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Album der Woche – Episode 16 – 2018-01-07

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Passengers (Original Soundtrack Recording)

Einer der besten Science Fiction-Filme der letzten Jahre – und die Musik ist absolut zum „Abheben“ geeignet.

Einer der besten Science Fiction-Filme der letzten Jahre – und die Musik ist absolut zum „Abheben“ geeignet.

Im Dezember sah ich zum ersten Mal den Science Fiction-Film „Passengers“ mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence. Abgesehen davon, dass dieser Film aus meiner Sicht schlichtweg einer der besten Science Fiction-Filme der letzten Jahre ist, die Musik hatte mich vom ersten Moment an eingefangen, denn dem Komponisten (Thomas Newman) war es gelungen, die Einsamkeit der beiden Charaktere in der Weite des Alls einfühlsam in Musik zu fassen. Glücklicherweise ist der Soundtrack bei Apple Music im Programm, sodass ich ihn mir gleich nach Genuss des Films auf mein iPhone lud. Jeder, der den Film gesehen hat, wird beim Anhören des Soundtracks immer wieder in die eine oder andere Filmszene zurückversetzt werden – ich habe mir das gesamte Album mehrfach durchgehört, die Stücke, die sich in meinem Kopf festgesetzt hatten, landeten in meiner Favoriten-Liste für Soundtracks. Auf diese Weise kann ich mit der Zufallswiedergabe einer Playlist die besten musikalischen Momente aus etlichen Filmen durchleben.

Die Songs:

Wie es bei vielen Soundtracks üblich (und notwendig) ist, besteht das Album aus einer Vielzahl kürzerer Stücke, die dann je nach Situation im Film zur Anwendung kommen. Thomas Newman hat insgesamt 26 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von ca. 69 Minuten komponiert, die in brillanter Audio-Qualität durch meine AirPods wuseln. Das kürzeste Stück dauert dabei gerade einmal 57 Sekunden, die längste Nummer endet nach fünf Minuten und einundvierzig Sekunden.

Manche Stücke einer Filmmusik sind nur für die jeweilige Szene wirklich geeignet, andere dagegen stehen auch für sich selbst und brillieren in ihrer unaufdringlichen Art. Meine Favoriten aus diesem ohnehin schon exzellenten Album sind:

  • Crystalline
  • Precious Metals
  • Aurora
  • The Sleeping Girl
  • Build A House And Live In It
  • Spacewalk
  • Starlit
  • Sugercoat The Galaxy (End Title)

Mehr dazu bei den Links ganz unten…

Fazit

Nicht nur Kenner und Fans des Films werden diesem Soundtrack einiges abgewinnen können. Vor allem aber zum Lesen von Science Fiction-Literatur (ich habe gerade heute „Lock In“ („Das Syndrom“) von John Scalzi beendet, parallel dazu lese ich noch „Solaris“ von Stanislaw Lem) ist das Album ein geradezu perfekter Soundtrack.

Links

Ein paar meiner Lieblingsstücke habe ich bei YouTube gefunden, also kann ich hier auf diese musikalischen Edelsteine verlinken – wer weiß, vielleicht finden sich ja weitere Begeisterte:

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Nike Running Club, ade! – Trainings-App, hallo!

Im gesamten letzten Jahr habe ich alle 365 Läufe mit der Nike Running Club-App getrackt. Im Gegensatz zu meiner Frau, bei der die App bei fast jedem Lauf einen Nervenzusammenbruch hatte, lief das eigentlich ziemlich gut, sehe ich von ein paar wenigen (es waren wirklich nur ganz vereinzelte Male) GPS-Irrungen ab, die allerdings nicht beim Lauf auftraten sondern bei der anschließenden visuellen Darstellung der gelaufenen Strecke. Ein Beispiel:

Der rote Strich sollte eigentlich eine ziemlich wilde Linie in dieser gelblich-grünlichen Farbe sein, doch bei der Darstellung sind diese Daten wohl nicht mehr korrekt verarbeitet worden.

Der rote Strich sollte eigentlich eine ziemlich wilde Linie in dieser gelblich-grünlichen Farbe sein, doch bei der Darstellung sind diese Daten wohl nicht mehr korrekt verarbeitet worden.

Bei diesem Lauf am 27. Dezember bin ich zuerst einige Runden durch den Ort Adelschlag (dort wohnen meine Schwiegereltern) gelaufen, während der mir meine Apple Watch auch brav alle 500 Meter ein akustisches und haptisches Signal gab. Somit ist für mich klar, dass die GPS-Erfassung während des Laufs einwandfrei klappte, nur bei der Verarbeitung der über fast 24 Kilometer angesammelten Daten ging dann etwas schief, was in der roten Linie resultierte. Auch ohne Konsum von Alkohol ist eine so gerade Linie ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie schon geschrieben: Das sind Kleinigkeiten, die mir – zumindest meiner Wahrnehmung nach – keine Strecken verkürzt oder komplett gelöscht haben. Bei meiner Frau war das anders, sie hatte von Anfang an das Problem, dass die App beim Beenden des Laufs abstürzte. Wenn sie die App dann erneut öffnete, fehlten ganz oft die letzten 300, 500 oder auch mal 1.000 Meter. Das ärgert – um so mehr, wenn man mit einem festen Strecken-Ziel (z.B. 8 km) losgerannt war, das dann in der digitalen Darstellung nicht erreicht war (z.B. 7,6 km), obwohl vor Beendigung des Laufs der gewünschte Wert schon angezeigt (möglicherweise sogar schon übertroffen) worden war. Ärgerlich, sehr ärgerlich.

