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Frühjahrsmüdigkeit

Augenringe sind doch eh nur Einbildung...

Augenringe sind doch eh nur Einbildung…

Aktuell verspüre ich tagtäglich die Auswirkungen einer deutlichen Frühjahrsmüdigkeit: Die Tage werden länger, das Arbeitspensum ist gerade recht hoch, doch durch das verlängerte Tageslicht bin ich bei gleicher Uhrzeit für das Aufstehen etwas später im Bett. Das macht sich bemerkbar. Vor allem beim Korrigieren, das im Moment auch verstärkt ansteht. Heute sitze ich am vierten Test in vier Tagen, das schlaucht, denn die Konzentration muss nun einmal da sein, die Schüler wollen schließlich möglichst gleich behandelt werden. Irgendwann stößt aber auch Koffein an seine Grenzen. Wie immer kommt dann (also bei der Kombination von Müdigkeit und Korrekturen) eine schier unbändige Lust auf Süßes in mir auf. Doch noch halte ich sie ganz brav im Zaum. Noch…

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Zwischenstand

Ende Januar wurde mir bewusst, dass ich über die Advents- und Weihnachtszeit schlicht und ergreifend zu viele leckere Süßigkeiten verputzt hatte. Es mangelte mir zwar nicht an Bewegung, doch die Menge an Süßigkeiten, die nicht nur abends sondern auch verteilt über den ganzen Tag in mir landeten, sorgten für ein stetiges Zunehmen. Als ich dann an mehreren Tagen hintereinander immer deutlich mehr auf der Waage zu sehen bekam, als mir lieb war, nahm ich das Kalorienzählen wieder auf (mit CaloryGuard Pro). Über die Fastenzeit verstärkte sich die Sache, sodass meine Gewichtsentwicklung zum aktuell niedrigsten Gewicht seit der 11. oder 12. Klasse führte:

Die Entwicklung ist klar zu erkennen, vor allem ab dem Beginn der Fastenzeit (1.3.).

Die Entwicklung ist klar zu erkennen, vor allem ab dem Beginn der Fastenzeit (1.3.).

Parallel dazu behielt ich natürlich mein übliches Laufpensum bei. Gerade heute früh habe ich die Marke von 1.900 Kilometer in diesem Kalenderjahr durchbrochen:

Gerade frisch erreicht: 1.900 Kilometer in diesem Kalenderjahr.

Gerade frisch erreicht: 1.900 Kilometer in diesem Kalenderjahr.

Wie ich vor einigen Tagen berichtete, waren meine Brooks Glycerin 13 schon sehr abgenutzt. Noch einmal 150-200 Kilometer weiter war vom hinteren Teil der Sohle nicht mehr viel übrig, ich lief auf der Dämpfung – und sehr holprig, weil die eben nicht gleichmäßig abgenutzt war.

Heute hatte ich die Möglichkeit, mir neue Laufschuhe zu besorgen. Um die Abnutzung etwas länger zu strecken, habe ich wieder – wie schon beim Laufband – zwei unterschiedliche Paare genommen. Auf diese Weise wird auch meine Muskulatur immer wieder auf unterschiedliche Weise gefordert bzw. gestützt.

Als großer Fan von Asics-Laufschuhen wolle ich auch wieder zu dieser Marke zurück. Am Ende landete ich beim Gel Nimbus 19 und beim Gel Cumulus 18:

Farblich machen sie schon etwas her...

Farblich machen sie schon etwas her…

Wie man sehen kann, sind diese beiden Modelle sehr gut gedämmt und bieten viel Halt für meine Füße – so mag ich es bei den Schuhen für draußen.

Wie man sehen kann, sind diese beiden Modelle sehr gut gedämmt und bieten viel Halt für meine Füße – so mag ich es bei den Schuhen für draußen.

Noch liegen keine Erfahrungswerte mit den neuen Schuhen vor, doch in ein paar Tagen kann (und werde) ich sicher mehr berichten.

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Gehört: „Ulysses“ von James Joyce

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

„Ulysses“ gehört zu den literarischen Werken, die mich aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, des Autors (von dem ich in meiner Schul- und Studienzeit bereits drei andere Bücher gelesen und genossen hatte) und der Erzähltechnik („Stream of Consciousness“) schon lange faszinierten.

Weg mit dem (gedruckten) Buch

Die gedruckte Buchfassung hatte ich gut 20 Jahre im Regal stehen, bis mir klar wurde, dass ich sie nie lesen würde, schon gar nicht in dieser Darreichungsform. Meine Lesegewohnheiten sind in den letzten sieben Jahren derart stark auf iPhone und iPad umgemünzt worden, dass ich mich mit einem „normalen“ Buch in der Hand zwar nicht unwohl fühle, mir aber sofort klar ist, dass ich es eben nicht ständig (im Sinne von 24 Stunden am Tag) bei mir trage. Und in dieser Hinsicht schlägt das iPhone alle anderen Lesegeräte. Noch dazu ist der Kontrast auf dem Bildschirm derart hoch, dass ich auch schon seit gut fünf Jahren meine Lesebrille nicht mehr benötige. Zurück zum Buch: Die Druckfassung habe ich über Momox im letzten Jahr verkauft, aber das Interesse an „Ulysses“ als Werk blieb ungebrochen. Also langte ich vor ein paar Wochen tief in meine Taschen und leistete mir für gut 38 € im iTunes Store das beinahe 40 Stunden lange Hörbuch – pro Stunde ungefähr ein Euro, das ist aus meiner Sicht akzeptabel.

