Archiv der Kategorie: Medien

Apple Watch – Erfahrungsbericht nach einem Vierteljahr

Am 28. Oktober kam ich gegen 14:30 h nach Hause, da wartete sie auf mich, meine Apple Watch Series 2 Nike+ Edition. Einen ersten Bericht habe ich ja damals gleich veröffentlicht (siehe hier). Doch nach gut einem Vierteljahr kann ich nun einen ernsthaft auf Erfahrungswerten basierenden ersten Einblick in meinen Alltag mit diesem Gerät geben – und da gibt es schon ein paar durchaus bemerkenswerte Dinge festzuhalten.

Hardware-Qualität

Die Apple Watch ist teuer, keine Frage: Über 400 € für das von mir gewählte Modell, das bedurfte einiger Überlegung, ob ich sie wirklich anschaffen sollte. Seitdem ich sie trage, konnte ich mich aber davon überzeugen, dass es sich hierbei wirklich um ein absolut solides Produkt handelt, das den Anforderungen an die Hardware vollkommen gerecht wird.

Auch nach zwei Monaten ununterbrochener Nutzung so schick wie am ersten Tag – völlig frei von Alterungsspuren!

Auch nach zwei Monaten ununterbrochener Nutzung so schick wie am ersten Tag – völlig frei von Alterungsspuren!

Das Display-Glas ist derart hart und stabil, dass die im Alltag unvermeidlichen Stöße und Knüffe (z.B. beim Tragen von Equipment in der Schule – und dabei kann man sich schon einmal ein blaues Auge holen… –, beim Hantieren mit dem E-Bike, beim Herumalbern mit den Kindern, beim Sporteln etc.) absolut folgenlos bleiben.

Da ich die Uhr auch beim Duschen anhabe, wird sie jeden Tag gesäubert, das gelöcherte Armband sorgt dafür, dass erst gar kein Schweißgeruch an dieser Stelle haften bleibt – das wäre bei einem geschlossenen Kunststoff-Armband sicher kaum zu vermeiden.

Entgegen meiner ursprünglichen Befürchtung, die Apple Watch könnte an meinem nun einmal recht schmalen Handgelenk klobig wirken, was mich auch dazu bewog, die kleinere Variante zu kaufen, sieht sie weder „zu groß“ noch übertrieben aus. Das ist mir gerade recht.

Den Mac entsperren

Eine auf den ersten Blick banale, in der Praxis aber sehr angenehme Kleinigkeit ist die Möglichkeit, meinen iMac mit meiner Apple Watch zu entsperren. Wenn der iMac im Ruhezustand vor sich hin schlummert, drücke ich auf eine Taste, das Anmeldefenster erscheint – doch statt das Passwort einzugeben, greift der iMac via Bluetooth auf die Apple Watch zu und entsperrt den Mac.

Statt einer langwierigen Passworteingabe einfach die Uhr in der Nähe des iMac tragen – schon ist man drin!

Statt einer langwierigen Passworteingabe einfach die Uhr in der Nähe des iMac tragen – schon ist man drin!

Die Apple Watch selbst ist nur dann entsperrt, solange ich sie nach der Eingabe des Codes ununterbrochen am Handgelenk trage. Nähme mir jemand die Watch ab, müsste er sie zuerst mittels des Codes entsperren, an den iMac und die Daten darauf käme er damit allein nicht. Natürlich ist das allein noch keine Funktion, die über Wohl und Wehe der Apple Watch entscheidet, doch sie ist mir im Alltag wirklich willkommen, eine der vielen Kleinigkeiten, die das Leben um einen Tick leichter machen.

Die Macht der drei Ringe – die Zukunft der Fitness-Tracker

Man möchte es kaum glauben, aber der Ehrgeiz packt mich doch jeden Tag aufs Neue, wenn es darum geht, die drei Ringe (Rot=Bewegung, Grün=Training, Blau=Stehen) vollzubekommen. In Gesprächen mit anderen Nutzern habe ich erfahren, dass es ihnen nicht anders geht.

Durch das tägliche Laufen habe ich keine Mühe, die 30 Minuten Training zu füllen, die sind bereits vor dem Frühstück doppelt oder mehr erfüllt. Doch der über die letzten Wochen hinweg angepasste Wert für die tägliche Bewegungsmenge (auf den Bildern 960 Kalorien/Tag) fordert mir einiges ab. Und das ist ja auch gut so.

An Schultagen klappt das locker, weil man als Lehrer meist gut „in Action“ ist, doch am Wochenende musste ich schon öfter mit ein wenig Seilspringen am Nachmittag noch für das Auffüllen der Ringe sorgen. An einem einzigen Tag bislang, es handelte sich um den 17. Dezember, als ich bei „Blues & The Gang“ ausgeholfen habe (hier), bekam ich den roten Ring erst um 23:59 h voll – das war knapp! Mir eigentlich zu knapp, aber auf der Bühne im „Gleis 1“ konnte ich schlecht mit dem Seilspringen anfangen…

Immer am Ende einer Woche stellt mir die Aktivitätsapp eine Bilanz der vergangenen sieben Tage vor und errechnet einen neuen Zielwert, den ich seit Mitte November prompt verwerfe, denn das würde vielleicht noch zwei oder drei Wochen gut gehen, dann würde es mich frustrieren, weil ich nicht mehr hinterher käme. Ewiges Wachstum ist für mich nicht erstrebenswert, schon gar nicht bei sportlichen Leistungen – ich bin kein Leistungssportler. Noch dazu sind fast 1.000 Kalorien Energieverbrauch nur über Bewegung schon ein ganz schön saftiges Ziel, wenn man vorhat, es jeden Tag zu erfüllen.

Die 12 Stunden Stehziel sind an sich sehr einfach zu erreichen, auch wenn es mich gelegentlich nervt, dass ich trotz deutlicher Übererfüllung der Bewegungsziele (z.B. 1.300 der geforderten 960 Kalorien) zehn Minuten vor Ende so mancher Stunde mit einer gewissen Penetranz daran erinnert werde, doch bitte kurz aufzustehen und mich zu bewegen. Gut, an sich ist das ja gar nicht falsch, nur halt gegen meinen dann ganz akuten Drang, einfach hocken zu bleiben…

Schön ist auch die automatische Feststellung der Herzfrequenz, die mir beim Laufen oder Seilspringen automatisch angezeigt wird, dazu folgt weiter unten ein Screenshot („Training“). Es gab nach Erscheinen der Apple Watch von einigen am Arm/Handgelenk intensiv tätowierten Menschen die Beschwerde, dass die Pulsmessung bei zu starker Farbe (von der Tätowierung) nicht mehr funktioniert – das kann mir zum Glück egal sein, ich bin kein Freund von Tattoos, schon gar nicht auf meinem eigenen Körper.

Nun mag man mich gerne voreingenommen nennen, aber allein der Fitness-Tracker-Anteil der Apple Watch ist derart gut gestaltet – und auch noch ziemlich genau auf die Bereiche ausgelegt, die ich ohnehin zu meinem hauptsächlichen sportlichen Betätigungsfeld zähle, dass ich feststellen kann, dass weder das FuelBand (und ich habe beide Generationen erprobt), das Misfit Shine 2 noch das Polar Loop auch nur annähernd an diese Funktionalität heranreichten. Da die Apple Watch komplett wasserdicht ist (klar, bis 50 Meter, aber wann erreiche ich je diese Tiefe?), kann ich sie bis auf die Ladezeit immer anbehalten. Perfekt! Ich denke wirklich, dass sich hier mit der Apple Watch eine neue Generation von Fitness-Trackern etabliert hat, die Stück für Stück den gesamten Markt erobern wird.

