbuch besorgt. Dieses gab es leider nur auf Englisch („Fuzzy Nation“, ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es sich dabei um ein Wortspiel über „Fascination“ handelt…), dafür mit dem Bonus, von Wil Wheaton vorgelesen zu werden, den ich als Sprecher sehr schätze. Da er außerdem ein guter Freund von John Scalzi ist, kann man wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Version sehr nah an die Vorstellung des Autors herankommt.

Fazit

Ich habe jede einzelne Minute des Lesens genossen, die letzten 100 Seiten musste ich am Stück durchpflügen, weil ich das Buch einfach nicht weglegen konnte. Wer auf unterhaltsame, intelligente, witzige und extrem spannende Science Fiction steht, wird hier von der ersten Seite an auf seine Kosten kommen.

Ein paar Gedanken zum Twexit

Twitter verliert seit einiger Zeit immens an Charme, zumindest für mich. Einerseits gibt‘s da wirklich haufenweise sehr nette Leute, auf deren Interaktionen ich eigentlich gar nicht verzichten möchte, andererseits treiben sich auch unglaublich viele Trolle herum, deren einziges Ziel darin zu bestehen scheint, anderen Menschen das Leben schwer zu machen.

Darüber hinaus ist Twitter in den letzten Jahren zu einem politischen Schlachtfeld geworden, der Tonfall ist hierbei grundsätzlich sehr aggressiv, es gibt nur „Freund oder Feind“, was mir nicht taugt. Gerade in dieser Hinsicht ist es erstaunlich und verstörend zu sehen, dass manche kleinen Accounts für einen nicht gelungenen Scherz gleich gesperrt werden, während Donald Trump eine Lüge nach der anderen und haufenweise Beleidigungen raushauen kann, ohne dass ihm die gleiche Konsequenz drohen würde. Da wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen. Das muss man sich eigentlich nicht antun.

Nun kam es in der letzten Woche zum ersten wirklich großen Schritt der Twitter-Macher, den Drittanbieter-Apps (wie Tweetbot) das Leben schwer zu machen, indem die API eingeschränkt wurde. Außerdem wurde für den 10. September angekündigt, nur noch gegen drastische Kosten für die Betreiber der separaten Twitter-Apps die Funktionalität für eine ausreichend große Nutzermenge zur Verfügung zu stellen. Der Hintergrund ist ganz klar: Twitter verdient vor allem an der Werbung, die aber z.B. in Tweetbot nicht angezeigt wird. Das hat mir immer sehr gut gefallen, weshalb ich auf allen Geräten nur mit dieser App Twitter erlebt habe. Durch die harschen Einschränkungen möchte Twitter die Nutzer zwingen, zunehmend zur originalen Twitter-App zurückzukehren.

Um die Sache abzukürzen: Ich werde meinen Twitter-Konsum stark einschränken, eventuell sogar ganz einstellen. Am Mittwoch habe ich meine aktive Zeit auf Twitter beendet, bin fast allen Einzelpersonen entfolgt und ich lese nun nur noch einmal am Tag (oder seltener) die Tweets der Nachrichtenportale und Zeitungen (sowie der wenigen verbliebenen Einzelpersonen). Mein ganz persönlicher Twexit. Da ich aber Gefallen daran gefunden habe, Neuigkeiten zeitnah und aus verschiedenen Quellen zu lesen und auch diverse virtuelle Bekanntschaften zu pflegen, habe ich mich nach Alternativen umgesehen – und auch zwei gefunden.

Alternative 1: Reddit

Bereits vor ein paar Monaten, genauer gesagt kurz nach der offiziellen Ankündigung, ab August die Drittanbieter-Apps für Twitter massiv einzuschränken, habe ich mir Reddit genauer angesehen – und gar nicht wenig Gefallen daran gefunden. Das hat seine Gründe:

  • Bei Reddit abonniert man Kanäle, sog. Subreddits, die jeweils genau einem Thema (und eben keinem anderen) gewidmet sind. Bin ich zum Beispiel an Neuigkeiten zum Thema „iPhone“ interessiert, abonniere ich das entsprechende Subreddit (in diesem Fall r/iPhone), analog verhält es sich mit so ziemlich jedem anderen Themengebiet. Das gefällt mir sehr gut, denn so landet nur wenig in meinem Feed, das mich nicht interessiert.
  • Reddit-User können in der Gunst der anderen Nutzer jederzeit steigen oder fallen: Alle Reddit-User starten mit einer „tabula rasa“, sie sind ein völlig unbeschriebenes Blatt. Je nach Aktion, also eigene Postings, Antworten auf andere Postings, Up-/Downvotes bestehender Postings etc. können sie sog. Karma-Punkte sammeln. Je mehr Karma-Punkte ein User hat, desto stärker wird er in der allgemeinen Aufmerksamkeit gepusht. Schreibe ich also als kompletter Neuling etwas, landet das so ziemlich bei niemandem im allgemeinen Feed (ist es eine Reaktion auf einen bestehenden Post, sehen das alle, die die Interaktion betrachten). Im Lauf der Zeit sammelt man Stück für Stück Punkte – es sei denn, man verhält sich wie ein Arsch, dann wird man von vielen anderen abgewertet, so steigt man nicht in der allgemeinen Wahrnehmung (was auch gut ist) – dann wird man in zunehmendem Maße wahrgenommen. Ich halte das für ein ziemlich gutes System, denn die grundsätzlich basisdemokratische Anlage (jeder User hat eine Stimme, mit der Up-/Downvotes vorgenommen werden können) verhindert, dass man sich permanent wie die „Axt im Walde“ verhalten kann (wie gesagt, man kann schon, dafür verliert man dann aber mit Sicherheit Karma-Punkte und somit über kurz oder lang Relevanz).
  • Der Feed, den Reddit mir also anzeigt, wenn ich die App öffne, besteht nun also aus Postings der von mir abonnierten Subreddits, die Sortierung ist im Standardfall jedoch alles andere als chronologisch, da ja – wie gerade erläutert – die Beiträge von Usern mit vielen Karma-Punkten bzw. Beiträge mir vielen Upvotes automatisch an die Spitze des Feeds sortiert werden. Das ist interessant, wenn man an den aktuellen Trends interessiert ist.

    Tja, hier sieht man, dass die Chronologie eindeutig nicht im Fokus steht...
    Tja, hier sieht man, dass die Chronologie eindeutig nicht im Fokus steht…
  • Glücklicherweise kann man Feed auch einfach umsortieren lassen, was ich zu meiner Schande erst beim Schreiben dieses Artikels entdeckt habe… Zur Verfügung stehen einige Optionen: Best für die am stärksten bewerteten Postings, Hot für die aktuell von den meisten Usern diskutierten Themengebiete, New für eine chronologische Sortierung, Top für die Beiträge mit den meisten Interaktionen (der Unterschied zu Hot will sich mir nicht ganz erschließen) und Controversial für Beiträge mit stark divergierenden Meinungen. Gerade bei politischen Themen ist letzte Option sicher höchst interessant. Seit heute wähle ich New als Standard, vorher war Best als Voreinstellung ausgewählt – was man nicht alles lernt…

    Die Möglichkeiten zum Sortieren des Feed, da bleiben kaum Wünsche offen.
    Die Möglichkeiten zum Sortieren des Feed, da bleiben kaum Wünsche offen.

Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile, die mir in den letzten drei Monaten durchaus aufgefallen sind – und aufgrund derer ich mir noch eine weitere Alternative angesehen habe:

  • Die Nutzer (sog. „Redditors“) können bisweilen sehr rechthaberisch und aggressiv sein. Einmal habe ich einen Post losgelassen, in dem ich mich positiv über die von mir benutzten Werbe-Blocker-Apps (iOS) äußerte. Die Antworten schwankten von (a) Dank für die Tipps über (b) die Behauptung, ich würde damit die gedruckten Zeitungen zugrunde richten (lustigerweise zahle ich monatlich für das Online-Abo unserer Lokalzeitung), bis hin zu (c) Attacken auf mein mangelndes technisches Verständnis. Selbst als ich bezüglich (c) schon zugegeben hatte, kein Experte auf dem Gebiet zu sein, schoben ein paar Nutzer noch mehrere Antworten nach, in denen sie kräftig verbal „hinlangten“. Das macht dann doch eher wenig Spaß, allerdings wird einem das vermutlich in jedem sozialen Netzwerk früher oder später passieren.
  • Im Feed werden immer wieder Werbe-Postings (zum Glück deutlich als „Sponsored“ markiert) angezeigt. Diese sind recht häufig (alle paar Scroll-Seiten) und können nicht ausgeblendet werden. Das ist kein Drama, irgendwie müssen die sich ja auch finanzieren, dennoch mag ich grundsätzlich keine Werbung (vor allem, wenn mich immer wieder die gleiche stumpfsinnige Werbung „anlacht“).

