Gelesen: „Der wilde Planet“ von John Scalzi

Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!
Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!

In der Vergangenheit habe ich meine Begeisterung für die Romane von John Scalzi keineswegs verheimlicht (siehe hier, hier und hier). Mir gefallen an allen bisher genossenen Werken der locker-flapsige Ton, die oft skurrilen Wendungen, der wilde, teils absurde Humor und die halsbrecherische Action, die eigentlich immer wieder ausbricht.

Nachdem ich die gesamte „Dunkler Turm“-Reihe von Stephen King durchgelesen (und mittlerweile durchgehört) habe, wollte ich eine stilistische Abwechslung, denn wo Stephen King tendenziell in die epische Breite geht, bleiben die Romane von John Scalzi immer deutlich kürzer und kompakter, ohne dabei von minderwertiger Qualität zu sein. Es ist einfach ein knapperer Stil, der mir – gerade als Abwechslung nach vier King-Werken am Stück – gut taugt.

Zum Inhalt

Der Klappentext laut Amazon.de liest sich recht nüchtern und kann leider nicht im Geringsten das Vergnügen heraufbeschwören, das ich beim Lesen empfand:

Die Menschen haben die Galaxis besiedelt und beuten die Rohstoffe der Planeten nach Kräften aus. Für den Prospektor Jack Holloway ein einträgliches Geschäft, wird er doch an den Gewinnen beteiligt. Als auf Zara XXIII, einem paradiesischen Planeten, ein fossiles, in der Galaxis äußerst seltenes Material entdeckt wird, winkt plötzlich das große Geld. Aber keiner hat mit den geheimnisvollen Bewohnern dieser Welt gerechnet – und auch der Planet selbst hält noch einige Überraschungen parat …

Wie bei vielen anderen Scalzi-Romanen wird aus dem anfänglichen Antihelden Jack Holloway nach und nach in einigen überraschenden Wendungen ein absoluter Mega-Held, der mit geschickten und vorher nicht erahnbaren Kniffen für etliche Überraschungen sorgt.

Remake eines Klassikers

Was ich vorher nicht wusste: John Scalzi stellt mit diesem Roman eine Neufassung bzw. Umarbeitung eines bereits bestehenden Werks eines anderen Autors vor. Unter dem Titel „Der kleine Fuzzy“ wurde der Roman von H. Beam Piper bereits 1962 für den in Science Fiction-Kreisen äußerst begehrten Hugo Award vorgeschlagen – und das völlig zu Recht, wenn die Geschichte auch nur annähernd so gut wie die Neufassung ist.

Hörbuch hinterher

Wie immer habe ich mir gleich nach dem Beenden des eigentlichen Lesens das Hörbuch besorgt. Dieses gab es leider nur auf Englisch („Fuzzy Nation“, ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es sich dabei um ein Wortspiel über „Fascination“ handelt…), dafür mit dem Bonus, von Wil Wheaton vorgelesen zu werden, den ich als Sprecher sehr schätze. Da er außerdem ein guter Freund von John Scalzi ist, kann man wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Version sehr nah an die Vorstellung des Autors herankommt.

Fazit

Ich habe jede einzelne Minute des Lesens genossen, die letzten 100 Seiten musste ich am Stück durchpflügen, weil ich das Buch einfach nicht weglegen konnte. Wer auf unterhaltsame, intelligente, witzige und extrem spannende Science Fiction steht, wird hier von der ersten Seite an auf seine Kosten kommen.

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Gelesen: „Wolfsmond“ und „Susannah“ von Stephen King

In den letzten Wochen habe ich etliche hundert Seiten der Dunkler Turm-Reihe verschlungen, angefangen mit „Wolfsmond“, dem fünften Teil, der dann nahtlos in „Susannah“ fortgesetzt wurde.

