Archiv der Kategorie: Vergangenheit

Lieber ein Ende mit Schrecken…

Seit gut einem Monat bin ich kein Kunde von O2 mehr. Und was bin ich froh. Abgesehen von einer suboptimalen Netzabdeckung – gerade am Arbeitsplatz, wo ich es am ehesten gebraucht hätte – war der Kundenservice eine reine Farce.

Beispiele gibt es zuhauf:

  • Bei jeder noch so kleinen Änderung an den Einstellungen (z.B. Hinzubuchen einer Erweiterung der Daten-Flatrate von 200 MB auf 500 MB/Monat) wurden alle Info-Kanäle (z.B. O2 Local) wieder aktiviert, die ich zuvor manuell abgestellt hatte. Lästig.
  • Werbe-Anrufe kamen immer wieder, auch wenn ich sie kategorisch abgelehnt hatte.
  • Eine effektive Informationsvernetzung innerhalb des Konzerns ist quasi ausgeschlossen, immerhin rief mich ein Mitarbeiter an, dass es jetzt möglich sei, meinen Vertrag zu verlängern, da hatte ich gerade vor vier oder sechs Wochen gekündigt.
  • Beim O2-Shop, in dem ich den Vertrag vor Jahren abgeschlossen hatte, ist eine Verbindung zum Server grundsätzlich nicht möglich – vier oder fünf Versuche von mir und noch ein paar separate Besuche meiner Frau in diesem Etablissement führten jeweils zum gleichen Resultat: Kann gerade nicht abschließend bearbeitet werden, da der Server nicht erreicht werden kann. Ein fataler Zustand für eine Firma, die immer weniger Papier einsetzt und mehr über elektronische Medien kommuniziert.

Den Vogel schoss aus meiner Sicht aber der Abschluss dieser Geschäftsbeziehung ab, denn am Tag meines Vertragsendes wurde mein Kundenkonto quasi sofort unzugänglich. Ich habe versucht, an die Rechnungsdaten zu kommen, bin über drei Betriebssysteme (iOS, macOS, Windows) und fünf verschiedene Browser (Safari Mobile, Safari, Ghostery, Internet Explorer, Firefox) an die Sache herangegangen – doch ohne jeden Erfolg.

Um für die Steuererklärung meine Handy-Rechnungen parat zu haben, konnte ich zumindest über die O2-App auf dem iPhone noch an die Daten bis Dezember 2017 kommen. Doch die Januar-Daten, zu denen auch die Kosten für die Rufnummer-Mitnahme gehören, bekomme ich nicht zu sehen, da ich mich nicht einloggen kann.

So kann man die Kunden auch am Ende einer Geschäftsbeziehung noch vergraulen...

So kann man die Kunden auch am Ende einer Geschäftsbeziehung noch vergraulen…

Safari meldete mir bei jedem Log In-Versuch, dass es „zu viele Weiterleitungen“ gäbe, Firefox war noch deutlicher: „Die Weiterleitung ist so gestaltet, dass die Seite nie geladen werden kann.“ Tja, viel deutlicher kann man es nicht auf den Punkt bringen.

Fazit: Ich bin ja so froh, dass ich diesen schlecht organisierten Provider hinter mir gelassen habe. Einen Vertrag mit O2 kann ich aus mehrjähriger Erfahrung niemandem empfehlen, denn verhältnismäßig hohen Kosten und extrem unflexiblen Vertragsbedingungen stehen – und das wurde vor ein paar Wochen erst hochoffiziell festgestellt (hier, hier, hier) – keine im Vergleich zur Konkurrenz nennenswerten Gegenleistungen gegenüber. Für mich hat sich der Wechsel gelohnt, denn ich bekomme für zwei Euro weniger bei völliger Vertragsfreiheit (monatlich kündbar, Telefonie-/SMS-/Daten-Flats einzeln jederzeit anpassbar etc.) bei Congstar ein gutes Netz (Telekom) – O2 weine ich indes keine Träne nach.

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Song des Tages (376) – 2018-01-29

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Sting und Shaggy, zwei Musiker, die in dieser Sparte meines Blogs schon vertreten waren, haben vor ein paar Tagen einen gemeinsam aufgenommenen Song veröffentlicht. Gestern habe ich ihn erstmals angehört — und war sofort angetan von dieser herrlich entspannten Mischung.

Für Reggae-Fans und für Freunde der frühen Police (die ja auch stark von Ska, Punk und Reggae beeinflusst waren) ist der Song gleichzeitig modern wie auch ein Trip in eine nostalgisch verklärte Vergangenheit. Mir gefiel der Song gleich dermaßen gut, dass er in diese Liste aufgenommen werden musste: „Don‘t Make Me Wait“ von Sting und Shaggy:

So groovt es sich leichter in die neue, anstrengende Arbeitswoche!

P.S.: Mittlerweile ist der offizielle Video-Clip erschienen, also verlinke ich auch den hier:

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Album der Woche – Episode 17 – 2018-01-28

Jede (oder zumindest fast jede) Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Iron Maiden: „Seventh Son of a Seventh Son“

Ziemlich absurd-gruseliges Cover, zum Glück ist die Musik wesentlich bodenständiger als das Cover-Artwork...

Ziemlich absurd-gruseliges Cover, zum Glück ist die Musik wesentlich bodenständiger als das Cover-Artwork…

In meiner Kindheit war ich gelegentlich bei einer Nachbarsfamilie zu Besuch, deren drei Söhne einen ausgeprägten Musikgeschmack hatten. Mindestens zwei der Jungs hörten gerne und überwiegend Heavy Metal, der dritte war ein großer Elvis- und Country-Fan. Bis auf die Country-Musik, von der bis heute bei mir nur recht wenige Stücke jemals einen positiven und bleibenden Eindruck hinterlassen haben, infizierten mich all die anderen dort gespielten Musikrichtungen, denn bis heute finde ich Elvis cool und höre gerne Hard Rock und Heavy Metal.

