Archiv der Kategorie: Meinung

Gehört: „Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg

„Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg ist ein spannender Technologie-Thriller mit glaubwürdigen Charakteren und einem modernen Setting. Absolut lesens-/hörenswert!

„Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg ist ein spannender Technologie-Thriller mit glaubwürdigen Charakteren und einem modernen Setting. Absolut lesens-/hörenswert!

Dieses Hörbuch war eine Zufallsentdeckung, die ich Zeilenende zu verdanken habe. Er hatte sich sehr positiv zu „Blackout“, einem weiteren Roman von Marc Elsberg geäußert (hier), woraufhin ich mir diesen bei iBooks besorgte. Natürlich kam ich noch nicht zum Lesen, immerhin liegen da noch ein paar ganz andere Bücher auf meinem virtuellen SuB, doch in iBooks bekam ich natürlich gleich noch weitere Bücher und – ganz entscheidend – Hörbücher vom gleichen Autor angezeigt. „Zero“ war relativ kostengünstig und bot mit mehr als 13 Stunden Länge Futter für mehrere Läufe/Tage. Also ging ich gleich „all in“ – gestern habe ich das Hörbuch mit Genuss zu Ende gehört.

Inhalt

Inhaltlich dreht sich die im „High Tech“-Milieu angesiedelte Handlung vorrangig um den Aspekt der Überwachung, die durch moderne Technik ermöglicht und von vielen Nutzern im Gegenzug für die Bereitstellung sog. „kostenfreier“ Dienste bereitwillig zugelassen wird. Dieses Paket wird in eine Story um eine Journalistin, die zu Beginn selbst noch technologisch „hinter dem Mond“ lebt, verpackt. Im Zuge ihres Wissens- und Erfahrungszuwachses darf der Leser/Hörer das „technologische Erwachen“ mit seinen positiven und negativen Seiten miterleben – sehr geschickt, denn so werden technologisch unbeleckte Leser/Hörer nicht von Anfang an übervorteilt, während die „Techies“ nicht permanent das Gefühl haben, in die Steinzeit zurückversetzt worden zu sein.

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Grundtenor entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen nicht grundsätzlich technologiefeindlich ist, denn so etwas wirkt auf mich immer sehr rückwärtsgewandt (da spüre ich immer die erhobenen Hände und den gewollt hilflosen Ausruf: „Davon verstehe ich doch nichts!“, in dem implizit mitschwingt: „Und davon möchte ich auch nie etwas verstehen…“) und verdirbt meiner persönlichen Einschätzung nach fast grundsätzlich die Stimmung. Da dies hier nicht der Fall ist, war ich in dieser Hinsicht sehr glücklich.

Persönlicher Bezug

Noch dazu ist die Überwachung persönlicher Daten ein zweischneidiges Schwert, das ich als ein notorischer Selbstoptimierer selbstverständlich ganz intim kenne. Der Umgang mit den eigenen Daten ist von entscheidender Bedeutung, denn wer alle Fitness-Apps mit seinen sozialen Medienstreams verbindet und jeden getätigten Schritt in die weite Welt hinausposaunt, macht sich in dieser Hinsicht selbstverständlich durchsichtig. Alle meine diesbezüglichen Profile sind und waren schon immer auf „PRIVAT“ gestellt, sodass keine App irgendetwas bei Twitter oder Facebook (letzterem verweigere ich mich ohnehin komplett) veröffentlichen darf. Das sieht bei anderen Leuten ja ganz anders aus (was kein Urteil sein soll, ich sehe nur oft entsprechende Mitteilungen). Wenn ich dann im Rahmen eines Blog-Eintrags oder einfach so zum Angeben (Eitelkeit ist wichtig…) etwas über Twitter posten möchte, kann ich das via Screenshot immer tun – mein Blog ist ja nun voll von solchen Beispielen. Auf diese Weise behalte ich aber die Kontrolle über die öffentlich wahrnehmbaren Daten.

Gleichzeitig frage ich mich auch immer, wen meine Laufdaten so brennend interessieren sollten. Das ist sicher eine etwas naive Sichtweise, doch da mir bislang keine auf den Laufsport bezogene Werbung ins Haus bzw. Postfach geflattert ist, scheint mein Konzept von Privatsphäre noch ganz gut aufzugehen.

