Ich und die Schnapszahlen…

Ich bin kein extremer Fall, doch den einen oder anderen Tick habe auch ich. Vor einigen Monaten habe ich bereits einen Blog-Eintrag über meine Manie beim Aufhängen von Wäsche berichtet: Es geht einfach nur, wenn zwei zusammengehörende Socken auch zwei zusammenpassende Wäscheklammern bekommen. Lieber suche ich noch eine Minute nach einer passenden Klammer, als die Socken mit unterschiedlichen Klammern aufzuhängen. Das geht einfach nicht.

Beim Laufen achte ich am Ende – zumindest, wenn ich nicht unter Zeitdruck stehe – sehr genau darauf, eine schöne Abschlusszahl bei den Kilometern zu erreichen. Hoch im Kurs stehen z.B. 15,15 km oder auch 15,51 km. Lustigerweise geht die Spinnerei meinerseits manchmal auch für meinen Geschmack zu weit, denn dann bemühe ich mich, durch geschicktes Anpassen der Steigung eine Gleichzeitigkeit von Distanz und verbrauchten Kalorien zu erreichen (für beides gibt es eine Anzeige auf dem Laufband-Display). Wenn ich also sehe, dass die Distanz schneller wächst als die verbrauchten Kalorien, erhöhe ich – wirklich nur sehr selten, meistens habe ich mich in dieser Hinsicht völlig unter Kontrolle – schnell die Steigung, was auch mal anstrengend werden kann… Aber es sieht halt einfach besser aus.

Heute habe ich eine schöne Zahlenkombination gesehen, von der ich gleich ein Foto machen musste. Die passt quasi perfekt zu meiner Vorliebe für derartige Angleichungen.

Schöne Zahlenkombination
So eine schöne Zahlenkombination, da geht mir das Herz auf!

Hat noch jemand hier so lustige Schrullen? Und könnt ihr sie auch so gut wie ich unterdrücken? *Hüstel*…

 

Keiner war’s

Am vergangenen Mittwoch war bei uns an der Schule der Gedenk-Tag, ich berichtete, der ja durchaus unterschiedlichen Themen gewidmet war. In meinem großen Musikraum mit direkt angehängter Aula gab es für die Oberstufenschüler einen Vortrag, den ein Mann vom Verfassungsschutz hielt. Damit er für die große Personenanzahl verständlich sprechen konnte, hatten wir die große Anlage – Powermixer, Boxen, Kabel- und Funk-Mikrofone sowie ein Kabel zum Anschluss des Rechners an die Soundanlage – aufgebaut. Alles funktionierte, passt, super!

Kaputt ist kaputt...
Kaputt ist kaputt, auch wenn es keiner war...

Am nächsten Morgen kam ich wieder in meinen Raum, benötigte für den Unterricht aber das Kabel, das ich den Kollegen für den Anschluss des Rechners an die Soundanlage geliehen hatte. Als ich es abziehen wollte, sah ich, dass es in den für das Mischpult nötigen Adaptersteckern abgebrochen war. Und wieder einmal stellte sich bei den Gesprächen später heraus, dass es niemand war und keiner etwas wusste – nur: kaputt ist der Kram halt trotzdem.

Ich ärgere mich. Weniger darüber, dass ein Kabel kaputt ist, die Adapterstecker vermutlich auch nicht mehr zu gebrauchen sind, rein im Sinne eines Geldbetrages ausgedrückt: Peanuts. Was mich ärgert ist, dass meine beiden Kollegen unter Garantie nichts damit zu tun hatten, denn die wären absolut Manns genug, es einfach zu sagen (und hätten das auch gleich getan). Irgend jemand muss am Nachmittag oder Abend in dem Raum gewesen sein und wollte vermutlich nur das Mischpult verschieben, stand aber mit den Füßen auf dem Kabel. So etwas kommt vor, ist ja sicherlich auch nicht böse gemeint, aber dann kann man doch einen Zettel dazulegen oder anrufen… So weiß keiner von nichts, dann kann es auch in Zukunft nicht besser laufen. Bäh!

