Archiv der Kategorie: Üben

Ein bisschen Werbung in eigener Sache…

Am 23. Oktober findet in Ellwangen ein absehbar superbes Konzert statt, bei dem das Ostalb Jazz Orchestra, zum dem auch ich gehöre, mit Axel Schlosser, dem Solo-Trompeter der HR-Big Band, ins Peutinger-Gymnasium einladen. Das Programm ist vielfältig und sollte für jeden Jazz-Fan etwas bieten. Also: kommt und sagt es allen weiter!

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Das Ostalb Jazz Orchestra und Axel Schlosser laden ein zum Konzert am 23. Oktober!

Karten und weitere Informationen gibt’s bei Musik Bader in Ellwangen. Ruft ihn an, der Mann hat den lieben langen Tag nichts zu tun, außer Staubsauger, nein, Saxophon zu üben und nebenbei ein paar Karten zu verkaufen… 😉

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Wörtlich genommen

Vor ein paar Tagen fand in meinem Musikraum eine Theater-Aufführung statt. Im Vorfeld mussten einige Dinge umgeräumt werden, z.B. die vielen Notenständer, die für Blasorchester und Big Band bereits stehen. Zwischen der Generalprobe und der Aufführung des Theaters fand im gleichen Raum noch die Blasorchester-Probe statt, für die natürlich die Notenständer benötigt wurden. Also bekamen alle Schüler die Aufgabe, sich in den anderen Raum zu begeben, um sich dort jeweils zwei Notenpulte zu schnappen und zum Musikraum zu tragen.

Nach der Probe mussten die Pulte zurück, mein Kollege forderte die Schüler auf, sie wieder zurückzubringen, doch der Raum war in der Zwischenzeit abgeschlossen worden, damit sich niemand an der Stereo-Anlage oder dem Computer vergreife. Also stellten die Schüler die Notenständer in der – nun ja – geschicktest möglichen Art ab…

Alle Notenpulte direkt vor der Tür – Klassiker!

Alle Notenpulte direkt vor der Tür – Klassiker!

Allein zum Öffnen der Tür war eine halbe Minute Räumen nötig… Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass Menschen im Pulk doch nicht unbedingt schlauer sind als einzeln.

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Fauler Tag

Solera legt die Füße hoch...

Solera legt heute mal ganz faul die Füße hoch...

Heute ist ein richtig fauler Tag. Und ich genieße jeden Moment davon. Hmmmmmmm, was macht einen faulen Tag aus? Ganz klare Sache: Ausschlafen! Also bis 5:55 h, dann noch liegen bleiben bis zehn nach sechs. Luxus (kein Kind wollte etwas von uns…)! Dann ab in den Keller und ganz entspannt Laufen (17,17 km – ich beende die Läufe immer bei solchen Schnapszahlen, gestern waren es 16,16…). Aber wirklich ganz entspannt mit einem guten Hörbuch. Seit ein paar Tagen (Ferien!) hänge ich dann immer noch ein paar (<10) Minuten Seilspringen an – der Doc hat ja abgeraten, aber in der Kürze kann es nicht wirklich schädlich sein. Außerdem habe ich dabei Seeed gehört, das puffert gut… Dann duschen und frühstücken. Und dann bin ich gleich einmal sitzen geblieben, wo ich war und habe meine Twitter-Zeitleiste überflogen, hier und da einen Artikel genauer gelesen, ein Glas Cola Light nach dem anderen getrunken und den Blog-Eintrag von heute früh geschrieben. Dann kamen meine Frau und unsere Mittlere (gestern war Erstkommunion) von der Kirche heim. Spontan beschlossen wir, doch einfach mal einen Film anzuwerfen – wenn nicht in den Ferien, wann dann? Also TV an: „Evolution“. Herrlich! Das war für uns Eltern gut, aber gerade die Mittlere mag den Film nicht und blieb standhaft in ihrem Zimmer. Daher schwenkte der mittlerweile seine Faulheit voll auskostende Solera auf „Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio“ um, was bei allen Kindern gut ankam. Und weil ich schon so schön saß, gab es danach gleich noch einen Film (Rabeneltern!). Bildungsfernsehen: „Zärtliche Chaoten“. Die Kinder haben sich königlich amüsiert, wir Erwachsenen uns auch – wenn auch aus anderen Gründen, denn die Witze sind überwiegend derart schlecht (ich sag nur: Schlürfrechte), dass man den Film eigentlich nur mit einer ganzen Flasche Solera 1847 intus ertragen kann. Aber das Amüsement der Kinder wirkte absolut ansteckend. Danach schmerzte mir vom vielen Sitzen schon beinahe der Hintern, also stand ich auf und begab mich als Üben. In den Blas-Pausen tippe ich nun diesen kurzen Eintrag. Hach! Ferien sind schon etwas herrliches!

 

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Lehrer, Kinder, Ferien – und Zeilenende

Zeilenende

Gestern hat mir der einmalige Zeilenende auf Twitter einen Tweet mit einem fragenden Kommentar weitergeleitet:

Da muss man schon genau hinsehen...

