Archiv der Kategorie: Familie

Gehört: „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion

Lustig und unangenehm zugleich: „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion.

Lustig und unangenehm zugleich: „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion.

Selten war ich über ein Hörbuch so zwiegespalten wie in diesem Fall. Dass ich innerlich so uneins bin, hat natürlich seine Gründe, die ich nun darzulegen versuche.

Hörbuch

Das Hörbuch an sich ist in hervorragender Qualität produziert, es gibt keine Aussetzer, die Audio-Auflösung ist so hoch, dass ich beim Hören mit den AirPods keinerlei nennenswerte Artefakte oder Verzerrungen feststellte. Der Sprecher, Oliver Kube, ist der gleiche wie beim ersten Teil – und er war da schon perfekt gewählt, denn sein Tonfall vermittelt genau die Akkuratesse, die man auch von Don Tillman erwarten würde. Viele der lustigsten Stellen werden gerade erst durch die Trockenheit seiner Sprechweise ins rechte Licht gerückt. Aus dieser Perspektive ist das Hörbuch auf jeden Fall makellos.

Handlung

Der Anreißer-Text zum Hörbuch bei iTunes liest sich wie folgt:

O Baby! Für Don, den unwahrscheinlichsten romantischen Helden, den es je gab, geht’s nach dem Happy-End geht’s erst richtig los.
Don Tillmans »Ehefrau-Projekt« hat geklappt. Er lebt mit Rosie in New York. Und Rosie ist schwanger. Don will natürlich der brillanteste werdende Vater aller Zeiten sein, stürzt sich in die Forschung und entwickelt einen wissenschaftlich exakten Schwangerschafts-Zeitplan für Rosie.
Aber seine ungewöhnlichen Recherchemethoden führen erstmal dazu, dass er verhaftet wird. Was Rosie auf keinen Fall erfahren darf, um ihre Beziehung nicht zu belasten. Also muss Don improvisieren, seinen Freund Gene einspannen und Lydia, die Sozialarbeiterin, davon überzeugen, dass er ein Superdad sein wird. Bei alledem übersieht er fast das Wichtigste: seine Liebe zu Rosie und die Gefahr, sie genau dann zu verlieren, wenn sie ihn am meisten braucht.

Und der Anreißer-Text lügt nicht, genau diese Elemente kennzeichnen die Handlung. Viele skurrile Situationen, die durch Dons eigentümliche Wahrnehmung der Realität und seine oft standhafte Weigerung, etwas anderes als Logik als Argumentationsmittel einzusetzen, sorgen für amüsiertes Kopfschütteln.

Die Unkenntnis diverser sozialer Gepflogenheiten erreicht in der Schilderung nicht selten Schenkelklopfer-Qualitäten. Don wird (s.o.) verhaftet, auf der Polizeiwache wird er verhört, wobei sein Gegenüber zum Glück schnell merkt, dass er völlig harmlos und nur ein etwas verschrobener Kauz ist. Nach einem längeren Gespräch wird Don also gefragt, ob er etwas zu trinken wünsche – selbstverständlich in der Erwartung, nach Wasser oder Kaffee zu verlangen. Doch Don „bestellt“ bei dem Polizeibeamten einen Tequila. Als dieser erstaunt nachfragt, ob er nicht lieber einen Cocktail möchte, antwortet Don völlig ernsthaft, dass ihm der Tequila völlig genüge, da er das Vorhandensein frischer Cocktail-Zutaten im Polizeirevier bezweifle. Viele weitere Stellen sind in diesem Stil geschrieben – das liebe ich an diesem Hörbuch!

Unangenehm

Und dennoch waren mir von den fast exakt elf Stunden Hörbuch mindestens vier oder fünf geradezu zuwider. Es lag nicht am Schreibstil, denn dieser ist einheitlich auf gleich gutem Niveau, vielmehr ist es etwas, das auch in Filmen heute relativ häufig eingesetzt wird, um am Ende eine stärkere Erleichterung beim Zuschauer zu erreichen: Das Dilemma wird konsequent und bis ins schier Unerträgliche gesteigert. Und ich hasse das.

Vor Jahren habe ich ein einziges Mal den Film „Butterfly Effect“ gesehen. Auch in diesem wird die Unerträglichkeit so lange gesteigert, dass ich ganz kurz davor war, den Film auch noch zehn Minuten vor seinem Ende abzubrechen. Auf jeden Fall war mir das zu viel bzw. emotional zu anstrengend. Ich habe den Film seither nicht mehr angesehen, werde es auch nie wieder tun. Zumindest nicht freiwillig.