Nike & Apple sind nicht Facebook oder Google

Noch so ein Punkt, in dem sich eventuell herausstellen könnte, dass ich massiv naiv bin, aber ich vertraue Apple. Meine Aktivitätsdaten werden hauptsächlich bei Nike und Apple gesammelt, andere Apps benutze ich nur sporadisch und mit den bereits erwähnten Privatsphäre-Einstellungen. Apple nimmt seit Jahren einen klar definierten Standpunkt zur Privatsphäre ein: Meine Daten bleiben meine, in vielen Fällen bleiben sie sogar direkt auf dem Gerät in einem gesicherten Chip gespeichert und werden niemals auf irgendwelche Server hochgeladen (z.B. seit dem iPhone 5S die Fingerabdrücke zum Entsperren der Geräte).

Klar, es kann sich fast jederzeit herausstellen, dass ich in dieser Hinsicht angelogen und betrogen wurde. Da Apple diesen Standpunkt aber immer wieder sehr vehement verteidigt und – zumindest den eigenen Angaben nach – Technologien verwendet, die es der Firma selbst unmöglich machen, die auf dem Gerät verschlüsselten Daten zu entschlüsseln, vertraue ich Ihnen zumindest im Moment meine Daten an. Ein Glücksspiel, ja, aber eben nur eines. Und die Chancen sind immerhin 50:50. Bei Facebook oder Google ist die Wahrscheinlichkeit gar kein Faktor, denn bei beiden ist es klar, dass alle verwertbaren personenbezogenen Daten auch ausgewertet und an alle zahlungswilligen Interessenten verkauft werden.

Fazit

Zurück zum Hörbuch! Wie meine langen Ausführungen gezeigt haben, handelt es sich bei „Zero – Sie wissen, was du tust“ um ein brandaktuelles Thema, das uns auch in den kommenden Jahren immer wieder in unterschiedlichen Dringlichkeitsstufen begleiten wird. Da das Thema von Marc Elsberg intelligent, kompetent und auf kurzweilige und spannende Weise aufbereitet wurde, kann ich das Hörbuch sehr empfehlen. Ich freue mich schon auf die Lektüre von „Blackout“, das gleich nach „Glas“, „Cujo“, „Alien 1-3“ dran ist. Versprochen, gaaaanz sicher… 😉

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Song des Tages (305) – 2017-07-14

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Zum Einläuten des wohlverdienten Wochenendes gibt es heute einen der besten Songs, den das 20. Jahrhundert überhaupt hervorgebracht hat: Dusty Springfield mit „Son Of A Preacher Man“

Man glaubt es kaum, aber der Song ist gut 30 Prozent kürzer als die heutigen Hits, dennoch scheint keine Sekunde zu fehlen oder zu viel zu sein. Schlicht ein Meisterwerk!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Song des Tages (303) – 2017-07-12

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Angesichts des Todes von Christian Weis (hier) habe ich den eigentlich für heute geplanten Song aufgeschoben und stattdessen ein eher dem Anlass angemessenes Instrumentalstück ausgewählt, das ich seit gut 25 Jahren sehr schätze. Noch bis kurz vor dem Abitur haben ein Kumpel und ich immer wieder versucht, das Stück herauszuhören, weil es uns so gefiel – ganz gelang es uns damals nicht. Vermutlich war das auch gut so, denn dadurch wurde es nie völlig entzaubert.

Nun also im Gedenken an Christian Weis das wundervolle Stück „Labyrinths“ von Savatage:

Trotz des wenig schönen Anlasses ist die Musik umso träumerischer.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Gesehen: „RoboCop“ (2014)

Faszinierend und verstörend zugleich: Das Remake des 80er Jahre-„Robocop“ von 2014.

Faszinierend und verstörend zugleich: Das Remake des 80er Jahre-„Robocop“ von 2014.

Den „RoboCop“-Film von 1987 kenne ich gut, schließlich habe ich ihn als Teenager mehrmals auf VHS gesehen. Dass vor drei Jahren ein Remake herauskam, ging dagegen völlig an mir vorbei. Nun habe ich dieses aber tatsächlich entdeckt, mir in Ruhe angesehen und kann rechtens behaupten, dass mir der Film in seiner neuen Fassung gefällt.

