Silent Brass: 20+ Jahre

1996 war ich noch ein junger Student, gerade einmal im zweiten Semester meines ersten Diplomstudiums (Orchestermusik). Für Rundfunkaufnahmen mit dem Bayerischen Rundfunk probte ich in Bayreuth mit einem Projektorchester und einigen Gesangssolisten (hier) für die Aufzeichnung der mehrere europäische Länder einbeziehenden Produktion einer tschechischen Oper (ich glaube, der Titel war „Im Brunnen“, aber es ist einfach schon so lange her…).

Kauf auf Empfehlung

Einer der anderen Musiker, ein Hornist, war gleichzeitig der Chef eines Musikgeschäfts in Bayreuth. Während einer Pause erzählte er mir von einer tollen technischen Neuerung: Yamaha hatte einen Übedämpfer für Trompete entwickelt, der fast frei vom sonst üblichen (und äußerlich hinderlichen) Rückstau (die Luft, die man vorne in die Trompete reinbläst, muss ja irgendwo wieder herauskommen) funktionierte. Zusätzlich konnte der Dämpfer mit einem elektronischen Gerät verbunden werden, über das man sowohl eine externe Klangquelle einschleifen als auch mit einstellbarem Raumhall spielen könne. Der Clou aber war, dass all das nach außen hin so leise blieb, dass man damit auch problemlos in einem Hochhaus üben könne, ohne die Nachbarn zu stören.

Ich wohnte damals im siebten Stock eines Hochhauses, außerdem war es zu der Zeit mein „Beruf“, jeden Tag mehrere Stunden mit Üben zu verbringen. Die Problematik war mir mehr als bewusst – und ich wollte auch nicht dauernd zum Haus meiner Eltern im nächsten Ort weiterfahren, um dort üben zu können… Also kaufte ich mir das angepriesene Gerät, es hieß Silent Brass.

Erfahrung

Das war vor 22 Jahren. Ich habe den Dämpfer immer noch. Erst letzte Woche habe ich täglich im Urlaub mit ihm geübt. Ich verwende zwar seit Jahren nicht mehr das elektronische Zusatzgerät (das „Studio“), weil ich dafür neben dem Dämpfer auch die ganzen Kabel, sechs (!) AAA-Batterien (bzw. Akkus und ein Ladegerät) und einen Kopfhörer mitschleppen müsste. Aber es klappt eben auch ohne den „Technik-Kram“, nur auf akustischem Wege.

Modernisierung

Vor ein paar Monaten kam nun eine neue Version des bewährten Systems heraus. Ein Kollege in der Schule, ebenfalls Blechbläser, erzählte mir davon. Doch ich vergaß es wieder. Bis ich letzte Woche im Urlaub eben wieder täglich mit dem „alten“ Silent Brass übte. Ich erinnerte mich, mein Interesse war geweckt, also recherchierte ich ein wenig – und tatsächlich berichten viele Benutzer, dass es nochmals deutlich besser geworden sei. Nun war ich wirklich gespannt, am Donnerstag bestellte ich das Set, gestern wurde es geliefert, heute habe ich das erste Mal damit geübt.

Mein erstes Fazit: „WOW!“ Insgesamt liegen gut 22 oder 23 Jahre technischer Entwicklung zwischen den beiden Geräten, es war mir klar, dass es hier und da Verbesserungen geben musste, doch das Ausmaß und die Stimmigkeit der Innovation hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit überraschte mich dann doch.

Vergleich zwischen altem und neuem Modell

Um allen, die es interessiert, einen Einblick zu geben, habe ich ein paar schöne Foto-Vergleiche angestellt, die sehr schnell zeigen, was sich getan hat.

Schon der bloße Blick auf die Verpackung zeigt, dass das alte Modell deutlich größer war (klar lag das auch an der Art, wie alles im Karton untergebracht war, dennoch ist die Dimension eine gänzlich andere):

Links das alte, rechts das neue Modell
Links das alte, rechts das neue Modell

Der Verpackungsinhalt ist nicht allzu unterschiedlich, wenn man sich anguckt, was grundsätzlich an Teilen enthalten ist:

Lediglich das Netzteil war beim alten Gerät mitgeliefert, so eines ist heute nicht mehr vorgesehen (kein Wunder, wer möchte beim üben maximal 1,5 Meter von der Steckdose entfernt stehen).
Lediglich das Netzteil war beim alten Gerät mitgeliefert, so eines ist heute nicht mehr vorgesehen – kein Wunder, wer möchte beim Üben maximal 1,5 Meter von der Steckdose entfernt stehen?