Optik der Aktivitätsapp

Nicht jeder meiner Leser wird eine Apple Watch besitzen, daher gebe ich ein paar kleinere Einblicke in die Optik des Interfaces der Aktivitätsapp:

Die Ringe, die über den aktuellen Stand Auskunft geben – genial einfach und sehr effektiv!

Die Ringe, die über den aktuellen Stand Auskunft geben – genial einfach und sehr effektiv!

Gleich darunter dann die Werte in Form von numerischen und prozentualen Angaben – für die Zahlenfetischisten...

Gleich darunter dann die Werte in Form von numerischen und prozentualen Angaben – für die Zahlenfetischisten…

Auch die Balkendiagramme dürfen nicht fehlen, denn sie zeigen die Verteilung der Aktivität über den Tag hinweg.

Auch die Balkendiagramme dürfen nicht fehlen, denn sie zeigen die Verteilung der Aktivität über den Tag hinweg.

Der Schrittzähler ist natürlich inklusive, auch die per GPS ermittelte Gesamtstrecke des Tages (wobei das beim Indoor-Lauf natürlich schwierig sein dürfte...).

Der Schrittzähler ist natürlich inklusive, auch die per GPS ermittelte Gesamtstrecke des Tages (wobei das beim Indoor-Lauf natürlich schwierig sein dürfte…).

Belohnungssystem

Ich gehöre nicht zu dem Typ Mensch, der sich einen Schrank voller Medaillen oder Pokale ins Wohnzimmer stellt, nicht einmal meine beiden Diplome hängen irgendwo sichtbar herum – wozu auch? Insofern sind mir die kleinen Belobigungen aus der Aktivitätsapp über weite Strecken absolut egal. Andererseits sind sie nette Erinnerungen daran, was man schon alles geschafft hat, noch dazu sehen sie schick aus. Wer so etwas braucht, freut sich sicher „wie Bolle“…

Hin und wieder bekommt man dann ein (virtuelles) Lob ausgesprochen. Meinetwegen könnten die auch wegfallen, aber ein kleines Schmunzeln lasse ich mir davon schon gerne ins Gesicht zaubern.

Hin und wieder bekommt man dann ein (virtuelles) Lob ausgesprochen. Meinetwegen könnten die auch wegfallen, aber ein kleines Schmunzeln lasse ich mir davon schon gerne ins Gesicht zaubern.

Training

Nach dem morgendlichen Lauf gibt es immer noch eine kurze Runde Seilspringen – mehr als 15 Minuten pro Tag verbiete ich mir jedoch, nachdem mir das im letzten Kalenderjahr womöglich ein paar Probleme eingehandelt hat (die zum Glück aber alle wieder abgeheilt sind). Der folgende Screenshot aus der Aktivitätsapp auf dem iPhone (zeigt die Daten der Apple Watch auf dem größeren Display an)

Die Details zum Training in ihrer vollen Pracht auf dem iPhone (Aktivitäts-App).

Die Details zum Training in ihrer vollen Pracht auf dem iPhone (Aktivitäts-App).

Ich hatte vor Beginn die Dauer auf fünf Minuten festgelegt, daher werden nach fünfeinhalb Minuten Seilspringen (Gesamtzeit) auch 110 Prozent (gelber Ring oben) angezeigt. Während des Springens hatte ich eine durchschnittliche Herzfrequenz von 156 Schlägen pro Minute. Nur durch das Springen habe ich 50 Kalorien verbraucht, mein Körper hat in der Zeit aber noch andere Dinge zu tun (z.B. die Temperatur zu regeln etc.), so kam ich auf einen Gesamtverbrauch von 58 Kalorien während dieser fünfeinhalb Minuten. Die Anzeige des Wetters ist bei einer Tätigkeit, die nur im Haus ausgeführt wird, eher egal, sie stört aber auch nicht weiter.

Notifications

Diese Funktion liebe ich, denn sie erspart mir sehr häufig den Griff zum iPhone. Kommt eine iMessage oder SMS auf dem iPhone an, bekomme ich diese auf der Apple Watch angezeigt, außerdem kann ich sofort und direkt von dort darauf antworten. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Siri zum Diktieren (benutze ich sehr häufig, das funktioniert sensationell gut)
  • Vorgefertigte (kurze) Antworten, z.B. „OK!“, „Klar!“, „Kann ich dich später zurückrufen?“ (und dergleichen mehr) – hier kann ich auch selbst vorgefertigte Antworten erstellen und dann je nach Bedarf einfach abrufen.
  • Smileys oder Emojis
  • Handschrift (im Moment wird in der englischsprachigen Version schon die Möglichkeit getestet, die handschriftliche Eingabe mit einer Handschrifterkennung zu koppeln, sodass dann ein normal getippter Text dabei herauskommt – ich kann es kaum erwarten, dass diese Funktion auch in der deutschen Fassung erhältlich wird)
  • diverse Animationen, die schön aussehen, oft aber wenig aussagekräftig sind.

Natürlich kommen auch Mitteilungen über diverse iPhone-Apps wie beispielsweise Tagesschau, heute, SWR3, Bring!, Tweetbot, eBay etc. an, insofern das aktiviert ist.

Atmen

Schon vor der Anschaffung hatte ich mich sehr auf die Atmen-App gefreut, denn sie verspricht ein wenig Ruhe und Fokus im doch eher hektischen Alltag. Die Benutzung ist dabei genial einfach erdacht: App öffnen, gewünschte Anzahl der Minuten per Drehung der „Digital Crown“ einstellen, starten. Dann wird das Einatmen-Zeitfenster mittels Anzeige (aufblühende stilisierte Blumenblüte) und Vibration angezeigt, vor dem nächsten Einatmen sollte man entsprechend ausatmen, wobei keine haptische Rückmeldung erfolgt, sich die Blüte auf dem Display aber wieder zusammenlegt und verkleinert. Das ist schlicht aber effektiv – und es funktioniert (s.u.).

Bevor ich die Apple Watch hatte, ging ich noch davon aus, die App jeden Tag mehrfach zu benutzen, was sich allerdings für mich nicht als alltagstauglich herausgestellt hat. Der Grund? Ich schlafe ein dabei. Immer und überall. Wenn ich mich in einer ruhigen Minute hinsetze und ein oder zwei Minuten nach der Vorgabe der Uhr ruhig ein- und ausatme, verlangsamt sich mein Atemrhythmus noch deutlich unter den vorgegebenen (mein Ruhepuls ist ja mit unter 50 Schlägen pro Minute auch eher niedrig). Nicht nur einmal ist es vorgekommen, dass ich danach die Augen kaum mehr aufbekam. An einem Freitag Nachmittag oder Abend führt das fast zwangsläufig zu einem Nickerchen… Daher genieße ich die App, allerdings mittlerweile mit etwas Vorsicht, also eher nicht in der Mittagspause oder zwischen zwei Schulstunden. Zum Einschlafen am Abend taugt sie dagegen ganz hervorragend, das habe ich für euch getestet.

Wer sich für die Idee hinter der Atmen-App interessiert, der sei auf diesen Artikel verwiesen, der etwas intensiver darauf eingeht.

