Archiv der Kategorie: Literatur

Wortspende

Endlich hatte ich mal wieder die Muse und — vor allem — Zeit, mich einer Wortspende anzuschließen. Noch dazu waren die Begriffe derart passend, dass mir die zehn Sätze quasi sofort ins Hirn sprangen.

Endlich hatte ich mal wieder die Muse und — vor allem — Zeit, mich einer Wortspende anzuschließen. Noch dazu waren die Begriffe derart passend, dass mir die zehn Sätze quasi sofort ins Hirn sprangen.

Gleich nach dem Aufstehen habe ich heute die aktuelle Wortspende von Christiane entdeckt (hier), die mich noch dazu spontan animierte, selbst die virtuelle Tastatur meines iPads zu bearbeiten — das Ergebnis könnt ihr unten lesen.

Die drei Begriffe für heute lauten:

  • Stativ
  • Kindheitstraum
  • nachspüren

Und hier folgt nun meine in zehn Sätzen erzählte Geschichte zu den drei Reizwörtern:

An diesem Morgen stand Rudi ganz früh auf — genau genommen war es noch nicht einmal Morgen, denn draußen herrschte noch tiefe Dunkelheit. Mit routinierten Handgriffen packte er sein Stativ und die Kameratasche, alles am Vorabend akribisch vorbereitet, seine Thermoskanne, das iPhone und verließ das Haus. Drei Uhr und 28 Minuten, huch, die Zeit drängte, immerhin wollte Rudi sich heute einen Kindheitstraum erfüllen. Mit entschlossenem Schritt bewegte er sich auf den steil ansteigenden Hang zu und begann den anstrengenden Aufstieg. Schon als Kind hatte er die Idee gehabt, seinen Heimatort während des Sonnenaufgangs in vielen Bildern zu fotografieren, die er später am Computer zu einer Zeitraffer-Aufnahme verarbeiten würde. So könnten alle, die sich diesen Film ansahen, ebenfalls den Zauber, den er jedes Mal dabei empfand, am eigenen Leib erfahren, seinem Kindheitstraum nachspüren…

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Gehört: „Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg

„Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg ist ein spannender Technologie-Thriller mit glaubwürdigen Charakteren und einem modernen Setting. Absolut lesens-/hörenswert!

„Zero – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg ist ein spannender Technologie-Thriller mit glaubwürdigen Charakteren und einem modernen Setting. Absolut lesens-/hörenswert!

Dieses Hörbuch war eine Zufallsentdeckung, die ich Zeilenende zu verdanken habe. Er hatte sich sehr positiv zu „Blackout“, einem weiteren Roman von Marc Elsberg geäußert (hier), woraufhin ich mir diesen bei iBooks besorgte. Natürlich kam ich noch nicht zum Lesen, immerhin liegen da noch ein paar ganz andere Bücher auf meinem virtuellen SuB, doch in iBooks bekam ich natürlich gleich noch weitere Bücher und – ganz entscheidend – Hörbücher vom gleichen Autor angezeigt. „Zero“ war relativ kostengünstig und bot mit mehr als 13 Stunden Länge Futter für mehrere Läufe/Tage. Also ging ich gleich „all in“ – gestern habe ich das Hörbuch mit Genuss zu Ende gehört.

Inhalt

Inhaltlich dreht sich die im „High Tech“-Milieu angesiedelte Handlung vorrangig um den Aspekt der Überwachung, die durch moderne Technik ermöglicht und von vielen Nutzern im Gegenzug für die Bereitstellung sog. „kostenfreier“ Dienste bereitwillig zugelassen wird. Dieses Paket wird in eine Story um eine Journalistin, die zu Beginn selbst noch technologisch „hinter dem Mond“ lebt, verpackt. Im Zuge ihres Wissens- und Erfahrungszuwachses darf der Leser/Hörer das „technologische Erwachen“ mit seinen positiven und negativen Seiten miterleben – sehr geschickt, denn so werden technologisch unbeleckte Leser/Hörer nicht von Anfang an übervorteilt, während die „Techies“ nicht permanent das Gefühl haben, in die Steinzeit zurückversetzt worden zu sein.

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Grundtenor entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen nicht grundsätzlich technologiefeindlich ist, denn so etwas wirkt auf mich immer sehr rückwärtsgewandt (da spüre ich immer die erhobenen Hände und den gewollt hilflosen Ausruf: „Davon verstehe ich doch nichts!“, in dem implizit mitschwingt: „Und davon möchte ich auch nie etwas verstehen…“) und verdirbt meiner persönlichen Einschätzung nach fast grundsätzlich die Stimmung. Da dies hier nicht der Fall ist, war ich in dieser Hinsicht sehr glücklich.

Persönlicher Bezug

Noch dazu ist die Überwachung persönlicher Daten ein zweischneidiges Schwert, das ich als ein notorischer Selbstoptimierer selbstverständlich ganz intim kenne. Der Umgang mit den eigenen Daten ist von entscheidender Bedeutung, denn wer alle Fitness-Apps mit seinen sozialen Medienstreams verbindet und jeden getätigten Schritt in die weite Welt hinausposaunt, macht sich in dieser Hinsicht selbstverständlich durchsichtig. Alle meine diesbezüglichen Profile sind und waren schon immer auf „PRIVAT“ gestellt, sodass keine App irgendetwas bei Twitter oder Facebook (letzterem verweigere ich mich ohnehin komplett) veröffentlichen darf. Das sieht bei anderen Leuten ja ganz anders aus (was kein Urteil sein soll, ich sehe nur oft entsprechende Mitteilungen). Wenn ich dann im Rahmen eines Blog-Eintrags oder einfach so zum Angeben (Eitelkeit ist wichtig…) etwas über Twitter posten möchte, kann ich das via Screenshot immer tun – mein Blog ist ja nun voll von solchen Beispielen. Auf diese Weise behalte ich aber die Kontrolle über die öffentlich wahrnehmbaren Daten.