Mit dem neuen Jahr wechselten wir beide daher auf die in die Apple Watch integrierte Trainings-App. Ich hatte in den vergangenen Monaten meine Fahrten mit dem E-Bike (ich weiß, es ist ein Pedelec), das Schwimmen, das gelegentliche Yoga und mein Seilspringen getrackt, nun war es also nur noch ein kleiner Schritt, auch die Läufe mit dieser App zu verfolgen.

Was ich nicht erwartet hatte: Es ist viel besser als mit der NRC-App. Die GPS-Daten können ja nicht so extrem voneinander abweichen, schließlich werden sie vom gleichen Gerät (der Apple Watch) erfasst, doch die Auswertung ist um einiges feiner. Das kann ich natürlich wortreich beschreiben, eine kurze bildliche Gegenüberstellung ist aber viel einfacher und eindrucksvoller:

Der Wanderparkplatz bei Röthardt: Hier komme ich bei den meisten Läufen auf dem Hin- und Rückweg vorbei. Bei Nike sehen die beiden Wege in der GPS-Darstellung so aus.

Der Wanderparkplatz bei Röthardt: Hier komme ich bei den meisten Läufen auf dem Hin- und Rückweg vorbei. Bei Nike sehen die beiden Wege in der GPS-Darstellung so aus.

Die gleiche Passage bin ich heute früh gelaufen, meine Trainings-App der Apple Watch hat mir dann doch ein differenzierteres Bild ausgespuckt...

Die gleiche Passage bin ich heute früh gelaufen, meine Trainings-App der Apple Watch hat mir dann doch ein differenzierteres Bild ausgespuckt…

Die ersten und letzten paar hundert Meter meiner Läufe in Aalen gehen (fast) immer in kleinen Runden durch unser Wohngebiet. Natürlich überdecken sich dabei manche Linien im GPS. So bei Nike...

Die ersten und letzten paar hundert Meter meiner Läufe in Aalen gehen (fast) immer in kleinen Runden durch unser Wohngebiet. Natürlich überdecken sich dabei manche Linien im GPS. So bei Nike…

Und so in der Trainings-App meiner Apple Watch (die verschiedenen Farbtöne stellen das Tempo dar). Schon ein deutlicher Unterschied, oder?

Und so in der Trainings-App meiner Apple Watch (die verschiedenen Farbtöne stellen das Tempo dar). Schon ein deutlicher Unterschied, oder?

Ganz abgesehen von diesen Feinheiten in der GPS-Darstellung, die allein sicher noch kein Grund wären, ein System zugunsten eines anderen aufzugeben, ist die Darstellung in der Trainings-App am Ende einfach kompakter – und wesentlich besser könnte sie auch kaum gemacht sein: Fachkenntnis und Geschmack treffen sich hier in bestmöglicher Weise.

Alle Informationen an einem Ort versammelt – viel besser geht es nicht.

Alle Informationen an einem Ort versammelt – viel besser geht es nicht.

In der NRC-App ist die ganz banale Zeitangabe („Von wann bis wann bin ich gerannt?“) vor einiger Zeit rausgeflogen. Manchmal ist es aber zu einem späteren Zeitpunkt ganz interessant, zu sehen, ob man früh oder spät gerannt ist, wie die Uhrzeit mit dem Tempo korreliert etc. – das geht in der NRC-App gar nicht mehr, was sehr bedauerlich ist. Bei der Trainings-App werden die Daten ganz automatisch mitgeliefert.

Fazit: Der Umstieg hat sich schon nach fünf Tagen absolut rentiert, die Zeit mit der NRC-App war schön, aber ein Zurück kommt für mich nun nicht mehr in Frage. Dazu ist die Trainings-App auf der Apple Watch einfach zu gut.

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Album der Woche – Episode 15 – 2017-12-31

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

The Blues Brothers (Original Soundtrack Recording)

Eines der ganz großen Alben des 20. Jahrhunderts, das man auf gar keinen Fall „zu häufig“ anhören kann.

Eines der ganz großen Alben des 20. Jahrhunderts, das man auf gar keinen Fall „zu häufig“ anhören kann.

Als Jugendlichem ging es mir so, doch bis heute sollen Leute herumlaufen, die nicht wissen, dass die Band The Blues Brothers nicht nur im gleichnamigen Film von John Landis existierte. Vielmehr veröffentlichte die Band eine ganze Reihe grooviger Alben, von denen ich insgesamt mindestens drei sehr gut kenne.

