Gelesen: „Puls“ von Stephen King

Obwohl ich mittlerweile wirklich viele Stephen King-Bücher gelesen und gehört habe (hier), gibt es immer noch ein paar weitere vor allem der älteren Werke zu entdecken. Zusätzlich veröffentlicht King munter weiter mindestens ein Buch pro Jahr – hier versiegt die Quelle anscheinend nicht so schnell. Und da ich den Schreibstil des „Meisters“ nun einmal sehr mag, werde ich da sicher auch in der Zukunft noch viel Lesestoff finden, was mir durchaus gefällt.

Entdeckung über das Stöbern

Wie kam ich auf das hier zu rezensierende Buch? Ganz einfach: Ich gab in der Apple Bücher-App „Stephen King“ als Suchbegriff ein und scrollte mich dann durch die Liste aller dort verfügbaren Bücher. Von den etlichen noch nicht gelesenen erschien mir beim Überfliegen die kurze Zusammenfassung von „Puls“ in der damaligen Situation spontan am spannendsten, außerdem ist es mit 576 Druckseiten einer der etwas kürzeren Romane (also nach King-Maßstäben…), also griff ich zu. Bereut habe ich es keine Sekunde.

„Puls“ – das Titelbild wirkt veraltet, die eine oder andere technische Anspielung in der Handlung ist es sicher auch, die Story ist dennoch spannend!
„Puls“ – das Titelbild wirkt veraltet, die eine oder andere technische Anspielung in der Handlung ist es sicher auch, die Story ist dennoch spannend!

Inhaltsangabe

Die Beschreibung des Heyne-Verlags lautet:

Clayton Riddell ist geschäftlich in Boston, hat schon Geschenke für seine Familie besorgt und möchte sich vor der Heimfahrt gerade bei einem Straßenhändler ein Eis kaufen, als die Welt untergeht. Geschäftsleute, Schüler, Busfahrer, alle Menschen, die in diesem Moment ein Handy am Ohr haben, laufen wie auf einen geheimen Befehl hin Amok, fallen übereinander her, schlachten sich gegenseitig ab, stürzen sich ins Verderben. Irgendwie können Clay, ein kleiner Mann mit Schnurrbart und ein junges Mädchen, das beinahe von ihrer Mutter umgebracht worden wäre, sich in ein Hotel retten. Sie sind völlig angeschnitten von der Außenwelt. Clay will unbedingt herausfinden, wie es um seine Frau und vor allem um seinen Sohn Johnny steht, der gerade in der Schule war, als der mörderische Irrsinn losging. Zu ihm muss Clay Kontakt aufnehmen, bevor ein anderer es per Handy tut. Die Suche nach Johnny wird zur Schreckensmission durch eine apokalyptische Welt.

Der Klappentext reißt wirklich nur den Beginn der Geschichte an, die Handlung nimmt noch etliche spannende Wendungen, führt eine ganze Schar weiterer interessanter Charaktere und Entwicklungen ein. Nicht zuletzt ist das Ende keineswegs abgeschlossen und lässt nicht nur einen sondern fast alle Handlungsfäden zumindest ein Stück weit offen. Oft mag ich so etwas nicht, hier passt es besonders gut zur gesamten Geschichte.

Mein Urteil über das Buch

Der Erzählstil ist schön flüssig, das Buch enthält im Vergleich zu vielen anderen King-Romanen dieser Länge verhältnismäßig wenige der sonst üblichen epischen Ausschweifungen (es kann natürlich auch sein, dass ich das gar nicht mehr richtig mitbekommen habe, weil ich mich so an diesen Stil gewöhnt habe) und geht herrlich zielstrebig voran.

Als Leser hatte ich stets das Gefühl, zumindest in groben Zügen zu sehen, wohin die Geschichte gehen könnte, das macht die Orientierung leicht und ermöglicht ein sehr flottes Vorankommen in der Geschichte. Das heißt nicht, dass es keine Überraschungen gab, denn daran spart King nie, aber zumindest die ungefähre Richtung war stets angedeutet.

Wer wie ich die neueren (also in den letzten 15 Jahren geschriebenen) King-Bücher mag, der wird auch hier auf seine Kosten kommen. Insgesamt habe ich das Buch in einer für meine Verhältnisse (an Arbeit mangelt es derzeit nicht) kurzen Zeit „inhaliert“, und das lag absolut nicht nur daran, dass der Roman nicht ganz so lang ist wie einige der anderen King-Schmöker. Mir haben sowohl das Thema als auch die Ausgestaltung gefallen, das Buch zählt zu meinen Lese-Highlights in diesem Frühjahr.

Bonus

Im Verlauf des Romans unterhalten sich ein paar der Akteure über ihre liebsten Science Fiction-Autoren. Da in diesem Fall ein paar mir unbekannte Namen fielen, sah ich gleich nach (es hätte ja gut sein können, dass Stephen King die frei erfunden hätte) und wurde fündig – daher lese ich schon seit dem (virtuellen) Weglegen von „Puls“ ein neues Buch: „Der Staubozean“ von Bruce Sterling. Bislang (bin schon im letzten Drittel) ist es höchst faszinierend, von dem Autor könnte ich glatt noch mehr lesen! Aber da warten auch schon die „Neuromancer“-Trilogie von William Gibson und die „Foundation“-Trilogie von Isaac Asimov – und danach sicher noch ein weiterer King. Hach, ich liebe Literatur!

Gelesen: „Stark – The Dark Half“ von Stephen King

Auf dieses Buch habe ich lange mit dem Lesen gewartet, denn gekauft hatte ich es schon vor mehreren Jahren bei Apple Books, doch erst nach meinem Exkurs in die Gefilde von „Erdsee“ (hier) begann ich mit der Lektüre.

Ein spannender und mysteriöser Roman: „Stark – The Dark Half“
Ein spannender und mysteriöser Roman: „Stark – The Dark Half“

Castle Rock-Zyklus

„Stark – The Dark Half“ gehört neben „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ (hier und hier) und „Cujo“ (hier) zum sog. „Castle Rock-Zyklus“, weil alle Geschichten in oder in der Nähe der fiktiven Stadt Castle Rock spielen. Im Verlauf der Jahre hat Stephen King immer wieder Geschichten in der Gegend angesiedelt, darunter „Erhebung“ (hier) und „Die Arena“ (die genau genommen im ebenso fiktiven Ort Chesters Mill, einem Nachbarort, spielt).

Handlung:

Im Gegensatz zu vielen Stephen King-Romanen, in denen Schrecken und Spannung vor allem aus ganz alltäglichen Dingen entstehen, ist die Ausgangsbasis für „Stark“ gleich ein ganz anderes Kaliber…

Thad Beaumont ist ein Autor, der mit den Romanen unter seinem eigenen Namen nur begrenzten Erfolg, mit denen unter dem streng gehüteten Pseudonym George Stark jedoch riesigen Erfolg hatte. Ein Jura-Student deckt das Geheimnis schließlich auf und möchte Beaumont damit erpressen. Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, „beerdigt“ Thad sein rein fiktives Pendant kurzerhand und gibt ein großes Zeitungsinterview im bekannten People-Magazine. Für den Artikel wird sogar ein Foto mit einem künstlichen Grabstein für George Stark auf dem Friedhof von Castle Rock nachgestellt.
Kurz darauf findet einer der Stadtangestellten an genau dieser Stelle ein Loch im Boden, das wirkt, als habe sich jemand dort heraus gegraben. Kurz darauf beginnen die Morde, die straff geplant und mit äußerster Brutalität durchgeführt werden. Ihr Ziel sind alle, die – auch nur peripher – mit dem „Tod“ des fiktiven Schriftstellers George Stark zu tun hatten.
Nach und nach ahnen Thad und seine Frau Liz, die mit der Polizei kooperieren, wer hinter den Morden steckt: Es kann kein anderer als George Stark sein. Doch wie wäre das möglich, war er doch nur eine Ausgeburt von Beaumonts Fantasie? Es entwickelt sich ein spannender Wettlauf gegen die Zeit, bis der Mörder wieder zuschlägt…

Fazit

Wie man in der Zusammenfassung schon erkennen konnte: Hier geht‘s ordentlich zur Sache. Das Buch ist extrem spannend geschrieben, ich bin binnen weniger Tage durch die mehreren hundert Seiten geflogen – ein echter „Page-Turner“. Dazu beigetragen hat auch eine von Stephen Kings angenehmen Eigenschaften: überwiegend kurze Kapitel. Das senkt die Hemmschwelle beim Beginn eines neuen Kapitels. Und man kann fast immer „noch schnell ein Kapitel“ reinquetschen. Da ich „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ schon vor Jahren gelesen habe, war es ein angenehmes „Wiedersehen“ mit dem einen oder anderen Castle Rock-Charakter, und derlei Anknüpfungspunkte sind immer angenehm.

