Gelesen: Der gesamte „Erdsee-Zyklus“ von Ursula K. Le Guin

Vor einiger Zeit hatte ich schon einen kurzen Zwischenbericht gegeben (hier), mittlerweile habe ich alle sechs Bände des „Erdsee-Zyklus“ von Ursula K. Le Guin durchgelesen. Mit Ausnahme eines meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlichen Überblicks über die in den Büchern geschilderte Welt am Ende des fünften Bands fand ich das Lese-Erlebnis durchweg angenehm. Manchmal waren die Kapitel etwas lang, was aber kein stilistisches Problem war, sondern einfach nur meiner täglichen Zeiteinteilung etwas zuwider lief – aber damit konnte ich ja leicht umgehen, Lesezeichen sind einfach zu bedienen, zur Not habe ich mitten im Absatz das zuletzt gelesene Wort markiert und das Weiterlesen vertagt.

Der gesamte „Erdsee“-Zyklus, wie ich ihn hier auf meinem iPad gelesen habe.
Der gesamte „Erdsee“-Zyklus, wie ich ihn hier auf meinem iPad gelesen habe.

Vertiefung statt Erweiterung

Was mir an der Romanreihe am besten gefallen hat, war die zunehmende Differenzierung der Fantasiewelt. Dieser Vorgang fand gleichzeitig stilistisch wie auch im Detailreichtum der geschilderten Welt statt. Und entgegen der Unart mancher Fantasy-Autoren, einfach immer neue Wesen, Völker, Gegenden etc. in ihre Welten zu werfen (ein bisschen wirkt so etwas immer wie das althergebrachte „Deus ex machina“) werden im „Erdsee“-Zyklus immer wieder jene Kulturen und Gegenden aufgegriffen, die bereits an früherer Stelle erwähnt worden waren1. Und mit jedem einzelnen Besuch wird die Welt von Erdsee ein wenig plastischer, verständlicher und auf angenehme Weise vertrauter.

Schön ist es auch, einzelne Charaktere (z.B. Ged) von ihrer frühen Jugend bis ins hohe Alter zu begleiten, denn das setzt viele Ereignisse in eine für uns Menschen leicht verständliche Zeitdimension – mir hat das zumindest sehr gefallen. Anscheinend war es auch für die Autorin selbst eine faszinierende Angelegenheit, denn sie erwähnt diesen Punkt explizit im Nachwort zum letzten der sechs Bücher.

Frauen-Power

Darüber hinaus befreit Ursula K. Le Guin mit ihrer unaufgeregten und direkten Art diese Fantasy-Romane von der sonst in diesem Genre üblichen männlichen Dominanz, lässt Fragen des ganz alltäglichen Lebens „normaler Menschen“ zum Teil wichtiger werden als den sonst üblichen Hokus-Pokus der Magier und Zauberer. Das erdet die Romane auf gleichzeitig charmante wie auch effektive Weise. Und das imponierte mir, denn es war kein verbissen dogmatisches „Hier dürfen Männer keine wichtigen Positionen einnehmen“-Gehabe, ganz im Gegenteil: Es gibt Männer, auch wichtige Handlungsträger, und das nicht zu knapp. Aber daneben agieren auch Frauen, sie geben sich nicht einfach mit einer unwichtigen Position zufrieden, streiten für ihre Sache und verkörpern ein viel gelösteres und moderneres Frauenbild als so mancher brandaktuelle Kinofilm…

Fazit

Kurz nach dem Tod der Autorin vor gut einem Jahr haben sich viele weitere Schriftsteller lobend über sie geäußert, darunter zwei meiner Lieblingsautoren: Stephen King und John Scalzi. Das brachte mich damals auf die Idee, eines der Bücher aus dem „Erdsee“-Zyklus anzufangen, weil dieser wohl am bekanntesten war. Nun habe ich die kompletten sechs Bücher gelesen, alle haben mir gefallen. Da könnten durchaus noch ein paar weitere der Autorin folgen.

Allerdings rufen gerade einige andere Bücher von meinem (virtuellen) Stapel nach meiner Aufmerksamkeit. Bereits beendet habe ich „Blackout“ von Marc Elsberg, was mir bislang ebenfalls gut gefallen hat (hier). Danach war klar, dass mal wieder ein Stephen King-Roman anstand, heute früh habe ich mit „Stark – The Dark Half“ begonnen (nach zwei Seiten Eingewöhnung hat mich die Story schon verschluckt…). Und für danach liegt schon ein älterer John Scalzi-Schmöker bereit: „Agent der Sterne“. Hm, es scheint, für die kommenden Wochen habe ich genügend Lesefutter…

  1. Erst vor ein paar Tagen fiel mir auf, dass dies auch ein Element bei vielen Science Fiction-Serien und/oder -Filmen ist. Bei Star Wars werden für meinen Geschmack nämlich zu viele neue Planeten, Völker, Kulturen etc. eingeführt (wobei sich Star Trek da auch nicht gerade rühmlich hervortut).
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Gelesen: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg

Bereits vor Jahren habe ich einen interessanten Blog-Artikel von Zeilenende gelesen, in dem er sich sehr positiv über den Roman „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg äußerte. Da ich auf Zeilenendes Urteil vertraute, kaufte ich das Buch im Apple Books Store – und ließ es erst einmal liegen, denn der SuB (= der „Stapel ungelesener Bücher“) war einfach zu groß, um gleich in ein neues Buch einzusteigen.

Nun, Jahre später, habe ich mir eine (kleine) Auszeit von Stephen King und John Scalzi verordnet – nicht, weil die beiden keine guten Autoren wären, sie gehören zum innersten Zirkel meiner liebsten Romanschreiber, aber man muss das Feuer ja am Laufen halten, und eine kleine Abstinenz führt dann sehr schnell zu einem gesteigerten Appetit. Also las ich zuerst die Hexalogie der „Erdsee“-Chroniken von Ursula K. Le Guin, dann „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg, aktuell stecke ich in „Grit“ von Angela Duckworth. Danach wird es dringend wieder Zeit für einen meiner beiden oben genannten Lieblinge.