 

Tastatur-Albtraum

Mein Apple Smart Cover
Hier das iPad mit gekoppeltem Smart Cover

Seit einigen Wochen besitze ich ein iPad Pro, das ich als Gerät sehr schätze. Neben dem iPhone ist es mein permanenter Begleiter, vor allem in der Schule, denn auf dem iPad befinden sich immer meine gesamte Unterrichtsvorbereitung sowie Sitzpläne, Notenlisten etc. Da ich seit dem ersten iPad (2010) dabei bin, ist in den letzten Jahren alles auf die Arbeit mit diesem Gerät zurechtgelegt worden – und es funktioniert gut.

Beim Kauf des neuen iPads habe ich gleich die von Apple dafür produzierte Tastatur, das sog. Smart Cover, mitbestellt. Ganz offensichtlich hatte ich das Kleingedruckte übersehen, denn die Tastatur wird nur mit amerikanischem Tastatur-Layout angeboten. Die Tasten an sich liefern schon die gewohnte deutsche Tastaturbelegung, der Aufdruck entspricht aber der US-Version. So was von blödsinnig! Vor ein paar Jahren noch war Apple ein Vorreiter in Sachen vorbildlicher Internationalisierung der Sprachversionen im Betriebssystem und auch bei der Hardware. Das war offensichtlich einmal, nun ist es ein Witz mit Anlauf. (Vor allem beim Preis von 179 € – und da ist iPad nicht inklusive.)

Schade an der Sache ist vor allem, dass die Tastatur vom Tastengefühl und der Reaktion wirklich einmalig gut ist, doch bei allen möglichen Sonderzeichen fange ich immer wieder das Suchen und Ausprobieren an – selbst nach einigen Wochen der Dauernutzung (und ich konnte ja schon vor mehr als 20 Jahren schnell tippen). Das ärgert mich (umso mehr, als ich manche Zeichen erst beim dritten oder vierten Anlauf erwische).

Noch dazu hat Apple auf diverse sehr hilfreiche Sondertasten verzichtet, die mir zur Vollendung meiner Bequemlichkeit einfach fehlen: Lautstärke rauf/runter, Helligkeit des Displays rauf/runter, ein paar Tasten wurden komplett eingespart, sodass ich das deutsche Anführungszeichen (also unten: ) nicht bekomme. Ich behelfe mir mit zwei einzelnen unten angesetzten Akzenten (also ‚‚), aber es ist nicht wirklich zu vergleichen.

Mal die Konkurrenz testen

Langer Rede kurzer Sinn: Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder gehörig die Schnauze voll und las ein paar Testberichte. Darin wurde von vielen Benutzern die Logi Create-Tastatur/Hülle-Kombination von Logitech gelobt. Noch dazu hat sie Tasten, die man bei der Arbeit im Dunkeln von hinten beleuchten lassen kann (sehr schick), dann ist das Tastaturlayout ganz „normal“ für mich, es gibt alle gewünschten Sondertasten (sogar noch ein oder zwei mehr, die ich gar nicht bräuchte). Purster Luxus. Oder so ähnlich.

Kurzer Gast in meinem Haus: Logi Create
Nur ein kurzzeitiger Gast in meinem Haus: Logi Create

Als ich gestern nach der Arbeit daheim ankam, war sie gerade geliefert worden. Mit großer Vorfreude packte ich sie aus und setzte das iPad ein – optisch auf jeden Fall sehr schick. Natürlich testete ich als erstes die Sondertasten: Juhu, genau wie gewünscht (und zum Teil noch viel besser)!

Doch dann begann ich zu tippen. Das war zu Beginn eigentümlich, aber so etwas kann sich über ein paar Minuten bessern. Also tippte ich weiter und weiter und weiter. Nach ungefähr zehn Minuten landete das Teil wieder in der Verpackung. Heute habe ich es zurückgeschickt.

