Archiv der Kategorie: Literatur

Album der Woche – Episode 2 – 2017-09-24

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Magnum: „On A Storyteller’s Night“

Tolkien-Fans aufgepasst: Diese Musik dürfte euch gefallen, aber sowas von...

Tolkien-Fans aufgepasst: Diese Musik dürfte euch gefallen, aber sowas von…

Die 1972 in Birmingham gegründete Band Magnum gehört zum britischen Hard Rock-/Heavy Metal-Urgestein, die durch viele gelungene Album-Veröffentlichungen und stimmungsvoll-mitreißende Live-Auftritte bis heute überzeugen, die vor allem aber auch seit ihren Anfängen das Fantasy-Element in der Rock-Musik stark betonen. Ein Blick auf das Artwork fast aller Album-Cover der vergangenen Jahrzehnte stellt das eindrucksvoll unter Beweis.

Das für den heutigen Eintrag ausgewählte Album, „On A Storyteller‘s Night“ erschien 1985 und brachte der Band den verdienten internationalen Durchbruch. Als Teenager sah ich immer dieses Cover in den Platten-/CD-Läden stehen. Irgendwann siegte die Neugier und ich kaufte die CD. Keinen einzigen Tag habe ich es bereut, denn die Musik ist melodisch, kraftvoll und voller Geheimnisse. Fans von J. R. R. Tolkien kommen hier voll auf ihre Kosten (und das war Jahrzehnte VOR dem Hype um die Peter Jackson-Verfilmungen).

Die Songs:

„On A Storyteller’s Night“ ist ein ganz klassisches Rock-Album: 10 Stücke, Gesamtspielzeit: ca. 46 Minuten. Rechnet man das kurz durch, wird klar, warum die Stücke trotz all ihrer eingängigen Melodien nicht allzu viel Radiopräsenz abbekamen: Sie (zumindest die meisten) sind dafür einfach ein bisschen zu lang (alles über drei oder dreieinhalb Minuten scheidet für das Radio mehr oder weniger sofort aus). Doch als Rock-Musiker darf man ohnehin nicht auf eine riesige Radiopräsenz bauen, gerade in Zeiten einer immer stärker am Mainstream ausgerichteten Pop-Kultur wäre das fatal.

How Far Jerusalem (6:25)

Das ist für mich neben dem Titelsong DER Tolkien-Song schlechthin. All die Faszination, die die episch ausgebreiteten Geschichten von Tolkien bei ihren Fans hervorrufen, bildet den inhaltlichen Hintergrund des Songs.

Nach der geheimnisvollen Klangkulisse, die am Anfang aufgebaut wird, setzt dann die Band mit rockigen Riffs ein und heizt ordentlich ein, nur um dann in einen sanften, lyrischen Teil umzuschwenken. Auch später wird die mysteriöse Stimmung durch den geschickten Einsatz von reichlich Delay und Reverb in der E-Gitarre verstärkt. Dann noch der mehrstimmige Gesang, der aus der Ruhe der kleinen Zwischenparts wieder in den energetisch rockenden Refrain wechselt – einfach nur herrlich. Was für ein fantastischer Opener für ein Album! Kein Wunder, dass die Fans das Album und diesen Song lieben!

Just Like An Arrow (3:21)

Diese schnelle und (für Magnum-Verhältnisse) sehr energetische Nummer in (ausnahmsweise einmal) bester Radio-Länge besticht durch wundervolle Gitarrenriffs und den geschickten Einsatz der Synthesizer, alles daran treibt nach vorne. Sowohl der melodische (und stellenweise aufregend raue) Gesang als auch das kraftvolle Gitarrensolo sind so gestaltet, dass sie problemlos im Gehör hängen bleiben – ganz klar einer der Höhepunkte des Albums. Also schon der zweite von zwei Songs…

On A Storyteller’s Night

Genau genommen gilt hier das, was ich zum Opener „How Far Jerusalem“ geschrieben habe, außer dass es ganz explizit die Bildersprache Tolkiens heraufbeschwört. Werft doch gerade noch einmal einen Blick auf das oben eingebettete Album-Cover, dann seht ihr vermutlich sofort, was ich meine. Ein reisender Erzähler sitzt in geselliger Runde am Kamin und erzählt eine – den Gesichtern der Zuhörer zufolge vermutlich gruselige – Geschichte. Alle lauschen gebannt und sind vollkommen fasziniert, sogar aus dem Keller lugen eigenartige Gestalten hervor. Und die Musik fängt diese Stimmung geradezu perfekt ein. Schön ist auch der Schluss, der den Hörer mit einem fast schon unerwarteten Ruck aus dem Hörgenuss herausreißt. Hammer!

Before First Light

Eine schöne, schnörkellose Rock-Nummer, die aber inhaltlich nicht viel zu bieten hat. Sicher ein Song, der gefällig im Hintergrund laufen kann, dabei auch eine gehörige Portion Genuss bereitet. Doch im Vergleich zu einigen anderen Highlights des Albums fehlt ihm ein wenig die Finesse – eventuell urteile ich auch zu hart, denn für mich gehört Magnum (zumindest bei diesem Album) so eindeutig in diese Mittelalter-/Fantasy-/Sagenwelt-Schiene, dass der in dieser Hinsicht fehlende Bezug mir wie ein Mangel vorkommt. Doch zum Trost kann ich gleich noch attestieren, dass es vermutlich nur meine Einbildung ist.