Rein optisch blieb ich beim Betreten des einen Zimmers im Haus dieser Familie immer an einem eigenartig faszinierenden, gleichermaßen anlockendem wie auch abstoßend gruseligem Poster hängen, das ein – damals noch recht frisch herausgekommenes – Plattencover in Großformat zeigte. Das Albumcover zeigt (siehe oben) das Iron Maiden-Maskottchen Eddie in einer… nun ja, nennen wir es „leicht unnatürlichen Pose“. Wie schon angesprochen: Als junger Kerl faszinierte mich das Bild maßlos, ohne dass ich einen einzigen Ton dieses Albums kannte.

Gehört habe ich die Stücke erst viel, viel später, da gingen noch mindestens fünf Jahre ins Land. Die Musik gefiel mir aufgrund der vielen langen Melodie-Linien, die sich sowohl bei Sänger Bruce Dickinson als auch zwischen den beiden E-Gitarren (Dave Murray und Adrian Smith) entfalteten. Hört man die Musik, dann vergisst man das eigenartige Plattencover recht schnell wieder – was vielleicht auch gut so ist.

Die Songs:

„Seventh Son of a Seventh Son“ ist ein Konzeptalbum, dessen Stücke zwar lose, aber doch spürbar zusammengehören, das Album wird ganz zu Beginn und ganz am Ende von einer kleinen, an einen mittelalterlichen Troubadour erinnernden Gesang mit spärlicher Akustik-Gitarren-Begleitung umrahmt:

Seven deadly sins
Seven ways to win
Seven holy paths to hell
And your trip begins
Seven downward slopes
Seven bloodied hopes
Seven are your burning fires
Seven your desires…

Ein sehr geschickter Schachzug, den der geneigte Hörer am Ende des Albums sofort bemerkt und dann gleich noch mehr Gefallen an der Zusammenstellung findet. Zwischen den beiden umrahmenden Abschnitten findet sich eine interessante Sammlung – meiner bescheidenen Meinung nach – wahrlich großartiger Heavy Metal-Stücke, die gerade in ihrer Kombination eine unglaubliche Durchschlagskraft entwickeln.

Bei Konzeptalben ist es immer sehr schwer, einzelne Stücke als besonders gut herauszugreifen, denn meist wirken sie ja gerade in der Kombination mit den anderen Stücken so stark. Dennoch benenne ich meine Favoriten:

  • „Can I Play With Madness“: Ohne Zweifel das poppigste Heavy Metal-Stück, das Iron Maiden bis heute auf den Markt gebracht haben. Dafür bleibt es derart hartnäckig im Ohr kleben, dass man sich manchmal schon wünscht, es doch lieber nicht gehört zu haben. Für alle Skeptiker, die nicht glauben, sich jemals mit einer Band wie Iron Maiden arrangieren zu können, ist dies sicher der geeignetste Einstiegs-Song.
  • „Seventh Son of a Seventh Son“: Der Titel-Song ist mit fast zehn Minuten Spielzeit eindeutig kein Pop-Song, im Radio wird dieser Song ohne jegliche Diskussion als „unspielbar“ abgetan, da er den zeitlichen Rahmen von drei bis maximal dreieinhalb Minuten sprengt. Dafür ist es ein ungemein vielseitiger und dadurch abwechslungsreicher Song, der viele der langen Melodiebögen, die ich oben erwähnt habe, enthält. Der Zungenbrecher des Titels wird im Refrain gleich mehrfach in hals-, nein: zungenbrecherischer Geschwindigkeit dargeboten, ein nicht nativer Englisch-Sprecher wird dafür sicher eine Weile üben müssen… Um die Sache abzukürzen: Sicherlich keine Kost für Radio und TV, umso mehr aber für die Fans der Band – stimmungsvoll, perfekt produziert, schlicht umwerfend!
  • „The Clairvoyant“: Hier wird das Tempo ganz gut angezogen, darüber hinaus gibt es mehrere interessante Stimmungswechsel, sodass am Ende gut viereinhalb Minuten musikalischer Faszination stehen, die man sich immer wieder anhören kann. Die ersten paar Sekunden führen den Hörer dabei leicht in die Irre, doch noch bevor man den Finger auf die „Weiter“-Taste legen kann, ist man schon in der Melodie gefangen…
  • „Only The Good Die Young“: Zuerst wirkt der Song etwas hektisch, doch spätestens beim Refrain erlangt er (nicht zuletzt durch einen geschickten Tonartwechsel) eine schwerelose Qualität, die mich jedes einzelne Mal neu fasziniert. Ganz am Ende schließt sich der Rahmen um das Album mit dem Troubadour-Gesang…

Fazit

Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass das Album-Cover allein vermutlich schon einige potentielle Hörer abgeschreckt hat. Doch der Inhalt eines Albums lässt sich immer nur bedingt mit der äußeren Darreichungsform in Einklang bringen. Wer also ein bisschen Vertrauen in meinen musikalischen Geschmack setzt, der kann sich die unten verlinkten Stücke ruhigen Gewissens anhören, ich finde sie auf jeden Fall sehr stimmungsvoll und gelungen.

Links

Alle meine Lieblingsstücke von diesem tollen Album habe ich bei YouTube gefunden, also sind sie hier verlinkt. Viel Vergnügen!

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Album der Woche – Episode 15 – 2017-12-31

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

The Blues Brothers (Original Soundtrack Recording)

Eines der ganz großen Alben des 20. Jahrhunderts, das man auf gar keinen Fall „zu häufig“ anhören kann.

Eines der ganz großen Alben des 20. Jahrhunderts, das man auf gar keinen Fall „zu häufig“ anhören kann.

Als Jugendlichem ging es mir so, doch bis heute sollen Leute herumlaufen, die nicht wissen, dass die Band The Blues Brothers nicht nur im gleichnamigen Film von John Landis existierte. Vielmehr veröffentlichte die Band eine ganze Reihe grooviger Alben, von denen ich insgesamt mindestens drei sehr gut kenne.