Die Neuverfilmung von 2014 hat mit dem Original nur noch ganz am Rande zu tun, sie wurde in ein durchweg modernes Gewand gesteckt – und das ist insgesamt, vor allem aber auf der optischen Ebene ein echtes Highlight. Auch die Zuspitzung der medialen Hysterie, das gegenseitige Ausspielen von Ereignissen zum eigenen (finanziellen oder politischen) Nutzen, das Uminterpretieren von Sachverhalten, bis es den eigenen Standpunkt stützt, all dies ist raffiniert getextet und von hervorragenden Schauspielern (vor allem Samuel L. Jackson und Michael Keaton) umgesetzt. Aber auch die noch stark von den heutigen Wunschvorstellungen geleitete wissenschaftliche Seite, vertreten durch einen gewohnt exzellenten Gary Oldman, muss sich keineswegs verstecken.

Alles in allem spannende Unterhaltung, die zwar keinen intellektuellen Tiefgang voraussetzt, immerhin aber einige ethische Grundfragen über die Entscheidungsfreiheit des Menschen aufwirft – und das ganze dann in effektvoller Weise mit einer ordentlichen Ladung Action inszeniert. Klassisches Popcorn-Kino, wie man es für einen entspannten Samstag Abend gebrauchen kann. Den Film sehe ich mir sicher noch ein paar Mal an.

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Gehört: „Kopfsache Schlank“ von Dr. Marion Reddy und Dr. Iris Zachenhofer

Dieses Hörbuch hinterließ bei mir außerordentlich gespaltene Gefühle...

Dieses Hörbuch hinterließ bei mir außerordentlich gespaltene Gefühle…

Vor ein paar Tagen kaufte ich mir auf eine Empfehlung in einem anderen Blog-Eintrag hin für knapp 11 Euro das etwa fünfstündige Hörbuch „Kopfsache Schlank. Wie wir über unser Gehirn unser Gewicht steuern“ aus dem Jahr 2016 und hörte es während zweier Morgenläufe und noch ein paar kurzen Pausenzeiten am Nachmittag dazwischen durch. Mein Interesse an diesem Thema (Gesundheit, Gewicht halten, Aufbau gesunder Gewohnheiten etc.) ist groß, immer wieder empfehle ich Mitmenschen, die mich danach fragen, das Buch „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann, mit dem sowohl ich als auch meine Frau sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Auch die App Calory Guard Pro kann ich immer wieder wärmstens empfehlen, schließlich habe ich mit ihr gute 30 Kilogramm abgenommen und halte mein Gewicht seit 2011 – das funktioniert also wirklich.

Doch ich kehre zum heutigen Thema, dem frisch durchgehörten Hörbuch, zurück. Der Eindruck auf mich war, ganz im Gegensatz zu vielen euphorischen Kritiken im Internet, eher zwiespältig. Einerseits wurden viele wahre, aber bereits seit Jahren (zumindest meiner Einschätzung nach) allgemein bekannte Sachverhalte erläutert (z.B. die Funktionsweise unseres internen Belohnungssystems), andererseits wurde vieles von diesen guten und richtigen Dingen ertränkt in einem – man verzeihe mir den Begriff – „tussenhaftem Geschwätz“. Ich werde darauf zurückkommen.

Die harten Fakten:

Letztlich lassen sich die über fast fünf Stunden ausgebreiteten Tipps auf ein paar Grundregeln zusammenstreichen:

  1. Stress (und damit die Produktion von Cortisol) vermeiden, denn so entsteht eine Schieflage der körpereigenen Hormone, die hartnäckig und fast unaufhaltsam zu schneller Gewichtszunahme führt. Dazu gehört auch viel Schlaf, so wird der in einer Stress-Situation aufgebaute Cortisol-Spiegel effektiv gesenkt.
  2. Programmieren der gewünschten Verhaltensweisen in die Basalganglien, sodass daraus Verhaltensroutinen werden, die ohne bewusstes Nachdenken einfach ablaufen können (und dies dann auch automatisch tun). Kernsatz: „Neue Verhaltensmuster müssen geübt werden.“
  3. Kenntnis und Nutzung unseres psychischen Belohnungssystems („Umpolung“: weg von der Belohnung durch Essen, hin zur Belohnung durch andere angenehme Dinge – ein klarer Fokus liegt auf der Ausschüttung von Dopamin, dem sog. „Glückshormon“)
  4. Nutzung des präfrontalen Kortex, also des Logik-/Planungs-Zentrums unseres Gehirns, um nicht nur auf der emotionalen, sondern auch auf der argumentativen Ebene die für das Abnehmen förderlichen Entscheidungen zu treffen.