Mit dem Hörbuch ist es zum Glück nicht ganz so schlimm, aber irgendwie rührten viele der geschilderten Probleme, denen Don sich ausgesetzt sieht, an Erinnerungen aus meinem eigenen Leben. Ein paar Situationen, die verständlich, aber doch auch (aus meiner Sicht) schwer verdaulich waren:

  • Wie aus dem Anreißer-Text schon ersichtlich wurde, ist Rosie schwanger. Sie überfällt Don, von dessen emotionalen Einschränkungen sie ja nun ausreichend wissen müsste, mit der Nachricht und ist dann erbost (und äußerst nachtragend), dass er nicht in gleichem emotionalen Maße wie sie reagiert. Das ist mir nicht passiert, aber ungleiche emotionale Reaktionen gibt es häufig – und sie führen fast immer zu Spannungen in der Beziehung. Diese dann literarisch ausgebreitet zu bekommen, ist nicht zwingend „angenehm“ zu nennen.
  • Rosie informiert Don über den Termin für die erste Ultraschall-Untersuchung, gibt aber mit keinem Wort zu verstehen, dass sie ihn dabei haben will. Also kommt er auch nicht mit. Sein Argument ist die Logik, denn er würde es als anmaßend oder gar belästigend gegenüber der Gynäkologin empfinden, sich mit seiner eigenen Meinung bzw. seinen eigenen Nachfragen einzumischen. Noch dazu vertraut er darauf, dass die Gynäkologin die Expertin ist und er als Vater keinen nennenswerten Beitrag leisten könnte. Kurzum: Sein Argument ist logisch, Rosies Reaktion emotional (wieder einmal erbost und nachtragend). Gerade diese Stelle empfand ich persönlich als besonders unangenehm, denn Rosie hätte wissen müssen, dass das regulär zu erwartende Verhaltensmuster eben nicht dem entspricht, was von Don zu erwarten wäre. Den zu vermutenden Ärger über ihr eigenes Versäumnis bzw. die Enttäuschung darüber, dass er eben doch keine Gedanken lesen kann, lastet sie aber gnadenlos ihm an.
  • Egal, was Don auch unternimmt, sei es die Bestellung des sichersten Kinderwagens (der nur leider eher einem Kleinpanzer ähnelt) oder das Aufstellen eines ausgeklügelten Ernährungsplans (gegen den die sprunghaften Gelüste der Schwangeren rebellieren), alles wird am Ende gegen ihn ausgelegt. Was er auch macht, in Rosies Augen macht er es falsch. Meine Frau hat mir während der Schwangerschaften nicht das Gefühl gegeben, alles falsch zu machen, deplatziert fühlt man sich als Mann aber doch immer wieder, denn das heranwachsende Kind ist dem Einfluss des Vaters nun einmal weitgehend entzogen. Und dieses Gefühl der Hilflosigkeit, das gerade bei dem emotional sehr gehemmten Don noch wesentlich drastischer ausfällt, wurde durch das Hörbuch auf die schärfste Weise in mir wachgerufen. Ich war gestern beim Hören dieser Abschnitte völlig in meiner eigenen Welt versunken und wälzte viele vergleichbare Erinnerungen, die in den letzten Jahren allmählich auf Tauchstation im Unterbewusstsein gegangen waren.
  • Auch die unterschiedliche Herangehensweise von Mann und Frau – Don als Mann erkennt ein Problem und sucht eine pragmatische (und oft schnelle) Lösung, Rosie als Frau möchte einfach nur ihre Emotionen dazu äußern bzw. sich mit dem Partner darüber austauschen – sorgen immer wieder dafür, dass aus „gut gemeint“ genau das Gegenteil von „gut“ wird. Mir war zwar permanent bewusst, dass es sich um einen Roman handelt, doch leuchteten so viele kleinere und größere Parallelen zum wirklichen Leben auf, dass das ein wirklicher „Stimmungskiller“ war…

Weiter möchte ich in dieser Hinsicht gar nicht ins Detail gehen. Aber ich denke, dass auch ich in dieser Hinsicht nicht allein dastehe mit der Auffassung, dass diese Abschnitte nicht gerade „angenehm unterhaltend“ sind.

Fazit

Eine klare Stärke dieses zweiten Teils ist die Einführung neuer und in der Darstellung ihrer Persönlichkeit sehr gelungener Charaktere wie George und Lydia, der Spiegel, der unserer heutigen Gesellschaft bezüglich des Umgangs mit der Schwangerschaft (vor allem der beinahe schon hysterisch zu nennenden Übervorsicht und der vielen unreflektiert weitergetragenen Mythen) vorgehalten wird, sowie die zähe Verbissenheit Dons, der sich partout nicht geschlagen geben will, selbst als die Logik ihm eigentlich schon nahelegt, das Ende der Beziehung zu Rosie einfach zu akzeptieren und zu seinem wesentlich simpleren Lebensstil als Single zurückzukehren.

Auf jeden Fall werde ich mir das Hörbuch nach einer gewissen Pause noch einmal anhören, immerhin habe ich den Schluss, der nach der langen Stressphase zu einer Happy End-Katharsis führt, ja nun auch intus. Aber die unbeschwerte Lustigkeit des ersten Teils kann diese Fortsetzung für mich einfach nicht im gleichen Maße zustande bringen. Schade.

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„Aushäusiges“ Laufen

Wenn es nicht gerade tiefster Winter ist, laufe ich ja doch eher draußen, denn da bekomme ich deutlich mehr zu sehen als an der Wand vor meinem Laufband. Noch dazu ist die Luft draußen besser (manchmal auch deutlich feuchter, aber das gehört einfach dazu).