Gleichzeitig frage ich mich auch immer, wen meine Laufdaten so brennend interessieren sollten. Das ist sicher eine etwas naive Sichtweise, doch da mir bislang keine auf den Laufsport bezogene Werbung ins Haus bzw. Postfach geflattert ist, scheint mein Konzept von Privatsphäre noch ganz gut aufzugehen.

Nike & Apple sind nicht Facebook oder Google

Noch so ein Punkt, in dem sich eventuell herausstellen könnte, dass ich massiv naiv bin, aber ich vertraue Apple. Meine Aktivitätsdaten werden hauptsächlich bei Nike und Apple gesammelt, andere Apps benutze ich nur sporadisch und mit den bereits erwähnten Privatsphäre-Einstellungen. Apple nimmt seit Jahren einen klar definierten Standpunkt zur Privatsphäre ein: Meine Daten bleiben meine, in vielen Fällen bleiben sie sogar direkt auf dem Gerät in einem gesicherten Chip gespeichert und werden niemals auf irgendwelche Server hochgeladen (z.B. seit dem iPhone 5S die Fingerabdrücke zum Entsperren der Geräte).

Klar, es kann sich fast jederzeit herausstellen, dass ich in dieser Hinsicht angelogen und betrogen wurde. Da Apple diesen Standpunkt aber immer wieder sehr vehement verteidigt und – zumindest den eigenen Angaben nach – Technologien verwendet, die es der Firma selbst unmöglich machen, die auf dem Gerät verschlüsselten Daten zu entschlüsseln, vertraue ich Ihnen zumindest im Moment meine Daten an. Ein Glücksspiel, ja, aber eben nur eines. Und die Chancen sind immerhin 50:50. Bei Facebook oder Google ist die Wahrscheinlichkeit gar kein Faktor, denn bei beiden ist es klar, dass alle verwertbaren personenbezogenen Daten auch ausgewertet und an alle zahlungswilligen Interessenten verkauft werden.

Fazit

Zurück zum Hörbuch! Wie meine langen Ausführungen gezeigt haben, handelt es sich bei „Zero – Sie wissen, was du tust“ um ein brandaktuelles Thema, das uns auch in den kommenden Jahren immer wieder in unterschiedlichen Dringlichkeitsstufen begleiten wird. Da das Thema von Marc Elsberg intelligent, kompetent und auf kurzweilige und spannende Weise aufbereitet wurde, kann ich das Hörbuch sehr empfehlen. Ich freue mich schon auf die Lektüre von „Blackout“, das gleich nach „Glas“, „Cujo“, „Alien 1-3“ dran ist. Versprochen, gaaaanz sicher… 😉

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Nostalgie-Lektüre

Die Romane zum Film von Alan Dean Foster sind wahre Meisterwerke, die man sich immer wieder durchlesen kann – vor allem den zweiten habe ich als Teenager wiederholt verschlungen.

Die Romane zum Film von Alan Dean Foster sind wahre Meisterwerke, die man sich immer wieder durchlesen kann – vor allem den zweiten habe ich als Teenager wiederholt verschlungen.

Vor ein paar Tagen habe ich völlig durch Zufall bei iBooks einen Sammelband mit drei Romanen von Alan Dean Foster entdeckt, jeweils „Romane zum Film“, eine der vielleicht mit der größten Skepsis betrachteten literarischen Gattungen, da sie versuchen, eine literarische Ausarbeitung zu einem bereits bestehenden Film zu liefern, ohne auf die Gestaltung des Films irgend einen noch so geringen Einfluss nehmen zu können. Als Kind und Jugendlicher las ich derlei Romane zum Film sehr oft. Der Grund lag darin, dass mir fast immer das Geld für den Kinobesuch fehlte oder aber die Filme für meine Altersgruppe gar noch nicht freigegeben waren.

Die schmalen Bücher für sechs oder sieben Mark (oft noch billiger, wenn ich es gebraucht bekommen konnte), las ich dann locker drei oder vier Mal, im Fall von „Aliens – Die Rückkehr“ mindestens fünf oder gar sechs Mal. Wenn ich später den Film zu sehen bekam, war ich oft bestens im Bilde, was den Genuss tatsächlich steigerte!

Alan Dean Foster ist darüber hinaus der Spagat zwischen einer „Nacherzählung“ des Films und einer gekonnten Ausschmückung und Verfeinerung sowohl der Handlung (durch Hinzufügen von Begründungen/Motiven) als auch der Charaktere (durch die im Film nicht darstellbaren Gedankengänge) gelungen. Andernfalls hätte ich die Bücher nicht so oft wieder hervorgeholt und erneut gelesen.

Zurück zu meiner Entdeckung: Die drei Romane wurden für 4,99 € angeboten, da zögerte ich höchstens zwei oder drei Sekunden, bevor ich meine Kreditkarte belastete und mir ein Stück Nostalgie lud. Dieser Sammelband wird in den kommenden Wochen immer wieder in den kurzen „Klo-Lesepausen“ in iBooks geöffnet und Häppchen für Häppchen genüsslich gelesen. Und später vermutlich noch einmal – und noch einmal…

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Gehört: „Alien Wars“ Teile 2-5

Eine sehr gelungene und überaus spannende Fortsetzung der „Alien Wars“-Reihe von Marko Kloos!

Eine sehr gelungene und überaus spannende Fortsetzung der „Alien Wars“-Reihe von Marko Kloos!

Die letzten Wochen war wirklich viel los, daher kam ich weder zum Schreiben noch richtig zum Lesen, was ich sehr bedauere, aber die Prioritäten zwingen sich mir förmlich auf. Noch viereinhalb Wochen, dann sind Sommerferien, ab da wird es wieder etwas entspannter. Vielleicht sogar schon früher.