Wenn ich drei Sätze hintereinander tippe und mindestens ein Drittel, zum Teil die Hälfte der Buchstaben in beinahe jedem Wort fehlt, weil die Tastatur einfach nicht schnell genug reagiert, kann ich das auf keinen Fall akzeptieren. Und hier war es so. Ich habe es mehrfach getestet, iPad raus aus der Hülle, nochmal die Apple-Tastatur („Smart Cover“) ran, Test einwandfrei. Zurück zum Logi Create – Katastrophe. Keine Chance auf ein längeres Gastspiel. Und dabei hätte ich sie so gerne benutzt. Allein meiner schönen Anführungszeichen und der Sondertasten wegen. Aber es hat nicht sollen sein. Sehr ärgerlich!

Ausblick

In den kommenden Wochen werde ich mich weiter umhören und diverse andere Produkte in Augenschein nehmen, aber mein Vertrauen ist etwas gebrochen, denn Logitech galt mir immer als einer der besten Tastaturen-Hersteller. Wenn dieses halbgare Teil allen Ernstes der Gipfel der Tastaturen-Schöpfung für das iPad Pro sein soll, dann bleibe ich weiter beim Smart Cover. Schluchz!

 

Alien-Invasion in der Küche

Heute ist Sonntag, was in vielen Fällen mit dem allseits beliebten Etikett „Pfannkuchentag“ gleichzusetzen ist. So auch heute. Während die Kinder die Pfannkuchen fast ausschließlich in süßer Form verzehren, sind meine Frau und ich große Anhänger der herzhaften Variante, bei der wir in den Pfannkuchenteig etwas Käse geben, in schön langsam und gründlich anbräunen, dann gibt es dazu noch eine herzhafte Ergänzung, z.B. Chili (vegetarisch), Spinat, angebratenen Spitzkohl oder Wirsing.

Der Wirsing war heute dran. Also zerschnitt ich zuerst zwei Zwiebeln, bis sie nicht mehr zuckten. Dann sollte es mit ebenso entschlossener Gnadenlosigkeit dem Wirsing an den Hals gehen. Doch just in dem Moment schlug das Schicksal mit brachialer Härte zu…

Die äußersten Blätter des Wirsings entsorge ich immer, denn sie sind meist schon schrumpelig (also selbst für Wirsing-Verhältnisse), außerdem ist da viel Dreck dran, nicht zuletzt war der Wirsing ohne weitere Umverpackung ver- und gekauft worden. Kaum hatte ich heute das erste Blatt abgezogen, tröpfelte mir eine Art weißes Pulver entgegen.

Eines der miesen Aliens
In Verlängerung des Löffelstiels: Eines der miesen Aliens in meiner Küche!

„Nanu!“ dachte ich. „Ist denn der Wirsing irgendwie aus Kolumbien hierher gekarrt und dabei als unfreiwilliger Drogenkurier missbraucht worden?“ Nein, weit gefehlt. (Wäre ich kein so drogenaverser Typ, hätte ich ja diese erste Vermutung gerne bestätigt…). Statt feinsten kolumbianischen Stoffs kamen mir Legionen von seltsamen weißen Fliegen entgegen. Alle sahen auf den ersten Blick ziemlich tot aus, was sich aber alsbald ins Gegenteil verkehren sollte. Im Kühlschrank hatte das 0-Grad-Fach die Fliegen zur Bewegungslosigkeit in Kältestarre verdonnert, nach zwei oder drei Minuten aber erwachten die Viecher und begannen, um mich herum durch die Küche zu schwirren.