Was ich gut fand:

  • Grundsätzlich sind die erwähnten mentalen Ansatzpunkte sowohl wissenschaftlich als auch im Kontext korrekt, sie werden differenziert dargestellt, mit Beispielen verdeutlicht und somit „greifbar“ gemacht.
  • Die Akzeptanz von Fehlern. Viele Abbrecher einer Diät verzweifeln bereits bei kleinen Fehlern oder Abweichungen von ihrem Plan. Doch wie jemand, der ein Instrument lernt, muss man über die Fehler hinwegsehen und weiter üben. Diesen Aspekt fand ich sehr gut erläutert, denn er könnte tatsächlich einigen Menschen mit Problemen beim Durchhalten einer Diät helfen.
  • Das Buch ist gespickt mit Anekdoten und aus dem Leben gegriffenen Erzählungen, wodurch viele Sachverhalte sehr anschaulich und leichter auf die eigene Situation übertragbar werden.

Das erste Kapitel kann man hier kostenfrei online lesen.

Was ich furchtbar fand:

  • Rezepte in einem Hörbuch vorlesen. Sorry, aber das ist unglaublich unbefriedigend für den Hörer. Wenn ich morgens beim Laufen über die gerade zum Leben erwachende Ostalb gefühlte 20 Minuten am Stück ein Rezept nach dem anderen vorgelesen bekomme, ist das weder spannend noch interessant. Bestenfalls würde es mir ein starkes Verlangen nach Essen erzeugen, was aber gar nicht passierte (mag auch an der Uhrzeit gelegen haben). So war es für mich wirklich in höchstem Maße langweilig. Selbst wenn mich die Rezepte in der jeweiligen Situation interessiert hätten, müsste ich, wollte ich sie selbst einmal zubereiten, erst wieder die richtige Stelle im Hörbuch finden, dann mehrfach hin und her springen, um mir alles zu notieren etc. Das ist extrem unbequem, nicht komfortabel – und auf keinen Fall zielführend. Warum nicht einfach auf eine Adresse im Netz verweisen, über die die Rezepte als pdf-Datei abrufbar wären? In der hier gegebenen Darreichungsform macht diese Passage des Hörbuchs keinen Spaß und sollte entweder ersatzlos gestrichen oder durch den Verweis auf eine Internet-Quelle ersetzt werden. (Was bin ich in dieser Hinsicht dem Buch „Fettlogik überwinden“ dankbar, dass es komplett auf derlei Rezepte verzichtet.)
  • Das oben erwähnte „tussenhafte Geschwätz“: Die Autorin scheint fest davon überzeugt zu sein, ihre durchweg soliden finanziellen Verhältnisse zu demonstrieren. So erzählt sie davon, jedes Jahr im November für drei Wochen mit ihrem Mann (aber ohne die fünf Kinder) nach Fernost in den Urlaub zu fliegen, um einen Teil des schlechten Wetters dort im warmen Klima auszusitzen. Schön für sie, aber es wirkt ganz schön herablassend. Und an solchen Beispielen mangelt es im (Hör-)Buch nicht. An anderer Stelle geht es um luxuriöse Kleidung (und wenn die Autorin von „teuer“ spricht, meint sie z.B. einen Mantel von Burberry, für den würde vermutlich die Hälfte eines meiner Monatsgehälter fällig werden…) und unnötige Schickeria-Accessoires – alles Zeugnisse eines verschwenderischen und höchst privilegierten Lebensstils, die den Eindruck erwecken, sie wären nur in das Hörbuch aufgenommen worden, um damit zu protzen. Das hinterlässt bei mir (und ich nage nun wirklich nicht am Hungertuch) einen äußerst schalen Geschmack im Mund.
  • Die Sprecherin klingt streckenweise, als wäre sie entweder erkältet oder hätte Polypen, auf jeden Fall überkam mich beim Hören recht häufig das Bedürfnis, mir die Nase zu putzen. Das mag lustig klingen, war es aber nicht. Zumindest nicht über einen längeren Zeitraum hinweg. Entgegen der ansonsten wirklich makellosen Produktion des Hörbuchs ist dies ein Argument, das aus meiner Sicht gegen den Kauf des Hörbuchs spricht.

