Der erste „offizielle“ Halbmarathon

Genau vor einer Woche habe ich meinen ersten „offiziellen“ Halbmarathon absolviert – und es war ein spannendes Erlebnis.

Im Ziel, direkt vor dem Ulmer Münster – gut durchgeschwitzt und ziemlich geplättet...
Im Ziel, direkt vor dem Ulmer Münster – gut durchgeschwitzt und ziemlich geplättet…

Eigentlich bin ich ja ein absoluter Individualsportler, der beim Laufen gerne seine Ruhe (bzw. sein Hörbuch oder seine Playlist) hat. Das ist bei einem derartigen Massenevent wie dem Beuerer Halbmarathon in Ulm schlicht undenkbar, denn da gehen einige Tausend Läufer an den Start, entsprechend gedrängt geht es dann auch auf den Straßen und Wegen zu – zumindest anfänglich…

Angemeldet hatten meine Frau und ich uns bereits vor Monaten, denn wer sich früh einschreibt, zahlt nur die Hälfte. Irgendwie hätten wir uns ja auch vorbereiten können, doch ich rannte nach wie vor jeden Tag meine übliche 16-17 Kilometer lange Runde, ließ am Tag vorher einfach zwei Kilometer weg, um ein bisschen Energie einzusparen, dann war der „Tag X“ gekommen und es ging auch schon los.

Organisation und Umstände

Die Organisation des Beuerer Halbmarathons ist wirklich exzellent. Der Weg ist perfekt ausgeschildert, da kommen absolut keine Unklarheiten auf. Außerdem ist alles durchorganisiert: Von der Verstauung der persönlichen Utensilien in einem LKW, der alles zum Zielort transportiert über die digitale Zeitnahme bis hin zur Verpflegung und den Duschen für nach dem Lauf. Obwohl es mein erster Lauf dieser Art war, bestand kaum Unruhe hinsichtlich dieser Aspekte.

Aufgeregt war ich jedoch trotzdem – und zwar wie die Hölle! Das lag vor allem daran, dass ich mich leicht einschüchtern lasse, wenn um mich herum tausende von Läufern, alle in voller Montur, viele mit etlichen bereits absolvierten Läufen genau dieser Art auf dem Buckel (etc.), ihre letzten Vorbereitungen treffen. Dazu kam, dass ich um die Uhrzeit, als wir in Ulm erst starteten, daheim schon seit drei Stunden fertig gewesen wäre. Alles in allem waren die Umstände also sehr ungewohnt, was sich auch in einem erhöhten Puls niederschlug.

Der Lauf an sich

Nun gut, ich reihte mich in der Gruppe ein, die eine Zeit von 1:50 h für die 21,1 Kilometer anpeilten. Ein erfahrener Kollege hatte mir geraten, mich weit vorne in der Gruppe zu positionieren, was ich auch tat. Doch nach 1,5 oder 2 Kilometern waren die mir zu langsam, also zog ich kurzerhand vorbei; im Hinterkopf immer den Gedanken: „Hochmut kommt vor dem Fall“

Ich rechnete damit, das Tempo nicht komplett durchhalten zu können. Doch es ging… und ging… und ging… Als ich bei Kilometer 17 immer noch einen Schnitt von 4:45 Minuten/km hielt und meine Reserven nicht erschöpft waren, realisierte ich, dass es wohl so bis zum Ende gehen könnte. Und tatsächlich klappte es.

Gerade durch‘s Ziel gewitscht: 1:39:04 h für die 21,1 km – geschafft!
Gerade durch‘s Ziel gewitscht: 1:39:04 h für die 21,1 km – geschafft!

Kaum war ich durch‘s Ziel „geflogen“ (ging nicht, weil die Läufer vor mir quasi direkt hinter der Ziellinie stehen geblieben waren), erreichte mich eine automatisierte SMS mit meiner Laufzeit: 1:39:04 h.

Überraschend gute Zeit, für einen Moment war ich echt stolz auf mich!
Überraschend gute Zeit, für einen Moment war ich echt stolz auf mich!

Hui! Mit so einer guten Zeit hatte ich nicht gerechnet. Insgeheim hatte ich mir gewünscht, eine Zeit von etwa 1:40 h zu schaffen, ging aber nicht davon aus, das unter den Umständen zu schaffen – daher war ich echt stolz auf das Ergebnis.

Von den mehreren Tausend Läufern habe ich den Platz 552 erreicht (nur Männer: Platz 506), von den Männern zwischen 40 und 45 den 70. Rang. Keine Ahnung, ob das gut ist, aber ich war vollauf zufrieden.

So findet man mich in der Gesamtwertung aller teilnehmenden Männer.
So findet man mich in der Gesamtwertung aller teilnehmenden Männer.

Meine Frau hatte sich als Ziel eine Zeit unter zwei Stunden gesetzt – und es auch geschafft (sogar überdeutlich)! Das musste mit einem Selfie (beim Gehen aufgenommen, daher wirkt es etwas unentspannt) honoriert werden!

Beide erfolgreich ins Ziel gekommen, gute Stimmung und tolles Wetter – TSCHAKA!
Beide erfolgreich ins Ziel gekommen, gute Stimmung und tolles Wetter – TSCHAKA!

Fazit

Das Erlebnis war wirklich sensationell, allerdings weiß ich nicht, ob ich in den kommenden Jahren wieder an solch einem Massenevent teilnehme. Laufen macht auch ohne den Aufwand (sowohl finanziell als auch ökologisch und zeitlich) Spaß. Andererseits ist so etwas einmal im Jahr durchaus eine tolle Abwechslung. Mal sehen…

Mit der Finisher-Medaille, allerdings war ich da gerade sehr hungrig, daher der gierige Blick!
Mit der Finisher-Medaille, allerdings war ich da gerade sehr hungrig, daher der gierige Blick!