Vielleicht habe ich den Soundtrack einfach zu oft gehört, um nicht sofort an ihn denken zu müssen, wenn die Sprache auf diese Band kommt. Doch das Album ist unglaublich stark. Es hat sich den Platz in dieser illustren Runde mehr als nur verdient, es war von Anfang an dafür prädestiniert

Die Songs:

Elf Songs, 40 Minuten Spielzeit, Gast-Stars ohne Ende, von der ersten bis zur letzten Sekunde Groove – alles handgemacht, wer da nicht mit den Füßen mitwippt oder die Hüften kreisen lässt, der hat das Leben nicht begriffen.

Es gibt faktisch nur Highlights auf dieser Platte, ein Hit jagt den nächsten, doch ich habe natürlich auch ein paar Favoriten, die ich besonders gern höre:

  • „She Caught The Katy“: Eine der goldenen Regeln in der Musik heißt ja, dass der Opener eines Albums stark sein muss. Dieser ist es. Im Film gleich noch mehr, denn erst wird Jake Blues völlig ohne Musik aus dem Gefängnis entlassen, dann holt ihn sein Bruder in einer „Bullenschaukel“, einem ausgemusterten Polizeiwagen, ab. Erst als sich die beiden vor den Gefängnismauern gegenüberstehen, setzt die Musik ein – mit diesem Stück. Und es verfehlt seine Wirkung nicht, zumindest nicht die Wirkung auf mich. Als ich vor gut einem Jahr bei der Blues-Band „Blues and the Gang“ für zwei Gigs aushelfen durfte, stand „She Caught The Katy“ mit auf dem Programm – das war wie eine Erleuchtung für mich, das Stück mal „von der anderen Seite aus“ kennenlernen zu dürfen. Seither mag ich es noch mehr.
  • „Peter Gunn Theme“: Unter dem Adjektiv „cool“ findet man ja viel Musik, doch dieses Stück definiert meiner bescheidenen Ansicht nach den Informationsgehalt von Coolness in musikalischer Form. Der Einstieg über Schlagzeug, Bass und Gitarre, bevor dann die Bläser mit ihrem rotzigen Riff einfallen, das ist ein derart gelungenes Stück Musik, dass ich es bereits vor einigen Jahren für meine Schul-Big Band arrangiert habe. Die Rhythmusgruppe langweilt sich zwar immer ein wenig, weil sie wirklich das gesamte Stück (mit Ausnahme der letzten zwei oder drei Takte) das gleich Pattern zu spielen haben, doch auch das kann man ja mit einer gewissen Nonchalance vortragen und sich dabei entspannen.
  • „Everybody Needs Somebody To Love“: Von allen Highlights ist dieses das mitreißendste. Ganz unzweifelhaft stellt diese Szene den Höhepunkt des Films dar: Die Blues Brothers kommen viel zu spät zum eigenen Konzert und werden entsprechend kühl empfangen. Doch mit diesem Song schaffen sie es, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, sogar die Polizeistreitkräfte, die sie eigentlich verhaften sollen, werden von der Kraft der Musik angesteckt und vergessen ganz, was sie eigentlich tun sollten. Ein Märchen, klar, aber ein schönes!
  • „Think“: Aretha Franklin in absoluter Höchstform! Der Song ist allein schon superb, im Film aber, gewürzt mit der süffisanten Choreographie, in den Kontext der Szene gestellt, verfehlt sie nie die Wirkung auf die Zuschauer. Meine Nackenhaare stellen sich ehrfürchtig auf, wenn ich nur an den Song denke.

Fazit

Könnte man die Zeit einfach so zurückdrehen und ohne das Auslösen diverser Zeitreise-Paradoxa ein paar Jahre in die Vergangenheit reisen, dann würde ich mir auf jeden Fall einen der legendären Live-Auftritte dieser Band reinziehen. Das muss schlicht umwerfend gewesen sein. Leider ist John Belushi ja nun schon seit etlichen Jahren tot, sodass es nicht mehr möglich ist, diesen Haufen, der „stark genug war, um Ziegenpisse in Benzin zu verwandeln“ live zu hören. Schade, sehr schade. Zum Trost kann man sich das Album aber gut und gerne ein paar hundert Mal anhören.

Links

Nachdem sich hin und wieder Leser meines Blogs über den Mangel an Links zu den Stücken beschwert haben, kommt hier – erstmalig – eine Sektion für die Musikhungrigen ohne Streaming-Abo:

So, mehr schreibe ich in diesem Jahr nicht mehr in diesen Blog hinein, lasst es euch allen gut gehen, seid nett zueinander, wir sehen/lesen/hören uns im neuen Jahr wieder!

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Album der Woche – Episode 14 – 2017-12-24

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Bob Dylan: „Christmas In The Heart“

Außen schnulzige Biederkeit, innen, na ja... „Überraschung!“

Außen schnulzige Biederkeit, innen, na ja… „Überraschung!“

Bob Dylan ist seit langen Jahren als „musikalisches Chamäleon“ bekannt, da er immer dann, wenn die Kritiker meinen, ihn endlich auf eine Stilrichtung festnageln zu können, diese schleunigst hinter sich lässt, um sich einer anderen zuzuwenden. Das Spielchen treibt er schon so lange, dass es kaum mehr möglich ist, alle seine bislang gestreiften musikalischen Stile in einer übersichtlichen Form darzustellen – also lasse ich das gleich.

Vor ein paar Jahren entdeckte ich durch Zufall ein Album mit Weihnachtsstücken vom Altmeister des Stilwandels. Ich lauschte in die Tracks hinein, wurde zunehmend angetaner, am Ende kaufte ich es und lud es auf meinen iPod Classic. Und einige der Stücke habe ich bis heute wirklich oft angehört. Mit gutem Grund, wie ich unten erläutern werde.