Meine Lieblings-Apps auf der Apple Watch

Ohne allzu ausführliche Erläuterungen kommt hier die Liste der Apps, die ich am häufigsten auf der Apple Watch benutze – es handelt sich sowohl um native Apps des watchOS wie auch um Watch-Apps von separaten Entwicklern:

  • Timer: In der Schule und daheim, ständig benötige ich Timer, wenn es ungewöhnliche Zeiten sind, gebe ich Siri einfach den Befehl („Hey Siri, stell’ einen Timer für XY Minuten!“), ansonsten gibt es die gängigen Zeitfenster als Voreinstellungen zum schnellen Abrufen.
  • iMessage/Nachrichten: Empfangen und Versenden von iMessages oder SMS geht oft viel schneller mit der Apple Watch, allerdings nutze ich die Diktierfunktion nur bei gutem Mobilfunknetz oder im W-LAN.
  • Training: Jede Fahrt mit dem E-Bike, jeder zügige Gang durch die Stadt, alle Aktivitäten, die absehbar länger andauern werden, lasse ich mitprotokollieren.
  • Freunde finden: „Freunde“ steht in meinem Fall eigentlich ausschließlich für „Familienmitglieder“, doch diese App hat uns schon so einigen Stress vom Hals geschafft. Wenn man sich fragt, wo der Sohnemann denn wieder bleibt, weil doch die Schule schon lange aus ist, klärt einen ein Blick auf diese App darüber auf, wo sich sein iPhone (und somit meist auch er) gerade befindet. Oder für’s Kochen: Wann ungefähr wird meine Frau wohl vom Laufen durch den gefühlt meterhohen Schnee auf der Ostalb zurück sein? Ein Blick und ich sehe die Entfernung sowie eine Mini-Landkarte. Auf der Basis kann ich leichter entscheiden, ob ich mit dem Kochen schon loslegen oder lieber noch etwas warten sollte.
  • Things: Meine seit sieben Jahren erprobte To-Do-Listen-App, die ich sonst auch noch auf dem iMac, iPad und iPhone benutze – schnell einen erledigten Punkt abhaken geht auch auf der Apple Watch, per Siri-Diktat kann ich auch neue Punkte hinzufügen. Schnörkellos gut.
  • Steuerung für Musik/Hörbücher: Täglich im Einsatz, um die Lautstärke zu regeln oder ein Stück vor oder zurück zu springen. Diese Option ziehe ich vor, wenn ich im Umkreis vieler Menschen mit Kopfhörern Musik höre, denn da käme ich mir blöd vor, einen Befehl an Siri zu sprechen…
  • Kalender: Welcher Termin steht als nächstes an? Ein Tipp auf das entsprechende Icon und es wird angezeigt. Und der darauf folgende Termin? Kurz an der Digital Crown gedreht, schon geht’s weiter…
  • Wetter: Wie kalt ist es draußen? Wichtig, bevor man sich mit dem E-Bike in den Berufsverkehr wirft…
  • Herzfrequenz: Mal sehen, wie der Puls gerade aussieht. Geht schnell und ist zuverlässig.

Troubleshooting

Software ist nie fehlerfrei, selbst wenn die Hardware – gerade bei Apple – sich oft der Perfektion (für den jeweils möglichen Stand der Technik) annähert. Und so entdeckte ich in den letzten Monaten durchaus die eine oder andere Schwäche, die hoffentlich irgendwann in einem Update behoben wird.

  • Abstürze: Insgesamt ist mir das watchOS in den drei Monaten zweimal abgestürzt, was daran zu erkennen ist, dass die Apple Watch unvermittelt neu startet. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob in den beiden Fällen das Betriebssystem selbst oder eher eine App (und ich habe eine ganz spezielle im Blick) die Schuld daran trägt. Sie ist gleich der nächste Punkt…
  • Nike Running Club (NRC): Gerade weil es sich bei meiner Apple Watch um das Modell der Series 2 handelt, das den Namenszusatz Nike+ Edition trägt, war die NRC-App vorinstalliert. Und ich nutze sie sowie ein von mir angepasstes Nike-Watchface für den normalen Tagesablauf. Doch die App ist ein wenig zickig, denn gelegentlich stürzt sie (auch mal mitten in einem Lauf) einfach ab, manchmal startet sie angeblich, sammelt aber keine Aktivitätsdaten, um mir dann nach einer Weile des Laufens mitzuteilen, dass noch keine Daten da wären (was ärgerlich ist, wenn der Tag zu kurz ist, um einfach noch einmal von vorne zu starten) – und manchmal bleibt dann gleich die ganze Watch daran hängen, dass diese App nicht so tut, wie sie eigentlich soll (siehe erster Punkt dieser Aufzählung). Da ich kein Software-Entwickler bin, weiß ich nicht, ob die Funktionsstörungen bei dieser App auf das watchOS zurückgehen, auf dem sie läuft. Das könnte ja auch sein. Wobei meine langjährige Erfahrung mit der Nike Running-App (aus der der NRC hervorging) eher in Richtung Nike deuten, denn auch diese App stürzte auf dem iPhone mit einer gewissen Regelmäßigkeit ab.
  • Pulsmessung nur bei eng anliegendem Armband: Das ist jetzt wirklich Jammern auf hohem Niveau, doch beim Laufen merkte ich, dass der eine Tag bei 12 Kilometern auf 750 Kalorien Bewegungsaktivität kam, der nächste bei der gleichen Strecke bei 530 Kalorien hängen blieb. Klar, die Tagesform hat einen gewissen Einfluss, aber so viel, dass es gut 25 Prozent Unterschied ausmacht? Das erschien mir schlicht unrealistisch, vor allem angesichts der Tatsache, dass sich die beiden Läufe wirklich sehr vergleichbar angefühlt hatten. Also führte ich ein kleines Experiment durch und blickte während eines Laufs alle paar Minuten auf die Uhr. Und siehe da: Nach der Aufwärmphase begann ich zu schwitzen, nun rutschte die Uhr am Handgelenk ein paar Millimeter weiter. Sie schlackerte nicht wirklich am Arm, aber saß auch nicht bombig fest. Und trotz ordentlichen Tempos (11 km/h, also 5:30 Minuten/Kilometer) stieg mein Puls angeblich nicht über 96 bpm. Ich bin zwar gut im Training, aber das hielt ich dann doch für etwas unrealistisch. Also schob ich die Uhr soweit meinen Arm hinauf (es handelt sich um maximal vier oder fünf Millimeter), bis sie richtig fest auf der Haut saß: Binnen Sekunden hatte ich einen Puls von 135 bpm. Das entsprach schon viel eher meiner Erwartung. Also habe ich daraus gelernt, dass die Uhr für eine korrekte Pulsmessung beim Laufen sehr eng anliegen muss.

Fazit

Kurz und knackig: Ich gebe diese Uhr nicht wieder her. Basta. (Es sei denn für ein neueres Modell…) Hier und da gibt es (wie oben beschrieben) kleine Ecken, an denen noch Verbesserungen stattfinden müssen, damit ich vollkommen zufrieden bin, aber im Großen und Ganzen ist die Apple Watch eine unersetzliche Bereicherung für meinen Alltag – sowohl im Privaten als auch in der Arbeit. Von 10 möglichen Qualitätspunkten würde ich ihr nach einem guten Vierteljahr Erprobung 9,8 geben.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Brexit zum Frühstück

Während meiner Yoga-Runde führte am gestrigen frühen Morgen mein iPhone eine Art Breakdance auf: Permanent gingen aktuelle Push-Mitteilungen zum Brexit über meine Tagesschau– und heute-Apps ein und versetzten den Vibrationsalarm in einen wahren Taumel. Das hier ist kein politischer Blog, ich will das auch nicht lange ausdehnen, mir kam nur beim Duschen ein Gedanke, dessen Ausformulierung ich tatsächlich für erstrebenswert erachte.