Gerade in den Stress-Zeiten ist der morgendliche Lauf die entspannteste Zeit des Tages neben dem Nachtschlaf, vor allem weil letzterer immer etwas zu kurz kommt (das weiß ich mittlerweile ganz genau, denn ich verfolge aufmerksam die Auswertung der AutoSleep-App). Beim Laufen höre ich fast immer ein Hörbuch, nur ganz selten gibt’s Musik, die höre ich dafür am Rest des Tages mehr als Hörbücher. Also schaffe ich in der Schulzeit jeden Morgen 90-110 Minuten einer Geschichte. Entsprechend flitzen die Geschichten nur so vorbei, umso mehr, wenn sie so spannend sind wie diese Reihe.

Hier hatte ich bereits über den ersten Teil berichtet, den ich schon mehrfach durchgehört habe, weil er spannend und kurzweilig zugleich ist. Auch den zweiten Teil „pflügte“ ich nur so durch, um dann ein bisschen zu erschrecken, denn die weiteren zwei Teile, die es in der deutschen Übersetzung im iTunes Store gibt, sind mir aktuell noch zu teuer. Für etwa zehn Stunden Hörbuch möchte ich (gerade bei meinem Durchsatz an Hörbüchern) keine 20 € hinlegen. Zum Glück zeigt der iTunes Store bei der Suche nach dem Autor-Namen auch die englischen Fassungen an…

Und das war dann auch meine Rettung: Die Teile 3-5 kosten jeweils nur 7,99 €, also die Hälfte vom ersten Teil in der deutschen Fassung (15,99 €). Also: Gekauft, geladen, gehört. Und alle drei Teile waren fantastisch.

Der dritte Teil...

Der dritte Teil…

...und der vierte Teil...

…und der vierte Teil…

...und der fünfte Teil. Jeder einzelne Teil ist fürchterlich spannend und gut vorgelesen.

…und der fünfte Teil. Jeder einzelne Teil ist fürchterlich spannend und gut vorgelesen.

Die Geschichte ist insgesamt ganz klar im Bereich der Military Science Fiction angesiedelt, es geht also um (in diesem Fall menschliche) Soldaten, die die Erde oder von Menschen kolonisierte Planeten vor einer aggressiven außerirdischen Macht (hier den „Lankies“) verteidigen müssen.

Wo der erste Teil noch etwas patriotisch rüberkam (für Amerikaner überhaupt nicht ungewöhnlich), distanziert sich der Autor ab Beginn des zweiten Teils immer deutlicher vom blinden militärischen Gehorsam, lässt den Protagonisten und einige seiner Freunde/Kameraden sogar wiederholt aufgrund einer Gewissensentscheidung gegen direkte Befehle ihrer Vorgesetzten eine Meuterei anzetteln. Mit jedem weiteren Kapitel vertiefen sich die Charaktere, treffen teils unerwartete Entscheidungen, werden menschlicher und somit nachvollziehbarer – sie wachsen einem schlicht ans Herz.

Den fünften Teil habe ich vor ein paar Tagen mit Genuss zu Ende gehört. Doch ganz am Ende geschah es: Entgegen meiner Erwartung war es noch nicht der Abschluss der Reihe, denn ein sechster Teil ist gerade in der Endphase der Entstehung, wie ich noch am selben Tag der Homepage des Autors entnehmen konnte. Das bedeutet, dass mich wieder einmal ein Autor mit einer unfertigen Roman-Reihe auf die Folterbank spannt. Zum Glück scheint es in diesem Fall deutlich schneller zu gehen als bei Patrick Rothfuss

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Gehört: „Alien Wars – Sterneninvasion“ von Marko Kloos

Der gelungene Auftakt einer Science Fiction-Reihe, gerade vor ein paar Tagen von mir  durchgehört und für gut befunden...

Der gelungene Auftakt einer Science Fiction-Reihe, gerade vor ein paar Tagen von mir durchgehört und für gut befunden…

Hui! Wieder eine tolle Neuentdeckung für mich an der Science Fiction-Front! Der mir bislang völlig unbekannte Autor Marko Kloos (in Deutschland geboren, lebt aber in den USA) hat eine vier Teile umspannende Serie sog. Military Science Fiction unter dem Übertitel „Alien Wars“ geschaffen, deren ersten Teil ich geradezu verschlungen (so absonderlich diese Vorstellung bei einem digitalen Hörbuch auch immer sein mag…) habe.

Den ersten Teil habe ich heute gerade zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen komplett durchgehört, also verdient das Hörbuch eine gute Rezension an dieser Stelle.

Handlung

Die Handlung ist in vier grobe Blöcke unterteilt, die in normaler chronologischer Folge nacheinander ablaufen:

  • Die (kurze) Vorgeschichte des Protagonisten Andrew Grayson im „Ghetto“,
  • die Verpflichtung zum Militärdienst und die Grundausbildung,
  • die Zeit bei der irdischen Armee,
  • Wechsel zu den Space Marines und dortige Erlebnisse.

Die Vorgeschichte wird recht zügig abgehandelt, auch die Grundausbildung wird dankenswerterweise nicht extrem breitgetreten. Sehr interessant ist die Schilderung der Einsätze bei der TA (der „Terranen Verteidigungs-Armee“), denn hier äußert der Protagonist (stellvertretend für den Autor) bereits kritische Gedanken zur Medienzensur und zu manch einer politischen Entscheidung, die nur aus der Perspektive „von oben“ kommt. Nach mehreren Einsätzen auf der Erde erhält Andrew Grayson die Möglichkeit, zu den Marines zu wechseln – und nutzt diese. Als „Neuronaler Netzwerk-Administrator“ erlebt er dann auch gleich eine äußerst aufreibende Mission, die die Menschheit erstmals in Kontakt mit einer feindlich gesinnten außerirdischen Spezies bringt. Und damit ist die Basis für die weiteren Teile gelegt.