Hörbuch deluxe

Es ist eine wirklich grandios produzierte ungekürzte Fassung mit ca. 40 unterschiedlichen Sprechern (allerlei Geschlechts), die sich teils in kurzen Abschnitten, teils in wirklich langen Passagen abwechseln. Auch handwerklich ist das Hörbuch äußerst gut gemacht, denn es spielt – beim Laufen habe ich das durch die AirPods natürlich sehr deutlich gemerkt – auch mit dem Panorama: Bei Passagen, in denen sich die Sprecher in kurzem zeitlichen Versatz ergänzen, wird mehrfach zwischen linkem und rechtem Kanal hin und her gewechselt. Nötig wäre das natürlich nicht, aber ein interessanter Effekt ist es allemal.

Fazit: Die Hörbuch-Produktion ist sowohl hinsichtlich der Sprecher als auch der Audio-Qualität absolut makellos und ihr Geld zweifelsohne wert.

Das „Werk“

Vorwarnung: Ich „oute“ mich gleich als völliger Kulturbanause.

Anders als die Hörbuch-Produktion konnte mich das Werk – vielleicht auch aufgrund einer gewissen Reife, die ich mir mittlerweile schamlos zugestehen darf – nur wenig mitreißen. In den letzten Monaten/Jahren habe ich sehr viel gelesen und noch mehr gehört. Wenn mir etwas gefiel, habe ich darüber gebloggt, wodurch den Lesern meines Blogs ziemlich leicht fallen dürfte, meine literarischen Interessensgebiete einzugrenzen:

  • Unmengen an Science Fiction (z.B. „Krieg der Klone“ von John Scalzi oder die „Space Troopers“-Reihe von P. E. Jones)
  • viel Action (z.B. die „Cotton Reloaded“-Serie)
  • (leichter) Horror (vor allem die späteren Werke von Stephen King wie „Die Arena“ oder auch „Dreamcatcher“)
  • viel Humor (z.B. „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion)
  • gerne auch alles in Kombination
  • oder natürlich Fachbücher über sportliche oder Gesundheits-Themen.

Gerade bei den Romanen und Kurzgeschichten geht es mir aber darum, die Charaktere in ihrer Interaktion zu erleben, Anteil an ihren Motiven und den Umständen, die sie zum Handeln zwingen, zu nehmen, sie zu verstehen und meist auch innerlich zu bewerten – das macht Literatur ja so großartig: Sie kann uns unterhalten, uns bewegen und zum Nachdenken anregen. Außerdem schätze ich es sehr, wenn die Handlung zügig vorangetrieben wird.

„Ulysses“ dagegen ist – oberflächlich betrachtet – die Verkörperung der Banalität, denn es geht letztlich um nichts. Das sage ich nicht verächtlich, eher bedauernd. Faktisch folgt die Geschichte (es ist ja noch nicht einmal eine richtige Geschichte…) einen Tag (für die Puristen: einen Tag und ein Stück des folgenden Morgens) lang einer Person („Leopold Bloom“), zeigt seine Interaktionen mit einer Vielzahl anderer Menschen, dessen Gedanken und die der anderen Personen auf – vermag aber mit wenigen Ausnahmen kaum, mich zu interessieren. Der Grund ist die bereits erwähnte Banalität. Der Schluss des Buchs ist ja ein gut 40 Druckseiten langer innerer Monolog der Ehefrau („Molly Bloom“). James Joyce hat versucht, einen tatsächlichen Gedankenstrom nachzustellen, was ihm sicher auch gelungen ist. Doch leider sind unsere alltäglichen Gedanken mit Unmengen an Banalitäten angefüllt. Viele Menschen – ich sicher eingeschlossen – denken ziemlich oft an ganz normale körperfunktionale Dinge (z.B. „Ich muss demnächst mal wieder auf’s Klo…“ und dergleichen). Es ist ja schön, das einmal exemplarisch zu begreifen, wenn aber ein gut zweieindreiviertel Stunden langer Abschnitt eines Hörbuchs fast nur um derlei Themen kreist (und es ist wirklich so, dass Molly sich in diesem langen Abschluss-Gedankenstrom nur über Sex, die Gestaltung ihrer Wohnung, Sex, Shopping, Sex, Toilettengänge, Sex, Körperpflege, ihre eigene verschrobene Selbstwahrnehmung, Sex und dergleichen Gedanken macht) nimmt es die Wirkung einer Tortur an.

In „Geisterbrigaden“ lässt John Scalzi einen ähnlichen Gedankengang ablaufen:

Passt irgendwie perfekt, oder?

Passt irgendwie perfekt, oder?

