The Expanse

Bereits vor ein paar Monaten bin ich im iTunes-Store über die Fernseh-Serie „The Expanse“ gestolpert. Das Titelbild war faszinierend, die Beschreibung las sich gut, ich war sofort interessiert. Doch der Preis war mir etwas zu hoch – also wartete ich ab, denn üblicherweise kommt alle paar Wochen eine Angebots-Aktion daher. Die Serie landete tatsächlich nach ein paar Wochen im Angebot, also kaufte ich sie mir, sah mir die erste Folge an – und checkte irgendwie gar nichts…

Was für ein cooles Titelbild! Da keimte sofort Interesse, denn gute Science Fiction lohnt sich immer!
Was für ein cooles Titelbild! Da keimte sofort Interesse, denn gute Science Fiction lohnt sich immer!

Woran lag’s? Die Fülle an Charakteren, die alle sofort in abwechselnden Kapiteln aktiv sind, die Menge an unterschiedlichen politischen Kräften und die Komplexität der Gesamtsituation ist schlicht dermaßen verwirrend, dass ich beschloss, erst einmal das erste Hörbuch aus der Buchreihe zu hören, auf der die TV-Serie aufgebaut ist. Also besorgte ich mir „Leviathan erwacht“ des Autorenduos James S. A. Corey, das sich aus Daniel James Abraham und Ty Corey Franck zusammensetzt, und hörte es über die folgenden Tage durch.

Matthias Lühn hat mich schon als Leser der „Krieg der Klone“-Trilogie von John Scalzi begeistert – hier ist er auch superb!
Matthias Lühn hat mich schon als Leser der „Krieg der Klone“-Trilogie von John Scalzi begeistert – hier ist er auch superb!

Auch hier ist der Anfang höchst verwirrend, doch glücklicherweise klärt sich die Verwirrung nach ein paar Stunden. Beim morgendlichen Laufen über die Ostalb gibt’s nicht viel Ablenkung, daher konnte ich mich gut darauf konzentrieren – so klappte es. Sobald man einigermaßen überblickt, wer für welche politische Richtung aktiv ist, wer nur seine eigenen Ziele verfolgt, wer welche taktischen Beziehungen zu anderen aufrecht erhält (usw.), nimmt die Geschichte unglaublich an Fahrt auf.

Das Hörbuch habe ich ab diesem Zeitpunkt förmlich verschlungen, es war unglaublich schwer, nach dem Morgen-Lauf darauf zu verzichten, während des Unterrichtens in der Schule einfach weiterzuhören…

Science Fiction-Fans kommen bei dieser Reihe/Serie voll auf ihre Kosten, denn es wird eine gänzlich neue Welt gezeigt, in der die Menschheit sich über das gesamte Sonnensystem ausgebreitet hat. Leider sind die Erde und die Kolonien völlig zerstritten und verfolgen mit gnadenloser Härte ihre eigenen Interessen. Mitten in dieses Spannungsfeld hinein platzt der Beginn des ersten Romans (und auch der Fernsehserie) – kein Wunder, dass man da erst einmal verwirrt ist, denn das komplexe Beziehungsgeflecht offenbart sich erst Stück für Stück.

Als ich mit dem ersten Hörbuch der Reihe fertig war, begab ich mich wieder an die Fernseh-Serie, von der ich dieses Mal dann auch die gesamte erste Staffel in mehr oder weniger einem Rutsch durchguckte. Mit dem im Hörbuch gesammelten Wissen war das nun sowohl verständlicher als auch eine schöne Erweiterung in opulenter optischer Form. Sofort keimte in mir die Lust auf den zweiten Teil („Calibans Krieg“). Da ich aus der Erfahrung gelernt habe, begann ich dieses Mal gleich mit dem Hörbuch, noch gut zehn Stunden Spielzeit, dann bin ich damit durch.

Der zweite Teil – spannend wie die Hölle und ebenso fesselnd wie der erste Teil!
Der zweite Teil – spannend wie die Hölle und ebenso fesselnd wie der erste Teil!

Danach warte ich wieder geduldig, bis die zweite Staffel der TV-Serie bei iTunes im Angebot (also unter zehn Euro) erhältlich ist, dann kann auch dieser Spaß weitergehen.

