Meine Reaktion auf das starke Abschneiden der AfD

In aller Kürze: Ich bin kein Anhänger der AfD, doch wurde die Partei heute auf demokratischem Weg mit teils erschreckend hohen Prozentzahlen in diverse Landtage gewählt, deswegen muss – meiner Meinung nach leider – der Wille der Wähler respektiert werden.

Was ich nun aber von den Politikern der übrigen Parteien, die sich auf keinen Fall auf eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit der AfD einlassen wollen, erwarte, ist es, persönlich und politisch Haltung zu bewahren und eben nicht mit eingezogenem Schwanz auf die AfD-Wähler zuzugehen. Gerade jetzt, in einer verfahrenen politischen Situation, die über die kommenden fünf Jahre ausgebadet werden muss, ist es geradezu die moralische Pflicht der anständigen Politker, Rückgrat zu beweisen. Rückgrat in der Sache.

Protestwähler
Protestwähler – eine der unsinnigsten Eigenschaften, die ich mir vorstellen kann...

Wer jetzt einknickt und auf die „Protestwähler“ (siehe Screenshot aus der Wahlsendung des ZDF) zugeht, dem geht es in erster Linie um einen Rückgewinn der Stimmen für die eigene Partei/Person. Aber dieser „Kampf“ muss mit Argumenten gewonnen werden, nicht mit Anbiederung. Wer sich anbiedert, wertet die stets wankende Meinung der Protestwähler – zu maulen und zu motzen gibt es immer etwas – über Gebühr auf.

Aus dieser Wahl können vor allem die ehemals großen Parteien etwas lernen: Die Zeit, in der eine große Partei mit einem kleinen Junior-Partner (CDU & FDP) ein (Bundes-)Land über Jahrzehnte hinweg regieren konnte, ist seit ein paar Jahren vorbei. Seit heute ist sie definitiv Geschichte. Es gibt einige Punkte, die das eindrucksvoll belegen:

  • Selbst mit Angela Merkel, die sicherlich das stärkste Zugpferd der CDU im letzten Wahlkampf war, ergab sich keine so starke Mehrheit, dass sie allein hätte regieren können.
  • Die SPD hat in den letzten Jahren so viele ihrer früheren Kernthemen zugunsten einer Annäherung an die politische Mitte, die bereits von der CDU eingenommen wird, aufgegeben, dass sie aufgrund eines Mangels an konkurrenzfähigen Spitzenpolitikern nicht mehr in dieser Liga spielen kann.
  • Und die Tatsache, dass die Grünen in einem erzkonservativen Bundesland wie Baden-Württemberg die stärkste Partei darstellen, dürfte diese Auflistung perfekt abrunden.

Die Konsequenz für alle Parteien lautet daher ganz einfach: Argumente und Überzeugungskraft, keine kraftlosen Parolen, anders wird man in fünf Jahren auch nicht besser abschneiden. Ich hoffe, viele der heutigen „Protestwähler“ werden in fünf Jahren desillusioniert nach einer wirklichen Alternative für die „Alternative für Deutschland“ suchen und sie auch finden. Aber bis dahin fließt leider noch viel Wasser den Neckar hinunter…

 

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6 Gedanken zu “Meine Reaktion auf das starke Abschneiden der AfD

  1. Zeilenende 13. März 2016 / 20:15

    Entzaubert sie in den Parlamenten. Für mehr reicht es bei mir heute auch nicht mehr. Vielleicht morgen. 😯

    • solera1847 13. März 2016 / 20:16

      Ich bin mir recht sicher, dass genau das passieren wird. Zumindest hoffe ich das. Inständig.

  2. Florentinejo 13. März 2016 / 20:49

    Interessanter Beitrag. Mich freut vor allem das Ergebnis in Baden Württemberg. Doch ich denke, diese Wahl ging sehr nach den Kandidaten und nicht unbedingt nach der Einstellung und den Zielen der gesamten Partei.

  3. measententia 14. März 2016 / 11:34

    Sind diese Prozent-Zahlen wirklich ? Ob AfD, Trump, oder wie hier in der Schweiz die SVP, ihnen allen ist gemein, dass sie ihren Erfolg scheinbar zu einem Grossteil den Protestwählern verdanken. Wenn das tatsächlich so ist, dann bin ich mit meiner Hirngymnastik am Ende, aber vielleicht kann mir jemand von Euch weiterhelfen.

    Was um Himmels Willen geht in den Köpfen solcher Protestwähler vor ? Haben sich diese Menschen ernsthaft überlegt, was sie da tun und welche Konsequenzen es haben könnte, auch für sie persönlich ?

    Ich verstehe, dass man sich vor lauter Ohnmachtsgefühl manchmal nicht mehr auszudrücken weiss und deshalb auf Zynismus, kindliche Rebellion und dergleichen ausweichen muss. Aber… ich weiss nicht, ich glaube, ich habe hier einen Blindspot, ein Empathie-Loch, oder wie auch immer man das nennen will. Was geht in diesen Menschen vor ? Und welche anderen, vielleicht wichtigeren Beweggründe sind vorhanden, welche nicht erfragt und daher nicht genannt wurden ? Zum Beispiel „Ich mache, was Freunde und Familie tun, weil ich selber unschlüssig bin.“

    Wenn es wirklich als Denkzetter für andere Pateien gemeint war, dann wird es doch konsequenterweise auch zum Denkzettel für einen selber. Nicht ?

    • solera1847 14. März 2016 / 15:10

      Dummerweise zweifle ich daran, dass die zu erwartende Nicht-Politik dieser Parteien, die ja überwiegend aus Phrasendrescherei besteht, den (ewig) gestrigen Denkzettel-/Protestwählern als nichtig auffallen wird. Wer heute aus Protest Partei XYZ wählt, wird auch in fünf Jahren aus Protest wieder irgendeine andere Partei wählen, um allen anderen einen Denkzettel zu verpassen. Da wäre Nichtwählen manchmal besser…

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