Beim Laufen war es sogar noch viel schlimmer. Der schleppend langsame Verlauf dieses einen Tages (literarisch ja nun auf 38 Stunden ausgedehnt) zieht sich gefühlt doppelt so lange hin, wenn man sich des Morgens durch die noch recht düstere Ostalb bewegt. Mit dem richtigen Hörbuch „fliege“ ich (gefühlt) nur so über die Straßen und Wege, mit „Ulysses“ kroch ich wie eine Schnecke.

Die Erzähltechnik und die Wortwahl sowie der unverkennbar gebildete Ansatz, der nicht zuletzt durch die eingesetzten mindestens fünf Sprachen (ich konnte Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Latein erkennen) zutage tritt, sind die Elemente, die mich begeistern konnten. Hier und da schuf James Joyce sogar geradezu brüllend komische Passagen, wie zum Beispiel die Kutschfahrt nach dem Requiem für Paddy Dignam, bei der die Fahrgäste sich in einen wahren Lachrausch hineinsteigern.

Wie ich schon geschrieben habe: Ich bin wohl ein Kulturbanause. Denn selbstverständlich ist mir völlig klar, dass ein derart fähiger Autor wie James Joyce niemals in seinem Leben so viel Zeit und Mühe dafür geopfert hätte, nur Banalitäten anzusammeln. Das Werk ist durchzogen von einem feinen Netz literarischer, sozialer und historischer Anspielungen. Mein Banausentum besteht nun darin, dass mir das – geradeheraus gesagt – scheißegal ist. Momentan mag ich Bücher, die ich in die Hand nehmen und mich selbst für eine Weile darin verlieren kann. Ich suchte Unterhaltung und fand Bildung. Und genauso spröde, wie das klingt, war es leider auch.

Fazit:

Das Werk ist faszinierend, aber nicht für mein aktuelles Ich. Dieses sucht nach Unterhaltung, die das Werk in der für mich attraktiven Form nicht oder nur an wenigen Stellen zu bieten vermag. Dass ich mir die volle Länge gegönnt habe, zeigt, dass es mir durchaus ernst mit dem Buch war, doch ist mir jetzt eindeutig nach leichterer Kost, die meinem simplen Geist eher entgegen kommt. In einigen Jahren gibt es einen erneuten Anlauf, vielleicht sogar in Form eines iBooks mit zusätzlicher Sekundärliteratur, denn faszinierend ist das Werk nach wie vor auf einer intellektuellen Ebene – nur weiß ich, dass ich in den kommenden Jahren erst einmal kein Verlangen habe, mich dem Werk noch einmal so zu nähern.

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Gesehen: „Pathfinder – Fährte des Kriegers“

„Pathfinder – Fährte des Kriegers“: Interessant, aber in der Summe vorhersehbar und (mir) etwas zu blutrünstig.

„Pathfinder – Fährte des Kriegers“: Interessant, aber in der Summe vorhersehbar und (mir) etwas zu blutrünstig.

Vor ein paar Wochen habe ich mir bei den 3,99 €-Angeboten im iTunes Store den Film „Pathfinder – Fährte des Kriegers“ geleistet. Die ausschlaggebenden Gründe dafür waren:

  • Karl Urban, die Neubesetzung von „Pille“ (eigentlich ja Dr. Leonard McCoy) aus dem Star Trek-Universum, spielt die Hauptrolle.
  • Die Kurzbeschreibung (s.u.), die irgendwie auf ein wenig mehr Finesse hatte hoffen lassen…

Klappentext

Die Kurzfassung des Inhalts, bzw. der sog. „Anreißer“ zu diesem Film liest sich wie folgt:

Als die Wikinger mit mächtigen Drachenbooten die amerikanische Küste erreichen, fallen sie mit barbarischen Eroberungszügen in das Land ein. Blutige Kämpfe um Ehre und Eroberung beginnen, in denen sich die indianischen Stämme gegen die Wikinger erbittert zur Wehr setzen. „Pathfinder“ erzählt die Geschichte eines Wikingerjungen, der nach einem Schiffbruch von seinem Clan zurückgelassen wird. Er wird von Indianern entdeckt, aufgenommen und großgezogen und erhält den Namen „Ghost“. Als die Wikinger Jahre später erneut das Leben der Indianerstämme bedrohen, muss sich der mittlerweile erwachsene Ghost entscheiden, auf welcher Seite er steht, und zieht in einen persönlichen Kampf gegen die Wikinger, um ihren Weg der Zerstörung und des Todes zu stoppen.

Fazit

Irgendwie klang der Anreißer-Text für mich so, als würde man da auch einiges über die Indianerstämme erfahren, was sehr interessant gewesen wäre. Doch leider bleibt das fast vollkommen außen vor. Stattdessen wird gekämpft, gemordet, gejagt, verbrannt, erschlagen, gemetzelt… Etwas zu viel des „Guten“ für meinen Geschmack.

Karl Urban kann ein bisschen was retten, aber letztlich ist es ein reiner Haudrauf-Film, der eben jene erhoffte Finesse, die in der Kurzfassung der Handlung durchaus noch möglich gewesen wäre, schmerzlich vermissen lässt. Die Einstufung „Ab 18 Jahren“ hätte mir schon eine Lehre sein sollen. Egal, als das Gehirn nicht fordernder Zeitvertreib einmal im Jahr ist der Film durchaus geeignet – ich habe auch schon einige viel schlechtere Filme gesehen.