Dieses Wochenende waren wir auf einem kleinen Familientreffen in Dinkelsbühl — also ging gestern früh die Suche nach einer geeigneten Strecke los. Zum Glück ist Dinkelsbühl von einer alten Stadtmauer umgeben, die eine schier perfekte Runde vorgibt: Einmal um die gesamte Altstadt macht fast exakt 3,25 Kilometer (3,5 mit Schlaufen hier und da). Von der Jugendherberge aus startet man als Läufer mit einem leichten Gefälle, das am Ende der ersten (und aller weiteren Runden) wieder ausgeglichen werden muss. Aber im Vergleich zur Ostalb ist das sehr moderat, insofern war das Laufen hier entspannt.

Samstag

Am ersten Morgen also noch etwas Unsicherheit und Suchen, dann lief alles entspannt durch: Vier Runden um die Altstadt = 13,2 km.

Der Lauf am Samstag Morgen, vier Runden, zusammen 13,2 km.

Der Lauf am Samstag Morgen, vier Runden, zusammen 13,2 km.

Sonntag

Heute früh dann entspannt in die bekannte Strecke gestartet, in der zweiten Runde wurde ich von meiner Frau eingeholt, ab da liegen wir gemeinsam — das kommt sonst nur selten vor, ich genoss es in vollen Zügen.

In der vierten Runde wurden wir von einem kleinen Kläffer attackiert. Das Tier war kaum mehr allein Bettvorleger an der Leine, doch eben diese fehlte. Und so bellte und schnappte das wuselige Etwas um unsere Füße herum. Einmal rannte es mir so vor die Füße, dass ich nur mit Mühe nicht drauftrat. In der hektischen Ausweichbewegung muss ich das Kläffmonster aber doch touchiert haben, denn danach ließ es von uns ab. Uff!

Am Ende kam ich auf fünf Runden, insgesamt 16,1 km. Das war schön.

Die fünf Sonntags-Runden ergaben zusammen knapp über 16 km.

Die fünf Sonntags-Runden ergaben zusammen knapp über 16 km.

So schön es war, ich freue mich jetzt wieder auf die mir vertrauten Hausstrecken. Da kann ich vor Beginn des Arbeitstags genau kalkulieren, wann ich in welchem Zustand wo bin.

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Song des Tages (215) – 2017-04-15

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Vor vielen, vielen Jahren schenkte mir mein nächst älterer Bruder eine CD zum Geburtstag, von der ich bis heute vermutlich nur ein- oder zweimal über den ersten Track hinaus gehört habe. Es ist ganz komisch, denn der erste Song ist gut, aber jedes Mal, wenn ich bislang versucht habe, weiterzuhelfen, kam irgend etwas dazwischen – wie verhext! Der erste Song ist sozusagen „das eine Stück“, an dem die Band in meinem Bewusstsein festgemacht ist – und so hat sich dieser Song zum heutigen Song des Tages qualifiziert. Es geht um „Powderworks“ von Midnight Oil:

Der gesamte Sound klingt so kratzig und „dreckig“, dass der Titel dadurch auf seine ganz eigene Weise unterstützt wird.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Gehört: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“

Ein Hörbuch, das mich zutiefst gespalten zurücklässt: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ von Marie Kondo

Ein Hörbuch, das mich zutiefst gespalten zurücklässt: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ von Marie Kondo

Nur selten hatte ich in den letzten Jahren bei einem Ratgeber-Hörbuch einen dermaßen gespaltenen Eindruck wie hier. Der Grund liegt nicht in den propagierten Grundsätzen der sog. „Konmari“-Methode:

  1. Alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen.
  2. Alle Dinge zum Aufräumen werden auf einem Haufen gesammelt.
  3. Entscheiden, was weggeworfen wird, aufgrund der Frage: „Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?“
  4. Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen.
  5. Alle Dinge müssen dort richtig verstaut werden.1

Diesen Grundsätzen stimme ich grundsätzlich zu. Und wie immer kommt nun das große ABER. Und im Fall dieses Buchs/Hörbuchs ist „groß“ noch eine Untertreibung, denn die esoterische Aura, die die Autorin um ihre eigentlich sehr pragmatische Methode aufbauscht, verleidet mir diese so gründlich, dass ich gegen Ende des Hörbuchs immer mehr die Lust verlor, weiter zuzuhören, geschweige denn sie anzuwenden.

Ein Beispiel für das esoterische „Geschwurbel“: Man soll den Gegenständen nach der Benutzung danken. Einen bewussten Umgang mit den Dingen, die einen umgeben, finde ich sehr gut und löblich, meinen Schuhen, dem E-Bike, der Jacke, den Handschuhen, dem Helm und allen anderen Dingen jeweils persönlich laut meinen Dank auszusprechen, geht mir aber dann doch einen Schritt zu weit. Noch dazu in der Gegenwart von anderen Menschen würde ich mir dabei schlicht und einfach „blöd“ vorkommen.

