Archiv der Kategorie: Dean Koontz

Gehört: „Deeply Odd“ von Dean Koontz

Gerade habe ich den dritten Teil dieses Hörbuch-Bundles zu Ende gehört. Gleich vorweg: Abgesehen vom ersten Teil, der wirklich DEN Maßstab schlechthin gesetzt hat, war dieser auch gleich einmal qualitativ in vorderster Front. Wie immer gekennzeichnet von einer großen Prise recht makabren Humors entfaltet sich hier eine fast durchweg in hohem Tempo dahin rauschende, von wilden Action-Szenen gekennzeichnete Achterbahnfahrt, deren furioses Finale es mir kaum möglich machte, die AirPods aus den Ohren zu ziehen, um meinem Beruf nachzugehen.

Im zuletzt gehörten Odd Thomas-Roman („Odd Apocalypse“, hier) habe ich ja bemängelt, dass es verhältnismäßig lange gedauert hat, bis ich den Zugang zur Geschichte gefunden hatte. In „Deeply Odd“ war das nicht der Fall: Keine zehn oder fünfzehn Minuten im Hörbuch war ich schon so in die Handlung eingegraben, dass ich mich stets dem Gefühl ausgesetzt sah, sofort weiterhören zu müssen.

Dean Koontz und der erste Satz eines Romans…

Womit wir wieder bei dieser Eigenschaft der meisten Dean Koontz-Romane wären: Er schafft es fast immer, den Leser binnen weniger Sätze, oft sogar mit dem allerersten Satz, abrupt in die Handlung hinein zu ziehen – und dann auch nicht mehr loszulassen. Das ist zwar meine eigene Erfahrung, doch wenn man mal bei Wikipedia nachliest, scheint es allgemein als eines seiner charakteristischen Stilmerkmale zu gelten:

Koontz wichtigster Grundsatz: während der Grafiker das Buch so gestalten muss, dass es der Käufer in die Hand nimmt, ist es seine Aufgabe als Autor, den Leser gleich mit dem allerersten Satz so an das Buch zu fesseln, dass er es nicht mehr weglegen will. Das steht ganz im Gegensatz zum Schreibstil von Stephen King, der in seinen Büchern die Spannung ganz langsam und subtil aufbaut und viel Zeit dafür aufwendet, den Charakter eines Menschen eingehend zu beleuchten. Das typische Koontz-Buch beginnt damit, dass er seinen Hauptcharakter vor eine ausweglose oder extreme Situation stellt. Tatsächlich impliziert meist schon der erste Satz, dass gleich etwas Aufregendes passieren wird.

Doch all die Lobhudelei ohne Belege bringt nichts, daher habe ich aus der deutschsprachigen Übersetzung mit dem Titel „Abgrundtief“ den ersten Satz herausgezogen:

Es stimmt tatsächlich: Ein Satz, der den Leser sofort hineinzieht. „Warum läutet das Glöckchen um seinen Hals? Warum dreimal? Warum bereits vor der Morgendämmerung?“ – Und schon steckt man in der Geschichte...

Es stimmt tatsächlich: Ein Satz, der den Leser sofort hineinzieht. „Warum läutet das Glöckchen um seinen Hals? Warum dreimal? Warum bereits vor der Morgendämmerung?“ – Und schon steckt man in der Geschichte…

Weil ich schon so in Fahrt war, habe ich alle meine Dean Koontz-iBooks angesehen und jeweils den Anfang herausgezogen. Und siehe da: Nur einer würde mich jetzt nicht sofort in seinen Bann ziehen, alle anderen sehr wohl:

Der Anfang von „Seelenlos“

Der Anfang von „Seelenlos“

Der Anfang von „Schwarze Fluten“

Der Anfang von „Schwarze Fluten“

Der Anfang von „Die Anbetung“

Der Anfang von „Die Anbetung“

Der Anfang von „Meer der Finsternis“

Der Anfang von „Meer der Finsternis“

Der Anfang von „Schattennacht“

Der Anfang von „Schattennacht“

Der Anfang von „Darkfall“

Der Anfang von „Darkfall“

Der Anfang von „Strangers“

Der Anfang von „Strangers“

Der Anfang von „The Door To December“

Der Anfang von „The Door To December“

Der Anfang von „Phantoms“

Der Anfang von „Phantoms“

Der Anfang von „Die Unbekannten“

Der Anfang von „Die Unbekannten“

(Quizfrage: Welcher Anfang hat mich womöglich nicht gleich in seinen Bann geschlagen?)

Ich hoffe, das hat nicht genervt, zum „Glück“ hatte ich nicht noch mehr Dean Koontz-Romane zur Hand. Dennoch habe ich hoffentlich verdeutlichen können, dass er es schafft, mit einem clever überlegten Satz sofort so viel Information preiszugeben, dass man eine lebendige Vorstellung entwickelt – und gleichzeitig so wenig zu verraten, dass man mehr wissen möchte. Wie bereits mehrfach gesagt: Bei mir wirkt das immer ziemlich gut, denn ich habe alle diese Bücher „verschlungen“.