Bitte genau hinsehen!

Da ich am Donnerstag meine zweiwöchige Big Band-Probe in Ellwangen hatte, die sich bis kurz nach 22 h hinzog, woran sich immer noch etwa 30 Minuten Heimfahrt anschließen, war ich in der konkreten Situation nicht in der richtigen Stimmung, mich von der Muse küssen zu lassen und gleich zu antworten. Außerdem ist das Thema gar nicht so unspannend – also kündigte ich ihm nur an, es in einem eigenen Blog-Eintrag zu verarbeiten. Nun denn…

Ferienarten

Lehrer unterscheiden Ferien, denn auch wenn die Dauer der „unterrichtsfreien Zeiten“ meist nicht extrem voneinander abweicht, wäre es vermessen zu glauben, dass alle Ferien sich gleichen würden. Doch zuerst einmal muss ich klarstellen, welche Ferien ich überhaupt habe, das unterscheidet sich ja von Bundesland zu Bundesland. Hier in Baden-Württemberg sieht es ungefähr folgendermaßen aus:

  • Herbstferien: eine Woche, die sich am Ende des Oktobers bis in die ersten Novembertage erstreckt. Diese Ferien sind unglaublich wichtig als erste Aufarbeitungsphase nach ungefähr zwei Monaten Schule. Gerade am Schuljahresanfang müssen alle Listen, Sitzpläne etc. erstellt und gepflegt werden, bis zu den Herbstferien setzt sich dann auch einiges, man hat jede Klasse einigermaßen kennen gelernt, die ersten Eindrücke sind gefestigt – jetzt kann und muss die weitere Planung angepasst werden.
  • Weihachtsferien: üblicherweise zwei Wochen, die kurz vor dem Heilig Abend beginnen und dann nach den ersten Januar-Tagen enden. Als Musiklehrer bin ich meist bis zum letzten Moment in der Schule voll im Einsatz, da im Dezember ein großes Adventskonzert und am letzten Schultag ein von Musik umrahmter Gottesdienst stattfinden. Beides erfordert Vororganisation, Proben und umfangreiche Transport-, Auf- und Abbautätigkeiten, vom eigentlichen Musizieren ganz zu schweigen. Parallel sind bis dahin in den meisten Klassen (in meinem Fall meist 14 bis 17 im Schuljahr) die ersten Klassenarbeiten/Klausuren geschrieben (und hoffentlich auch schon korrigiert, damit man nichts mit in die Ferien nehmen muss). Zum Beginn der Weihnachtsferien bin ich üblicherweise derart erschlagen, dass ich erst einmal zwei Tage brauche, um auf „normal Null“ zurück zu kommen. In den ersten Berufsjahren wurde ich beim Nachlassen der Anspannung erst einmal krank, das hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren gelegt, denn mittlerweile achte ich etwas mehr auf mich.
  • Faschings- oder Winterferien: eine Woche, die sich vor allem aus gesetzlichen Feiertagen (Rosenmontag, Faschingsdienstag) und verschiebbaren Ferientagen zusammensetzt. Da zum Ende des ersten Halbjahres die Halbjahresinformationen fällig sind, die mit Notenkonferenzen und entsprechendem zusätzlichen Arbeitsaufwand einhergehen, ist auch diese Woche dringend nötig, um einfach wieder aufzuarbeiten und den Erholungsmangel etwas auszugleichen. Februar ist auch die Zeit, in der meist ein oder mehrere eigene Kinder eine Erkältung anschleppen.
  • Osterferien: üblicherweise zwei Wochen, eine vor Ostern, eine danach. Die Tage werden länger, die Frühjahrsmüdigkeit ist spürbar. Meist geht direkt nach den Osterferien das schriftliche Abitur los, also ist vorher ein kleiner Endspurt angesagt. Doch alles in allem sind dies meist Ferien, die zur Erholung ganz gut sind. Außerdem kann man nun wieder im Garten aktiv werden. Osterferien sind gute Ferien. (Einschränkungen folgen…)
  • Pfingstferien: üblicherweise zwei Wochen Ende Mai/Anfang Juni vor dem großen Schlusslauf. Wenn man es ungeschickt anstellt, liegen zu Beginn der Ferien ein paar große Korrekturstapel auf dem Schreibtisch, damit man in den letzten Schulwochen nicht noch zu viel Korrekturarbeit erledigen muss. Aber diese Ferien nutzen wir gern, um mal für ein paar Tage wegzufahren, ansonsten bereite ich wie üblich ein paar Tage Unterricht vor.
  • Sommerferien: Die große sechs- bis siebenwöchige Unterbrechung, die meist von Ende Juli bis zur ersten Septemberwoche reicht. Im Gegensatz zu allen anderen Ferien, in denen ich immer sehr darauf bedacht bin, schon die ersten paar Tage „danach“ gut vorzubereiten, halte ich mir die Sommerferien (schul)planerisch komplett frei. Welche Klassen ich genau bekomme, erfahre ich ohnehin erst ein paar Tage vor Beginn des Schuljahres, wozu also schon Wochen vorher die sommerliche Trägheit stören?