Wolfsmond

Das Titelbild passt ausnehmend gut, denn in diesem Roman wird viel geschossen – er ist extrem spannend, kurzweilig und doch eine perfekte Fortsetzung der Saga.
Das Titelbild passt ausnehmend gut, denn in diesem Roman wird viel geschossen – er ist extrem spannend, kurzweilig und doch eine perfekte Fortsetzung der Saga.

Der fünfte Teil der insgesamt achtteiligen Reihe ist eine ganz klare Hommage an den Western-Klassiker „Die glorreichen Sieben“ von 1960 bzw. dessen japanisches Vorbild „Die sieben Samurai“ von 1954. Da aber die Charaktere und die gesamte sie umgebende Welt schon über vier teils wirklich lange Romane vorbereitet wurden, erreicht die Geschichte trotz aller Action eine spürbare Tiefe, die – zumindest ging es mir so – den Leser vollständig einsaugt und nicht mehr hergibt.

Ohne die viele Vorarbeit der Vorgängerromane wäre der Spannungsfaktor sicher geringer ausgefallen, dennoch ist der Band meiner Einschätzung nach der bislang spannendste und kurzweiligste der gesamten Reihe. Kaum hatte ich ihn durchgelesen, musste ich noch einmal das Hörbuch bei meinen morgendlichen Läufen genießen – während ich mich durch das Buch arbeitete, hatte ich in den vergangenen Wochen die vier ersten Teile schon durchgehört, was die unzähligen kleinen Verknüpfungen innerhalb der Buchreihe wie auch zu etlichen anderen Romanen von Stephen King in meiner Wahrnehmung intensivierte.

Susannah

Die nahtlose Fortsetzung des Vorgängers, auch spannend, aber etwas humorvoller...
Die nahtlose Fortsetzung des Vorgängers, auch spannend, aber etwas humorvoller…

Während ich also das Hörbuch des fünften Teils genoss, las ich schon im sechsten Teil weiter. Heute früh habe ich ihn abgeschlossen und mich voller Interesse in den siebten Teil („Der Turm“) gestürzt. Der achte Teil kam einige Jahre später hinzu und füllt wohl nur noch ein paar Handlungslücken auf, sodass die eigentliche Serie schon nach dem siebten Teil beendet sein wird. Die Spannung steigt also.

Zurück zum sechsten Teil: Was mir an diesem Roman besonders imponiert hat, war die Tatsache, dass Stephen King sich hier ziemlich selbstironisch mit hineingeschrieben hat: Die Hauptfiguren Roland und Eddie besuchen ihn zu Hause und verpflichten ihn dazu, endlich seine Romanreihe weiterzuschreiben und zum Abschluss zu bringen… Einerseits liest man diese Passage mit einer gehörigen Portion Ungläubigkeit – Wie kann ein Autor so dreist sein, seine Hauptcharaktere bei sich zu Hause vorbeikommen zu lassen? –, andererseits spürt man das Augenzwinkern des Schreibers quasi permanent zwischen den Zeilen durchblitzen.

Heute früh habe ich mit dem Hörbuch des sechsten Teils angefangen, parallel lese ich – wie schon geschrieben – den siebten Teil. Danach wird mit Sicherheit gleich der achte folgen, denn diese Buchreihe, die in so karger, beinahe „vertrockneter“ Stimmung beginnt (im ersten Band „Schwarz“), baut sich derart wortgewaltig auf, dass vor allem die Hörbücher noch häufig durch meine AirPods laufen werden.

Bin ich damit durch, muss erst einmal wieder eine kurze Pause für Stephen King-Romane her, dann gibt‘s ein oder zwei der noch nicht genossenen John Scalzi-Bücher. Hach! Das Lesefutter geht einem ja zum Glück nie aus…

Gelesen: „Tommyknockers – Das Monstrum“ von Stephen King

Geschafft! Vor ein paar Tagen habe ich die letzten Seiten von „Tommyknockers – Das Monstrum“ gelesen, einem der etwas längeren Romane von Stephen King, der ja nun nicht gerade für die Kürze seiner Werke bekannt ist.