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Gehört: „Erhebung“ von Stephen King

Es ist absolut nichts Neues hier, denn berichtet habe ich gefühlt unzählige Male davon, aber ich bin nun einmal ein großer Fan der Bücher von Stephen King, in den letzten Jahren habe ich enorm viel von ihm gelesen und gehört, darunter sowohl die alten („Es“, „Die Augen des Drachen“, „Der Dunkle Turm“, „The Stand – Das letzte Gefecht“, „The Bachman Books“ usw.) als auch die neueren Bücher („Mr. Mercedes“, „Finderlohn“, „Mind Control“, „Sleeping Beauties“, „Der Outsider“). Meine persönlichen Highlights der letzten Monate waren die letzten drei Teile der „Dunklen Turm“-Reihe, „Sleeping Beauties“, „The Dead Zone“, „Der Outsider“ und „Insomnia“.

Obwohl der Autor mittlerweile schon die 70er-Grenze geknackt hat, kennt seine Schaffenskraft – sehr zu meiner Freude – ganz offensichtlich keine Grenzen. Regelmäßig kommen neue Bücher von ihm allein oder in Kollaboration mit anderen Autoren heraus, und sein Stil wird (meiner Meinung nach) immer besser, sodass mich gerade die frischen Bücher jedes einzelne Mal neu faszinieren. Der Erzählfluss ist so mühelos, dass man in eine Geschichte hineinschlüpft wie in eine bequeme Hose oder ein Wohlfühl-T-Shirt. Ich komme mit dem meist epischen Stil gut klar, worüber sollte ich mich also beschweren?

Buch oder Hörbuch?

Das jüngst (November 2018) veröffentlichte Buch „Erhebung“ geht bei Apple Books als eBook für den stolzen Preis von knapp zehn Euro über die (virtuelle) Ladentheke. Angesichts der für King eher ungewöhnlichen Kürze (knapp 200-300 Seiten, je nach Formatierung) habe ich mich dann eher für das billigere Hörbuch (für 6,99 €) entschieden – die Schwabengene schlagen nach etwas mehr als 13 Jahren im „Ländle“ halt doch durch.

Ganz frischer Stoff vom gereiften Meister – nicht nur für langjährige Fans ein wunderbares Lese-/Hörvergnügen!
Ganz frischer Stoff vom gereiften Meister – nicht nur für langjährige Fans ein wunderbares Lese-/Hörvergnügen!

Für die knapp sieben Euro bekam ich ein Hörbuch von grob drei Stunden Länge, gesprochen, wie so oft, von David Nathan, den sicher nicht nur ich für den wahrscheinlich besten King-Leser aller Zeiten halte, vielleicht abgesehen von King selbst, von dem ich sein Buch „On Writing. A Memoir Of The Craft“ in der englischen Hörbuch-Fassung habe. Im Vergleich zu den älteren Hörbüchern mit einer deutlichen höheren Spielzeit ist „Erhebung“ also nicht gerade ein Schnäppchen, seinen Preis aber vollends wert, um schon einmal einen Teil des Fazits vorwegzunehmen.

Überraschend anders

Mittlerweile habe ich das Hörbuch zum zweiten Mal durch, ein drittes Mal wird sicher nicht lange auf sich warten lassen – und muss sagen, dass es sich dabei gleichzeitig um ein absolut typisches wie auch überraschend untypisches King-Buch handelt. Typisch daran ist die Art, wie er Charaktere aufbaut, sie agieren und denken lässt, da fühlte ich mich sofort heimisch, da ich — wie oben bereits erwähnt — gerade die neueren Werke fast durchweg kenne. Atypisch ist die Tatsache, dass es sich weder um eine Horror- noch eine Kriminalgeschichte handelt. Es fällt mir insgesamt schwer, das Buch einem Genre zuzuordnen, ohne dass mir sofort Elemente einfallen, die es eben auch für dieses gleich wieder untypisch erscheinen lassen. Diese Ambivalenz könnte störend sein, ist es aber nicht, zumindest nicht für mich.

Handlung

Nun komme ich zur gleichzeitig einfachsten wie auch spannendsten Frage bei jedem Buch: Worum geht es?