Addendum

Als wir später am Tag wieder daheim angekommen waren und sich bereits die ersten Anzeichen für die Muskelkater-Qualen des folgenden Tages abzeichneten, erfuhren wir, dass bei diesem Sportevent tatsächlich ein Läufer, ein recht junger Mann von ca. 30 Jahren, im Zieleinlauf kollabiert und später im Krankenhaus gestorben ist. Das hat der Hochstimmung nach dem Lauf dann doch einen deutlichen Dämpfer verpasst. Hoffentlich wiederholt sich das in den kommenden Jahren nicht.

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Nike Running Club, ade! – Trainings-App, hallo!

Im gesamten letzten Jahr habe ich alle 365 Läufe mit der Nike Running Club-App getrackt. Im Gegensatz zu meiner Frau, bei der die App bei fast jedem Lauf einen Nervenzusammenbruch hatte, lief das eigentlich ziemlich gut, sehe ich von ein paar wenigen (es waren wirklich nur ganz vereinzelte Male) GPS-Irrungen ab, die allerdings nicht beim Lauf auftraten sondern bei der anschließenden visuellen Darstellung der gelaufenen Strecke. Ein Beispiel:

Der rote Strich sollte eigentlich eine ziemlich wilde Linie in dieser gelblich-grünlichen Farbe sein, doch bei der Darstellung sind diese Daten wohl nicht mehr korrekt verarbeitet worden.
Der rote Strich sollte eigentlich eine ziemlich wilde Linie in dieser gelblich-grünlichen Farbe sein, doch bei der Darstellung sind diese Daten wohl nicht mehr korrekt verarbeitet worden.

Bei diesem Lauf am 27. Dezember bin ich zuerst einige Runden durch den Ort Adelschlag (dort wohnen meine Schwiegereltern) gelaufen, während der mir meine Apple Watch auch brav alle 500 Meter ein akustisches und haptisches Signal gab. Somit ist für mich klar, dass die GPS-Erfassung während des Laufs einwandfrei klappte, nur bei der Verarbeitung der über fast 24 Kilometer angesammelten Daten ging dann etwas schief, was in der roten Linie resultierte. Auch ohne Konsum von Alkohol ist eine so gerade Linie ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie schon geschrieben: Das sind Kleinigkeiten, die mir – zumindest meiner Wahrnehmung nach – keine Strecken verkürzt oder komplett gelöscht haben. Bei meiner Frau war das anders, sie hatte von Anfang an das Problem, dass die App beim Beenden des Laufs abstürzte. Wenn sie die App dann erneut öffnete, fehlten ganz oft die letzten 300, 500 oder auch mal 1.000 Meter. Das ärgert – um so mehr, wenn man mit einem festen Strecken-Ziel (z.B. 8 km) losgerannt war, das dann in der digitalen Darstellung nicht erreicht war (z.B. 7,6 km), obwohl vor Beendigung des Laufs der gewünschte Wert schon angezeigt (möglicherweise sogar schon übertroffen) worden war. Ärgerlich, sehr ärgerlich.

Mit dem neuen Jahr wechselten wir beide daher auf die in die Apple Watch integrierte Trainings-App. Ich hatte in den vergangenen Monaten meine Fahrten mit dem E-Bike (ich weiß, es ist ein Pedelec), das Schwimmen, das gelegentliche Yoga und mein Seilspringen getrackt, nun war es also nur noch ein kleiner Schritt, auch die Läufe mit dieser App zu verfolgen.

Was ich nicht erwartet hatte: Es ist viel besser als mit der NRC-App. Die GPS-Daten können ja nicht so extrem voneinander abweichen, schließlich werden sie vom gleichen Gerät (der Apple Watch) erfasst, doch die Auswertung ist um einiges feiner. Das kann ich natürlich wortreich beschreiben, eine kurze bildliche Gegenüberstellung ist aber viel einfacher und eindrucksvoller:

Der Wanderparkplatz bei Röthardt: Hier komme ich bei den meisten Läufen auf dem Hin- und Rückweg vorbei. Bei Nike sehen die beiden Wege in der GPS-Darstellung so aus.
Der Wanderparkplatz bei Röthardt: Hier komme ich bei den meisten Läufen auf dem Hin- und Rückweg vorbei. Bei Nike sehen die beiden Wege in der GPS-Darstellung so aus.
Die gleiche Passage bin ich heute früh gelaufen, meine Trainings-App der Apple Watch hat mir dann doch ein differenzierteres Bild ausgespuckt...
Die gleiche Passage bin ich heute früh gelaufen, meine Trainings-App der Apple Watch hat mir dann doch ein differenzierteres Bild ausgespuckt…
Die ersten und letzten paar hundert Meter meiner Läufe in Aalen gehen (fast) immer in kleinen Runden durch unser Wohngebiet. Natürlich überdecken sich dabei manche Linien im GPS. So bei Nike...
Die ersten und letzten paar hundert Meter meiner Läufe in Aalen gehen (fast) immer in kleinen Runden durch unser Wohngebiet. Natürlich überdecken sich dabei manche Linien im GPS. So bei Nike…
Und so in der Trainings-App meiner Apple Watch (die verschiedenen Farbtöne stellen das Tempo dar). Schon ein deutlicher Unterschied, oder?
Und so in der Trainings-App meiner Apple Watch (die verschiedenen Farbtöne stellen das Tempo dar). Schon ein deutlicher Unterschied, oder?

Ganz abgesehen von diesen Feinheiten in der GPS-Darstellung, die allein sicher noch kein Grund wären, ein System zugunsten eines anderen aufzugeben, ist die Darstellung in der Trainings-App am Ende einfach kompakter – und wesentlich besser könnte sie auch kaum gemacht sein: Fachkenntnis und Geschmack treffen sich hier in bestmöglicher Weise.

Alle Informationen an einem Ort versammelt – viel besser geht es nicht.
Alle Informationen an einem Ort versammelt – viel besser geht es nicht.