Wie man gleich sehen kann, gab es am elektronischen Teil viele Einstellmöglichkeiten, die beim Üben aber tatsächlich kaum ins Gewicht fallen, deswegen wurde der Großteil davon in der Revision abgeschafft. Aus der Praxis heraus weiß ich sicher, dass das kein Verlust ist, denn „zu viele Einstellungsmöglichkeiten“ verleiten fast immer dazu, „zu viel daran herumzuspielen“ – man sollte sich aber eher auf das Üben konzentrieren, nicht an der Technik herumbasteln. Ganz abgesehen davon konnte man sich mit der Reverb-Einstellung „Church“ hinsichtlich des eigenen Sounds ganz schön in die Tasche lügen…

Der elektronische Begleiter ist gleich deutlich schlanker ausgefallen, funktioniert aber (mit weniger Einstellungsmöglichkeiten) genauso gut.
Der elektronische Begleiter ist gleich deutlich schlanker ausgefallen, funktioniert aber (mit weniger Einstellungsmöglichkeiten) genauso gut.

Auf beiden Fotos habe ich mit voller Absicht die Kopfhörer unterschlagen, denn nach 22 Jahren gibt es das originale Paar Kopfhörer aus der blauen Kartonage einfach nicht mehr.

So weit ragt der alte Dämpfer aus dem Schallstück der Trompete heraus...
So weit ragt der alte Dämpfer aus dem Schallstück der Trompete heraus…
...und so (wenig) weit ist es beim neuen Modell – ich habe das rechte Foto nur dazugenommen, weil man vom Dämpfer links so wenig sieht.
…und so (wenig) weit ist es beim neuen Modell – ich habe das rechte Foto nur dazugenommen, weil man vom Dämpfer links so wenig sieht.

Tja, die Länge des Dämpfers hat sich am deutlichsten verändert, denn das originale Modell ragte wirklich weit aus der Trompete heraus (je nach Schallstück 10-15 Zentimeter). Wenn man da beim Üben in einer engen Wohnung oder einem kleinen Hotelzimmer nicht aufpasste, konnte man schon einmal anstoßen – eine schmerzhafte Sache, da sich der Stoß über Instrument und Mundstück auf die Lippen und Schneidezähne überträgt… (Ich schreibe aus schmerzvoller Erfahrung.)

Ein weiterer Nachteil des weiten Herausragens des alten Dämpfermodells war, dass es gerne mal nach einer Weile des Übens (wenn sich genug Feuchtigkeit aus der Atemluft im Schallstück angesammelt hatte), herausfiel. Ich ging, nachdem mir das ein- oder zweimal passiert war, dazu über, das Verbindungskabel vom Dämpfer zum Studio noch einmal um das Schallstück der Trompete zu winden, sodass der Dämpfer im Fall der Fälle erst einmal daran baumeln konnte. Dafür wurde das Kabel dann etwas kurz… Das neue Modell sitzt so tief und stabil im Schallstück, dass ich mir darüber erst einmal keinen Kopf zerbrechen muss.

Fast 118 Gramm – kein echtes „Schwergewicht“, am Ende eines Hebels aber deutlich spürbar...
Fast 118 Gramm – kein echtes „Schwergewicht“, am Ende eines Hebels aber deutlich spürbar…
Mit 69 Gramm sogar noch unter der Herstellerangabe (vielleicht haben die auch das Kabel eingerechnet) – den Unterschied fühlt man, vor allem in Verbindung mit der neuen Form!
Mit 69 Gramm sogar noch unter der Herstellerangabe (vielleicht haben die auch das Kabel eingerechnet) – den Unterschied fühlt man, vor allem in Verbindung mit der neuen Form!

Neben der Form ist das Gewicht des Dämpfers entscheidend, hier ist der Unterschied ebenfalls deutlich spürbar: fast 118 Gramm beim alten Modell stehen nicht einmal 70 Gramm beim neuen gegenüber. Verbindet man das mit der deutlich komprimierten Form, so ist das neue Modell viel besser im Alltag einzusetzen. Das ist sinnvolle Innovation, die auf Erfahrung basiert.