Fazit

Der gesamte Roman ist in einem zügigen Tempo und einer packenden, stark technologisch geprägten Sprache geschrieben (beides passt perfekt zur Military Science Fiction). Das Hörbuch mit Matthias Lühn als Sprecher ist exzellent, bei meinen morgendlichen Läufen habe ich es von vorne bis hinten genossen. Der zweite Teil ist bereits geladen – ich bin schon gespannt, ob er an das Niveau des ersten anschließen kann. Ich werde wieder berichten, sobald der neue Teil durch ist…

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Gehört: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

In den letzten Blog-Einträgen über Hörbücher war nicht alles Gold, was glänzt (hier und hier), bzw. auch wenn die Hörbücher an sich makellos produziert und vorgelesen waren, trafen sie einfach nicht immer meinen aktuellen Geschmack. Beim heute vorgestellten Hörbuch passte dagegen aus meiner Sicht einfach alles, denn…

  • Die Geschichte ist spannend und exzellent erzählt – sogar so gut, dass ich völlig darin eintauchen konnte. Jedes Pausieren war eine Qual, da ich stets unverzüglich weiter in der Handlung versunken bleiben wollte.
  • Sowohl Inhalt als auch die Erzählweise sind von so hoher literarischer Qualität, dass dieses Buch völlig verdient zu den weithin bekannten „modernen Klassikern des 20. Jahrhunderts“ zählt.
  • Das Hörbuch ist fantastisch produziert (hervorragende Soundqualität) und geradezu perfekt gelesen (an dieser Stelle ein großes Lob an Eva Mattes). Sowohl die Verkörperung der unterschiedlichen Rollen wie auch die Klarheit der Aussprache, die einfühlsame Deklamation – wundervoll!

Kurz: Das richtige Hörbuch zum richtigen Zeitpunkt! Das muss und werde ich sicher noch etliche Mal später in meinem Leben anhören.

Handlung:

Die Kurzbeschreibung des Hörbuchs bei iTunes liest sich wie folgt:

Harper Lee beschwört den Zauber und die Poesie einer Kindheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten: Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer „ehrbaren“ Mitbürger zum Trotz.

Mehr sollte man auch nicht verraten, denn jede weitere Information könnte sich als ein Spoiler erweisen.

Fortsetzung

Gerade beim Nachlesen der Kurzbeschreibung fand ich heraus, dass es auch noch eine 20 Jahre später spielende Fortsetzung des Romans mit dem Titel „Gehe hin, stelle einen Wächter“ gibt. Damit ist dann wohl auch das Wochenende in trockenen Tüchern…

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Gehört: „The Remains of The Day“ von Kazuo Ishiguro

Eines der besten Bücher, das ich in den letzten zwei Jahrzehnten gelesen (und nun auch gehört) habe.

Eines der besten Bücher, das ich in den letzten zwei Jahrzehnten gelesen (und nun auch gehört) habe.

Zum ersten Mal habe ich dieses Buch bereits vor gut 20 Jahren auf Englisch gelesen, schon damals hat es mich nachhaltig beeindruckt, denn es bedient sich einer ausgesprochen gewählten Sprache, sodass bereits das Lesen dieser hochfeinen und überkorrekten Sprache einen Genuss für sich darstellt. Dazu kommt der unaufgeregte Erzählstil, der dennoch äußerst intensiv ist. Womöglich fördert die ruhige Art der Erzählung sogar die Intensität, denn gerade die trügerische Unbewegtheit des in Form von Tagebucheinträgen seine Erfahrungen und Erlebnisse ausbreitenden Erzählers lässt von Zeit zu Zeit emotional besonders stark wirkende Momente zu.

Handlung

Die Zusammenfassung des Inhalts ist bei Wikipedia derart prägnant und gelungen, dass ich sie für meinen Blog-Eintrag einfach übernehme:

Stevens, der auf Schloss Darlington Hall als Butler eingestellt ist, begibt sich 1956 auf die Reise nach Cornwall, um dort seine ehemalige Arbeitskollegin Miss Kenton zu besuchen und sie zu bitten, nach Darlington Hall zurückzukehren. Diese Fahrt erweist sich als eine Reise in Stevens Vergangenheit. Allmählich erscheinen ihm die Erinnerungen an sein bisheriges Leben in Rückblenden. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Lord Darlington, der mittlerweile verstorben ist, in Besitz des riesigen Landsitzes. Dort fanden von etwa 1920 bis 1938 teils geheime Treffen bedeutender europäischer Politiker statt. Lord Darlington setzte sich für eine Lockerung der im Friedensvertrag von Versailles festgeschriebenen deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg ein und war später ein Vertreter der Appeasement-Politik des britischen Premiers Chamberlain. In der Nachkriegszeit galt Darlington deshalb als „Nazifreund“, verlor eine Klage gegen eine Zeitung, die dieses nachdrücklich behauptet hatte, und starb als gebrochener Mann. Stevens erlaubte sich als loyalem und seinem Herrn ergebenem, perfektem Butler nie, die Motive seines Herrn in Frage zu stellen oder dessen Verstrickungen in den Nationalsozialismus überhaupt wahrzunehmen. Auch seine Gefühle für Miss Kenton, die ihn liebt und ihm dies durchaus zu verstehen gibt, lässt er nicht zu. Er erkennt die möglichen Chancen, die er ungenutzt hat verstreichen lassen. Am Ende seiner Reise sieht er angesichts des hereinbrechenden Abends ein, dass er nur versuchen kann, das Beste aus dem zu machen, „was vom Tage übrig bleibt“.

Faszination

Ganz abgesehen vom hohen sprachlichen Niveau übt der Roman eine hohe Faszination auf mich aus, weil er auf jeder Ebene authentisch wirkt. Stevens bemerkt erst im Verlauf der Schilderung seines Lebens, wie sehr er sich und seine eigenen Bedürfnisse hintangestellt, vergessen, verleumdet und um alles Schöne betrogen hat. Es war ein Leben des Dienstes, nicht frei von schönen und heiteren Momenten, aber weitgehend frei von echten eigenen Entscheidungen. Auf der kurzen Autoreise durch England folgt er nun zum ersten Mal seit Jahren seiner eigenen Räson, trifft eigene Entscheidungen und erkennt, was ihm all die Jahre abgenommen und zugleich verwehrt wurde. Diesem Erkenntnisprozess, der sich ganz allmählich entfaltet, beizuwohnen und dem zunehmendem Tempo zu folgen, das sich mit jeder neuen Erkenntnis erhöht, war für mich äußerst faszinierend. Vor 20 Jahren schon und vor ein paar Wochen, als ich das Hörbuch beim Laufen hörte, erneut.