Die Songs:

Auf dem 2009 erschienenen Weihnachts-Album sind 15 Titel mit überwiegend überschaubarer Spielzeit anzutreffen, insgesamt dauern die Stücke gerade einmal 42 Minuten. Wie es für ein Weihnachts-Album üblich ist, kennt man die Stücke eigentlich alle schon – manche mehr als man möchte… Doch es wäre kein Bob Dylan-Album, wenn er nicht eine ganze Reihe abstruser Kunstgriffe angewandt hätte, um sie zu verfremden oder so umzukrempeln, dass sie eine neue „Brechung“ durch die „Dylan-Linse“ erhalten.

Am besten ist auf dem ganzen Album meiner Meinung nach eigentlich die fürchterlich kratzige Stimme, die – auf den ersten Lauscher – so gar nicht zu den zuckersüßen amerikanischen Weihnachts-Klassikern zu passen scheint. Gewöhnt man sich aber einmal daran, gibt gerade diese raue, ungeschliffene Facette den Songs genau das, was ihnen sonst fehlt (ich spreche von Studio-Produktionen, als Musiklehrer kann ich ein paar hundert Verse über miserable Darbietungen von bekannten Weihnachtsliedern bieten…).

An den folgenden Songs gefällt mir immer genau das gleiche: Im Hintergrund bietet die Begleitung musikalischen Zuckerguss vom Feinsten, um dann durch die Reibeisen-Kratzstimme von Bob Dylan erfolgreich „interessant gemacht zu werden“. Diese Imperfektion der wichtigsten Gesangsstimme stiehlt den Stücken ihre Kitschigkeit, und genau deswegen gefallen sie mir. Meine vier Anspieltipps:

  • „Here Comes Santa Claus“
  • „Winter Wonderland“
  • „I’ll Be Home For Christmas“
  • „Have Yourself A Merry Little Christmas“

Fazit

Bob Dylan ist und bleibt ein Kuriosum. Kaum ein etablierter Musiker könnte sich einen derartigen Stunt mit beliebten Weihnachtsliedern erlauben – und damit auch noch Erfolg haben. Als Lehrer kenne ich die „Freuden der Vorweihnachtszeit“ nur zu gut: Stress, Stress, Stress – dazu die völlig deplatziert wirkenden Sprüche von der „stillen und besinnlichen Zeit“. Von Stille und Besinnlichkeit habe ich in den letzten zehn Jahren rund um die Weihnachtszeit eigentlich nichts gemerkt. Meist lief es so, dass bis kurz vor knapp geackert wurde, um dann mit dem Beginn der Ferien völlig abgeschafft in ein Loch zu fallen (dieses Jahr stellt übrigens keine Ausnahme dar). Genau in diese Stimmung, in der einem die Heuchelei der Weihnachts-Industrie permanent auf die Nerven geht, ist dieses verquere Weihnachts-Album von Bob Dylan eine wundervolle Alternative zu den ganzen Schnulz-Samplern, die sich sonst so auf dem Markt tummeln. Wer mit der ganzen künstlich generierten Hektik der Feiertage auch auf Kriegsfuß steht, sollte diesem Album, vor allem aber den oben empfohlenen Songs eine Chance geben.

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Album der Woche – Episode 13 – 2017-12-17

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Dream Theater: „Images And Words“

Selbst das pseudo-philosophische Cover kann von der unschlagbar vielseitigen Musik nicht ablenken – eines der besten Progressive-Alben aller Zeiten!

Selbst das pseudo-philosophische Cover kann von der unschlagbar vielseitigen Musik nicht ablenken – eines der besten Progressive Metal-Alben aller Zeiten!

Dream Theater ist (bzw. war über viele Jahre hinweg, ich habe die letzten paar Alben nicht mehr weiter verfolgt) eine der besten wenn nicht gar die herausragendste Progressive Metal-Band überhaupt. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die es zwar schafften, unglaublich vertrackte Stücke zu schreiben und auch mit ausreichend Professionalität zu spielen, gelang es Dream Theater jedoch stets, über die musikalische Komplexität hinaus immer auch die Eingängigkeit zu gewährleisten, die dafür sorgte, dass die Stücke „im Ohr hängen blieben“.

Jedes einzelne Band-Mitglied auf „Images and Words“ist ein Solist der Extra-Klasse, jedes Stück ein furioses Feuerwerk virtuoser Darbietungen. Die Komplexität und Vielseitigkeit der Stücke sorgen für durchgehenden Genuss, alle 57 Minuten Spielzeit sind vollgestopft mit entzückenden musikalischen Ideen. Langeweile gibt es da schlicht und einfach nicht.

Die Songs:

Insgesamt beinhaltet das 1992 erschienene Album 8 Titel mit einer Spielzeit von gut 57 Minuten. Es gibt überhaupt keine Ausfälle hinsichtlich der Qualität, drei besondere Juwelen finden hier aber ihre eigene Erwähnung:

  • „Pull Me Under“: Auch wenn der Opener des Albums nicht im Stil von AC/DC mit einem „knackigen Riff“ beginnt, so erkennen Fans doch spätestens beim dritten Ton, um welches Stück es sich handelt. Ausgehend von dieser gezupften Einleitung auf der Gitarre baut sich schon bald ein derbe brettmäßiger Groove auf, über den sich dann auch der Gesang in luftige Höhen emporschwingen kann. Haufenweise sensationelle solistische Einlagen runden den Genuss ab, wer dieses Stück auch nur ein einziges Mal gehört hat, ist schon angefixt. Mir zumindest ging es so, denn nachdem ich das Stück beim Bassisten meiner damaligen Band im Auto gehört hatte, mussten die gesammelten Ersparnisse dran glauben, um diese CD zu kaufen.
  • „Under A Glass Moon“: Der Song an sich ist schon klasse, aber der wahre Grund für meine Empfehlung ist das Gitarrensolo von John Petrucci, denn dieses ist spektakulär gelungen. Allein dieses eine E-Gitarren-Solo würde die Empfehlung des gesamten Albums rechtfertigen, so gut ist es.
  • „Learning To Live“: Beide bereits angepriesenen Stücke sind mit ihren Spielzeiten von 8:15 („Pull Me Under“) und 7:04 („Under A Glass Moon“) nicht gerade kurz, doch der Abschluss des Albums ist das monumentale „Learning To Live“, das mit einer Spielzeit von mehr als elfeinhalb Minuten daherkommt (und dabei ignoriere ich die Tatsache, dass es nahtlos an den Vorgänger anschließt, wodurch eigentlich ein noch längeres Stück-Konglomerat entsteht. Die gesamte (enorme) Zeitspanne ist ein dermaßen „wilder Ritt“, ein Mix aus Passagen, die den unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen entstammen, eine unverschämt virtuose Zurschaustellung instrumentaler Fähigkeiten, dass man wirklich nur noch „mit den Ohren schlackern“ kann. Dieser Song wird niemals eine Chartplatzierung erhalten, er ist auch ohne das angehängte Vorstück schon fast viermal so lang, wie es für die normale Radiospielbarkeit gut wäre, aber für Progressive Metal-Fans ist es eine absolute Erleuchtung!