Die meisten Stephen King-Fans werden das Buch schon längst kennen. Wer es noch nicht gelesen haben sollte, wird sich sofort wohl fühlen. Ich jedenfalls kann aus heutiger Sicht gar nicht mehr nachvollziehen, warum ich das Buch so lange aufgeschoben habe. Mal sehen, ob ich irgendwann an das Hörbuch komme, das wäre sicher nicht verkehrt…

Gelesen: Der gesamte „Erdsee-Zyklus“ von Ursula K. Le Guin

Vor einiger Zeit hatte ich schon einen kurzen Zwischenbericht gegeben (hier), mittlerweile habe ich alle sechs Bände des „Erdsee-Zyklus“ von Ursula K. Le Guin durchgelesen. Mit Ausnahme eines meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlichen Überblicks über die in den Büchern geschilderte Welt am Ende des fünften Bands fand ich das Lese-Erlebnis durchweg angenehm. Manchmal waren die Kapitel etwas lang, was aber kein stilistisches Problem war, sondern einfach nur meiner täglichen Zeiteinteilung etwas zuwider lief – aber damit konnte ich ja leicht umgehen, Lesezeichen sind einfach zu bedienen, zur Not habe ich mitten im Absatz das zuletzt gelesene Wort markiert und das Weiterlesen vertagt.

Der gesamte „Erdsee“-Zyklus, wie ich ihn hier auf meinem iPad gelesen habe.
Der gesamte „Erdsee“-Zyklus, wie ich ihn hier auf meinem iPad gelesen habe.

Vertiefung statt Erweiterung

Was mir an der Romanreihe am besten gefallen hat, war die zunehmende Differenzierung der Fantasiewelt. Dieser Vorgang fand gleichzeitig stilistisch wie auch im Detailreichtum der geschilderten Welt statt. Und entgegen der Unart mancher Fantasy-Autoren, einfach immer neue Wesen, Völker, Gegenden etc. in ihre Welten zu werfen (ein bisschen wirkt so etwas immer wie das althergebrachte „Deus ex machina“) werden im „Erdsee“-Zyklus immer wieder jene Kulturen und Gegenden aufgegriffen, die bereits an früherer Stelle erwähnt worden waren1. Und mit jedem einzelnen Besuch wird die Welt von Erdsee ein wenig plastischer, verständlicher und auf angenehme Weise vertrauter.

Schön ist es auch, einzelne Charaktere (z.B. Ged) von ihrer frühen Jugend bis ins hohe Alter zu begleiten, denn das setzt viele Ereignisse in eine für uns Menschen leicht verständliche Zeitdimension – mir hat das zumindest sehr gefallen. Anscheinend war es auch für die Autorin selbst eine faszinierende Angelegenheit, denn sie erwähnt diesen Punkt explizit im Nachwort zum letzten der sechs Bücher.

Frauen-Power

Darüber hinaus befreit Ursula K. Le Guin mit ihrer unaufgeregten und direkten Art diese Fantasy-Romane von der sonst in diesem Genre üblichen männlichen Dominanz, lässt Fragen des ganz alltäglichen Lebens „normaler Menschen“ zum Teil wichtiger werden als den sonst üblichen Hokus-Pokus der Magier und Zauberer. Das erdet die Romane auf gleichzeitig charmante wie auch effektive Weise. Und das imponierte mir, denn es war kein verbissen dogmatisches „Hier dürfen Männer keine wichtigen Positionen einnehmen“-Gehabe, ganz im Gegenteil: Es gibt Männer, auch wichtige Handlungsträger, und das nicht zu knapp. Aber daneben agieren auch Frauen, sie geben sich nicht einfach mit einer unwichtigen Position zufrieden, streiten für ihre Sache und verkörpern ein viel gelösteres und moderneres Frauenbild als so mancher brandaktuelle Kinofilm…

Fazit

Kurz nach dem Tod der Autorin vor gut einem Jahr haben sich viele weitere Schriftsteller lobend über sie geäußert, darunter zwei meiner Lieblingsautoren: Stephen King und John Scalzi. Das brachte mich damals auf die Idee, eines der Bücher aus dem „Erdsee“-Zyklus anzufangen, weil dieser wohl am bekanntesten war. Nun habe ich die kompletten sechs Bücher gelesen, alle haben mir gefallen. Da könnten durchaus noch ein paar weitere der Autorin folgen.

Allerdings rufen gerade einige andere Bücher von meinem (virtuellen) Stapel nach meiner Aufmerksamkeit. Bereits beendet habe ich „Blackout“ von Marc Elsberg, was mir bislang ebenfalls gut gefallen hat (hier). Danach war klar, dass mal wieder ein Stephen King-Roman anstand, heute früh habe ich mit „Stark – The Dark Half“ begonnen (nach zwei Seiten Eingewöhnung hat mich die Story schon verschluckt…). Und für danach liegt schon ein älterer John Scalzi-Schmöker bereit: „Agent der Sterne“. Hm, es scheint, für die kommenden Wochen habe ich genügend Lesefutter…

  1. Erst vor ein paar Tagen fiel mir auf, dass dies auch ein Element bei vielen Science Fiction-Serien und/oder -Filmen ist. Bei Star Wars werden für meinen Geschmack nämlich zu viele neue Planeten, Völker, Kulturen etc. eingeführt (wobei sich Star Trek da auch nicht gerade rühmlich hervortut).

Gelesen: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg

Bereits vor Jahren habe ich einen interessanten Blog-Artikel von Zeilenende gelesen, in dem er sich sehr positiv über den Roman „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg äußerte. Da ich auf Zeilenendes Urteil vertraute, kaufte ich das Buch im Apple Books Store – und ließ es erst einmal liegen, denn der SuB (= der „Stapel ungelesener Bücher“) war einfach zu groß, um gleich in ein neues Buch einzusteigen.

Nun, Jahre später, habe ich mir eine (kleine) Auszeit von Stephen King und John Scalzi verordnet – nicht, weil die beiden keine guten Autoren wären, sie gehören zum innersten Zirkel meiner liebsten Romanschreiber, aber man muss das Feuer ja am Laufen halten, und eine kleine Abstinenz führt dann sehr schnell zu einem gesteigerten Appetit. Also las ich zuerst die Hexalogie der „Erdsee“-Chroniken von Ursula K. Le Guin, dann „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg, aktuell stecke ich in „Grit“ von Angela Duckworth. Danach wird es dringend wieder Zeit für einen meiner beiden oben genannten Lieblinge.

Spannend und trotz seiner Veröffentlichung vor mehreren Jahren immer noch brandaktuell: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg.
Spannend und trotz seiner Veröffentlichung vor mehreren Jahren immer noch brandaktuell: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg.