Soviel zur gefühlten Einteilung der Ferien aus meiner Sicht. Es gibt sicher Kollegen, die ein gänzlich anderes Prozedere pflegen. Sicher teilen aber auch etliche meine Vorgehensweise. Das Vorbereiten der ersten Tage, am besten der ganzen ersten Woche, ist ein logisches Vorgehen, das sich in der Praxis bewährt hat. Denn der Umstieg von „ich kann jeden Morgen auch erst um 6:30 h aufstehen“ auf „der Wecker klingelt um 4:35 h“ ist doch etwas anstrengend…

Kinder und Ferien – und Eltern…

Unsere Kinder sind in den Ferien üblicherweise herrlich entspannt. Unser Großer (10) könnte aus seiner Perspektive heraus auch den ganzen Tag in seinem Zimmer sitzen, Bücher lesen, LEGO bauen und Musik hören – der würde freiwillig keine Sekunde aus dem Zimmer herauskommen. Die Mädels dagegen sind wesentlich neugieriger und agiler, die motzen meist schon nach 10 Minuten Ferien, dass sie sich langweilen. Wenn man Glück hat, finden sie sehr schnell eine Beschäftigung für die folgenden Stunden, wenn man dies nicht hat, kommen sie alle paar Minuten wieder, um zu fragen, was sie denn nun tun könnten. Das kann anstrengend sein, meist finden sie aber sehr zügig eine Ihnen genehme Beschäftigung.

Unsere zwei Großen sind unter der Schulwoche an mehreren Tagen im Hort, weil wir Erwachsenen an fast allen Tagen Nachmittagsunterricht haben. Da auch noch vorbereitet werden muss, bleiben die Kinder dann bis etwa 16:00 h im Hort. Mit etwas Glück haben sie danach die Hausaufgaben fertig und können nach dem obligatorischen Instrumentalüben ihren eigenen Wünschen nachgehen. Die jüngste war bislang im Kindergarten, aus dem sie mit den anderen gemeinsam (gleiches Gebäude) gegen 16:00 h abgeholt wurde. Ab September geht auch sie in die Schule, dann werden sich die Hortzeiten angleichen (es sei denn, der neue gymnasiale Stundenplan bei unserem Großen macht dem einen Strich durch die Rechnung).

Wenn der Hort eine Ferienbetreuung anbietet, nehmen wir meist ein paar Tage davon dankend an, um unsere anstehenden Arbeiten erledigen zu können, ohne ein allzu schlechtes Gewissen zu haben. Meist gehen wir in den Wintermonaten an einem der Vormittage auch einfach mal in die Sauna, so bleiben wir etwas gesünder – auch nicht schlecht.

Bietet der Hort keine Ferienbetreuung an (die Stadt gibt den Betreuungseinrichtungen die Anzahl der freien Tage genau vor), wird es manchmal etwas „tricky“, denn wenn wir arbeiten müssen, bleibt oft nichts anderes übrig, als die Kinder ein paar Stunden sich selbst zu überlassen. Den Kindern taugt das sehr, doch es zieht meist energische Aufräumarbeiten im Haus nach sich…

Fazit

Den Kindern gefallen Ferien immer, die könnten dem Bild durchweg zustimmen. Als Lehrer kann ich nicht bestätigen, dass ich in den Ferien nur Alkohol trinke, meine Fingernägel lackiere, Geld scheffle (bekommen die normalen Arbeitnehmer während der Urlaubszeit ihren Lohn nicht weitergezahlt?), Party mache (bin eh nicht der Party-Typ, da stehe ich nur dumm herum und lese in der WordPress-App, was Zeilenende und meine anderen virtuellen Freunde so wundervoll schreiben). Ich erhole mich gezielt, arbeite nach und vor – und schreibe unzählige Blog-Einträge, die dann keiner lesen möchte. Zum Glück habe ich mit Zeilenende einen bezahlten (*hüstel*: Gottes Lohn) Dauerleser, der mir auf jeden Artikel ein Like geben muss, sonst komm ich rüber und geb ihm auf die Mütze… 😉

Spaß beiseite: In unserer Funktion als Eltern mögen wir die Ferien nicht ganz so hundertprozentig, da sie meist weniger Struktur und somit mehr Arbeit mit sich bringen. Gleichzeitig lernt man es so, die geregelten Wochen der Schulzeit noch mehr zu schätzen… Was für uns Eltern an den Ferien einmalig schön ist: Die Möglichkeit, sich jedem Kind mit mehr Zeit widmen zu können. Da kann dann eine Bastelarbeit in Ruhe zu Ende gebracht und gewürdigt werden, für die man in der Schulzeit oftmals nur den Gedanken (Verzeihung bitte!) „Wo sollen wir das Teil denn noch hinstellen?“ übrig hätte. Laut ausgesprochen wird der Gedanke nie, aber vor allem in den Ferien haben wir die nötige Ruhe (und den Mangel an Terminen, die uns herumschleichen), um das Ergebnis mit den Kindern gemeinsam zu genießen.