Fazit

Für jemanden, der mit dieser Materie noch nicht oder nur sehr peripher in Berührung gekommen ist, könnte das Hörbuch sicherlich eine wahre Fundgrube für interessante Techniken zur Beeinflussung der eigenen Gelüste und das Anlegen neuer Gewohnheiten sein. Allerdings sollte man sich ein dickes Fell hinsichtlich ausführlicher Schilderungen eines luxuriösen Lebensstils (jedes Jahr drei Wochen Urlaub ohne Kinder) zulegen. Für mich und auch meine Frau, mit der ich über das Hörbuch sprach bzw. mich aufregte, bot es nicht allzu viel an neuen Informationen, uns beiden stieß die protzige Art unangenehm auf. Das heißt nicht, dass es sich um ein schlechtes (Hör-)Buch handelt, ganz im Gegenteil. Doch die Art der Darreichung hat uns beiden einfach nicht behagt bzw. einen gewissen Widerwillen in uns entfacht. Wir empfehlen weiterhin eher „Fettlogik überwinden“.

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Der himmlische Mute-Knopf

In den letzten Tagen ging es in Hamburg ja ziemlich rund. Dazu möchte ich mich aber gar nicht äußern, meine Meinung wäre ohnehin redundant, denn die Berichterstattung und Meinungsmache lief bei allen beteiligten Akteuren auf Hochtouren, kein denkbarer Standpunkt wurde ausgelassen. Und wie so oft hieß das Motto: „Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem.“

Genau genommen lief die Hysterie auf derart hohen Touren, dass mir vollkommen die Lust verging, mir weitere überdrehte (oft in feinster Trump-Manier durchweg in Großbuchstaben verfasste…) Pro-/Contra-Meldungen über die üblichen Nachrichtenkanäle oder meine Twitter-Timeline anzusehen.

Besonders auffällig war für mich, dass im Verlauf der Eskalation die Einstellung vieler Personen einen Wandel um 180 Grad durchlief. Erst waren die Polizisten, die Sicherheitsorgane, die Staatschefs und der Staat selbst die „Bösen“, dann brannten mehrere Nächte am Stück die Autos völlig unbeteiligter Menschen, wurden Geschäfte geplündert und Straßenzüge verwüstet – und auf einmal war der pöbelnde Mob, der vorher noch wie ein Trupp Heilsbringer (oder zumindest moderner Che Guevaras) gefeiert worden war, das „personifizierte Böse“.

Da es vielen modernen Mediennutzern aber anscheinend nicht möglich ist, sich differenziert zu äußern, sie viel lieber in Hysterie, mit marktschreierischer Aufmerksamkeitssucht und vor allem in oft unangebracht diffamierender bzw. unflätiger Weise ihren (manchmal nur für kurze Zeit gültigen) Standpunkt in die Welt hinausposaunen (die Silbe „Po“ in der Mitte ist übrigens sehr passend…), wählte ich den Weg, der mir am besten taugte.

Beim Öffnen der Timeline hatte ich heute früh gut 800 ungelesene Tweets vor mir. Konsequent mutete (für die Nichteingeweihten: muten=stummschalten) ich alle Tags, die sich auf G20 bezogen. Zusätzlich noch einen Nutzer, der sein Fähnchen in den letzten Tagen ständig nach dem Wind gedreht hatte. Binnen zweier Minuten war die Timeline auf 200 Tweets zusammengeschrumpft, die konnte ich in ein paar Minuten in Ruhe überfliegen und genießen.

Die Stummschaltung gilt noch bis morgen, dann werde ich mal sehen, ob ich nochmal die virtuellen Maulkörbe verteilen muss. Für heute habe ich jedenfalls himmlische Ruhe – mein herzlicher Dank gilt dem Mute-Knopf!

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Gesehen: „Last Vegas“

Eine herrliche Komödie mit Tiefgang, wundervolle Unterhaltung und anrührender Herzschmerz in einem.

Eine herrliche Komödie mit Tiefgang, wundervolle Unterhaltung und anrührender Herzschmerz in einem.

Vor fünf Minuten waren wir noch 17…

Diese Zeile tiefer Erkenntnis aus dem Mund eines Siebzigjährigen verkörpert wundervoll den Tiefgang dieser schier unglaublichen Komödie. Die insgesamt 105 Minuten bestehen zu gut 60 Minuten nur aus Spaß und guter Laune (nicht zuletzt durch die mehr als gelungenen Anspielungen auf die unter Robert De Niros Mitwirkung entstandenen Mafia-Trilogie „Der Pate“), der Rest ist zwar durchaus ernst und regt unter Umständen dazu an, noch lange über die eine oder andere angeschnittene Thematik nachzudenken, doch all das ist stets unterhaltsam genug, damit der Film nie spröde oder gar belehrend wirkt. Vielmehr laufen sich oft minutenlang ein Schenkelklopfer nach dem anderen den Rang ab. Herrlich!