Ein paar schlug ich sofort tot, die grenzenlose Brutalität steht mir immer noch ins Gesicht geschrieben. Andere wedelte ich im Aggro-Style hinfort, die sehe ich nie wieder. Dann zupfte ich alle verseuchten Blätter vom Wirsing ab, stopfte sie in den – hüstel – leicht überquellenden Kompostmüll, zog meine Schuhe an, ließ (nur ein echt harter Typ schafft das) die Jacke trotz gefühlter -2.000 Grad weg, kämpfte mich heroisch durch Eis und Schnee im Garten und warf die ganzen fiesen Aliens in den Kompost. Nun sind sie dahin – auf immer vom Angesicht dieser Erde getilgt.

Dies schreibe ich als Warnung an alle weiteren fiesen (und des Lesens kundigen) Aliens, die meinen, sich in meiner Küche ausbreiten zu können. Meine Botschaft an euch lautet: „Versucht es erst gar nicht!“

(Geht heroisch ab.)

 

Ferienende und die endlose Suche nach DEM Rezept

Mit dem gestrigen Tag endeten die sog. „Ferien“. Halt, warum benutze ich dieses kleine und fast schon unscheinbar hinzugefügte Wörtchen „sog.“ vor dem Substantiv „Ferien“? Ganz einfach: Weil Ferien als Lehrer immer etwas anderes sind als noch damals, vor einer gefühlten Ewigkeit, in der Zeit als Schüler.

Ferien sind nur anders verpackte Arbeitszeit

In diesen Ferien musste ich das Abitur vorbereiten, genauer gesagt: das Fachpraktische Abitur. Die diversen Verordnungen zur Durchführung des Abiturs geben ganz genau vor, dass exakt acht Wochen vor dem Prüfungstermin die individuell festgelegten Pflichtstücke bekannt gegeben werden. Dazu muss natürlich im Vorfeld mit den Instrumentallehrern gesprochen/geschrieben werden, um eine für den jeweiligen Schüler passende Auswahl zu erhalten. Aus diesem Fundus legt man als Kursleiter dann wiederum ein Stück fest, welches genau acht Wochen vor der Prüfung bekannt gegeben wird. Das hat in diesen Ferien satte drei Tage Organisation, Emailschreiben und Telefonate mit sich gebracht.

Dann habe ich für eine Klasse, die ich erst im zweiten Halbjahr unterrichte, einen Großteil des Materials, das sich über die letzten fünf bis zehn Jahre etabliert hat, überarbeitet, weil mir gerade in den letzten zwei Jahren immer wieder kleinere Mängel an der einen oder anderen Stelle aufgefallen sind. Diese sind nun behoben, aber es waren wieder zwei Tage.

Für meine Big Band und den vierstündigen Kurs müssen noch ein paar Stücke neu arrangiert werden. Bislang habe ich dafür nur einen kompletten Arbeitstag geopfert, aber heute und morgen werde ich noch einmal Zeit investieren müssen.

So, und das waren nur ein paar der schulischen Dinge. Aber es sind, nein waren, ja Ferien.

Kinder daheim

Was die Ferien als vermeintliche Entspannungszeit spürbar einschränkt, ist die Tatsache, dass auch die Erzieherinnen und Betreuer in Kindergarten und Hort einmal eine kleine Auszeit benötigen. Ich gönne sie ihnen vollkommen. Und doch ist es ganz schön anstrengend, wenn man sich auf die Arbeit konzentrieren will, alle drei bis fünf Minuten aber ein Kind ins Arbeitszimmer schleicht und sich mehr oder weniger gnadenlos aufdrängt.

Am harmlosesten ist die Bitte: „Darf ich mir ein Hörbuch anmachen?“ – Das gewähren wir Eltern gerne, denn wir müssen eigentlich gar nichts tun, die Kinder können das Apple TV komplett alleine bedienen.

Nur für eine sehr kurze Ablenkung sorgt: „Kannst du mir ein Ausmalbild ausdrucken?“ – „Na klar, was hättest du denn gerne?“ – „Irgend etwas mit einer Prinzessin…“ – Zwei Minuten später darf der Drucker das von DuckDuckGo gelieferte Ergebnis ausspucken – und mit etwas Glück kehrt Ruhe ein. Vorläufig.