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Song des Tages (227) – 2017-04-27

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Einer der Musiker, die ihr Handwerk wirklich von der Pike auf gelernt haben und es bis heute nach eben diesem hohen Standard (und alles in Handarbeit) ausüben, ist Sting. Ich schätze ihn und seine Musik sehr, habe ihn mittlerweile mindestens dreimal live erlebt, fast alle Alben hier (die Sampler habe ich mir gespart, den Rest dürfte ich haben).

Im November 2016 veröffentlichte er sein jüngstes Album mit dem Titel „57th & 9th“, womit er auf die Lage seines Aufnahme-Studios in New York anspielte. Das Album ist in vielerlei Hinsicht ein Back to the Roots-Trip, die Musik erinnert zum Teil wieder mehr an seine Zeit bei The Police, ist aber doch deutlich gereifter, hier und da mit politisierenden Untertönen – das Werk eines Mannes jenseits der 60.

Der Opener des Albums wurde schon eine ganze Weile vorher veröffentlicht, und da ich das neue Album kaum abwarten konnte, hörte ich diesen Song immer und immer wieder. Es ist einer der schlimmsten Ohrwürmer, die ich kenne (und mir dann doch immer wieder willentlich zufüge), daher hat er sich seinen Platz als Song des Tages in dieser Runde redlich verdient: „I Can’t Stop Thinkin‘ About You“ von Sting:

Man sieht ihm die 60+ Jahre an, glücklicherweise hört man sie (abgesehen von der Reife der Stücke) nicht. Sehr schön!

Kaum war das Stück damals draußen, ergoß sich ein wahrer Schwall von Cover-Versionen über YouTube. Leider habe ich die eine, die sehr lustig war, weil da ein etwas verpeilter Typ alle Parts vokal eingesungen hatte, nicht mehr gefunden. Sollte jemand zu viel Zeit haben, darf er/sie gerne suchen und mir den Link in den Kommentaren schicken.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Fastenzeit — und jetzt?

Die Fastenzeit verlief sehr erfolgreich, der Trend darf sich gerne noch eine Weile fortsetzen!

Die Fastenzeit verlief sehr erfolgreich, der Trend darf sich gerne noch eine Weile fortsetzen!

Wie die Grafik zeigt, habe ich in den letzten Wochen ganz gut an Gewicht verloren. Die Fastenzeit war in dieser Hinsicht erfolgreich, noch besser war die Wiederaufnahme des Kalorienzählens, denn sie allein bringt Klarheit in das stets fragile Gefüge von In- und Output der Energie.

Nach dem Marathonlauf am 15.4. (hier) kann man einen deutlichen Knick nach unten erkennen, denn auf über 42 Kilometern habe ich wirklich viele Kalorien verbrannt — an diesem Tag allein kam ich auf über 50.000 Schritte.

Am Ende des Tages war da doch einiges zusammengekommen...

Am Ende des Tages war da doch einiges zusammengekommen…

Kein Wunder, dass am nächsten Morgen die Waage sehr gnädig war, hatte ich doch am Vortag mindestens 800 Kilokalorien, die im „Budget“ gewesen wären, ungenutzt gelassen. Leider, leider war es auch gleich der Ostersonntag, an dem traditionell bei den Schwiegereltern geschlemmt wird, bis alles zu spät ist. Klar, da rächte sich die Waage. Aber ich sehe das völlig entspannt, denn der Trend ist ungebrochen und klar zu erkennen.

Ein kleiner Zwischenstand von meinen täglichen Läufen.

Ein kleiner Zwischenstand von meinen täglichen Läufen.

An Sport mangelt es mir nicht, wenngleich ab morgen ein durchweg anstrengender Abschnitt im Schuljahr folgt, zusätzlich garniert mit haufenweise privaten Sonderterminen.

Doch selbst nach dem Ende der Fastenzeit werde ich weiterhin brav meine Kalorien zählen, darauf achten, abends nicht mehr als die 1.600 Kilokalorien (plus Sportanrechnung, die allerdings nur mit 20%) zu verbrauchen. Letztlich möchte ich die beiden Love-Handles an meiner Hüfte noch loswerden, wenn der Bauch auch noch einen Tick flacher wird, sträube ich mich nicht dagegen… Daher ist mein neues Zielgewicht (siehe oben) die Marke von 61 kg. Wenn das nichts hilft, dann halt nicht. Weiter runter komme ich bei 1,78 Metern Körpergröße und einer Vorliebe für Süßkram ohnehin nicht…

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Gesehen: „Harry Brown“

Ein teilweise sehr bedrückender und vermutlich einigermaßen realistischer Film mit einer fragwürdigen Botschaft...

Ein teilweise sehr bedrückender und vermutlich einigermaßen realistischer Film mit einer fragwürdigen Botschaft…

Bereits vor ein paar Wochen kaufte ich in der 3,99 €-Sektion den Film „Harry Brown“, maßgeblich weil Michael Caine die Hauptrolle spielt. Nicht erst seit „Batman Begins“ schätze ich ihn als großartigen Schauspieler, der mittlerweile in dem Alter angekommen ist, dass er sich die Rollen wirklich aussuchen kann.

