Donauwörth

Am vergangenen Wochenende weilte ich mitsamt Frau und Kindern in der Jugendherberge Donauwörth, wo ein großes Familientreffen stattfand. Grund dafür war der 60. Geburtstag meiner Tante. Da sich die Verwandtschaft untereinander gut versteht, wurde über die Dauer von zwei Tagen ordentlich viel geratscht und sich ausgetauscht. Wir als Musiker-Familie steuerten natürlich auch noch einen zu unserer Profession passenden Anteil bei.

Friedhofs-Präsentation

Ein Punkt, der einiges Schmunzeln und auch Augenverdrehen hervorrief, war eine via Beamer gezeigte Präsentation über den Ort, in dem mein Vater und seine fünf Schwestern einmal aufgewachsen waren. Es handelt sich um Göllheim in Rheinland-Pfalz. Der makabre Punkt war, dass die Präsentation nach einer kurzen Einleitung überwiegend Bilder von Grabsteinen beinhaltete.

Doch für mich, der ich dort zuletzt in meinen mittleren Teenager-Jahren zu Besuch war, enthielt die Präsentation sehr viele faszinierende Elemente – immerhin konnte ich an der einen oder anderen Stelle an meinen eigenen Erfahrungsschatz anknüpfen (und diesen somit erweitern). Gezeigt wurden unter anderem die Grabsteine des Pfarrers (Haus und Grundstück lagen in unmittelbarer Nähe zur örtlichen katholischen Kirche), des damaligen Grundschullehrers, einiger früherer Nachbarn und sonst für die Familie bedeutsamer Personen aus dem Ort.

Alles in allem ging die Präsentation etwa zwanzig Minuten lang, in der Zeit habe ich mehr über den Ort und die Familie gelernt als in den vergangenen fünf Jahren – und seit damals habe ich durch den Tod meines Vaters schon ein paar neue Informationen ausgegraben.

Laufen am Morgen

Jeder kennt das Phänomen, dass es auf solchen Familienfesten immer geradezu unglaubliche Mengen an leckeren Speisen, vor allem Kuchen und andere Leckereien, gibt. Ich habe mich zwar einigermaßen beherrscht, doch das eine oder andere Stück fand durch meinen Mund den Weg in die ewigen Jagdgründe, um es mal im Stil von Karl May auszudrücken. Um aber der völligen Verfettung entgegenzuwirken, hatte ich in weiser Voraussicht (etwas anderes hätte sicher keiner meiner treuen Leser von mir erwartet) meine Laufsachen eingepackt.

Und dann erfuhr ich, dass meine Cousine sich bereits bei der Herbergsleitung mit Informationen zu geeigneten Laufstrecken versorgt hatte. Nach einer kurzen Kontaktaufnahme stand fest, dass wir am nächsten Morgen eine ca. 15 Kilometer lange Runde in Angriff nehmen wollten – meine Frau schloss sich gleich dieser illustren Runde an. Da meine Tante selbst ebenfalls eine Lehrerin ist, hatte sie die Organisation des Tages nicht dem Zufall überlassen und den Beginn des Frühstücks auf die sportliche Zeit von 7:30 h angesetzt. Da man für 15 Kilometer nun einmal zwischen 80 und 90 Minuten benötigt, war somit auch der Startzeitpunkt auf 6:00 h festgelegt.

Also trafen wir uns am Samstag Morgen ungefähr zur vereinbarten Zeit im Foyer der Jugendherberge – und dann ging es auch schon los in die Dunkelheit. Und damit begann die zu Beginn etwas planlose Sucherei, denn die Straßenkarte war eher eine grobe schematische Darstellung denn ein geeignetes Medium, um daraus die genaue Route ableiten zu können. Zusätzlich lag ein dichter Nebel über der Landschaft, was die Orientierung zusätzlich erschwerte. Dennoch fanden wir nach ein paar Kilometern die richtige Abzweigung, danach lief es relativ geradlinig, sogar dem Ring-Kling-Tick meiner Frau konnten wir gemeinsam frönen, als wir alle drei am Wendepunkt an den Pfosten eines Verkehrsschildes klopften.

Irgendwann auf dem vom Gegenwind gekennzeichneten Rückweg entzog sich meine Frau unserem den kühlen Temperaturen geschuldeten Tempo-Diktat und scheuchte mich energisch davon. Durch einen cleveren Trick (der geneigte Leser erinnert sich hier vielleicht an die Geschichte vom Hasen und dem Igel: „Ich bin schon da!“) schaffte sie es dennoch, früher als wir beiden – von ihr als „langbeinige Fliegengewichte“ bezeichnet (siehe hier) – zurück zur Jugendherberge.

Ich bin schon da!

Wie sagte doch gleich der Igel zum Hasen: Ich bin schon da!

Und dennoch vereinbarten meine Cousine und ich einen erneuten Lauf für den Sonntag Morgen. Zum Glück wussten wir ja nun, wo der Weg entlang ging. Zusätzlich hatte mein Schwager aus Tübingen eine sensationell helle Stirnlampe vom Fahrradfahren dabei, die er mir auslieh – wow, damit durch ein paar Nebelschwaden zu laufen…: Man kommt sich dabei vor wie im „Millenium Falcon“, wenn dieser auf Überlichtgeschwindigkeit beschleunigt. Also hängten wir noch einige weitere Kilometer am Ende an – der lange Umweg vom Vortag war ja nun weggefallen. Das Tempo war richtig gut, auf die Gesamtstrecke von 15,6 Kilometer liefen wir im Schnitt mit 5:27 Minuten pro Kilometer (das sind etwas mehr als 11,5 km/h). Schick, da freut man sich gleich wieder auf das nächste Familientreffen!

Kalt, aber schön!

Niedrige Außentemperaturen, hohes Tempo!

Laufstatistik 2016:
– 32 Läufe
– Kilometer gesamt: 456,15
– Laufzeit: 42 Stunden 54 Minuten

 

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4 Gedanken zu „Donauwörth

  1. Zeilenende sagt:

    Ich spüre erste Anflüge von Nostalgie in deinen Ausführungen. Wirst du etwa alt? 😉

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