Schlimmer ist manchmal: „Mir ist langweilig!“ – „Dann lies ein Buch!“ – „Ich habe schon zwei gelesen.“ – „Dann üb auf deinem Instrument!“ – „Das will ich aber nicht…“ – Das kann schnell gehen, wenn man zufällig etwas in den Raum wirft, was taugt, es kann aber auch ergebnislos ausgehen. Dann steigt die Gefahr einer baldigen Arbeitsunterbrechung exponentiell an.

Die endlose Suche nach DEM Rezept

Kompletter Themenwechsel, es sind (nein, waren) ja Ferien, da dürfen die Gedanken auch mal abschweifen…

Was haben pädagogische Fachzeitschriften mit den typischen Frauenzeitschriften gemeinsam? Sie kreisen beständig um die immer gleichen Themen.

Wann immer ich eine Frauenzeitschrift herumliegen sehe und die Überschriften und Ankündigungen auf dem Cover sehe, scheinen sich die Inhalte auf grob die folgenden Kategorien zu erstrecken:

  • Die aktuelle Mode für die kommende Jahreszeit.
  • Rezepte (für die aktuelle Jahreszeit)
  • Tipps zum Abnehmen (oft in Kombination mit vorigem Punkt)
  • Lebenshilfe („Wie werde ich glücklich?“ und dergleichen)
  • Prominente etc.

Pädagogische Fachzeitschriften dagegen fokussieren sich auf:

  • Änderungen an der Rechtssituation für Lehrer
  • Änderungen am Beamtenrecht (und was man dagegen zu tun gedenkt)
  • Ausschreiben von Neuwahlen für die verschiedenen Vertretergremien
  • Was macht guten Unterricht aus?

Gerade dieser letzte Punkt wird gebetsmühlenartig immer und immer wieder aus der mittlerweile völlig zugemüllten Kiste herausgeholt. Und die Tipps und Anregungen, die man als Lehrer daraus ziehen kann, sind in ihrer Summe so widersprüchlich, dass man sich am Ende ohnehin wieder ein eigenes System ersinnen muss. Und komischerweise funktioniert das dann meist gar nicht so schlecht.

Ich verstehe, warum das Thema immer und immer wieder herausgeholt wird. Permanent werden neue Experimente angesetzt, neue Ergebnisse eingefahren, neue Strukturen geschaffen. Was dabei völlig aus dem Blick gerät: Stabilität hat auch einen Wert. Und der ist meist höher als alle Experimente je einbringen könnten.

Mein direkter Vorgänger hat etwa 35 Jahre lang durchgehend an dieser einen Schule unterrichtet. Seine Methoden und Ansichten waren glasklar, seine Linie wankte nie. Jeder Schüler und jeder Kollege wusste ganz genau, woran man bei ihm war. Manche Schüler hatten natürlich ihre Probleme damit, aber noch heute merkt man genau, welche Klassen er unterrichtet hat, denn durch die Stabilität der ganzen Unterrichtsstruktur war ein Fokus auf die Inhalte gewährleistet. Und das, was bei ihm einmal gelernt wurde, saß auch Jahre später noch. Beeindruckend. Und dabei so völlig frei von pädagogischem Schnickschnack.

Ständig das Rad neu zu erfinden, hat noch niemandem geholfen. Meine erste Planstelle hatte ich an einer Modellschule, die es sich in ihren ersten fünf oder sechs Jahren zum Motto gemacht hatte, alles noch einmal neu zu erfinden – und jedes Jahr gefühlt „alles anders“ zu machen. Das war für alle Beteiligten anstrengend, führte zu unglaublich viel Verwirrung und letztlich steigerte es die Unterrichtsqualität nicht, ganz im Gegenteil: Weil man sich so stark auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen konzentrieren musste, blieb unterm Strich weniger Zeit für die Kernaufgabe: Unterricht vorbereiten und erteilen.