Vielleicht habe ich den Soundtrack einfach zu oft gehört, um nicht sofort an ihn denken zu müssen, wenn die Sprache auf diese Band kommt. Doch das Album ist unglaublich stark. Es hat sich den Platz in dieser illustren Runde mehr als nur verdient, es war von Anfang an dafür prädestiniert

Die Songs:

Elf Songs, 40 Minuten Spielzeit, Gast-Stars ohne Ende, von der ersten bis zur letzten Sekunde Groove – alles handgemacht, wer da nicht mit den Füßen mitwippt oder die Hüften kreisen lässt, der hat das Leben nicht begriffen.

Es gibt faktisch nur Highlights auf dieser Platte, ein Hit jagt den nächsten, doch ich habe natürlich auch ein paar Favoriten, die ich besonders gern höre:

  • „She Caught The Katy“: Eine der goldenen Regeln in der Musik heißt ja, dass der Opener eines Albums stark sein muss. Dieser ist es. Im Film gleich noch mehr, denn erst wird Jake Blues völlig ohne Musik aus dem Gefängnis entlassen, dann holt ihn sein Bruder in einer „Bullenschaukel“, einem ausgemusterten Polizeiwagen, ab. Erst als sich die beiden vor den Gefängnismauern gegenüberstehen, setzt die Musik ein – mit diesem Stück. Und es verfehlt seine Wirkung nicht, zumindest nicht die Wirkung auf mich. Als ich vor gut einem Jahr bei der Blues-Band „Blues and the Gang“ für zwei Gigs aushelfen durfte, stand „She Caught The Katy“ mit auf dem Programm – das war wie eine Erleuchtung für mich, das Stück mal „von der anderen Seite aus“ kennenlernen zu dürfen. Seither mag ich es noch mehr.
  • „Peter Gunn Theme“: Unter dem Adjektiv „cool“ findet man ja viel Musik, doch dieses Stück definiert meiner bescheidenen Ansicht nach den Informationsgehalt von Coolness in musikalischer Form. Der Einstieg über Schlagzeug, Bass und Gitarre, bevor dann die Bläser mit ihrem rotzigen Riff einfallen, das ist ein derart gelungenes Stück Musik, dass ich es bereits vor einigen Jahren für meine Schul-Big Band arrangiert habe. Die Rhythmusgruppe langweilt sich zwar immer ein wenig, weil sie wirklich das gesamte Stück (mit Ausnahme der letzten zwei oder drei Takte) das gleich Pattern zu spielen haben, doch auch das kann man ja mit einer gewissen Nonchalance vortragen und sich dabei entspannen.
  • „Everybody Needs Somebody To Love“: Von allen Highlights ist dieses das mitreißendste. Ganz unzweifelhaft stellt diese Szene den Höhepunkt des Films dar: Die Blues Brothers kommen viel zu spät zum eigenen Konzert und werden entsprechend kühl empfangen. Doch mit diesem Song schaffen sie es, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, sogar die Polizeistreitkräfte, die sie eigentlich verhaften sollen, werden von der Kraft der Musik angesteckt und vergessen ganz, was sie eigentlich tun sollten. Ein Märchen, klar, aber ein schönes!
  • „Think“: Aretha Franklin in absoluter Höchstform! Der Song ist allein schon superb, im Film aber, gewürzt mit der süffisanten Choreographie, in den Kontext der Szene gestellt, verfehlt sie nie die Wirkung auf die Zuschauer. Meine Nackenhaare stellen sich ehrfürchtig auf, wenn ich nur an den Song denke.

Fazit

Könnte man die Zeit einfach so zurückdrehen und ohne das Auslösen diverser Zeitreise-Paradoxa ein paar Jahre in die Vergangenheit reisen, dann würde ich mir auf jeden Fall einen der legendären Live-Auftritte dieser Band reinziehen. Das muss schlicht umwerfend gewesen sein. Leider ist John Belushi ja nun schon seit etlichen Jahren tot, sodass es nicht mehr möglich ist, diesen Haufen, der „stark genug war, um Ziegenpisse in Benzin zu verwandeln“ live zu hören. Schade, sehr schade. Zum Trost kann man sich das Album aber gut und gerne ein paar hundert Mal anhören.

Links

Nachdem sich hin und wieder Leser meines Blogs über den Mangel an Links zu den Stücken beschwert haben, kommt hier – erstmalig – eine Sektion für die Musikhungrigen ohne Streaming-Abo:

So, mehr schreibe ich in diesem Jahr nicht mehr in diesen Blog hinein, lasst es euch allen gut gehen, seid nett zueinander, wir sehen/lesen/hören uns im neuen Jahr wieder!

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Ein Platz, 12 Monate – 11 – Dezember 2017

In diesem von Zeilenende initiierten Projekt wird ein Ort ein Jahr lang fotografisch begleitet, jeweils am letzten Sonntag im Monat wird der dann aktuelle Zustand hier präsentiert.