Der Protagonist der Geschichte, Scott, ist ein richtig dicker Mann, nicht nur ein wenig feist, sondern mit anfänglich gut 110 Kilogramm schon ordentlich „über der Grenze“. Doch sein Erscheinungsbild mit der hängenden Wampe täuscht, denn bereits zu Beginn der Geschichte hat er 13 kg abgenommen – und dieser Trend setzt sich unumkehrbar fort: Jeden Tag verschwindet mindestens ein Kilo. An sich wäre das für eine Weile ja gar nicht schlecht, doch sein Äußeres ändert sich leider nicht im Geringsten. Die Waage zeigt während der gesamten Zeit des stetigen Gewichtsverlusts seltsamerweise immer das gleiche (täglich niedrigere) Gewicht an, ob er nun unbekleidet, mit Kleidern oder mit Kleidern und zusätzlichen Gegenständen auf die Waage steigt. Dieser Zustand ist ihm unerklärlich und zunehmend unheimlich, woraufhin er sich einem Freund, einem Arzt im Ruhestand, anvertraut. Doch selbst, als dieser sich mit eigenen Augen von Scotts Zustand überzeugen konnte, findet sich keine Erklärung dafür.

Ein Nebengedanke: Nun kommt der Teil, den ich für untypisch an einem King-Buch halte: Ausgehend von der bislang geschilderten Grundidee des Buchs könnte man – analog zu „Thinner – Der Fluch“, einem älteren Bachmann/King-Buch – eine spannende Horrorstory spinnen. Doch das passiert nicht. Ganz im Gegenteil, das Buch legt den Fokus auf das freundschaftliche Miteinander, das Kitten von problematischen Beziehungen, den Austausch von Freundlichkeiten und Gefallen, um einem selbst und anderen das Leben schöner zu machen. Natürlich entwickelt sich daraus eine völlig andere Dynamik, doch die ist nicht minder faszinierend – hätte ich sonst das Hörbuch zweimal innerhalb von zwei Wochen angehört? Sicher nicht.

Scott hat neben seinem eigenartigen und unaufhaltsamen Gewichtsverlust noch ein Problem: Seine beiden Nachbarinnen, ein lesbisches Ehepaar, die ein vegetarisches Restaurant in Castle Rock führen, laufen täglich ihre Runde und nehmen dabei ihre beiden großen Hunde mit. Am Ende des Laufs hinterlassen beide Hunde jeweils ein besonders appetitliches „Geschenk“ auf seinem Rasen. Mehrfach hat er sie angesprochen, immer ohne Erfolg. Als er es endlich fertig bringt, ein Beweisfoto zu schießen, um die Diskussion zu einem definitiven Ende zu bringen, fühlt es sich trotz allem nicht richtig an, denn eigentlich wünscht Scott sich keinen Streit, auch keinen „Sieg“ über die Nachbarinnen, sondern nur eine ganz normale nachbarschaftliche Beziehung zu den beiden Damen…

Von hier an spoilere ich nicht weiter, denn der Reiz liegt auf dem nun einsetzenden Wandlungsprozess aller beteiligten Akteure, der zu Beginn in dieser Form kaum vorauszuahnen war. Auf jeden Fall entwickelt sich die Geschichte in überraschend erfrischender Weise, geführt von Kings jahrzehntelang geschliffener Erzählkunst, aber ohne die zu erwartenden Horror-Elemente – eine verblüffend gelungene Kombination, die es mir sicherlich noch mehrfach wert sein wird, das Hörbuch anzuhören.

Fazit

Wie bereits mehrfach ausgeführt, handelt es sich bei „Erhebung“ um einen eher untypischen Roman von Stephen King sowohl hinsichtlich der Länge (im Vergleich zu seinen sonstigen Büchern ist es extrem kurz) als auch der eingesetzten Elemente (keinerlei Horror), der dennoch von den erzählerischen Fähigkeiten des Autors profitiert, denn der Fluss der Geschichte ist völlig makellos, es gibt schlicht keinen Moment, an dem ich das Hörbuch hätte stoppen und beiseite legen wollen.

Wer sich also drei wundervolle Stunden bereiten möchte, dem sei „Erhebung“ wärmstens empfohlen. Mir hat das Hörbuch ausnehmend gut gefallen, vielleicht hilft diese Einschätzung ja jemandem „da draußen“…

Neues Lesefutter

Seit meinem letzten Blogeintrag ist eine lange Zeit vergangen, ich kann auch nicht sagen, ob sich an diesen längeren Intervallen in der nächsten Zeit viel ändern wird. Tatsächlich bin ich zwar sehr aktiv, die Tage werden gefühlt auch nicht kürzer, aber eben nur selten hier.