In der NRC-App ist die ganz banale Zeitangabe („Von wann bis wann bin ich gerannt?“) vor einiger Zeit rausgeflogen. Manchmal ist es aber zu einem späteren Zeitpunkt ganz interessant, zu sehen, ob man früh oder spät gerannt ist, wie die Uhrzeit mit dem Tempo korreliert etc. – das geht in der NRC-App gar nicht mehr, was sehr bedauerlich ist. Bei der Trainings-App werden die Daten ganz automatisch mitgeliefert.

Fazit: Der Umstieg hat sich schon nach fünf Tagen absolut rentiert, die Zeit mit der NRC-App war schön, aber ein Zurück kommt für mich nun nicht mehr in Frage. Dazu ist die Trainings-App auf der Apple Watch einfach zu gut.

Ein Platz, 12 Monate – 11 – Dezember 2017

In diesem von Zeilenende initiierten Projekt wird ein Ort ein Jahr lang fotografisch begleitet, jeweils am letzten Sonntag im Monat wird der dann aktuelle Zustand hier präsentiert.

Jahreszeitlich bedingt sind draußen kaum mehr grüne Pflanzen zu sehen, Grau und Braun sind die dominierenden Farbtöne, dennoch bin ich in dieser Hinsicht vom Wechselspiel eher ungestresst – mit steigendem Alter nimmt man vieles einfach hin, was in den „Sturm und Drang“-Tagen gerne noch hochdramatisiert wurde. Was mir jedoch gefällt: Der Garten hat sich in den letzten anderthalb Jahren gut „gesetzt“, alles wirkt mehr so, als ob es genau so hätte sein sollen. Wenn noch drei oder vier Jahre ins Land gezogen sind, wird sich dieser Eindruck sicher noch deutlich verstärken. Vielleicht denke ich ja daran, dann gibt’s einen Nachtrag…

Ich bleibe auch am letzten Tag des Jahres 2017 den drei etablierten Perspektiven treu: (1) Von der Terrasse aus, (2) vom Rand des neu angelegten Abschnitts aus um die Hausecke, (3) vom Woodport aus auf die drei Etagen.

Von der Terrasse aus...
Von der Terrasse aus…
Vom Rand um die Hausecke...
Vom Rand um die Hausecke…
...und vom Woodport aus.
…und vom Woodport aus.

Die weiteren Teilnehmer und ihre spannenden Beiträge sind (oder werden noch) bei Zeilenende verlinkt.

Mir ist heute beim Anpassen der Titelzeile noch etwas aufgefallen: Summa summarum handelt es sich hierbei schon um den vorletzten Beitrag in dieser Kategorie. Für das kommende Jahr muss ich mir noch ein spannendes neues Projekt überlegen, die mich auf der fotografischen und eventuell auch bildbearbeitenden Ebene herausfordert. Auch das Zeitintervall ist nicht ganz unwichtig, denn der monatliche Abstand ist schon sehr lang, wobei die „52 Wochen“ vorher durchaus recht arbeitsintensiv waren. Vermutlich wird es der Mittelweg, aber noch ist nichts in trockenen Tüchern, ich habe ja noch einen guten Monat, um mir die Sache zu überlegen (und Vorschläge sind mir stets willkommen).

Ohne Fleiß kein Preis

Vorgestern hat meine Frau einen Blog-Eintrag veröffentlicht, in dem sie ihrem Unmut über die Unterschlagung des Auftritts ihres Unterstufen-Orchesters beim Schulkonzert im Bericht der Lokalzeitung Luft machte (hier). Und das völlig zu Recht, denn so etwas gehört sich einfach nicht. Als Musiklehrer, der selbst einige Male im Jahr mit Schüler-Ensembles vor Publikum steht und sich später die Berichte darüber in der Lokal-Presse durchliest, kenne ich die Erwartungshaltung vor dem Lesen und die Freude bzw. Enttäuschung, wenn der Artikel dann entweder besonders positiv oder negativ auf die eigenen Darbietungen eingeht.

Aber darum geht es mir in diesem Beitrag nicht. Vielmehr ist es so, dass in den Kommentaren zum Artikel meiner Frau ein Kommentator immer wieder darauf hinauswollte, dass Musik doch einfach nur Spaß machen solle. Selbst als sie ihn sehr deutlich darauf hinwies, dass es sich dabei um eine Pflichtveranstaltung für die Schüler handle, die sich diese nicht „mal eben“ aussuchen (nein, sie haben zu Beginn einmal die Wahl, danach sind sie festgelegt) und nach Belieben auch wieder ablegen können, beharrte er darauf.

Nur Lustprinzip? – Klappt nicht!

Aus der Sicht eines studierten Musikers kann ich nun aber mit absoluter Sicherheit sagen, dass die Betonung des Lustprinzips, also das „nur üben, wenn es auch Spaß macht“, unter gar keinen Umständen jemals zum Erfolg führen wird. Denn dafür ist harte Arbeit nötig. Und harte Arbeit macht zwangsläufig irgendwann keinen Spaß (mehr).

Einer unserer Professoren an der Hochschule für Musik in Würzburg erläuterte uns während des Studiums die „10.000 Stunden“-Grenze, die für das Erlangen eines professionellen Niveaus nötig sei. Verkürzt dargestellt heißt das: Wer an seinem Instrument wirklich ein Profi werden möchte, muss in seinem Leben mindestens 10.000 Stunden geübt haben. Und „geübt“ heißt eben nicht „gespielt“, sondern konzentriert mit einem konkreten Ziel unter Einsatz aller körperlichen und geistigen Ressourcen gearbeitet.