Jahreszeitlich bedingt sind draußen kaum mehr grüne Pflanzen zu sehen, Grau und Braun sind die dominierenden Farbtöne, dennoch bin ich in dieser Hinsicht vom Wechselspiel eher ungestresst – mit steigendem Alter nimmt man vieles einfach hin, was in den „Sturm und Drang“-Tagen gerne noch hochdramatisiert wurde. Was mir jedoch gefällt: Der Garten hat sich in den letzten anderthalb Jahren gut „gesetzt“, alles wirkt mehr so, als ob es genau so hätte sein sollen. Wenn noch drei oder vier Jahre ins Land gezogen sind, wird sich dieser Eindruck sicher noch deutlich verstärken. Vielleicht denke ich ja daran, dann gibt’s einen Nachtrag…

Ich bleibe auch am letzten Tag des Jahres 2017 den drei etablierten Perspektiven treu: (1) Von der Terrasse aus, (2) vom Rand des neu angelegten Abschnitts aus um die Hausecke, (3) vom Woodport aus auf die drei Etagen.

Von der Terrasse aus...

Von der Terrasse aus…

Vom Rand um die Hausecke...

Vom Rand um die Hausecke…

...und vom Woodport aus.

…und vom Woodport aus.

Die weiteren Teilnehmer und ihre spannenden Beiträge sind (oder werden noch) bei Zeilenende verlinkt.

Mir ist heute beim Anpassen der Titelzeile noch etwas aufgefallen: Summa summarum handelt es sich hierbei schon um den vorletzten Beitrag in dieser Kategorie. Für das kommende Jahr muss ich mir noch ein spannendes neues Projekt überlegen, die mich auf der fotografischen und eventuell auch bildbearbeitenden Ebene herausfordert. Auch das Zeitintervall ist nicht ganz unwichtig, denn der monatliche Abstand ist schon sehr lang, wobei die „52 Wochen“ vorher durchaus recht arbeitsintensiv waren. Vermutlich wird es der Mittelweg, aber noch ist nichts in trockenen Tüchern, ich habe ja noch einen guten Monat, um mir die Sache zu überlegen (und Vorschläge sind mir stets willkommen).

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Kalt, aber schnell!

Mein Ziel (6.000 km/Jahr) ist mittlerweile in greifbarer Nähe, bislang nähere ich mich meinem Ziel mit sprichwörtlich großen Schritten. Gerade heute früh machte ich mich zeitig auf, da mein Schwiegervater heute seinen Geburtstag feiert und ich so viel wie möglich dabei sein möchte.

Kaum hatte ich das Haus verlassen, bemerkte ich drei Dinge: (1) Kälte, (2) Nebel und (3) Glätte. Keine besonders lauffreundliche Kombination, die mir im Verlauf der folgenden Kilometer so den einen oder anderen Schreckmoment einbrachte. Dennoch war die Kälte angebracht, um mir ein gutes Tempo aufzuzwingen, sodass es am Ende zu folgendem Lauf kam:

Kalt ja, zügig dafür auch!

Kalt ja, zügig dafür auch!

So schnell war ich in den letzten Wochen nie, aber das viele Zuckerzeug der vergangenen Tage hat mir wohl einige Reserven eingebracht, die ich nun terminlich passend abrufen konnte.

Die 5 Kilometer in unter 23 Minuten, auf dem Laufband benötige ich meist über 30 Minuten.

Die 5 Kilometer in unter 23 Minuten, auf dem Laufband benötige ich meist über 30 Minuten.

Üblicherweise brauche ich für die 10 Kilometer gut eine Stunde, heute nicht...

Üblicherweise brauche ich für die 10 Kilometer gut eine Stunde, heute nicht…

Damit hätte ich vor dem Lauf nicht gerechnet, denn mein letzter Rekord lag etwa 15 Minuten darüber.

Damit hätte ich vor dem Lauf nicht gerechnet, denn mein letzter Rekord lag etwa 15 Minuten darüber.

Ich war selbst ganz sprachlos, dass ich das anfängliche Tempo nicht nur halten konnte, vielmehr gelang es mir sogar, Stück für Stück den Tempo-Schnitt von anfänglich exakt 5:00/km auf 4:49/km zu drücken. Bei einer langen Steigung nach etwa 20 Kilometern führte das zu ziemlichem Geschnaufe, es fühlte sich aber immer noch gut an — erstaunlich!

Zum aktuellen Stand des 6.000 km-Projekts habe ich auch noch Neuigkeiten: Mit dem heutigen Lauf habe ich die 5.900 Kilometer übertroffen, in den nächsten fünf Tagen muss ich jeweils nur noch 20 km schaffen, dann bin ich durch:

Seit etwa anderthalb Wochen habe ich mir mit ein paar Formeln einen automatischen Countdown eingebaut. Das Ziel ist in greifbarer Nähe.

Seit etwa anderthalb Wochen habe ich mir mit ein paar Formeln einen automatischen Countdown eingebaut. Das Ziel ist in greifbarer Nähe.

Gelaufen bin ich heute nur mit der Apple Watch, an die ich für den Musikgenuss meine AirPods gekoppelt hatte. Das iPhone blieb daheim — und so rannte ich mit den Songs des Tages im Ohr durch die neblige Rutschlandschaft.