Spannend und trotz seiner Veröffentlichung vor mehreren Jahren immer noch brandaktuell: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg.
Spannend und trotz seiner Veröffentlichung vor mehreren Jahren immer noch brandaktuell: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg.

Zurück zum Buch, ich greife ein wenig in der Wertung vor: Es ist intelligent aufgebaut, schnell und packend geschrieben, in hohem Ausmaß mitreißend – kurz: fantastisch zu lesen. Und das Szenario ist leider immer noch (der Roman erschien 2011) brandaktuell, denn nirgendwo in der westlichen Welt scheint man auch nur annähernd darauf vorbereitet zu sein, einmal einen kompletten (und landes- oder gar europaweiten) Stromausfall für mehr als zwei oder drei Tage wirklich kompensieren zu können. Aber um das etwas weniger kryptisch zu machen, sollte ich wohl erst einmal den Inhalt kurz zusammenfassen.

Handlung

„Blackout – Morgen ist es zu spät“ beginnt völlig abrupt, was auch gut ist, denn mich hat das von der ersten Seite an schnell und tief in die Geschichte hineingezogen (und bis zum Ende nicht mehr hergegeben):

Von einem Moment auf den nächsten fällt in Italien und Schweden der Strom aus. Zusätzlich zu den damit verbundenen Unfällen durch urplötzlich ihre Funktion verweigernde Ampeln destabilisieren sich europaweit die Stromnetze, die bereits seit Jahren auf das Engste miteinander verbunden sind. Mitten im Getümmel ist Piero Manzano, der als IT-Experte und Hacker ziemlich bald herausfindet, dass der Smart Meter (der mit dem Internet verbundene intelligente Stromzähler) in seinem Haus immer dann, wenn kurzfristig wieder Strom fließt, einen bestimmten Zahlencode anzeigt, der sich nach Recherche als „Disconnect“-Befehl für das Stromnetz erweist: Sein Haus wird quasi mit dem neu eintreffenden Strom auch schon wieder aus dem Netz geworfen. Sofort keimt in ihm der Verdacht, dass flächendeckend die Stromzähler manipuliert sein könnten, um auf diese Weise das Stromnetz immer dann wieder zum Zusammenbruch zu bringen, wenn es frisch anspringt. Er informiert seinen Energieversorger, der ihn jedoch unverrichteter Dinge wieder vor die Tür setzt. Über einen Nachbarn, dessen Tochter beim EUMIC (dem „European Mission and Information Centre“) arbeitet, nimmt er Kontakt mit Europol auf, die dann mit etwas Nachdruck bei verschiedenen Energieversorgern nachhaken – woraufhin sich der anfängliche Verdacht bestätigt. Schon bald ist klar, dass europaweit die Stromnetze infiziert wurden, Außenstehende können das Netz in großem Umfang manipulieren.

Gleichzeitig beginnen nun an vielen anderen Standorten in ganz Europa die unterschiedlichsten Kraftwerke damit, ihren Betrieb einzustellen. Die Software, die über die Funktionalität der Generatoren wacht, gibt Fehlermeldungen und Warnungen aus, woraufhin alle Generatoren heruntergefahren werden müssen. Schon bald wird klar, auch hier wurde manipulativ eingegriffen – nur weiß niemand, auf welche Weise genau. Bei den Nachforschungen ergibt sich eine Spur zur Talaefer AG, die die Software für alle betroffenen Kraftwerke geliefert hat. Trotz eines ausgeklügelten Sicherheitssystems, das Entwickler streng von Support und Qualitätskontrolle trennt, ist es einem oder mehreren Manipulatoren gelungen, Schadsoftware einzuschleusen. Doch wie soll man die auf die Schnelle finden, wenn die Software etliche Millionen Programmzeilen umfasst, die nur mit großer Expertise und hohem Zeitaufwand Stück für Stück überprüft werden können?

Aus dieser Situation heraus entwickelt sich für Manzano, Europol und viele andere beteiligte Helfer ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel mit den Hackern, die den völligen Blackout herbeigeführt haben. Parallel desintegriert sich der Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft mit der zunehmenden Dauer des Stromausfalls, jeder denkt nur noch an sich und seine Bedürfnisse, Gewalt, Verbrechen und Brutalität nehmen zu. Wird es Manzano und seinen Helfern gelingen, die Situation zu lösen, bevor sich Europa selbst zerfleischt?

Mehr erzähle ich lieber nicht, sonst könnte ich potenziellen Lesern die Lust auf das Buch nehmen. Doch selbst wenn ich das Ende verraten würde, kann diese Zusammenfassung kaum die Spannung aus der sehr detailreichen Geschichte nehmen. Gerade die vielen zusätzlichen Hintergrundinformationen, die zunehmende Vertiefung der Charaktere, die perfekt geschilderten Reaktionen der Medien auf das Chaos und die Schilderung der sich immer weiter verschärfenden Situation muss man gelesen haben, Spoiler hin oder her…

Buch vs. Hörbuch

Ich habe – wie so oft – zuerst das Buch komplett gelesen, dann das Hörbuch angehört. Leider handelte es sich um die „billige“ (5,99 €) Version, die deutlich gekürzt ist (ich wusste es vorher, also liegt die Schuld einzig bei mir). Viele eigentlich sehr interessante und spannende Nebenstränge der Geschichte wurden völlig ausgespart, was bedauernswert ist. Wer sich also eher für das Hörbuch interessiert, sollte auf jeden Fall die deutlich teurere, dafür ungekürzte Version nehmen.