Eine Sache kann ich fotografisch nicht festhalten: den Rückstau. Beim Mundstück bläst man als Trompeter komprimierte Luft in das Instrument hinein, die muss ja irgendwo entweichen. Wie genau das Silent Brass-System die Kanalisierung gestaltet, dass es ohne den sonst üblichen – und äußerst hinderlichen – Rückstau klappt, weiß ich nicht. Dennoch: Auch an dieser Front hat sich einiges getan. Um es zu testen, habe ich heute von den 40-50 Minuten Üben zuerst 35 Minuten ohne Dämpfer gespielt. Dann bin ich auf den neuen Übedämpfer umgestiegen, um den direkten Vergleich zum „offenen“ Spielen zu erfühlen. Und das hat mich tatsächlich am meisten umgehauen, denn es war so gut wie gar kein Unterschied mehr zu fühlen. Wie auch immer die das hinbekommen haben, es war ein Geniestreich!

Fazit

Ich bin derart begeistert, dass ich in den nächsten Tagen garantiert allein deswegen noch einige Male mit dem neuen Silent Brass üben werde, auch wenn ich das hier (also zuhause) gar nicht müsste. Den Machern des neuen Systems sollten ganze Generationen von Trompetern dankbar sein, denn nun kann man wirklich „immer und überall“ spielen, ohne andere Leute damit zu nerven – gerade als Student, der eventuell in einem beengten Wohnheim üben muss ist das eine fantastische Sache! Hut ab vor den Entwicklern!

Advertisements

Ohne Fleiß kein Preis

Vorgestern hat meine Frau einen Blog-Eintrag veröffentlicht, in dem sie ihrem Unmut über die Unterschlagung des Auftritts ihres Unterstufen-Orchesters beim Schulkonzert im Bericht der Lokalzeitung Luft machte (hier). Und das völlig zu Recht, denn so etwas gehört sich einfach nicht. Als Musiklehrer, der selbst einige Male im Jahr mit Schüler-Ensembles vor Publikum steht und sich später die Berichte darüber in der Lokal-Presse durchliest, kenne ich die Erwartungshaltung vor dem Lesen und die Freude bzw. Enttäuschung, wenn der Artikel dann entweder besonders positiv oder negativ auf die eigenen Darbietungen eingeht.

Aber darum geht es mir in diesem Beitrag nicht. Vielmehr ist es so, dass in den Kommentaren zum Artikel meiner Frau ein Kommentator immer wieder darauf hinauswollte, dass Musik doch einfach nur Spaß machen solle. Selbst als sie ihn sehr deutlich darauf hinwies, dass es sich dabei um eine Pflichtveranstaltung für die Schüler handle, die sich diese nicht „mal eben“ aussuchen (nein, sie haben zu Beginn einmal die Wahl, danach sind sie festgelegt) und nach Belieben auch wieder ablegen können, beharrte er darauf.

Nur Lustprinzip? – Klappt nicht!

Aus der Sicht eines studierten Musikers kann ich nun aber mit absoluter Sicherheit sagen, dass die Betonung des Lustprinzips, also das „nur üben, wenn es auch Spaß macht“, unter gar keinen Umständen jemals zum Erfolg führen wird. Denn dafür ist harte Arbeit nötig. Und harte Arbeit macht zwangsläufig irgendwann keinen Spaß (mehr).

Einer unserer Professoren an der Hochschule für Musik in Würzburg erläuterte uns während des Studiums die „10.000 Stunden“-Grenze, die für das Erlangen eines professionellen Niveaus nötig sei. Verkürzt dargestellt heißt das: Wer an seinem Instrument wirklich ein Profi werden möchte, muss in seinem Leben mindestens 10.000 Stunden geübt haben. Und „geübt“ heißt eben nicht „gespielt“, sondern konzentriert mit einem konkreten Ziel unter Einsatz aller körperlichen und geistigen Ressourcen gearbeitet.