Der Brexit war aus meiner Sicht eher zu erwarten als der Verbleib in der EU, denn die Briten sind ein stolzes Volk, deren ältere Bevölkerungsschichten sich nach dem alten Glanz des Empire zurücksehnen. In gewisser Weise habe ich mir den Brexit sogar fast herbeigewünscht – nicht wirklich, aber als Gedankenspiel, denn er ermöglicht – nun sogar in der Realität – ein einzigartiges Experiment: Ich habe in Gedanken für mich mal durchgespielt, was die Langzeitfolgen des Brexit sein könnten. Aus meiner Sicht bleiben ja nur drei grundlegende Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung:

  1. Es geht den Briten besser als vorher, die Wirtschaft blüht auf, die Politik stabilisiert sich. Das wäre das Signal schlechthin für weitere Länder, in denen die EU-Unzufriedenheit hoch ist, sich zu verabschieden. (Glaubt man einigen Twitterern, so bereitet Horst Seehofer bereits ein eigenes Volksreferendum vor, um Bayern über den Verbleib in/den Austritt aus der EU abstimmen zu lassen…)
  2. Es geht den Briten schlechter als vorher, die Wirtschaft schrumpft schmerzhaft, die Politik destabilisiert sich (und/oder rutscht deutlich nach rechts), soziale Probleme (und in deren Folge ein tumber Nationalismus) verschärfen sich. Eine gewisse Häme gegenüber Großbritannien würde sich EU-weit ausbreiten, die Vorteile einer großen Gemeinschaft würden deutlicher denn je hervortreten und den Zusammenhalt der verbliebenen Länder effektiv stärken. Da die Schotten angeblich ein erneutes Referendum zur Loslösung von England vorbereiten, spekulieren sie offensichtlich auf diesen Ausgang und werden dann als eigenständiges Land selbstverständlich gleich nach der (ebenfalls zu erwartenden) Unabhängigkeit (das wäre ja ein ganz entzückender Wortwitz, denn der Brexit wurde von dessen Befürwortern gestern ja als „Independence Day“ gefeiert) eigene Aufnahmegespräche mit der EU beginnen.
  3. Es passiert fast nichts – nach einer kurzen Anpassungsphase, in der es sicherlich turbulent wird, danach läuft für 85-95 Prozent der Menschen alles in gewohnten Bahnen weiter. Das ist wiederum die spannendste Alternative, denn die Reaktionen der anderen EU-Länder hängen dann von der medialen Interpretation dieser unspektakulären Entwicklung ab. Ich erwähne hier nur ganz beiläufig den Namen einer Zeitung mit vier Großbuchstaben, zu der es in allen europäischen Ländern mindestens ein entsprechendes Pendant gibt – und deren simple, aber häufig (fast schon unablässig) wiederholte, Parolen schon häufig zur Meinungsbildung ganzer gesellschaftlicher Schichten beigetragen haben.

Was daraus wird, hängt nun von der weiteren Entwicklung der kommenden zwei bis fünf Jahre (als Mindestzeitrahmen) ab. Wirklich valide Vergleiche benötigen sicher noch etwas länger, da alle kurzfristigeren Entwicklungen auch anderen ganz üblichen Schwankungen unterliegen könnten.

Schön finde ich persönlich, dass nach der anfänglichen Entsetzenswelle im Internet nun auch einige sehr besonnene Kommentare die möglichen positiven Auswirkungen des Brexit auf das restliche Europa, das — wie ich oben bereits geschlussfolgert habe — ja durchaus auch gestärkt werden könnte, erscheinen, z.B. bei heute.de. Was aus der Angelegenheit wird, dürfte uns allen in den kommenden Jahren wieder und wieder unter die Nase gerieben werden – egal, was in der Substanz dabei herauskommt. Insofern dürfen wir uns als Nicht-Akteure in diesem Spiel ab sofort zurücklehnen und entspannt die Show genießen.

Ein paar aus meiner Timeline ausgewählte Twitter-Kommentare zum Brexit gibt’s noch als kleines Schmankerl:

Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher

Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher

Verfrühter Jubel?

Verfrühter Jubel?

Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht...)

Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht…)

Schönes Wortspiel!

Schönes Wortspiel!

Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen...

Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen…

Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit...

Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit…

Der Brexit aus kulinarischer Sicht

Der Brexit aus kulinarischer Sicht

Ein Grundproblem aller Basisdemokratie...

Ein Grundproblem aller Basisdemokratie…

Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?

Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?

Getaggt mit , , , , , , , , , , ,

Gesehen: „Jurassic World“

Vorgestern entdeckte ich bei iTunes ein Angebot: „Jurassic World“ in HD für 6,99 € – ganz spontan schlug ich zu und lud den Film. Immerhin sehen meine Frau und ich uns gerne von Zeit zu Zeit einen der drei Vorgänger zur abendlichen Entspannung an.

Das Jurassic World-Poster

Das Jurassic World-Poster

Noch am gleichen Abend überraschte ich dann meine Frau mit diesem vierten Teil, der lose an die Vorgeschichte anknüpft, aber bis auf die Übernahme des Charakters Henry Wu (der leitende Wissenschaftler) und die Nennung des Namens von John Hammond keine direkten Bezüge zu den vorherigen Handlungssträngen mehr aufweist.

Story vs. Effekte

Nein, über die Handlung schreibe ich lieber nichts, denn sie ist derart sinnfrei, wie sie eben nur bei einem Action-Film mit ordentlich Computer-Effekten sein kann. Oft nervt mich so eine grundlegende Schwäche, in diesem Fall jedoch war mir die grundlegende Trivialität der Handlung mitsamt ihrer nicht geringen Menge an Logik-Fehlern vollkommen egal.

Statt einer interessanten Handlung wird dem Zuschauer am Anfang eine Ausgangssituation präsentiert, die kaum klischeehafter sein könnte: Zwei Brüder, einer ungefähr acht bis zehn Jahre alt, der andere grob drei bis fünf Jahre älter, werden von den Eltern, die kurz vor der Scheidung stehen, über ein Wochenende zu ihrer Tante „abgeschoben“, die die Hauptverantwortung für die Leitung des Freizeitparks „Jurassic World“ trägt. Natürlich ist die Tante schwer im Stress, weil gerade wieder einiges nicht nach Plan verläuft, also werden die Jungs ihrerseits wieder mit einer niederen Betreuerin abgestellt und auf eine Tour durch den Park geschickt.

Wie es bei einem solchen Action-/Science Fiction-/Katastrophen-Film nicht anders sein kann, laufen aber im Hintergrund gerade gefährliche Experimente auf der gleichen Insel, auf der sich am Tag der Handlung etwa 22.000 Touristen aufhalten. (Wie realistisch…). Eines dieser Experimente ist der Versuch, die gefährlichen Velociraptoren abzurichten und an ein menschliches Alpha-Tier zu gewöhnen (man hätte ja auch echte Löwen oder Tiger hernehmen können…). Das andere Experiment ist die bereits erfolgte Züchtung eines Super-Predators, der natürlich so überaus intelligent ist, sofort einen erfolgreichen Fluchtversuch hinzulegen. Und dann ist da noch ein Typ vom Militär, der eigentlich alle diese Viecher am liebsten als biologische Allzweckwaffe nutzen möchte…

Ab da geht es – in bester Jurassic Park-Tradition – nur noch ums blanke Überleben. Klar, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, dann holt man schon mal einen T-Rex aus seinem Gehege, um ihn einem anderen Monster-Dino auf den Hals zu hetzen. Im ersten Teil hatten wir zwar noch erfahren, dass ein T-Rex locker eine Renngeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern erreicht, doch in „Jurassic World“ kann man auch als zierliche Dame mit Stöckelschuhen noch locker vor dem Tier durch ein gutes Stück des Parks rennen. Hüstel!