Beispielrechnungen

Doch dieser Zahlenwert mit „10.000 Stunden“ ist äußerst abstrakt. Also fülle ich ihn einmal mit ein wenig Details, um die Vorstellung zu konkretisieren:

  • Ausgehend von einem Studium über acht Semester (ignorierend, dass man unter keinen Umständen zu studieren beginnt und da erst das Instrumentalspiel beginnt) müssten nun die 10.000 Stunden auf 48 Monate verteilt werden, das entspräche bei keinem einzigen Pausentag in vier Jahren einem täglichen Übepensum von 6,94 Stunden.
  • Nehmen wir noch ein oder zwei Jahre vorher dazu, in denen man sich als Schüler intensiv auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet und ebenfalls viel Zeit investiert, dann wären es 72 Monate, ohne einen einzigen Pausentag landen wir immer noch bei einer täglich zu absolvierenden Übezeit von 4,62 Stunden.

Jetzt wird die Sache schon wesentlich konkreter. Und nehmen wir uns nun einen typischen Jugendlichen, der womöglich auch hier und da einfach mal einen stressigen Tag (Klausurdruck, Nachmittagsunterricht, Transitzeiten etc.) hat, wodurch das Üben kürzer treten oder ganz ausfallen muss, so gibt es nur die Optionen, diese Zeiten entweder am Ende der 72 Monate anzuhängen oder an anderen Tagen mehr zu schaffen.

Fazit

Und nun möchte ich den Menschen sehen, der über einen so langen Zeitraum nur von seiner eigenen Lust gesteuert diese Menge an Übezeit aufbringt. Ohne hier allzu viel zu „spoilern“: So jemanden gibt es vermutlich gar nicht, zumindest habe ich noch niemanden erlebt, der so funktioniert.

Von mir selbst weiß ich, dass es fast unmöglich ist, vier oder fünf Stunden konzentriert zu üben, denn irgendwann ist entweder körperlich oder geistig Schluss. Da geht dann nicht mehr.

Big fish in a little pond…

Und zum Thema „es muss Spaß machen“: Gleich nach Beginn des Studiums kommt für die meisten Musikstudenten der große Knick in der Motivation, denn üblicherweise waren sie vorher in ihrem Umfeld die „Cracks“, die neben den Profis am besten spielten und entsprechend viel Aufmerksamkeit erhielten. Nun aber sind sie die Anfänger, die in einer Umgebung bestehen müssen, in der praktisch jeder andere schon weiter ist. Aus psychologischer Sicht ein denkbar schwieriger Zeitraum. Man nennt das in der Psychologie den Wechsel von „Big fish in a little pond“ („dicker Fisch im kleinen Teich“) zu „Little fish in a big pond“ („kleiner Fisch im großen Teich“). Spätestens da muss einem klar werden, dass die ausschließliche Betonung des Spaß-Faktors auf dem Weg zum Erfolg (egal in welchem Bereich) völlig unrealistisch ist. Es handelt sich eher um eine Idealvorstellung, die mit der Realität aber nichts zu tun hat.

Der Countdown läuft

Bei meinem letzten Blog-Eintrag, der sich auf die Lauferei bezog (hier), äußerte ich den „verrückten“ Gedanken, doch noch die 6.000 Kilometer in diesem Kalenderjahr zu schaffen, wenn ich jeden Tag im Dezember mindestens 20 Kilometer renne. Nun, so albern der Gedanke auch ist, irgendwie hat mich dabei der Ehrgeiz gepackt, also laufe ich im Moment im Schnitt etwas mehr als 20 Kilometer pro Tag.

Neun Läufe, etwas mehr als 180 km – es geht voran.
Neun Läufe, etwas mehr als 180 km – es geht voran.

Alles in allem ist das Laufen in der Menge völlig ok, ich muss nur jeden Tag gut zwei Stunden einplanen. Wenn ich auf dem Laufband bin, schwitze ich nicht gerade wenig:

Wohlbemerkt: Das Selfie entstand *nach* dem Abtrocknen...
Wohlbemerkt: Das Selfie entstand *nach* dem Abtrocknen…

Außerdem ist das Ermüdungsniveau danach nicht ganz zu vernachlässigen. Meine Frau hat ein kleines Foto von mir gemacht, als ich mich „mal für fünf Minuten“ auf unser bequemes Sofa gesetzt habe:

Kurz mal auf die Couch gesetzt – schwerer Fehler!
Kurz mal auf die Couch gesetzt – schwerer Fehler!

Schön ist, dass ich auf diese Weise morgens immer wieder mal einen Film ansehen kann. So kam ich gestern in den Genuss von „Die Akte Grant (The Company You Keep)“, einem genial spannenden Film von und mit Robert Reford:

Ein absoluter Wahnsinnsfilm mit perfekter Starbesetzung – sehenswert!
Ein absoluter Wahnsinnsfilm mit perfekter Starbesetzung – sehenswert!

Heute früh war es „Twelve Years A Slave“, ein ungemein fesselnder und dramatischer Film. Er war sogar so spannend, dass ich ein recht gutes Tempo anschlug – am Ende schlug ich meinen Halbmarathon-Rekord um etwas mehr als anderthalb Minuten. Schick!

Erstaunlich, wie schnell mich ein spannender Film macht...
Erstaunlich, wie schnell mich ein spannender Film macht…

Mal sehen, ob ich das „Projekt 6.000“ bis zum Ende durchhalte. Einen echten Druck gibt es nicht, nur mein eigener – nach Ansicht meiner Frau „spinniger“ – Ehrgeiz treibt mich an. Und dummerweise muss ich rein rechnerisch auch noch ein bisschen mehr an Kilometern schaffen, denn wenn ich weiterhin „nur“ 20 Kilometer am Tag renne, benötige ich noch knapp 25 Tage, um mein Ziel zu erreichen. So viele Tage sind in dem Monat aber nicht mehr vorhanden… Es bleibt also spannend, ich werde berichten, wie es ausgeht.

Mystery Blog Award

The Mystery Blogger Award – neu für mich, doch als Anlass, mal wieder etwas von mir hören/lesen zu lassen, sehr tauglich!
The Mystery Blogger Award – neu für mich, doch als Anlass, mal wieder etwas von mir hören/lesen zu lassen, sehr tauglich!