Beispielrechnungen

Doch dieser Zahlenwert mit „10.000 Stunden“ ist äußerst abstrakt. Also fülle ich ihn einmal mit ein wenig Details, um die Vorstellung zu konkretisieren:

  • Ausgehend von einem Studium über acht Semester (ignorierend, dass man unter keinen Umständen zu studieren beginnt und da erst das Instrumentalspiel beginnt) müssten nun die 10.000 Stunden auf 48 Monate verteilt werden, das entspräche bei keinem einzigen Pausentag in vier Jahren einem täglichen Übepensum von 6,94 Stunden.
  • Nehmen wir noch ein oder zwei Jahre vorher dazu, in denen man sich als Schüler intensiv auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet und ebenfalls viel Zeit investiert, dann wären es 72 Monate, ohne einen einzigen Pausentag landen wir immer noch bei einer täglich zu absolvierenden Übezeit von 4,62 Stunden.

Jetzt wird die Sache schon wesentlich konkreter. Und nehmen wir uns nun einen typischen Jugendlichen, der womöglich auch hier und da einfach mal einen stressigen Tag (Klausurdruck, Nachmittagsunterricht, Transitzeiten etc.) hat, wodurch das Üben kürzer treten oder ganz ausfallen muss, so gibt es nur die Optionen, diese Zeiten entweder am Ende der 72 Monate anzuhängen oder an anderen Tagen mehr zu schaffen.

Fazit

Und nun möchte ich den Menschen sehen, der über einen so langen Zeitraum nur von seiner eigenen Lust gesteuert diese Menge an Übezeit aufbringt. Ohne hier allzu viel zu „spoilern“: So jemanden gibt es vermutlich gar nicht, zumindest habe ich noch niemanden erlebt, der so funktioniert.

Von mir selbst weiß ich, dass es fast unmöglich ist, vier oder fünf Stunden konzentriert zu üben, denn irgendwann ist entweder körperlich oder geistig Schluss. Da geht dann nicht mehr.

Big fish in a little pond…

Und zum Thema „es muss Spaß machen“: Gleich nach Beginn des Studiums kommt für die meisten Musikstudenten der große Knick in der Motivation, denn üblicherweise waren sie vorher in ihrem Umfeld die „Cracks“, die neben den Profis am besten spielten und entsprechend viel Aufmerksamkeit erhielten. Nun aber sind sie die Anfänger, die in einer Umgebung bestehen müssen, in der praktisch jeder andere schon weiter ist. Aus psychologischer Sicht ein denkbar schwieriger Zeitraum. Man nennt das in der Psychologie den Wechsel von „Big fish in a little pond“ („dicker Fisch im kleinen Teich“) zu „Little fish in a big pond“ („kleiner Fisch im großen Teich“). Spätestens da muss einem klar werden, dass die ausschließliche Betonung des Spaß-Faktors auf dem Weg zum Erfolg (egal in welchem Bereich) völlig unrealistisch ist. Es handelt sich eher um eine Idealvorstellung, die mit der Realität aber nichts zu tun hat.

Ein bisschen Werbung in eigener Sache…

Am 23. Oktober findet in Ellwangen ein absehbar superbes Konzert statt, bei dem das Ostalb Jazz Orchestra, zum dem auch ich gehöre, mit Axel Schlosser, dem Solo-Trompeter der HR-Big Band, ins Peutinger-Gymnasium einladen. Das Programm ist vielfältig und sollte für jeden Jazz-Fan etwas bieten. Also: kommt und sagt es allen weiter!

Plakat-AxelSchlosser.jpg
Das Ostalb Jazz Orchestra und Axel Schlosser laden ein zum Konzert am 23. Oktober!

Karten und weitere Informationen gibt’s bei Musik Bader in Ellwangen. Ruft ihn an, der Mann hat den lieben langen Tag nichts zu tun, außer Staubsauger, nein, Saxophon zu üben und nebenbei ein paar Karten zu verkaufen… 😉

Lange erwartet, endlich eingetroffen…

Mit „Mr. Mercedes“ hat Stephen King vor ein paar Jahren einen fulminanten Psycho-Krimi veröffentlicht, dann kam mit „Finderlohn“ eine mehr als würdige Fortsetzung heraus (hier meine Rezension). Vor ein paar Monaten erschien der beinahe schmerzlich ersehnte Abschluss der Trilogie auf Englisch, beinahe wäre ich schwach geworden und hätte ihn mir da schon besorgt. Doch ich war geduldig – und heute habe ich das Hörbuch im iBooks Store endlich in der deutschsprachigen Fassung entdeckt.