Lang, aber spannend: „Tommyknockers – Das Monstrum“ von Stephen King.
Lang, aber spannend: „Tommyknockers – Das Monstrum“ von Stephen King.

Doch die Länge hat ja auch ihre Vorteile, wofür ich den Autor sehr schätze, denn so kann er verschiedene Handlungsstränge in Ruhe und mit vollem Detailreichtum aufbauen und dann gegen Ende genüsslich miteinander verknüpfen, was zu einer ordentlichen Verdichtung der Handlung führt.

Worum geht’s?

Die Handlung ist unglaublich komplex, weil so viele Personen im Verlauf des Romans auftreten, dass ich das hier in aller Kürze nicht darlegen kann (und will). Letztlich kann man die wichtigsten Grundzüge der Handlung folgendermaßen zusammenfassen:

  • Eine Autorin findet im Wald hinter ihrem Grundstück in der fiktiven Stadt Haven ein nur mit einer kleinen Ecke aus dem Erdboden ragendes Raumschiff, das sie in seinen Bann zieht und sie dazu bringt, alle möglichen technischen Erfindungen zu tätigen, die sie weitgehend dazu nutzt, das Raumschiff auszugraben. Im Verlauf der Handlung durchläuft sie eine körperliche wie geistige Metamorphose, die ihre Menschlichkeit immer weiter zurückdrängt und ihr immer mehr Ähnlichkeit mit den Aliens, die im Raumschiff waren, aufzwingt. Dazu zählen auch telepathische Fähigkeiten.
  • Ihr bester Freund, ein gescheiterter Poet und heftiger Alkoholiker, der aufgrund eines früheren Unfalls eine Metallplatte im Kopf hat, ist gegenüber der vom Raumschiff ausgehenden Strahlung und auch der telepathischen Versuche, seine Gedanken zu lesen, weitgehend unempfindlich. Er hilft der Autorin bei der Ausgrabung, bemerkt aber – im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung – voller Bestürzung die Verwandlung, die seine Freundin sowie nach und nach alle Bewohner des Ortes durchlaufen.
  • Zum Ende hin spitzt sich die Handlung dahingehend zu, dass die Bevölkerung des Ortes nahezu vollständig in der Metamorphose steckt bzw. diese schon abgeschlossen hat, nur der gescheiterte Poet stellt sich gegen sie, was zu einem gigantischen Showdown führt, denn sein einziger Vorteil ist die Tatsache, dass niemand im Ort seine Gedanken lesen kann…

Weglegen? – Unmöglich!

Wie immer war es nach der langen Klimax, die Stephen King aufgebaut hat, ein absolutes Problem, auch nur kleinere Pausen beim Lesen einzulegen, denn der Roman ist auf den letzten 100-150 Seiten durchweg äußerst spannend. Irgendwann kapitulierte ich einfach und las den Schluss komplett in einem großen Rutsch durch, was mir am betreffenden Tag einen Berg Arbeit für den späteren Abend hinterließ, den ich aber bereitwillig auf mich nahm, denn die Spannung hätte ich schier nicht ertragen.

Mein Fazit zu „Tommyknockers – Das Monstrum“ ist demnach, dass es ein Roman ist, der sicherlich etliche Science Fiction-Fans begeistern kann, die aber gewillt sein müssen, eine erhebliche Seitenzahl auf sich zu nehmen, denn kurz fasst sich Stephen King nun einmal nie. Wer damit klarkommt, hat sicher etliche genussvolle Stunden vor sich.

Hörbuch

Wie so oft gönne ich mir nach Abschluss des Lesens noch einen Durchgang des Romans in Hörbuchfassung. Bei „Tommyknockers“ gab es im iTunes Store nur eine englische Fassung, also wird es hier sicher noch einige interessante Entdeckungen hinsichtlich der verwendeten Formulierungen geben. Mit etwas Glück erweitert die andere Sprachfassung meine Vorstellungen der Personen und der Orte im Roman noch ein bisschen – ich kann’s kaum erwarten. Allerdings muss ich mit dem Hörbuch noch warten, denn aktuell läuft bei mir „Der Talisman“ von Peter Straub und Stephen King. Bis das mit seinen etwas mehr als 31 Stunden durch ist, brauche ich mindestens noch eine Woche.