Nachdem ich im Sommer und frühen Herbst einige Bücher von Stephen King und John Scalzi gelesen habe, dachte ich mir vor ein paar Wochen, dass es doch schön wäre, einmal einen stilistischen Wechsel vorzunehmen. Und dafür hatte ich tatsächlich auch schon etwas bereit liegen…

Im Januar 2018 starb die einflussreiche Science Fiction- und Fantasy-Autorin Ursula K. Le Guin. Damals war ich noch bei Twitter, also kamen viele interessante Tweets über ihren Tod – nicht zuletzt von meinen oben genannten Lieblings-Autoren. Alle priesen sie als eine einflussreiche Autorin, die viele nachfolgende Schreiber nachhaltig geprägt habe. Und ich kannte kein einziges Buch von ihr. Also kaufte ich damals den ersten Band der „Erdsee“-Saga im iBooks Store, hatte da aber noch so viele andere Bücher, dass ich damit erst einmal nur den virtuellen SuB fütterte.

Zwischen September und November jedoch las ich zwei Scalzi-Romane („Der wilde Planet“, „Androiden-Träume“) und zischte geradezu durch ein paar längere King-Schmöker („The Dead Zone – Das Attentat“, „Schlaflos (Insomnia)“). Und jetzt war ich bereit, mich einem neuen Stil zu stellen, also begann ich mit dem bereits auf Halde liegenden ersten Band der „Erdsee“-Saga:

Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.
Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.

John Scalzi unterteilt die meisten seiner Romane in recht kurze, also schnell zu lesende Abschnitte, was mir üblicherweise sehr entgegenkommt. Und genau in dieser Hinsicht unterscheidet sich der Stil von Ursula K. Le Guin deutlich, denn sie schreibt meistens ein Kapitel in einem großen Rutsch durch. Nur selten wird in der Mitte eines Kapitels ein zusätzlicher Absatz eingefügt, ansonsten geht der Text ohne visuelle Unterbrechungen über 20-50 Seiten (gemeint ist am iPad Pro mit 12,9 Zoll) durch. Das war eine gewisse Umstellung, aber nicht weiter tragisch, binnen zweier oder dreier Kapitel war ich darauf eingestellt.

Und dann packte mich der Stil, der zuerst etwas nüchtern daher kam, mir dann aber immer besser gefiel. Durch den ungewohnten Schreibstil kroch ich gefühlt wie eine Schnecke über die ersten Seiten, je länger ich dran war, desto schneller „flog“ ich durch das Buch, denn die Geschichte hatte mich gepackt. Der erste Band war dann auch binnen weniger Tage durchgelesen. Darin wird ein Teil der Lebensgeschichte von Ged, einem der mächtigsten Magier seiner Zeit beschrieben, beginnend mit seiner Kindheit bis hin zum Lösen einer existenziellen Krise. Das war sehr gut, also musste sofort der zweite Band her, der wiederum in weniger als einer Woche gelesen war:

Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!
Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!

Im Nachwort äußerte sich Ursula K. Le Guin darüber, dass es ihres Wissens einer der ersten Fantasy-Romane (wenn nicht gar der erste) sei, in dem sich die Geschichte um das Schicksal einer weiblichen Hauptfigur dreht. Denn, und da kann ich ihr meiner bisherigen Lese-Erfahrung nach nur zustimmen, der gesamte Science Fiction- und Fantasy-Bereich sei voll von Patriarchen und anderen Männergestalten, Frauen finden darin nur als Randfiguren Platz. Wohlbemerkt: Das Buch hat sie in den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren geschrieben – und bis dahin galt das sicher auch noch (Ausnahmen würden vermutlich eher die Regel bestätigen).

Der zweite Band war im gleichen Stil wie der erste geschrieben, also brauchte ich nicht lange, um hineinzufinden und mich danach gleich an den dritten Band zu machen, in dem ich aktuell noch stecke. Die ersten zwei oder drei Kapitel sind exakt wie erwartet und dementsprechend gut. Bei dem Tempo habe ich bis Jahresende alle sechs Bände der Serie durch…

Gelesen: „Der wilde Planet“ von John Scalzi

Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!
Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!

In der Vergangenheit habe ich meine Begeisterung für die Romane von John Scalzi keineswegs verheimlicht (siehe hier, hier und hier). Mir gefallen an allen bisher genossenen Werken der locker-flapsige Ton, die oft skurrilen Wendungen, der wilde, teils absurde Humor und die halsbrecherische Action, die eigentlich immer wieder ausbricht.