Teaser für „Deeply Odd“ (bzw. „Abgrundtief“)

Viel darf ich nicht verraten, sonst ist der Witz weg, aber zumindest ein bisschen:

Eigentlich will Odd Thomas nur ein paar neue Kleidungsstücke kaufen gehen, da er nicht mehr besitzt als die Sachen, die er am Leib trägt. Doch sein paranormaler Magnetismus führt ihn noch vor Betreten des Einkaufszentrums auf eine neue Fährte. Binnen weniger Minuten befindet Odd sich auf der Suche nach drei entführten Kindern, die grausam hingerichtet werden sollen. Doch das ist noch lange nicht alles…

Fazit

Na, schon Appetit bekommen? Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich hier einfach so von mir gebe, dass dieser Roman höchst spannend, faszinierend mysteriös und aufreibend in seinem Suchtfaktor ist. Dieses Buch an einem regnerischen Ferientag auf dem bequemen Sofa (natürlich erst nach dem Lauf), da kann nichts mehr schiefgehen. Meiner schlichten Meinung nach handelt es sich bei „Deeply Odd“ neben dem ersten Odd Thomas-Roman um den besten dieser Reihe.

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Gehört: „Odd Apocalypse“ von Dean Koontz

Wie ich bereits vor ein paar Tagen berichtete, habe ich bereits vor Monaten ein Dreierpack Odd Thomas-Hörbücher bei iTunes erstanden. Letzte Woche habe ich das erste Hörbuch („Odd Interlude“) durchgehört, heute habe ich den zweiten Band, „Odd Apocalypse“ abgeschlossen.

Zäher Einstieg, doch dann…

Ich muss ehrlich zugeben, dass der Einstieg in das Hörbuch alles andere als einfach war, denn ganz entgegen der Koontzschen Fähigkeit, die Neugier des Lesers gleich in den ersten Sätzen zu wecken und dann nicht mehr freizugeben, zog sich der Anfang gefühlt eine Weile hin. Zum Glück wurde ich am Ende durch eine sehr lange und actionreiche Schlussklimax belohnt, die die langatmige Einleitung mehr als ausglich, doch an den ersten beiden Morgenläufen ließ das Vergnügen ein bisschen auf sich warten. (Ich kann nicht ignorieren, dass auch die frühe Stunde meines Lauftrainings zu einer gewissen Trägheit im Geiste führt, was unter Umständen die vollendete Begeisterung hatte verhindern können…)

Der „Odd Thomas-Tonfall“

Mehr noch als im vorigen Band konnte mich der typische Odd Thomas-Tonfall begeistern, der ungezwungen, etwas frech und äußerst unterhaltsam ist. Maßgebliche Teile des gesamten Charmes aller Odd Thomas-Bücher ist dieser besondere Tonfall. Wenn man die Bücher nicht kennt, muss man sich durch ein Beispiel auf den Geschmack bringen lassen, daher habe ich eine tolle Stelle im Buch herausgesucht und per Screenshot hier eingefügt:

Der klassische „Odd Thomas-Stil“

Der klassische „Odd Thomas-Stil“

Fazit

Zum Inhalt sage ich bei diesem Buch nichts, denn hier besteht von allen Seiten her akute Spoilergefahr. Alles in allem kann man bei Dean Koontz fast nie etwas falsch machen, es sei denn, man steht nicht auf den locker-flockigen Tonfall. In dieser Hinsicht ist auch dieser Roman keine Ausnahme.

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Gehört: „Odd Interlude“ von Dean Koontz

Ein günstiges Dreierpack mit „Odd Thomas“-Hörbüchern – da konnte ich nicht widerstehen.

Ein günstiges Dreierpack mit „Odd Thomas“-Hörbüchern – da konnte ich nicht widerstehen.

Dean Koontz gehört zu den Autoren, deren Werke ich seit meiner Jugend immer wieder gelesen habe. Und seit ein paar Jahren habe ich seine Bücher für mich wiederentdeckt (hier) und auch darüber hinaus gleich mehrere neue, mir bis dato unbekannte Romane von ihm gelesen.

Die „Odd Thomas“-Reihe

Eine dieser Neuentdeckungen ist die Odd Thomas-Reihe (zur wahrhaft exzellenten Verfilmung des ersten Buches habe ich mich hier geäußert), die ihren Reiz für mich vor allem aus zwei Elementen zieht: Ein faszinierender, geradezu enigmatischer Protagonist, der gleichzeitig ein erklärter Antiheld und dabei doch der vollkommenste aller Helden ist (eben weil er keiner sein möchte), und ein Erzählstil, der zwischen betont sachlich-kühl und frech-aufmüpfig, aber immer aus der Protagonistenperspektive (und da mit einem gehörigen Schalk im Nacken), schwankt. Beide Elemente machen die ganze Romanreihe zu einem spannenden und (durch das viele Grinsen und Auflachen) entspannenden Erlebnis.