Zurück zum Buch, ich greife ein wenig in der Wertung vor: Es ist intelligent aufgebaut, schnell und packend geschrieben, in hohem Ausmaß mitreißend – kurz: fantastisch zu lesen. Und das Szenario ist leider immer noch (der Roman erschien 2011) brandaktuell, denn nirgendwo in der westlichen Welt scheint man auch nur annähernd darauf vorbereitet zu sein, einmal einen kompletten (und landes- oder gar europaweiten) Stromausfall für mehr als zwei oder drei Tage wirklich kompensieren zu können. Aber um das etwas weniger kryptisch zu machen, sollte ich wohl erst einmal den Inhalt kurz zusammenfassen.

Handlung

„Blackout – Morgen ist es zu spät“ beginnt völlig abrupt, was auch gut ist, denn mich hat das von der ersten Seite an schnell und tief in die Geschichte hineingezogen (und bis zum Ende nicht mehr hergegeben):

Von einem Moment auf den nächsten fällt in Italien und Schweden der Strom aus. Zusätzlich zu den damit verbundenen Unfällen durch urplötzlich ihre Funktion verweigernde Ampeln destabilisieren sich europaweit die Stromnetze, die bereits seit Jahren auf das Engste miteinander verbunden sind. Mitten im Getümmel ist Piero Manzano, der als IT-Experte und Hacker ziemlich bald herausfindet, dass der Smart Meter (der mit dem Internet verbundene intelligente Stromzähler) in seinem Haus immer dann, wenn kurzfristig wieder Strom fließt, einen bestimmten Zahlencode anzeigt, der sich nach Recherche als „Disconnect“-Befehl für das Stromnetz erweist: Sein Haus wird quasi mit dem neu eintreffenden Strom auch schon wieder aus dem Netz geworfen. Sofort keimt in ihm der Verdacht, dass flächendeckend die Stromzähler manipuliert sein könnten, um auf diese Weise das Stromnetz immer dann wieder zum Zusammenbruch zu bringen, wenn es frisch anspringt. Er informiert seinen Energieversorger, der ihn jedoch unverrichteter Dinge wieder vor die Tür setzt. Über einen Nachbarn, dessen Tochter beim EUMIC (dem „European Mission and Information Centre“) arbeitet, nimmt er Kontakt mit Europol auf, die dann mit etwas Nachdruck bei verschiedenen Energieversorgern nachhaken – woraufhin sich der anfängliche Verdacht bestätigt. Schon bald ist klar, dass europaweit die Stromnetze infiziert wurden, Außenstehende können das Netz in großem Umfang manipulieren.

Gleichzeitig beginnen nun an vielen anderen Standorten in ganz Europa die unterschiedlichsten Kraftwerke damit, ihren Betrieb einzustellen. Die Software, die über die Funktionalität der Generatoren wacht, gibt Fehlermeldungen und Warnungen aus, woraufhin alle Generatoren heruntergefahren werden müssen. Schon bald wird klar, auch hier wurde manipulativ eingegriffen – nur weiß niemand, auf welche Weise genau. Bei den Nachforschungen ergibt sich eine Spur zur Talaefer AG, die die Software für alle betroffenen Kraftwerke geliefert hat. Trotz eines ausgeklügelten Sicherheitssystems, das Entwickler streng von Support und Qualitätskontrolle trennt, ist es einem oder mehreren Manipulatoren gelungen, Schadsoftware einzuschleusen. Doch wie soll man die auf die Schnelle finden, wenn die Software etliche Millionen Programmzeilen umfasst, die nur mit großer Expertise und hohem Zeitaufwand Stück für Stück überprüft werden können?

Aus dieser Situation heraus entwickelt sich für Manzano, Europol und viele andere beteiligte Helfer ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel mit den Hackern, die den völligen Blackout herbeigeführt haben. Parallel desintegriert sich der Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft mit der zunehmenden Dauer des Stromausfalls, jeder denkt nur noch an sich und seine Bedürfnisse, Gewalt, Verbrechen und Brutalität nehmen zu. Wird es Manzano und seinen Helfern gelingen, die Situation zu lösen, bevor sich Europa selbst zerfleischt?

Mehr erzähle ich lieber nicht, sonst könnte ich potenziellen Lesern die Lust auf das Buch nehmen. Doch selbst wenn ich das Ende verraten würde, kann diese Zusammenfassung kaum die Spannung aus der sehr detailreichen Geschichte nehmen. Gerade die vielen zusätzlichen Hintergrundinformationen, die zunehmende Vertiefung der Charaktere, die perfekt geschilderten Reaktionen der Medien auf das Chaos und die Schilderung der sich immer weiter verschärfenden Situation muss man gelesen haben, Spoiler hin oder her…

Buch vs. Hörbuch

Ich habe – wie so oft – zuerst das Buch komplett gelesen, dann das Hörbuch angehört. Leider handelte es sich um die „billige“ (5,99 €) Version, die deutlich gekürzt ist (ich wusste es vorher, also liegt die Schuld einzig bei mir). Viele eigentlich sehr interessante und spannende Nebenstränge der Geschichte wurden völlig ausgespart, was bedauernswert ist. Wer sich also eher für das Hörbuch interessiert, sollte auf jeden Fall die deutlich teurere, dafür ungekürzte Version nehmen.

Trotz der Kürzungen ist das Hörbuch aber auch faszinierend, denn der Sprecher gibt sich unglaublich viel Mühe, die einzelnen Charaktere durch die Andeutung verschiedener Akzente voneinander zu trennen. Das erleichtert die Orientierung ungemein – außerdem bietet das eine neue Ebene, die das Buch beim normalen Lesen (zumindest für mich) einfach nicht beinhaltete.

Fazit

Nun, wie oben schon geschrieben: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ ist ein packend geschriebener und sehr detailverliebter Katastrophenroman, der es gerade durch die vielen kleinen Informationen versteht, eine beklemmende Spannung aufzubauen, die es mir oft erschwerte, das Buch beiseite zu legen. Auch wenn das Hörbuch durch die vielen Kürzungen nicht mithalten konnte, war es gut gelesen und wäre bei Unkenntnis des ausführlicheren Romans sicher sehr spannend gewesen. Insofern kann ich „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg allen Freunden spannender Unterhaltungsliteratur sehr empfehlen.

Mein sportlicher Jahresrückblick

Und wieder geht ein Jahr zu Ende, das sich an manchen Tagen unendlich lang angefühlt hat, an anderen dagegen das nostalgische Gefühl von „Was, schon vorbei?“ in mir auslöste. Hier geht es mir darum, einen kurzen Rückblick über meine sportlichen Aktivitäten zu geben – und das hauptsächlich für mich selbst.

Laufen, Laufen, Laufen

Das Laufen ist und bleibt mein Sport, es gehört fest zu meinem Alltag, macht Spaß, hält mich gesund und prägt mich auch in vielerlei Hinsicht.

Der früh aufstehende „Spinner“

Dazu gehört unter anderem das frühe Aufstehen, denn ich will nicht nach der Arbeit laufen, erfahrungsgemäß fühle ich mich da zu schlapp. Also geht an regulären Arbeitstagen der erste Wecker um 3:50 h, meist bin ich dann auch sofort wach, nur am Ende langer Arbeitsstrecken wird es manchmal schwierig. Zwischen 4:15 und 4:30 h bin ich umgezogen und unterwegs – in mehr als 90 Prozent der Fälle draußen, obwohl ich ein Laufband im Keller habe. Doch das benutze ich nur bei Eis und Schnee (ich mag das Laufen mit Spikes nicht) oder im (glücklicherweise seltenen) Fall einer Erkältung.