Hmmmm, jetzt habe ich ja doch etwas über die Handlung geschrieben. Egal, entscheidend ist, dass der Film trotz aller Logik-Fehler gut und gerne zwei Stunden Unterhaltung bietet. Die Computer-Effekte sind exzellent, hier und da gibt es sogar etwas zu lachen – die Moral-Frage („Dürfen bzw. sollen Wissenschaftler so etwas tun, nur weil sie es können?“) wird natürlich einmal gestellt, aber – vermutlich in der Befürchtung, das klassische Blockbuster-Publikum zu verschrecken – auch gleich wieder (selbstverständlich unbeantwortet) beiseite gelegt.

Fazit:

Wer auf eine sinnvolle und logische Handlung zugunsten eines spannenden und optisch sehr ansprechenden Action-Spektakels verzichten kann, macht bei „Jurassic World“ sicher nichts falsch. Bei mir ist der Film innerlich schon in die Kategorie „hohl, aber unterhaltsam“ einsortiert worden – perfekte Filme, um sie zur abendlichen Hirnabschaltung einzusetzen. Und auch dafür braucht man immer wieder neues Futter.

Getaggt mit , , , , , , , , , ,

David Bowie: „Blackstar“

Vor ein paar Wochen machte der unerwartete Tod David Bowies in den Medien die Runde. Nur ein paar Tage vorher hatte er sein neues Album „Blackstar“ herausgebracht. Bei Apple Music habe ich gleich damals hineingehört – und nach ein paar Minuten beschlossen, dass es nicht unbedingt die Musik ist, die mich anspricht. Obwohl ich als Musiklehrer sehr bewandert in dieser Thematik bin, konnte ich mit David Bowie nie viel anfangen. Ich hatte Interesse, war nie völlig abgeneigt, aber auch nie so richtig begeistert.

Eigentlich müsste man an dieser Stelle folgerichtig erwarten, dass sich eine weitere Beschäftigung mit „Blackstar“ für mich damit auch schon erledigt hatte. Doch dem war nicht so. Die Klangfarbe am Anfang des ersten Songs (und Titelgeber des Albums) hatte mich irgendwie eingefangen und verfolgte mich. Über Tage und Wochen hinweg. Irgendwann in der letzten Woche brachte ich unsere Jüngste am Abend ins Bett. Während sie allmählich in den Schlaf sank, hörte ich mir den ganzen (fast zehn Minuten langen) Song noch einmal an und las mir dabei die Lyrics durch.

Offizieller Video-Clip auf Vevo

Und dabei machte es „Klick“ in meinem Kopf. Es ist ganz offensichtlich eine Musik, die man nur genießen kann, wenn man sich in der richtigen Stimmung dafür befindet. Dann aber fegt sie einen geradezu weg. Mich zumindest. Was gefällt mir an dem Song nun? Ich habe mich selbst gefragt und die folgenden Punkte gefunden:

  • Vor allem das Intro: Diese sanft wallende Akkordfolge war es, die mich einfing – und bis heute nicht mehr hergegeben hat. Musikalische Verführung vom Feinsten.
  • Das Schlagzeug: Kaum ist die einleitende Akkordbegleitung vorbei, setzt das Drumset mit einem etwas eigenartigen Sound ein, fast möchte man meinen, es handele sich um ein synthetisches (also am Computer programmiertes) Drumset. Noch dazu spielt es einen etwas abstrusen Rhythmus, der nicht in die gängigen Rock-/Pop-Schemata passt. Zu Beginn störte mich das wahnsinnig, denn ich kann dilettantisches Schlagzeugspiel nicht ausstehen (der Grund dafür liegt daran, dass ich vor mehr als zwei Jahrzehnten einen Auftritt mit meiner damaligen Band und einer anderen hatte, deren Schlagzeuger bestenfalls ein unzusammenhängendes Geklopfe abgeliefert hat – auf jeden Fall war es auf grausame Weise ungeeignet, den damals gespielten Songs irgendeine Art von Struktur zu verleihen). Nur hätte sich David Bowie nie einen Dilettanten an die „Schießbude“ gesetzt. Also gab ich dem ungewohnten Pattern ebenfalls eine neue Chance – und wurde durch ein neues Hörerlebnis belohnt… Hier muss man eher wie beim Jazz herangehen – und schon wieder fühlt sich der Song etwas heimischer an.
  • Die häufigen Stilwechsel: Klar, zehn Minuten Popmusik ohne stilistischen Wandel wären vollkommener Geschmacks-Suizid (Entschuldigung). In „Blackstar“ wird der Hörer für seine Geduld mit faszinierend schönen Abschnitten belohnt (z.B. ab 4:35), die vor allem im Kontrast mit anders klingenden Abschnitten hervortreten. Die Kombination macht hier den Reiz aus.
  • Die abwechslungsreichen Klangfarben und Effekte: Selten habe ich eine so geschmackvolle Mischung aus synthetischen, elektrisch verstärkten bzw. elektronisch veränderten und akustischen Instrumenten gehört – alles ergänzt sich zu einer höchst interessanten Mischung. Wie weit die Liebe zum Detail geht, kann man in dem Teil ab 4:35 hören, denn mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier z.T. jedes einzelne Wort eine eigene Nachhall-Dauer verpasst bekommen hat. Die Wirkung entfaltet sich auf jeden Fall bei genauem Hinhören.

So, genug geschwärmt. Jetzt solltet ihr die Musik anstellen, die Augen schließen (mir gefällt der Video-Clip nicht sonderlich) und den Song mindestens zweimal gleich hintereinander hören. Hier und da werden euch beim zweiten Durchgang die kleinen musikalischen Juwelen anstrahlen – und jedes weitere Mal legt weitere Schätze offen.

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , ,

52 Wochen – Teil 4 („Junkie“)

Heute wollte ich mal den Anspruch meiner Beiträge zum Zeilenende-Foto-Challenge „52 Wochen“ anheben und neben einem Foto von mir auch ein paar Details über mich zum Besten geben, die manch einer sich eventuell schon aus den unzähligen Blog-Einträgen zusammengereimt hat: Ich sehe zwar nie Live-TV (Ausnahme: Live-Berichterstattungen an Wahltagen, das finde ich meist recht spannend), mag aber TV-Serien. In gewisser Weise bin ich also ein Serien-Junkie.

52 Wochen – Teil 4 – Junkie

52 Wochen – Teil 4 – Junkie

Sicher nicht alle, denn da gibt es so unglaublich viel Blödsinn, dass es einem schier das Hirn seitlich aus dem Schädel drücken möchte, aber im Science Fiction-Bereich bin ich z.B. ganz gut zuhause (vor allem Star Trek in allen Varianten und Babylon 5, auch wenn diese Serie meiner Meinung nach deutlich schwächer ausfällt).