Hin und wieder ist die Methode in sich auch widersprüchlich. Ein ganz krasses Beispiel ist es, dass Marie Kondo darauf besteht, alle Umverpackungen sofort nach dem Kauf zu entsorgen, womöglich nicht einmal aus dem Geschäft mitzunehmen. Aber an anderer Stelle preist sie Schuhkartons als geradezu perfekte Helfer für die Sortierung. Wo soll man die aber herbekommen, wenn man sie schon im Laden gelassen hat? Und ganz ehrlich: Ich mag in der Küche keine Schuhkartons für die Sortierung benutzen. Da rollen sich – um Zeilenendes Worte zu benutzen – meine Fußnägel auf.

Dann gibt es da noch einen Punkt: Die Autorin ist gut zehn Jahre jünger als ich, lebt allein in einer Wohnung, die sie komplett nach ihren eigenen Bedürfnissen durchorganisiert hat. Ihr fehlt der große Störfaktor, der in einem „normalen“ und realistischen Haushalt für die meiste Unordnung sorgt: Kinder. Die gesamte Methode ist letztlich nur auf Erwachsene zugeschnitten. Bei Kindern, die nach der Schule einfach erst einmal alles von sich werfen, sich selbst nach mehrfacher Aufforderung nicht in die Lage versetzt sehen, Schuhe und Jacke aufzuräumen (obwohl Kleiderbügel und Schuhfach in weniger als einem Meter Entfernung und in bequemer Erreichbarkeit frei stehen), die ihre Schultasche/ihren Rucksack im Wohnzimmer parken und da gerne so lange belassen, bis die Eltern Druck machen, die Spielsachen ins Wohnzimmer räumen, noch mehr Spielsachen holen, noch mehr Spielsachen holen – und dann plötzlich das Haus verlassen, um mit anderen Kindern draußen zu spielen. Der Krempel liegt natürlich noch herum. Für dieses leider tagtäglich neu auftretende Problem (und alle schlaue Belehrung der Eltern wird von Kindern doch geflissentlich ignoriert) bietet sie überhaupt keine Lösung an.

Und da verlieren sich die vielen wohlmeinenden Ratschläge und die esoterische Wolke in einer Nichtumsetzbarkeit angesichts veränderter Ausgangsbedingungen. Wie ich oben geschrieben habe: An sich enthält das Buch etliche sehr gute Ideen, doch ohne die Widersprüche, vor allem ohne die esoterische Ausschmückung – und am meisten mit etwas mehr Familientauglichkeit wäre es tatsächlich Gold wert. So bleibt bei mir ein etwas schaler Beigeschmack. Papier ist halt geduldig, Hörbücher sind es auch. Ich als Hörer bin es nicht.

  1. Diese Auflistung stammt aus dem Wikipedia-Artikel zu Marie Kondo
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Versatile Blog-Award – April 2017

Der Versatile Blogger Award – dieses Mal zu Gast bei Solera 1847.

Der Versatile Blogger Award – dieses Mal zu Gast bei Solera 1847.

Bereits vor einigen Tagen (oder sind es schon Wochen?) hat mich Pialalama in ihrem eigenen Eintrag für den Versatile Blogger-Award nominiert. Die letzten Tage waren jedoch derart vollgestopft mit Arbeit, dass ich mit Mühe einige länger vorbereitete Blog-Beiträge abschließen und veröffentlichen und meine Song des Tages-Sparte leidlich am Laufen halten konnte. Kurz und gut: Es wird Zeit für Ferien! (Und es sind nur noch drei Tage bis dahin…)

Der Versatile Blog-Award

Der VBA besteht aus einem zum Glück recht simplen Kodex, der sich auf die drei sofort folgenden drei Punkten reduzieren lässt:

  1. Danke der Person, die dich nominiert hat!
  2. Verrate uns sieben noch unbekannte Dinge über Dich.
  3. Wähle Blogger aus, um sie für den VBA zu nominieren.

Zu den drei Punkten:

Die erste Verpflichtung ist kein Problem, denn ich freue mich, dass Pialalama meinem Blog folgt, offensichtlich einige Artikel gelesen, besternt und kommentiert hat – das macht das Bloggen als Tätigkeit faszinierend und lohnend. Vielen Dank schon allein dafür! Dann hat sie mich auch noch nominiert, was mich weiterhin in ihrer Schuld stehen lässt, doch mit meinen heutigen Antworten hoffe ich, diese tilgen zu können. Dennoch: Auch für die Nominierung vielen Dank!

Die zweite Aufgabe, nämlich sieben „noch unbekannte“ Dinge über mich zu erzählen, ist vergleichsweise schwierig, denn ich blogge nun schon seit mehr als fünf Jahren, da kamen schon ein paar Einträge zusammen. Laut der WordPress-App sind es vor diesem 846 Artikel gewesen. Ich bin selbst beeindruckt. Doch genau da liegt auch das Problem, denn ich weiß nicht, ob ich bei jedem der sieben Punkte etwas erwische, was ich wirklich noch nicht preisgegeben habe. Aber ich bemühe mich, versprochen!