Inhalt

„Odd Interlude“ ist dabei der fünfte Roman der Serie. Obwohl ich auch das Buch habe (das sogar in deutscher Sprache), lag für das morgendliche Laufprogramm das Hörbuch so viel näher, also wählte ich dieses. Zum Glück laufe ich mit den AirPods, sodass auch die englische Sprachfassung jederzeit klar verständlich in meinen Gehörgängen landete. Und was war ich begeistert!Zum Inhalt äußere ich mich nur ganz kurz:

Odd und seine Begleiterin landen in einem kleinen Nest an der kalifornischen Küste, in dem ganz offensichtlich etwas ganz und gar nicht geheuer ist. Die Anwohner verhalten sich seltsam, scheinen von einem Moment zum nächsten in eine gänzlich andere Stimmung zu verfallen – Odd wird den Verdacht nicht los, dass die Menschen durch irgendetwas oder irgend jemanden kontrolliert werden. Also macht er sich auf die Suche danach.

Und wie immer glänzt Dean Koontz durch seine fantastischen Ideen, die man vorher kaum hätte absehen können. Auch die an den genau passenden Momenten eingeschobenen absurd komischen Äußerungen des Protagonisten verfehlen nie ihre Wirkung auf mich.

Fazit

Alles in allem handelt es sich bei „Odd Interlude“ um eine sehr gute Fortsetzung der Odd Thomas-Reihe, die ich mir in Zukunft sicher noch das eine oder andere Mal anhören werde. Im Gegensatz zum Lesen gleiten meine Gedanken bei Hörbüchern gelegentlich etwas ab, noch dazu morgens um kurz vor fünf, wenn ich auf dem Laufband meinen Puls von den knapp unter 50 bpm auf das Zweieinhalbfache (oder mehr) hinauf jage… Insofern schadet es überhaupt nicht, ein so gutes Hörbuch auch noch einmal anzuhören. Aber in diesem Pack kommen ja erst noch zwei andere, die gehört werden wollen – und ich werde berichten.

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Gelesen: „Die Fäden der Zeit“ von Lori M. Lee

Zu den „sechs Büchern für 2016“ (hier) gehörte in meinem Fall auch „Die Fäden der Zeit“ von Lori M. Lee. Ungefähr Mitte August war ich mit der Lektüre durch, also kann das Buch als abgehakt gelten – uff, wieder eins weniger auf der Liste!

„Die Fäden der Zeit“ – ein Buch, das bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat.

„Die Fäden der Zeit“ – ein Buch, das bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat.

In diesem Fall bin ich auch wirklich froh gewesen, das Buch endgültig (virtuell) weglegen zu können, denn so ganz warm geworden bin ich mit dem Schreibstil und der etwas konfusen Handlung nie geworden. Meine Kritikpunkte Liste ich gleich en detail auf…

Kritikpunkte

Einerseits störte mich permanent, dass die Protagonistin den ganzen Roman über mit einer himmelschreienden Unsicherheit auftritt und agiert. Egal worum es geht, sie wird von Selbstzweifeln förmlich zerrissen, wodurch sie immer wieder quasi handlungsunfähig wird – was mir diesen Charakter einfach komplett verleidet hat.

Ein Beispiel dafür: Kai, die siebzehnjährige Protagonistin, sucht nach ihrem „Bruder“ Reev, der aber gar nicht ihr Bruder ist, weil er sie vor vielen Jahren als Waisenkind bei sich aufgenommen hat. Gemeinsam mit Avan, einem sowohl wunderhübschen (da muss ich immer an „Twilight“ mit seinen glitzernden Vampiren denken, obwohl ich keinen der Filme gesehen habe…) als auch besonders begabten Freund, macht sie sich auf die Suche. Alle paar Seiten muss man wieder lesen, dass sie sich beim Reiten von hinten an Avan drückt und vor Leidenschaft fast vergeht. Sobald er ihr aber etwas mehr Nähe anbietet, schlägt sie ihm jedes einzelne Mal die Tür vor der Nase zu – nur um sich gleich darauf über sich selbst zu ärgern. Ein-, zwei-, vielleicht sogar dreimal würde ich das ja hinnehmen, aber es zieht sich wirklich durch das gesamte Buch. Das ermüdet ungemein. Zumindest mich.

Dann kommt der aus meiner Sicht größte Punkt der Enttäuschung: Kai kann dank einer ihr selbst nicht vertrauten Gabe die „Fäden der Zeit“ manipulieren, was sich im Roman als kurzzeitige Verlangsamung darstellt. Einmal wird sie angegriffen, verlangsamt die Zeit, schlüpft aus der Umklammerung der Angreiferin und kann so die Situation zu ihrem Vorteil wenden.

Diese Fähigkeit hatte mich damals in der Beschreibung am meisten interessiert, immerhin ist es ja auch das fantastische Element schlechthin, das allein schon ein gewisses Interesse an diesem Roman rechtfertigt. Leider wird diese Fähigkeit nur wenige Male und dann immer nur ganz oberflächlich angesprochen. Was für eine Enttäuschung!

Kai ist sich der Tatsache bewusst, dass sie diese Gabe nicht gut beherrscht. Also erwartet man als Leser, dass sie sie trainiert und im Experiment weiterentwickelt, um sie irgendwann effektiv einzusetzen. Oder? Leider völlige Fehlanzeige, mehr als drei oder vier Mal kommt die Sache nicht zur Sprache, Weiterentwicklung oder Erforschung sind völlig ausgeschlossen. Diese völlige Determination des wichtigsten Charakters im Buch ohne jegliche Möglichkeit einer Weiterentwicklung degradiert den Roman zu einer reinen Deskription: Der Leser darf zugucken, aber er darf keine Entwicklung mit den Charakteren durchlaufen. Schade, sehr schade.