Les Morts Dansant

Übersetzt heißt der Titel des Songs „Die Toten tanzen“, die dem Titel innewohnende Dramatik wird auch auf musikalischer Ebene gut umgesetzt, denn die Spannung baut sich von der ruhigen Einleitung bis zum Refrain allmählich immer weiter auf. Bemerkenswert ist der sehr sparsame Einsatz des Schlagzeugs, das in der Rockmusik sonst ja eine ziemlich permanente Präsenz besitzt und stark zum Gesamtklang beiträgt. Aber auch dieses wächst mit der zunehmenden Intensität immer weiter an, um den hymnenhaften Charakter der Gesangslinie zu unterstützen. Vor meinem inneren Auge baut sich bei diesem Song immer das Bild einer tanzenden Schar in den Katakomben einer der großen alten Städte Europas auf. Geht es noch jemandem so?

Endless Love

Liest man den Titel, denkt man ja eher an eine Ballade, doch dann? Haha! Weit gefehlt, denn schon der erste Schlagzeug-Einsatz zeigt ganz klar, dass es hier nicht allzu soft zur Sache geht. Dann kommen Gitarre, Gesang, später auch noch der Rest der Band dazu – und schon fährt der Rock-Zug unaufhaltsam auf sicherem Gleis durch die Nacht.

Inhaltlich geht es um einen ruhelosen Geist, der niemals lange an einem Ort bleiben kann, stets treibt es ihn weiter. So kann das natürlich nichts mit der „nie endenden Liebe“ werden. Wenn man das weiß, kommt der treibende Grundbeat gleich noch viel besser. (Und das kleine Wörtchen „No“ vor dem Titel des Songs ergibt dann auch gleich wesentlich mehr Sinn…)

Two Hearts

An diesem Song liebe ich vor allem die Einleitung, denn sie erinnert mich immer an einen mittelalterlichen Troubadour, zumindest bis dann der Beat der ganzen Band einsetzt. Ab da ist es dann ein ganz geradliniger Rock-Song mit gefälligen Melodiebögen sowohl im Gesang als auch beim Synthesizer und glatten Gitarren-Riffs, die von unten etwas Druck nach vorne erzeugen. Insgesamt ein guter Song, doch sicher nicht ganz auf dem Niveau der ersten drei, die einfach eine wahnsinnig hohe Messlatte angelegt haben.

Steal Your Heart

Das klingt vielleicht böse, aber ich halte diesen Song für einen der wenigen schwächeren Momente des Albums. Er ist noch nicht einmal kein guter Song, aber gerade nach dem unglaublich starken (da stimmungsvollen) Anfang sind „Two Hearts“ und „Steal Your Heart“ einfach nur gute Songs, nicht überragende. Sie stören den Hörgenuss nicht, aber mich reißen sie nicht annähernd so sehr mit wie die Highlights des Albums.

All England’s Eyes

Ich weiß nicht, wie ich es (abgesehen von den Lyrics) konkret faktisch begründen soll, doch für mich verkörpert dieser Song die „Rockmusik in bester britischer Tradition“. Irgendwie klingt das so britisch, dass es wohl von kaum einer anderen Band so gut gespielt werden könnte. Vermutlich ist es die Kombination aus Schlagzeug-Beat, dem pumpenden Synthesizer-Klang und den fetten Power-Chords der E-Gitarre. Die „Kriegstrommeln“ zu Beginn der Strophe sind auch nicht zu verachten, sie erzeugen gleich eine Stimmung wie in einer mittelalterlichen Sagenwelt. Für mich ist es einer der stärkeren Songs des Albums.

The Last Dance

Das Album wird abgerundet durch eine sentimental eingefärbte Ballade, die wiederum eine Situation heraufbeschwört, die es sowohl in den „alten Zeiten“ gegeben hat, wie auch heute noch Menschen sie tagtäglich erleben (müssen). Diese melancholisch niedergeschlagene Stimmung ist musikalisch überzeugend umgesetzt und beschließt daher das Album ganz elegant. Mich hat es früher immer etwas überrascht, dass zum Ende nicht noch ein energetischer Knaller kommt, doch mittlerweile gefällt mir diese Variante sogar noch besser.

Fazit

Wäre das Album nicht schon seit vielen Jahren einer meiner „Schätze“, würde ich es nicht in diesen illustren Zirkel aufnehmen. Doch in diesem Fall stand die Wahl schon vor Monaten fest, eigentlich sofort nach dem Fassen des Entschlusses, diese Kategorie aufzumachen. Da gab es wirklich keinen noch so kurzen Moment der Unsicherheit. Und ich freue mich selbst, noch einmal intensiv gerade in jene Songs hineingehört zu haben, die ich sonst nur nebenher wahrnehme. Ein oder zwei sind dadurch in meiner Gunst gleich ein Stück angestiegen.

Für mich ist „On A Storyteller‘s Night“ ein zeitlos gutes Album, das aus der Masse der schier unzählbar vielen guten Alben durch die oben angesprochenen Besonderheiten heraussticht. Aber vor allem im Herbst und Winter passt es perfekt zur jahreszeitlich bedingten Stimmung. Gerade bevor ich mit dem Schreiben des Fazits begann, zündete ich das Feuer im Ofen hinter mir an. So bin ich mir sicher, genau in der richtigen Stimmung zu sein. In diesem Sinne schicke ich euch warme (hach, mein Rücken ist bald gar…) musikalische Grüße und wünsche euch viel Vergnügen mit diesem musikalischen Juwel!