Nachdem ich die gesamte „Dunkler Turm“-Reihe von Stephen King durchgelesen (und mittlerweile durchgehört) habe, wollte ich eine stilistische Abwechslung, denn wo Stephen King tendenziell in die epische Breite geht, bleiben die Romane von John Scalzi immer deutlich kürzer und kompakter, ohne dabei von minderwertiger Qualität zu sein. Es ist einfach ein knapperer Stil, der mir – gerade als Abwechslung nach vier King-Werken am Stück – gut taugt.

Zum Inhalt

Der Klappentext laut Amazon.de liest sich recht nüchtern und kann leider nicht im Geringsten das Vergnügen heraufbeschwören, das ich beim Lesen empfand:

Die Menschen haben die Galaxis besiedelt und beuten die Rohstoffe der Planeten nach Kräften aus. Für den Prospektor Jack Holloway ein einträgliches Geschäft, wird er doch an den Gewinnen beteiligt. Als auf Zara XXIII, einem paradiesischen Planeten, ein fossiles, in der Galaxis äußerst seltenes Material entdeckt wird, winkt plötzlich das große Geld. Aber keiner hat mit den geheimnisvollen Bewohnern dieser Welt gerechnet – und auch der Planet selbst hält noch einige Überraschungen parat …

Wie bei vielen anderen Scalzi-Romanen wird aus dem anfänglichen Antihelden Jack Holloway nach und nach in einigen überraschenden Wendungen ein absoluter Mega-Held, der mit geschickten und vorher nicht erahnbaren Kniffen für etliche Überraschungen sorgt.

Remake eines Klassikers

Was ich vorher nicht wusste: John Scalzi stellt mit diesem Roman eine Neufassung bzw. Umarbeitung eines bereits bestehenden Werks eines anderen Autors vor. Unter dem Titel „Der kleine Fuzzy“ wurde der Roman von H. Beam Piper bereits 1962 für den in Science Fiction-Kreisen äußerst begehrten Hugo Award vorgeschlagen – und das völlig zu Recht, wenn die Geschichte auch nur annähernd so gut wie die Neufassung ist.

Hörbuch hinterher

Wie immer habe ich mir gleich nach dem Beenden des eigentlichen Lesens das Hörbuch besorgt. Dieses gab es leider nur auf Englisch („Fuzzy Nation“, ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es sich dabei um ein Wortspiel über „Fascination“ handelt…), dafür mit dem Bonus, von Wil Wheaton vorgelesen zu werden, den ich als Sprecher sehr schätze. Da er außerdem ein guter Freund von John Scalzi ist, kann man wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Version sehr nah an die Vorstellung des Autors herankommt.

Fazit

Ich habe jede einzelne Minute des Lesens genossen, die letzten 100 Seiten musste ich am Stück durchpflügen, weil ich das Buch einfach nicht weglegen konnte. Wer auf unterhaltsame, intelligente, witzige und extrem spannende Science Fiction steht, wird hier von der ersten Seite an auf seine Kosten kommen.

Gelesen: „Der Turm“ und „Wind“ von Stephen King

Der „Nachzügler“-Roman zum „Dunklen Turm“-Zyklus – zuerst hegte ich Zweifel, dann gab ich mich dem Genuss hin...
Der „Nachzügler“-Roman zum „Dunklen Turm“-Zyklus – zuerst hegte ich Zweifel, dann gab ich mich dem Genuss hin…

Nun ist es vollbracht: Vor ein paar Minuten habe ich mit „Wind“ den nach Abschluss der gesamten Romanreihe noch hinzugefügten Teil – und somit den gesamten Zyklus – gelesen. Was sich im ersten Band aufgrund der kargen Sprache (und der Tatsache, dass die erste Hälfte des Bandes in umgekehrter chronologischer Reihenfolge erzählt wird) noch komisch anfühlte, wuchs bereits im zweiten Band zu einem höchst spannenden Trip in eine phantastische Welt, die an etlichen Punkten immer wieder eng mit der unseren verbunden ist. Spätestens ab dem fünften Band war es ein dermaßen furioser Ritt, dass ich die letzten vier Bücher binnen kurzer Zeit verschlungen habe.