(Wobei es hierbei auch gleich wieder ein wenig kurios ist, denn der Titel der deutschen Fassung lautet „Mind Control“. Warum man für die deutschsprachige Fassung einen englischen Titel wählen muss, der aber vom eigentlichen Titel „End of Watch“ abweicht – es leuchtet mir einfach nicht ein…)

Endlich ist er da, jetzt kann der Spaß losgehen...
Endlich ist er da, jetzt kann der Spaß losgehen…

Meine Vorbereitungen für den Unterricht am Montag habe ich heute schon hinter mich gebracht. Etwas üben muss ich noch, um in Form zu bleiben, am frühen Abend wird noch das Material für Montag in der Schule kopiert, drumherum bleibt zum Glück etwas Zeit, um in das Hörbuch einzutauchen. Juhu!

Rush: Beeindruckende Leistungen

Und noch ein Artikel aus dem Rush-Blog:

Rush ist eine Band, die eigentlich immer an ihrem Limit spielen muss, denn sie sind nur drei. Beim Lesen in der Rush-Bibel von Martin Popoff stieß ich auf eine Stelle, die einmal auch Alex Lifesons Einzelleistungen hervorhebt. Meistens wird er in (medialen) Wahrnehmung der Band von Geddy — der Bass spielt, die Pedale und Synthesizer bedient und zusätzlich auch noch singt — und Neil — der als Songtext-Schreiber und Schlagzeuger seit seinem Einstieg eine besondere Position innehat — ziemlich aus dem Rampenlicht verdrängt. Ganz und gar unverdient, wenn man den folgenden Abschnitt liest.

And Alex’s guitar playing blew me away. We would double the guitars, which was a thing I was very much into at that point. And we only had three days to do all this work. So we did guitar track, drums and bass, and then I said to him, 'Let’s double it.‘ And I’ll never forget, to this day, I put the original guitar on the left speaker, we put the new guitar on the right speaker, and he doubled it from top to bottom, flawlessly, in one take. And it sounded like one huge guitar, it was so accurate.

Das Zitat stammt von Terry Brown, der in der frühen Phase von Rush für die Aufnahmen im Studio zuständig war. Da er auch schon andere Bands produziert und deren Platten zu Hits gemacht hatte, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er *genau* wusste, von was er hier sprach.

Auch ich als studierter Musiker, der sowohl CD-Aufnahmen als auch etliche Live-Auftritte absolviert hat, kann nicht meine Faszination verhehlen, denn so etwas ist eine absolut atemberaubende Leistung. Dazu eine kleine Anekdote: Ich unterrichte ein paar Privatschüler. Für eine ganz junge Schülerin habe ich vor einigen Wochen ein kleines Stück zum Mitspielen aufgenommen, da sie sich immer wieder (zu viele) Freiheiten im Rhythmus herausgenommen hatte, als dass ich einfach darüber hinwegsehen hätte können.

Ich bastelte mit Logic Pro X auf meinem Mac einen Rhythmus-Track, der einfach nur die Zählzeiten durchpulste. Dazu spielte ich dann die — wirklich einfache — Melodie ein. Doch vielleicht gerade weil es ein so einfaches Stück war, benötigte ich mehrere Anläufe, bis es rhythmisch akkurat „im Kasten“ war. Der geradelinige Puls vom Computer ließ sich einfach nicht auf meine Atempausen und leichten Verzögerungen ein. Und ich bin eigentlich kein Stümper auf meinem Gebiet (drei Studienabschlüsse *ohne* Bestechungszahlungen…).

Doch gerade diese noch relativ frische Erfahrung kam mir beim Lesen der obigen Stelle sofort wieder ins Gedächtnis. Es ist einfach wahnsinnig beeindruckend. Hoffentlich auch für Nicht-Musiker.

Fauler Tag

Solera legt die Füße hoch...
Solera legt heute mal ganz faul die Füße hoch...