Meine Frau nennt mich immer wieder einen „Spinner“, weil ich meinen Schlaf dafür opfere, so früh loszurennen. Es hat aber durchaus positive Seiten, denn so habe ich das Training schon sehr früh am Tag hinter mich gebracht, bin in der Schule auf jeden Fall sehr wach, und im Sommer ist das genau die Zeit, in der ich so gut wie nie auf freilaufende Hunde treffe – die sind für uns Läufer ja immer ein heikles Thema…

Vergleich 2017-2018

2017 bin ich knapp über 6.000 km gelaufen (hier), der Plan für 2018 war, es etwas entspannter anzugehen, was ich in der Tat so empfunden habe, auch wenn das Ergebnis nicht zwingend dafür spricht, denn insgesamt waren es 2018 dann doch mehr als 5.850 km.

Meine Läufe im Jahr 2018 – bis auf die drei Tage mit grippalem Infekt im Februar war ich jeden Tag unterwegs.
Meine Läufe im Jahr 2018 – bis auf die drei Tage mit grippalem Infekt im Februar war ich jeden Tag unterwegs.

Meine Standard-Strecke umfasst ziemlich genau 17 km/Tag (also rund 105 km/Woche), gelegentlich teste ich ein wenig an alternativen Routen herum, sodass auch mal nur 15 oder 16 km herauskommen, im Februar war ich drei Tage durch einen fiesen grippalen Infekt aus dem Verkehr gezogen, danach musste ich mich über den Verlauf einer Woche langsam wieder an die vorige Form herantasten – all das hat den Schnitt ein wenig gesenkt.

Bei meiner „Haus-Strecke“ kann ich die Zeiten mittlerweile sehr gut abschätzen, was an Arbeitstagen, wenn ich darauf achten muss, nicht zu spät wieder zuhause zu sein, um noch rechtzeitig duschen und frühstücken zu können, absolut notwendig ist. Daher finden die Testläufe für andere Strecken eher in den Ferien oder an Wochenenden statt.

Der erste „offizielle“ Halbmarathon

Am 23. September nahm ich mit meiner Frau und einer ihrer Kolleginnen am Beurer-Halbmarathon in Ulm teil (hier). Das war der erste „offizielle“ Halbmarathon, zu dem ich mich aufraffen konnte. Insgesamt war das Ergebnis toll (1:39:04 h), das Erlebnis schön und trotz meiner Aversion gegen große Menschenmassen angenehmer als erwartet.

Aber es wird vermutlich auf einige Zeit hin mein einziger solcher Lauf bleiben, denn ich finde es allein schon aus ökologischen Gründen ziemlich unsinnig, 65 km von Aalen nach Ulm zu fahren, um dort 21,1 km zu rennen, danach wieder den gleichen Weg zurück. Das sind, egal ob mit Auto oder Zug, einfach zu viele Kilometer, die letztlich einem „Event“ geopfert werden, das ich für mich privat jeden Tag hier veranstalten kann.

Sicherlich ist es ein ganz besonderes Erlebnis, mit so vielen anderen Läufern aus allen möglichen Gegenden gleichzeitig unterwegs zu sein, vom Straßenrand aus bejubelt zu werden (vermutlich war ich damit aber so gut wie nie gemeint), eine Stadt mal aus einer gänzlich anderen Perspektive zu erleben und den Adrenalin-Schub des Wettbewerbs zu spüren. Doch ich kann darauf sehr wohl verzichten.

Pedelec/E-Bike/Mountainbike

Üblicherweise rechne ich für mich selbst das Pedelec weniger als Sport-Gerät denn als simples Fortbewegungsmittel, doch gerade bei gutem Wetter nehme ich, zumindest wenn ich gerade nicht in großer Eile bin, bevorzugt die „romantische“ Strecke, also den etwas längeren, ästhetisch aber ansprechenderen Weg von A nach B. In den meisten Fällen ist damit der Weg von der Arbeit nach Hause gemeint, der im kürzesten Fall 3,6 km beträgt. Je nach Wetterlage, Stimmung und Lust kann sich der Heimweg dann aber schon einmal auf gut 10 km ausdehnen, weil ich eben die Bewegung an der frischen Luft so genieße.

In den Sommerferien bin ich mit meiner Frau eine Zeit lang gerne abends zwischen einer Stunde und anderthalb Stunden hier in der Umgebung herum gefahren, um diverse Sehenswürdigkeiten zu erkunden, die uns vorher einfach nicht bekannt gewesen waren. Das war sehr schön, denn durch den Antrieb fallen Hindernisse wie größere Steigungen (und davon gibt‘s im Ostalbkreis eine Menge) einfach nicht ins Gewicht. Hoffentlich klappt das z.B. in den Oster-, Pfingst- oder Sommerferien wieder in der Form!

Rudermaschine

Das Rudertraining im Keller gehört zu meinen Lieblings-Sportarten, die ich jedoch manchmal aus dem banalen Grund nicht gerne ausübe, weil es nun einmal im Keller stattfindet. Zum Glück gibt es das iPad, auf dem ich beim Training Serien und/oder Filme ansehen kann – ohne dieses Entertainment-Programm würde ich es wohl kaum aushalten.

Im Prinzip ist das Rudern deswegen eine ganz faszinierenden Sportart, weil eben nicht nur eine Region des Körpers, z.B. die Beine, eingebunden ist. Hier werden gleichzeitig die Muskulatur am Rücken, in den Armen, in der Brust und natürlich auch in den Beinen trainiert. Meine Mutter hat letztes Jahr zu Weihnachten einfach etwas Bargeld verschenkt, die habe ich in die Rudermaschine investiert (hier). Seit der Lieferung Anfang Januar 2018 habe ich insgesamt 188 Trainingsrunden darauf absolviert – insofern hat sich die Anschaffung also auf jeden Fall gelohnt.

Streaks Workout

Hinter dem schlichten Titel Streaks Workout verbirgt sich eine geniale App, die ein Training nach Zeit, Vorlieben und auf verschiedenen Geräten (iPad, iPhone, AppleTV und Apple Watch) bereitstellt. Gemeint ist damit, dass ich im Fall eines Trainings einfach nur meine Watch heben, das Training starten und dann den gesprochenen Anleitungen folgen muss.

Zur Auswahl stehen Programme mit einer Dauer von 6, 12, 18 oder 30 Minuten. In 99 Prozent der Fälle wähle ich das kurze Programm, denn das genügt schon, um den Puls ordentlich in Schwung zu bringen.

Beim ersten Mal wählt man aus einer sehr großen Anzahl unterschiedlicher Übungen jene aus, die man bevorzugt. Aus diesen wird dann zum Beginn eines Trainings per Zufallsgenerator eine Reihenfolge erstellt, die jeweils sechs oder sieben unterschiedliche Übungen in variabler Dauer miteinander kombiniert. So ist kein Training einem anderen exakt gleich – obwohl sich der Pool an Übungen nicht ändert. Das Grundkonzept ist also wirklich einfach aber genial.

Grundsätzlich bemühe ich mich, mindestens ein 6-Minuten-Training am Tag unterzubringen, verzichte jedoch darauf, wenn ich bereits vorher die 200% meines Bewegungsziels erreicht habe.

Yoga

Ich war noch nie besonders flexibel, merke aber äußerst deutlich, wie gut mir regelmäßiges Yoga tut, leider schaffe ich das immer nur für wenige Tage, bis dann wieder etwas dazwischen kommt. Je länger ich es am Stück durchhalte (gemeint ist: tägliches Ausüben über eine oder gar zwei Wochen ohne ausgelassene Tage), desto schneller und einfacher flutscht es mit der Dehnbarkeit.

Zu meinem großen Glück gibt es die App Pocket Yoga, die mich vom iPhone aus mit gesprochenen Anleitungen durch ein Training führt. Wenn ich beispielsweise den „Morgengruß“ wähle, bietet mir die App die Wahl zwischen 2, 4, 6, 8 (usw.) Durchgängen. Die ersten zwei werden langsam ausgeführt, damit die Erklärungen ausreichend Raum einnehmen, danach werden nur noch die Anweisungen ohne Erläuterungen in deutlich höherem Tempo vorgegeben und die Übungen ziemlich flink aneinander gereiht. Bei den ersten zwei Malen kam ich da ganz schön ins Schwitzen, mittlerweile geht es aber.