Wenn da nicht der begrenzende Faktor der abendlichen Müdigkeit wäre, könnte ich an so manchen Tagen eine ganze Staffel von einer Serie am Stück durchgucken. Effektiv habe ich das noch nie gemacht, denn spätestens nach zwei Folgen selbst einer spannenden Serie wie „Eureka“ (vom guten Zeilenende empfohlen, aktuell mein Favorit) fallen mir einfach die Augen zu. Ich kann nichts dagegen machen.

Im restlichen Bild sind noch ein paar andere meiner Favoriten untergebracht:

  • Monk – es gibt keinen sympathischeren Spinner als Adrian Monk, wer es nicht glaubt, soll sich mal die erste Staffel am Stück durchgucken…
  • Ein Colt für alle Fälle – für einen Trip auf der guten alten Straße der Nostalgie, denn diese Serie habe ich in meiner Kindheit jahrelang um 17:50 h im öffentlich-rechtlichen TV genossen.
  • The Cosby Show – mit dieser Serie bin ich groß geworden. Auch wenn Bill Cosby aktuell in einem etwas zweifelhaften Licht zu betrachten ist, halte ich diese Serie für eine der besten Familienserien aller Zeiten.
  • Columbo – meine neueste Errungenschaft, die gerade gestern geliefert wurde. Ich habe noch nicht einmal einen Blick in die Umverpackung werfen können (für das Foto musste ich erst noch die Folien außen abmachen). Man muss dazu nicht mehr sagen als: „Eine Frage hätte ich da noch…“
  • The Big Bang Theory – lange habe ich mich dagegen gesträubt, dann aber die ersten sechs Staffeln in einem zweimonatigen Rutsch verschlungen. Aktuell arbeiten wir uns durch die siebte Staffel. Und mehr ist ja ganz offensichtlich auf dem Weg. Juhu!
  • Monty Python's Flying Circus – eigentlich habe ich die schon viel zu lange nicht mehr angesehen. Viele davon sind so unglaublich gut, es wird wirklich Zeit!
  • Boston Legal – eine Serie, die mir durch ihre schonungslose Überzeichnung aufgefallen ist. Und durch William Shatner, der sich ganz offensichtlich selbst spielt. Ich darf nur nicht zu viele Folgen am Stück sehen, sonst werde ich zum Alkoholiker, denn bei jeder Folge habe ich angefangen, mir auch einen Scotch zu genehmigen…

Eine Serie, die ich sehr schätze, fehlt leider, denn die DVDs wurden noch nicht geliefert: „Dr. House“. Zynismus und Genialität in engster Verbindung machen diese Serie zu einem absoluten Genuss.

Soweit für heute, gönnt euch einen schönen Sonntag Abend – wir müssen noch zwei Schultage durchstehen, dann geht's verdient in die Ferien. Ab da müsst ihr mit mehr Einträgen an dieser Stelle rechnen…

P.S.: Die Vorbereitungen für das heutige Foto waren aufwändig, zwei vorbereitende Leer-Schüsse hänge ich an, da kann man die DVDs noch ein wenig besser erkennen.

DVD-Installation auf meinem Schreibtisch

DVD-Installation auf meinem Schreibtisch

Und Licht aus!

Die gleichen DVDs, nun aber: Licht aus!

Kamera: iPhone 5S, keine Filter. Vielen Dank an Multicolorina dilettiert für die Hilfe beim Fotografieren!

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Meine Reaktion auf das starke Abschneiden der AfD

In aller Kürze: Ich bin kein Anhänger der AfD, doch wurde die Partei heute auf demokratischem Weg mit teils erschreckend hohen Prozentzahlen in diverse Landtage gewählt, deswegen muss – meiner Meinung nach leider – der Wille der Wähler respektiert werden.

Was ich nun aber von den Politikern der übrigen Parteien, die sich auf keinen Fall auf eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit der AfD einlassen wollen, erwarte, ist es, persönlich und politisch Haltung zu bewahren und eben nicht mit eingezogenem Schwanz auf die AfD-Wähler zuzugehen. Gerade jetzt, in einer verfahrenen politischen Situation, die über die kommenden fünf Jahre ausgebadet werden muss, ist es geradezu die moralische Pflicht der anständigen Politker, Rückgrat zu beweisen. Rückgrat in der Sache.

Protestwähler

Protestwähler – eine der unsinnigsten Eigenschaften, die ich mir vorstellen kann...

Wer jetzt einknickt und auf die „Protestwähler“ (siehe Screenshot aus der Wahlsendung des ZDF) zugeht, dem geht es in erster Linie um einen Rückgewinn der Stimmen für die eigene Partei/Person. Aber dieser „Kampf“ muss mit Argumenten gewonnen werden, nicht mit Anbiederung. Wer sich anbiedert, wertet die stets wankende Meinung der Protestwähler – zu maulen und zu motzen gibt es immer etwas – über Gebühr auf.

Aus dieser Wahl können vor allem die ehemals großen Parteien etwas lernen: Die Zeit, in der eine große Partei mit einem kleinen Junior-Partner (CDU & FDP) ein (Bundes-)Land über Jahrzehnte hinweg regieren konnte, ist seit ein paar Jahren vorbei. Seit heute ist sie definitiv Geschichte. Es gibt einige Punkte, die das eindrucksvoll belegen:

  • Selbst mit Angela Merkel, die sicherlich das stärkste Zugpferd der CDU im letzten Wahlkampf war, ergab sich keine so starke Mehrheit, dass sie allein hätte regieren können.
  • Die SPD hat in den letzten Jahren so viele ihrer früheren Kernthemen zugunsten einer Annäherung an die politische Mitte, die bereits von der CDU eingenommen wird, aufgegeben, dass sie aufgrund eines Mangels an konkurrenzfähigen Spitzenpolitikern nicht mehr in dieser Liga spielen kann.
  • Und die Tatsache, dass die Grünen in einem erzkonservativen Bundesland wie Baden-Württemberg die stärkste Partei darstellen, dürfte diese Auflistung perfekt abrunden.

Die Konsequenz für alle Parteien lautet daher ganz einfach: Argumente und Überzeugungskraft, keine kraftlosen Parolen, anders wird man in fünf Jahren auch nicht besser abschneiden. Ich hoffe, viele der heutigen „Protestwähler“ werden in fünf Jahren desillusioniert nach einer wirklichen Alternative für die „Alternative für Deutschland“ suchen und sie auch finden. Aber bis dahin fließt leider noch viel Wasser den Neckar hinunter…

 

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Ungefragt weiterveröffentlicht

In den letzten Wochen/Monaten erhielt ich auf Twitter immer wieder kurze Mitteilungen, dass eine neue Zeitung publiziert wurde. In diesem Zuge wurde mir gedankt. Beim ersten Mal war ich verwundert, hielt es für Werbung und ignorierte es, später entdeckte ich dann, dass jeweils ein aktueller Blog-Artikel von mir dort verlinkt worden war.

Eine der Mitteilungen - gerade von heute...

Eine der Mitteilungen - gerade von heute...

Nun bin ich kein Typ, der gleich zum Rechtsanwalt rennt (es soll solche Menschen ja geben). Eigentlich sogar das genaue Gegenteil, doch so ganz kann ich mich nicht mit der Tatsache anfreunden, dass ich nicht einmal gefragt wurde, ob denn mein Blog-Eintrag dort weiterveröffentlicht werden dürfe.

Klar, mir wurde gedankt. Aber das war nach der Verwendung. Zu diesem Zeitpunkt kann ich ja schlicht und einfach keinen Einspruch mehr erheben. Da liegt nun einmal der Hund begraben.