Torsten von Sahneplatten.de hat mich für einen mir bislang unbekannten Blog-Award, den sog. Mystery Blog Award, erfunden von der Bloggerin Okoto Oke Enigma, nominiert. Da ich in den letzten Wochen zeitlich ohnehin immer sehr knapp dran war und sich meine Präsenz im Blog sowohl schreibend als auch lesend sehr mager ausnahm, nehme ich diese Nominierung als Steilvorlage, gleich zum iPad zu greifen (und dann doch zwei Tage zu brauchen, um alles auszufüllen).

Die Regeln des „Mystery Blog Award“

  • Stelle das Logo in deinen Blogbeitrag.
  • Liste die Regeln auf.
  • Danke der Person, die dich nominiert hat, und füge einen Link zu ihrem Blog bei.
  • Nenne die Urheberin des Awards und füge ebenfalls einen Link bei.
  • Erzähle den Lesern drei (geheime) Dinge über dich.
  • Beantworte die 5 Fragen, die dir von der Person, die dich nominiert hat, gestellt wurden.
  • Nominiere 10 bis 20 Personen.
  • Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst.
  • Stelle den Nominierten fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein.
  • Teile einen Link zu deinen besten Posts.

Drei Dinge über mich

Ok. Nachdem ich schon mehr als fünf Jahre meinen Blog mit teils persönlichen Informationen spicke, sehe ich das als eine Art Challenge, neue oder zumindest noch nicht allzu breit getretene Dinge über mich herauszukramen. Mal sehen, ob es mir gelingt…

  1. In den letzten Monaten habe ich alle sieben Staffeln Mac Gyver angesehen – und ich könnte glatt wieder von vorne anfangen. Bei kaum einer anderen Serie kann ich mich abends so gut entspannen.
  2. Seit ich vor ein paar Monaten erstmalig Skyr probiert habe, kann ich davon nicht mehr genug bekommen. Ich habe mittlerweile drei oder vier Marken ausprobiert, jeweils gibt es ganz unterschiedliche Sorten – bis auf die „Natur“-Variante (die lehne ich auch bei Joghurts ab) mag ich sie alle! (Und besonders vorteilhaft ist der niedrige Kaloriengehalt…). Jeweils zum Frühstück gibt es einen 350g-Becher, abends unter Umständen noch einen.
  3. In den vergangenen Tagen erst habe ich die bezaubernde Ästhetik des frühmorgendlichen Laufens durch dichtes Schneetreiben kennengelernt. Das meine ich überhaupt nicht ironisch, denn es ist ein wirklich außerweltliches Gefühl, durch völlige Dunkelheit zu laufen, wenn die Stirnlampe einen sich ständig wandelnden Vorhang aus Schneeflocken illuminiert. Dazu noch eines der zwanzig „Game of Thrones“-Hörbücher im Ohr, dann fühlt man sich wie auf der Mauer…

Fünf Fragen (1):

  1. Hast du ein Lieblingszitat? Warum magst du ausgerechnet dieses so gern? – Habe ich in der Tat, zwei sogar. Eines ist ein (vermutlich) japanisches Sprichwort: „Löse das Problem, nicht die Schuldfrage.“ Hielten wir uns alle daran, wäre das Leben um ein Vielfaches einfacher. Das andere ist ein Gedicht von Edna St. Vincent Millay, einer amerikanischen Dichterin (1892-1950), das wundervoll in Worte fasst, dass nicht die Länge des Lebens sondern die Art und Weise, wie man gelebt hat, von Bedeutung ist: „Meine Kerze brennt an beiden Enden, sie dauert nicht die Nacht. Aber ah, meine Freunde, und oh, meine Feinde, ein schönes Licht sie macht!“ (Erste Feige, 1920)
  2. Was bringt dich zum Lachen? – Oje! Diese Frage hatte ich befürchtet. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich außerordentlich leicht zum Lachen zu bringen bin. Als studierter Blechbläser verfehlen auch schlüpfrige Witze selten ihre Wirkung auf mich.
  3. Kannst du manchmal nicht schlafen? Und was tust du dann? – Ein- oder zweimal im Jahr kommt es tatsächlich vor, dass ich nicht gut schlafen kann. Meist quäle ich mich die Nacht über im Bett herum, nur in seltenen Fällen bin ich geistesgegenwärtig genug, einfach wieder aufzustehen und mich anderweitig zu beschäftigen. Zum Glück bin ich ansonsten wirklich einer vom Schlage „Kopf auf‘s Kissen, weg in 10, 9, 8…“.
  4. Niemand ist eine Insel. Zusammen sind wir weniger allein. – Sicher kennst du diese Buchtitel. Aber stimmt das auch? – Keine Ahnung. Der erste Titel kommt mir bekannt vor, mehr aber auch nicht. Da mein Interesse eher im Science Fiction-Bereich liegt, welchem beide Titel eher nicht anzugehören scheinen, maße ich mir nicht an, zu beurteilen, ob sie so korrekt aufgeschrieben sind.
  5. Du kannst die Zeit zurückdrehen. Einmal nur. Und eine Entscheidung rückgängig machen. Bedenke, dass sich damit die Zukunft, also deine heutige Gegenwart ändert. Würdest du es tun? – Ganz klar: Nein. In meinem bisherigen Leben habe ich haufenweise unüberlegte und zum Teil geradezu idiotische Entscheidungen getroffen, doch bin ich auch durch sie dort, wo ich mich heute befinde. Und da bin ich weitgehend zufrieden und glücklich, also lasse ich auf jeden Fall die Finger von der Zeitmaschine…

Fünf Fragen (2):

Haha, wer schlau ist und genau liest, ist immer klar im Vorteil. Dass mir das nicht gelungen ist, führt dazu, dass ich fünf Fragen beantwortet hatte, bevor mir die fünf Fragen von Thorsten am Ende des Beitrags aufgefallen sind… Also gibt‘s summa summarum heute zehn Fragen und zehn Antworten.