Verfilmung

Die Verfilmung habe ich vor einigen Jahren auch ein- oder zweimal angesehen, doch ihr fehlt – trotz der exzellent ausgewählten Schauspieler (allen voran Anthony Hopkins und Emma Thompson), die ihren jeweiligen Part mit höchster Überzeugungskraft interpretieren – die erzählerische Größe des Romans. Doch stellt dies nur meine Meinung dar, wer Interesse an der Verfilmung hat, wird sicher nicht enttäuscht werden.

Fazit

Dieses Hörbuch ist fantastisch: Technisch makellos, inhaltlich ausgezeichnet, die Geschichte spannend und zugleich von einer stillen Dramatik — eine ganz klare Empfehlung für jeden, der sich für einen modernen Klassiker interessiert.

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Gehört: „Der Junge muss an die frische Luft“

Eine etwas andere Autobiografie, die Hape Kerkeling geschrieben (und vorgelesen) hat...

Eine etwas andere Autobiografie, die Hape Kerkeling geschrieben (und vorgelesen) hat…

Bevor ich 30 wurde, habe ich Hape Kerkeling mehr oder weniger gar nicht wahrgenommen. Der hauptsächliche Grund dafür war wahrscheinlich, dass ich den typischen Abend-Shows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur in früher Kindheit einen bedingten Reiz abgewinnen konnte, später verflüchtigte sich das komplett. Nun haben wir seit Jahren keinen Fernsehempfang mehr, und mir fehlt nichts. Interessiert mich ein Film ganz akut, sehe ich bei iTunes und Amazon nach, lasse mir die billigere Version kommen – fertig. Damit fahren wir hier gut, einen Wunsch nach Änderung verspürt aktuell niemand.

Zurück zu Hape Kerkeling: Mit dem Beginn der Wahrnehmung begann dann aber auch gleich ein kometenhafter Anstieg seiner Beliebtheit in unserem Haus, denn Hörbücher wie „Amore und so’n Quatsch“, „Ein Mann, ein Fjord“ oder (bzw. vor allem) „Ich bin dann mal weg“ wurden sowohl von uns Eltern als auch von den Kindern eine Zeit lang mit Genuss immer wieder angehört. Irgendwann trat eine gewisse Sättigung ein, da muss man dann vorsichtig auf die Bremse treten und eine Weile abstinent bleiben, sonst kann man sich die Hörbücher später nie wieder mit Genuss einverleiben.

Und genau an diesem Punkt betritt „Der Junge muss an die frische Luft“ die Bühne: Gerade als mir klar geworden war, dass ich nun bei den anderen Hörbüchern eine dringende Pause einlegen müsste, erschien dieses autobiographische Werk. Ohne langes Zögern lud ich das Hörbuch – und ließ es dann auch noch gut ein Jahr ungehört liegen (es gibt halt immer so viele andere spannende Sachen zu lesen und hören). Dann gönnte ich mir zumindest einmal die erste Stunde und ließ es gleich wieder eine Weile ruhen. Erst vor vier Tagen lud ich es erneut auf mein iPhone, um es beim Laufen anzuhören, gestern früh beendete ich es. Und da stehe ich nun. Wiederum mit einem leicht gespaltenen Gefühl, denn einerseits ist es großartig, voller Witz und den für Kindern typischen vorlauten Spitzfindigkeiten, die mich unterwegs zum Schmunzeln und lauten Losprusten brachten, andererseits auch niederschmetternd in der offen und ehrlich geschilderten Dramatik des Alltags einer Familie, die immer wieder von herben Schicksalsschlägen heimgesucht wurde.

Vermutlich rührt das unsichere Gefühl auch daher, dass das Buch ganz anders ist als alles, was ich aufgrund der früheren Hörerfahrungen von Hape Kerkeling erwartet hätte. Und dennoch: Ist es nicht ein Zeichen dafür, dass der Autor es besonders gut gemacht hat, wenn die Schilderung beim Hörer nicht nur für ein schlichtes Amüsement sorgt? Wenn stattdessen eine sowohl rationale wie auch emotionale Auseinandersetzung in Gang gesetzt wird? Eigentlich schon. Daher kann ich das Buch all jenen empfehlen, die daran interessiert sind, mehr über den Menschen Hape Kerkeling zu erfahren, über seinen familiären Hintergrund, seine frühesten Anfänge und überhaupt alles, was er bezüglich seiner Person öffentlich machen wollte. Ich persönlich muss das Hörbuch nun eine Weile ruhen lassen, dann kann ich es mir mit der zeitlichen Distanz sicher noch einmal genussvoll anhören.

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Gehört: „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion

Lustig und unangenehm zugleich: „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion.

Lustig und unangenehm zugleich: „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion.

Selten war ich über ein Hörbuch so zwiegespalten wie in diesem Fall. Dass ich innerlich so uneins bin, hat natürlich seine Gründe, die ich nun darzulegen versuche.

Hörbuch

Das Hörbuch an sich ist in hervorragender Qualität produziert, es gibt keine Aussetzer, die Audio-Auflösung ist so hoch, dass ich beim Hören mit den AirPods keinerlei nennenswerte Artefakte oder Verzerrungen feststellte. Der Sprecher, Oliver Kube, ist der gleiche wie beim ersten Teil – und er war da schon perfekt gewählt, denn sein Tonfall vermittelt genau die Akkuratesse, die man auch von Don Tillman erwarten würde. Viele der lustigsten Stellen werden gerade erst durch die Trockenheit seiner Sprechweise ins rechte Licht gerückt. Aus dieser Perspektive ist das Hörbuch auf jeden Fall makellos.