Insofern, lieber Zeilenende, kann ich der Elternzeile im aktuellen Zustand nicht zustimmen. Ein weinendes Gesicht vorne und hinten, aber viele lachende und gemütlich auf dem Sofa kuschelnde Emojis in der Mitte wären passender. Trotzdem: Vielen Dank für den Impuls! Schönen Samstag noch, vielleicht komme ich heute neben der Korrektur der Oberstufenklausur auch noch zum Schreiben eines weiteren Eintrags.

Die Osterferien beginnen dieses Jahr erst am Mittwoch (nächste Woche), da die Weihnachtsferien um ein paar Tage verlängert waren. Insofern verzögert sich der Ansturm meiner neuen Einträge etwas. Aber das ist ja eher erholsam als schlimm… 😉

 

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Die „gute“ Seite des Internet

Das Internet ermöglicht viele schöne und wundervolle Dinge, z.B. WordPress mit den netten Menschen, die sich — zumindest in meinem Bekanntenkreis — dort tummeln, kann aber auch ein Ort abgrundtiefen Hasses und verdrehter Wahrheiten, Neid und sexueller Nötigung, Diffamierung und Ausnutzung sein.

Bei Twitter fand ich heute ein Beispiel für die beeindruckend schöne Seite des Internet: Ein Mädchen, das aus der Begeisterung für eine Sache anhand unzähliger Videos einen Tanzstil nicht nur erlernt sondern gleich gemeistert hat. Aber seht selbst!

Ist das nicht höchst faszinierend. Solche Videos zeigen, dass die ursprüngliche Vision des Internet immer noch lebendig ist, anders wäre eine derartige Entwicklung für mich nicht zu erklären…

 

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Ferienende und die endlose Suche nach DEM Rezept

Mit dem gestrigen Tag endeten die sog. „Ferien“. Halt, warum benutze ich dieses kleine und fast schon unscheinbar hinzugefügte Wörtchen „sog.“ vor dem Substantiv „Ferien“? Ganz einfach: Weil Ferien als Lehrer immer etwas anderes sind als noch damals, vor einer gefühlten Ewigkeit, in der Zeit als Schüler.

Ferien sind nur anders verpackte Arbeitszeit

In diesen Ferien musste ich das Abitur vorbereiten, genauer gesagt: das Fachpraktische Abitur. Die diversen Verordnungen zur Durchführung des Abiturs geben ganz genau vor, dass exakt acht Wochen vor dem Prüfungstermin die individuell festgelegten Pflichtstücke bekannt gegeben werden. Dazu muss natürlich im Vorfeld mit den Instrumentallehrern gesprochen/geschrieben werden, um eine für den jeweiligen Schüler passende Auswahl zu erhalten. Aus diesem Fundus legt man als Kursleiter dann wiederum ein Stück fest, welches genau acht Wochen vor der Prüfung bekannt gegeben wird. Das hat in diesen Ferien satte drei Tage Organisation, Emailschreiben und Telefonate mit sich gebracht.

Dann habe ich für eine Klasse, die ich erst im zweiten Halbjahr unterrichte, einen Großteil des Materials, das sich über die letzten fünf bis zehn Jahre etabliert hat, überarbeitet, weil mir gerade in den letzten zwei Jahren immer wieder kleinere Mängel an der einen oder anderen Stelle aufgefallen sind. Diese sind nun behoben, aber es waren wieder zwei Tage.

Für meine Big Band und den vierstündigen Kurs müssen noch ein paar Stücke neu arrangiert werden. Bislang habe ich dafür nur einen kompletten Arbeitstag geopfert, aber heute und morgen werde ich noch einmal Zeit investieren müssen.

So, und das waren nur ein paar der schulischen Dinge. Aber es sind, nein waren, ja Ferien.

Kinder daheim

Was die Ferien als vermeintliche Entspannungszeit spürbar einschränkt, ist die Tatsache, dass auch die Erzieherinnen und Betreuer in Kindergarten und Hort einmal eine kleine Auszeit benötigen. Ich gönne sie ihnen vollkommen. Und doch ist es ganz schön anstrengend, wenn man sich auf die Arbeit konzentrieren will, alle drei bis fünf Minuten aber ein Kind ins Arbeitszimmer schleicht und sich mehr oder weniger gnadenlos aufdrängt.

Am harmlosesten ist die Bitte: „Darf ich mir ein Hörbuch anmachen?“ – Das gewähren wir Eltern gerne, denn wir müssen eigentlich gar nichts tun, die Kinder können das Apple TV komplett alleine bedienen.

Nur für eine sehr kurze Ablenkung sorgt: „Kannst du mir ein Ausmalbild ausdrucken?“ – „Na klar, was hättest du denn gerne?“ – „Irgend etwas mit einer Prinzessin…“ – Zwei Minuten später darf der Drucker das von DuckDuckGo gelieferte Ergebnis ausspucken – und mit etwas Glück kehrt Ruhe ein. Vorläufig.