Vor ein paar Tagen habe ich mit „Der Turm“ das eigentliche Ende des siebenbändigen Zyklus abgeschlossen, musste aber sofort und ohne jede Verzögerung in den Nachzügler-Band eintauchen, der zwischen die Bände vier („Glas“) und fünf („Wolfsmond“) gehört.

Zuerst hatte ich ein etwas eigenartiges Gefühl, denn nach Abschluss der gesamten Reihe noch einmal in die Mitte zurückzuspringen – kann das klappen? Nun ja, ich zweifelte nicht lange, denn „Wind“ ist einfach gut geschrieben, binnen Minuten steckt man wieder in der alten Handlung drin – danach schweift der Roman ohnehin ab und taucht in eine gänzlich neue Welt ein: Roland erzählt von einem Abenteuer in seiner Jugend, in das wiederum eine Erzählung eingebunden ist, die er von seiner Mutter vorgelesen bekommen hatte. Also eine Geschichte in einer Geschichte (und das in einer Geschichte) – klingt nach viel Meta-Ebene, ist aber als Lese-Erlebnis sehr unterhaltsam und ergänzt tatsächlich den Zyklus um die eine oder andere faszinierende Facette.

Mehr zum Inhalt schreibe ich nicht, denn ich möchte nichts spoilern. Insgesamt aber kann ich nun feststellen, dass es sich bei diesem Romanzyklus um ein fantastisches Epos handelt, das, wie Stephen King selbst im Vorwort schreibt, eine Mischung aus diversen Italo-Western von Sergio Leone und Tolkiens „Herr der Ringe“ darstellt. Und doch wächst die Geschichte weit über beide Vorlagen hinaus, gerade durch die Verknüpfung vieler Welten, deren Schicksal vom Wohl und Wehe des Dunklen Turms abhängt.

Das zentrale Zitat von Jake Chambers.
Das zentrale Zitat von Jake Chambers.

Alle mir bekannten King-Romane zeichnen sich durch Querverbindungen aus, die für Kenner der Materie in zunehmendem Maße zu Tage treten. Wer sich für diese Fülle von kleineren oder größeren Hinweise oder Bezüge interessiert, dem sei das King-Wiki (hier) wärmstens empfohlen. Allerdings ist das Lesen der Artikel stets mit dem Risiko verbunden, den Inhalt bereits verraten zu bekommen, weshalb ich mir die Hinweise immer erst nach dem Abschluss eines Romans zu Gemüte führe. Etliche habe ich selbst auch entdeckt, aber den einen oder anderen Querverweis hätte ich sonst nie erkannt.

Als schlauer Fuchs hat Stephen King selbst kurz vor Abschluss des siebten Bands auf einen anderen Roman verwiesen, in dem es – seiner eigenen Angabe nach – wohl nur so von Bezügen zum „Dunklen Turm“ wimmeln soll: „Schlaflos“.

Angeblich beziehen sich weite Teile des Romans auf den „Dunklen Turm“-Zyklus – also muss ich ihn wohl lesen...
Angeblich beziehen sich weite Teile des Romans auf den „Dunklen Turm“-Zyklus – also muss ich ihn wohl lesen…

Und somit ist natürlich auch klar, welches King-Buch als nächstes gelesen wird. Davor schiebe ich aber – variatio delectat – erst einmal (mindestens) ein Buch eines anderen Autors ein, vielleicht einen der frühen John Scalzi-Romane. „Der wilde Planet“ und „Androiden-Träume“ liegen noch ungelesen im iPad – einer der beiden wird‘s dann wohl werden.

Gelesen: „Wolfsmond“ und „Susannah“ von Stephen King

In den letzten Wochen habe ich etliche hundert Seiten der Dunkler Turm-Reihe verschlungen, angefangen mit „Wolfsmond“, dem fünften Teil, der dann nahtlos in „Susannah“ fortgesetzt wurde.

Wolfsmond

Das Titelbild passt ausnehmend gut, denn in diesem Roman wird viel geschossen – er ist extrem spannend, kurzweilig und doch eine perfekte Fortsetzung der Saga.
Das Titelbild passt ausnehmend gut, denn in diesem Roman wird viel geschossen – er ist extrem spannend, kurzweilig und doch eine perfekte Fortsetzung der Saga.