Trotz der Kürzungen ist das Hörbuch aber auch faszinierend, denn der Sprecher gibt sich unglaublich viel Mühe, die einzelnen Charaktere durch die Andeutung verschiedener Akzente voneinander zu trennen. Das erleichtert die Orientierung ungemein – außerdem bietet das eine neue Ebene, die das Buch beim normalen Lesen (zumindest für mich) einfach nicht beinhaltete.

Fazit

Nun, wie oben schon geschrieben: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ ist ein packend geschriebener und sehr detailverliebter Katastrophenroman, der es gerade durch die vielen kleinen Informationen versteht, eine beklemmende Spannung aufzubauen, die es mir oft erschwerte, das Buch beiseite zu legen. Auch wenn das Hörbuch durch die vielen Kürzungen nicht mithalten konnte, war es gut gelesen und wäre bei Unkenntnis des ausführlicheren Romans sicher sehr spannend gewesen. Insofern kann ich „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg allen Freunden spannender Unterhaltungsliteratur sehr empfehlen.

The Expanse

Bereits vor ein paar Monaten bin ich im iTunes-Store über die Fernseh-Serie „The Expanse“ gestolpert. Das Titelbild war faszinierend, die Beschreibung las sich gut, ich war sofort interessiert. Doch der Preis war mir etwas zu hoch – also wartete ich ab, denn üblicherweise kommt alle paar Wochen eine Angebots-Aktion daher. Die Serie landete tatsächlich nach ein paar Wochen im Angebot, also kaufte ich sie mir, sah mir die erste Folge an – und checkte irgendwie gar nichts…

Was für ein cooles Titelbild! Da keimte sofort Interesse, denn gute Science Fiction lohnt sich immer!
Was für ein cooles Titelbild! Da keimte sofort Interesse, denn gute Science Fiction lohnt sich immer!

Woran lag’s? Die Fülle an Charakteren, die alle sofort in abwechselnden Kapiteln aktiv sind, die Menge an unterschiedlichen politischen Kräften und die Komplexität der Gesamtsituation ist schlicht dermaßen verwirrend, dass ich beschloss, erst einmal das erste Hörbuch aus der Buchreihe zu hören, auf der die TV-Serie aufgebaut ist. Also besorgte ich mir „Leviathan erwacht“ des Autorenduos James S. A. Corey, das sich aus Daniel James Abraham und Ty Corey Franck zusammensetzt, und hörte es über die folgenden Tage durch.

Matthias Lühn hat mich schon als Leser der „Krieg der Klone“-Trilogie von John Scalzi begeistert – hier ist er auch superb!
Matthias Lühn hat mich schon als Leser der „Krieg der Klone“-Trilogie von John Scalzi begeistert – hier ist er auch superb!

Auch hier ist der Anfang höchst verwirrend, doch glücklicherweise klärt sich die Verwirrung nach ein paar Stunden. Beim morgendlichen Laufen über die Ostalb gibt’s nicht viel Ablenkung, daher konnte ich mich gut darauf konzentrieren – so klappte es. Sobald man einigermaßen überblickt, wer für welche politische Richtung aktiv ist, wer nur seine eigenen Ziele verfolgt, wer welche taktischen Beziehungen zu anderen aufrecht erhält (usw.), nimmt die Geschichte unglaublich an Fahrt auf.

Das Hörbuch habe ich ab diesem Zeitpunkt förmlich verschlungen, es war unglaublich schwer, nach dem Morgen-Lauf darauf zu verzichten, während des Unterrichtens in der Schule einfach weiterzuhören…

Science Fiction-Fans kommen bei dieser Reihe/Serie voll auf ihre Kosten, denn es wird eine gänzlich neue Welt gezeigt, in der die Menschheit sich über das gesamte Sonnensystem ausgebreitet hat. Leider sind die Erde und die Kolonien völlig zerstritten und verfolgen mit gnadenloser Härte ihre eigenen Interessen. Mitten in dieses Spannungsfeld hinein platzt der Beginn des ersten Romans (und auch der Fernsehserie) – kein Wunder, dass man da erst einmal verwirrt ist, denn das komplexe Beziehungsgeflecht offenbart sich erst Stück für Stück.

Als ich mit dem ersten Hörbuch der Reihe fertig war, begab ich mich wieder an die Fernseh-Serie, von der ich dieses Mal dann auch die gesamte erste Staffel in mehr oder weniger einem Rutsch durchguckte. Mit dem im Hörbuch gesammelten Wissen war das nun sowohl verständlicher als auch eine schöne Erweiterung in opulenter optischer Form. Sofort keimte in mir die Lust auf den zweiten Teil („Calibans Krieg“). Da ich aus der Erfahrung gelernt habe, begann ich dieses Mal gleich mit dem Hörbuch, noch gut zehn Stunden Spielzeit, dann bin ich damit durch.

Der zweite Teil – spannend wie die Hölle und ebenso fesselnd wie der erste Teil!
Der zweite Teil – spannend wie die Hölle und ebenso fesselnd wie der erste Teil!

Danach warte ich wieder geduldig, bis die zweite Staffel der TV-Serie bei iTunes im Angebot (also unter zehn Euro) erhältlich ist, dann kann auch dieser Spaß weitergehen.

Mein sportlicher Jahresrückblick

Und wieder geht ein Jahr zu Ende, das sich an manchen Tagen unendlich lang angefühlt hat, an anderen dagegen das nostalgische Gefühl von „Was, schon vorbei?“ in mir auslöste. Hier geht es mir darum, einen kurzen Rückblick über meine sportlichen Aktivitäten zu geben – und das hauptsächlich für mich selbst.

Laufen, Laufen, Laufen

Das Laufen ist und bleibt mein Sport, es gehört fest zu meinem Alltag, macht Spaß, hält mich gesund und prägt mich auch in vielerlei Hinsicht.