Was ich bisher von diesem Matzaton gesehen habe, war nicht weiter dramatisch, da hätte ich meine Einwilligung vermutlich auch ohne große Zeitverzögerung gegeben. Doch wenn jetzt irgendeine von mir sicher nicht unterstützte AfD-Seite oder etwas in der Richtung einen meiner Artikel zum Auffüllen Ihres Angebots nutzen würde, wäre ich eindeutig und absolut dagegen.

Daher bitte ich doch alle, die meinen, sich bei meinen Blog-Artikeln bedienen zu dürfen, sehr darum, mich einfach zu fragen. Üblicherweise werde ich dann sicher noch ein oder zwei Mal nachfragen, mir ein Beispiel für die bisherigen Publikationen (oder einfach den gesamten Auftritt im Netz) ansehen und dann – schlimmstenfalls – ablehnen. Auch damit muss man zur Not leben.

So sieht das dann aus...

So sieht das dann aus...

Der Screenshot zeigt die Verlinkung meines Blog-Eintrags von gestern, leider falsch verlinkt (es geht nicht eine Silbe um Sport), außerdem empfehle ich das nicht, ich habe es geschrieben.

Mich interessiert ja eher, ob noch andere solche Erfahrungen gemacht haben. Das fände ich ja wirklich spannend.

 

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Der „Wacken-Lauf“

Wacken - Der Film

Heute früh beim Laufen gesehen: Wacken - Der Film.

Heute früh habe ich zum ersten Mal überhaupt beim Laufen einen Film angesehen. Dazu aktivierte ich einfach das 15 Kilometer-Programm und legte dann (mit einem Waschlappen zur Trennung) das iPad auf das Laufband-Display – funktionierte super! Welchen Film ich ansah? Eine Dokumentation: „Wacken – Der Film“. Und er war absolut herrlich, da mich der Film stark vom ansonsten ja nicht ganz so spannenden Lauf (die „Landschaft“ um das Laufband herum ist leicht eintönig) abgelenkt hat. Noch dazu ist der Film urkomisch, an einigen Stellen musste ich vor Lachen fast pausieren…

Ein ehemaliger Kollege aus Gmünd war schon mehrfach in Wacken und kam jedes einzelne Mal begeistert zurück, daher war mir das Festival vorher schon ein Begriff, doch diese Dokumentation hat alles noch einmal in ein gänzlich anderes Licht getaucht. Diesen Film werde ich mir sicher noch häufiger ansehen, nicht gleich wieder, aber nach einem gewissen Abstand. Gleichwohl sind mir bereits beim ersten Mal ein paar interessante Details im Gedächtnis hängen geblieben.

Rammstein? – Nein danke!

Dazu gehört einerseits der Auftritt der Band Rammstein, die mir persönlich noch nie besonders zugesagt hat. Vielleicht bin ich zu spießig, aber ich kann mir unmöglich vorstellen, eine Musik, deren Textinhalte sich vornehmlich um die Abgründe der menschlichen Seele (Untreue, Inzest, Radikalität, Folter/Sado-Maso, sexuelle Perversion etc.) drehen, anzuhören, während meine Kinder im Haus sind. Schon mir wird dabei unbehaglich – klar, das mag der Zweck dieser Songs sein, aber freiwillig tue ich mir das nicht an.

In der Wacken-Doku sieht man auch den Auftritt der Band (ein kompletter Song: „Du hast“) – und es war geradezu erschreckend. Doch dafür muss ich ein klein wenig ausholen: Bei großen Festivals gibt es immer das Phänomen, dass die versammelte Masse durch die Musik vereint im Pulk gemeinsam etwas singt/grölt bzw. sich die Individuen (fast) völlig in der Massendynamik aufgeben. Wenn man sich aber in der Wacken-Doku diese Stelle (vor allem den Beginn von „Du hast“) ansieht (Link folgt gleich), müssen einem fast zwangsläufig die Parallelen zu den Mammut-Veranstaltungen der Nazis auffallen.

Damit nicht gleich ein paar Rammstein-Fans das in den falschen Hals bekommen: Ich sage nicht, dass Rammstein eine rechte Band ist – vermutlich sind sie eher das Gegenteil. Aber – und das ist ein großes ABER: Rammstein spielen ganz offensiv mit dieser Parallele, wie ich sie gerade aufzuzeigen versucht habe. Genau den Ausschnitt, auf den ich mich beziehe, gibt es bei YouTube zu sehen: hier.

Wer möchte, kann sich also selbst ein Bild machen. Ich bin gespannt, ob es noch jemand so sieht, oder ob ich hier harten Widerspruch zu erwarten habe. Lustigerweise bin ich auf der emotionalen Ebene persönlich überhaupt nicht tangiert, denn diese Musik berührt mich nicht.

Provokation – wie denn noch?

Alice Cooper, eine der großen Hard Rock-/Metal-Legenden, der ja auch schon seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft ist, äußert sich in den zwischen die Live-Aufnahmen eingestreuten Interview-Schnipseln, dass eine echte Provokation heute gar nicht mehr möglich sei – hmmm: angesichts der obigen Passage über Rammstein wage ich nicht, aus meiner persönlichen Warte zu sprechen/schreiben, ganz „provokativ“ könnte ich aber nun fragen: Was aber provoziert einen Rammstein-Fan noch?

Zurück zu Alice Cooper: Er überzeichnet das soeben Dargestellte mit einem perfekt ausgewählten, sehr krassen Beispiel, indem er sagt (Paraphrase):

„Ich könnte meinen Arm abschneiden und auf der Bühne essen. Aber auch das geht nur zweimal.“

Wie recht er hat. Und perfekt getroffen ist daran der Punkt, dass es wirklich kaum noch Möglichkeiten zur Provokation gibt. Das Ausmaß an Aufregung, dass die Beatles mit dem berühmten „Jesus-Zitat“ von John Lennon oder die Rolling Stones mit ihren Exzessen und dem lasziven Auftreten in der Öffentlichkeit vor ein paar Jahrzehnten erzeugten, wird heute nur noch künstlich über die Medien generiert. Ansonsten zucken die meisten Menschen lediglich kurz mit den Achseln und denken sich: „Nichts Neues, alles schon mal gesehen…“

Zwei interessante Punkte. Mal sehen, was beim nächsten Mal so hängen bleibt…

Laufstatistik 2016:

  • 36 Läufe
  • Kilometer gesamt: 519,46
  • Laufzeit: 49 Stunden 33 Minuten

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Die „gute“ Seite des Internet

Das Internet ermöglicht viele schöne und wundervolle Dinge, z.B. WordPress mit den netten Menschen, die sich — zumindest in meinem Bekanntenkreis — dort tummeln, kann aber auch ein Ort abgrundtiefen Hasses und verdrehter Wahrheiten, Neid und sexueller Nötigung, Diffamierung und Ausnutzung sein.

Bei Twitter fand ich heute ein Beispiel für die beeindruckend schöne Seite des Internet: Ein Mädchen, das aus der Begeisterung für eine Sache anhand unzähliger Videos einen Tanzstil nicht nur erlernt sondern gleich gemeistert hat. Aber seht selbst!

Ist das nicht höchst faszinierend. Solche Videos zeigen, dass die ursprüngliche Vision des Internet immer noch lebendig ist, anders wäre eine derartige Entwicklung für mich nicht zu erklären…

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

Befindlichkeiten

Eine kurze Vorbemerkung. Diesen Artikel habe ich schon am Mittwoch geschrieben, doch abends war ich zu müde, um die Sätze auf ihre Sinnhaftigkeit hin zu kontrollieren, daher kommt er jetzt erst.