Fazit

Wenn schon das zweite Album einer Band eine derart hohe Messlatte anlegt, dann ist ja immer viel zu erwarten. Bei Dream Theater war das auch eindeutig der Fall, denn es folgten noch ein paar vollkommen exzellente Alben. Irgendwann ebbte jedoch meine persönliche Progressive Metal-Phase ab, sodass ich heute nur noch selten ein Album in voller Länge reinziehe (natürlich sind fast alle Progressive Metal-Alben auch Konzept-Alben, die man dann auch komplett und am Stück durchhören „muss“). Wenn ich aber zwischendurch mal wieder bei „Images And Words“ hängen bleibe, sind es auf jeden Fall die drei oben empfohlenen Songs. Probiert es aus, sie werden euch gefallen!

Ein kleiner Appetizer soll das folgende Live-Video von „Pull Me Under“ sein, das Stück gefällt fast allen auf Anhieb:

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Album der Woche – Episode 12 – 2017-12-03

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Richie Sambora: „Stranger In This Town“

Ein himmlisches Blues-Album von einem Gitarristen, den man so vorher noch nicht erlebt hatte...

Ein himmlisches Blues-Album von einem Gitarristen, den man so vorher noch nicht erlebt hatte…

Richie Sambora ist vielen ja als langjähriger Gitarrist der Glam-Rock-Band Bon Jovi bekannt, doch mit der Band konnte ich bis auf ein paar wenige Stücke nie so richtig viel anfangen (wobei die paar Stücke, die mir gefallen, dann über Jahrzehnte hinweg ihren Platz in meinen Favoriten-Listen behaupten konnten). 1990 erschien jedoch ein Solo-Album des Gitarristen, auf dem er auch singt – und zwar richtig, richtig gut –, und das einen gänzlich anderen musikalischen Weg einschlägt als der gesammelte Bon Jovi-Stoff.

Es ist ein Album mit einer gelungenen Mischung aus Pop, Rock und ganz viel Blues. Wie sehr ihn dieses eigene Projekt gereizt haben muss, erkennt man ganz einfach daran, mit wieviel Liebe zum Detail alle Stücke aufgenommen wurden. Der Sound ist eine ganz runde Sache, die dem Blues eigene Melancholie kommt nicht zu kurz, und doch gibt es immer wieder ordentlich „eins auf die Glocke“, sodass für jeden Musikfans etwas dabei ist.

Gemeinsam mit einem guten Kumpel aus der Gymnasialzeit, der sehr gut Schlagzeug spielt und eine Zeit lang einen dem meinen äußerst ähnlichen Musikgeschmack hatte, habe ich das Album damals immer und immer wieder angehört. Dann verlor ich es während des Studiums aus den Augen und Ohren, entdeckte es aber gleich nach meiner Anmeldung bei Apple Music vor gut zwei Jahren wieder – seitdem sind mehrere Stücke in meiner aktuellsten Favoriten-Liste enthalten (und dort dürfen sie auch lange bleiben).

Die Stücke:

Insgesamt beinhaltet das 1990 erschienene Album 10 Titel mit einer Spielzeit von etwa 52 Minuten. Alle sind gut, doch ein paar muss man meiner bescheidenen Meinung nach einfach gehört haben:

  • „Church Of Desire“: Nach einer gemütlichen Einladung etablieren Bass und Schlagzeug einen pulsierenden Grundrhythmus, über den sich sowohl der Gesang als auch die Gitarren-Einwürfe aufschwingen können. Seit dem ersten Hören hat sich mir die Textzeile „Now we dance with the devil down the lonely street…“, mit der der (Pre-) Chorus eingeleitet wird, ins Gedächtnis eingegraben. Und dann das wirklich gelungene Gitarrensolo, ein schönes Understatement, rau und ruppig, doch absolut keine „Yngwie Malmsteen-Personality-Show“ – kein Wunder, dass dieses Stück so gut rüberkommt!
  • „Stranger In This Town“: Der Titeltrack ist fantastisch, kein Wunder, dass das gesamte Album danach benannt wurde. Bereits ab dem ersten Ton dringt die für den Blues typische Melancholie schwer wie ein guter Scotch durch alle musikalischen Poren, nicht zuletzt angefeuert durch den heftigen Einsatz des Reverb-Effekts. An diesem Song passt alles so perfekt auf das etablierte Blues-Idiom, dass man ohne Kenntnis des Künstlers glatt einen gestandenen afroamerikanischen Blues-Man an Gitarre und Mikrofon vermuten könnte. Ohne jeden Zweifel ist dies das stärkste Stück des gesamten Albums!
  • „Mr. Bluesman“: Im Gegensatz zu den beiden vorigen Favoriten wird hier eher die akustische Gitarre in den Mittelpunkt gestellt, was einen feinen klanglichen Unterschied erzeugt. Die Synthesizer-Untermalung, die den Hintergrund ein bisschen auspolstert, ist so dezent, dass nicht einmal Puristen wie der leider allzu früh verstorbene Stevie Ray Vaughan etwas dagegen gehabt haben würden. Für das Solo darf dann natürlich wieder die elektrifizierte Version des Instruments ran, und – Freunde – wenn Eric „Slowhand“ Clapton nicht noch leben würde, hier wäre seine Inkarnation zu finden!