Also: In fünf Tagen gibt’s wieder Neuigkeiten…

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Album der Woche – Episode 14 – 2017-12-24

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Bob Dylan: „Christmas In The Heart“

Außen schnulzige Biederkeit, innen, na ja... „Überraschung!“

Außen schnulzige Biederkeit, innen, na ja… „Überraschung!“

Bob Dylan ist seit langen Jahren als „musikalisches Chamäleon“ bekannt, da er immer dann, wenn die Kritiker meinen, ihn endlich auf eine Stilrichtung festnageln zu können, diese schleunigst hinter sich lässt, um sich einer anderen zuzuwenden. Das Spielchen treibt er schon so lange, dass es kaum mehr möglich ist, alle seine bislang gestreiften musikalischen Stile in einer übersichtlichen Form darzustellen – also lasse ich das gleich.

Vor ein paar Jahren entdeckte ich durch Zufall ein Album mit Weihnachtsstücken vom Altmeister des Stilwandels. Ich lauschte in die Tracks hinein, wurde zunehmend angetaner, am Ende kaufte ich es und lud es auf meinen iPod Classic. Und einige der Stücke habe ich bis heute wirklich oft angehört. Mit gutem Grund, wie ich unten erläutern werde.

Die Songs:

Auf dem 2009 erschienenen Weihnachts-Album sind 15 Titel mit überwiegend überschaubarer Spielzeit anzutreffen, insgesamt dauern die Stücke gerade einmal 42 Minuten. Wie es für ein Weihnachts-Album üblich ist, kennt man die Stücke eigentlich alle schon – manche mehr als man möchte… Doch es wäre kein Bob Dylan-Album, wenn er nicht eine ganze Reihe abstruser Kunstgriffe angewandt hätte, um sie zu verfremden oder so umzukrempeln, dass sie eine neue „Brechung“ durch die „Dylan-Linse“ erhalten.

Am besten ist auf dem ganzen Album meiner Meinung nach eigentlich die fürchterlich kratzige Stimme, die – auf den ersten Lauscher – so gar nicht zu den zuckersüßen amerikanischen Weihnachts-Klassikern zu passen scheint. Gewöhnt man sich aber einmal daran, gibt gerade diese raue, ungeschliffene Facette den Songs genau das, was ihnen sonst fehlt (ich spreche von Studio-Produktionen, als Musiklehrer kann ich ein paar hundert Verse über miserable Darbietungen von bekannten Weihnachtsliedern bieten…).

An den folgenden Songs gefällt mir immer genau das gleiche: Im Hintergrund bietet die Begleitung musikalischen Zuckerguss vom Feinsten, um dann durch die Reibeisen-Kratzstimme von Bob Dylan erfolgreich „interessant gemacht zu werden“. Diese Imperfektion der wichtigsten Gesangsstimme stiehlt den Stücken ihre Kitschigkeit, und genau deswegen gefallen sie mir. Meine vier Anspieltipps:

  • „Here Comes Santa Claus“
  • „Winter Wonderland“
  • „I’ll Be Home For Christmas“
  • „Have Yourself A Merry Little Christmas“

Fazit

Bob Dylan ist und bleibt ein Kuriosum. Kaum ein etablierter Musiker könnte sich einen derartigen Stunt mit beliebten Weihnachtsliedern erlauben – und damit auch noch Erfolg haben. Als Lehrer kenne ich die „Freuden der Vorweihnachtszeit“ nur zu gut: Stress, Stress, Stress – dazu die völlig deplatziert wirkenden Sprüche von der „stillen und besinnlichen Zeit“. Von Stille und Besinnlichkeit habe ich in den letzten zehn Jahren rund um die Weihnachtszeit eigentlich nichts gemerkt. Meist lief es so, dass bis kurz vor knapp geackert wurde, um dann mit dem Beginn der Ferien völlig abgeschafft in ein Loch zu fallen (dieses Jahr stellt übrigens keine Ausnahme dar). Genau in diese Stimmung, in der einem die Heuchelei der Weihnachts-Industrie permanent auf die Nerven geht, ist dieses verquere Weihnachts-Album von Bob Dylan eine wundervolle Alternative zu den ganzen Schnulz-Samplern, die sich sonst so auf dem Markt tummeln. Wer mit der ganzen künstlich generierten Hektik der Feiertage auch auf Kriegsfuß steht, sollte diesem Album, vor allem aber den oben empfohlenen Songs eine Chance geben.

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Album der Woche – Episode 13 – 2017-12-17

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Dream Theater: „Images And Words“

Selbst das pseudo-philosophische Cover kann von der unschlagbar vielseitigen Musik nicht ablenken – eines der besten Progressive-Alben aller Zeiten!

Selbst das pseudo-philosophische Cover kann von der unschlagbar vielseitigen Musik nicht ablenken – eines der besten Progressive Metal-Alben aller Zeiten!

Dream Theater ist (bzw. war über viele Jahre hinweg, ich habe die letzten paar Alben nicht mehr weiter verfolgt) eine der besten wenn nicht gar die herausragendste Progressive Metal-Band überhaupt. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die es zwar schafften, unglaublich vertrackte Stücke zu schreiben und auch mit ausreichend Professionalität zu spielen, gelang es Dream Theater jedoch stets, über die musikalische Komplexität hinaus immer auch die Eingängigkeit zu gewährleisten, die dafür sorgte, dass die Stücke „im Ohr hängen blieben“.