Star-Besetzung

Ein Grund für den hohen Spaßfaktor ist eindeutig die Star-Besetzung, denn hier kommt in vielerlei Hinsicht die „Crème de la Crème“ zusammen:

  • Robert De Niro
  • Michael Douglas
  • Morgan Freeman
  • Kevin Kline

Alle befinden sich in einem „fortgeschrittenen“ Alter, jeder von ihnen hat mehr Filme gemacht als manch ein anderer gesehen hat – und ihr Zusammenspiel ist schlicht perfekt: Vom Timing der Witze über das jeweils genau richtige Maß an Unter- oder Übertreibung, um den maximalen Spaßfaktor aus einer Szene „herauszukitzeln“, bis zu den vielen kleinen Gesten und mimischen Details, die das Ansehen so lohnend machen.

Handlung

Die Zusammenfassung, wie sie bei iTunes zu lesen ist:

Billy (…), Paddy (…), Archie (…) und Sam (…) sind beste Freunde seit Kindertagen. Als Billy, der eingefleischte Junggeselle der Truppe, seiner Freundin um die 30 endlich einen Antrag macht, fahren die vier nach Las Vegas mit dem Plan, sich nicht ihrem Alter entsprechend zu benehmen und alte glorreiche Tage wieder aufleben zu lassen. Kurz nach ihrer Ankunft erkennen die vier jedoch recht schnell, dass die Zeit Sin City veränderte und ihre Freundschaft auf nie erwartete Weise auf die Probe stellt. Das Rat Pack mag einmal im Sands gespielt haben und Cirque du Soleil mag nun den Strip regieren, aber diese vier machen Vegas absolut unsicher…

Fazit

Wer sich für fast zwei Stunden exquisit amüsieren will, ohne auf schauspielerische Qualität und einen Schuss Nachdenklichkeit zu verzichten, der darf hier beherzt zugreifen. Viel Spaß!

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Song des Tages (297) – 2017-07-06

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. „Politisch korrekt“ ist nun sicher keine Kategorie, die man dem heutigen Song des Tages zugestehen würde, doch er groovt nun einmal so wundervoll vor sich hin, dass der Genuss die (ohnehin nur peripher vorhandenen) Bedenken weit überwiegt. Letztlich ist es Musik, und darin sehr gut. Daher wünsche ich allen viel Spaß mit „Booty Ooty“ von Johnny Guitar Watson:

So entspannt weite Teile des Stücks verlaufen, so hektisch mutet der Anfang an, denn da zocken Bläser und Gitarre ein paar Schläge lang einen höllisch schnellen Skalen-Abschnitt herunter, dass man glatt mit den Ohren wackeln möchte…

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Rekordmonat Juni 2017

Der Juni sticht eindeutig aus der Masse hervor – völlig unbeabsichtigt, vermutlich war das recht gute Wetter in den Pfingstferien in Kombination mit spannenden Hörbüchern ein entscheidender Faktor...

Der Juni sticht eindeutig aus der Masse hervor – völlig unbeabsichtigt, vermutlich war das recht gute Wetter in den Pfingstferien in Kombination mit spannenden Hörbüchern ein entscheidender Faktor…

Mit dem gestrigen Tag endete der Monat Juni, bei dem es sich aus sportlicher Sicht um einen echten Rekordmonat handelte, denn so viele Kilometer hatte ich vorher noch nie in einem Monat zusammen bekommen:

Eigentlich waren es 30 Läufe, ein Morgenlauf wurde in zwei Abschnitte unterteilt, daher die etwas abweichende Zählung.

Eigentlich waren es 30 Läufe, ein Morgenlauf wurde in zwei Abschnitte unterteilt, daher die etwas abweichende Zählung.

Da ich die App auf dem iPhone und der Apple Watch habe, verirre ich mich äußerst selten in das Web-Interface von Nike Running. Meine Frau ist wesentlich häufiger dort, daher konnte sie mir ein paar nützliche Tipps geben – so kam ich mit ein paar Fingerbewegungen an die folgende Übersicht für dieses Kalenderjahr:

Der Überblick über meine Laufleistung bei Nike Running – erstaunlich, was man da so alles entdecken kann...