Mit letztem Punkt tue ich mir schwer, da ich niemanden zu etwas zwingen möchte (und das Nominieren ist zwar kein echter Zwang, doch baut er eine gewisse Erwartungshaltung und damit etwas Druck auf – das möchte ich vermeiden), überlasse ich es jedem Leser dieses Blogs, sich angesprochen zu fühlen und für sich selbst sieben unbekannte Dinge zu präsentieren.

Die sieben (hoffentlich noch) unbekannten Fakten über mich

  1. Obwohl ich ein Musiker und Musiklehrer bin, der fast täglich mit Klassen singt und musiziert, fühle ich mich gerade beim Singen vor anderen immer noch leicht gehemmt. Woran genau das liegt, weiß ich nicht, denn nach fast 15 Jahren in meinem Beruf sollte diese Scheu eigentlich gründlich ausgeräumt worden sein – ist sie aber nicht.
  2. Ich schreibe für 99 Prozent aller Schulstunden immer noch einen recht detaillierten Stundenentwurf. Es gibt Kollegen, die das nach dem Referendariat sofort ablegen und nie wieder aufgreifen. Ich schätze es aber als gedankliche Stütze, damit mein Unterricht strukturiert bleibt. Und ich kann ja jederzeit von meinem Entwurf abweichen – das komplette Freischwimmen liegt mir nicht.
  3. Ich finde Eckart von Hirschhausen überhaupt nicht lustig. Vor Jahren bekam ich zum Geburtstag eines seiner Bücher geschenkt – zum Glück habe ich nicht selbst Geld dafür ausgegeben. Aber alles, was ich bis heute von ihm gehört oder gelesen habe, war allenfalls schaler Rentner-Humor. Nichts gegen Rentner, aber wenn alle Witze vorhersehbar, pedantisch, das Abtasten von Spitzfindigkeiten oder schlicht lahm sind, dann kann mich das als gefühlt jungem Menschen (von 41,5 Jahren) nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Viel besser ist Vince Ebert, denn er schafft den Spagat zwischen einer Belehrung und dem gerade richtigen Maß an Komödie, sodass man sich dabei auf intelligente Weise unterhalten lässt. Zwischen den beiden liegen Welten (auch wenn sie oft gemeinsam vermarktet werden, was mir nicht ganz einleuchten will).
  4. Als Kind hatte ich mal alle Finger der rechten Hand in einer Autotür, als diese mit ordentlich Schwung zugeworfen wurde. Seitdem habe ich gehörigen Respekt vor diesen Dingern (also den Türen, meine Finger müssen nur intakt bleiben, Respekt benötigen sie von mir als ihrem Benutzer eigentlich keinen).
  5. Alle Schlangen, vor allem Klapperschlangen, üben auf mich eine unglaubliche Faszination aus. Doch in freier Wildbahn würde ich beim bloßen Anblick auch nur eines verendeten Exemplars vermutlich einen üblen Panik-Anfall bekommen.
  6. Beim Schließen von Freundschaften bin ich sehr zögerlich, da ich trotz aller Blechbläserhaftigkeit eigentlich ein eher zurückhaltender Mensch bin. Smalltalk liegt mir auch nicht, was mich auf Parties und in Probenpausen immer dazu verleitet, mit den gleichen, mir bereits bekannten (oder angetrauten) Personen zu sprechen. Doch habe ich eine Freundschaft dann mal geschlossen, hält sie meist über Jahrzehnte (bzw. für immer, aber ich kann nur für die letzten 41,5 Jahre sprechen).
  7. Eigentlich träume ich ja auf eine naive Weise davon, eines Tages von irgendwoher viel Geld zu bekommen, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Doch weiß ich bis heute keine Antwort auf die Frage, ob ich dann meinen Beruf tatsächlich aufgeben könnte. Denn eigentlich mache ich den sehr gerne (auch wenn es immer wieder etwas gibt, worüber ich mich ärgere, was mich nervt, mir zusetzt etc.). Mein früherer Chef hat mir mehrfach eine Fortbildung in Richtung Schulleitung angeboten, die ich entschieden abgelehnt habe, da ich mich im Unterrichtsraum lebendig und an der „richtigen Stelle“ fühle. Beim Ausfüllen von Tabellen, dem ständigen Herumorganisieren am Schulalltag, vor allem aber am permanenten Repräsentieren etc. habe ich wenig Vergnügen, noch dazu bin ich nicht der konfrontative Typ, der man in der Eigenschaft als oberste disziplinarische Instanz innerhalb einer Schule vermutlich sein muss. Sollte jemand zufälligerweise ein paar Millionen übrig haben, biete ich mich an, das Experiment durchzuführen…

Huch, das ging ja doch relativ schnell. Ich bin ganz erleichtert, dass mir sieben Sachen eingefallen sind, von denen die meisten meiner Gefolgschaft hier bei WordPress tatsächlich noch unbekannt sein müssten.

So, nun bin ich mit (geradezu unglaublich) gutem Beispiel vorangegangen, nun sollten mir etliche folgen und sich berufen fühlen, ebenfalls dem Versatile Blogger-Award zu frönen. Und los geht’s!