Der fünfte Teil der insgesamt achtteiligen Reihe ist eine ganz klare Hommage an den Western-Klassiker „Die glorreichen Sieben“ von 1960 bzw. dessen japanisches Vorbild „Die sieben Samurai“ von 1954. Da aber die Charaktere und die gesamte sie umgebende Welt schon über vier teils wirklich lange Romane vorbereitet wurden, erreicht die Geschichte trotz aller Action eine spürbare Tiefe, die – zumindest ging es mir so – den Leser vollständig einsaugt und nicht mehr hergibt.

Ohne die viele Vorarbeit der Vorgängerromane wäre der Spannungsfaktor sicher geringer ausgefallen, dennoch ist der Band meiner Einschätzung nach der bislang spannendste und kurzweiligste der gesamten Reihe. Kaum hatte ich ihn durchgelesen, musste ich noch einmal das Hörbuch bei meinen morgendlichen Läufen genießen – während ich mich durch das Buch arbeitete, hatte ich in den vergangenen Wochen die vier ersten Teile schon durchgehört, was die unzähligen kleinen Verknüpfungen innerhalb der Buchreihe wie auch zu etlichen anderen Romanen von Stephen King in meiner Wahrnehmung intensivierte.

Susannah

Die nahtlose Fortsetzung des Vorgängers, auch spannend, aber etwas humorvoller...
Die nahtlose Fortsetzung des Vorgängers, auch spannend, aber etwas humorvoller…

Während ich also das Hörbuch des fünften Teils genoss, las ich schon im sechsten Teil weiter. Heute früh habe ich ihn abgeschlossen und mich voller Interesse in den siebten Teil („Der Turm“) gestürzt. Der achte Teil kam einige Jahre später hinzu und füllt wohl nur noch ein paar Handlungslücken auf, sodass die eigentliche Serie schon nach dem siebten Teil beendet sein wird. Die Spannung steigt also.

Zurück zum sechsten Teil: Was mir an diesem Roman besonders imponiert hat, war die Tatsache, dass Stephen King sich hier ziemlich selbstironisch mit hineingeschrieben hat: Die Hauptfiguren Roland und Eddie besuchen ihn zu Hause und verpflichten ihn dazu, endlich seine Romanreihe weiterzuschreiben und zum Abschluss zu bringen… Einerseits liest man diese Passage mit einer gehörigen Portion Ungläubigkeit – Wie kann ein Autor so dreist sein, seine Hauptcharaktere bei sich zu Hause vorbeikommen zu lassen? –, andererseits spürt man das Augenzwinkern des Schreibers quasi permanent zwischen den Zeilen durchblitzen.

Heute früh habe ich mit dem Hörbuch des sechsten Teils angefangen, parallel lese ich – wie schon geschrieben – den siebten Teil. Danach wird mit Sicherheit gleich der achte folgen, denn diese Buchreihe, die in so karger, beinahe „vertrockneter“ Stimmung beginnt (im ersten Band „Schwarz“), baut sich derart wortgewaltig auf, dass vor allem die Hörbücher noch häufig durch meine AirPods laufen werden.

Bin ich damit durch, muss erst einmal wieder eine kurze Pause für Stephen King-Romane her, dann gibt‘s ein oder zwei der noch nicht genossenen John Scalzi-Bücher. Hach! Das Lesefutter geht einem ja zum Glück nie aus…

Song des Tages (387) – 2018-05-23

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Die künstlich ausgedehnte und am Ende einfach zu brutale Peter Jackson-Fassung des Hobbit, die mir im ersten Teil noch gut gefallen hatte, im zweiten etwas überzogen vorkam, um im dritten Teil dann völlig aus dem geschmacklichen Ruder zu laufen, hat zumindest ein Gutes mit sich gebracht: den heutigen Song des Tages. Da mir vor allem der letzte Teil eigentlich gar nicht mehr wirklich gefallen hatte, war auch die Filmmusik weitgehend an mir vorbeigegangen. Vor ein paar Monaten war jedoch unser Großer auf dem Trip und wollte unbedingt alle drei Teile sehen. Also durfte er, was uns aber natürlich mit einschloss. Und da entdeckte ich dieses musikalische Juwel.

Der heutige Song des Tages wird von Billy Boyd, dem Schauspieler des „Pippin“ in der Herr der Ringe-Trilogie (sowie natürlich der Hobbit-Trilogie) gesungen: „The Last Goodbye“

Der Song ist voller schottischer Melancholie, ich kann mir gut vorstellen, wie dieser Song in den Highlands gesungen wird (auch wenn er im Freien sicher nicht diese klangliche Brillanz aufweist).

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.