Der Überblick über meine Laufleistung bei Nike Running – erstaunlich, was man da so alles entdecken kann…

Wenn das so weitergeht und ich keine Krankheitspause einlegen muss, könnte ich dieses Jahr tatsächlich mal die 5.000 Kilometer schaffen. Aber das ist nicht mein vorrangiges Ziel. Was mir eher vorschwebt, ist folgendes: Dem Beispiel meiner entzückenden Frau folgen, die eisern an ihrem Muskelaufbau arbeitet, um so den Grundumsatz zu erhöhen und insgesamt ihre Gesundheit zu stärken.

Baustelle Bauchspeck – „das“ leidige Thema…

Nun habe ich seit Anfang 2011 eine nicht ganz zu übersehende Menge von 30 Kilogramm abgenommen. Doch an der Gewichtsschraube will ich nicht weiter drehen, sonst lande ich unter Umständen schnell im Untergewicht. Aber: Ich habe von meinem früheren Übergewicht trotz meines aktuell am unteren Rand des Normalzustands liegenden Körpergewichts immer noch eine kleine Wampe mit Fettfüllung direkt am Bauch zurückbehalten. Nicht dramatisch, aber so, dass es im Schwimmbad immer noch auf der ästhetischen Ebene für einen unbefriedigenden Geisteszustand meinerseits sorgt. Und das ist die aktuelle Baustelle. Also eine von mehreren, die ich beseitigen muss, um mich in spärlich bekleidetem Zustand unter den Augen anderer wohl zu fühlen.

Das bedeutet: Situps/Crunches und Planke, möglicherweise noch mit anderen Übungen gekoppelt. Sobald ich ein für mich funktionierendes kurzes Programm in der iMuscle-App erstellt habe und es sich eingeschliffen hat, berichte ich darüber.

Eine weitere ist, dass meine Arme schon recht dünn sind, ein paar Muskeln dort schaden sicher nicht. Also wird flugs das Klimmzug-Training wieder aufgenommen: Vier Sets, jeweils so viele Klimmzüge wie möglich. Und wenn es nur ein halber ist. Jede Anstrengung ist besser als keine – und aktuell ist meine Kondition echt armselig.

Black Roll is in da house…

Dann ist da noch etwas: Robert hat mich damals mit seinem Artikel über die Faszien-Rolle (oder „Black Roll“) auf die Idee gebracht, das auch einmal auszuprobieren. Eigentlich wollte ich dem Thema einen eigenen Blog-Eintrag widmen, hier passt das aber auch sehr gut, also nehme ich die Option einfach mit.

Die frisch gekaufte Black Roll auf dem heimischen Sofa (da liegt sie gut...).

Die frisch gekaufte Black Roll auf dem heimischen Sofa (da liegt sie gut…).

Mit der Faszien-Rolle lockere ich meine gerne sehr verkrampfte Rücken- und Schultermuskulatur. Am ersten Abend genoss ich das gute „Durchgeknetet-werden“-Gefühl ein bisschen zu lange, woraufhin ich am nächsten Morgen gleich einmal unübersehbare Blutergüsse am Rücken aufwies:

Ein bisschen zuviel des Guten...

Ein bisschen zuviel des Guten…

Seither habe ich die Menge reduziert, maximal zwei oder drei Minuten am Tag bekommt der Rücken ab, jetzt läuft das super – aber eine solche Einstiegs-Überlastung ist für mich als einen klassischen „Ganz oder gar nicht“-Typen nicht weiter erstaunlich.

Fazit

Es läuft und läuft, an dieser Front gibt es keine Probleme, ich bin auch fast komplett schmerzfrei, sodass ich hoffentlich immer weiter einfach laufen kann, wie ich gerne möchte. Ansonsten steht der grobe Plan, dessen Details jetzt noch ausgearbeitet werden müssen. Also beende ich diesen Blog-Eintrag und mache mich an die Arbeit!

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Song des Tages (291) – 2017-06-30

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Mancher Song in dieser Playlist benötigt keine ausführliche Vorstellung, er ist so gut, dass man ihn beim ersten Ton erkennt und sofort mit dem Fuß mitwippt bzw. mit den Händen auf den Schenkeln Schlagzeug spielt. Als heutigen Song des Tages habe ich „Down Under“ von Men At Work ausgesucht:

Hui, der Song macht einfach gute Laune, gegen die man sich nicht wehren kann. Noch einmal!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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