Jedes einzelne Band-Mitglied auf „Images and Words“ist ein Solist der Extra-Klasse, jedes Stück ein furioses Feuerwerk virtuoser Darbietungen. Die Komplexität und Vielseitigkeit der Stücke sorgen für durchgehenden Genuss, alle 57 Minuten Spielzeit sind vollgestopft mit entzückenden musikalischen Ideen. Langeweile gibt es da schlicht und einfach nicht.

Die Songs:

Insgesamt beinhaltet das 1992 erschienene Album 8 Titel mit einer Spielzeit von gut 57 Minuten. Es gibt überhaupt keine Ausfälle hinsichtlich der Qualität, drei besondere Juwelen finden hier aber ihre eigene Erwähnung:

  • „Pull Me Under“: Auch wenn der Opener des Albums nicht im Stil von AC/DC mit einem „knackigen Riff“ beginnt, so erkennen Fans doch spätestens beim dritten Ton, um welches Stück es sich handelt. Ausgehend von dieser gezupften Einleitung auf der Gitarre baut sich schon bald ein derbe brettmäßiger Groove auf, über den sich dann auch der Gesang in luftige Höhen emporschwingen kann. Haufenweise sensationelle solistische Einlagen runden den Genuss ab, wer dieses Stück auch nur ein einziges Mal gehört hat, ist schon angefixt. Mir zumindest ging es so, denn nachdem ich das Stück beim Bassisten meiner damaligen Band im Auto gehört hatte, mussten die gesammelten Ersparnisse dran glauben, um diese CD zu kaufen.
  • „Under A Glass Moon“: Der Song an sich ist schon klasse, aber der wahre Grund für meine Empfehlung ist das Gitarrensolo von John Petrucci, denn dieses ist spektakulär gelungen. Allein dieses eine E-Gitarren-Solo würde die Empfehlung des gesamten Albums rechtfertigen, so gut ist es.
  • „Learning To Live“: Beide bereits angepriesenen Stücke sind mit ihren Spielzeiten von 8:15 („Pull Me Under“) und 7:04 („Under A Glass Moon“) nicht gerade kurz, doch der Abschluss des Albums ist das monumentale „Learning To Live“, das mit einer Spielzeit von mehr als elfeinhalb Minuten daherkommt (und dabei ignoriere ich die Tatsache, dass es nahtlos an den Vorgänger anschließt, wodurch eigentlich ein noch längeres Stück-Konglomerat entsteht. Die gesamte (enorme) Zeitspanne ist ein dermaßen „wilder Ritt“, ein Mix aus Passagen, die den unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen entstammen, eine unverschämt virtuose Zurschaustellung instrumentaler Fähigkeiten, dass man wirklich nur noch „mit den Ohren schlackern“ kann. Dieser Song wird niemals eine Chartplatzierung erhalten, er ist auch ohne das angehängte Vorstück schon fast viermal so lang, wie es für die normale Radiospielbarkeit gut wäre, aber für Progressive Metal-Fans ist es eine absolute Erleuchtung!

Fazit

Wenn schon das zweite Album einer Band eine derart hohe Messlatte anlegt, dann ist ja immer viel zu erwarten. Bei Dream Theater war das auch eindeutig der Fall, denn es folgten noch ein paar vollkommen exzellente Alben. Irgendwann ebbte jedoch meine persönliche Progressive Metal-Phase ab, sodass ich heute nur noch selten ein Album in voller Länge reinziehe (natürlich sind fast alle Progressive Metal-Alben auch Konzept-Alben, die man dann auch komplett und am Stück durchhören „muss“). Wenn ich aber zwischendurch mal wieder bei „Images And Words“ hängen bleibe, sind es auf jeden Fall die drei oben empfohlenen Songs. Probiert es aus, sie werden euch gefallen!

Ein kleiner Appetizer soll das folgende Live-Video von „Pull Me Under“ sein, das Stück gefällt fast allen auf Anhieb:

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Termine, Konzert(e), Stress…

Dem einen oder anderen wird es aufgefallen sein: Am vergangenen Sonntag habe ich keinen Eintrag zum Thema „Album der Woche“ veröffentlicht. Der Grund ist vollkommen banal: zu viel zu tun. Am Montag Abend fand von der Schule aus unser Adventskonzert statt – als Leiter der Fachschaft Musik war ich entsprechend eingebunden. Die Organisation im Vorfeld hatte gut geklappt, die Proben in der (leider extrem kalten) Kirche klappten gemäß Planung, auch den Nachmittagsunterricht absolvierte ich noch ganz normal, dann gab es eine gute Stunde Pause, danach stand ich im Anzug wieder in der Kirche, gegen 21:45 h war ich wieder daheim – ein langer Tag!

Gleichzeitig ein lohnender, denn das Konzert kam gerade in seiner großen Vielfältigkeit (acht verschiedene Ensembles, die zum Teil noch einmal untereinander kombiniert wurden) und aufgrund der Tatsache, dass man die im Vorfeld geleistete Arbeit spüren und das Ergebnis entspannt genießen konnte, sehr gut an. Hier gibt es einen Bericht (natürlich etwas voreingenommen, da von einer Kollegin geschrieben, aber auch nicht übertrieben…), sogar mit Bildern.