Der früh aufstehende „Spinner“

Dazu gehört unter anderem das frühe Aufstehen, denn ich will nicht nach der Arbeit laufen, erfahrungsgemäß fühle ich mich da zu schlapp. Also geht an regulären Arbeitstagen der erste Wecker um 3:50 h, meist bin ich dann auch sofort wach, nur am Ende langer Arbeitsstrecken wird es manchmal schwierig. Zwischen 4:15 und 4:30 h bin ich umgezogen und unterwegs – in mehr als 90 Prozent der Fälle draußen, obwohl ich ein Laufband im Keller habe. Doch das benutze ich nur bei Eis und Schnee (ich mag das Laufen mit Spikes nicht) oder im (glücklicherweise seltenen) Fall einer Erkältung.

Meine Frau nennt mich immer wieder einen „Spinner“, weil ich meinen Schlaf dafür opfere, so früh loszurennen. Es hat aber durchaus positive Seiten, denn so habe ich das Training schon sehr früh am Tag hinter mich gebracht, bin in der Schule auf jeden Fall sehr wach, und im Sommer ist das genau die Zeit, in der ich so gut wie nie auf freilaufende Hunde treffe – die sind für uns Läufer ja immer ein heikles Thema…

Vergleich 2017-2018

2017 bin ich knapp über 6.000 km gelaufen (hier), der Plan für 2018 war, es etwas entspannter anzugehen, was ich in der Tat so empfunden habe, auch wenn das Ergebnis nicht zwingend dafür spricht, denn insgesamt waren es 2018 dann doch mehr als 5.850 km.

Meine Läufe im Jahr 2018 – bis auf die drei Tage mit grippalem Infekt im Februar war ich jeden Tag unterwegs.
Meine Läufe im Jahr 2018 – bis auf die drei Tage mit grippalem Infekt im Februar war ich jeden Tag unterwegs.

Meine Standard-Strecke umfasst ziemlich genau 17 km/Tag (also rund 105 km/Woche), gelegentlich teste ich ein wenig an alternativen Routen herum, sodass auch mal nur 15 oder 16 km herauskommen, im Februar war ich drei Tage durch einen fiesen grippalen Infekt aus dem Verkehr gezogen, danach musste ich mich über den Verlauf einer Woche langsam wieder an die vorige Form herantasten – all das hat den Schnitt ein wenig gesenkt.

Bei meiner „Haus-Strecke“ kann ich die Zeiten mittlerweile sehr gut abschätzen, was an Arbeitstagen, wenn ich darauf achten muss, nicht zu spät wieder zuhause zu sein, um noch rechtzeitig duschen und frühstücken zu können, absolut notwendig ist. Daher finden die Testläufe für andere Strecken eher in den Ferien oder an Wochenenden statt.

Der erste „offizielle“ Halbmarathon

Am 23. September nahm ich mit meiner Frau und einer ihrer Kolleginnen am Beurer-Halbmarathon in Ulm teil (hier). Das war der erste „offizielle“ Halbmarathon, zu dem ich mich aufraffen konnte. Insgesamt war das Ergebnis toll (1:39:04 h), das Erlebnis schön und trotz meiner Aversion gegen große Menschenmassen angenehmer als erwartet.

Aber es wird vermutlich auf einige Zeit hin mein einziger solcher Lauf bleiben, denn ich finde es allein schon aus ökologischen Gründen ziemlich unsinnig, 65 km von Aalen nach Ulm zu fahren, um dort 21,1 km zu rennen, danach wieder den gleichen Weg zurück. Das sind, egal ob mit Auto oder Zug, einfach zu viele Kilometer, die letztlich einem „Event“ geopfert werden, das ich für mich privat jeden Tag hier veranstalten kann.

Sicherlich ist es ein ganz besonderes Erlebnis, mit so vielen anderen Läufern aus allen möglichen Gegenden gleichzeitig unterwegs zu sein, vom Straßenrand aus bejubelt zu werden (vermutlich war ich damit aber so gut wie nie gemeint), eine Stadt mal aus einer gänzlich anderen Perspektive zu erleben und den Adrenalin-Schub des Wettbewerbs zu spüren. Doch ich kann darauf sehr wohl verzichten.

Pedelec/E-Bike/Mountainbike

Üblicherweise rechne ich für mich selbst das Pedelec weniger als Sport-Gerät denn als simples Fortbewegungsmittel, doch gerade bei gutem Wetter nehme ich, zumindest wenn ich gerade nicht in großer Eile bin, bevorzugt die „romantische“ Strecke, also den etwas längeren, ästhetisch aber ansprechenderen Weg von A nach B. In den meisten Fällen ist damit der Weg von der Arbeit nach Hause gemeint, der im kürzesten Fall 3,6 km beträgt. Je nach Wetterlage, Stimmung und Lust kann sich der Heimweg dann aber schon einmal auf gut 10 km ausdehnen, weil ich eben die Bewegung an der frischen Luft so genieße.

In den Sommerferien bin ich mit meiner Frau eine Zeit lang gerne abends zwischen einer Stunde und anderthalb Stunden hier in der Umgebung herum gefahren, um diverse Sehenswürdigkeiten zu erkunden, die uns vorher einfach nicht bekannt gewesen waren. Das war sehr schön, denn durch den Antrieb fallen Hindernisse wie größere Steigungen (und davon gibt‘s im Ostalbkreis eine Menge) einfach nicht ins Gewicht. Hoffentlich klappt das z.B. in den Oster-, Pfingst- oder Sommerferien wieder in der Form!

Rudermaschine

Das Rudertraining im Keller gehört zu meinen Lieblings-Sportarten, die ich jedoch manchmal aus dem banalen Grund nicht gerne ausübe, weil es nun einmal im Keller stattfindet. Zum Glück gibt es das iPad, auf dem ich beim Training Serien und/oder Filme ansehen kann – ohne dieses Entertainment-Programm würde ich es wohl kaum aushalten.