Verfilmung

Es gibt eine Verfilmung, die fast drei Stunden dauert. Leider ist sie bei iTunes nicht erhältlich, also musste ich auf die gebrauchten Angebote bei Amazon zurückgreifen. Doch der Film liegt nun hier, irgendwann in den kommenden Wochen muss ich ihn mir ansehen.

Fast drei Stunden – das schaffe ich unter Garantie nicht auf einen Rutsch...
Fast drei Stunden – das schaffe ich unter Garantie nicht auf einen Rutsch…

Aller Erwartung nach wird der Film nicht annähernd den Standard des Buches erreichen, wie sollte er auch? In meiner Vorstellung ist der Ort im Verlauf der mehreren hundert Seiten beim Lesen recht konkret ausgestaltet worden – der Film wird unter Garantie weit entfernt davon sein. Trotzdem ist es sicher spannend, den Vergleich anzustellen – ich lasse mich gerne positiv überraschen…

Und nun?

Direkt nach Abschluss des Romans wollte und konnte ich nicht in ein neues Buch einsteigen, dafür musste ich mir einen Tag Zeit lassen. Außerdem wollte ich nicht sofort wieder einen weiteren King-Roman lesen, deshalb landete ich schließlich bei den schon lange in der Warteschlange aufmerksamkeitsheischend auf und ab hüpfenden „Redshirts“ von John Scalzi.

Für Star Trek-Fans ein fantastischer Roman, denn er nimmt alle Klischees in Perfektion auf die Schippe – herrlich!
Für Star Trek-Fans ein fantastischer Roman, denn er nimmt alle Klischees in Perfektion auf die Schippe – herrlich!

Bereits die ersten zehn bis fünfzehn Seiten überzeugten mich davon, dass es die richtige Wahl war. Mehr erzähle ich erst, wenn ich durch bin, auf jeden Fall vereint der Roman schon jetzt (ich bin aktuell ungefähr zu 20-30 Prozent durch) alle Elemente, die zu erwarten waren: Humor, Action, Nerdtum und Star Trek – könnte gar nicht besser sein!

Gehört: „Artemis“ von Andy Weir

Meiner Meinung nach hat „Der Marsianer“ die Messlatte für humorvolle, friedliche (also überhaupt nicht militärische) und visionär-wegweisende Science Fiction-Literatur in den letzten Jahren ziemlich hoch gelegt. Der Autor, Andy Weir, hat sich mit seinem Nachfolger-Roman „Artemis“ etwas Zeit gelassen. Vor ein paar Wochen erschien die deutsche Übersetzung als Buch, kurz darauf auch als Hörbuch, dieses habe ich mir gekauft und binnen dreier Tage verschlungen.

Mit großer Spannung erwartet, mit vollem Genuss gehört: „Artemis“ von Andy Weir überzeugt mich vollkommen!
Mit großer Spannung erwartet, mit vollem Genuss gehört: „Artemis“ von Andy Weir überzeugt mich vollkommen!

Die große Frage für mich war ganz klar: „Schafft Andy Weir es, die selbst so hoch gelegte Messlatte nochmals zu erreichen, sie vielleicht sogar zu übertreffen?“ Eine gleichzeitig freudig-erregte wie auch bange Frage, denn der Eindruck, den „Der Marsianer“ bei mir hinterlassen hat, war einfach überirdisch, somit fieberte ich also auf den neuen Roman hin wie schon lange auf keinen anderen mehr.