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Solera (mal wieder) im Stephen King-Fieber

Damit ging's wieder los...

Damit ging’s wieder los…

In den letzten Wochen (eigentlich sind es schon mehrere Monate) habe ich mehrere Romane und Kurzgeschichten (auch Sammlungen von Kurzgeschichten) von Stephen King gelesen und gehört. Zum Teil handelte es sich dabei um mir bereits bekannte Hörbücher, die ich in den letzten Jahren schon gelesen, dann gehört und zum Teil sogar in diesem Blog rezensiert hatte. Wieso hörte ich die Geschichten also noch einmal, wenn es doch so vielen neuen (Lese-/Hör-) Stoff auf der Welt zu entdecken gibt?

On Writing

Die Antwort ist einfach, und ich habe sie mit dem Bild oben auch schon verraten: An erster Stelle stand das teils autobiographische, teils anleitende Werk „On Writing. A Memoir of the Craft.“ In diesem höchst interessanten und auch noch vom Autor selbst gelesenen Abriss über seine eigene Biographie (vor allem im Bezug auf die ihn hinsichtlich der Schriftstellerei prägenden Ereignisse) und diverse schreibstellerische Fertigkeiten touchiert er natürlich immer wieder eigene Werke, beschreibt die Umstände ihrer Entstehung, weist auf Besonderheiten hin, erläutert die Probleme, die er beim Schreiben mit dem jeweiligen Werk hatte, und was ihn da wieder herausgebracht hat. All das war so faszinierend, so unprätentiös und gleichzeitig anregend, dass ich mir die Werke gleich wieder anhören musste, zumindest so ich ihre Hörbücher schon besaß. Und dann hörte ich mir „On Writing“ gleich noch einmal an – aktuell bin ich tatsächlich im dritten Durchgang, den ich beispielsweise zum Kochen laufen lasse.

Gedruckt vs. Hörbuch

Huch! Ein „analoges“ Buch in meinem Haushalt... (Spaß beiseite, da gibt's noch ein paar Schränke voll...)

Huch! Ein „analoges“ Buch in meinem Haushalt… (Spaß beiseite, da gibt’s noch ein paar Schränke voll…)

Das Buch hatte ich in der deutschen Übersetzung schon vor fast zehn Jahren einmal gelesen. Es hatte mir auch schon gefallen, doch in der Hörbuch-Fassung, die vom „Meister“ selbst gelesen wurde, wirkt alles stringenter und authentischer. Gerade weil alle Betonungen „genau so“ gewollt sind, weil der Tonfall „genau dem“ entspricht, was der Autor beim Tippen im Sinn hatte. Fantastisch! Jedem, der auch nur ein mäßiges Englisch beherrscht, sei dieses Hörbuch im Original ans Herz gelegt. Es ist gerade heraus, offen und ehrlich, man (besser: ich) möchte einfach lauschen und merkt überhaupt nicht, wie die Zeit vergeht, während eine überaus faszinierende Geschichte um einen herum ausgebreitet wird.

Welche SK-Romane bzw. -Geschichten habe ich mir also angehört?

Da kam schon so einiges zusammen, was sich aber beim Laufen gut unterbringen ließ (außerdem entspannt mich das, wenn ich bereits vertraute Geschichten beim Laufen höre, dann muss ich mich nicht auf jedes einzelne Wort konzentrieren):

  • „Todesmarsch“ (insgesamt schon das dritte Mal)
  • „Carrie“ (das Erstlingswerk, mit dem er seinen Durchbruch schaffte)
  • „Der Fluch“ („Thinner“, davon gibt es auch eine recht gut Verfilmung)
  • „Rita Hayworth and the Shawshank Redemption“ (kennt man im Deutschen als „Die Verurteilten“, gleich zweimal auf Englisch, früher schon fünf oder sechs Mal in der deutschen Fassung gehört)
  • „Glas“ (der vierte Teil der „Dunkler Turm“-Reihe)
  • „Dreamcatcher“ (deutsch: „Duddits“ – die Verfilmung ist gut, aber man versteht sie nur, wenn man das Buch kennt, sonst ist es ein gänzlich überzogener Horror-Science Fiction-Müll)
  • „Basar der bösen Träume“ (die ersten paar Kurzgeschichten hatte ich schon mehrfach gehört, aber dieses Mal habe ich ganz bereitwillig bis zum Schluss alles in mich aufgesogen)

Parallel dazu lese ich mich gerade durch die Kurzgeschichten-Sammlung „Skeleton Crew“ (auf Deutsch, aber der Titel der deutschen Fassung lautet „Blut“, was irgendwie so gar nicht passt…), in der gleich zu Beginn „Der Nebel“ steht (wurde verfilmt). Danach kommen „Cujo“ und „Tommyknockers“ dran. Danach muss ich wieder in die „Dunkle Turm“-Welt eintauchen, sonst gehen mir die Anknüpfungspunkte am Ende noch verloren. Hach, der Mann hat einfach zu viele gute Bücher geschrieben!