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Song des Tages (178) – 2017-03-08

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Der heutige Song des Tages hat unserem Sohn so gefallen, dass er ihn ziemlich bald auswendig beherrschte. Immer wieder lief er im Hintergrund ab, sodass er sich auch bei mir ziemlich tief eingegraben hat: „Astronaut“ von Sido:

Einer der ganz wenigen deutschen Songs in dieser Playlist – und ohne die Wise Guys und den Herbert Grönemeyer stünde er vielleicht sogar ganz allein.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Laufen, Laufen, Laufen

Mein bisheriges Laufpensum 2017 — „es läuft“.

Mein bisheriges Laufpensum 2017 — „es läuft“.

Noch vor ein paar Jahren hätte ich jeden ausgelacht, der mir mein aktuelles Sportpensum prophezeit hätte. Dann kam der Dezember 2010: Ich installierte eine App namens CaloryGuard (heute heißt sie CaloryGuard Pro). Diese App dient dem Kalorienzählen, sie besitzt eine große Datenbank, die man auch selbst um neue Speisen erweitern kann. Sie hatte vor allem einen Effekt: Mir bewusst zu machen, was ich so täglich in mich hineinstopfte, also welche Unmengen an für mich in ihrem vollen Ausmaß nie überblickte Kalorien.

Ein Beispiel: Zum Frühstück aß ich gerne ein vermeintlich gesundes Müsli, das für mich aus einer Banane und Dinkel Crunchy von Alnatura bestand. Die Firma und ihr Produkt will ich hier überhaupt nicht verteufeln, doch es ist reich an Zucker. Das steht auch auf der Packung, doch wie oft liest man die so genau durch? Ich jedenfalls war ein Meister der selektiven Wahrnehmung, und so kam ich beim Frühstück nicht selten schon auf 800-1.000 Kalorien. Dass es so krass war, machte mir erst die App in Kombination mit der Küchenwaage vollends bewusst. Binnen weniger Tage war das Frühstück umgestellt, nun lag es bei ca. 200-300 Kalorien.

Nach und nach passte ich weitere Bereiche meiner Ernährung auf diese Weise an. Lustigerweise hatte ich nicht einmal das Gefühl eines großen Verzichts, denn da ich mir ein Tagesziel von 1.550 Kalorien gesetzt hatte, konnte ich immer noch ganz gut was in mich hineinfuttern.

Doch dann begannen die Kilos zu schmelzen: Pro Woche jeweils gut ein Kilo. Dann setzte ich noch den Sport drauf. Früher bin ich gelegentlich gelaufen, auch schon längere Strecken wie 15-25 Kilometer. Aber das war selten, außerdem kompensierte ich das danach immer sofort durch eine vermehrte Nahrungsaufnahme, um mich für die „tolle Leistung“ entsprechend zu belohnen. Klassiker! So könnte das nichts werden. Nun aber hatte ich ja stets die Übersicht über Kalorienzufuhr und deren Abnutzung.

Den Anfang machten die 5 Minuten-Apps, dazu gehörten 5 Minuten Pilates, 5 Minuten Yoga und 5 Minuten Bauch, Beine, Po. Die Apps führten vor, gaben die Trainingsdauer vor, belohnten durch eine Statistik, die im Lauf der Zeit ganz schön anwuchs. Der größte und für mich wichtigste Vorteil war jedoch die geringe Hemmschwelle, denn fünf Minuten sind ja nicht lang. Und das funktionierte fantastisch.

Bald war ich so in dieser Sache drin, dass ich dann gleich zwei oder drei 5 Minuten-Runden durchzog, das dann auch noch in drei Apps. Und schon war ich bei gut 45 Minuten Sport am Tag, aber immer noch mit dem Gefühl der Leichtigkeit, denn ich konnte jederzeit entscheiden, ob noch eine 5 Minuten-Runde angehängt werden sollte oder eben nicht.

Dann gab es da noch den Fitness-Raum, den uns die Amerikaner vererbt hatten. Das Hochbegabten-Gymnasium war dort eingerichtet worden, wo vorher die University of Maryland eine deutsche Außenstelle hatte. Als die Amerikaner gingen, ließen sie einige tolle Sachen da: Einen Fitnessraum voller Geräte sowie eine (englischsprachige) Bibliothek, die dann den Grundstock der neuen Schulbibliothek bildete. Aber ich schweife ab… Ein netter Sportkollege wies mich in die Benutzung des Laufbands ein. Ab da rannte ich fast jeden Tag.

In dieser Zeit führte ich ein leicht asketisches Dasein, da ich mir einen groben Schnitzer im Umgang mit einer Kollegin geleistet hatte. Der war nicht im luftleeren Raum passiert, doch ich hätte mich — selbst wenn ich es gewollt hätte, was nicht der Fall war — nicht herauswinden können. An mir wurde ein Exempel statuiert, das irgendwann sogar der geschädigten Kollegin zu weit ging, da die Schulleitung schlicht über das Ziel hinausgeschossen war. Ab einem gewissen Punkt ist das Maß der Bestrafung so übervoll, dass jede weitere Auflage, jedes weitere öffentliche „Die Hosen Runterlassen“ nur noch Abneigung auf allen Seiten erzeugt.