Mehr schreibe ich jetzt nicht dazu, sonst bereue ich die investierte Lesezeit noch mehr als ohnehin schon. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass es noch mehrere Fortsetzungen von dieser Geschichte gibt. Wenn die alle so statisch mit den Charakteren umgehen, möchte ich keinen einzigen Buchstaben davon lesen.

Fazit

Wie meine Kritik schon deutlich machte, ist der Roman eher enttäuschend, zumindest hat er mich nicht überzeugt. Es gibt ein paar vereinzelte spannende Stellen, die ich dann genutzt habe, um wieder Hoffnung zu schöpfen – die dann aber leider fast jedes Mal wieder enttäuscht wurde.

Was mich vor allem frustriert hat, war die Tatsache, dass es so viele grundsätzlich gute, wenn nicht gar hervorragende, Ideen gibt, die halt einfach nur schlecht umgesetzt sind. Die grundlegende Story aus der Hand eines Stephen King oder Dean Koontz wäre ein absoluter Knüller!

Gut, ich wende mich wieder (aus meiner Sicht) besserer Literatur zu, der vierte Band des „Dunklen Turm“-Zyklus („Glas“) ruft mich…

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Gesehen: „Odd Thomas“

Sehr gelungene Romanverfilmung: „Odd Thomas“ mit dem leider viel zu früh verstorbenen Anton Yelchin.

Sehr gelungene Romanverfilmung: „Odd Thomas“ mit dem leider viel zu früh verstorbenen Anton Yelchin.

Bereits vor Jahren habe ich zufällig die „Odd Thomas“-Romanreihe für mich entdeckt, schon kurz darauf hatte ich meine Frau mit diesem Virus infiziert.

Die Rezension dieses Films kann zum Glück sehr kurz ausfallen, denn ich halte die Verfilmung für überaus gelungen. Gründe dafür gibt es einige:

  • Die Handlung des Romans wurde für die Filmadaption kaum verändert – so etwas ärgert mich meist ungemein, denn fast immer ist es eine drastische (und dreiste) Beschneidung.
  • Der Hauptdarsteller, hier der leider viel zu früh durch einen tragischen Unfall verstorbene Anton Yelchin, passt perfekt zur Rolle.
  • Endlich darf Willem Dafoe mal einen der Guten spielen, üblicherweise ist er auf die Rollen von Fieslingen und/oder Bösewichten festgelegt. Eine sehr willkommene Abwechslung.
  • Die optischen Effekte werten den Film stimmungsvoll auf, ohne ihn zu sehr zu beherrschen.

Fans von Dean Koontz, der die Romanreihe (und fast unzählige weitere Bücher) verfasst hat, kennen seine Eigenart, gleich zu Beginn des Buchs den Leser mit einem spürbaren Ruck in die Handlung zu ziehen. Damit stellt er fast das genaue Gegenstück zu Stephen King dar, der sich bekanntlich viel Zeit lässt, um die Charaktere allmählich einzuführen, zu vertiefen und die Spannung allmählich aufzubauen.

Wer also mal in einen Buchladen kommt, in dem zufälligerweise einige Romane von Dean Koontz stehen, der kann das kleine Experiment durchführen: Jeweils einfach mal die ersten paar Sätze von jedem Roman lesen. Charakteristisch für die Koontz-Romane ist eine Einleitung, die den Leser sofort in den Bann des Buchs zieht. Oft sind gerade die ersten Seiten wahre Page-Turner, danach kommt man von der Geschichte ohnehin nicht mehr los. Insgesamt habe ich mindestens acht oder zehn Bücher von ihm gelesen, bei allen war es so – und alle waren lesenswert!

Zurück zum Film: Er schreitet ebenfalls schnell voran, hält sich nicht lange mit einer umständlichen Einführung des bestimmenden Charakters auf, stattdessen erlebt man ihn gleich in Aktion, dabei lernt man seine speziellen Fähigkeiten auch schnell kennen. In Kombination mit den guten Darstellern und der spannenden Geschichte ist es ein absolut geeigneter Film, um einen fesselnden Filmabend zu erleben.

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Zehn Fragen zu Büchern

In Mellis Bücherblog würde ich beim Durchstöbern meiner WordPress-Leseliste ganz überraschend fündig: Die „Zehn Fragen zu Büchern“ gefallen mir, daher mache ich ganz spontan mit.

Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?

„Der Findefuchs“ von Irina Korschunow und Reinhard Michl, die erste Klassenlektüre in der ersten Klasse. Als Literatur angesichts der eher geringen Textmenge nicht allzu spannend, aber die Bilder waren sehr stimmungsvoll, was mir als Kind das Buch spontan sympathisch machte.

Das Buch, das deine Jugend begleitete?

Ein Doppelband: „Der schwarze Korsar“ und „Die Karibenkönigin“ von Emilio Salgari, mehrere hundert Seiten packender Spannung. Selbst heute möchte ich hin und wieder in den großartigen Schlachtenszenen schmökern.

Das Buch, das dich zum Leser machte?