Am Dienstag hing ich dementsprechend noch ein bisschen durch, fraß mir aber gleich das am Montag verloren gegangene Kilo wieder an – Schokokekse, lecker! Dieser Energieschub brachte mir am Mittwoch früh gleich einen neuen Rekord beim aktuell allmorgendlichen Halbmarathon ein:

Unerwartet ging es schon wieder um mehr als eine Minute schneller...

Unerwartet ging es schon wieder um mehr als eine Minute schneller…

Und das, obwohl ich immer noch bei gerade einmal 8 km/h starte. Ich glaube, das muss ich morgen früh mal ändern und gleich mit 9 km/h einsteigen, dann verliere ich am Anfang nicht so viel Zeit beim „Einlaufen“. Immerhin liege ich gut im Schnitt: Im Dezember habe ich bislang fast 300 Kilometer geschafft.

Gut unterwegs, trotzdem wird es ganz schön knapp...

Gut unterwegs, trotzdem wird es ganz schön knapp…

Mein Schnitt ist somit bei 20,97 km/Tag (nur im Dezember!), also bin ich nah an meiner Planung. Um die 6.000 km vollzubekommen, muss ich noch fast 400 weitere Kilometer im verbleibenden Rest des Monats schaffen – das schreit nach einer „kreativen“ Lösung (ich hoffe auf die Wochenenden, denn da kann ich etwas länger schlafen, was dann auch ein paar längere Läufe ermöglicht). Ich werde wieder berichten, wenn sich etwas ereignet. Auch das „Album der Woche“ kommt am schnell nahenden Wochenende wieder!

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Der Countdown läuft

Bei meinem letzten Blog-Eintrag, der sich auf die Lauferei bezog (hier), äußerte ich den „verrückten“ Gedanken, doch noch die 6.000 Kilometer in diesem Kalenderjahr zu schaffen, wenn ich jeden Tag im Dezember mindestens 20 Kilometer renne. Nun, so albern der Gedanke auch ist, irgendwie hat mich dabei der Ehrgeiz gepackt, also laufe ich im Moment im Schnitt etwas mehr als 20 Kilometer pro Tag.

Neun Läufe, etwas mehr als 180 km – es geht voran.

Neun Läufe, etwas mehr als 180 km – es geht voran.

Alles in allem ist das Laufen in der Menge völlig ok, ich muss nur jeden Tag gut zwei Stunden einplanen. Wenn ich auf dem Laufband bin, schwitze ich nicht gerade wenig:

Wohlbemerkt: Das Selfie entstand *nach* dem Abtrocknen...

Wohlbemerkt: Das Selfie entstand *nach* dem Abtrocknen…

Außerdem ist das Ermüdungsniveau danach nicht ganz zu vernachlässigen. Meine Frau hat ein kleines Foto von mir gemacht, als ich mich „mal für fünf Minuten“ auf unser bequemes Sofa gesetzt habe:

Kurz mal auf die Couch gesetzt – schwerer Fehler!

Kurz mal auf die Couch gesetzt – schwerer Fehler!

Schön ist, dass ich auf diese Weise morgens immer wieder mal einen Film ansehen kann. So kam ich gestern in den Genuss von „Die Akte Grant (The Company You Keep)“, einem genial spannenden Film von und mit Robert Reford:

Ein absoluter Wahnsinnsfilm mit perfekter Starbesetzung – sehenswert!

Ein absoluter Wahnsinnsfilm mit perfekter Starbesetzung – sehenswert!

Heute früh war es „Twelve Years A Slave“, ein ungemein fesselnder und dramatischer Film. Er war sogar so spannend, dass ich ein recht gutes Tempo anschlug – am Ende schlug ich meinen Halbmarathon-Rekord um etwas mehr als anderthalb Minuten. Schick!

Erstaunlich, wie schnell mich ein spannender Film macht...

Erstaunlich, wie schnell mich ein spannender Film macht…

Mal sehen, ob ich das „Projekt 6.000“ bis zum Ende durchhalte. Einen echten Druck gibt es nicht, nur mein eigener – nach Ansicht meiner Frau „spinniger“ – Ehrgeiz treibt mich an. Und dummerweise muss ich rein rechnerisch auch noch ein bisschen mehr an Kilometern schaffen, denn wenn ich weiterhin „nur“ 20 Kilometer am Tag renne, benötige ich noch knapp 25 Tage, um mein Ziel zu erreichen. So viele Tage sind in dem Monat aber nicht mehr vorhanden… Es bleibt also spannend, ich werde berichten, wie es ausgeht.

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Album der Woche – Episode 12 – 2017-12-03

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Richie Sambora: „Stranger In This Town“

Ein himmlisches Blues-Album von einem Gitarristen, den man so vorher noch nicht erlebt hatte...