Handlung

Der Anreißer-Text zum Hörbuch bei iTunes liest sich wie folgt:

O Baby! Für Don, den unwahrscheinlichsten romantischen Helden, den es je gab, geht’s nach dem Happy-End geht’s erst richtig los.
Don Tillmans »Ehefrau-Projekt« hat geklappt. Er lebt mit Rosie in New York. Und Rosie ist schwanger. Don will natürlich der brillanteste werdende Vater aller Zeiten sein, stürzt sich in die Forschung und entwickelt einen wissenschaftlich exakten Schwangerschafts-Zeitplan für Rosie.
Aber seine ungewöhnlichen Recherchemethoden führen erstmal dazu, dass er verhaftet wird. Was Rosie auf keinen Fall erfahren darf, um ihre Beziehung nicht zu belasten. Also muss Don improvisieren, seinen Freund Gene einspannen und Lydia, die Sozialarbeiterin, davon überzeugen, dass er ein Superdad sein wird. Bei alledem übersieht er fast das Wichtigste: seine Liebe zu Rosie und die Gefahr, sie genau dann zu verlieren, wenn sie ihn am meisten braucht.

Und der Anreißer-Text lügt nicht, genau diese Elemente kennzeichnen die Handlung. Viele skurrile Situationen, die durch Dons eigentümliche Wahrnehmung der Realität und seine oft standhafte Weigerung, etwas anderes als Logik als Argumentationsmittel einzusetzen, sorgen für amüsiertes Kopfschütteln.

Die Unkenntnis diverser sozialer Gepflogenheiten erreicht in der Schilderung nicht selten Schenkelklopfer-Qualitäten. Don wird (s.o.) verhaftet, auf der Polizeiwache wird er verhört, wobei sein Gegenüber zum Glück schnell merkt, dass er völlig harmlos und nur ein etwas verschrobener Kauz ist. Nach einem längeren Gespräch wird Don also gefragt, ob er etwas zu trinken wünsche – selbstverständlich in der Erwartung, nach Wasser oder Kaffee zu verlangen. Doch Don „bestellt“ bei dem Polizeibeamten einen Tequila. Als dieser erstaunt nachfragt, ob er nicht lieber einen Cocktail möchte, antwortet Don völlig ernsthaft, dass ihm der Tequila völlig genüge, da er das Vorhandensein frischer Cocktail-Zutaten im Polizeirevier bezweifle. Viele weitere Stellen sind in diesem Stil geschrieben – das liebe ich an diesem Hörbuch!

Unangenehm

Und dennoch waren mir von den fast exakt elf Stunden Hörbuch mindestens vier oder fünf geradezu zuwider. Es lag nicht am Schreibstil, denn dieser ist einheitlich auf gleich gutem Niveau, vielmehr ist es etwas, das auch in Filmen heute relativ häufig eingesetzt wird, um am Ende eine stärkere Erleichterung beim Zuschauer zu erreichen: Das Dilemma wird konsequent und bis ins schier Unerträgliche gesteigert. Und ich hasse das.

Vor Jahren habe ich ein einziges Mal den Film „Butterfly Effect“ gesehen. Auch in diesem wird die Unerträglichkeit so lange gesteigert, dass ich ganz kurz davor war, den Film auch noch zehn Minuten vor seinem Ende abzubrechen. Auf jeden Fall war mir das zu viel bzw. emotional zu anstrengend. Ich habe den Film seither nicht mehr angesehen, werde es auch nie wieder tun. Zumindest nicht freiwillig.

Mit dem Hörbuch ist es zum Glück nicht ganz so schlimm, aber irgendwie rührten viele der geschilderten Probleme, denen Don sich ausgesetzt sieht, an Erinnerungen aus meinem eigenen Leben. Ein paar Situationen, die verständlich, aber doch auch (aus meiner Sicht) schwer verdaulich waren:

  • Wie aus dem Anreißer-Text schon ersichtlich wurde, ist Rosie schwanger. Sie überfällt Don, von dessen emotionalen Einschränkungen sie ja nun ausreichend wissen müsste, mit der Nachricht und ist dann erbost (und äußerst nachtragend), dass er nicht in gleichem emotionalen Maße wie sie reagiert. Das ist mir nicht passiert, aber ungleiche emotionale Reaktionen gibt es häufig – und sie führen fast immer zu Spannungen in der Beziehung. Diese dann literarisch ausgebreitet zu bekommen, ist nicht zwingend „angenehm“ zu nennen.
  • Rosie informiert Don über den Termin für die erste Ultraschall-Untersuchung, gibt aber mit keinem Wort zu verstehen, dass sie ihn dabei haben will. Also kommt er auch nicht mit. Sein Argument ist die Logik, denn er würde es als anmaßend oder gar belästigend gegenüber der Gynäkologin empfinden, sich mit seiner eigenen Meinung bzw. seinen eigenen Nachfragen einzumischen. Noch dazu vertraut er darauf, dass die Gynäkologin die Expertin ist und er als Vater keinen nennenswerten Beitrag leisten könnte. Kurzum: Sein Argument ist logisch, Rosies Reaktion emotional (wieder einmal erbost und nachtragend). Gerade diese Stelle empfand ich persönlich als besonders unangenehm, denn Rosie hätte wissen müssen, dass das regulär zu erwartende Verhaltensmuster eben nicht dem entspricht, was von Don zu erwarten wäre. Den zu vermutenden Ärger über ihr eigenes Versäumnis bzw. die Enttäuschung darüber, dass er eben doch keine Gedanken lesen kann, lastet sie aber gnadenlos ihm an.
  • Egal, was Don auch unternimmt, sei es die Bestellung des sichersten Kinderwagens (der nur leider eher einem Kleinpanzer ähnelt) oder das Aufstellen eines ausgeklügelten Ernährungsplans (gegen den die sprunghaften Gelüste der Schwangeren rebellieren), alles wird am Ende gegen ihn ausgelegt. Was er auch macht, in Rosies Augen macht er es falsch. Meine Frau hat mir während der Schwangerschaften nicht das Gefühl gegeben, alles falsch zu machen, deplatziert fühlt man sich als Mann aber doch immer wieder, denn das heranwachsende Kind ist dem Einfluss des Vaters nun einmal weitgehend entzogen. Und dieses Gefühl der Hilflosigkeit, das gerade bei dem emotional sehr gehemmten Don noch wesentlich drastischer ausfällt, wurde durch das Hörbuch auf die schärfste Weise in mir wachgerufen. Ich war gestern beim Hören dieser Abschnitte völlig in meiner eigenen Welt versunken und wälzte viele vergleichbare Erinnerungen, die in den letzten Jahren allmählich auf Tauchstation im Unterbewusstsein gegangen waren.
  • Auch die unterschiedliche Herangehensweise von Mann und Frau – Don als Mann erkennt ein Problem und sucht eine pragmatische (und oft schnelle) Lösung, Rosie als Frau möchte einfach nur ihre Emotionen dazu äußern bzw. sich mit dem Partner darüber austauschen – sorgen immer wieder dafür, dass aus „gut gemeint“ genau das Gegenteil von „gut“ wird. Mir war zwar permanent bewusst, dass es sich um einen Roman handelt, doch leuchteten so viele kleinere und größere Parallelen zum wirklichen Leben auf, dass das ein wirklicher „Stimmungskiller“ war…