Schlimmer ist manchmal: „Mir ist langweilig!“ – „Dann lies ein Buch!“ – „Ich habe schon zwei gelesen.“ – „Dann üb auf deinem Instrument!“ – „Das will ich aber nicht…“ – Das kann schnell gehen, wenn man zufällig etwas in den Raum wirft, was taugt, es kann aber auch ergebnislos ausgehen. Dann steigt die Gefahr einer baldigen Arbeitsunterbrechung exponentiell an.

Die endlose Suche nach DEM Rezept

Kompletter Themenwechsel, es sind (nein, waren) ja Ferien, da dürfen die Gedanken auch mal abschweifen…

Was haben pädagogische Fachzeitschriften mit den typischen Frauenzeitschriften gemeinsam? Sie kreisen beständig um die immer gleichen Themen.

Wann immer ich eine Frauenzeitschrift herumliegen sehe und die Überschriften und Ankündigungen auf dem Cover sehe, scheinen sich die Inhalte auf grob die folgenden Kategorien zu erstrecken:

  • Die aktuelle Mode für die kommende Jahreszeit.
  • Rezepte (für die aktuelle Jahreszeit)
  • Tipps zum Abnehmen (oft in Kombination mit vorigem Punkt)
  • Lebenshilfe („Wie werde ich glücklich?“ und dergleichen)
  • Prominente etc.

Pädagogische Fachzeitschriften dagegen fokussieren sich auf:

  • Änderungen an der Rechtssituation für Lehrer
  • Änderungen am Beamtenrecht (und was man dagegen zu tun gedenkt)
  • Ausschreiben von Neuwahlen für die verschiedenen Vertretergremien
  • Was macht guten Unterricht aus?

Gerade dieser letzte Punkt wird gebetsmühlenartig immer und immer wieder aus der mittlerweile völlig zugemüllten Kiste herausgeholt. Und die Tipps und Anregungen, die man als Lehrer daraus ziehen kann, sind in ihrer Summe so widersprüchlich, dass man sich am Ende ohnehin wieder ein eigenes System ersinnen muss. Und komischerweise funktioniert das dann meist gar nicht so schlecht.

Ich verstehe, warum das Thema immer und immer wieder herausgeholt wird. Permanent werden neue Experimente angesetzt, neue Ergebnisse eingefahren, neue Strukturen geschaffen. Was dabei völlig aus dem Blick gerät: Stabilität hat auch einen Wert. Und der ist meist höher als alle Experimente je einbringen könnten.

Mein direkter Vorgänger hat etwa 35 Jahre lang durchgehend an dieser einen Schule unterrichtet. Seine Methoden und Ansichten waren glasklar, seine Linie wankte nie. Jeder Schüler und jeder Kollege wusste ganz genau, woran man bei ihm war. Manche Schüler hatten natürlich ihre Probleme damit, aber noch heute merkt man genau, welche Klassen er unterrichtet hat, denn durch die Stabilität der ganzen Unterrichtsstruktur war ein Fokus auf die Inhalte gewährleistet. Und das, was bei ihm einmal gelernt wurde, saß auch Jahre später noch. Beeindruckend. Und dabei so völlig frei von pädagogischem Schnickschnack.

Ständig das Rad neu zu erfinden, hat noch niemandem geholfen. Meine erste Planstelle hatte ich an einer Modellschule, die es sich in ihren ersten fünf oder sechs Jahren zum Motto gemacht hatte, alles noch einmal neu zu erfinden – und jedes Jahr gefühlt „alles anders“ zu machen. Das war für alle Beteiligten anstrengend, führte zu unglaublich viel Verwirrung und letztlich steigerte es die Unterrichtsqualität nicht, ganz im Gegenteil: Weil man sich so stark auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen konzentrieren musste, blieb unterm Strich weniger Zeit für die Kernaufgabe: Unterricht vorbereiten und erteilen.

Daher meide ich die Lektüre von pädagogischen Zeitschriften genauso wie die von Frauenzeitschriften. Vergleichbares Schriftwerk für Männer übrigens ebenso.

 

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Faszinierende Fliegerei

Heute war einer der stressigsten Tage des ganzen Kalenderjahres, denn morgen steht unser Adventskonzert in der Schule an. Nach zwei Stunden Unterricht wurde eilig alles an Instrumenten, Notenständern und -mappen in den angemieteten Transporter geladen und dann zur Kirche transportiert. Dann alles reintragen und aufbauen. Das funktionierte immerhin einigermaßen, sodass die verbliebene Probenzeit gut genutzt werden konnte.

Für uns Lehrer ist so ein Anlass aber immer extrem stressig, denn wir müssen ganze Schülerhorden durch die Gegend dirigieren und davon abhalten, das Equipment dort abzuladen, wo dann eigentlich alles für die Probe geordnet aufgebaut werden sollte. Und wo ein Schüler pragmatisch und intelligent handelt, so verliert sich diese Fähigkeit zunehmend mit der Menge an Personen. Sobald einer aus Unsicherheit einfach mal ein Teil abstellt, gruppieren auch alle anderen ihre Sachen darum – und das ist meistens mitten im Weg.