Mein Ziel für das neue Jahr ist nun, jeden Tag mindestens eine Doppelrunde (ca. 6-7 Minuten) auszuführen, denn den Effekt auf meine Flexibilität kann ich nicht übersehen. Hoffentlich klappt‘s!

Fazit

Wie gerade beschrieben: Ich war aktiv und habe eine Menge Zeit und Energie in den Sport investiert. Das tat gut, sorgte aber auch für einen gewissen körperlichen Verschleiß. Damit dieser nicht allzu stark voranschreitet, habe ich ein paar Ideen, wie es im neuen Jahr weitergehen könnte, doch das wird das Thema eines anderen Blog-Eintrags werden.

Kommt alle gut rüber ins neue Jahr und bleibt gesund und zufrieden!

Gehört: „Erhebung“ von Stephen King

Es ist absolut nichts Neues hier, denn berichtet habe ich gefühlt unzählige Male davon, aber ich bin nun einmal ein großer Fan der Bücher von Stephen King, in den letzten Jahren habe ich enorm viel von ihm gelesen und gehört, darunter sowohl die alten („Es“, „Die Augen des Drachen“, „Der Dunkle Turm“, „The Stand – Das letzte Gefecht“, „The Bachman Books“ usw.) als auch die neueren Bücher („Mr. Mercedes“, „Finderlohn“, „Mind Control“, „Sleeping Beauties“, „Der Outsider“). Meine persönlichen Highlights der letzten Monate waren die letzten drei Teile der „Dunklen Turm“-Reihe, „Sleeping Beauties“, „The Dead Zone“, „Der Outsider“ und „Insomnia“.

Obwohl der Autor mittlerweile schon die 70er-Grenze geknackt hat, kennt seine Schaffenskraft – sehr zu meiner Freude – ganz offensichtlich keine Grenzen. Regelmäßig kommen neue Bücher von ihm allein oder in Kollaboration mit anderen Autoren heraus, und sein Stil wird (meiner Meinung nach) immer besser, sodass mich gerade die frischen Bücher jedes einzelne Mal neu faszinieren. Der Erzählfluss ist so mühelos, dass man in eine Geschichte hineinschlüpft wie in eine bequeme Hose oder ein Wohlfühl-T-Shirt. Ich komme mit dem meist epischen Stil gut klar, worüber sollte ich mich also beschweren?

Buch oder Hörbuch?

Das jüngst (November 2018) veröffentlichte Buch „Erhebung“ geht bei Apple Books als eBook für den stolzen Preis von knapp zehn Euro über die (virtuelle) Ladentheke. Angesichts der für King eher ungewöhnlichen Kürze (knapp 200-300 Seiten, je nach Formatierung) habe ich mich dann eher für das billigere Hörbuch (für 6,99 €) entschieden – die Schwabengene schlagen nach etwas mehr als 13 Jahren im „Ländle“ halt doch durch.

Ganz frischer Stoff vom gereiften Meister – nicht nur für langjährige Fans ein wunderbares Lese-/Hörvergnügen!
Ganz frischer Stoff vom gereiften Meister – nicht nur für langjährige Fans ein wunderbares Lese-/Hörvergnügen!

Für die knapp sieben Euro bekam ich ein Hörbuch von grob drei Stunden Länge, gesprochen, wie so oft, von David Nathan, den sicher nicht nur ich für den wahrscheinlich besten King-Leser aller Zeiten halte, vielleicht abgesehen von King selbst, von dem ich sein Buch „On Writing. A Memoir Of The Craft“ in der englischen Hörbuch-Fassung habe. Im Vergleich zu den älteren Hörbüchern mit einer deutlichen höheren Spielzeit ist „Erhebung“ also nicht gerade ein Schnäppchen, seinen Preis aber vollends wert, um schon einmal einen Teil des Fazits vorwegzunehmen.

Überraschend anders

Mittlerweile habe ich das Hörbuch zum zweiten Mal durch, ein drittes Mal wird sicher nicht lange auf sich warten lassen – und muss sagen, dass es sich dabei gleichzeitig um ein absolut typisches wie auch überraschend untypisches King-Buch handelt. Typisch daran ist die Art, wie er Charaktere aufbaut, sie agieren und denken lässt, da fühlte ich mich sofort heimisch, da ich — wie oben bereits erwähnt — gerade die neueren Werke fast durchweg kenne. Atypisch ist die Tatsache, dass es sich weder um eine Horror- noch eine Kriminalgeschichte handelt. Es fällt mir insgesamt schwer, das Buch einem Genre zuzuordnen, ohne dass mir sofort Elemente einfallen, die es eben auch für dieses gleich wieder untypisch erscheinen lassen. Diese Ambivalenz könnte störend sein, ist es aber nicht, zumindest nicht für mich.

Handlung

Nun komme ich zur gleichzeitig einfachsten wie auch spannendsten Frage bei jedem Buch: Worum geht es?

Der Protagonist der Geschichte, Scott, ist ein richtig dicker Mann, nicht nur ein wenig feist, sondern mit anfänglich gut 110 Kilogramm schon ordentlich „über der Grenze“. Doch sein Erscheinungsbild mit der hängenden Wampe täuscht, denn bereits zu Beginn der Geschichte hat er 13 kg abgenommen – und dieser Trend setzt sich unumkehrbar fort: Jeden Tag verschwindet mindestens ein Kilo. An sich wäre das für eine Weile ja gar nicht schlecht, doch sein Äußeres ändert sich leider nicht im Geringsten. Die Waage zeigt während der gesamten Zeit des stetigen Gewichtsverlusts seltsamerweise immer das gleiche (täglich niedrigere) Gewicht an, ob er nun unbekleidet, mit Kleidern oder mit Kleidern und zusätzlichen Gegenständen auf die Waage steigt. Dieser Zustand ist ihm unerklärlich und zunehmend unheimlich, woraufhin er sich einem Freund, einem Arzt im Ruhestand, anvertraut. Doch selbst, als dieser sich mit eigenen Augen von Scotts Zustand überzeugen konnte, findet sich keine Erklärung dafür.

Ein Nebengedanke: Nun kommt der Teil, den ich für untypisch an einem King-Buch halte: Ausgehend von der bislang geschilderten Grundidee des Buchs könnte man – analog zu „Thinner – Der Fluch“, einem älteren Bachmann/King-Buch – eine spannende Horrorstory spinnen. Doch das passiert nicht. Ganz im Gegenteil, das Buch legt den Fokus auf das freundschaftliche Miteinander, das Kitten von problematischen Beziehungen, den Austausch von Freundlichkeiten und Gefallen, um einem selbst und anderen das Leben schöner zu machen. Natürlich entwickelt sich daraus eine völlig andere Dynamik, doch die ist nicht minder faszinierend – hätte ich sonst das Hörbuch zweimal innerhalb von zwei Wochen angehört? Sicher nicht.