    Deutlich gekennzeichnet, aber eben auch sehr präsent.
    Deutlich gekennzeichnet, aber eben auch sehr präsent.
  • Ganz ähnlich ist es mit den Empfehlungen: Einerseits sind Empfehlungen für thematisch benachbarte Subreddits sicherlich für viele User ein guter Anlaufpunkt, um sich weiter in das Netzwerk zu vertiefen. Wenn ich aber mit meinem Themenkörbchen so zufrieden bin, nervt es irgendwann, jeden Tag mehrfach auf „interessante Subreddits“ hingewiesen zu werden.

    Die werden mir ziemlich oft angezeigt, spätestens nach dem zehnten oder fünfzehnten Ignorieren sollte es klar sein, dass ich kein Interesse daran habe...
    Die werden mir ziemlich oft angezeigt, spätestens nach dem zehnten oder fünfzehnten Ignorieren sollte es klar sein, dass ich kein Interesse daran habe…
  • Nicht selten kommt es vor, dass Postings (oft auch gute) von anderen Leuten aufgegriffen und immer wieder neu verbreitet werden. Häufig positiv bewertete Beiträge werden (je nach Sortierung des Feed) unter Umständen ganz nach oben sortiert, also kann es passieren, dass man über mehrere Tage hinweg immer wieder über die gleichen Postings stolpert. Ab einer gewissen Wiederholungszahl wird‘s langweilig. – Wie schon geschrieben: Stellt man auf die chronologische Ansicht um, fällt das Problem weg, leider habe ich sehr lange gebraucht, um das zu checken…
  • Insgesamt missfällt mir an Reddit am meisten, dass es ein enorm unpersönliches soziales Netzwerk ist. Damit meine ich, dass mir kein einziger Nutzer aufgefallen wäre, mit dem ich mehr als einmal kommuniziert hätte (abgesehen von den oben erwähnten aggressiven Typen, die noch mehrfach nachtreten mussten, als ich zugab, kein Experte für etwas zu sein… – darauf kann ich aber gerne verzichten). Die schiere Menge der Nutzer hat bislang keinen „echten“ persönlichen Austausch ermöglicht.

Mein persönliches Fazit: Reddit taugt mir, aber ich benutze es eher als eine Art Informationsquelle, weniger als soziales Netzwerk. Darin ist Reddit wirklich gut, gerade die chronologische Sortierung ist ein sensationell einfacher Weg, die Neuigkeiten sinnvoll geliefert zu bekommen. Für den schnellen und persönlichen Austausch zwischen Nutzern scheint es mir jedoch nicht das geeignete Medium zu sein.

Alternative 2: Mastodon

Zugegeben, der Name ist sperrig, er „flutscht“ nicht so richtig beim Aussprechen, dafür verbirgt sich dahinter eine recht junge (Mastodon gibt es erst seit gut zwei Jahren) und äußerst freundliche Community, die ich gerade einmal vor vier oder fünf Tagen für mich entdeckt habe. Im Gegensatz zu Twitter, das komplett zentralistisch aufgebaut ist, also nur über die Server des Mutterkonzerns läuft, ist Mastodon komplett dezentralisiert. Über viele einzelne Knotenpunkte im Netz, die dafür alle miteinander vernetzt sind, spannt sich ein im Vergleich zu Twitter (hinsichtlich der Nutzerzahlen) noch sehr überschaubares Netzwerk. Aber es gibt einige fantastische Vorzüge, die mir einleuchtete und mich schließlich dazu verleiteten, mich dort anzumelden und mich umzusehen:

  • Es gibt keine Werbung, da auch kein Mutterkonzern daran etwas verdienen könnte. Das entschlackt massiv den Feed (ich sehe es aktuell im täglichen Vergleich mit Reddit).
  • Das Konzept kombiniert den grundsätzlich zu begrüßenden OpenSource-Gedanken mit einer Vielzahl zur Verfügung stehender Endnutzer-Apps für alle nennenswerten Betriebssysteme – selbst auf den exotischsten Systemen kann man Mastodon einfach über den Browser benutzen. Für meine iOS-Geräte habe ich die App Tootdon gefunden (zusammengesetzt aus Toot, dem Pendant zum Tweet, und don, der Schlusssilbe von Mastodon), die kostenfrei verfügbar, sehr stabil und schick ist.
  • Die Anzahl der Nutzer ist international schon völlig unüberschaubar für den einzelnen Mitnutzer, doch auf einer Instanz, also einem Netzwerkknotenpunkt, sind nur eine begrenzte Zahl User angemeldet. Den Feed dieser Instanz, in meinem Fall die Mastodonten.de kann man sich in der App gesondert anzeigen lassen – so sieht man alle Interaktionen, die da ablaufen. Gleichzeitig kann man sich das gesamte Fediverse, also die Gesamtheit aller weltweit verfügbaren Instanzen, anzeigen lassen. Dabei fliegen einem unzählige Toots in einem wahnsinnigen Tempo um die Ohren – die Community brummt nur so!
  • Bevor die Sache zu technisch wird: Alles in allem funktioniert Mastodon wie ein soziales Netzwerk, mit den technischen Details muss man sich als Nutzer nur sehr selten befassen (einmal bei der Einrichtung, später nur, wenn man z.B. von einer Instanz zu einer anderen umziehen möchte, was aber meiner bisher noch recht oberflächlichen Meinung nach nicht erforderlich ist). Die technischen Aspekte werden von der App erledigt, ansonsten benutzt man die Apps einfach. Der Spaß kann beginnen.
  • Jede Instanz wird betreut und moderiert, es gibt Regeln. Wer gegen die Regeln verstößt, kann auch rausgeworfen werden. Bislang habe ich auf Mastodon aber noch niemanden entdeckt, der sich in einem negativen Sinne auffällig verhalten hätte. Wenn doch, kann man jemanden stumm schalten, blockieren oder – in schlimmen Fällen – melden.

Wie schon gesagt, ich bin erst seit ein paar Tagen dabei, bislang ist es ein wundervoll friedlicher Platz voller neugieriger und auf angenehme Weise kommunikativer Menschen. Spätestens zum Beginn des Schuljahres werde ich ohnehin viel weniger Zeit in der virtuellen Welt verbringen, dann füllen sich die Tage ganz ohne mein Hinzutun wie von selbst…

Kein missionarischer Eifer

Mir ist es wichtig, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass dieser lange Text nur meine eigene Sicht auf die Situation darstellt und meine Entscheidungen erklären bzw. verdeutlichen soll. Ich habe keinerlei Problem mit Menschen, die Twitter nach wie vor als „ihr Ding“ empfinden und dort glücklich sind. Niemand wird von mir hören: „Komm auch zu Mastodon, da ist es viel besser!“

Wenn jemand durch meinen Blog-Eintrag auf die Idee gekommen ist, sich die Sache einmal aus der Nähe anzusehen: Bitte, nur zu, es kostet nichts (außer ein wenig Zeit und Speicherplatz)! Wenn es jemanden jedoch völlig kalt lässt (gut, dann wird der-/diejenige auch nicht bis hier gelesen haben): Auch gut! Missionarischen Eifer brauche ich nicht zu entwickeln.