Handlung

Harry Brown ist ein englischer Rentner, in seinem früheren Berufsleben war er bei der Spezialeinheit der Armee, was ihm unter anderem auch eine Dienstzeit in Nordirland einbrachte. Nun aber lebt er allein (seine ohnehin seit längerer Zeit im Koma liegende Frau stirbt gleich zu Beginn des Films) und fühlt sich zusehends verloren in einer Welt, die sich weiterbewegt hat. Mit Schrecken beobachtet er, wie jugendliche Banden seine nähere Umgebung in ein Tollhaus verwandeln, in dem offen Gewalt ausgeübt und mit Drogen gedealt wird. Einer seiner wenigen Freunde berichtet ihm davon, dass er von den Jugendlichen schon mehrfach bedroht worden sei. Bereits am nächsten Tag ist er tot, erstochen von einer der Jugendbanden. Da brennt bei Harry eine Sicherung durch: Er besorgt sich eine Waffe (wobei er die zwei finsteren Typen, von denen er die Waffe ursprünglich kaufen wollte, gleich einmal über den Haufen schießt) und macht sich auf, um Selbstjustiz zu üben…

Zweifelhafte Botschaft

Natürlich ist das der klassische Bauplan für einen Action-Film, leider geht die Geschichte – Achtung: Spoiler! – so aus, dass der Kriegsveteran am Ende ungeschoren mit einer ganzen Menge Morde auf seinem Gewissen aus der Affäre hervorgeht. Da muss ich dann doch hinterfragen, was sich die Autoren des Drehbuchs dabei gedacht haben. Denn letztlich wird eindeutig das Signal ausgesandt: „Selbstjustiz ist ok, solange dich keiner dabei erwischt.“ Damit kann ich mich nicht identifizieren.

Alter Darsteller in einem Action-Film – geht das denn?

Spannend ist ja auch die Frage, ob ein Action-Film mit einem Hauptdarsteller, der zu diesem Zeitpunkt (der Film erschien 2009) bereits 76 Jahre alt war (Michael Caine ist Jahrgang 1933), überhaupt überzeugend funktionieren kann. Doch in dieser Hinsicht kann ich volle Entwarnung geben, denn gerade weil Michael Caine in diese Rolle geradezu hineingealtert ist, passt das perfekt. An Action wird nicht gespart, die eine oder andere Szene hätte meinetwegen durchaus auch entschärft werden können.

Realistisch

Insgesamt wirkt der Film in seiner Gesamtheit sehr realistisch („echte“ Erfahrungen mit der Thematik habe ich ja glücklicherweise nicht), was den Film streckenweise zu einer echt beklemmenden Angelegenheit macht. Bei den Kommentaren zum Film in der IMDb (hier) äußern sich mehrere Nutzer in der Weise, dass der Film das Leben in einem Problembezirk Londons zu der Zeit recht akkurat porträtiere.

Fazit

Der Film ist sehr gut gemacht, die Handlung wirkt auf mich äußerst realistisch (und darin beklemmend, was den Film nicht zu einem amüsanten Action-Film macht), der Hauptdarsteller brilliert, insgesamt handelt es sich für ein Regie-Debut (Daniel Barber) um einen kraftvollen und gelungenen Einstieg. Besonders häufig werde ich mir den Film jedoch vermutlich nicht ansehen, denn er verbreitet eine derart pessimistische und düstere Sicht auf das Großstadtleben, dass er eher als Milieustudie denn als Unterhaltung taugt.

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Gesehen: „Star Trek: Beyond“

Ein klasse Action-Film, der sich (leider) immer weiter von den eigentlichen Star Trek-Eckpfeilern entfernt...

Ein klasse Action-Film, der sich (leider) immer weiter von den eigentlichen Star Trek-Eckpfeilern entfernt…

Am vergangenen Donnerstag haben wir uns zum ersten Mal den neuesten Star Trek-Film mit dem Titel „Beyond“ angesehen. Alles in allem ist der Film ein echter Hingucker, denn für die Augen wird ein opulentes Fest geboten, sowohl hinsichtlich der Kostüme, des Make-Up bzw. der Masken, auch auf Seiten der Musik sowie der Action-Choreographien und der visuellen Effekte. Wirklich sehr ansprechend.

Gleichzeitig hinterließ der Film bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck, da die früher für Star Trek noch so zentralen Themen vom knallharten und durchaus spektakulären Action-Anteil schlichtweg in den Hintergrund gedrängt wurden. Und das sogar in einem derartigen Ausmaß, dass sie weitgehend zu fehlen scheinen. Nun habe ich den Film lediglich ein einziges Mal gesehen, eventuell ändert sich da noch etwas an meiner Einstellung, wenn ich den Film noch ein- oder zweimal gesehen habe. Doch im Vergleich zu „Star Trek IX: Der Aufstand“, der ganz zentral den Aspekt der Humanität, der Legalität, der Gerechtigkeit (und viele andere der wirklich tief in der Trekkie-Seele verankerten Topoi) behandelte, war dies auf den ersten Blick ein zwar opulentes, doch streckenweise sinnentleertes Science Fiction-Geballere.