Weiter möchte ich in dieser Hinsicht gar nicht ins Detail gehen. Aber ich denke, dass auch ich in dieser Hinsicht nicht allein dastehe mit der Auffassung, dass diese Abschnitte nicht gerade „angenehm unterhaltend“ sind.

Fazit

Eine klare Stärke dieses zweiten Teils ist die Einführung neuer und in der Darstellung ihrer Persönlichkeit sehr gelungener Charaktere wie George und Lydia, der Spiegel, der unserer heutigen Gesellschaft bezüglich des Umgangs mit der Schwangerschaft (vor allem der beinahe schon hysterisch zu nennenden Übervorsicht und der vielen unreflektiert weitergetragenen Mythen) vorgehalten wird, sowie die zähe Verbissenheit Dons, der sich partout nicht geschlagen geben will, selbst als die Logik ihm eigentlich schon nahelegt, das Ende der Beziehung zu Rosie einfach zu akzeptieren und zu seinem wesentlich simpleren Lebensstil als Single zurückzukehren.

Auf jeden Fall werde ich mir das Hörbuch nach einer gewissen Pause noch einmal anhören, immerhin habe ich den Schluss, der nach der langen Stressphase zu einer Happy End-Katharsis führt, ja nun auch intus. Aber die unbeschwerte Lustigkeit des ersten Teils kann diese Fortsetzung für mich einfach nicht im gleichen Maße zustande bringen. Schade.

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Gehört: „Ulysses“ von James Joyce

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

„Ulysses“ gehört zu den literarischen Werken, die mich aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, des Autors (von dem ich in meiner Schul- und Studienzeit bereits drei andere Bücher gelesen und genossen hatte) und der Erzähltechnik („Stream of Consciousness“) schon lange faszinierten.

Weg mit dem (gedruckten) Buch

Die gedruckte Buchfassung hatte ich gut 20 Jahre im Regal stehen, bis mir klar wurde, dass ich sie nie lesen würde, schon gar nicht in dieser Darreichungsform. Meine Lesegewohnheiten sind in den letzten sieben Jahren derart stark auf iPhone und iPad umgemünzt worden, dass ich mich mit einem „normalen“ Buch in der Hand zwar nicht unwohl fühle, mir aber sofort klar ist, dass ich es eben nicht ständig (im Sinne von 24 Stunden am Tag) bei mir trage. Und in dieser Hinsicht schlägt das iPhone alle anderen Lesegeräte. Noch dazu ist der Kontrast auf dem Bildschirm derart hoch, dass ich auch schon seit gut fünf Jahren meine Lesebrille nicht mehr benötige. Zurück zum Buch: Die Druckfassung habe ich über Momox im letzten Jahr verkauft, aber das Interesse an „Ulysses“ als Werk blieb ungebrochen. Also langte ich vor ein paar Wochen tief in meine Taschen und leistete mir für gut 38 € im iTunes Store das beinahe 40 Stunden lange Hörbuch – pro Stunde ungefähr ein Euro, das ist aus meiner Sicht akzeptabel.

Hörbuch deluxe

Es ist eine wirklich grandios produzierte ungekürzte Fassung mit ca. 40 unterschiedlichen Sprechern (allerlei Geschlechts), die sich teils in kurzen Abschnitten, teils in wirklich langen Passagen abwechseln. Auch handwerklich ist das Hörbuch äußerst gut gemacht, denn es spielt – beim Laufen habe ich das durch die AirPods natürlich sehr deutlich gemerkt – auch mit dem Panorama: Bei Passagen, in denen sich die Sprecher in kurzem zeitlichen Versatz ergänzen, wird mehrfach zwischen linkem und rechtem Kanal hin und her gewechselt. Nötig wäre das natürlich nicht, aber ein interessanter Effekt ist es allemal.

Fazit: Die Hörbuch-Produktion ist sowohl hinsichtlich der Sprecher als auch der Audio-Qualität absolut makellos und ihr Geld zweifelsohne wert.

Das „Werk“

Vorwarnung: Ich „oute“ mich gleich als völliger Kulturbanause.