Scott hat neben seinem eigenartigen und unaufhaltsamen Gewichtsverlust noch ein Problem: Seine beiden Nachbarinnen, ein lesbisches Ehepaar, die ein vegetarisches Restaurant in Castle Rock führen, laufen täglich ihre Runde und nehmen dabei ihre beiden großen Hunde mit. Am Ende des Laufs hinterlassen beide Hunde jeweils ein besonders appetitliches „Geschenk“ auf seinem Rasen. Mehrfach hat er sie angesprochen, immer ohne Erfolg. Als er es endlich fertig bringt, ein Beweisfoto zu schießen, um die Diskussion zu einem definitiven Ende zu bringen, fühlt es sich trotz allem nicht richtig an, denn eigentlich wünscht Scott sich keinen Streit, auch keinen „Sieg“ über die Nachbarinnen, sondern nur eine ganz normale nachbarschaftliche Beziehung zu den beiden Damen…

Von hier an spoilere ich nicht weiter, denn der Reiz liegt auf dem nun einsetzenden Wandlungsprozess aller beteiligten Akteure, der zu Beginn in dieser Form kaum vorauszuahnen war. Auf jeden Fall entwickelt sich die Geschichte in überraschend erfrischender Weise, geführt von Kings jahrzehntelang geschliffener Erzählkunst, aber ohne die zu erwartenden Horror-Elemente – eine verblüffend gelungene Kombination, die es mir sicherlich noch mehrfach wert sein wird, das Hörbuch anzuhören.

Fazit

Wie bereits mehrfach ausgeführt, handelt es sich bei „Erhebung“ um einen eher untypischen Roman von Stephen King sowohl hinsichtlich der Länge (im Vergleich zu seinen sonstigen Büchern ist es extrem kurz) als auch der eingesetzten Elemente (keinerlei Horror), der dennoch von den erzählerischen Fähigkeiten des Autors profitiert, denn der Fluss der Geschichte ist völlig makellos, es gibt schlicht keinen Moment, an dem ich das Hörbuch hätte stoppen und beiseite legen wollen.

Wer sich also drei wundervolle Stunden bereiten möchte, dem sei „Erhebung“ wärmstens empfohlen. Mir hat das Hörbuch ausnehmend gut gefallen, vielleicht hilft diese Einschätzung ja jemandem „da draußen“…

Neues Lesefutter

Seit meinem letzten Blogeintrag ist eine lange Zeit vergangen, ich kann auch nicht sagen, ob sich an diesen längeren Intervallen in der nächsten Zeit viel ändern wird. Tatsächlich bin ich zwar sehr aktiv, die Tage werden gefühlt auch nicht kürzer, aber eben nur selten hier.

Nachdem ich im Sommer und frühen Herbst einige Bücher von Stephen King und John Scalzi gelesen habe, dachte ich mir vor ein paar Wochen, dass es doch schön wäre, einmal einen stilistischen Wechsel vorzunehmen. Und dafür hatte ich tatsächlich auch schon etwas bereit liegen…

Im Januar 2018 starb die einflussreiche Science Fiction- und Fantasy-Autorin Ursula K. Le Guin. Damals war ich noch bei Twitter, also kamen viele interessante Tweets über ihren Tod – nicht zuletzt von meinen oben genannten Lieblings-Autoren. Alle priesen sie als eine einflussreiche Autorin, die viele nachfolgende Schreiber nachhaltig geprägt habe. Und ich kannte kein einziges Buch von ihr. Also kaufte ich damals den ersten Band der „Erdsee“-Saga im iBooks Store, hatte da aber noch so viele andere Bücher, dass ich damit erst einmal nur den virtuellen SuB fütterte.

Zwischen September und November jedoch las ich zwei Scalzi-Romane („Der wilde Planet“, „Androiden-Träume“) und zischte geradezu durch ein paar längere King-Schmöker („The Dead Zone – Das Attentat“, „Schlaflos (Insomnia)“). Und jetzt war ich bereit, mich einem neuen Stil zu stellen, also begann ich mit dem bereits auf Halde liegenden ersten Band der „Erdsee“-Saga:

Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.
Der erste band des „Erdsee“-Zyklus, zum Glück versteckt hinter einem sehr neutralen Cover-Bild.

John Scalzi unterteilt die meisten seiner Romane in recht kurze, also schnell zu lesende Abschnitte, was mir üblicherweise sehr entgegenkommt. Und genau in dieser Hinsicht unterscheidet sich der Stil von Ursula K. Le Guin deutlich, denn sie schreibt meistens ein Kapitel in einem großen Rutsch durch. Nur selten wird in der Mitte eines Kapitels ein zusätzlicher Absatz eingefügt, ansonsten geht der Text ohne visuelle Unterbrechungen über 20-50 Seiten (gemeint ist am iPad Pro mit 12,9 Zoll) durch. Das war eine gewisse Umstellung, aber nicht weiter tragisch, binnen zweier oder dreier Kapitel war ich darauf eingestellt.

Und dann packte mich der Stil, der zuerst etwas nüchtern daher kam, mir dann aber immer besser gefiel. Durch den ungewohnten Schreibstil kroch ich gefühlt wie eine Schnecke über die ersten Seiten, je länger ich dran war, desto schneller „flog“ ich durch das Buch, denn die Geschichte hatte mich gepackt. Der erste Band war dann auch binnen weniger Tage durchgelesen. Darin wird ein Teil der Lebensgeschichte von Ged, einem der mächtigsten Magier seiner Zeit beschrieben, beginnend mit seiner Kindheit bis hin zum Lösen einer existenziellen Krise. Das war sehr gut, also musste sofort der zweite Band her, der wiederum in weniger als einer Woche gelesen war:

Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!
Der zweite Band – mir wäre ein unscheinbareres Cover lieber gewesen, der Inhalt des Buchs ist dafür sehr gut!

Im Nachwort äußerte sich Ursula K. Le Guin darüber, dass es ihres Wissens einer der ersten Fantasy-Romane (wenn nicht gar der erste) sei, in dem sich die Geschichte um das Schicksal einer weiblichen Hauptfigur dreht. Denn, und da kann ich ihr meiner bisherigen Lese-Erfahrung nach nur zustimmen, der gesamte Science Fiction- und Fantasy-Bereich sei voll von Patriarchen und anderen Männergestalten, Frauen finden darin nur als Randfiguren Platz. Wohlbemerkt: Das Buch hat sie in den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren geschrieben – und bis dahin galt das sicher auch noch (Ausnahmen würden vermutlich eher die Regel bestätigen).

Der zweite Band war im gleichen Stil wie der erste geschrieben, also brauchte ich nicht lange, um hineinzufinden und mich danach gleich an den dritten Band zu machen, in dem ich aktuell noch stecke. Die ersten zwei oder drei Kapitel sind exakt wie erwartet und dementsprechend gut. Bei dem Tempo habe ich bis Jahresende alle sechs Bände der Serie durch…

Silent Brass: 20+ Jahre

1996 war ich noch ein junger Student, gerade einmal im zweiten Semester meines ersten Diplomstudiums (Orchestermusik). Für Rundfunkaufnahmen mit dem Bayerischen Rundfunk probte ich in Bayreuth mit einem Projektorchester und einigen Gesangssolisten (hier) für die Aufzeichnung der mehrere europäische Länder einbeziehenden Produktion einer tschechischen Oper (ich glaube, der Titel war „Im Brunnen“, aber es ist einfach schon so lange her…).

Kauf auf Empfehlung

Einer der anderen Musiker, ein Hornist, war gleichzeitig der Chef eines Musikgeschäfts in Bayreuth. Während einer Pause erzählte er mir von einer tollen technischen Neuerung: Yamaha hatte einen Übedämpfer für Trompete entwickelt, der fast frei vom sonst üblichen (und äußerlich hinderlichen) Rückstau (die Luft, die man vorne in die Trompete reinbläst, muss ja irgendwo wieder herauskommen) funktionierte. Zusätzlich konnte der Dämpfer mit einem elektronischen Gerät verbunden werden, über das man sowohl eine externe Klangquelle einschleifen als auch mit einstellbarem Raumhall spielen könne. Der Clou aber war, dass all das nach außen hin so leise blieb, dass man damit auch problemlos in einem Hochhaus üben könne, ohne die Nachbarn zu stören.