Inhalt

Worum geht’s also in „Artemis“? Für manche Fans vielleicht enttäuschend, für mich aber nicht wirklich überraschend: „Artemis“ ist keine Fortsetzung von „Der Marsianer“, die beiden Bücher haben gar nichts miteinander zu tun. Gut so, denn Fortsetzungen – vor allem bei überaus bekannten und erfolgreichen Erstlingswerken – tendieren dahin, eher ein lauwarmer Aufguss der gleichen Story mit leicht veränderten Begleitumständen zu werden. Das hätte mich wahrlich enttäuscht.

Im Klappentext (soll heißen „in der Beschreibung im iTunes Store“) steht zu „Artemis“ der folgende kurze Anreißertext:

Jazz Bashara ist kriminell. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist das Leben in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond, verdammt teuer und, wenn man kein Millionär ist, verdammt ungemütlich. Also tut Jazz, was getan werden muss: Sie schmuggelt Zigaretten und andere auf dem Mond verbotene Luxusgüter für ihre reiche Kundschaft. Als sich ihr eines Tages die Chance auf einen ebenso lukrativen wie illegalen Auftrag bietet, greift Jazz zu. Doch die Sache geht schief, plötzlich steckt Jazz mitten drin in einer tödlichen Verschwörung, in der nichts Geringeres auf dem Spiel steht als das Schicksal von Artemis selbst.

Meinung

Klingt schon verheißungsvoll, ist aber in der Realität noch viel besser. In gewohnter Weise schafft es Andy Weir mit technischen Details und einer ordentlichen Prise Humor eine spannende Geschichte zu entwickeln, die mich vom ersten Moment an in ihren Bann zog. Kein Wunder, beginnt der Roman doch gleich mit einer lebensbedrohlichen Situation, die zwei der immer wieder auftretenden Charaktere wundervoll beiläufig einführt, ohne gestelzt zu wirken.

Im weiteren Verlauf lernt man Jazz und ihr Leben im heiklen sozialen Gefüge der Mond-Stadt Artemis kennen, erfährt von ihren aktuellen und früheren Konflikten, baut zügig eine enge Beziehung zur Protagonistin auf und fiebert dann mit ihr durch alle Unwägbarkeiten der turbulenten Handlung.

Fazit

Auch wenn ich – wie ich zugeben muss – ein wenig schwäbisch war und mir nur die gekürzte Fassung (ca. acht Euro) statt der vollständigen (nur ca. 40 Minuten länger, dafür bei ca. 17 Euro) geleistet habe, war das Hörbuch ein vollständiger Genuss – in dieser Hinsicht besteht eine große Ähnlichkeit zum „Marsianer“, denn auch da war ich schwäbisch (und auch er war sensationell gut).

Abschließend kann ich den Roman allen Science Fiction-Fans empfehlen, denn er ist sehr gelungen. Hier kann man bedenkenlos zugreifen und muss keine Enttäuschung fürchten. Analog zur Figur der Ripley in „Alien“, die als erste Frau in eine vorher nur für Männer reserviert zu scheinende Domäne vordrang und sie im Sturm eroberte, haben wir hier eine Araberin, die sich von einer Antiheldin ziemlich bald in eine nicht unumstrittene, sehr wohl aber integre und deutlich heldenhafte Züge annehmende Protagonistin verwandelt – eine weitere faszinierende Facette!

Ein willkommener Kahlschlag

In der ersten Woche der Osterferien ging ein Trupp Problembaumfäller – für uns etwas überraschend – gleich auf dem benachbarten Grundstück, das der Caritas gehört, an die Arbeit, um insgesamt 12 Pappeln zu fällen. Da die Bäume uns mehr Ärger als Freude gebracht hatten, waren wir (gemeint sind die Eltern in diesem Haushalt) sehr erfreut, dass die gut 20 Meter hohen Bäume verschwanden, denn sie warfen im Frühjahr die klebrigen Knospenhülsen auf unsere Terrasse, im Sommer die „Wolle“ und im Herbst das Laub, das bei 12 riesigen Bäumen Jahr für Jahr eine unglaubliche Menge ergab… Darüber darf nicht vergessen werden, dass die Pappeln bei stärkerem Wind immer wieder auch recht große und dementsprechend schwere Äste verloren, die zum Teil auf unserer Terrasse landeten, was ein ständiger Grund zur Sorge war.