  1. Welche drei Fragen würdest du einer berühmten Person deiner Wahl stellen? – Schon seit Jahren überlege ich, was ich Stephen King am liebsten fragen würde. In meiner Vorstellung von einem persönlichen Treffen sind es entweder tausend Kleinigkeiten oder ich stehe vor Ehrfurcht erstarrt stumm vor ihm. Tatsächlich würde mich interessieren (darüber hat er sich schon einmal sehr amüsiert geäußert1), was aus Stuart Redman (einer Figur aus „The Stand – Das letzte Gefecht“) geworden ist. Außerdem müsste ich ihn beknien, ob er sich nicht überwinden könnte, nicht zumindest eine Kurzgeschichte als Fortsetzung von „Rita Hayworth and the Shawshank Redemption“ (hier eher bekannt als „Die Verurteilten“) zu schreiben. Es ist und bleibt eine seiner faszinierendsten Geschichten, ein kleines „Encore“ sollte möglich sein… Darüber hinaus wäre etwas so simples wie die Beurteilung seiner eigenen Werke spannend: Welche Geschichte hält er selbst für am gelungensten, welche am wenigsten? Und warum in den jeweiligen Fällen?
  2. Wenn das Schicksal dich träfe und du müsstest ab sofort auf einen Sinn verzichten, welcher wäre das? Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten? („Schwachsinn“ ist kein Sinn!) – Geschmackssinn. Dann würde ich vielleicht nicht mehr jeden Abend Unmengen an Gelüsten bekämpfen müssen. Erdnüsse, Schokolade, Lebkuchen, Gummibären, Kekse und dergleichen hätten dann auf einmal keine Chance mehr, mir das Gewichthalten so schwer zu machen. Auf keinen der anderen Sinne könnte ich verzichten, ohne dabei einen gravierenden Teil meiner Kernpersönlichkeit aufgeben zu müssen.
  3. Am 5. April 1994 greift Kurt Cobain zur Schrotflinte in der Absicht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die Schrotflinte hat einen mechanischen Defekt, und er kann sie nicht auslösen. Zeichne seine Lebensgeschichte in fünf Sätzen weiter. – Die Grunge-Welle reitet Kurt gerade noch lange genug, bis sich bei ihm das Gefühl einstellt, ab sofort nur noch Kommerz-Scheiß veröffentlichen zu können. In diesem Moment verkauft er seine Gitarre, zieht sich in die Einsamkeit Nebraskas oder eine kleine Hütte in den Rocky Mountains zurück, um die kreativen Ströme in seinem Inneren durch äußere Askese wieder zum Fließen zu bringen. Doch die Stille nervt ihn so sehr, dass er mit seinen aufgestauten Aggressionen ins nächste Studio stürmt und eine Art Crossover aus Grunge und Punk erzeugt, die ihm die nächsten Millionen einbringt. Ab hier landet er in einer ewigen Zeitschleife, die zwischen Langeweile, Askese, Aggression und Kreativität hin und her pendelt.
  4. In welcher Gefühlsregung musst du laut mitsingen, egal wie scheiße du den Song findest? Freude, Angst, Erregung, Nervosität etc.? Kannst du erklären, warum? – Nervosität ist da wohl noch am ehesten mein Ding, um mich unwillkürlich musikalisch zu betätigen, lautes Mitsingen wird es jedoch fast nie. Es läuft eher auf so eine Art Summen/Gemurmel hinaus. Da ich aber im alleinigen Zustand sehr still bin, ist das schon ziemlich viel.
  5. Du hast seit 13 Jahren eine Platte von einem damaligen Freund/einer damaligen Freundin ausgeliehen, den/die du zufällig nach all der Zeit auf der Straße triffst. Er/sie spricht dich auf die Platte an, ohne zu wissen, wem er sie verliehen hat. Was antwortest du? – Das kann so gut wie gar nicht vorkommen, da ich Musik schon seit Jahren nur noch digital über iMac, iPad, iPhone, AppleTV (etc.) höre. Wäre es dennoch so, würde ich selbstverständlich so ehrlich sein, es gleich zuzugeben und ihm das gute Stück mit Zinsen (in Form von Alkohol, der bringt gleich viele Prozente mit sich) wieder anzuvertrauen. Ich habe auch einen Kumpel, der schon seit Jahren eine CD von mir ausgeliehen hat. Dank Apple Music muss ich ihn nun gar nicht mehr danach fragen, außerdem habe ich sie mir vor vier oder fünf Jahren einfach noch einmal gebraucht gekauft…

Meine besten Posts:

Natürlich sind es im höchsten Fall die meiner Meinung nach besten Posts aus mittlerweile mehr als fünf (oder sind es schon sechs?) Jahren Blog-Geschichte. Um der Ehrlichkeit die Ehre zu geben, habe ich den Überblick insgesamt vollkommen verloren, garantiert vergesse ich hier nun einen oder mehrere der Beiträge, die mir jetzt gerade nicht bewusst sind, die mir aber eigentlich sehr am Herzen liegen.

  1. 52 Wochen Selfies: „Die Hard Solera-Style“ (hier)
  2. Musik aus der Schwarzwaldklinik (hier)
  3. Song des Tages am 3. Oktober 2016 (hier)
  4. Tom Sharpe: „Wilt“ (hier)
  5. Dylan Thomas: „Under Milk Wood“ (hier)

Die Nummerierung stellt keine Gewichtung dar, ich habe einfach im Schnellverfahren viele Blog-Einträge durchgeguckt, bei diesen bin ich jeweils kurz hängen geblieben.

Meine Nominierungen:

Schwierig, schwierig, schwierig. Aber ich mache mich mal an die Arbeit, hoffentlich schaffe ich zumindest die 10.