Fazit

Jeder, der Bon Jovi musikalisch nicht mag, sich aber für gut gemachten Blues erwärmen kann, sollte hier unbedingt ein Ohr hineinhängen, denn dieses Album ist wundervoll! Klar, meine Sicht ist durch die vielen freundschaftlichen Genuss-Momente mit meinem Kumpel aus Schulzeiten etwas nostalgisch aufgehübscht, dennoch ist an dem Album so vieles gelungen, dass selbst Bon Jovi-Hasser nicht umhin können, Richie Sambora zu einem vollends empfehlenswerten Solo-Projekt zu gratulieren.

Persönlich finde ich es schade, dass der Gitarrist und Sänger nicht seiner Sucht Herr wird, denn bereits seit einigen Jahren verbringt er immer wieder längere Zeit in diversen Entzugskliniken. Ob das 1990 auch schon der Fall war, weiß ich nicht. Die Musik lässt jedoch durchscheinen, dass er nicht nur die angenehmsten Seiten des Lebens zu Gesicht bekommen hatte, bevor er sich an sein Solo-Projekt gewagt hat. Ich drücke ihm alle vorhandenen Daumen, dass er aus dem Sumpf wieder herausfindet.

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Album der Woche – Episode 8 – 2017-11-05

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Savatage: „Hall of the Mountain King“

Eines der besten Metal-Alben aller Zeiten, hier passt einfach alles!

Eines der besten Metal-Alben aller Zeiten, hier passt einfach alles!

1987 erschien mit „Hall of the Mountain King“ das fünfte Album der Power-Metal-Band Savatage. In einer Auflistung irgendeiner Heavy Metal-Zeitschrift, vermutlich war es der Metal Hammer, den ich mir als Vierzehn-/Fünfzehnjähriger gelegentlich kaufte, landete das Album unter den bedeutendsten Alben der 1980er Jahre. Mein Interesse war geweckt, also kaufte ich mir die CD. Ein Kauf, den ich nie bereute, denn dieses Album ist dermaßen fantastisch, dass ich mich schlicht nie daran satt höre.

Meine Begeisterung rührt vor allem von der stimmigen und kompakten Atmosphäre her, bei der die Titel und Texte der Songs, der Sound des gesamten Albums und die Gestaltung des Covers perfekt ineinander greifen und sich zu einem Ganzen verbinden.

Die Songs:

In der 2011 neu aufgelegten Version des Albums gibt es noch zwei Bonustracks, daher kommt das Album mit den 12 Songs mit 48 Minuten auf etwas mehr Spielzeit als im Original (10 Songs, ca. 40 Minuten). Da wirklich alle Songs empfehlenswert sind, möchte ich euer Augenmerk heute nur auf ein Song-Gespann richten, das es dafür absolut in sich hat…

Prelude To Madness

Nach einer kurzen Synthesizer- und E-Gitarren-Einleitung beginnt ein Stück, das vermutlich allen Hörern schon einmal begegnet ist, denn es handelt sich um „In der Halle des Bergkönigs“ aus der von Edvard Grieg komponierten Bühnenmusik zu „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen. Es entwickelt sich aber ein spektakulärer „Battle“ zwischen der bekannten (Instrumental-)Musik (hier vom Synthesizer) und der E-Gitarre, die darüber und dagegen ein markantes (und mit äußerst flinken Fingern ausgeführtes) Gitarren-Solo hinlegt. Das klingt jetzt möglicherweise nicht allzu faszinierend, ist aber ein spektakuläres Hörerlebnis.

Hall of the Mountain King

Der Titeltrack geht direkt aus dem „Prelude To Madness“ hervor und setzt mit einem äußerst charismatischen Riff auf der E-Gitarre ein. Die düster-bedrohliche Atmosphäre, die schon auf dem Album-Cover gezeigt wird, findet hier ihr perfektes musikalisches Pendant. Insgesamt dominieren Gesang und E-Gitarre das musikalische Geschehen – kein Wunder, wurden doch beide von den Oliva-Brüdern, die bis zum Tod von Criss, dem Gitarristen, den harten Kern der Band bildeten, ausgeführt. Gerade in der Kombination mit dem „Vorspiel“ ist das wirklich der Höhepunkt des Albums.

Fazit

Nach dem unerwarteten und verfrühten Unfalltod von Criss Oliva im Herbst 1993 büßte Savatage sein wichtigstes Markenzeichen, den unnachahmlichen Gitarren-Sound und die wieselflinken Finger, ein, die bis zum Album „Edge of Thorns“ (ebenfalls ein heißer Anwärter auf einen Platz in dieser Blog-Sparte) jede Veröffentlichung maßgeblich geprägt hatte. Die folgenden Alben kenne ich bislang nicht, denn Savatage ist für mich immer die Band der Oliva-Brüder gewesen. Irgendwann wage ich mich mal daran, die neueren Sachen zu hören. 2007 hat sich die Band aufgelöst – insofern kommt da auch nichts mehr nach.

Wer aber in die glorreichen Glanzzeiten dieser einmaligen Band eintauchen will, ist mit „Hall of the Mountain King“ definitiv an einem ziemlich perfekten Punkt in der Geschichte der Band. Für alle, die danach auf den Geschmack gekommen sind, empfehle ich die drei Nachfolger-Alben: „Streets – A Rock Opera“, „Gutter Ballet“ und „Edge of Thorns“. Mit keinem dieser musikalischen Juwelen kann man etwas falsch machen.

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Album der Woche – Episode 7 – 2017-10-29

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Glenn Frey: „Soul Searchin’“

Soul Searchin‘ – ein nostalgischer Trip in Soleras Jugend...

Soul Searchin‘ – ein nostalgischer Trip in Soleras Jugend…

1988 erschien das Album „Soul Searchin‘“ von Glenn Frey. Den Musiker kannte ich über den wirklich starken Song „The Heat Is On“, der gleich zu Beginn des ersten Beverly Hills Cop-Films eingesetzt wurde. Meine Brüder und ich hörten die Single rauf und runter, doch ich hatte als knapp Dreizehnjähriger noch keinen blassen Schimmer, was der gute Glenn Frey musikalisch noch so alles zu bieten hatte.