Ein himmlisches Blues-Album von einem Gitarristen, den man so vorher noch nicht erlebt hatte…

Richie Sambora ist vielen ja als langjähriger Gitarrist der Glam-Rock-Band Bon Jovi bekannt, doch mit der Band konnte ich bis auf ein paar wenige Stücke nie so richtig viel anfangen (wobei die paar Stücke, die mir gefallen, dann über Jahrzehnte hinweg ihren Platz in meinen Favoriten-Listen behaupten konnten). 1990 erschien jedoch ein Solo-Album des Gitarristen, auf dem er auch singt – und zwar richtig, richtig gut –, und das einen gänzlich anderen musikalischen Weg einschlägt als der gesammelte Bon Jovi-Stoff.

Es ist ein Album mit einer gelungenen Mischung aus Pop, Rock und ganz viel Blues. Wie sehr ihn dieses eigene Projekt gereizt haben muss, erkennt man ganz einfach daran, mit wieviel Liebe zum Detail alle Stücke aufgenommen wurden. Der Sound ist eine ganz runde Sache, die dem Blues eigene Melancholie kommt nicht zu kurz, und doch gibt es immer wieder ordentlich „eins auf die Glocke“, sodass für jeden Musikfans etwas dabei ist.

Gemeinsam mit einem guten Kumpel aus der Gymnasialzeit, der sehr gut Schlagzeug spielt und eine Zeit lang einen dem meinen äußerst ähnlichen Musikgeschmack hatte, habe ich das Album damals immer und immer wieder angehört. Dann verlor ich es während des Studiums aus den Augen und Ohren, entdeckte es aber gleich nach meiner Anmeldung bei Apple Music vor gut zwei Jahren wieder – seitdem sind mehrere Stücke in meiner aktuellsten Favoriten-Liste enthalten (und dort dürfen sie auch lange bleiben).

Die Stücke:

Insgesamt beinhaltet das 1990 erschienene Album 10 Titel mit einer Spielzeit von etwa 52 Minuten. Alle sind gut, doch ein paar muss man meiner bescheidenen Meinung nach einfach gehört haben:

  • „Church Of Desire“: Nach einer gemütlichen Einladung etablieren Bass und Schlagzeug einen pulsierenden Grundrhythmus, über den sich sowohl der Gesang als auch die Gitarren-Einwürfe aufschwingen können. Seit dem ersten Hören hat sich mir die Textzeile „Now we dance with the devil down the lonely street…“, mit der der (Pre-) Chorus eingeleitet wird, ins Gedächtnis eingegraben. Und dann das wirklich gelungene Gitarrensolo, ein schönes Understatement, rau und ruppig, doch absolut keine „Yngwie Malmsteen-Personality-Show“ – kein Wunder, dass dieses Stück so gut rüberkommt!
  • „Stranger In This Town“: Der Titeltrack ist fantastisch, kein Wunder, dass das gesamte Album danach benannt wurde. Bereits ab dem ersten Ton dringt die für den Blues typische Melancholie schwer wie ein guter Scotch durch alle musikalischen Poren, nicht zuletzt angefeuert durch den heftigen Einsatz des Reverb-Effekts. An diesem Song passt alles so perfekt auf das etablierte Blues-Idiom, dass man ohne Kenntnis des Künstlers glatt einen gestandenen afroamerikanischen Blues-Man an Gitarre und Mikrofon vermuten könnte. Ohne jeden Zweifel ist dies das stärkste Stück des gesamten Albums!
  • „Mr. Bluesman“: Im Gegensatz zu den beiden vorigen Favoriten wird hier eher die akustische Gitarre in den Mittelpunkt gestellt, was einen feinen klanglichen Unterschied erzeugt. Die Synthesizer-Untermalung, die den Hintergrund ein bisschen auspolstert, ist so dezent, dass nicht einmal Puristen wie der leider allzu früh verstorbene Stevie Ray Vaughan etwas dagegen gehabt haben würden. Für das Solo darf dann natürlich wieder die elektrifizierte Version des Instruments ran, und – Freunde – wenn Eric „Slowhand“ Clapton nicht noch leben würde, hier wäre seine Inkarnation zu finden!

Fazit

Jeder, der Bon Jovi musikalisch nicht mag, sich aber für gut gemachten Blues erwärmen kann, sollte hier unbedingt ein Ohr hineinhängen, denn dieses Album ist wundervoll! Klar, meine Sicht ist durch die vielen freundschaftlichen Genuss-Momente mit meinem Kumpel aus Schulzeiten etwas nostalgisch aufgehübscht, dennoch ist an dem Album so vieles gelungen, dass selbst Bon Jovi-Hasser nicht umhin können, Richie Sambora zu einem vollends empfehlenswerten Solo-Projekt zu gratulieren.

Persönlich finde ich es schade, dass der Gitarrist und Sänger nicht seiner Sucht Herr wird, denn bereits seit einigen Jahren verbringt er immer wieder längere Zeit in diversen Entzugskliniken. Ob das 1990 auch schon der Fall war, weiß ich nicht. Die Musik lässt jedoch durchscheinen, dass er nicht nur die angenehmsten Seiten des Lebens zu Gesicht bekommen hatte, bevor er sich an sein Solo-Projekt gewagt hat. Ich drücke ihm alle vorhandenen Daumen, dass er aus dem Sumpf wieder herausfindet.

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