Ich gebe zu, dass meine Meinung noch nicht gefestigt ist, der Film verdient auch eine zweite und dritte Chance (so eine würde ich „Sunshine“ nicht ohne Weiteres einräumen). Sollte sich meine Wahrnehmung noch maßgeblich ändern, schreibe ich einen Anhang zu dieser Rezension.

Handlung

Die Enterprise dockt an einer Raumstation an, empfängt eine Bitte um Hilfe von der Vertreterin eines fremden Volkes. Natürlich bietet man die Hilfe an, muss dann aber beim Eintritt in das Zielsystem erkennen, dass es eine brutale Falle war. Binnen kurzer Zeit wird die Enterprise von einem schier übermächtigen Feind angegriffen, besiegt und weitgehend zerstört, die Mannschaft wird auf einem Planeten des gerade angeflogenen Systems gefangen gehalten. Nur die üblichen Verdächtigen (Kirk, Spock, Pille…) und ein neuer Charakter, die mysteriöse Jaylah, schlagen sich allein oder in kleinen Gruppen durch, um eine Lösung für die verfahrene Situation zu finden, was am Ende natürlich gelingt. Die gemeinsame Anstrengung und die in der Gruppe durchstandene Notsituation schweißt die Mannschaft noch fester zusammen, als es vorher der Fall gewesen war.

Fazit

Meine oben ausgebreitete Kritik zeichnet ein etwas düsteres Bild, was nicht in meinem Interesse liegt, denn alle Kritikpunkte beziehen sich eher darauf, dass der Film nicht so ganz in das gewohnte Star Trek-Gedankengebäude passt. Er „leiht sich“ die bekannten Figuren (und das Schiff), baut darum eine solide Action-Handlung, vergisst aber leider zu sehr seine Wurzeln in eben diesem Star Trek-Universum. Und wir Trekkies sind dann doch sehr daran gewöhnt, dass die altbekannten Topoi eine gewichtige Rolle spielen, weswegen der Film auf dieser Ebene leider enttäuschen muss.

Damit möchte ich aber nicht falsch verstanden werden: Wem diese grundlegende Star Trek-Philosophie oder -Ethik egal ist, der kann den Film ganz einfach als grandioses Action-Kino genießen (so werde ich ihn mir sicher auch noch etliche Mal abends ansehen). Optik und Musik (Michael Giacchino wie immer in Höchstform) passen ebenfalls, hier gibt es ganz und gar nichts zu beanstanden.

Wenn man jedoch diesen Film mit „Star Trek VIII: Der erste Kontakt“ oder „Star Trek IX: Der Aufstand“ – beide stellen für mich die Krone der (modernen) Star Trek-Filme dar – vergleicht, dann kann er trotz der wesentlich krasseren Action-Szenen niemals mithalten. Schade, sehr schade, denn das Potenzial hätte der Film durchaus gehabt. Es wurde aber vorschnell zugunsten einer sehr rasch fortschreitenden (dafür aber nicht in die Tiefe reichenden) Handlung ungenutzt gelassen.

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Der erste Marathon

Schon lange gärte es in mir, beim täglichen Laufen war es immer so ein Ziel, das mir vorschwebte. Und dann das: Vor einigen Wochen versprach ich dem guten Zeilenende relativ spontan, in den Osterferien einfach mal einen Marathon zu laufen. In den letzten Tagen hatte ich mich an die morgendliche Kühle (den Wind eingerechnet müsste ich eigentlich von „Kälte“ sprechen) beim Rennen im Freien gewöhnt (normalerweise ziehe ich bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius das Laufband im Keller vor). Da für morgen und die kommenden Tage wiederum deutlich kühleres und z.T. auch schlechteres Wetter angekündigt ist, ergriff ich kurzerhand die Möglichkeit und stürzte mich heute früh kurz nach 6:00 h hinaus, um meinen ersten Marathon-Lauf zu absolvieren.

Unmittelbar vor dem Aufbruch: Im Hintergrund sieht man die Morgendämmerung, ich sehe (noch) ganz zuversichtlich aus...

Unmittelbar vor dem Aufbruch: Im Hintergrund sieht man die Morgendämmerung, ich sehe (noch) ganz zuversichtlich aus…

Meine Frau startete einen Moment vor mir, sie hatte sich einen Halbmarathon vorgenommen. Da die Strecken nicht gleich waren, trafen wir uns an der einen oder anderen Stelle wieder – das war sehr schön.

Aber kalt war es. Und wie. Vor allem im Wind (schlimmer nur noch im Gegenwind). Das führte dann auch dazu, dass ich Rücken und Schultern etwas verspannte – ab Kilometer 32 rächte sich das, ab Kilometer 40 war es echt unangenehm.

Hörbuch-Unterstützung

Aber erst einmal zum Start, denn gestern hatte ich vorsorglich das Hörbuch von „Glas“, dem vierten Teil des „Dunkler Turm“-Epos von Stephen King geladen (und mir die etwas langatmige Einleitung der Neufassung angehört, um gleich mit der Geschichte starten zu können).

Der vierte Teil des langen Epos war mein treuer Wegbegleiter – und das war sehr gut so.