Wer mal reinguckt bei Mastodon findet mich dort unter @sebastianhahn@mastodonten.de, bei Reddit bin ich u/SebastianHahn. Schaut vorbei und sagt: „Hallo!“

Gelesen: „Der Turm“ und „Wind“ von Stephen King

Der „Nachzügler“-Roman zum „Dunklen Turm“-Zyklus – zuerst hegte ich Zweifel, dann gab ich mich dem Genuss hin...
Der „Nachzügler“-Roman zum „Dunklen Turm“-Zyklus – zuerst hegte ich Zweifel, dann gab ich mich dem Genuss hin…

Nun ist es vollbracht: Vor ein paar Minuten habe ich mit „Wind“ den nach Abschluss der gesamten Romanreihe noch hinzugefügten Teil – und somit den gesamten Zyklus – gelesen. Was sich im ersten Band aufgrund der kargen Sprache (und der Tatsache, dass die erste Hälfte des Bandes in umgekehrter chronologischer Reihenfolge erzählt wird) noch komisch anfühlte, wuchs bereits im zweiten Band zu einem höchst spannenden Trip in eine phantastische Welt, die an etlichen Punkten immer wieder eng mit der unseren verbunden ist. Spätestens ab dem fünften Band war es ein dermaßen furioser Ritt, dass ich die letzten vier Bücher binnen kurzer Zeit verschlungen habe.

Vor ein paar Tagen habe ich mit „Der Turm“ das eigentliche Ende des siebenbändigen Zyklus abgeschlossen, musste aber sofort und ohne jede Verzögerung in den Nachzügler-Band eintauchen, der zwischen die Bände vier („Glas“) und fünf („Wolfsmond“) gehört.

Zuerst hatte ich ein etwas eigenartiges Gefühl, denn nach Abschluss der gesamten Reihe noch einmal in die Mitte zurückzuspringen – kann das klappen? Nun ja, ich zweifelte nicht lange, denn „Wind“ ist einfach gut geschrieben, binnen Minuten steckt man wieder in der alten Handlung drin – danach schweift der Roman ohnehin ab und taucht in eine gänzlich neue Welt ein: Roland erzählt von einem Abenteuer in seiner Jugend, in das wiederum eine Erzählung eingebunden ist, die er von seiner Mutter vorgelesen bekommen hatte. Also eine Geschichte in einer Geschichte (und das in einer Geschichte) – klingt nach viel Meta-Ebene, ist aber als Lese-Erlebnis sehr unterhaltsam und ergänzt tatsächlich den Zyklus um die eine oder andere faszinierende Facette.

Mehr zum Inhalt schreibe ich nicht, denn ich möchte nichts spoilern. Insgesamt aber kann ich nun feststellen, dass es sich bei diesem Romanzyklus um ein fantastisches Epos handelt, das, wie Stephen King selbst im Vorwort schreibt, eine Mischung aus diversen Italo-Western von Sergio Leone und Tolkiens „Herr der Ringe“ darstellt. Und doch wächst die Geschichte weit über beide Vorlagen hinaus, gerade durch die Verknüpfung vieler Welten, deren Schicksal vom Wohl und Wehe des Dunklen Turms abhängt.

Das zentrale Zitat von Jake Chambers.
Das zentrale Zitat von Jake Chambers.

Alle mir bekannten King-Romane zeichnen sich durch Querverbindungen aus, die für Kenner der Materie in zunehmendem Maße zu Tage treten. Wer sich für diese Fülle von kleineren oder größeren Hinweise oder Bezüge interessiert, dem sei das King-Wiki (hier) wärmstens empfohlen. Allerdings ist das Lesen der Artikel stets mit dem Risiko verbunden, den Inhalt bereits verraten zu bekommen, weshalb ich mir die Hinweise immer erst nach dem Abschluss eines Romans zu Gemüte führe. Etliche habe ich selbst auch entdeckt, aber den einen oder anderen Querverweis hätte ich sonst nie erkannt.

Als schlauer Fuchs hat Stephen King selbst kurz vor Abschluss des siebten Bands auf einen anderen Roman verwiesen, in dem es – seiner eigenen Angabe nach – wohl nur so von Bezügen zum „Dunklen Turm“ wimmeln soll: „Schlaflos“.