Fazit

Ich habe nicht die Absicht, Schriftsteller zu werden. Aber der kreative Prozess, den ich im musikalischen Bereich ja immer wieder einsetze, fasziniert mich unglaublich. Und wenn etwas meine Aufmerksamkeit so fesselt, dann packt mich diese Sache meist mit Haut und Haaren. So ist es hier ganz offensichtlich passiert. Und es fühlt sich gut an, nicht nur als schönes Gegengewicht zum Arbeitsalltag.

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Song des Tages (350) – 2017-08-28

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Anfang Dezember 2016 hatte ich die Band Magnum schon einmal als Quelle für den Song des Tages erwählt, damals mit dem exzellenten „On A Storyteller’s Night“ (hier). Doch auf dem gleichen Album – und ich habe es als Teenager wirklich viele, viele Male angehört – gibt es neben vielen anderen guten Stücken noch einen mindestens ebenso gelungenen Track, es handelt sich gleich um den Opener. Heute ist er der Song des Tages, sein Titel ist „How Far Jerusalem“:

Die Studio-Version bietet eine perfekt stimmige Atmosphäre, das ist einfach umwerfend. Wer sich vorher schon ein bisschen „Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“ ansieht (oder liest/hört), dürfte sich sofort heimisch fühlen. Und dennoch habe ich eine ganz ansprechende Live-Version bei YouTube gefunden, die ich ebenfalls für sehenswert halte:

Wenn die Woche schon mit derlei mysteriösen Stücken beginnt, kann sie ja eigentlich nur gut werden, oder? Ich stelle mich derzeit allmählich wieder auf einen Arbeitsrhythmus um, denn in exakt zwei Wochen beginnt der Schulbetrieb in Baden-Württemberg, da sollten die ersten paar Tage gut vorbereitet sein, um jegliche Hektik zu vermeiden.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Wortspende

Endlich hatte ich mal wieder die Muse und — vor allem — Zeit, mich einer Wortspende anzuschließen. Noch dazu waren die Begriffe derart passend, dass mir die zehn Sätze quasi sofort ins Hirn sprangen.

Endlich hatte ich mal wieder die Muse und — vor allem — Zeit, mich einer Wortspende anzuschließen. Noch dazu waren die Begriffe derart passend, dass mir die zehn Sätze quasi sofort ins Hirn sprangen.

Gleich nach dem Aufstehen habe ich heute die aktuelle Wortspende von Christiane entdeckt (hier), die mich noch dazu spontan animierte, selbst die virtuelle Tastatur meines iPads zu bearbeiten — das Ergebnis könnt ihr unten lesen.

Die drei Begriffe für heute lauten:

  • Stativ
  • Kindheitstraum
  • nachspüren

Und hier folgt nun meine in zehn Sätzen erzählte Geschichte zu den drei Reizwörtern:

An diesem Morgen stand Rudi ganz früh auf — genau genommen war es noch nicht einmal Morgen, denn draußen herrschte noch tiefe Dunkelheit. Mit routinierten Handgriffen packte er sein Stativ und die Kameratasche, alles am Vorabend akribisch vorbereitet, seine Thermoskanne, das iPhone und verließ das Haus. Drei Uhr und 28 Minuten, huch, die Zeit drängte, immerhin wollte Rudi sich heute einen Kindheitstraum erfüllen. Mit entschlossenem Schritt bewegte er sich auf den steil ansteigenden Hang zu und begann den anstrengenden Aufstieg. Schon als Kind hatte er die Idee gehabt, seinen Heimatort während des Sonnenaufgangs in vielen Bildern zu fotografieren, die er später am Computer zu einer Zeitraffer-Aufnahme verarbeiten würde. So könnten alle, die sich diesen Film ansahen, ebenfalls den Zauber, den er jedes Mal dabei empfand, am eigenen Leib erfahren, seinem Kindheitstraum nachspüren…

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Gehört: „Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg

„Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg ist ein spannender Technologie-Thriller mit glaubwürdigen Charakteren und einem modernen Setting. Absolut lesens-/hörenswert!

„Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg ist ein spannender Technologie-Thriller mit glaubwürdigen Charakteren und einem modernen Setting. Absolut lesens-/hörenswert!

Dieses Hörbuch war eine Zufallsentdeckung, die ich Zeilenende zu verdanken habe. Er hatte sich sehr positiv zu „Blackout“, einem weiteren Roman von Marc Elsberg geäußert (hier), woraufhin ich mir diesen bei iBooks besorgte. Natürlich kam ich noch nicht zum Lesen, immerhin liegen da noch ein paar ganz andere Bücher auf meinem virtuellen SuB, doch in iBooks bekam ich natürlich gleich noch weitere Bücher und – ganz entscheidend – Hörbücher vom gleichen Autor angezeigt. „Zero“ war relativ kostengünstig und bot mit mehr als 13 Stunden Länge Futter für mehrere Läufe/Tage. Also ging ich gleich „all in“ – gestern habe ich das Hörbuch mit Genuss zu Ende gehört.

Inhalt

Inhaltlich dreht sich die im „High Tech“-Milieu angesiedelte Handlung vorrangig um den Aspekt der Überwachung, die durch moderne Technik ermöglicht und von vielen Nutzern im Gegenzug für die Bereitstellung sog. „kostenfreier“ Dienste bereitwillig zugelassen wird. Dieses Paket wird in eine Story um eine Journalistin, die zu Beginn selbst noch technologisch „hinter dem Mond“ lebt, verpackt. Im Zuge ihres Wissens- und Erfahrungszuwachses darf der Leser/Hörer das „technologische Erwachen“ mit seinen positiven und negativen Seiten miterleben – sehr geschickt, denn so werden technologisch unbeleckte Leser/Hörer nicht von Anfang an übervorteilt, während die „Techies“ nicht permanent das Gefühl haben, in die Steinzeit zurückversetzt worden zu sein.