Anders als die Hörbuch-Produktion konnte mich das Werk – vielleicht auch aufgrund einer gewissen Reife, die ich mir mittlerweile schamlos zugestehen darf – nur wenig mitreißen. In den letzten Monaten/Jahren habe ich sehr viel gelesen und noch mehr gehört. Wenn mir etwas gefiel, habe ich darüber gebloggt, wodurch den Lesern meines Blogs ziemlich leicht fallen dürfte, meine literarischen Interessensgebiete einzugrenzen:

  • Unmengen an Science Fiction (z.B. „Krieg der Klone“ von John Scalzi oder die „Space Troopers“-Reihe von P. E. Jones)
  • viel Action (z.B. die „Cotton Reloaded“-Serie)
  • (leichter) Horror (vor allem die späteren Werke von Stephen King wie „Die Arena“ oder auch „Dreamcatcher“)
  • viel Humor (z.B. „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion)
  • gerne auch alles in Kombination
  • oder natürlich Fachbücher über sportliche oder Gesundheits-Themen.

Gerade bei den Romanen und Kurzgeschichten geht es mir aber darum, die Charaktere in ihrer Interaktion zu erleben, Anteil an ihren Motiven und den Umständen, die sie zum Handeln zwingen, zu nehmen, sie zu verstehen und meist auch innerlich zu bewerten – das macht Literatur ja so großartig: Sie kann uns unterhalten, uns bewegen und zum Nachdenken anregen. Außerdem schätze ich es sehr, wenn die Handlung zügig vorangetrieben wird.

„Ulysses“ dagegen ist – oberflächlich betrachtet – die Verkörperung der Banalität, denn es geht letztlich um nichts. Das sage ich nicht verächtlich, eher bedauernd. Faktisch folgt die Geschichte (es ist ja noch nicht einmal eine richtige Geschichte…) einen Tag (für die Puristen: einen Tag und ein Stück des folgenden Morgens) lang einer Person („Leopold Bloom“), zeigt seine Interaktionen mit einer Vielzahl anderer Menschen, dessen Gedanken und die der anderen Personen auf – vermag aber mit wenigen Ausnahmen kaum, mich zu interessieren. Der Grund ist die bereits erwähnte Banalität. Der Schluss des Buchs ist ja ein gut 40 Druckseiten langer innerer Monolog der Ehefrau („Molly Bloom“). James Joyce hat versucht, einen tatsächlichen Gedankenstrom nachzustellen, was ihm sicher auch gelungen ist. Doch leider sind unsere alltäglichen Gedanken mit Unmengen an Banalitäten angefüllt. Viele Menschen – ich sicher eingeschlossen – denken ziemlich oft an ganz normale körperfunktionale Dinge (z.B. „Ich muss demnächst mal wieder auf’s Klo…“ und dergleichen). Es ist ja schön, das einmal exemplarisch zu begreifen, wenn aber ein gut zweieindreiviertel Stunden langer Abschnitt eines Hörbuchs fast nur um derlei Themen kreist (und es ist wirklich so, dass Molly sich in diesem langen Abschluss-Gedankenstrom nur über Sex, die Gestaltung ihrer Wohnung, Sex, Shopping, Sex, Toilettengänge, Sex, Körperpflege, ihre eigene verschrobene Selbstwahrnehmung, Sex und dergleichen Gedanken macht) nimmt es die Wirkung einer Tortur an.

In „Geisterbrigaden“ lässt John Scalzi einen ähnlichen Gedankengang ablaufen:

Passt irgendwie perfekt, oder?

Passt irgendwie perfekt, oder?

Beim Laufen war es sogar noch viel schlimmer. Der schleppend langsame Verlauf dieses einen Tages (literarisch ja nun auf 38 Stunden ausgedehnt) zieht sich gefühlt doppelt so lange hin, wenn man sich des Morgens durch die noch recht düstere Ostalb bewegt. Mit dem richtigen Hörbuch „fliege“ ich (gefühlt) nur so über die Straßen und Wege, mit „Ulysses“ kroch ich wie eine Schnecke.

Die Erzähltechnik und die Wortwahl sowie der unverkennbar gebildete Ansatz, der nicht zuletzt durch die eingesetzten mindestens fünf Sprachen (ich konnte Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Latein erkennen) zutage tritt, sind die Elemente, die mich begeistern konnten. Hier und da schuf James Joyce sogar geradezu brüllend komische Passagen, wie zum Beispiel die Kutschfahrt nach dem Requiem für Paddy Dignam, bei der die Fahrgäste sich in einen wahren Lachrausch hineinsteigern.

Wie ich schon geschrieben habe: Ich bin wohl ein Kulturbanause. Denn selbstverständlich ist mir völlig klar, dass ein derart fähiger Autor wie James Joyce niemals in seinem Leben so viel Zeit und Mühe dafür geopfert hätte, nur Banalitäten anzusammeln. Das Werk ist durchzogen von einem feinen Netz literarischer, sozialer und historischer Anspielungen. Mein Banausentum besteht nun darin, dass mir das – geradeheraus gesagt – scheißegal ist. Momentan mag ich Bücher, die ich in die Hand nehmen und mich selbst für eine Weile darin verlieren kann. Ich suchte Unterhaltung und fand Bildung. Und genauso spröde, wie das klingt, war es leider auch.

Fazit:

Das Werk ist faszinierend, aber nicht für mein aktuelles Ich. Dieses sucht nach Unterhaltung, die das Werk in der für mich attraktiven Form nicht oder nur an wenigen Stellen zu bieten vermag. Dass ich mir die volle Länge gegönnt habe, zeigt, dass es mir durchaus ernst mit dem Buch war, doch ist mir jetzt eindeutig nach leichterer Kost, die meinem simplen Geist eher entgegen kommt. In einigen Jahren gibt es einen erneuten Anlauf, vielleicht sogar in Form eines iBooks mit zusätzlicher Sekundärliteratur, denn faszinierend ist das Werk nach wie vor auf einer intellektuellen Ebene – nur weiß ich, dass ich in den kommenden Jahren erst einmal kein Verlangen habe, mich dem Werk noch einmal so zu nähern.

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