Egal, für mich als Lehrer ist so etwas immer ein Tag, an dem ich sehr viel hin und her rennen, unzählige (meist überflüssige) Fragen beantworten und ständig als „Mädchen für alles“ fungieren muss. Meine Nike Fuel-Übersicht für den heutigen Tag spricht eine deutliche Sprache (die weißen Punkte stehen für Stunden, in denen ich mich viel bewegt habe):

Ein voller und bewegungsreicher Tag!

Ein voller und bewegungsreicher Tag!

Nachdem der Vormittag auf diese Weise vergangen war, sang ich meinen Oberstufenkurs im Klassenzimmer ein, dann gingen wir ebenfalls zur Kirche (das sind zum Glück nur ein paar Meter), wo wir die Akustik austesteten. So befreit man sich als Sänger bei dieser monumentalen Überakustik auch immer fühlen mag, für das Textverständnis ist der Raum mit seiner sehr hohen Decke und dem langgezogenen Kirchenschiff tödlich.

Nochmals egal, denn ändern kann ich daran nichts. Aber – und hier komme ich auf die Überschrift zurück – auf dem Weg zur Kirche gab es ein faszinierendes Schauspiel am Himmel zu sehen. Ein paar Kunstflieger waren wohl am Ausprobieren neuer Formationen. Leider gibt das Foto nicht die filigrane Ästhetik der durchaus wohlgeschwungenen Streifen am Himmel wieder. Aber sie flogen zuerst eine ganze Weile direkt nebeneinander, sodass man (rechte Bildhälfte) nur einen großen Kondensstreifen sah, erst als sie sich trennten, war es klar, dass zwei Flieger am Werk waren. Das hat mir den Nachmittag ziemlich versüßt. Nun kann ich mich auf das Konzert morgen freuen. Wer Lust hat: Salvator-Kirche Aalen, 19:00 h, Eintritt frei.

Faszinierende Formationen am Aalener Himmel

Faszinierende Formationen am Aalener Himmel

 

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Schönes Konzert, freundliche Kritik – Feierabend-Feeling

Vor ein paar Tagen habe ich hier ja Werbung für das gestern in der Aalener Stadthalle abgelieferte Konzert gemacht. Das Konzert lief gut, die kleine Halle (für ca. 400 Leute) war rappelvoll besetzt, auf den Balkonen saßen auch noch ein paar Leute, so macht ein Konzert Spaß.

Und dann lief es auch noch richtig gut. Gleich zu Beginn durfte ich mit unserem ersten Trompeter zusammen das Konzert für zwei Trompeten und Streicher in C-Dur von Antonio Vivaldi aufführen. Auch wenn das Werk nicht extrem schwer ist, kann man reihenweise deutlich hörbar etwas in den Sand setzen (was glücklicherweise nicht passierte). Angesichts der fast dreistündigen Probe vorher waren wir Solisten wohl beide froh, mit heilem Ansatz durchgekommen zu sein (vor allem angesichts der noch folgenden Stücke).

Im weiteren Verlauf gab es eine bunte, aber in sich sehr stimmige Mischung von klassischen und jazzigen Stücken, wobei der Jazz (dem Anlass folgend) deutlich überwog. Schön waren die Stücke mit Big Band und Streichorchester, die sofort an die großen Hits von Frank Sinatra und seinen Zeitgenossen erinnerten. Die Arrangements von Klaus Wagenleiter waren dabei unersetzlich.

Für mich am spannendsten war das Stück Yo Tannenbaum!, bei dem zu Beginn das allseits bekannte Lied O Tannenbaum zelebriert wird, dann wandelt es sich immer mehr zu einer langsamen Jazz-Ouvertüre, die in einen Count Basie-artigen Swing übergeht, um dann ordentlich zu beschleunigen und zum Bebop zu mutieren. Kurz vor Schluss wird das Tempo dann kräftig reduziert, um noch einen besinnlichen Ausklang zu ermöglichen. Die einzelnen Teile sind geschickt miteinander verknüpft und machen so richtig Spaß, auch wenn es in den Wochen vorher einiges an privater und gemeinsamer Übezeit kostete.

Dann gab es noch ein paar Stücke mit Sängern, die beim Publikum am besten ankamen. Auch hier muss man neben den Leistungen unserer Sängerinnen und des einen wackeren Sängers vor allem die Arrangierkünste von Klaus Wagenleiter erwähnen. Ohne diese perfekt austarierte Mischung wäre es niemals so schön geworden.

Und gerade habe ich mich umgesehen und einen schönen Artikel über das Konzert bei schwaebische.de entdeckt. Im Frühjahr wurde ein aus Sicht der Band sehr gelungenes Konzert von einem Kritiker wirklich gnadenlos verrissen, was einigen Wirbel verursachte. Insofern herrschte eine gewisse Nervosität ob der anstehenden Äußerungen in der Presse. Doch zum Glück ganz vergebens, denn so eine Kritik liest man als partizipierender (und sogar solierender) Musiker gern.