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Grundtenor entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen nicht grundsätzlich technologiefeindlich ist, denn so etwas wirkt auf mich immer sehr rückwärtsgewandt (da spüre ich immer die erhobenen Hände und den gewollt hilflosen Ausruf: „Davon verstehe ich doch nichts!“, in dem implizit mitschwingt: „Und davon möchte ich auch nie etwas verstehen…“) und verdirbt meiner persönlichen Einschätzung nach fast grundsätzlich die Stimmung. Da dies hier nicht der Fall ist, war ich in dieser Hinsicht sehr glücklich.

Persönlicher Bezug

Noch dazu ist die Überwachung persönlicher Daten ein zweischneidiges Schwert, das ich als ein notorischer Selbstoptimierer selbstverständlich ganz intim kenne. Der Umgang mit den eigenen Daten ist von entscheidender Bedeutung, denn wer alle Fitness-Apps mit seinen sozialen Medienstreams verbindet und jeden getätigten Schritt in die weite Welt hinausposaunt, macht sich in dieser Hinsicht selbstverständlich durchsichtig. Alle meine diesbezüglichen Profile sind und waren schon immer auf „PRIVAT“ gestellt, sodass keine App irgendetwas bei Twitter oder Facebook (letzterem verweigere ich mich ohnehin komplett) veröffentlichen darf. Das sieht bei anderen Leuten ja ganz anders aus (was kein Urteil sein soll, ich sehe nur oft entsprechende Mitteilungen). Wenn ich dann im Rahmen eines Blog-Eintrags oder einfach so zum Angeben (Eitelkeit ist wichtig…) etwas über Twitter posten möchte, kann ich das via Screenshot immer tun – mein Blog ist ja nun voll von solchen Beispielen. Auf diese Weise behalte ich aber die Kontrolle über die öffentlich wahrnehmbaren Daten.

Gleichzeitig frage ich mich auch immer, wen meine Laufdaten so brennend interessieren sollten. Das ist sicher eine etwas naive Sichtweise, doch da mir bislang keine auf den Laufsport bezogene Werbung ins Haus bzw. Postfach geflattert ist, scheint mein Konzept von Privatsphäre noch ganz gut aufzugehen.

Nike & Apple sind nicht Facebook oder Google

Noch so ein Punkt, in dem sich eventuell herausstellen könnte, dass ich massiv naiv bin, aber ich vertraue Apple. Meine Aktivitätsdaten werden hauptsächlich bei Nike und Apple gesammelt, andere Apps benutze ich nur sporadisch und mit den bereits erwähnten Privatsphäre-Einstellungen. Apple nimmt seit Jahren einen klar definierten Standpunkt zur Privatsphäre ein: Meine Daten bleiben meine, in vielen Fällen bleiben sie sogar direkt auf dem Gerät in einem gesicherten Chip gespeichert und werden niemals auf irgendwelche Server hochgeladen (z.B. seit dem iPhone 5S die Fingerabdrücke zum Entsperren der Geräte).

Klar, es kann sich fast jederzeit herausstellen, dass ich in dieser Hinsicht angelogen und betrogen wurde. Da Apple diesen Standpunkt aber immer wieder sehr vehement verteidigt und – zumindest den eigenen Angaben nach – Technologien verwendet, die es der Firma selbst unmöglich machen, die auf dem Gerät verschlüsselten Daten zu entschlüsseln, vertraue ich Ihnen zumindest im Moment meine Daten an. Ein Glücksspiel, ja, aber eben nur eines. Und die Chancen sind immerhin 50:50. Bei Facebook oder Google ist die Wahrscheinlichkeit gar kein Faktor, denn bei beiden ist es klar, dass alle verwertbaren personenbezogenen Daten auch ausgewertet und an alle zahlungswilligen Interessenten verkauft werden.

Fazit

Zurück zum Hörbuch! Wie meine langen Ausführungen gezeigt haben, handelt es sich bei „Zero – Sie wissen, was du tust“ um ein brandaktuelles Thema, das uns auch in den kommenden Jahren immer wieder in unterschiedlichen Dringlichkeitsstufen begleiten wird. Da das Thema von Marc Elsberg intelligent, kompetent und auf kurzweilige und spannende Weise aufbereitet wurde, kann ich das Hörbuch sehr empfehlen. Ich freue mich schon auf die Lektüre von „Blackout“, das gleich nach „Glas“, „Cujo“, „Alien 1-3“ dran ist. Versprochen, gaaaanz sicher… 😉

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Nostalgie-Lektüre

Die Romane zum Film von Alan Dean Foster sind wahre Meisterwerke, die man sich immer wieder durchlesen kann – vor allem den zweiten habe ich als Teenager wiederholt verschlungen.

Die Romane zum Film von Alan Dean Foster sind wahre Meisterwerke, die man sich immer wieder durchlesen kann – vor allem den zweiten habe ich als Teenager wiederholt verschlungen.