Das gerade erwähnte. Ich las und las, vergaß alles um mich herum. Einmal habe ich das Buch an einem einzigen Tag gelesen. Mittagessen vergessen, Kirche (Karfreitag) vergessen, nur die Geschichte zählte.

Das Buch, das du am häufigsten gelesen hast?

Wenn es nicht „Der schwarze Korsar“ war, müssten zwei andere Bücher genannt werden: „Ronin“, der erste Band der „The Shadow Warrior“-Reihe von Eric van Lustbader und — Hörbücher mitgezählt — „Die Augen des Drachen“ von Stephen King (allein in diesem Jahr vier bis fünf Mal).

Das Buch, das dir am wichtigsten ist?

Das ist mit Abstand die schwierigste Frage, die mir im Zusammenhang mit Büchern je gestellt wurde, denn es ist schier unmöglich, ein einziges Werk zu nennen.

Zu meinen Favoriten gehören auf jeden Fall:

  • „The Stand — Das letzte Gefecht“ von Stephen King
  • „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss
  • „2001 — Odyssee im Weltraum“ von Arthur C. Clarke
  • „Puppenmord“ von Tom Sharpe
  • „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck
  • „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende
  • „The Hitchhiker’s Guide to The Galaxy“ von Douglas Adams
  • „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ von Alan Sillitoe
  • „Die Augen des Drachen“ von Stephen King
  • „Strangers“ von Dean Koontz
  • „The English Patient“ von Michael Ondaatje
  • „Sie“ von Stephen King
  • „Zorro“ von Isabel Allende
  • „Relic“ von Douglas Preston und Lincoln Child
  • „Ronin — The Shadow Warrior“ von Eric van Lustbader
  • „The Horse and His Boy“ (dritter Band der „Chroniken von Narnia“) von C. S. Lewis

Das Buch, vor dem du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?

So ziemlich alles, was aus der Sparte „Philosophie“ stammt. Ich mag ja detailreiche Romane, aber ich kenne keinen Autor jenseits dieser speziellen Sparte (Philosophie), der es schafft, so trocken und unleserlich zu schreiben.

Das Buch, das deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?

Alle diese pseudopornographischen Romane wie „Feuchtgebiete“ und all ihre Abkömmlinge, die medial gehypt werden und dann natürlich sofort verfilmt werden müssen.

Das Buch, das du unbedingt noch lesen willst — wenn da einmal Zeit wäre?

Schwer, denn da gibt es so viele…

  • Alle weiteren „Lincoln Rhyme“-Bücher von Jeffery Deaver, denn der erste Roman hat so richtig Lust auf mehr gemacht.
  • Den weltweit heiß ersehnten dritten Teil der „Königsmörder-Trilogie“ von Patrick Rothfuss, denn die ersten zweieinhalb Teile haben mich völlig vereinnahmt.
  • Alle Teile von „Harry Potter“, denn die sind ja angeblich den Filmen um Längen überlegen.

Das Buch, das dir am meisten Angst macht?

„The Shining“ von Stephen King hat mir einige schreckliche (und schrecklich schöne) Momente beschert. Das Hörbuch musste ich immer wieder unterbrechen, weil es so eindringlich ist.

Ein Buch, das du selbst gern geschrieben hättest?

Jedes Buch, das mir gefallen hat, in jedem einzelnen fand ich Unmengen an Inspirationen und Ideen — nur hatte sie schon ein anderer aufgeschrieben…

 

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(Mehrfach) gelesen: „Strangers“ von Dean Koontz

Auch wenn es ein Frühwerk war, gehört „Strangers“ für mich zum Besten, das Dean Koontz jemals geschrieben hat. Klar, ich kenne die Odd Thomas-Reihe und habe schon vier der Bücher gelesen, aber die sind immer noch kein Vergleich für diese fantastische Geschichte.

Begleiter über eine lange Zeit

Zum ersten Mal las ich sie auf Deutsch unter dem Titel „Schwarzer Mond“ Ende der 1980er Jahre, also vor etwas mehr als 25 Jahren. Bereits da packte mich die Geschichte völlig, im Anschluss habe ich das Buch mehrfach an Freunde in der Schule verliehen, die es allesamt ebenso genossen — nur kam es von einer dieser Verleih-Aktionen nicht mehr zurück.

Mitte der 1990er Jahre war ich zum letzten mal mit meinen Eltern im Urlaub, damals in den USA, wo ich mir in San Francisco (wo sonst?) eine schöne Paperback-Ausgabe auf Englisch zulegte, die ich natürlich auch gleich auf der Reise wieder komplett durchlesen musste. Auch später habe ich es mindestens noch einmal durchgepflügt.

iBook

Vor ein oder zwei Jahren kam das Buch dann bei iBooks heraus, und wieder wurde mein Geldbeutel erleichtert (altersbedingt dieses Mal aber nur noch ein wenig). Auch dieses Mal verschlang ich das Buch, obwohl ich im Prinzip ganz genau wusste, was mich erwartete. Und dennoch: Die Länge des Buchs, das allmähliche Entrollen der Geschichte im Hintergrund, die alle nacheinander betrachteten Personen miteinander in Verbindung setzt und sich Zeit nimmt, die Vergangenheit (und Gegenwart) jedes Charakters zu beleuchten, gegen Ende dann aber in einem wahren Spannungssog, der mehr als hundert Seiten umfasst und eine höllisch spannende Schlussklimax präsentiert — all das lässt mich das Buch jedes mal aufs Neue genießen.