Die Arbeit ging äußerst zügig voran, denn binnen zweier Tage war alles geschafft: Erst wurden die Äste entfernt, dann zum Teil die Bäume von oben nach unten verkürzt, dann der Rest gezielt in einer vorher festgelegten Richtung gefällt. Seitdem haben wir hier wieder Unmengen an Licht im Wohnzimmer – und das, obwohl die Bäume noch nicht einmal belaubt waren. Es folgen ein paar Bilder vom zunehmenden Kahlschlag.

Der Blick aus dem Arbeitszimmer VOR dem Kahlschlag
Der Blick aus dem Arbeitszimmer VOR dem Kahlschlag

Ein schönes Detail aus dem ersten Bild: Im Baum ganz rechts hängt (ungefähr am oberen Ende des untersten Drittels) ein loser Ast, der locker vier oder fünf Meter lang war. Beim nächsten starken Windstoß hätte der jederzeit herabstürzen können – eine gruselige Vorstellung…

Das Entasten schreitet schnell voran – das war der Stand nach wenigen Stunden am ersten Arbeitstag.
Das Entasten schreitet schnell voran – das war der Stand nach wenigen Stunden am ersten Arbeitstag.
Am späten Vormittag des zweiten Tages waren an keinem der 12 Pappeln noch irgendwelche Äste vorhanden...
Am späten Vormittag des zweiten Tages waren an keinem der 12 Pappeln noch irgendwelche Äste vorhanden…
Der Blick aus dem Arbeitszimmer am zweiten Tag (früher Nachmittag)...
Der Blick aus dem Arbeitszimmer am zweiten Tag (früher Nachmittag)…
Hier fällt gerade der vorletzte Baum – eine Meisterleistung der Baumfäller, denn keine der beiden Holzhütten nahm Schaden. Respekt!
Hier fällt gerade der vorletzte Baum – eine Meisterleistung der Baumfäller, denn keine der beiden Holzhütten nahm Schaden. Respekt!

Für alle Baumfäller-Fetischisten habe ich noch ein kleines Filmchen gebastelt, das den endgültigen Fall eines Pappelstamms zeigt. Der Film liegt in meiner Dropbox, dauert aber nur ein paar Sekunden, daher sollte der Download recht schnell gehen…

Gehört: „Ready Player One“

Apple Music bietet für die Abonnenten nicht nur Musik und Musikvideos, sondern auch eine angenehme Auswahl von Hörspielen und Hörbüchern. Selbstverständlich habe ich alles von Stephen King, das bei Apple Music im Angebot ist, schon lange durch, die letzten drei oder vier „Cotton Reloaded Nemesis“-Episoden ebenfalls, doch dann stolperte ich über mein gerade heute fertig gehörtes Juwel: „Ready Player One“ von Ernest Cline.

Eines der gelungensten Hörbücher der letzten Jahre, ich kann es uneingeschränkt empfehlen, auch wenn Menschen meines Alters (so Anfang bis Mitte 40) den meisten Genuss draus ziehen werden...
Eines der gelungensten Hörbücher der letzten Jahre, ich kann es uneingeschränkt empfehlen, auch wenn Menschen meines Alters (so Anfang bis Mitte 40) den meisten Genuss draus ziehen werden…

Da die Verfilmung des Romans gerade im Kino läuft, ist die mediale Aufmerksamkeit diesbezüglich nicht zu übersehen. Wenn es jedoch die Möglichkeit gibt, höre ich mir zuerst das Hörbuch an oder lese das Buch, um die intensivere Perspektive zu genießen, meine eigene innere Vorstellung entstehen zu lassen – und somit eine „intimere“ Beziehung zur Geschichte aufzubauen. Insofern freute ich mich sehr, das Hörbuch im Apple Music-Angebot zu entdecken. Für 15 Euro im Monat genießen meine Frau, ich und alle drei Kinder die Option, alles, was uns interessiert (und das angeboten wird) ohne Zusatzkosten anzuhören.