Im Prinzip ist das Rudern deswegen eine ganz faszinierenden Sportart, weil eben nicht nur eine Region des Körpers, z.B. die Beine, eingebunden ist. Hier werden gleichzeitig die Muskulatur am Rücken, in den Armen, in der Brust und natürlich auch in den Beinen trainiert. Meine Mutter hat letztes Jahr zu Weihnachten einfach etwas Bargeld verschenkt, die habe ich in die Rudermaschine investiert (hier). Seit der Lieferung Anfang Januar 2018 habe ich insgesamt 188 Trainingsrunden darauf absolviert – insofern hat sich die Anschaffung also auf jeden Fall gelohnt.

Streaks Workout

Hinter dem schlichten Titel Streaks Workout verbirgt sich eine geniale App, die ein Training nach Zeit, Vorlieben und auf verschiedenen Geräten (iPad, iPhone, AppleTV und Apple Watch) bereitstellt. Gemeint ist damit, dass ich im Fall eines Trainings einfach nur meine Watch heben, das Training starten und dann den gesprochenen Anleitungen folgen muss.

Zur Auswahl stehen Programme mit einer Dauer von 6, 12, 18 oder 30 Minuten. In 99 Prozent der Fälle wähle ich das kurze Programm, denn das genügt schon, um den Puls ordentlich in Schwung zu bringen.

Beim ersten Mal wählt man aus einer sehr großen Anzahl unterschiedlicher Übungen jene aus, die man bevorzugt. Aus diesen wird dann zum Beginn eines Trainings per Zufallsgenerator eine Reihenfolge erstellt, die jeweils sechs oder sieben unterschiedliche Übungen in variabler Dauer miteinander kombiniert. So ist kein Training einem anderen exakt gleich – obwohl sich der Pool an Übungen nicht ändert. Das Grundkonzept ist also wirklich einfach aber genial.

Grundsätzlich bemühe ich mich, mindestens ein 6-Minuten-Training am Tag unterzubringen, verzichte jedoch darauf, wenn ich bereits vorher die 200% meines Bewegungsziels erreicht habe.

Yoga

Ich war noch nie besonders flexibel, merke aber äußerst deutlich, wie gut mir regelmäßiges Yoga tut, leider schaffe ich das immer nur für wenige Tage, bis dann wieder etwas dazwischen kommt. Je länger ich es am Stück durchhalte (gemeint ist: tägliches Ausüben über eine oder gar zwei Wochen ohne ausgelassene Tage), desto schneller und einfacher flutscht es mit der Dehnbarkeit.

Zu meinem großen Glück gibt es die App Pocket Yoga, die mich vom iPhone aus mit gesprochenen Anleitungen durch ein Training führt. Wenn ich beispielsweise den „Morgengruß“ wähle, bietet mir die App die Wahl zwischen 2, 4, 6, 8 (usw.) Durchgängen. Die ersten zwei werden langsam ausgeführt, damit die Erklärungen ausreichend Raum einnehmen, danach werden nur noch die Anweisungen ohne Erläuterungen in deutlich höherem Tempo vorgegeben und die Übungen ziemlich flink aneinander gereiht. Bei den ersten zwei Malen kam ich da ganz schön ins Schwitzen, mittlerweile geht es aber.

Mein Ziel für das neue Jahr ist nun, jeden Tag mindestens eine Doppelrunde (ca. 6-7 Minuten) auszuführen, denn den Effekt auf meine Flexibilität kann ich nicht übersehen. Hoffentlich klappt‘s!

Fazit

Wie gerade beschrieben: Ich war aktiv und habe eine Menge Zeit und Energie in den Sport investiert. Das tat gut, sorgte aber auch für einen gewissen körperlichen Verschleiß. Damit dieser nicht allzu stark voranschreitet, habe ich ein paar Ideen, wie es im neuen Jahr weitergehen könnte, doch das wird das Thema eines anderen Blog-Eintrags werden.

Kommt alle gut rüber ins neue Jahr und bleibt gesund und zufrieden!

Gehört: „Erhebung“ von Stephen King

Es ist absolut nichts Neues hier, denn berichtet habe ich gefühlt unzählige Male davon, aber ich bin nun einmal ein großer Fan der Bücher von Stephen King, in den letzten Jahren habe ich enorm viel von ihm gelesen und gehört, darunter sowohl die alten („Es“, „Die Augen des Drachen“, „Der Dunkle Turm“, „The Stand – Das letzte Gefecht“, „The Bachman Books“ usw.) als auch die neueren Bücher („Mr. Mercedes“, „Finderlohn“, „Mind Control“, „Sleeping Beauties“, „Der Outsider“). Meine persönlichen Highlights der letzten Monate waren die letzten drei Teile der „Dunklen Turm“-Reihe, „Sleeping Beauties“, „The Dead Zone“, „Der Outsider“ und „Insomnia“.

Obwohl der Autor mittlerweile schon die 70er-Grenze geknackt hat, kennt seine Schaffenskraft – sehr zu meiner Freude – ganz offensichtlich keine Grenzen. Regelmäßig kommen neue Bücher von ihm allein oder in Kollaboration mit anderen Autoren heraus, und sein Stil wird (meiner Meinung nach) immer besser, sodass mich gerade die frischen Bücher jedes einzelne Mal neu faszinieren. Der Erzählfluss ist so mühelos, dass man in eine Geschichte hineinschlüpft wie in eine bequeme Hose oder ein Wohlfühl-T-Shirt. Ich komme mit dem meist epischen Stil gut klar, worüber sollte ich mich also beschweren?

Buch oder Hörbuch?