Hörbuch

Vor ca. einem Jahr entdeckte ich das Hörbuch (ca. 30 Stunden Hörzeit) auf Englisch bei iTunes. Und ich war standhaft. Geradezu heldenhaft. Bis letzte Woche konnte ich widerstehen. Dann verließen die hart erarbeiteten Euronen virtuell meinen Geldbeutel, seitdem genieße ich wieder. Und es ist ein Trip solch unvergleichlicher Nostalgie, ein gutes Stück hinunter auf meiner „Memory Lane“, dass ich die Ausgabe absolut nicht bedaure. Dieses Hörbuch werde ich sicher noch etliche Male anhören.

Strangers (Cover)

Das Cover des Hörbuchs

Inhalt

Nun habe ich euch lange genug vorgeschwärmt und den Mund ordentlich wässrig gemacht. Hehe. Worum geht es also in diesem für mich so faszinierenden Buch? Jetzt wird es knifflig, denn verrate ich zuviel, hat keiner mehr den Impetus, das Buch zu lesen, verrate ich zu wenig, kommt vermutlich nur geringes Interesse auf. Wie dem auch sei, ich wage es!

Zu Beginn des „angenehm dicken Wälzers“ lernen wir Dominick Corvaisis kennen, einen Autor, der ganz am Anfang einer vielversprechenden Karriere steht. Er hat gerade seinen ersten Roman an einen Verlag verkauft, die Vorab-Kritiken sind exzellent, die Auflage wird noch vor der Veröffentlichung mehrfach erhöht, seine gesamte aktuelle Situation verheißt für die nächste Zukunft Erfolg und Zufriedenheit. Und in diese zu erwartende Ruhe und Entspannung hinein verfällt er urplötzlich dem Schlafwandeln. Nacht für Nacht erwacht er an einem anderen Versteck in seinem Haus, das er während des Schlafs von innen verbarrikadiert hat, vor Angst nassgeschwitzt, bewaffnet, zitternd.

Wir springen über die Hälfte des nordamerikanischen Kontinents und treffen Ginger Weiss, eine junge und außerordentlich erfolgreiche Ärztin, die kurz davor steht, eine mit jahrelanger harter Arbeit vorbereitete Karriere als Chirurgin zu beginnen. Beim Einkaufen stößt sie mit einem ihr unbekannten Mann zusammen, dessen schwarze Lederhandschuhe in ihr einen übermächtigen Fluchtreflex auslösen. Noch tut sie das als eine momentane Überreizung und als ein Symptom für den Stress der letzten Zeit ab, doch binnen weniger Tage erleidet sie weitere Anfälle dieser Art, die ihr letztlich sogar das Ausüben ihres Berufs unmöglich machen.

In Chicago verliert Brendan Cronin, ein hingebungsvoller Priester, von einer Woche auf die nächste seinen Glauben. Aber nicht durch Zweifel, nicht durch traumatische Erlebnisse, die ihn an der Existenz eines gütigen Gottes zweifeln lassen, der Glaube löst sich einfach in ihm auf — und stürzt ihn dadurch in eine existenzielle Krise.

Und wieder an einem anderen Platz in den USA lernen wir Jack Twist kennen, der nach einer Karriere bei einer Spezialeinheit der Armee eine noch viel erfolgreichere Laufbahn als professioneller Dieb eingeschlagen hat. Das Planen und Ausführen von heiklen Diebstählen (z.B. mehrere Millionen Dollar aus einem Mafia-Umschlagplatz zu entwenden) übte über viele Jahre einen ungeheuren Reiz auf ihn aus. Doch plötzlich zieht er keinerlei Befriedigung mehr daraus, eine seltsame Rastlosigkeit ergreift Besitz von ihm…

Es werden noch mehr Charaktere eingeführt, z.B. Ernie Block, ein ehemaliger Marine, der urplötzlich eine ungeheure Angst vor der Dunkelheit entwickelt, Jorja Monatella, eine Kellnerin, deren Tochter von einem Tag auf den nächsten unerklärliche Angstattacken erleidet — und eben noch einige andere.

Und dann erhalten sie alle Post. Andeutungen, dass die Wurzel für ihre aktuellen Probleme in ihrer Vergangenheit liege. Ohne voneinander zu wissen, begeben sich alle auf die Suche nach dieser Wurzel. Als sie sich treffen, löst sich ein geradezu ungeheuerliches Rätsel in einem Reigen von kaum zu ertragender Spannung und überraschend intensiver Action auf, sodass es einem als Leser (ich bin hier der Beurteilungsmaßstab) schier unmöglich ist, das Buch auch nur kurz beiseite zu legen.

Also wer jetzt nicht scharf auf diese Geschichte ist, dem kann ich auch nicht helfen.