Heute ist ein richtig fauler Tag. Und ich genieße jeden Moment davon. Hmmmmmmm, was macht einen faulen Tag aus? Ganz klare Sache: Ausschlafen! Also bis 5:55 h, dann noch liegen bleiben bis zehn nach sechs. Luxus (kein Kind wollte etwas von uns…)! Dann ab in den Keller und ganz entspannt Laufen (17,17 km – ich beende die Läufe immer bei solchen Schnapszahlen, gestern waren es 16,16…). Aber wirklich ganz entspannt mit einem guten Hörbuch. Seit ein paar Tagen (Ferien!) hänge ich dann immer noch ein paar (<10) Minuten Seilspringen an – der Doc hat ja abgeraten, aber in der Kürze kann es nicht wirklich schädlich sein. Außerdem habe ich dabei Seeed gehört, das puffert gut… Dann duschen und frühstücken. Und dann bin ich gleich einmal sitzen geblieben, wo ich war und habe meine Twitter-Zeitleiste überflogen, hier und da einen Artikel genauer gelesen, ein Glas Cola Light nach dem anderen getrunken und den Blog-Eintrag von heute früh geschrieben. Dann kamen meine Frau und unsere Mittlere (gestern war Erstkommunion) von der Kirche heim. Spontan beschlossen wir, doch einfach mal einen Film anzuwerfen – wenn nicht in den Ferien, wann dann? Also TV an: „Evolution“. Herrlich! Das war für uns Eltern gut, aber gerade die Mittlere mag den Film nicht und blieb standhaft in ihrem Zimmer. Daher schwenkte der mittlerweile seine Faulheit voll auskostende Solera auf „Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio“ um, was bei allen Kindern gut ankam. Und weil ich schon so schön saß, gab es danach gleich noch einen Film (Rabeneltern!). Bildungsfernsehen: „Zärtliche Chaoten“. Die Kinder haben sich königlich amüsiert, wir Erwachsenen uns auch – wenn auch aus anderen Gründen, denn die Witze sind überwiegend derart schlecht (ich sag nur: Schlürfrechte), dass man den Film eigentlich nur mit einer ganzen Flasche Solera 1847 intus ertragen kann. Aber das Amüsement der Kinder wirkte absolut ansteckend. Danach schmerzte mir vom vielen Sitzen schon beinahe der Hintern, also stand ich auf und begab mich als Üben. In den Blas-Pausen tippe ich nun diesen kurzen Eintrag. Hach! Ferien sind schon etwas herrliches!

 

Lehrer, Kinder, Ferien – und Zeilenende

Zeilenende

Gestern hat mir der einmalige Zeilenende auf Twitter einen Tweet mit einem fragenden Kommentar weitergeleitet:

Da muss man schon genau hinsehen...
Bitte genau hinsehen!

Da ich am Donnerstag meine zweiwöchige Big Band-Probe in Ellwangen hatte, die sich bis kurz nach 22 h hinzog, woran sich immer noch etwa 30 Minuten Heimfahrt anschließen, war ich in der konkreten Situation nicht in der richtigen Stimmung, mich von der Muse küssen zu lassen und gleich zu antworten. Außerdem ist das Thema gar nicht so unspannend – also kündigte ich ihm nur an, es in einem eigenen Blog-Eintrag zu verarbeiten. Nun denn…

Ferienarten

Lehrer unterscheiden Ferien, denn auch wenn die Dauer der „unterrichtsfreien Zeiten“ meist nicht extrem voneinander abweicht, wäre es vermessen zu glauben, dass alle Ferien sich gleichen würden. Doch zuerst einmal muss ich klarstellen, welche Ferien ich überhaupt habe, das unterscheidet sich ja von Bundesland zu Bundesland. Hier in Baden-Württemberg sieht es ungefähr folgendermaßen aus:

  • Herbstferien: eine Woche, die sich am Ende des Oktobers bis in die ersten Novembertage erstreckt. Diese Ferien sind unglaublich wichtig als erste Aufarbeitungsphase nach ungefähr zwei Monaten Schule. Gerade am Schuljahresanfang müssen alle Listen, Sitzpläne etc. erstellt und gepflegt werden, bis zu den Herbstferien setzt sich dann auch einiges, man hat jede Klasse einigermaßen kennen gelernt, die ersten Eindrücke sind gefestigt – jetzt kann und muss die weitere Planung angepasst werden.
  • Weihachtsferien: üblicherweise zwei Wochen, die kurz vor dem Heilig Abend beginnen und dann nach den ersten Januar-Tagen enden. Als Musiklehrer bin ich meist bis zum letzten Moment in der Schule voll im Einsatz, da im Dezember ein großes Adventskonzert und am letzten Schultag ein von Musik umrahmter Gottesdienst stattfinden. Beides erfordert Vororganisation, Proben und umfangreiche Transport-, Auf- und Abbautätigkeiten, vom eigentlichen Musizieren ganz zu schweigen. Parallel sind bis dahin in den meisten Klassen (in meinem Fall meist 14 bis 17 im Schuljahr) die ersten Klassenarbeiten/Klausuren geschrieben (und hoffentlich auch schon korrigiert, damit man nichts mit in die Ferien nehmen muss). Zum Beginn der Weihnachtsferien bin ich üblicherweise derart erschlagen, dass ich erst einmal zwei Tage brauche, um auf „normal Null“ zurück zu kommen. In den ersten Berufsjahren wurde ich beim Nachlassen der Anspannung erst einmal krank, das hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren gelegt, denn mittlerweile achte ich etwas mehr auf mich.
  • Faschings- oder Winterferien: eine Woche, die sich vor allem aus gesetzlichen Feiertagen (Rosenmontag, Faschingsdienstag) und verschiebbaren Ferientagen zusammensetzt. Da zum Ende des ersten Halbjahres die Halbjahresinformationen fällig sind, die mit Notenkonferenzen und entsprechendem zusätzlichen Arbeitsaufwand einhergehen, ist auch diese Woche dringend nötig, um einfach wieder aufzuarbeiten und den Erholungsmangel etwas auszugleichen. Februar ist auch die Zeit, in der meist ein oder mehrere eigene Kinder eine Erkältung anschleppen.
  • Osterferien: üblicherweise zwei Wochen, eine vor Ostern, eine danach. Die Tage werden länger, die Frühjahrsmüdigkeit ist spürbar. Meist geht direkt nach den Osterferien das schriftliche Abitur los, also ist vorher ein kleiner Endspurt angesagt. Doch alles in allem sind dies meist Ferien, die zur Erholung ganz gut sind. Außerdem kann man nun wieder im Garten aktiv werden. Osterferien sind gute Ferien. (Einschränkungen folgen…)
  • Pfingstferien: üblicherweise zwei Wochen Ende Mai/Anfang Juni vor dem großen Schlusslauf. Wenn man es ungeschickt anstellt, liegen zu Beginn der Ferien ein paar große Korrekturstapel auf dem Schreibtisch, damit man in den letzten Schulwochen nicht noch zu viel Korrekturarbeit erledigen muss. Aber diese Ferien nutzen wir gern, um mal für ein paar Tage wegzufahren, ansonsten bereite ich wie üblich ein paar Tage Unterricht vor.
  • Sommerferien: Die große sechs- bis siebenwöchige Unterbrechung, die meist von Ende Juli bis zur ersten Septemberwoche reicht. Im Gegensatz zu allen anderen Ferien, in denen ich immer sehr darauf bedacht bin, schon die ersten paar Tage „danach“ gut vorzubereiten, halte ich mir die Sommerferien (schul)planerisch komplett frei. Welche Klassen ich genau bekomme, erfahre ich ohnehin erst ein paar Tage vor Beginn des Schuljahres, wozu also schon Wochen vorher die sommerliche Trägheit stören?

Soviel zur gefühlten Einteilung der Ferien aus meiner Sicht. Es gibt sicher Kollegen, die ein gänzlich anderes Prozedere pflegen. Sicher teilen aber auch etliche meine Vorgehensweise. Das Vorbereiten der ersten Tage, am besten der ganzen ersten Woche, ist ein logisches Vorgehen, das sich in der Praxis bewährt hat. Denn der Umstieg von „ich kann jeden Morgen auch erst um 6:30 h aufstehen“ auf „der Wecker klingelt um 4:35 h“ ist doch etwas anstrengend…

Kinder und Ferien – und Eltern…

Unsere Kinder sind in den Ferien üblicherweise herrlich entspannt. Unser Großer (10) könnte aus seiner Perspektive heraus auch den ganzen Tag in seinem Zimmer sitzen, Bücher lesen, LEGO bauen und Musik hören – der würde freiwillig keine Sekunde aus dem Zimmer herauskommen. Die Mädels dagegen sind wesentlich neugieriger und agiler, die motzen meist schon nach 10 Minuten Ferien, dass sie sich langweilen. Wenn man Glück hat, finden sie sehr schnell eine Beschäftigung für die folgenden Stunden, wenn man dies nicht hat, kommen sie alle paar Minuten wieder, um zu fragen, was sie denn nun tun könnten. Das kann anstrengend sein, meist finden sie aber sehr zügig eine Ihnen genehme Beschäftigung.