Das jüngst (November 2018) veröffentlichte Buch „Erhebung“ geht bei Apple Books als eBook für den stolzen Preis von knapp zehn Euro über die (virtuelle) Ladentheke. Angesichts der für King eher ungewöhnlichen Kürze (knapp 200-300 Seiten, je nach Formatierung) habe ich mich dann eher für das billigere Hörbuch (für 6,99 €) entschieden – die Schwabengene schlagen nach etwas mehr als 13 Jahren im „Ländle“ halt doch durch.

Ganz frischer Stoff vom gereiften Meister – nicht nur für langjährige Fans ein wunderbares Lese-/Hörvergnügen!
Ganz frischer Stoff vom gereiften Meister – nicht nur für langjährige Fans ein wunderbares Lese-/Hörvergnügen!

Für die knapp sieben Euro bekam ich ein Hörbuch von grob drei Stunden Länge, gesprochen, wie so oft, von David Nathan, den sicher nicht nur ich für den wahrscheinlich besten King-Leser aller Zeiten halte, vielleicht abgesehen von King selbst, von dem ich sein Buch „On Writing. A Memoir Of The Craft“ in der englischen Hörbuch-Fassung habe. Im Vergleich zu den älteren Hörbüchern mit einer deutlichen höheren Spielzeit ist „Erhebung“ also nicht gerade ein Schnäppchen, seinen Preis aber vollends wert, um schon einmal einen Teil des Fazits vorwegzunehmen.

Überraschend anders

Mittlerweile habe ich das Hörbuch zum zweiten Mal durch, ein drittes Mal wird sicher nicht lange auf sich warten lassen – und muss sagen, dass es sich dabei gleichzeitig um ein absolut typisches wie auch überraschend untypisches King-Buch handelt. Typisch daran ist die Art, wie er Charaktere aufbaut, sie agieren und denken lässt, da fühlte ich mich sofort heimisch, da ich — wie oben bereits erwähnt — gerade die neueren Werke fast durchweg kenne. Atypisch ist die Tatsache, dass es sich weder um eine Horror- noch eine Kriminalgeschichte handelt. Es fällt mir insgesamt schwer, das Buch einem Genre zuzuordnen, ohne dass mir sofort Elemente einfallen, die es eben auch für dieses gleich wieder untypisch erscheinen lassen. Diese Ambivalenz könnte störend sein, ist es aber nicht, zumindest nicht für mich.

Handlung

Nun komme ich zur gleichzeitig einfachsten wie auch spannendsten Frage bei jedem Buch: Worum geht es?

Der Protagonist der Geschichte, Scott, ist ein richtig dicker Mann, nicht nur ein wenig feist, sondern mit anfänglich gut 110 Kilogramm schon ordentlich „über der Grenze“. Doch sein Erscheinungsbild mit der hängenden Wampe täuscht, denn bereits zu Beginn der Geschichte hat er 13 kg abgenommen – und dieser Trend setzt sich unumkehrbar fort: Jeden Tag verschwindet mindestens ein Kilo. An sich wäre das für eine Weile ja gar nicht schlecht, doch sein Äußeres ändert sich leider nicht im Geringsten. Die Waage zeigt während der gesamten Zeit des stetigen Gewichtsverlusts seltsamerweise immer das gleiche (täglich niedrigere) Gewicht an, ob er nun unbekleidet, mit Kleidern oder mit Kleidern und zusätzlichen Gegenständen auf die Waage steigt. Dieser Zustand ist ihm unerklärlich und zunehmend unheimlich, woraufhin er sich einem Freund, einem Arzt im Ruhestand, anvertraut. Doch selbst, als dieser sich mit eigenen Augen von Scotts Zustand überzeugen konnte, findet sich keine Erklärung dafür.

Ein Nebengedanke: Nun kommt der Teil, den ich für untypisch an einem King-Buch halte: Ausgehend von der bislang geschilderten Grundidee des Buchs könnte man – analog zu „Thinner – Der Fluch“, einem älteren Bachmann/King-Buch – eine spannende Horrorstory spinnen. Doch das passiert nicht. Ganz im Gegenteil, das Buch legt den Fokus auf das freundschaftliche Miteinander, das Kitten von problematischen Beziehungen, den Austausch von Freundlichkeiten und Gefallen, um einem selbst und anderen das Leben schöner zu machen. Natürlich entwickelt sich daraus eine völlig andere Dynamik, doch die ist nicht minder faszinierend – hätte ich sonst das Hörbuch zweimal innerhalb von zwei Wochen angehört? Sicher nicht.

Scott hat neben seinem eigenartigen und unaufhaltsamen Gewichtsverlust noch ein Problem: Seine beiden Nachbarinnen, ein lesbisches Ehepaar, die ein vegetarisches Restaurant in Castle Rock führen, laufen täglich ihre Runde und nehmen dabei ihre beiden großen Hunde mit. Am Ende des Laufs hinterlassen beide Hunde jeweils ein besonders appetitliches „Geschenk“ auf seinem Rasen. Mehrfach hat er sie angesprochen, immer ohne Erfolg. Als er es endlich fertig bringt, ein Beweisfoto zu schießen, um die Diskussion zu einem definitiven Ende zu bringen, fühlt es sich trotz allem nicht richtig an, denn eigentlich wünscht Scott sich keinen Streit, auch keinen „Sieg“ über die Nachbarinnen, sondern nur eine ganz normale nachbarschaftliche Beziehung zu den beiden Damen…

Von hier an spoilere ich nicht weiter, denn der Reiz liegt auf dem nun einsetzenden Wandlungsprozess aller beteiligten Akteure, der zu Beginn in dieser Form kaum vorauszuahnen war. Auf jeden Fall entwickelt sich die Geschichte in überraschend erfrischender Weise, geführt von Kings jahrzehntelang geschliffener Erzählkunst, aber ohne die zu erwartenden Horror-Elemente – eine verblüffend gelungene Kombination, die es mir sicherlich noch mehrfach wert sein wird, das Hörbuch anzuhören.