Zum Roman: Allzu viel möchte ich nicht verraten, sonst verderbe ich womöglich jemandem den Spaß, aber einige Details kann ich hier völlig risikofrei offenlegen. Der Roman befasst sich einerseits mit Computerspielen und virtueller Realität, rollt dabei aber en passant auch gleich die Geschichte der Computerspiele und Spielkonsolen auf, schwelgt in der Nostalgie der Spieleklassiker der 1980er Jahre und erzählt eine spannende Geschichte über Wettkampf, Intrigen, Strategien, Käuflichkeit versus Integrität und – natürlich – Liebe.

Für Menschen meiner Altersklasse, also 40 und aufwärts, ist der Roman schon deshalb so faszinierend, weil er viele Elemente unserer Vergangenheit, gerade der Zeit der maximalen Faszination für derlei fesselnde Computer-/Videospiele, aufgreift. Zusätzlich wird alles garniert mit Gestalten aus den beliebten Fernsehserien und der Musik dieser Zeit, so erhalten die Band Rush, die ich in meiner Song des Tages-Rubrik schon einige Male ins Zentrum gestellt habe, und Wil Wheaton (ja, Fähnrich Wesley Crusher aus Star Trek – The Next Generation) ihre eigene Erwähnung, darüber hinaus kommen schier unzählige Autoren bzw. Werke der Literatur sowie Filmklassiker zu Wort (kein Wortspiel, es wird immer wieder direkt aus einigen Werken zitiert).

Gelesen wird das Hörbuch von David Nathan, der mir als altem Stephen King-Fan schon bestens bekannt ist, schließlich liest er viele der ganz langen Romane des „Meisters“, sodass man seine Stimme jeweils lockere 30-50 Stunden (ja, das Hörbuch von „Es“ dauert satte 51 Stunden) hört – ab einem gewissen Zeitpunkt ist einem die Stimme wirklich sehr vertraut. So fühlte ich mich sehr schnell heimisch beim Anhören, sicherlich ein Vorteil.

Alles in allem ist das Hörbuch aus meiner Sicht bereits jetzt ein moderner Science Fiction-Klassiker, ein intelligenter und spannender Roman voller Anspielungen auf Elemente der Pop-Kultur der 1970er, 1980er und 1990er Jahre. Wer also ein gewisses Alter und die entsprechende Kenntnis der Literatur, Musik und Filme der erwähnten Jahrzehnte aufweisen kann, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ich habe das Hörbuch von Beginn bis zur letzten Sekunde genossen, in ein paar Wochen oder Monaten gibt es noch einen weiteren Durchgang, ganz sicher!

Album der Woche – Episode 20 – 2018-02-25

Jede (oder zumindest fast jede) Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Yes: „90125“

Nicht mehr „taufrisch“, aber musikalisch vom Feinsten!
Nicht mehr „taufrisch“, aber musikalisch vom Feinsten!

Nachdem die letzten beiden Alben der Woche ziemlich aktuelle Alben (beide aus 2018) waren, springe ich heute mal wieder etwas in der Zeit herum und habe ein weiteres Album ausgegraben, das ich mir gerne und häufig anhöre: „90125“ der Progressive-Rock-Gruppe Yes. Veröffentlicht wurde „90125“ bereits 1983, was dem Album aber nichts an seiner musikalischen Qualität nimmt. Hier und da spürt man die Synthesizer-Verliebtheit der Zeit durch, aber das Songwriting ist im Großen und Ganzen derart gelungen, dass der Genuss stets an erster Stelle steht.