Unsere zwei Großen sind unter der Schulwoche an mehreren Tagen im Hort, weil wir Erwachsenen an fast allen Tagen Nachmittagsunterricht haben. Da auch noch vorbereitet werden muss, bleiben die Kinder dann bis etwa 16:00 h im Hort. Mit etwas Glück haben sie danach die Hausaufgaben fertig und können nach dem obligatorischen Instrumentalüben ihren eigenen Wünschen nachgehen. Die jüngste war bislang im Kindergarten, aus dem sie mit den anderen gemeinsam (gleiches Gebäude) gegen 16:00 h abgeholt wurde. Ab September geht auch sie in die Schule, dann werden sich die Hortzeiten angleichen (es sei denn, der neue gymnasiale Stundenplan bei unserem Großen macht dem einen Strich durch die Rechnung).

Wenn der Hort eine Ferienbetreuung anbietet, nehmen wir meist ein paar Tage davon dankend an, um unsere anstehenden Arbeiten erledigen zu können, ohne ein allzu schlechtes Gewissen zu haben. Meist gehen wir in den Wintermonaten an einem der Vormittage auch einfach mal in die Sauna, so bleiben wir etwas gesünder – auch nicht schlecht.

Bietet der Hort keine Ferienbetreuung an (die Stadt gibt den Betreuungseinrichtungen die Anzahl der freien Tage genau vor), wird es manchmal etwas „tricky“, denn wenn wir arbeiten müssen, bleibt oft nichts anderes übrig, als die Kinder ein paar Stunden sich selbst zu überlassen. Den Kindern taugt das sehr, doch es zieht meist energische Aufräumarbeiten im Haus nach sich…

Fazit

Den Kindern gefallen Ferien immer, die könnten dem Bild durchweg zustimmen. Als Lehrer kann ich nicht bestätigen, dass ich in den Ferien nur Alkohol trinke, meine Fingernägel lackiere, Geld scheffle (bekommen die normalen Arbeitnehmer während der Urlaubszeit ihren Lohn nicht weitergezahlt?), Party mache (bin eh nicht der Party-Typ, da stehe ich nur dumm herum und lese in der WordPress-App, was Zeilenende und meine anderen virtuellen Freunde so wundervoll schreiben). Ich erhole mich gezielt, arbeite nach und vor – und schreibe unzählige Blog-Einträge, die dann keiner lesen möchte. Zum Glück habe ich mit Zeilenende einen bezahlten (*hüstel*: Gottes Lohn) Dauerleser, der mir auf jeden Artikel ein Like geben muss, sonst komm ich rüber und geb ihm auf die Mütze… 😉

Spaß beiseite: In unserer Funktion als Eltern mögen wir die Ferien nicht ganz so hundertprozentig, da sie meist weniger Struktur und somit mehr Arbeit mit sich bringen. Gleichzeitig lernt man es so, die geregelten Wochen der Schulzeit noch mehr zu schätzen… Was für uns Eltern an den Ferien einmalig schön ist: Die Möglichkeit, sich jedem Kind mit mehr Zeit widmen zu können. Da kann dann eine Bastelarbeit in Ruhe zu Ende gebracht und gewürdigt werden, für die man in der Schulzeit oftmals nur den Gedanken (Verzeihung bitte!) „Wo sollen wir das Teil denn noch hinstellen?“ übrig hätte. Laut ausgesprochen wird der Gedanke nie, aber vor allem in den Ferien haben wir die nötige Ruhe (und den Mangel an Terminen, die uns herumschleichen), um das Ergebnis mit den Kindern gemeinsam zu genießen.

Insofern, lieber Zeilenende, kann ich der Elternzeile im aktuellen Zustand nicht zustimmen. Ein weinendes Gesicht vorne und hinten, aber viele lachende und gemütlich auf dem Sofa kuschelnde Emojis in der Mitte wären passender. Trotzdem: Vielen Dank für den Impuls! Schönen Samstag noch, vielleicht komme ich heute neben der Korrektur der Oberstufenklausur auch noch zum Schreiben eines weiteren Eintrags.

Die Osterferien beginnen dieses Jahr erst am Mittwoch (nächste Woche), da die Weihnachtsferien um ein paar Tage verlängert waren. Insofern verzögert sich der Ansturm meiner neuen Einträge etwas. Aber das ist ja eher erholsam als schlimm… 😉