Heute ist der 27. Januar, ein sehr geschichtsträchtiger Tag, zumindest aus deutscher Sicht. Zum zweiten Mal veranstaltet unsere Schule an diesem Datum einen speziellen Gedenktag, bei dem allerlei unterschiedlichen Themen – sei es die Zeit der Nationalsozialisten und aller Arten von Widerstandsbewegungen dagegen, die DDR oder auch Kinderrechte – auf unterschiedliche Weise (und auf Kosten des regulären Unterrichts) nachgegangen wird.

Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronner

Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronn

Ich schloss mich zwei Kolleginnen an, die mit fast 60 Schülern nach Königsbronn (einem kleinen Ort zwischen Oberkochen und Heidenheim) zur Georg Elser Gedenkstätte fuhren. Von Aalen aus ist man mit dem Regionalzug in weniger als 15 Minuten am Königsbronner Bahnhof angekommen, dann läuft man ungefähr fünf Minuten bis zur Gedenkstätte, die direkt neben Rathaus und „Brenztopf“ (so heißt der Ursprung der Brenz) gelegen ist. Begrüßt wurden wir von zwei sehr kompetenten Führern (ein durchaus heikler Begriff in diesem Zusammenhang, ist mir klar…).

Falls einem meiner Leser Georg Elser kein Begriff ist, würde mich das nicht wundern, denn mir ging es vor dem heutigen Tag genauso. Leider wird um ihn bislang immer noch nicht viel Aufhebens gemacht, obwohl er sicher zu den bedeutenden heroischen Gestalten des innerdeutschen Widerstands gegen Hitler gehört – und er hat seinen privaten Widerstand wirklich ganz allein durchgezogen, völlig ohne äußere Unterstützung. Bemerkenswert.

Georg Elser hat aus einem inneren Antrieb heraus die Kriegstreiberei der NS-Führung verurteilt und beschlossen, durch einen gezielten Bombenanschlag zumindest Hitler, nach Möglichkeit aber auch Göring und Goebbels (oder so viele führende Nazi-Funktionäre wie möglich) zu töten. Er wartete eine wiederkehrende Veranstaltung ab, bei der die ganze Führungsriege anwesend sein würde, installierte nach wochenlanger geheimer Vorarbeit eine Bombe in der Säule hinter dem Rednerpult – und verpasste am Ende Hitler nur um ein paar Minuten. Entgegen dessen Gewohnheit, ausufernde und lange Reden zu halten, zog ihn die Kriegsvorbereitung zurück nach Berlin, daher fasste er sich ungewohnt kurz. Viel Unheil hätte der Welt erspart bleiben können, wäre er an diesem Tag nicht so ungewohnt wortkarg gewesen.

Kurz vor der Schweizer Grenze wurde Elser auf der Flucht gefangen genommen, inhaftiert, überführt und gefoltert, gekrönt wurde die „Ermittlungsarbeit“ mit einem Geständnis. Von da an lebte er noch bis kurz vor Kriegsende im KZ, wo er wenige Tage vor der Befreiung durch die Alliierten per angeordnetem Genickschuss hingerichtet wurde (der Hinrichtungsbefehl mit der strikten Anweisung zur sofortigen Vernichtung des Dokuments ist in der Gedenkstätte zu besichtigen). Vermutlich sollte er kein Zeugnis von seinen Erkenntnissen mehr ablegen können.

Zurück zur Gedenkstätte: Zu Beginn sahen wir einen etwa halbstündigen Dokumentarfilm, der das gesamte Leben Georg Elsers zusammenfasste – sehr gelungen, leider mit vielen (mindestens 15-20) Aussetzern, denn der Windows 10-Rechner war mit dem Abspielen einer handelsüblichen DVD ganz offensichtlich überfordert. Danach in sehr geraffter, aber vielleicht dadurch gerade besonders eindringlicher Form Hitlers Weg weg von der Demokratie hin zur Diktatur in Form der „Ermächtigungsgesetze“ (immer wieder neu erschreckend, wie schnell das ging – ein großes Lob an die exzellent zusammengestellte Präsentation), wonach sich ein paar Minuten Pause an der frischen Luft anschlossen.

Dann tauschten die beiden Schülergruppen (die Räume sind nicht für 60 Personen ausgelegt), jetzt offenbarte ein französischer Experte (mit wundervoll klingendem Akzent) in einem etwa anderthalbstündigen Vortrag eine herausragend kompakte und dennoch überzeugend schlüssige Zusammenfassung der Ereignisse, die zu Hitlers Machtergreifung und den Gründen für Elsers Anschlag auf ihn führten. Die Schüler konnten sich bei solchen Input-Mengen oftmals nur noch ins Gähnen retten, ich verdenke Ihnen das nicht, denn in dem Alter wäre ich dabei glatt im Stehen eingeschlafen. Heute jedoch war von Müdigkeit keine Spur, die Ausführungen sprachen mich wirklich sehr an. Auch die Kollegin, die mit mir bei dieser Schülergruppe geblieben war, fand ihn sehr überzeugend.

Das Georg Elser-Denkmal am Königsbronner Bahnhof

Das Georg Elser-Denkmal am Königsbronner Bahnhof

Als die Schüler dann gegangen waren, um sich vor der Haustür zu versammeln, kamen eben jene Kollegin und ich mit dem französischen Führer ins Gespräch. Dabei erwähnte er die sehr diffizile Lage der Befindlichkeiten im Heimatort eines solchen Helden. Natürlich war auch Königsbronn in der NS-Zeit in vielerlei Hinsicht gleichgeschaltet worden: HJ, BDM und alle typischen weiteren Vereinigungen gab es auch dort. Nach dem missglückten Attentat wurde ein Großteil der Bevölkerung über Wochen strengen (und fast ausnahmslos brutalen) Verhören unterzogen. Dann griff die Propaganda-Maschine, die Elser als Marionette eines ausländischen (in diesem Fall britischen) Geheimdienstes hinstellte (völliger Unfug, aber dafür ist Propaganda ja nun einmal zuständig), ein. Wirklich fundierte Aufklärung über alle Details fand erst ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre statt, bis sie breiteren Bevölkerungsschichten bekannt wurde, hatten bereits die 1990er Jahre begonnen.

Die Gedenkstätte wurde gegen Ende des letzten Jahrtausends eingerichtet – gegen teils heftigen Widerstand der ansässigen Bevölkerung. Die lange zurückliegende Propaganda hatte teilweise ihre Wirkung getan, außerdem gab es haufenweise Probleme mit den individuellen Befindlichkeiten von Familien, die in diesem Zusammenhang nicht erwähnt werden wollten. Alles ein sehr heikles Geflecht von sozialen Fäden, die man besser nicht entwirren sollte, wenn am Ende irgendwann einmal eine echte Aufklärung für alle erreichen möchte.

Mich beeindruckten vor allem das Fingerspitzengefühl für die gerade dargelegten sozialen Befindlichkeiten und die Fachkompetenz der beiden Führer. In ein paar Jahren werde ich da sicherlich wieder hingehen, vielleicht ja wieder mit einer Schülergruppe. Wer einmal in die Gegend kommt, sollte sich diese Gedenkstätte unbedingt ansehen. Der Eintrittspreis ist lächerlich gering, die Details sind über die Homepage der Gedenkstätte einfach zu erfahren.

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,