Ich wohnte damals im siebten Stock eines Hochhauses, außerdem war es zu der Zeit mein „Beruf“, jeden Tag mehrere Stunden mit Üben zu verbringen. Die Problematik war mir mehr als bewusst – und ich wollte auch nicht dauernd zum Haus meiner Eltern im nächsten Ort weiterfahren, um dort üben zu können… Also kaufte ich mir das angepriesene Gerät, es hieß Silent Brass.

Erfahrung

Das war vor 22 Jahren. Ich habe den Dämpfer immer noch. Erst letzte Woche habe ich täglich im Urlaub mit ihm geübt. Ich verwende zwar seit Jahren nicht mehr das elektronische Zusatzgerät (das „Studio“), weil ich dafür neben dem Dämpfer auch die ganzen Kabel, sechs (!) AAA-Batterien (bzw. Akkus und ein Ladegerät) und einen Kopfhörer mitschleppen müsste. Aber es klappt eben auch ohne den „Technik-Kram“, nur auf akustischem Wege.

Modernisierung

Vor ein paar Monaten kam nun eine neue Version des bewährten Systems heraus. Ein Kollege in der Schule, ebenfalls Blechbläser, erzählte mir davon. Doch ich vergaß es wieder. Bis ich letzte Woche im Urlaub eben wieder täglich mit dem „alten“ Silent Brass übte. Ich erinnerte mich, mein Interesse war geweckt, also recherchierte ich ein wenig – und tatsächlich berichten viele Benutzer, dass es nochmals deutlich besser geworden sei. Nun war ich wirklich gespannt, am Donnerstag bestellte ich das Set, gestern wurde es geliefert, heute habe ich das erste Mal damit geübt.

Mein erstes Fazit: „WOW!“ Insgesamt liegen gut 22 oder 23 Jahre technischer Entwicklung zwischen den beiden Geräten, es war mir klar, dass es hier und da Verbesserungen geben musste, doch das Ausmaß und die Stimmigkeit der Innovation hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit überraschte mich dann doch.

Vergleich zwischen altem und neuem Modell

Um allen, die es interessiert, einen Einblick zu geben, habe ich ein paar schöne Foto-Vergleiche angestellt, die sehr schnell zeigen, was sich getan hat.

Schon der bloße Blick auf die Verpackung zeigt, dass das alte Modell deutlich größer war (klar lag das auch an der Art, wie alles im Karton untergebracht war, dennoch ist die Dimension eine gänzlich andere):

Links das alte, rechts das neue Modell
Links das alte, rechts das neue Modell

Der Verpackungsinhalt ist nicht allzu unterschiedlich, wenn man sich anguckt, was grundsätzlich an Teilen enthalten ist:

Lediglich das Netzteil war beim alten Gerät mitgeliefert, so eines ist heute nicht mehr vorgesehen (kein Wunder, wer möchte beim üben maximal 1,5 Meter von der Steckdose entfernt stehen).
Lediglich das Netzteil war beim alten Gerät mitgeliefert, so eines ist heute nicht mehr vorgesehen – kein Wunder, wer möchte beim Üben maximal 1,5 Meter von der Steckdose entfernt stehen?

Wie man gleich sehen kann, gab es am elektronischen Teil viele Einstellmöglichkeiten, die beim Üben aber tatsächlich kaum ins Gewicht fallen, deswegen wurde der Großteil davon in der Revision abgeschafft. Aus der Praxis heraus weiß ich sicher, dass das kein Verlust ist, denn „zu viele Einstellungsmöglichkeiten“ verleiten fast immer dazu, „zu viel daran herumzuspielen“ – man sollte sich aber eher auf das Üben konzentrieren, nicht an der Technik herumbasteln. Ganz abgesehen davon konnte man sich mit der Reverb-Einstellung „Church“ hinsichtlich des eigenen Sounds ganz schön in die Tasche lügen…

Der elektronische Begleiter ist gleich deutlich schlanker ausgefallen, funktioniert aber (mit weniger Einstellungsmöglichkeiten) genauso gut.
Der elektronische Begleiter ist gleich deutlich schlanker ausgefallen, funktioniert aber (mit weniger Einstellungsmöglichkeiten) genauso gut.

Auf beiden Fotos habe ich mit voller Absicht die Kopfhörer unterschlagen, denn nach 22 Jahren gibt es das originale Paar Kopfhörer aus der blauen Kartonage einfach nicht mehr.

So weit ragt der alte Dämpfer aus dem Schallstück der Trompete heraus...
So weit ragt der alte Dämpfer aus dem Schallstück der Trompete heraus…

...und so (wenig) weit ist es beim neuen Modell – ich habe das rechte Foto nur dazugenommen, weil man vom Dämpfer links so wenig sieht.
…und so (wenig) weit ist es beim neuen Modell – ich habe das rechte Foto nur dazugenommen, weil man vom Dämpfer links so wenig sieht.

Tja, die Länge des Dämpfers hat sich am deutlichsten verändert, denn das originale Modell ragte wirklich weit aus der Trompete heraus (je nach Schallstück 10-15 Zentimeter). Wenn man da beim Üben in einer engen Wohnung oder einem kleinen Hotelzimmer nicht aufpasste, konnte man schon einmal anstoßen – eine schmerzhafte Sache, da sich der Stoß über Instrument und Mundstück auf die Lippen und Schneidezähne überträgt… (Ich schreibe aus schmerzvoller Erfahrung.)

Ein weiterer Nachteil des weiten Herausragens des alten Dämpfermodells war, dass es gerne mal nach einer Weile des Übens (wenn sich genug Feuchtigkeit aus der Atemluft im Schallstück angesammelt hatte), herausfiel. Ich ging, nachdem mir das ein- oder zweimal passiert war, dazu über, das Verbindungskabel vom Dämpfer zum Studio noch einmal um das Schallstück der Trompete zu winden, sodass der Dämpfer im Fall der Fälle erst einmal daran baumeln konnte. Dafür wurde das Kabel dann etwas kurz… Das neue Modell sitzt so tief und stabil im Schallstück, dass ich mir darüber erst einmal keinen Kopf zerbrechen muss.

Fast 118 Gramm – kein echtes „Schwergewicht“, am Ende eines Hebels aber deutlich spürbar...
Fast 118 Gramm – kein echtes „Schwergewicht“, am Ende eines Hebels aber deutlich spürbar…

Mit 69 Gramm sogar noch unter der Herstellerangabe (vielleicht haben die auch das Kabel eingerechnet) – den Unterschied fühlt man, vor allem in Verbindung mit der neuen Form!
Mit 69 Gramm sogar noch unter der Herstellerangabe (vielleicht haben die auch das Kabel eingerechnet) – den Unterschied fühlt man, vor allem in Verbindung mit der neuen Form!

Neben der Form ist das Gewicht des Dämpfers entscheidend, hier ist der Unterschied ebenfalls deutlich spürbar: fast 118 Gramm beim alten Modell stehen nicht einmal 70 Gramm beim neuen gegenüber. Verbindet man das mit der deutlich komprimierten Form, so ist das neue Modell viel besser im Alltag einzusetzen. Das ist sinnvolle Innovation, die auf Erfahrung basiert.

Eine Sache kann ich fotografisch nicht festhalten: den Rückstau. Beim Mundstück bläst man als Trompeter komprimierte Luft in das Instrument hinein, die muss ja irgendwo entweichen. Wie genau das Silent Brass-System die Kanalisierung gestaltet, dass es ohne den sonst üblichen – und äußerst hinderlichen – Rückstau klappt, weiß ich nicht. Dennoch: Auch an dieser Front hat sich einiges getan. Um es zu testen, habe ich heute von den 40-50 Minuten Üben zuerst 35 Minuten ohne Dämpfer gespielt. Dann bin ich auf den neuen Übedämpfer umgestiegen, um den direkten Vergleich zum „offenen“ Spielen zu erfühlen. Und das hat mich tatsächlich am meisten umgehauen, denn es war so gut wie gar kein Unterschied mehr zu fühlen. Wie auch immer die das hinbekommen haben, es war ein Geniestreich!