Vor ein paar Tagen habe ich völlig durch Zufall bei iBooks einen Sammelband mit drei Romanen von Alan Dean Foster entdeckt, jeweils „Romane zum Film“, eine der vielleicht mit der größten Skepsis betrachteten literarischen Gattungen, da sie versuchen, eine literarische Ausarbeitung zu einem bereits bestehenden Film zu liefern, ohne auf die Gestaltung des Films irgend einen noch so geringen Einfluss nehmen zu können. Als Kind und Jugendlicher las ich derlei Romane zum Film sehr oft. Der Grund lag darin, dass mir fast immer das Geld für den Kinobesuch fehlte oder aber die Filme für meine Altersgruppe gar noch nicht freigegeben waren.

Die schmalen Bücher für sechs oder sieben Mark (oft noch billiger, wenn ich es gebraucht bekommen konnte), las ich dann locker drei oder vier Mal, im Fall von „Aliens – Die Rückkehr“ mindestens fünf oder gar sechs Mal. Wenn ich später den Film zu sehen bekam, war ich oft bestens im Bilde, was den Genuss tatsächlich steigerte!

Alan Dean Foster ist darüber hinaus der Spagat zwischen einer „Nacherzählung“ des Films und einer gekonnten Ausschmückung und Verfeinerung sowohl der Handlung (durch Hinzufügen von Begründungen/Motiven) als auch der Charaktere (durch die im Film nicht darstellbaren Gedankengänge) gelungen. Andernfalls hätte ich die Bücher nicht so oft wieder hervorgeholt und erneut gelesen.

Zurück zu meiner Entdeckung: Die drei Romane wurden für 4,99 € angeboten, da zögerte ich höchstens zwei oder drei Sekunden, bevor ich meine Kreditkarte belastete und mir ein Stück Nostalgie lud. Dieser Sammelband wird in den kommenden Wochen immer wieder in den kurzen „Klo-Lesepausen“ in iBooks geöffnet und Häppchen für Häppchen genüsslich gelesen. Und später vermutlich noch einmal – und noch einmal…

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Gehört: „Alien Wars“ Teile 2-5

Eine sehr gelungene und überaus spannende Fortsetzung der „Alien Wars“-Reihe von Marko Kloos!

Eine sehr gelungene und überaus spannende Fortsetzung der „Alien Wars“-Reihe von Marko Kloos!

Die letzten Wochen war wirklich viel los, daher kam ich weder zum Schreiben noch richtig zum Lesen, was ich sehr bedauere, aber die Prioritäten zwingen sich mir förmlich auf. Noch viereinhalb Wochen, dann sind Sommerferien, ab da wird es wieder etwas entspannter. Vielleicht sogar schon früher.

Gerade in den Stress-Zeiten ist der morgendliche Lauf die entspannteste Zeit des Tages neben dem Nachtschlaf, vor allem weil letzterer immer etwas zu kurz kommt (das weiß ich mittlerweile ganz genau, denn ich verfolge aufmerksam die Auswertung der AutoSleep-App). Beim Laufen höre ich fast immer ein Hörbuch, nur ganz selten gibt’s Musik, die höre ich dafür am Rest des Tages mehr als Hörbücher. Also schaffe ich in der Schulzeit jeden Morgen 90-110 Minuten einer Geschichte. Entsprechend flitzen die Geschichten nur so vorbei, umso mehr, wenn sie so spannend sind wie diese Reihe.

Hier hatte ich bereits über den ersten Teil berichtet, den ich schon mehrfach durchgehört habe, weil er spannend und kurzweilig zugleich ist. Auch den zweiten Teil „pflügte“ ich nur so durch, um dann ein bisschen zu erschrecken, denn die weiteren zwei Teile, die es in der deutschen Übersetzung im iTunes Store gibt, sind mir aktuell noch zu teuer. Für etwa zehn Stunden Hörbuch möchte ich (gerade bei meinem Durchsatz an Hörbüchern) keine 20 € hinlegen. Zum Glück zeigt der iTunes Store bei der Suche nach dem Autor-Namen auch die englischen Fassungen an…

Und das war dann auch meine Rettung: Die Teile 3-5 kosten jeweils nur 7,99 €, also die Hälfte vom ersten Teil in der deutschen Fassung (15,99 €). Also: Gekauft, geladen, gehört. Und alle drei Teile waren fantastisch.

Der dritte Teil...

Der dritte Teil…

...und der vierte Teil...

…und der vierte Teil…

...und der fünfte Teil. Jeder einzelne Teil ist fürchterlich spannend und gut vorgelesen.

…und der fünfte Teil. Jeder einzelne Teil ist fürchterlich spannend und gut vorgelesen.

Die Geschichte ist insgesamt ganz klar im Bereich der Military Science Fiction angesiedelt, es geht also um (in diesem Fall menschliche) Soldaten, die die Erde oder von Menschen kolonisierte Planeten vor einer aggressiven außerirdischen Macht (hier den „Lankies“) verteidigen müssen.

Wo der erste Teil noch etwas patriotisch rüberkam (für Amerikaner überhaupt nicht ungewöhnlich), distanziert sich der Autor ab Beginn des zweiten Teils immer deutlicher vom blinden militärischen Gehorsam, lässt den Protagonisten und einige seiner Freunde/Kameraden sogar wiederholt aufgrund einer Gewissensentscheidung gegen direkte Befehle ihrer Vorgesetzten eine Meuterei anzetteln. Mit jedem weiteren Kapitel vertiefen sich die Charaktere, treffen teils unerwartete Entscheidungen, werden menschlicher und somit nachvollziehbarer – sie wachsen einem schlicht ans Herz.