 

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Literarische Vorlieben und ihre Glaubwürdigkeit

Ich bin ein großer Freund jeglicher Art von Literatur und habe in den letzten drei Jahrzehnten etliche Bücher unterschiedlichster Couleur gelesen. In jüngster Vergangenheit (es scheint eine Alterserscheinung zu sein) gesellten sich immer mehr Autobiographien/Monographien dazu – meist handelt es sich um Musiker. Am liebsten lese ich jedoch Romane, zu meinen vielen Lieblingsautoren gehören (die Reihenfolge stellt dabei keine Präferenz dar) Dean Koontz, Eric van Lustbader, Douglas Preston und Lincoln Child (ich denke vor allem an die Pendergast-Reihe), Tom Sharpe, Alan Sillitoe und Stephen King.

In den meisten Fällen sind es einfach spannende Geschichten, die nicht selten einen Hauch des Übernatürlichen verströmen. Gerade Dean Koontz, Eric van Lustbader und Stephen King fallen mit den meisten ihrer Werke ziemlich genau in diese Kategorie. So sehr ich die Geschichten genieße, immer wieder stiehlt sich ein eigentümlicher Gedanke in mein Unterbewusstsein: „Warum liest du eigentlich so eine Schundliteratur?“ Der Gedanke stammt wohl noch aus meiner Kindheit, als meine Mutter gelegentlich diesen Begriff gebrauchte, um die damals schon mit Feuereifer von mir verschlungenen Romane zu brandmarken. Gerade Stephen King genießt als angeblicher „Horror-Autor“ bei vielen Menschen einen sehr zweifelhaften Ruf. In den letzten Jahren hat er meines Ermessens genügend Romane abseits dieses Genres abgeliefert, dass man dieses Etikett problemlos auch wieder entfernen könnte, aber ich bin eben nicht „man“.

Doch heute kann mich dieses Naserümpfen genauso wenig vom Lesen und Genießen dieser Bücher abhalten wie damals. Der Grund ist ein ganz einfacher: Mir gefallen die Geschichten — und sie sind oft hervorragend erzählt. Im letzten Jahr habe ich zwölf Geschichten (sehr unterschiedlicher Länge) von Stephen King gelesen, alle haben mir gefallen, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß:

  • „The Stand“ fand ich absolut faszinierend. Stephen King mag es zwar nicht, wenn Fans behaupten, es sei sein bestes Buch, denn das entwerte seiner Meinung nach alles, was danach kam, es gehört aber sicher zu seinen besten Werken, weil es durch die ungeheure Länge Zeit für die Entfaltung aller Charaktere hat.
  • „Die Arena“ (auch bekannt als „Under the Dome“) war fantastisch, eigentlich die Steigerung von „The Stand“ und auf jeden Fall viel besser als die davon inspirierte TV-Serie („Under the Dome“).
  • Drei der damals noch unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichten Geschichten – „Sprengstoff“, „Menschenjagd“ (stark abgeändert verfilmt unter dem Titel „Running Man“) und „Todesmarsch“ – waren zwar etwas altbacken (man spürt überall ihre Entstehungszeit durch, die nun einmal mehrere Jahrzehnte zurückliegt), aber dennoch spannend und voll farbenfroher Charaktere.
  • Die zwei Kurzgeschichten „Im hohen Gras“ und „Raststätte Mile 81“ waren höchst eigentümlich (vor allem erstere) – und meiner Meinung nach auch viel zu kurz, denn King’s Qualitäten liegen eindeutig im Epischen, wenn er die Möglichkeit hat, jeden einzelnen Charakter allmählich mit der Tiefe zu erfüllen, die ihn lange in der Erinnerung des Leser festhält (wie eben bei „The Stand“ und „Die Arena“) – da ihm diese Möglichkeit hier nicht zur Verfügung stand, kam die charakterliche Seite der Geschichten hier für meinen Geschmack zu kurz.
  • „Duddits“ bzw. „Dreamcatcher“ ist um unglaubliche Längen besser als der Film (der trotz Morgan Freeman ein völliges Desaster geworden ist), dennoch sind einige Abschnitte des Buchs derart depressiv (geschrieben in der Rekonvaleszenz-Phase nach dem Autounfall Kings), dass das Lesevergnügen gelegentlich etwas getrübt wurde.
  • In der Novellensammlung „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ finden sich drei besonders gelungene Werke – „Die Verurteilten“, wunderbar verfilmt mit Tim Robbins und Morgan Freeman (hier ist der Film mindestens genauso gut wie die literarische Vorlage, mir als Musiker fällt natürlich auch noch der hervorragende Soundtrack ein), „Der Musterschüler“, „Die Leiche“ (gelungen verfilmt unter dem Titel „Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers“) – und eine etwas flachere Kurzgeschichte – „Atemtechnik“ –, die mir kaum im Gedächtnis hängen blieb.

Das waren mehrere tausend Seiten, die sich allerdings nicht danach anfühlten, denn die Geschichten vermochten es jedes einzelne Mal, mich in ihre eigene Welt zu entführen, mit den Charakteren zu fiebern — kurzum: sie erfüllten genau den Zweck, den man sich von einem Roman erhofft.