Erkannt habe ich das nur durch Zufall, denn damals lebten in Estenfeld, meinem Heimatort nahe Würzburg, viele der in Würzburg stationierten amerikanischen Soldaten. Hin und wieder kamen sie mit ihren American Footballs auf den Schulplatz, um sich ein paar Minuten lang diese komischen Leder-Eier zuzuwerfen. Selbstverständlich waren wir als Kids völlig hin und weg und mussten unbedingt mitspielen. Schließlich ließen wir uns auch ein paar echte (und tatsächlich qualitativ hochwertige) Footballs besorgen, meiner liegt sicher noch im Haus meiner Eltern herum.

Einmal brachte uns einer der GIs diese unscheinbare CD mit, die wir ausleihen durften: Es handelte sich um das heutige Album der Woche. Binnen weniger Minuten war ich völlig angefixt und kaufte mir alsbald selbst die CD – sie steht bis heute im CD-Regal (auch wenn ich schon seit Jahren nur noch digitalisierte Musik höre).

Die Songs:

Die zehn Songs füllen insgesamt 47 Minuten Spielzeit, damit ist der Durchschnitt etwas länger als für typische Popmusik-Stücke. Wirkliche Schwächen gibt es nicht, auch wenn die letzten beiden Songs deutlich seichteres Pop-Gesülze sind, als ich es mir normalerweise anhören würde. Dafür sind die drei ausgewählten Favoriten (siehe unten) absolute Knaller.

Für mich als studierten Musiker gibt es einen echten Kritikpunkt am gesamten Album: Die Verwendung des Drumcomputers. Ich kann mir diesen absoluten Faux-Pas nur auf eine einzige Weise erklären, nämlich mit der Technikverliebtheit der 1980er Jahre, denn da schien es das oberste Gebot zu sein, alles, was vorher menschliche Musiker geleistet haben, durch synthetische Tonerzeuger zu ersetzen. Die Filmmusik jener Zeit ist oft schwer künstlich, meist mehr als der gute Geschmack erträgt. Zum Glück ist es bei „Soul Searchin‘“ nicht ganz so schlimm. Manch einer wird es auch nicht sogleich merken, jedoch schleicht sich nach einer Weile eine dezente Monotonie ein, wenn halt jeder Schlag auf die Snare, jeder „Wumms“ auf die Bass-Drum und alle abertausend Hi-Hat-Zischer exakt gleich sind – das könnte kein Mensch so akkurat hinbekommen.

Livin‘ Right

Der Opener ist das Aushängeschild eines jeden Albums. Manche Künstler gehen es eher ruhig an, um dann eine kräftige Steigerung hinzulegen (siehe „Son Of A Gun“ vom letzten Album der Woche), andere gehen sofort in die Vollen. Letzteres trifft auch hier zu, denn Glenn Frey startet gleich voll durch. Und was ist das für ein Vergnügen: Über den funkigen Rhythmus-Teppich setzen sich die funkelnden Bläser mit Akkorden, die Spannung erzeugen oder eisenharten Kicks (das Saxophon-Solo ist außerdem wirklich hörenswert), und dann der Gesang, der den Hörer mit viel Energie gleich in seinen Bann schlägt. Wow!

True Love

Der vielleicht romantischste Love-Song aller Zeiten, zumindest aus meiner Sicht. (Wenn er nur nicht so durch den Drum-Computer heruntergezogen würde, denn gerade der Anfang klingt echt heftig synthetisch…) Was genau mich hier so fasziniert, kann ich nicht beschreiben, es ist die gelungene Mischung aus schmachtender Rhythmusgruppe, den Soul-Bläsern, dem emotional aufgeladenen Gesang und dem gegen Ende angewandten Kunstgriff.

Der haut mich jedes Mal um: Dabei endet das eigentliche Stück schon, jeder erwartet beim ersten Hören die nächste Nummer, dann ertönt ein vorbereitender Schlag auf der Snare-Drum und schon sind wir wieder mitten drin. Das Saxophon soliert vor sich hin, der Gesang wirft kurze Phrasen ein, der Groove läuft noch einmal gute anderthalb Minuten weiter. Was für ein „Schmachtfetzen“, aber ich liebe es!

Workin‘ Man

Mein Lieblingsstück auf dem Album, ein amerikanischer Klassiker, das den „hart arbeitenden Mann wie dich und mich“ beschreibt. Der bodenständige Groove, die simple Song-Struktur, das hervorragende Gitarren-Solo, die – zumindest für mich gewährleistete – Authentizität, all das macht den Song zu einem mitreißenden Musikerlebnis.

Lustigerweise wurde auch eine zweite Version von diesem Song aufgenommen, die allen Ernstes im halben Tempo läuft. Ein Kumpel hatte sich von meinem Fieber anstecken lassen und sich die Single bestellt, darauf war diese langsamere Version enthalten, was ihn sehr enttäuschte – ich wünschte, ich hätte ihm das Schmuckstück abgekauft, denn seitdem (und das war zu Beginn der 1990er Jahre) habe ich diese eigenartige, aber dennoch coole Version nicht mehr zu Gehör bekommen. Schade! (Ich muss glatt mal bei Apple Music und YouTube auf die Suche gehen, vielleicht finde ich sie ja doch noch).

Fazit

Das Album stellt für mich einen ganz starken Trip auf meiner „Memory Lane“ dar, ein nostalgisch verklärtes Highlight, das andere vielleicht als fürchterlich sentimentalen Pop-Mist verdammen werden. Mir jedoch gefällt jedes Stück auf seine eigene Weise, die drei genannten Hits könnte ich gut und gern jeden Tag hören, für so gelungen halte ich sie. Bin schon gespannt, welches Feedback ich darauf bekomme…

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Album der Woche – Episode 6 – 2017-10-23

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Wieder einmal bin ich etwas spät dran, denn eigentlich wollte ich diesen Beitrag spätestens bis gestern Mittag online haben. Doch die Vorbereitungen für das Konzert gestern (eine erste Kritik findet sich hier, ich bin sogar im Foto als zweiter „Koch“ von links zu sehen) nahmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Ich gelobe Besserung!