Angeblich beziehen sich weite Teile des Romans auf den „Dunklen Turm“-Zyklus – also muss ich ihn wohl lesen...
Angeblich beziehen sich weite Teile des Romans auf den „Dunklen Turm“-Zyklus – also muss ich ihn wohl lesen…

Und somit ist natürlich auch klar, welches King-Buch als nächstes gelesen wird. Davor schiebe ich aber – variatio delectat – erst einmal (mindestens) ein Buch eines anderen Autors ein, vielleicht einen der frühen John Scalzi-Romane. „Der wilde Planet“ und „Androiden-Träume“ liegen noch ungelesen im iPad – einer der beiden wird‘s dann wohl werden.

Die Vorteile eines Haus-Akkus

Vor ein paar Wochen berichtete ich davon (hier), wie zufrieden ich mit dem Energiespeicher bin, der Ende Mai als Ergänzung zu unserer Photovoltaik-Anlage installiert wurde (hier). Mittlerweile haben wir einen weiteren Monat mit einer Autarkie-Quote von 98 Prozent hinter uns, was natürlich sehr schön ist, im Winter aber wohl kaum haltbar sein wird. Dennoch: zwischen Frühjahr und Herbst sollten fast alle Energiebedürfnisse durch die Photovoltaik in Kombination mit dem Akku befriedigt werden können.

Doch ich habe in den vergangenen Wochen noch etwas gelernt: Der Akku ist auch perfekt dazu geeignet, kurzfristig hohen Energiebedarf abzufedern. Ein Beispiel: Wenn man eine Fläche am Herd auf die höchste Stufe einstellt, zieht der Herd locker 1,5 bis 2 kW. Liefert die Photovoltaik zu diesem Zeitpunkt aber nur 1,3 kW, müssten 200 Watt vom Netz bezogen werden. Das passiert im Moment aber nicht bzw. nur für einen relativ kurzen Moment, bis die Steuerung des Akkus das realisiert hat und Energie aus dem Akku bereitstellt.

Gerade vorhin habe ich das wieder einmal erlebt, doch um das zu erläutern, muss ich ein wenig ausholen. Unsere PV-Anlage ist auf der Westseite des Dachs angebracht, was mit der Ost-West-Ausrichtung unseres Hausdachs zusammenhängt. Auf diese Weise greifen wir ab ca. 11:30 bis fast zum Sonnenuntergang (kurz vorher ist dann das Nachbarhaus im Weg) die intensivsten Sonnenstunden ab. Vor dieser Zeit kommt ab Sonnenaufgang auch schon einiges an Energie rein, aber eben noch nicht ganz so viel.

Zurück zur aktuellen Situation: Unsere Spülmaschine war voll, also aktivierte ich sie gegen 9:00 h, obwohl noch nicht genügend PV-Energie erzeugt wurde, um den Bedarf der Spülmaschine abzudecken. Der Haus-Akku war aber bei über 50 Prozent, also stellte das überhaupt kein Problem dar, denn so konnte ich sichergehen, dass bis zum Mittagessen unser Geschirr zur Verfügung stünde, der Akku stellte die Energie bereit – perfekt!

2,27 kW Bedarf, 910 Watt PV-Energie, der Rest kommt vom Akku. Sobald die PV-Erzeugung über dem Bedarf ist, wird der Akku weiter aufgeladen.
2,27 kW Bedarf, 910 Watt PV-Energie, der Rest kommt vom Akku. Sobald die PV-Erzeugung über dem Bedarf ist, wird der Akku weiter aufgeladen.

Wie die Darstellung schön zeigt, sorgt der Akku dafür, dass alle PV-Energie (zum Zeitpunkt des Screenshots waren es 910 Watt) aufgebraucht wird, der Mehrbedarf (hier 1,37 kW) muss aber nicht aus dem Netz bezogen werden. Somit ist verständlich, wie sich die in der rechten Hälfte angezeigte Autarkiequote für den heutigen Tag bei 100 Prozent eingependelt hat.

Ohne den Akku würden wir natürlich auch weite Teile unseres Solarstroms verbrauchen, gerade in Momenten hohen Strombedarfs aber (z.B. Kochen am Mittag und am Abend, Spül- und Waschmaschine, Toaster, Mikrowelle und noch so ein paar Kleinigkeiten) müssten wir täglich Energie dazukaufen. Der Akku sorgt dafür, dass wir das größtenteils umgehen können.