Im Programm „Zapped“ lässt sich Michael Mittermeier darüber aus, wie seine Freundin sich über die von ihm präferierten Action-Filme beschwert. Dabei fällt auch der Spruch: „Wie realistisch!“ Und genau das könnte man auch gegen alle Stephen King-Bücher sagen (und genauso gegen die von Dean Koontz, Preston & Child und all den anderen). Doch Realismus ist es ja gerade nicht, was ich in diesen Geschichten suche – sonst würde ich ja auch eher Sachbücher vorziehen. Und genau deswegen kann ich ganz entspannt fragen: „Wozu Realismus?“ Wenn die Geschichte so gut erzählt wird, dass sie mich fesselt und für ein paar Stunden entführt, warum muss sie dann auch gleich noch realistisch sein?

William Shakespeare lässt in seiner Komödie „Ein Sommernachtstraum“ auch Kobolde und Elfen auftreten, an einer Stelle wird sogar jemand verwandelt und erhält einen Eselskopf. Hat ihm (Shakespeare) jemals ein Literaturkritiker vorgeworfen, er schreibe nicht realistisch genug? Wohl kaum. Aber der „Sommernachtstraum“ wird immer und immer wieder gerne besucht, weil die Charaktere lebendig sind und die Geschichte den Zuschauer in diese Welt eintauchen lässt. So muss es sein, dann ist es gute Unterhaltung.

 

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Lese- und Hörvergnügen

Stephen King - Der Anschlag

Ich lese gern, eigentlich verschlinge ich Bücher geradezu. Allerdings sieht man mir das äußerlich nicht wirklich an, denn ich trage keine Bücherstapel mit mir herum — ich lese seit dem Erscheinen des ersten iPads im Jahr 2010 fast ausschließlich digital. Außerdem schätze ich Hörbücher, die ich vor allem beim Sporteln anhöre, wenn ich die Hände nicht frei habe.

Heute habe ich ein solches Hörbuch zu Ende gehört. Es handelt sich um „Der Anschlag“ von Stephen King. Wer schon einige meiner früheren Blog-Einträge gelesen hat, könnte bemerkt haben, dass ich mich ganz ohne Scheu mit den Werken dieses vermeintlichen Schund-Autors auseinandersetze. Meine Mutter beispielsweise würde niemals ein Buch von Stephen King lesen. Als sie nach einer Knie-Operation auf Reha war, brachte ich ihr „The Green Mile“ als Taschenbuch mit. Das war vor fast zwei Jahren, gelesen hat sie bis heute wohl keine Zeile davon.

Als Teenager habe ich einige seiner Werke, die eher dem Horror-Genre zuzurechnen sind (z.B. „Friedhof der Kuscheltiere“ oder „Brennen muss Salem“) gelesen (und damals genossen). Heute fasziniert mich das Horror-Genre nicht mehr in diesem Ausmaß. Als ich mir „Shining“ als Hörbuch reinzog, musste ich immer wieder mal pausieren, denn das war schon recht stärker Tobak.

Spätestens seit „The Green Mile“ jedoch hat Stephen Kings Ruf einen gewaltigen Schritt heraus aus der verpönten Horror-Ecke gemacht. Mittlerweile ist er einfach als genialer Geschichtenerzähler bekannt — und genau diese Eigenschaft schätze ich an seinen Werken. Ganz ähnlich ergeht es mir übrigens mit den Werken von Dean R. Koontz, der auch Werke in verschiedenen Genres schreibt, dessen Erzählweise zumindest meiner Einschätzung nach der Stephen Kings in nichts nachsteht.

Auf die Idee, mir „Der Anschlag“ anzuhören, kam ich beim Stöbern im iTunes-Store, denn dort wurde das Hörbuch mit satten 31 Stunden Laufzeit für 6,99 € angeboten. „Das ist ja nun ein echtes Schnäppchen!“ — gedacht, gekauft, geladen. Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich mir die Zeit genommen hatte, die Inhaltsangabe zu lesen. Ich bin auch eher froh, dies nicht getan zu haben, denn das vordergründige Thema — der Anschlag auf Präsident John F. Kennedy — hätte mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken können. Gerade weil dieses Thema von so vielen Verschwörungstheorien umgeben ist, einer der großen Plagen unserer Zeit.

Doch dem Autor gelingt der große Wurf, denn das Attentat degradiert im Verlauf der Geschichte immer mehr zu einem Nebenschauplatz, zeitweise gerät es sogar ganz in Vergessenheit. Die Personen, die die Handlung maßgeblich bestimmen, werden dagegen so lebendig, so überzeugend und plastisch, dass man am Ende der Geschichte mit einem Gefühl der Leere zurückbleibt und weiter in das Netz der einzelnen Fäden der Geschichte eingewoben werden möchte. Und gleichzeitig weiß man, dass es keine Fortsetzung geben darf, denn sie würde das mühsam aufgebaute Kartenhaus zum Einsturz bringen.

Mehr zum Inhalt möchte ich nicht verraten, denn das gehört sich nicht. Wer allerdings ein wenig Appetit auf diese Geschichte bekommen hat, der kann damit nicht viel falsch machen. Da das Hörbuch tatsächlich billiger als die gedruckte Version ist — und mit David Nathan ein exzellenter Vorleser gefunden wurde —, würde ich auch dazu raten.

 

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