  • Bodyguard4You – der Mann, der immer und immer wieder geniale Gitarren-Videos anschleppt und überhaupt ein netter Kerl ist. Seine Beiträge benutzen von allen mir bekannten Bloggern die meisten „…“, aber das trägt eindeutig zu seinem individuellen Stil bei. Folgt ihm, es lohnt sich!
  • Multicolorina dillettiert – meine einzigartige und wunderschöne Frau, mit der ich seit mehr als 19 Jahren mein Leben teile – und da werden hoffentlich noch etliche weitere Jahre folgen.
  • Es Marinsche kocht – eine Bloggerin, die mit vielen exzellenten Kreationen in der Küche unser aller Herzen verzaubert!
  • Pialalama – eine Bloggerin, die ebenfalls in Aalen lebt und sehr viele unterschiedliche (und stets interessante!) Themen „beackert“. Prädikat: lesenswert!
  • Hinnerk und Henrikje – zwei Hamburger Originale, die trotz Blog-Pause bis Jahresende von mir nominiert werden, weil die vielen tollen Fotos und das Hintergrundwissen rund um die Hansestadt jedes einzelne mal lesenswert sind.
  • Robert – ein famoser Sportler, der sich seine bislang angesammelten Lebensjahre nur auf die bestmögliche Weise (nämlich durch Weisheit und Geduld) anmerken lässt und immer tolle Tipps rund um den Sport auf Lager hat.
  • Lovely Rita Flowermaid – noch eine Bloggerin aus Hamburg, die fast täglich mit exquisiten Fotos und ausgewählten Zitaten zu begeistern weiß. Langweilig wird‘s da nie!
  • Private Readers Book Club – von den beiden habe ich schon lange nichts mehr gelesen, vielleicht bedarf es ja nur eines kleinen Schubses, um sie wieder zu aktivieren…
  • Zeilenende – ich weiß, ich weiß, er mag keine Blog Awards, vor allem aufgrund der enormen Häufigkeit, mit der er dafür nominiert wurde und wird. Aber er befindet sich gerade in einer Umbruchsphase, sowohl körperlich als auch in seinem Blog, möglicherweise taugen ihm die Fragen ja (falls nicht, kein Problem!)
  • Impressions of Life – hier dreht sich alles um den verrückten Alltag einer Familie mit Kindern. Da wir selbst drei Kinder im „besten Alter“ (zwischen 7 und 12) haben, gibt es viele Beiträge, über die ich wundervoll schmunzeln kann (meist, weil ich diese Sachen schon erlebt und – glücklicherweise – hinter mir habe).

Meine fünf Fragen:

Das ist der anstrengendste Teil, denn es soll ja schon ein wenig gehaltvoll sein. Zumindest habe ich den Anspruch an mich selbst.

  1. In dem 80er-Jahre-Film „Die Einsteiger“ konstruiert Mike Krüger ein Gerät, das ihm erlaubt, in jeden Film, der in seinem angeschlossenen Video-Rekorder läuft, einzusteigen. Wenn du so ein Gerät hättest, welches wären die ersten drei Filme, in die du einstiegst?
  2. Der Film „Jurassic Park“ wirft ein moralisches Dilemma auf: “Sollte man als Wissenschaftler eine Entwicklung vorantreiben/abschließen, nur weil man es kann, ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen?“ – Auch wenn der Film rein auf Fiktion basiert, ist das moralische Dilemma eines, das Wissenschaftlern weltweit immer wieder begegnet (z.B. bei der Entwicklung der Atombombe). Wie würdest du als Wissenschaftler entscheiden, wenn du vor dieser Wahl stündest?
  3. Welches Musikalbum der letzten fünf Jahre hat dir am besten gefallen? Gab es einen speziellen Grund, warum dir dieses Album so gut gefallen hat?
  4. Ein entfernter Verwandter vermacht dir unglaublich viel Geld. Nach einer anfänglichen Phase, in der du die Freiheiten genießt, die dir das Geld eröffnet, merkst du aber, dass dir etwas im Leben fehlt. Welches neue Ziel würdest du dir setzen, welche neue Aufgabe suchen?
  5. Jeder Mensch hat seine kleineren oder größeren Zwänge. Mein eigener kleiner „Monk“ zeigt sich beim Aufhängen von Wäsche, denn da verwende ich nur gleichförmige Wäscheklammern identischer Farbe (hier). Hast du auch solche Zwänge? Wenn ja, welche?

So, nun liegt der Ball im Spielfeld, ihr dürft kicken!

  1. Der Grund für seine Amusement war, dass das Buch bereits in den 1970er Jahren geschrieben wurde und ihm immer noch so viele Leute erzählen, dass sie es für sein bestes Buch halten. Dass seitdem gut vierzig (!) Jahre vergangen sind und viele weitere fantastische Geschichten folgten, die von diesen besonderen Fans einfach ignoriert zu werden scheinen, fand er gleichzeitig amüsant wie schade. Verständlich.

Album der Woche – Episode 9 – 2017-11-12

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

James Newton Howard: „The Village (Soundtrack)“

Eine der besten Filmmusiken, die ich jemals zu hören bekam – ohne „Wenn“ und „Aber“!
Eine der besten Filmmusiken, die ich jemals zu hören bekam – ohne „Wenn“ und „Aber“!

Heute weiche ich ein wenig von meinen sonst hier geschilderten Vorlieben, die ja eher im Pop-/Rock-Bereich liegen, ab. Dennoch könnte es für Interessierte ein sehr faszinierendes Hörerlebnis werden.

2004 kam „The Village – Das Dorf“ in die Kinos. Vermarktet wurde der Film als eine Art Suspense- oder Horror-Film, wobei der Film ungefähr in der Mitte eine ganz drastische Wende nimmt, die – zumindest für mich beim ersten Ansehen – wirklich unvorhersehbar war. Und damit ändert sich auch der Charakter des Films auf grundlegende Weise (aus meiner Sicht zum Guten). So überrascht wurde ich selten. Leider mag meine Frau den Film überhaupt nicht, weshalb ich ihn seit sechs oder sieben Jahren nicht mehr angesehen habe.