Der vierte Teil des langen Epos war mein treuer Wegbegleiter – und das war sehr gut so.

Beim Lesen bin ich ungefähr nach einem Drittel stecken geblieben, weil mir da erst einmal vier John Scalzi-Romane und sechs Hörbücher vom gleichen Autor „in den Weg sprangen“. Um mir die Geschichte wieder schmackhaft zu machen (und mir einen Grund zu kreieren, endlich im Buch weiter zu lesen – es ist ja alles andere als langweilig!), startete ich den Lauf mit dem Hörbuch. Und die Entscheidung war gut, denn es war die perfekte Mischung aus „Ist mir schon vertraut, weil ich es bereits gelesen habe…“ und „Huch! Dieses Detail hätte ich glatt vergessen…“ – so musste ich nicht jede Sekunde voll aufpassen, konnte aber die Geschichte in kompakter Form genießen. Sehr gut!

AirPods to the MAX!

Meiner Meinung nach sind die im Dezember von Apple herausgebrachten AirPods eines der besten Technologie-Produkte der letzten Jahre. Technologisch für ein 1.0-Produkt schon wahnsinnig ausgereift und derart bequem in der Handhabung – ganz klar, dass sie mich auch bei diesem Lauf begleiteten. Da ich fürchtete, die Akku-Laufzeit würde nicht ganz ausreichen, nahm ich die Box mit, in der ein Akku integriert ist, mittels dessen sich die Kopfhörer flugs wieder aufladen lassen. Wie sich herausstellte, hätte ich mir die Mühe des Mitschleppens sparen können, denn die AirPods gaben erst nach vier Stunden und 20 Minuten Dauernutzung (und das in durchaus kalter Umgebung) ihren Geist auf. Zehn Minuten später war ich ohnehin wieder daheim.

Dauer und Kondition

Auf den Marathon habe ich mich nicht speziell vorbereitet. In diesem Kalenderjahr bin ich – wie vorher auch – einfach jeden Morgen meine 10-18 Kilometer gelaufen. Mit einer speziellen Vorbereitung hat das leider gar nichts zu tun. Und das habe ich dann auch gemerkt, denn mein Körper war überhaupt nicht darauf vorbereitet, mehr als 30 oder 32 Kilometer zu laufen. Ab da schmerzte der Rücken beträchtlich – die Schultern waren so verkrampft, dass selbst das Schulterrollen, das sie lockern sollte, derart unangenehm war, dass ich es einfach wieder bleiben ließ.

Geschafft! Mein erster Marathon in der Zusammenfassung!

Geschafft! Mein erster Marathon in der Zusammenfassung!

Meine Zeit war – gemessen an einer professionellen Zeit – grausam schlecht, denn ich brauchte gut viereinhalb Stunden. Andererseits waren da etliche Höhenmeter enthalten (Ostalb), insofern bin ich völlig zufrieden damit.

Meine Zeit – nicht konkurrenzfähig, aber für mich schon sehr gut.

Meine Zeit – nicht konkurrenzfähig, aber für mich schon sehr gut.

All das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass ich mich ansonsten beim Lauf ziemlich gut fühlte. Zwar verspürte ich ab Kilometer 33 oder 34 einen ziemlich nagenden Durst, für den ich selbstverständlich keine Vorsorge getroffen hatte. Aber andererseits: Was soll’s?

Kreislauf mit Berg- und Talfahrt

Na ja, ich merkte danach ziemlich schnell, wie anstrengend der Lauf für meinen Körper war. Ungefähr einen halben Kilometer vor Ende des Laufs musste ich eine Straße überqueren, doch der anhaltende Verkehr zwang mich zu gut 15 bis 20 Sekunden Steh-Pause. Und schon während dieser kurzen Zeit fühlte ich ein deutlich flaues Gefühl in mir aufsteigen. Mein Kreislauf war wohl der Meinung, mich darauf hinweisen zu müssen, dass er jetzt sofort für eine Pause zu haben wäre. Also schnell zwischen den Autos hindurchgequetscht und noch den Schluss absolviert. Danach langsam die letzten 150 Meter nach Hause gegangen (das tat gut, um den Puls wieder etwas abzusenken), danach erst einmal Flüssigkeit nach gefüllt, dann in die Dusche. Schon das Abziehen der Duschkabine ging nicht mehr, dafür legte ich mich (freiwillig) auf den Boden und die Füße hoch. Danach auf das Sofa, wo ich noch eine gute Stunde blieb. Seither bin ich wieder ansprechbar.

Dieser Umstand zeigt mir, dass ich so schnell keinen weiteren Marathon laufen muss. Ein Halbmarathon stellt für mich keine große Herausforderung dar, der liegt nur ein bisschen über dem täglichen Pensum, dass das ohne spürbare Auswirkungen geht, aber das dann noch einmal zu verdoppeln – huiiiii.