Den fünften Teil habe ich vor ein paar Tagen mit Genuss zu Ende gehört. Doch ganz am Ende geschah es: Entgegen meiner Erwartung war es noch nicht der Abschluss der Reihe, denn ein sechster Teil ist gerade in der Endphase der Entstehung, wie ich noch am selben Tag der Homepage des Autors entnehmen konnte. Das bedeutet, dass mich wieder einmal ein Autor mit einer unfertigen Roman-Reihe auf die Folterbank spannt. Zum Glück scheint es in diesem Fall deutlich schneller zu gehen als bei Patrick Rothfuss

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Gehört: „Alien Wars – Sterneninvasion“ von Marko Kloos

Der gelungene Auftakt einer Science Fiction-Reihe, gerade vor ein paar Tagen von mir  durchgehört und für gut befunden...

Der gelungene Auftakt einer Science Fiction-Reihe, gerade vor ein paar Tagen von mir durchgehört und für gut befunden…

Hui! Wieder eine tolle Neuentdeckung für mich an der Science Fiction-Front! Der mir bislang völlig unbekannte Autor Marko Kloos (in Deutschland geboren, lebt aber in den USA) hat eine vier Teile umspannende Serie sog. Military Science Fiction unter dem Übertitel „Alien Wars“ geschaffen, deren ersten Teil ich geradezu verschlungen (so absonderlich diese Vorstellung bei einem digitalen Hörbuch auch immer sein mag…) habe.

Den ersten Teil habe ich heute gerade zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen komplett durchgehört, also verdient das Hörbuch eine gute Rezension an dieser Stelle.

Handlung

Die Handlung ist in vier grobe Blöcke unterteilt, die in normaler chronologischer Folge nacheinander ablaufen:

  • Die (kurze) Vorgeschichte des Protagonisten Andrew Grayson im „Ghetto“,
  • die Verpflichtung zum Militärdienst und die Grundausbildung,
  • die Zeit bei der irdischen Armee,
  • Wechsel zu den Space Marines und dortige Erlebnisse.

Die Vorgeschichte wird recht zügig abgehandelt, auch die Grundausbildung wird dankenswerterweise nicht extrem breitgetreten. Sehr interessant ist die Schilderung der Einsätze bei der TA (der „Terranen Verteidigungs-Armee“), denn hier äußert der Protagonist (stellvertretend für den Autor) bereits kritische Gedanken zur Medienzensur und zu manch einer politischen Entscheidung, die nur aus der Perspektive „von oben“ kommt. Nach mehreren Einsätzen auf der Erde erhält Andrew Grayson die Möglichkeit, zu den Marines zu wechseln – und nutzt diese. Als „Neuronaler Netzwerk-Administrator“ erlebt er dann auch gleich eine äußerst aufreibende Mission, die die Menschheit erstmals in Kontakt mit einer feindlich gesinnten außerirdischen Spezies bringt. Und damit ist die Basis für die weiteren Teile gelegt.

Fazit

Der gesamte Roman ist in einem zügigen Tempo und einer packenden, stark technologisch geprägten Sprache geschrieben (beides passt perfekt zur Military Science Fiction). Das Hörbuch mit Matthias Lühn als Sprecher ist exzellent, bei meinen morgendlichen Läufen habe ich es von vorne bis hinten genossen. Der zweite Teil ist bereits geladen – ich bin schon gespannt, ob er an das Niveau des ersten anschließen kann. Ich werde wieder berichten, sobald der neue Teil durch ist…

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Gehört: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

In den letzten Blog-Einträgen über Hörbücher war nicht alles Gold, was glänzt (hier und hier), bzw. auch wenn die Hörbücher an sich makellos produziert und vorgelesen waren, trafen sie einfach nicht immer meinen aktuellen Geschmack. Beim heute vorgestellten Hörbuch passte dagegen aus meiner Sicht einfach alles, denn…

  • Die Geschichte ist spannend und exzellent erzählt – sogar so gut, dass ich völlig darin eintauchen konnte. Jedes Pausieren war eine Qual, da ich stets unverzüglich weiter in der Handlung versunken bleiben wollte.
  • Sowohl Inhalt als auch die Erzählweise sind von so hoher literarischer Qualität, dass dieses Buch völlig verdient zu den weithin bekannten „modernen Klassikern des 20. Jahrhunderts“ zählt.
  • Das Hörbuch ist fantastisch produziert (hervorragende Soundqualität) und geradezu perfekt gelesen (an dieser Stelle ein großes Lob an Eva Mattes). Sowohl die Verkörperung der unterschiedlichen Rollen wie auch die Klarheit der Aussprache, die einfühlsame Deklamation – wundervoll!

Kurz: Das richtige Hörbuch zum richtigen Zeitpunkt! Das muss und werde ich sicher noch etliche Mal später in meinem Leben anhören.

Handlung:

Die Kurzbeschreibung des Hörbuchs bei iTunes liest sich wie folgt:

Harper Lee beschwört den Zauber und die Poesie einer Kindheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten: Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer „ehrbaren“ Mitbürger zum Trotz.