Da sowohl Musiker als auch Publikum von der Mischung begeistert waren, laufen schon (noch unverbindliche) Planungen, ein vergleichbares Event in zwei Jahren erneut zu veranstalten. Ich wäre sofort dabei.

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Ratgeber gibt es viele…

Literatur zum Thema

Meine private Bibliothek zu diesem Themenkomplex

Wenn man sich in Buchläden, bei Amazon oder iBooks umguckt, scheint es eine nie versiegende Anzahl von Ratgebern zu allen möglichen Themen zu geben. Auch das weite Themenfeld der Musik, insbesondere das Üben, werden dabei nicht ausgespart. Ich persönlich habe keine besonders große Affinität zu dieser Art von Ratgebern, denn Papier ist geduldig, schreiben kann man viel, wenn der Tag lang ist – und vor allem: ob das, was sich in gedruckter Form gut liest, dann auch in der Praxis umsetzen lässt, ist wiederum eine ganz andere Geschichte.

Inventur im eigenen Bücherregal

Dennoch wollte ich mal kurz Inventur machen: In meinem Bücherschrank im Arbeitszimmer fand ich immerhin vierzehn Bücher mit einem direkten Bezug zum Üben (gemeint ist: Üben, Proben und/oder Auftreten ist das hauptsächliche Thema des jeweiligen Buchs) und nochmals vier, die das Thema zumindest deutlich anschneiden (z.B. ein Buch über die „Psychologie des Instrumentalunterrichts“). Das ist dann doch eine ganze Menge zu einem vermeintlich einfachen Thema.

Ich beschränke mich bei den folgenden Ausführungen erst einmal auf die vierzehn erstgenannten Bücher, denn diese sind ja direkt auf das Üben bezogen. Diese vierzehn Bücher könnten kaum unterschiedlicher sein: Das kürzeste Exemplar ist die komprimierte Kurzfassung einer Studie (Umfang: 33 Seiten im Din A5-Format), das längste ist ein gebundenes Buch in englischer Sprache (Umfang: 271 Seiten).

Erfahrungen mit den Büchern

Ich habe in alle Bücher zumindest hineingelesen. Manche waren faszinierend geschrieben, die konnte man sowohl anwenden als auch leicht lesen, andere waren geradezu krampfhafte Ansammlungen chaotisch zusammengewürfelter Tipps und Ratschläge, die sich gegenseitig widersprachen (z.B. wenn auf der linken Buchseite steht: „Immer im Originaltempo üben, damit man sich dieses möglichst intensiv einprägt!“ und die rechte Seite dagegen hält: „Unbedingt langsamer üben, um immer die volle Kontrolle über jeden Teil der Bewegungsausführung zu behalten!“ – wie soll man das nun anwenden?), andere waren in ihrer Herangehensweise schlicht zum Kaputtlachen (für Kenner: „Effortless Mastery“ von Kenny Werner, schon der Titel ist ein Widerspruch allererster Güte, fast so gut wie „Die McDonalds-Diät“) oder aber auf ästhetischer Ebene sehr ansprechend (so hatte man schon allein aufgrund der Aufmachung des Buchs Lust, es immer wieder in die Hand zu nehmen).

Persönliches Fazit

Interessant ist, dass bei allem, was da geschrieben steht, eine innere Überzeugung in mir gereift ist, die bislang keiner der Autoren widerlegen oder „ausstechen“ konnte: Wenn es was werden soll, muss man sich hinsetzen und so lange daran arbeiten/üben, bis es klappt. Nichts anderes hilft.

Klingt nach Pädagogik pur, gell? Jetzt aber mal Spaß beiseite: Hat schon mal jemand von einem erfolgreichen Musiker gehört, der besonders viele Bücher über das Üben gelesen hat? Eher nicht so. Wohl aber haben etliche Leute schon von Musikern gehört und gelesen, die Tag für Tag etliche Stunden Übezeit abgerissen haben. Und das ist nun einmal das Rezept zum Erfolg: Harte Arbeit.

Anekdoten-Zeit

Eine kleine Anekdote aus meinem eigenen Leben: Ungefähr in der zehnten Klasse war bei mir der Entschluss gereift, die Musik zum Zentrum meines beruflichen Lebens zu machen. Ab da übte ich Tag für Tag mindestens drei Stunden, während der Kollegstufe, damals also Klasse 12 und 13, kam ich auf ca. vier bis fünf Stunden. Im Studium stieg das auf z.T. über sieben Stunden an. Jeden Tag. Und komischerweise hatte ich während des ganzen Studiums keinen Bedarf für derlei Ratgeber über das Üben. Wenn etwas nicht ging, blieb ich einfach so lange stur dabei, bis es ging.