Das soll nicht ablenken, vielmehr zeigt es meine damalige Verfassung: Vom Kollegium isoliert, in einer Situation, die mir körperlich (ich war eindeutig zu dick) und seelisch (ich spürte, dass bis auf ganz wenige Ausnahmen — Gruß an D. und S. — nur meine Familie zu mir stand) ganz schön zu schaffen machte. Irrsinnigerweise erwuchs daraus der eiserne Wille, die gewollten Veränderungen mit unnachgiebiger Konsequenz durchzuziehen. Und das gelang: Sport ins Alltagsleben integriert und die Ernährung auf ein solides Fundament gestellt, zwischen Dezember 2010 und Sommer 2011 verschwanden gut 25 Kilo. Mit großer Genugtuung musste ich mehrfach neue Kleiderkollektionen anschaffen. Ein himmlisches Gefühl! Ein Jahr später klappte der Schul- und Ortswechsel, seither fühle ich mich wie ein neuer Mensch.

Seit dieser Zeit (2011) gehört ein tägliches Sportprogramm fest zu meinem Leben. Eine Zeit lang war es das Seilspringen, das mir nach wie vor viel Spaß bereitet, auch wenn ich die Menge stark reduziert habe. Doch in mir steckt nun einmal der Läufer, das habe ich erkannt. So ätzend es sein mag, sich im kalten Februar in einen eiskalten Keller zu begeben, um dort allmorgendlich 75 Minuten auf dem Laufband zu rennen, kaum läuft das Band…

…bin ich zufrieden. Zwei Stunden lang im Sommer über die Ostalb zu stürmen: herrlich. Beim Laufen schalte ich meinen ständigen Gedankenfluss durch Hörbücher oder Musik zumindest teilweise aus. So bin ich danach mental erfrischt und körperlich gut auf Touren gebracht. Vor einem langen Schultag gibt es (für mich) nichts besseres.

Mein Ziel für dieses Jahr war es, alles ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Dem folge ich tatsächlich: Unter der Woche ist immer bei 75 Minuten Schluss. Gelegentlich werden es 76, weil ich unbedingt eine gesetzte Marke erreichen möchte, aber das sind letztlich nur ein paar Sekunden hin oder her. Bin ich schlapp, laufe ich in den 75 Minuten nur 11 Kilometer, normal sind 12,5, an besonders guten Tagen schaffe ich über 13 Kilometer. Nur an den Wochenenden oder in den Ferien gibt es die Bonusmeilen (hier). Das ist eine ausgewogene Mischung, die mir das tägliche Laufen ermöglicht, ohne mich auszulaugen.

Und ich bin zufrieden.

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Song des Tages (162) – 2017-02-20

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Mein nächst älterer Bruder ist ein großer Jazz-, Soul-, Funk-Fan, der mir schon in meinen jungen Jahren so einige musikalische Interessensgebiete quasi „en passant“ verschafft hat. Eine Gruppe, die er besonders schätzte (und sicher bis heute schätzt), war (ist) Blood, Sweat & Tears. Irgendwann im Studium zog ich also los, um mir ein „Best of“-Album zuzulegen, das ich bis heute habe. Darauf sind wirklich lauter Stücke, die ich fast unbesehen in diese exklusive Playlist werfen könnte. Doch selbst unter den guten Songs gibt es ein paar, die eben noch einen Tick besser sind. Und somit habe ich als den heutigen Song des Tages das einmalig rockige und inhaltlich ziemlich fiese „Lucretia MacEvil“ von Blood, Sweat & Tears herausgesucht:

Der Song ist ja nun mindestens so alt wie ich, vermutlich sogar noch älter. Aber er groovt derart los, dass ich mich ihm nicht widersetzen kann. Vor allem dann, wenn das Klavier nach dem Break wieder einsetzt – da können die Füße kaum mehr stillstehen… Und dann ist da noch dieses sensationell wilde Trompetensolo (gespielt vom leider viel zu früh verstorbenen Lew Soloff)

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Song des Tages (151) – 2017-02-09

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Meine wundervolle Frau feiert heute ihren Geburtstag. Da muss ein passendes Stück her. Leider ist der Video-Clip nicht halb so gut wie das Original, das gibt’s dafür in der Apple Music-Playlist.

Der heutige Song des Tages und meine Frau sind beide „True Love“ (nur der Song ist von Glenn Frey):

Alles Gute, beste Frau der Welt!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Gehört: „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann

Ein faszinierendes und faktenreiches Buch – nicht nur für Leute mit extremem Übergewicht!

Ein faszinierendes und faktenreiches Buch – nicht nur für Leute mit extremem Übergewicht!