Fazit

Wie bereits mehrfach ausgeführt, handelt es sich bei „Erhebung“ um einen eher untypischen Roman von Stephen King sowohl hinsichtlich der Länge (im Vergleich zu seinen sonstigen Büchern ist es extrem kurz) als auch der eingesetzten Elemente (keinerlei Horror), der dennoch von den erzählerischen Fähigkeiten des Autors profitiert, denn der Fluss der Geschichte ist völlig makellos, es gibt schlicht keinen Moment, an dem ich das Hörbuch hätte stoppen und beiseite legen wollen.

Wer sich also drei wundervolle Stunden bereiten möchte, dem sei „Erhebung“ wärmstens empfohlen. Mir hat das Hörbuch ausnehmend gut gefallen, vielleicht hilft diese Einschätzung ja jemandem „da draußen“…

Neues Lesefutter

Seit meinem letzten Blogeintrag ist eine lange Zeit vergangen, ich kann auch nicht sagen, ob sich an diesen längeren Intervallen in der nächsten Zeit viel ändern wird. Tatsächlich bin ich zwar sehr aktiv, die Tage werden gefühlt auch nicht kürzer, aber eben nur selten hier.

Nachdem ich im Sommer und frühen Herbst einige Bücher von Stephen King und John Scalzi gelesen habe, dachte ich mir vor ein paar Wochen, dass es doch schön wäre, einmal einen stilistischen Wechsel vorzunehmen. Und dafür hatte ich tatsächlich auch schon etwas bereit liegen…

Im Januar 2018 starb die einflussreiche Science Fiction- und Fantasy-Autorin Ursula K. Le Guin. Damals war ich noch bei Twitter, also kamen viele interessante Tweets über ihren Tod – nicht zuletzt von meinen oben genannten Lieblings-Autoren. Alle priesen sie als eine einflussreiche Autorin, die viele nachfolgende Schreiber nachhaltig geprägt habe. Und ich kannte kein einziges Buch von ihr. Also kaufte ich damals den ersten Band der „Erdsee“-Saga im iBooks Store, hatte da aber noch so viele andere Bücher, dass ich damit erst einmal nur den virtuellen SuB fütterte.

Zwischen September und November jedoch las ich zwei Scalzi-Romane („Der wilde Planet“, „Androiden-Träume“) und zischte geradezu durch ein paar längere King-Schmöker („The Dead Zone – Das Attentat“, „Schlaflos (Insomnia)“). Und jetzt war ich bereit, mich einem neuen Stil zu stellen, also begann ich mit dem bereits auf Halde liegenden ersten Band der „Erdsee“-Saga:

Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.
Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.

John Scalzi unterteilt die meisten seiner Romane in recht kurze, also schnell zu lesende Abschnitte, was mir üblicherweise sehr entgegenkommt. Und genau in dieser Hinsicht unterscheidet sich der Stil von Ursula K. Le Guin deutlich, denn sie schreibt meistens ein Kapitel in einem großen Rutsch durch. Nur selten wird in der Mitte eines Kapitels ein zusätzlicher Absatz eingefügt, ansonsten geht der Text ohne visuelle Unterbrechungen über 20-50 Seiten (gemeint ist am iPad Pro mit 12,9 Zoll) durch. Das war eine gewisse Umstellung, aber nicht weiter tragisch, binnen zweier oder dreier Kapitel war ich darauf eingestellt.

Und dann packte mich der Stil, der zuerst etwas nüchtern daher kam, mir dann aber immer besser gefiel. Durch den ungewohnten Schreibstil kroch ich gefühlt wie eine Schnecke über die ersten Seiten, je länger ich dran war, desto schneller „flog“ ich durch das Buch, denn die Geschichte hatte mich gepackt. Der erste Band war dann auch binnen weniger Tage durchgelesen. Darin wird ein Teil der Lebensgeschichte von Ged, einem der mächtigsten Magier seiner Zeit beschrieben, beginnend mit seiner Kindheit bis hin zum Lösen einer existenziellen Krise. Das war sehr gut, also musste sofort der zweite Band her, der wiederum in weniger als einer Woche gelesen war:

Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!
Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!

Im Nachwort äußerte sich Ursula K. Le Guin darüber, dass es ihres Wissens einer der ersten Fantasy-Romane (wenn nicht gar der erste) sei, in dem sich die Geschichte um das Schicksal einer weiblichen Hauptfigur dreht. Denn, und da kann ich ihr meiner bisherigen Lese-Erfahrung nach nur zustimmen, der gesamte Science Fiction- und Fantasy-Bereich sei voll von Patriarchen und anderen Männergestalten, Frauen finden darin nur als Randfiguren Platz. Wohlbemerkt: Das Buch hat sie in den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren geschrieben – und bis dahin galt das sicher auch noch (Ausnahmen würden vermutlich eher die Regel bestätigen).

Der zweite Band war im gleichen Stil wie der erste geschrieben, also brauchte ich nicht lange, um hineinzufinden und mich danach gleich an den dritten Band zu machen, in dem ich aktuell noch stecke. Die ersten zwei oder drei Kapitel sind exakt wie erwartet und dementsprechend gut. Bei dem Tempo habe ich bis Jahresende alle sechs Bände der Serie durch…

Der erste „offizielle“ Halbmarathon

Genau vor einer Woche habe ich meinen ersten „offiziellen“ Halbmarathon absolviert – und es war ein spannendes Erlebnis.