Bruce Dickinson: „Tattooed Millionaire“

Eingängiger, witziger, verspielter und doch sehr geradliniger Hard Rock, ein fantastisches Album – kann ich mir immer und immer wieder anhören.

Eingängiger, witziger, verspielter und doch sehr geradliniger Hard Rock, ein fantastisches Album – kann ich mir immer und immer wieder anhören.

Das 1990 erschienene Album „Tattooed Millionaire“ von Bruce Dickinson war eigentlich nur als kurzfristiges Nebenprojekt gedacht, das dem Iron Maiden-Sänger die Möglichkeit bot, nach etlichen Jahren mit der immer gleichen Band, die nun einmal einen klar definierten Stil besitzt, andere musikalische Facetten an sich selbst auszuprobieren.

Zuerst entstand nur ein einzelner Song, der als Soundtrack zu einem Horror-Film in Auftrag gegeben war. Kaum war dieser fertig, schon bot die Plattenfirma dem Sänger einen eigenen Plattenvertrag an, den er ohne großes Zögern annahm. Gemeinsam mit Janick Gers, der bereits den ersten Song gemeinsam mit ihm geschrieben hatte, entstand auch das restliche Album (mit Ausnahme eines von David Bowie gecoverten Songs).

Ich erinnere mich noch, dass das Album bei seinem Erscheinen einigen Wirbel verursachte, denn viele Iron Maiden-Fans erwarteten von Bruce Dickinson eher Songs im Stil der Heavy Metal-Boliden. Doch diese enthielt das Album nun einmal nicht, was für viel Enttäuschung sorgte. Andere Fans dagegen – zu dieser Fraktion gehöre ich ganz eindeutig – freuten sich, dass der Sänger auf diese Weise neues musikalisches Terrain eroberte.

Die Songs:

Wie so oft fällt es mir schwer, die besten Songs des Albums auszuwählen, da sie alle hörenswert sind. Meine persönlichen Highlights möchte ich dennoch individuell hervorheben:

Son Of A Gun

Melancholisch, fast schon bedächtig beginnt mit diesem Song das Album, um dann aber immer kraftvoller zu werden und die für einen guten Opener unabdingbare mitreißende Qualität zu entwickeln. Bereits die ersten Worte des Liedtextes werden mit fesselnder Intensität gesungen, am Ende der einleitenden Strophe ist Bruce Dickinson bereits bei maximalem Energie-Output angekommen – und das lässt bis zum Schluss nicht mehr nach. Wahnsinn!

Tattooed Millionaire

Der Titelsong des Albums ist eine der ganz eingängigen Mitsing-Hymnen des Albums, zumindest was den Refrain angeht. Aber auch davon abgesehen steckt einiges drin: Der Groove ist superb, der Text macht sich in perfekter Underdog-Manier über das gekünstelte Gehabe reicher Menschen her, das Gitarrensolo und der Break davor (kommt auch am Schluss noch einmal vor) ist einfach vom Feinsten. Den Song kann man gar nicht oft genug hören – von daher ist es auch kein Wunder, dass er es einmal zum Song des Tages brachte.

Hell On Wheels

Über diesen Song habe ich vor einiger Zeit schon einmal geschrieben (hier), er ist gleichzeitig ein schamloser wie auch ein demütiger AC/DC-„Rip-Off“. Hört man sich diesen Song parallel zu Songs wie „Highway To Hell“ oder „Back in Black“ an, bemerkt man gleich die mehr als nur zufälligen Ähnlichkeiten. Doch vermute ich weniger Ideenlosigkeit, vielmehr scheint es eine ernstgemeinte Hommage an musikalische Mitstreiter und Wegbegleiter zu sein. Und (am wichtigsten) es macht einfach nur tierisch Spaß, sich diesen Song anzuhören, schließlich gehört er zu den wenigen Songs, bei denen ich meine früher ach so langen Haare gelegentlich vermisse…

Gypsy Road

Wie sähe unser Leben aus, wenn wir als „Zigeuner“ (das ist nun einmal die Übersetzung von „gypsy“) geboren wären? Der Song versucht auf sowohl textlich wie auch musikalisch sehr eindringliche Weise, diesen Gedanken umzusetzen – mit einigem Erfolg, zumindest aus der Perspektive, dass dabei ein genialer Rock-Song entstanden ist. Wieder einmal zieht Bruce Dickinsons intensive Stimme den Hörer binnen kurzer Zeit in ihren Bann, der Text fließt dahin, die Band untermalt dieses Zusammenspiel gelungen – ganz klar einer der Höhepunkte des Albums.

Fazit

Bedenkt man die Umstände der Entstehung des Albums, dann kann man sich eigentlich nur wünschen, dass noch mehr etablierte Sänger von Heavy Metal-Bands sich aufmachen, um auch ein paar Solo-Alben auf den Markt zu bringen. Die Freude am Experiment, die Frische der Musik, die Unverbrauchtheit des Materials, alles an dieser Sammlung von Songs ist gelungen (auch wenn ich nicht auf jeden Song hier eingegangen bin).

Dieses Album höre ich nun seit mehr als einem Jahr immer wieder, die Songs sind dermaßen stark, dass sie nie langweilig werden – selbst wenn man jede Textzeile „im Schlaf“ mitsingen könnte (eine mehr als eigenartige Redewendung). Ich finde es beinahe schade, dass die folgenden Solo-Alben allesamt deutlich härter – also näher am Heavy Metal denn am Hard Rock – ausgefallen sind, denn dieser musikalische Stil läge mir mehr. Doch auch dort finden sich einige Juwelen, insofern steht es mir nicht zu, hier herumzujammern.

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