Einmal im Unterricht nahm mein Professor ein herumliegendes Übetagebuch (auch eine Sache, die ich nie führen musste, um meine Ziele zu erreichen) eines Kommilitonen zur Hand, blätterte interessiert und durchaus belustigt darin. Plötzlich legte er es weg und sagte nur: „Der übt zu wenig.“ Der Kollege, um den es ging, war absolut kein schlechter Trompeter, aber er litt gerade zu der Zeit an ein paar Ansatzproblemen. Üben und Spielen waren für ihn dadurch etwas mühsamer als für die meisten anderen – eine frustrierende Situation. Aber der einzig sinnvolle Weg aus dieser Krise war nun einmal, viel zu üben und zu spielen. Nur so konnte sich der Körper auf die veränderten Bedingungen einstellen und sie so verinnerlichen, dass sie auch „live“, unter Druck und ohne zusätzlichen gedanklichen Aufwand abrufbar wurden. Und dafür übte er damals zu wenig.

Streichholzmethode

Sollte einer meiner vielen Leser auch ein Musiker sein, kann ich eine Übemethode vorschlagen, die wirklich garantiert funktioniert (vorausgesetzt, man schaltet auch das Hirn ein):

  • Man nehme eine Packung Streichhölzer und leere sie auf den Tisch aus, die leere Packung stelle man sich hin.
  • Dann wird geübt, zuerst nur in dem Tempo, in dem die Stelle, um die es geht, auf jeden Fall funktioniert.
  • Für jeden erfolgreichen Durchgang wandert ein Streichholz in die leere Schachtel hinein. Bei jedem fehlerhaften Durchgang fliegt eines (verschärft: zwei oder drei, für die ganz Harten: alle) wieder raus.

Ich garantiere: Wenn die Packung voll ist, läuft die Stelle. Und damit es nicht heißt: „Ja, auf dem (virtuellen) Papier klingt das ja immer toll, wie schaut es mit der Praxis aus?“ Ich habe diese Methode für mich selbst schon oft angewandt, auch einige Schüler mussten schon da durch — es fühlt sich im jeweiligen Moment katastrophal an, aber so wird die frisch angelegte Spur im Gehirn gleich so durchlässig gemacht, dass es dann wirklich gut sitzt.

Klingt ein bisschen nach „Holzhammer“, ist es sicher auch – dafür klappt’s damit auch wirklich.

 

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Musikalischer Nonsens

Heute habe ich wieder geübt, insgesamt kam ich mit der Trompete auf 56 Minuten reine Spielzeit. Kein Vergleich zum Studium, aber besser als nichts — und effektiv war es auch. Insofern gibt es keinen Grund zum Klagen.

Beim Üben habe ich jedoch etwas entdeckt, das mir in der Vergangenheit auch schon häufiger aufgefallen, irgendwie aber jedes Mal neu in Vergessenheit geraten war: ein geradezu unglaublicher musikalischer Nonsens. Was ich damit meine? Ganz einfach.

Kurze Vorwarnung

In den folgenden Absätzen lasse ich auf übelste Weise den Lehrer raushängen. Selbst mir ist das Ausmaß an Erbsenzählerei peinlich. Wem das also zu haarspalterisch wird, der darf gerne andere Artikel lesen. Ich verspreche auch, bald einen ganz anderen nachzuschieben. Für alle, die gerne ein wenig Haarspalterei betreiben: „Treten Sie näher!“

Spaulding und die Notation

In seinem durchaus bahnbrechenden Werk „Double High C in 37 Weeks“, einer zu Beginn der 1960er Jahre im Eigenverlag des Autors erschienenen Trompetenschule, hat Roger W. Spaulding das folgende notiert:

Notation 1

So steht's in Spaulding's Schule...

Jetzt wird's spannend: Wer hat den semantischen Fehler in diesem einzelnen Takt erkannt? Im Prinzip ist es ganz einfach, denn grundsätzlich steht da nichts per se falsches, es ergibt nur keinen in sich geschlossenen Sinn. Schuld ist die enharmonische Verwechselung der beiden mittleren (oder eben der beiden äußeren) Töne.

Die erklingende Akkordbrechung ergibt eindeutig einen H-Dur-Akkord (H-Fis-Dis-H), notiert ist er aber als Nonsens, denn das Gebilde H-Ges-Es-H ist kein H-Dur-Akkord.

Notation 2

Das wäre der korrekte H-Dur-Akkord.

Alternativ könnte man auch einen Ces-Dur-Akkord (Ces-Ges-Es-Ces) erwarten, dann wären die beiden mittleren Töne korrekt, die beiden äußeren nicht.

Notation 3

Das wäre der korrekte Ces-Dur-Akkord.

Wie man es auch dreht und wendet, die vorgegebene Lösung von Herrn Spaulding ist aus musiktheoretischer Sicht „Bockmist“, was an der Spielbarkeit glücklicherweise nichts ändert. Es sofort eher für ein kurzes Kräuseln im Hirn, wenn der geschulte Blick auf etwas derart Eigentümliches stößt.

P.S.: Nachtrag für die ganz Haarspalterischen

Ich verstehe durchaus, wie es zu dieser seltsamen Notation kam: Alle Akkordbrechungen in Aufwärtsbewegung werden mit Kreuzen notiert, alle in Abwärtsbewegung mit B. Das ist ein in sich geschlossenes System, das aber leider dem musikalischen Sachverstand zuwider läuft.

 

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