Im Ziel, direkt vor dem Ulmer Münster – gut durchgeschwitzt und ziemlich geplättet...
Im Ziel, direkt vor dem Ulmer Münster – gut durchgeschwitzt und ziemlich geplättet…

Eigentlich bin ich ja ein absoluter Individualsportler, der beim Laufen gerne seine Ruhe (bzw. sein Hörbuch oder seine Playlist) hat. Das ist bei einem derartigen Massenevent wie dem Beuerer Halbmarathon in Ulm schlicht undenkbar, denn da gehen einige Tausend Läufer an den Start, entsprechend gedrängt geht es dann auch auf den Straßen und Wegen zu – zumindest anfänglich…

Angemeldet hatten meine Frau und ich uns bereits vor Monaten, denn wer sich früh einschreibt, zahlt nur die Hälfte. Irgendwie hätten wir uns ja auch vorbereiten können, doch ich rannte nach wie vor jeden Tag meine übliche 16-17 Kilometer lange Runde, ließ am Tag vorher einfach zwei Kilometer weg, um ein bisschen Energie einzusparen, dann war der „Tag X“ gekommen und es ging auch schon los.

Organisation und Umstände

Die Organisation des Beuerer Halbmarathons ist wirklich exzellent. Der Weg ist perfekt ausgeschildert, da kommen absolut keine Unklarheiten auf. Außerdem ist alles durchorganisiert: Von der Verstauung der persönlichen Utensilien in einem LKW, der alles zum Zielort transportiert über die digitale Zeitnahme bis hin zur Verpflegung und den Duschen für nach dem Lauf. Obwohl es mein erster Lauf dieser Art war, bestand kaum Unruhe hinsichtlich dieser Aspekte.

Aufgeregt war ich jedoch trotzdem – und zwar wie die Hölle! Das lag vor allem daran, dass ich mich leicht einschüchtern lasse, wenn um mich herum tausende von Läufern, alle in voller Montur, viele mit etlichen bereits absolvierten Läufen genau dieser Art auf dem Buckel (etc.), ihre letzten Vorbereitungen treffen. Dazu kam, dass ich um die Uhrzeit, als wir in Ulm erst starteten, daheim schon seit drei Stunden fertig gewesen wäre. Alles in allem waren die Umstände also sehr ungewohnt, was sich auch in einem erhöhten Puls niederschlug.

Der Lauf an sich

Nun gut, ich reihte mich in der Gruppe ein, die eine Zeit von 1:50 h für die 21,1 Kilometer anpeilten. Ein erfahrener Kollege hatte mir geraten, mich weit vorne in der Gruppe zu positionieren, was ich auch tat. Doch nach 1,5 oder 2 Kilometern waren die mir zu langsam, also zog ich kurzerhand vorbei; im Hinterkopf immer den Gedanken: „Hochmut kommt vor dem Fall“

Ich rechnete damit, das Tempo nicht komplett durchhalten zu können. Doch es ging… und ging… und ging… Als ich bei Kilometer 17 immer noch einen Schnitt von 4:45 Minuten/km hielt und meine Reserven nicht erschöpft waren, realisierte ich, dass es wohl so bis zum Ende gehen könnte. Und tatsächlich klappte es.

Gerade durch‘s Ziel gewitscht: 1:39:04 h für die 21,1 km – geschafft!
Gerade durch‘s Ziel gewitscht: 1:39:04 h für die 21,1 km – geschafft!

Kaum war ich durch‘s Ziel „geflogen“ (ging nicht, weil die Läufer vor mir quasi direkt hinter der Ziellinie stehen geblieben waren), erreichte mich eine automatisierte SMS mit meiner Laufzeit: 1:39:04 h.

Überraschend gute Zeit, für einen Moment war ich echt stolz auf mich!
Überraschend gute Zeit, für einen Moment war ich echt stolz auf mich!

Hui! Mit so einer guten Zeit hatte ich nicht gerechnet. Insgeheim hatte ich mir gewünscht, eine Zeit von etwa 1:40 h zu schaffen, ging aber nicht davon aus, das unter den Umständen zu schaffen – daher war ich echt stolz auf das Ergebnis.

Von den mehreren Tausend Läufern habe ich den Platz 552 erreicht (nur Männer: Platz 506), von den Männern zwischen 40 und 45 den 70. Rang. Keine Ahnung, ob das gut ist, aber ich war vollauf zufrieden.

So findet man mich in der Gesamtwertung aller teilnehmenden Männer.
So findet man mich in der Gesamtwertung aller teilnehmenden Männer.

Meine Frau hatte sich als Ziel eine Zeit unter zwei Stunden gesetzt – und es auch geschafft (sogar überdeutlich)! Das musste mit einem Selfie (beim Gehen aufgenommen, daher wirkt es etwas unentspannt) honoriert werden!

Beide erfolgreich ins Ziel gekommen, gute Stimmung und tolles Wetter – TSCHAKA!
Beide erfolgreich ins Ziel gekommen, gute Stimmung und tolles Wetter – TSCHAKA!

Fazit

Das Erlebnis war wirklich sensationell, allerdings weiß ich nicht, ob ich in den kommenden Jahren wieder an solch einem Massenevent teilnehme. Laufen macht auch ohne den Aufwand (sowohl finanziell als auch ökologisch und zeitlich) Spaß. Andererseits ist so etwas einmal im Jahr durchaus eine tolle Abwechslung. Mal sehen…

Mit der Finisher-Medaille, allerdings war ich da gerade sehr hungrig, daher der gierige Blick!
Mit der Finisher-Medaille, allerdings war ich da gerade sehr hungrig, daher der gierige Blick!

Addendum

Als wir später am Tag wieder daheim angekommen waren und sich bereits die ersten Anzeichen für die Muskelkater-Qualen des folgenden Tages abzeichneten, erfuhren wir, dass bei diesem Sportevent tatsächlich ein Läufer, ein recht junger Mann von ca. 30 Jahren, im Zieleinlauf kollabiert und später im Krankenhaus gestorben ist. Das hat der Hochstimmung nach dem Lauf dann doch einen deutlichen Dämpfer verpasst. Hoffentlich wiederholt sich das in den kommenden Jahren nicht.