Die Musik ist dafür einer der absoluten Gipfel dessen, was jemals ein Komponist als musikalische Umrahmung einer Filmhandlung geschrieben hat. Es gibt ja viele Menschen, die John Williams, Ennio Morricone oder Hans Zimmer für den oder die besten Filmmusikkomponisten halten. Seit dem Genuss dieses Films und der dazugehörigen Musik steht James Newton Howard für mich an erster Stelle, ziemlich dicht gefolgt von Michael Giacchino („The Incredibles“, die neueren Star Trek-Filme, „Jurassic World“ und noch viele mehr).

Die Stücke:

Insgesamt beinhaltet das Album 13 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 43 Minuten – wobei es selbstverständlich auch ein paar Stücke gibt, die – der Dramaturgie des Films geschuldet – allein für sich nur einen begrenzten Reiz ausüben, zumindest geht es mir so. Doch andere Stücke sind derartig hochwertige „Juwelen“, dass man nur in Demut das Haupt neigen kann sowohl vor der kompositorischen (James Newton Howard) als auch vor der interpretatorischen (Hilary Hahn) Leistung.

What Are You Asking Me?

Vorsicht, ich muss ein wenig spoilern, sonst kann ich die immense emotionale Wirkung dieses Stücks nicht annähernd umreißen.

In der Handlung gibt es eine junge Frau namens Ivy Walker (phänomenal gespielt von Bryce Dallas Howard), die Lucius Hunt (vom nicht minder genialen Joaquin Phoenix dargestellt) liebt – und er liebt sie. Er ist jedoch schüchtern und wagt es zu Beginn des Films noch nicht, seine Liebe einzugestehen. In einer überaus romantischen Szene, in der sich beide nach einigem verbalen Abtasten („endlich“) ihre Liebe gestehen, kann man die Schüchternheit beider nicht übersehen. Dieses Stück, das die Frage, die dem gesamten Dialog zugrunde liegt, als Titel trägt, zeigt dieses fragile Verhältnis zweier Menschen, die innerlich schon lange füreinander brennen, sich dies aber sowohl aufgrund ihrer Mitmenschen und deren antizipierter Reaktion als auch durch ihre generelle Schüchternheit bedingt kaum trauen.

Und dieses Herantasten kann man schon in den ersten Sekunden des Stücks so wundervoll nachempfinden, wenn das Klavier zögerlich mit zwei Sechzehnteln und einer Achtelkette einsetzt (für Leute vom Fach: so nimmt der Komponist die Betonung aus dem ersten Ton bzw. dem Taktbeginn heraus, was die Zaghaftigkeit noch weiter unterstützt). Mit dem Einsatz der Geige kann man fast schon die zwei Liebenden in ihrem scheuen Tanz um die Wahrheit herum vor Augen sehen. Es ist ein unglaublich ergreifendes Stück – sowohl als Musik wie auch als Szene im Film.

The Vote

Die entscheidende Stelle im Film, an der sich die für das Dorf Verantwortlichen entscheiden müssen, ob ihnen das Leben des allerseits als zukünftigem Anführer erdachten Lucius wichtiger ist als die Aufrechterhaltung ihres raffinierten Coups (mehr spoilere ich nicht, basta!), muss natürlich auch musikalisch mit äußerster Dramaturgie umgesetzt werden.

Im Zentrum dieser Entscheidung steht Ivy Walker, die im Film um die zwanzig Jahre alt sein soll. Das Geigenthema, das mit ihr assoziiert ist, wurde von Hilary Hahn (leider nicht mit mir verwandt…) eingespielt, die zum damaligen Zeitpunkt ungefähr genauso alt war – was die Gestaltung des Stücks auf die bestmögliche Weise unterstützte. Auch im Making of äußern sich Komponist und Regisseur dazu, was man sich in diesem Video ansehen kann.

Die inständige Bitte an die Dorfältesten, ihrem Antrag stattzugeben, sie ziehen zu lassen, um für ihren schwer verletzten Verlobten Medizin zu holen, das Flehen um die Ausnahme von der eisernen Regel, all das wird musikalisch so intensiv dargeboten, dass mir bei jedem Anhören neu der Atem stockt. Alles an diesen sechs Minuten ist wunderbar, die zweite Hälfte davon jedoch noch etwas himmlischer. Unbedingt mit einer guten Anlage oder Kopfhörern anhören, um jedes Details der Musik voll auskosten zu können!

Fazit

Neben diesen zwei Stücken sind von den elf übrigen natürlich noch weitere Stücke hörenswert, doch jedes einzelne Mal, wenn ich das Album anhöre, sind die beiden meine Anlaufpunkte, mit ihnen beginne ich, mit ihnen ende ich. (Geht es nur mir so, oder schreibe ich heute wirklich extrem „salbungsvoll“?)

Auch wer mit klassischer Musik üblicherweise nichts am Hut hat, sollte sich diese paar Minuten nehmen, und die beiden Stücke – mit gutem Sound-Equipment – anhören. Jede Sekunde lohnt sich. Garantiert.

Ein kleiner Nachgedanke: Wie ich gerade heute auf dieses Album kam, ist mir selbst schleierhaft, denn in der Pipeline habe ich noch etliche rockige Gegenstücke. Möglicherweise ist es der Herbst mit den entlaubten Bäumen, die auch im Film einen Teil der mysteriösen, düsteren Stimmung zu Beginn ausmachen. Gegen Ende meines heutigen Morgenlaufs ging die Sonne auf und ich konnte die kahlen Bäume um mich herum mit jenem deutlichen Kontrast erkennen, denn es nur früh am Morgen und kurz vor Sonnenuntergang gibt. Vermutlich hat das mein Unterbewusstsein auf die Spur geführt.