Ich bin zwar sicher nicht die primäre Zielgruppe, dennoch faszinierte mich der Titel des Hörbuchs bereits seit einer Weile. Mehrfach stand ich kurz davor, es mir zu laden, jedes einzelne Mal zögerte ich es aber doch noch hinaus, bis ich dann vor gut zwei Wochen einfach meinen inneren Schweinehund bezwang und „zuschlug“. Und dann hörte ich die neun Stunden und vierzig Minuten innerhalb von zwei Tagen fast in einem Rutsch durch. Das Hörbuch war spannend, faktenreich, eloquent, und – aus meiner Sicht sein größter Vorteil – es räumte mit unglaublich vielen Ernährungshalbwahrheiten (bzw. Ernährungslügen) auf.

Inhalt

Wie der Titel schon suggeriert, geht es wirklich darum, die typischen Denkschemata eines Menschen, der auf ein gesundes Gewicht hin abnehmen möchte, zu durchbrechen, denn gerade diese verhindern in der leider überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine erfolgreiche Gewichtsreduktion. Dazu gehören beispielsweise Sprüche wie

  • „Um abzunehmen muss man mindestens 1.200 Kilokalorien pro Tag zu sich nehmen…“
  • „Du bist im Hungermodus, kein Wunder dass du nichts abnimmst…“
  • „So wenig Kalorien am Tag? Das ist doch ungesund!
  • „Mein/Dein Stoffwechsel ist halt langsamer/schneller/xy…“

In diesem Buch werden sehr viele dieser teils wohlmeinenden, teils malevolenten Behauptungen auf die wissenschaftliche Probe gestellt, die Studien herausgesucht, in denen die jeweiligen Phänomene erforscht wurden – und dann werden sie geradezu genüsslich zerlegt: So ziemlich keine der angeblichen Abnehmregeln hat am Ende noch Bestand, außer einer, die mancher Abnehmwillige so gar nicht hören/lesen will:

Die Zufuhr an Kalorien muss geringer sein als der Verbrauch.

Wie man dieses Verhältnis herstellt, wird nicht vorgegeben – eher genau im Gegenteil, denn die Autorin, die ihr eigenes Körpergewicht von satten 150 auf gesunde 65 Kilogramm reduziert hat, legt sich da gar nicht fest. Vielmehr rät sie sogar dazu, einen individuell passenden Weg zu finden, mit dem sich der jeweils Abnehmwillige am wohlsten fühlt.

Warum habe ICH mir dieses Hörbuch besorgt und angehört?

Wie oben schon erwähnt, gehöre ich sicher nicht zur primären Zielgruppe. Vor fast sechs Jahren habe ich von gut 90 auf ungefähr 64 Kilogramm abgenommen (kurzfristig war ich sogar mal bei 62 Kilogramm, doch das war schon arg mager). Insofern habe ich den Prozess der körperlichen Umstellung schon durchlaufen, ich halte das Gewicht seit mindestens fünfeinhalb Jahren (mit Schwankungen zwischen 62 und 67 Kilo). Wieso also höre ich mir ein recht ausführliches Hörbuch zum Thema „Abnehmen“ an?

Gerade in dieser Angelegenheit möchte ich nicht falsch verstanden werden: Bei 1,78 m Körpergröße wiege ich aktuell zwischen 64 und 66 Kilogramm, befinde mich also bei einem BMI ganz grob um die 21, was im absolut grünen Bereich liegt. Ich habe nicht vor, weniger als 63 Kilogramm zu wiegen, denn alles darunter taugt mir nicht – noch dazu mag ich die Süßigkeiten und den ganzen leckeren Knabberkram nun einmal viel zu sehr, als dass es mit meinem Gewicht so schnell so weit abwärts gehen könnte… (Die vielen Knabbereien und Süßigkeiten gleiche ich selbstverständlich durch mein rigoroses Sportprogramm aus, wer mir schon länger folgt, kennt sicher den einen oder anderen Blogeintrag. )

Mir geht es also bei der Lektüre bzw. dem Anhören eines solchen (Hör-)Buchs nicht darum, mich „runterzuhungern“ (darum geht es auch der Autorin nicht). Vielmehr bin ich immer auf der Suche nach Möglichkeiten, meine Ernährungsgewohnheiten kritisch zu durchleuchten, um so frühzeitig gegenzusteuern, wenn nach der Weihnachtszeit mit ihren viel zu vielen gut gefüllten Plätzchentellern (und da kann ich schlicht und einfach nie „Nein“ sagen) die Waage plötzlich 67 oder mehr Kilogramm anzeigt.

Außerdem finde ich das Thema auch aus familiärer Hinsicht interessant, denn wer garantiert mir denn, dass nicht irgendwann eines unserer Kinder (oder gar mehrere) in der einen oder anderen Form mit Gewichtsproblemen zu kämpfen haben wird? Da kann eine solide Wissensgrundlage nicht schaden.

Fazit

Vielmehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht zu diesem Ratgeber in Hörbuchform loswerden. Ich fand auch aus meiner Perspektive das Buch sehr interessant, der Tonfall ist sachlich und angenehm vorgelesen, die Inhalte sind intelligent aufbereitet und wissenschaftlich fundiert (eben nicht postfaktisch). Daher kann ich mir durchaus vorstellen, dass dieses Buch eines der wenigen sein wird, die tatsächlich auf lange Sicht einigen Nutzen für viele Abnehmwillige bieten können.

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