Mehr sollte man auch nicht verraten, denn jede weitere Information könnte sich als ein Spoiler erweisen.

Fortsetzung

Gerade beim Nachlesen der Kurzbeschreibung fand ich heraus, dass es auch noch eine 20 Jahre später spielende Fortsetzung des Romans mit dem Titel „Gehe hin, stelle einen Wächter“ gibt. Damit ist dann wohl auch das Wochenende in trockenen Tüchern…

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Gehört: „The Remains of The Day“ von Kazuo Ishiguro

Eines der besten Bücher, das ich in den letzten zwei Jahrzehnten gelesen (und nun auch gehört) habe.

Eines der besten Bücher, das ich in den letzten zwei Jahrzehnten gelesen (und nun auch gehört) habe.

Zum ersten Mal habe ich dieses Buch bereits vor gut 20 Jahren auf Englisch gelesen, schon damals hat es mich nachhaltig beeindruckt, denn es bedient sich einer ausgesprochen gewählten Sprache, sodass bereits das Lesen dieser hochfeinen und überkorrekten Sprache einen Genuss für sich darstellt. Dazu kommt der unaufgeregte Erzählstil, der dennoch äußerst intensiv ist. Womöglich fördert die ruhige Art der Erzählung sogar die Intensität, denn gerade die trügerische Unbewegtheit des in Form von Tagebucheinträgen seine Erfahrungen und Erlebnisse ausbreitenden Erzählers lässt von Zeit zu Zeit emotional besonders stark wirkende Momente zu.

Handlung

Die Zusammenfassung des Inhalts ist bei Wikipedia derart prägnant und gelungen, dass ich sie für meinen Blog-Eintrag einfach übernehme:

Stevens, der auf Schloss Darlington Hall als Butler eingestellt ist, begibt sich 1956 auf die Reise nach Cornwall, um dort seine ehemalige Arbeitskollegin Miss Kenton zu besuchen und sie zu bitten, nach Darlington Hall zurückzukehren. Diese Fahrt erweist sich als eine Reise in Stevens Vergangenheit. Allmählich erscheinen ihm die Erinnerungen an sein bisheriges Leben in Rückblenden. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Lord Darlington, der mittlerweile verstorben ist, in Besitz des riesigen Landsitzes. Dort fanden von etwa 1920 bis 1938 teils geheime Treffen bedeutender europäischer Politiker statt. Lord Darlington setzte sich für eine Lockerung der im Friedensvertrag von Versailles festgeschriebenen deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg ein und war später ein Vertreter der Appeasement-Politik des britischen Premiers Chamberlain. In der Nachkriegszeit galt Darlington deshalb als „Nazifreund“, verlor eine Klage gegen eine Zeitung, die dieses nachdrücklich behauptet hatte, und starb als gebrochener Mann. Stevens erlaubte sich als loyalem und seinem Herrn ergebenem, perfektem Butler nie, die Motive seines Herrn in Frage zu stellen oder dessen Verstrickungen in den Nationalsozialismus überhaupt wahrzunehmen. Auch seine Gefühle für Miss Kenton, die ihn liebt und ihm dies durchaus zu verstehen gibt, lässt er nicht zu. Er erkennt die möglichen Chancen, die er ungenutzt hat verstreichen lassen. Am Ende seiner Reise sieht er angesichts des hereinbrechenden Abends ein, dass er nur versuchen kann, das Beste aus dem zu machen, „was vom Tage übrig bleibt“.

Faszination

Ganz abgesehen vom hohen sprachlichen Niveau übt der Roman eine hohe Faszination auf mich aus, weil er auf jeder Ebene authentisch wirkt. Stevens bemerkt erst im Verlauf der Schilderung seines Lebens, wie sehr er sich und seine eigenen Bedürfnisse hintangestellt, vergessen, verleumdet und um alles Schöne betrogen hat. Es war ein Leben des Dienstes, nicht frei von schönen und heiteren Momenten, aber weitgehend frei von echten eigenen Entscheidungen. Auf der kurzen Autoreise durch England folgt er nun zum ersten Mal seit Jahren seiner eigenen Räson, trifft eigene Entscheidungen und erkennt, was ihm all die Jahre abgenommen und zugleich verwehrt wurde. Diesem Erkenntnisprozess, der sich ganz allmählich entfaltet, beizuwohnen und dem zunehmendem Tempo zu folgen, das sich mit jeder neuen Erkenntnis erhöht, war für mich äußerst faszinierend. Vor 20 Jahren schon und vor ein paar Wochen, als ich das Hörbuch beim Laufen hörte, erneut.

Verfilmung

Die Verfilmung habe ich vor einigen Jahren auch ein- oder zweimal angesehen, doch ihr fehlt – trotz der exzellent ausgewählten Schauspieler (allen voran Anthony Hopkins und Emma Thompson), die ihren jeweiligen Part mit höchster Überzeugungskraft interpretieren – die erzählerische Größe des Romans. Doch stellt dies nur meine Meinung dar, wer Interesse an der Verfilmung hat, wird sicher nicht enttäuscht werden.

Fazit

Dieses Hörbuch ist fantastisch: Technisch makellos, inhaltlich ausgezeichnet, die Geschichte spannend und zugleich von einer stillen Dramatik — eine ganz klare Empfehlung für jeden, der sich für einen modernen Klassiker interessiert.

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