Fazit

Ich bin derart begeistert, dass ich in den nächsten Tagen garantiert allein deswegen noch einige Male mit dem neuen Silent Brass üben werde, auch wenn ich das hier (also zuhause) gar nicht müsste. Den Machern des neuen Systems sollten ganze Generationen von Trompetern dankbar sein, denn nun kann man wirklich „immer und überall“ spielen, ohne andere Leute damit zu nerven – gerade als Student, der eventuell in einem beengten Wohnheim üben muss ist das eine fantastische Sache! Hut ab vor den Entwicklern!

Gelesen: „Der wilde Planet“ von John Scalzi

Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!
Ein wundervoll spannungsgeladener und doch äußerst humorvoller Roman – lesenswert!

In der Vergangenheit habe ich meine Begeisterung für die Romane von John Scalzi keineswegs verheimlicht (siehe hier, hier und hier). Mir gefallen an allen bisher genossenen Werken der locker-flapsige Ton, die oft skurrilen Wendungen, der wilde, teils absurde Humor und die halsbrecherische Action, die eigentlich immer wieder ausbricht.

Nachdem ich die gesamte „Dunkler Turm“-Reihe von Stephen King durchgelesen (und mittlerweile durchgehört) habe, wollte ich eine stilistische Abwechslung, denn wo Stephen King tendenziell in die epische Breite geht, bleiben die Romane von John Scalzi immer deutlich kürzer und kompakter, ohne dabei von minderwertiger Qualität zu sein. Es ist einfach ein knapperer Stil, der mir – gerade als Abwechslung nach vier King-Werken am Stück – gut taugt.

Zum Inhalt

Der Klappentext laut Amazon.de liest sich recht nüchtern und kann leider nicht im Geringsten das Vergnügen heraufbeschwören, das ich beim Lesen empfand:

Die Menschen haben die Galaxis besiedelt und beuten die Rohstoffe der Planeten nach Kräften aus. Für den Prospektor Jack Holloway ein einträgliches Geschäft, wird er doch an den Gewinnen beteiligt. Als auf Zara XXIII, einem paradiesischen Planeten, ein fossiles, in der Galaxis äußerst seltenes Material entdeckt wird, winkt plötzlich das große Geld. Aber keiner hat mit den geheimnisvollen Bewohnern dieser Welt gerechnet – und auch der Planet selbst hält noch einige Überraschungen parat …

Wie bei vielen anderen Scalzi-Romanen wird aus dem anfänglichen Antihelden Jack Holloway nach und nach in einigen überraschenden Wendungen ein absoluter Mega-Held, der mit geschickten und vorher nicht erahnbaren Kniffen für etliche Überraschungen sorgt.

Remake eines Klassikers

Was ich vorher nicht wusste: John Scalzi stellt mit diesem Roman eine Neufassung bzw. Umarbeitung eines bereits bestehenden Werks eines anderen Autors vor. Unter dem Titel „Der kleine Fuzzy“ wurde der Roman von H. Beam Piper bereits 1962 für den in Science Fiction-Kreisen äußerst begehrten Hugo Award vorgeschlagen – und das völlig zu Recht, wenn die Geschichte auch nur annähernd so gut wie die Neufassung ist.

Hörbuch hinterher

Wie immer habe ich mir gleich nach dem Beenden des eigentlichen Lesens das Hörbuch besorgt. Dieses gab es leider nur auf Englisch („Fuzzy Nation“, ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es sich dabei um ein Wortspiel über „Fascination“ handelt…), dafür mit dem Bonus, von Wil Wheaton vorgelesen zu werden, den ich als Sprecher sehr schätze. Da er außerdem ein guter Freund von John Scalzi ist, kann man wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Version sehr nah an die Vorstellung des Autors herankommt.

Fazit

Ich habe jede einzelne Minute des Lesens genossen, die letzten 100 Seiten musste ich am Stück durchpflügen, weil ich das Buch einfach nicht weglegen konnte. Wer auf unterhaltsame, intelligente, witzige und extrem spannende Science Fiction steht, wird hier von der ersten Seite an auf seine Kosten kommen.

Die Vorteile eines Haus-Akkus

Vor ein paar Wochen berichtete ich davon (hier), wie zufrieden ich mit dem Energiespeicher bin, der Ende Mai als Ergänzung zu unserer Photovoltaik-Anlage installiert wurde (hier). Mittlerweile haben wir einen weiteren Monat mit einer Autarkie-Quote von 98 Prozent hinter uns, was natürlich sehr schön ist, im Winter aber wohl kaum haltbar sein wird. Dennoch: zwischen Frühjahr und Herbst sollten fast alle Energiebedürfnisse durch die Photovoltaik in Kombination mit dem Akku befriedigt werden können.

Doch ich habe in den vergangenen Wochen noch etwas gelernt: Der Akku ist auch perfekt dazu geeignet, kurzfristig hohen Energiebedarf abzufedern. Ein Beispiel: Wenn man eine Fläche am Herd auf die höchste Stufe einstellt, zieht der Herd locker 1,5 bis 2 kW. Liefert die Photovoltaik zu diesem Zeitpunkt aber nur 1,3 kW, müssten 200 Watt vom Netz bezogen werden. Das passiert im Moment aber nicht bzw. nur für einen relativ kurzen Moment, bis die Steuerung des Akkus das realisiert hat und Energie aus dem Akku bereitstellt.

Gerade vorhin habe ich das wieder einmal erlebt, doch um das zu erläutern, muss ich ein wenig ausholen. Unsere PV-Anlage ist auf der Westseite des Dachs angebracht, was mit der Ost-West-Ausrichtung unseres Hausdachs zusammenhängt. Auf diese Weise greifen wir ab ca. 11:30 bis fast zum Sonnenuntergang (kurz vorher ist dann das Nachbarhaus im Weg) die intensivsten Sonnenstunden ab. Vor dieser Zeit kommt ab Sonnenaufgang auch schon einiges an Energie rein, aber eben noch nicht ganz so viel.

Zurück zur aktuellen Situation: Unsere Spülmaschine war voll, also aktivierte ich sie gegen 9:00 h, obwohl noch nicht genügend PV-Energie erzeugt wurde, um den Bedarf der Spülmaschine abzudecken. Der Haus-Akku war aber bei über 50 Prozent, also stellte das überhaupt kein Problem dar, denn so konnte ich sichergehen, dass bis zum Mittagessen unser Geschirr zur Verfügung stünde, der Akku stellte die Energie bereit – perfekt!

2,27 kW Bedarf, 910 Watt PV-Energie, der Rest kommt vom Akku. Sobald die PV-Erzeugung über dem Bedarf ist, wird der Akku weiter aufgeladen.
2,27 kW Bedarf, 910 Watt PV-Energie, der Rest kommt vom Akku. Sobald die PV-Erzeugung über dem Bedarf ist, wird der Akku weiter aufgeladen.

Wie die Darstellung schön zeigt, sorgt der Akku dafür, dass alle PV-Energie (zum Zeitpunkt des Screenshots waren es 910 Watt) aufgebraucht wird, der Mehrbedarf (hier 1,37 kW) muss aber nicht aus dem Netz bezogen werden. Somit ist verständlich, wie sich die in der rechten Hälfte angezeigte Autarkiequote für den heutigen Tag bei 100 Prozent eingependelt hat.

Ohne den Akku würden wir natürlich auch weite Teile unseres Solarstroms verbrauchen, gerade in Momenten hohen Strombedarfs aber (z.B. Kochen am Mittag und am Abend, Spül- und Waschmaschine, Toaster, Mikrowelle und noch so ein paar Kleinigkeiten) müssten wir täglich Energie dazukaufen. Der Akku sorgt dafür, dass wir das größtenteils umgehen können.