Die Songs:

Bei der Veröffentlichung hatte das Album neun Titel mit einer Gesamtspielzeit von fast 45 Minuten, bei Apple Music gibt es jedoch eine Deluxe-Version mit 15 Titeln und 77 Minuten Spielzeit, das „Deluxe“-Material besteht aus einem vorher unveröffentlichten Titel („It‘s Over“) und diversen alternativen Fassungen bereits auf der ursprünglichen Version veröffentlichten Titeln (z.B. „Leave It (Single Remix Version)“, „It Can Happen (Cinema Version)“, „Owner of a Lonely Heart (Extended Remix)“ und „Leave It (A Capella Version)“).

Alle Songs sind in gewohnter Yes-Qualität: melodiöser und zugleich verspielter Artrock mit ordentlich progressiven Elementen (daran lässt schon die erste Minute keinen Zweifel). Getragen wird das Album neben der hochqualitativen Produktion vor allem von Jon Andersons Gesang, der einfach eine Klasse für sich ist. Meine Favoriten sind:

  • „Owner of a Lonely Heart“: Eine echte Power-Nummer, die sowohl auf der progressiven wie auch der melodischen Schiene voll punkten kann. Alles an diesem Song ist fantastisch, was auch dazu führte, dass der Song der erste und bis heute einzige Nummer-1-Hit in den USA wurde (1984). Mehr muss man über den Song nicht sagen, anhören ist besser! (Nicht ganz umsonst war der Song bereits ein Song des Tages (hier) in diesem Blog…)
  • „Hold On“: Ein Song im mittleren Tempo, getragen von knackigen Riffs, die sich zwischen die Abschnitte mit Gesang schieben und eben jenen mehrstimmigen Gesangspassagen, die eines der Aushängeschilder der Band waren und bis heute sind. Schön ist meiner Meinung nach vor allem das Gitarrenmotiv, mit dem der Song eröffnet wird und das später noch mehrfach zum Einsatz kommt. Der rhythmisch etwas extravagante Part ab ca. zweieinhalb Minuten ist ein schöner Kontrast zum Refrain mit seiner mehrstimmigen Anlage und der fast orchestral wirkenden Instrumentierung. Sehr gelungen!
  • „It Can Happen“: Beim Intro wähnt man die Band schon in einem indischen Ashram, doch dann wandelt sich die Sitar in ein Spannung generierendes Riff mit abgedämpfter E-Gitarre, kurz drauf setzt auch der reguläre Beat wieder ein, was den Song ordentlich nach vorne treibt. Gerade diese stilistische Wandlungsfähigkeit ist – auch wenn lange nicht mehr so heftig wie in den 1970er Jahren – ein Grund, warum ich das Album so mag.
  • „Changes“: Auch dieser Song war schon als Song des Tages in diesem Blog vertreten (hier), kein Wunder, ist er doch der vielleicht progressivste auf dem gesamten Album. Daran lassen schon die ersten Sekunden kaum einen Zweifel, doch da bleibt das Stück noch lange nicht stehen, denn an virtuoser Spielfreude kann kein anderer Song auf dem Album ihm das Wasser reichen. Und trotz aller instrumentalen Selbstverliebtheit geht die Sanglichkeit nie verloren, stets bleiben wundervolle Melodien im Ohr hängen, die das Album klar über die reine Vertracktheit so mancher anderer Progressive-Alben der gleichen Zeitperiode stellen. Neben „Owner of a Lonely Heart“ mein Favorit von diesem Album, unbedingt anhören!

Fazit

Wer Freude daran hat, einer Band zu lauschen, die ihre instrumentalen Fähigkeiten mit ungezügeltem Eifer zur Schau zu stellen, ohne dabei die Gesanglichkeit aus dem Auge zu verlieren, dem wird „90125“ sicher viel Freude bereiten. Ich für meinen Teil höre das Album auf jeden Fall immer wieder gerne.

Die Entstehungsgeschichte des Albums ist höchst abenteuerlich, wer Interesse an der leicht verworrenen Angelegenheit hat, dem sei dieser Artikel empfohlen.

Links

Alle meine Lieblingsstücke von diesem tollen Album habe ich bei YouTube gefunden, also sind sie hier verlinkt. Viel Vergnügen!