Fazit

Trotz des letzten Punktes kann ich sagen: Der Lauf machte Spaß, und zwar ziemlich viel. Noch dazu war ich fast durchweg komplett im Flow: Hörbuch und Einsamkeit sind eine gute Kombination, da es kaum eine Ablenkung von der Geschichte gibt. Also, lieber Zeilenende, ich stehe zu meinen Versprechungen. Jetzt darfst du genau wie ich morgen gnadenlos schlemmen, das haben wir uns verdient. Aber der nächste Marathon-Lauf wird noch eine ganz lange Weile auf sich warten lassen. Dennoch bin ich froh, mir bewiesen zu haben, einen solchen Lauf tatsächlich durchzuhalten. Andererseits verstehe ich jetzt, warum der Bote im antiken Griechenland nach dem Absolvieren des Laufs gleich gestorben ist…

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Gehört: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“

Ein Hörbuch, das mich zutiefst gespalten zurücklässt: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ von Marie Kondo

Ein Hörbuch, das mich zutiefst gespalten zurücklässt: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ von Marie Kondo

Nur selten hatte ich in den letzten Jahren bei einem Ratgeber-Hörbuch einen dermaßen gespaltenen Eindruck wie hier. Der Grund liegt nicht in den propagierten Grundsätzen der sog. „Konmari“-Methode:

  1. Alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen.
  2. Alle Dinge zum Aufräumen werden auf einem Haufen gesammelt.
  3. Entscheiden, was weggeworfen wird, aufgrund der Frage: „Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?“
  4. Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen.
  5. Alle Dinge müssen dort richtig verstaut werden.1

Diesen Grundsätzen stimme ich grundsätzlich zu. Und wie immer kommt nun das große ABER. Und im Fall dieses Buchs/Hörbuchs ist „groß“ noch eine Untertreibung, denn die esoterische Aura, die die Autorin um ihre eigentlich sehr pragmatische Methode aufbauscht, verleidet mir diese so gründlich, dass ich gegen Ende des Hörbuchs immer mehr die Lust verlor, weiter zuzuhören, geschweige denn sie anzuwenden.

Ein Beispiel für das esoterische „Geschwurbel“: Man soll den Gegenständen nach der Benutzung danken. Einen bewussten Umgang mit den Dingen, die einen umgeben, finde ich sehr gut und löblich, meinen Schuhen, dem E-Bike, der Jacke, den Handschuhen, dem Helm und allen anderen Dingen jeweils persönlich laut meinen Dank auszusprechen, geht mir aber dann doch einen Schritt zu weit. Noch dazu in der Gegenwart von anderen Menschen würde ich mir dabei schlicht und einfach „blöd“ vorkommen.

Hin und wieder ist die Methode in sich auch widersprüchlich. Ein ganz krasses Beispiel ist es, dass Marie Kondo darauf besteht, alle Umverpackungen sofort nach dem Kauf zu entsorgen, womöglich nicht einmal aus dem Geschäft mitzunehmen. Aber an anderer Stelle preist sie Schuhkartons als geradezu perfekte Helfer für die Sortierung. Wo soll man die aber herbekommen, wenn man sie schon im Laden gelassen hat? Und ganz ehrlich: Ich mag in der Küche keine Schuhkartons für die Sortierung benutzen. Da rollen sich – um Zeilenendes Worte zu benutzen – meine Fußnägel auf.

Dann gibt es da noch einen Punkt: Die Autorin ist gut zehn Jahre jünger als ich, lebt allein in einer Wohnung, die sie komplett nach ihren eigenen Bedürfnissen durchorganisiert hat. Ihr fehlt der große Störfaktor, der in einem „normalen“ und realistischen Haushalt für die meiste Unordnung sorgt: Kinder. Die gesamte Methode ist letztlich nur auf Erwachsene zugeschnitten. Bei Kindern, die nach der Schule einfach erst einmal alles von sich werfen, sich selbst nach mehrfacher Aufforderung nicht in die Lage versetzt sehen, Schuhe und Jacke aufzuräumen (obwohl Kleiderbügel und Schuhfach in weniger als einem Meter Entfernung und in bequemer Erreichbarkeit frei stehen), die ihre Schultasche/ihren Rucksack im Wohnzimmer parken und da gerne so lange belassen, bis die Eltern Druck machen, die Spielsachen ins Wohnzimmer räumen, noch mehr Spielsachen holen, noch mehr Spielsachen holen – und dann plötzlich das Haus verlassen, um mit anderen Kindern draußen zu spielen. Der Krempel liegt natürlich noch herum. Für dieses leider tagtäglich neu auftretende Problem (und alle schlaue Belehrung der Eltern wird von Kindern doch geflissentlich ignoriert) bietet sie überhaupt keine Lösung an.

Und da verlieren sich die vielen wohlmeinenden Ratschläge und die esoterische Wolke in einer Nichtumsetzbarkeit angesichts veränderter Ausgangsbedingungen. Wie ich oben geschrieben habe: An sich enthält das Buch etliche sehr gute Ideen, doch ohne die Widersprüche, vor allem ohne die esoterische Ausschmückung – und am meisten mit etwas mehr Familientauglichkeit wäre es tatsächlich Gold wert. So bleibt bei mir ein etwas schaler Beigeschmack. Papier ist halt geduldig, Hörbücher sind es auch. Ich als Hörer bin es nicht.

  1. Diese Auflistung stammt aus dem Wikipedia-Artikel zu Marie Kondo
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