Gelesen: „Die Fäden der Zeit“ von Lori M. Lee

Zu den „sechs Büchern für 2016“ (hier) gehörte in meinem Fall auch „Die Fäden der Zeit“ von Lori M. Lee. Ungefähr Mitte August war ich mit der Lektüre durch, also kann das Buch als abgehakt gelten – uff, wieder eins weniger auf der Liste!

„Die Fäden der Zeit“ – ein Buch, das bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat.

„Die Fäden der Zeit“ – ein Buch, das bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat.

In diesem Fall bin ich auch wirklich froh gewesen, das Buch endgültig (virtuell) weglegen zu können, denn so ganz warm geworden bin ich mit dem Schreibstil und der etwas konfusen Handlung nie geworden. Meine Kritikpunkte Liste ich gleich en detail auf…

Kritikpunkte

Einerseits störte mich permanent, dass die Protagonistin den ganzen Roman über mit einer himmelschreienden Unsicherheit auftritt und agiert. Egal worum es geht, sie wird von Selbstzweifeln förmlich zerrissen, wodurch sie immer wieder quasi handlungsunfähig wird – was mir diesen Charakter einfach komplett verleidet hat.

Ein Beispiel dafür: Kai, die siebzehnjährige Protagonistin, sucht nach ihrem „Bruder“ Reev, der aber gar nicht ihr Bruder ist, weil er sie vor vielen Jahren als Waisenkind bei sich aufgenommen hat. Gemeinsam mit Avan, einem sowohl wunderhübschen (da muss ich immer an „Twilight“ mit seinen glitzernden Vampiren denken, obwohl ich keinen der Filme gesehen habe…) als auch besonders begabten Freund, macht sie sich auf die Suche. Alle paar Seiten muss man wieder lesen, dass sie sich beim Reiten von hinten an Avan drückt und vor Leidenschaft fast vergeht. Sobald er ihr aber etwas mehr Nähe anbietet, schlägt sie ihm jedes einzelne Mal die Tür vor der Nase zu – nur um sich gleich darauf über sich selbst zu ärgern. Ein-, zwei-, vielleicht sogar dreimal würde ich das ja hinnehmen, aber es zieht sich wirklich durch das gesamte Buch. Das ermüdet ungemein. Zumindest mich.

Dann kommt der aus meiner Sicht größte Punkt der Enttäuschung: Kai kann dank einer ihr selbst nicht vertrauten Gabe die „Fäden der Zeit“ manipulieren, was sich im Roman als kurzzeitige Verlangsamung darstellt. Einmal wird sie angegriffen, verlangsamt die Zeit, schlüpft aus der Umklammerung der Angreiferin und kann so die Situation zu ihrem Vorteil wenden.

Diese Fähigkeit hatte mich damals in der Beschreibung am meisten interessiert, immerhin ist es ja auch das fantastische Element schlechthin, das allein schon ein gewisses Interesse an diesem Roman rechtfertigt. Leider wird diese Fähigkeit nur wenige Male und dann immer nur ganz oberflächlich angesprochen. Was für eine Enttäuschung!

Kai ist sich der Tatsache bewusst, dass sie diese Gabe nicht gut beherrscht. Also erwartet man als Leser, dass sie sie trainiert und im Experiment weiterentwickelt, um sie irgendwann effektiv einzusetzen. Oder? Leider völlige Fehlanzeige, mehr als drei oder vier Mal kommt die Sache nicht zur Sprache, Weiterentwicklung oder Erforschung sind völlig ausgeschlossen. Diese völlige Determination des wichtigsten Charakters im Buch ohne jegliche Möglichkeit einer Weiterentwicklung degradiert den Roman zu einer reinen Deskription: Der Leser darf zugucken, aber er darf keine Entwicklung mit den Charakteren durchlaufen. Schade, sehr schade.

Mehr schreibe ich jetzt nicht dazu, sonst bereue ich die investierte Lesezeit noch mehr als ohnehin schon. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass es noch mehrere Fortsetzungen von dieser Geschichte gibt. Wenn die alle so statisch mit den Charakteren umgehen, möchte ich keinen einzigen Buchstaben davon lesen.

Fazit

Wie meine Kritik schon deutlich machte, ist der Roman eher enttäuschend, zumindest hat er mich nicht überzeugt. Es gibt ein paar vereinzelte spannende Stellen, die ich dann genutzt habe, um wieder Hoffnung zu schöpfen – die dann aber leider fast jedes Mal wieder enttäuscht wurde.

Was mich vor allem frustriert hat, war die Tatsache, dass es so viele grundsätzlich gute, wenn nicht gar hervorragende, Ideen gibt, die halt einfach nur schlecht umgesetzt sind. Die grundlegende Story aus der Hand eines Stephen King oder Dean Koontz wäre ein absoluter Knüller!

Gut, ich wende mich wieder (aus meiner Sicht) besserer Literatur zu, der vierte Band des „Dunklen Turm“-Zyklus („Glas“) ruft mich…

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2 Gedanken zu „Gelesen: „Die Fäden der Zeit“ von Lori M. Lee

  1. Zeilenende sagt:

    Klingt so, als habe die Autorin den Leitfaden „Wie schreibe ich eine Young Adult Buchreihe?“ wirklich sehr akribisch durchgearbeitet. In Band 3 gibt es dann zarte Annäherungen … Doch halt. Sage: Gibt es auch irgendwo einen väterlichen Charakter? So einen, der das arme Mädchen immer beschützt und ihr möglicherweise erschreckende, aber eminent wichtige Dinge nicht erzählt? Ihr womöglich diesen Avan an die Seite stellt? Oder kommt diese grässliche Mentorfigur erst in Band 2?
    Wenn die Welt eines braucht, dann weniger stereotype Romane.

    • solera1847 sagt:

      Exakt! Ich sah mich im Geiste schon Post it!-Zettel ans iPad kleben (zwischen die Seiten geht nur schwer)… Aber dieses Buch kann man sich getrost sparen. Kein Verlust für jeden, der es auslässt. 😳

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