Daher meide ich die Lektüre von pädagogischen Zeitschriften genauso wie die von Frauenzeitschriften. Vergleichbares Schriftwerk für Männer übrigens ebenso.

 

Political Correctness & Disneyfication – nein danke!

Gestern habe ich das oben abgedruckte Bild bei Twitter entdeckt. Und – ohne dass ich jetzt eine konkrete Quelle angeben könnte – erinnere ich mich an einen schönen Artikel eines US-amerikanischen Bloggers darüber, dass die überall eingeforderte „politische Korrektheit“ eine „echte eigene Meinung“ zunehmend unterdrückt. Im Sinne einer „Disneyfication“ gilt nur noch als akzeptabel, was niemanden „aus der jeweiligen Komfortzone“ herausreißt – somit wird jede Äußerung weichgespült und immer nur dann geäußert, wenn man sich als Autor sicher sein kann, niemanden auch nur andeutungsweise anzugreifen bzw. (im Umkehrschluss) möglichst viele „Likes“ zu generieren.

Als ich den Artikel gelesen hatte, reifte in mir der Entschluss, in der Zukunft von meinen Schülern durchaus in der im Bild angedeuteten Richtung wesentlich mehr zu verlangen.

Schon jetzt lasse ich mich im Beruf nicht von Überlegungen leiten, die mir „mehr Beliebtheit“ bei den Schülern versprechen, denn gibt man dieser Versuchung erst einmal nach, wird es sehr schwierig, später wieder einen konfrontativen Kurs einzuschlagen. Und gerade Teenager auf der Höhe der Pubertät benötigen einen knüppelharten Widerpart, an dem sie sich reiben und ihre private Revolution ausleben können. Keiner behauptet, dass sich das für beide Seiten gut anfühlt, aber auf dem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit ist diese aufrührerische Phase unumgänglich.

Wenn man sich mal vor Augen führt, wie lange der Zustand der Adoleszenz sich heute ausdehnt (oft bis Mitte/Ende Zwanzig), so mag einer der Gründe dafür darin zu suchen sein, dass den Jugendlichen immer mehr Möglichkeiten genommen werden/wurden, kontrovers zu sein. In den 1960er Jahren konnten die Teenager die Rolling Stones hören (nur als ein schönes Beispiel) und sich sicher sein, dass die Eltern strikt dagegen waren. Das beschwor Konflikte herauf, dringend notwendige Konflikte, dafür waren die jungen Erwachsenen dann auch schon früher gereifte(re) Persönlichkeiten.

Vergleichen wir die Situation damals (Rolling Stones) mit heute: Die meisten Eltern hören weitgehend die gleiche Musik wie ihre Kinder, zumindest gibt es immer weniger substantielle Unterschiede. Das Radio hat mit seinem dreieinhalb-Minuten-Diktat für eine weitgehende Angleichung der Popularmusik gesorgt. Klar, man findet immer noch Nischen, bei denen sich die Eltern sicher genervt abwenden. Aber es wird immer schwieriger, die Nischen werden immer kleiner.

Ich lehne mich nun ein wenig aus dem Fenster: Das Erstarken extrem rechter und extrem linker politischer Ansichten sowie deren gewaltbereites/-volles Ausleben könnte auch eine Folge der zunehmend unmöglich gewordenen Revolutionsphase in der Pubertät sein. Unter Garantie spielen da noch etliche andere Faktoren eine gewichtige Rolle, nicht zuletzt Bildungsgrad (des Jugendlichen wie auch der Eltern), soziale und geographische Herkunft, persönliche Vorerfahrungen und vieles mehr. Aber ich denke, dass es ein zwingender Teil des Erwachsenwerdens ist, sich eine Zeit lang mit allem und jedem um sich herum anzulegen, die Grenzen aktiv auszutesten. Und jedes Unterbinden dieser Möglichkeit verlängert den Abnabelungsprozess bzw. hinterlässt ungelöstes Konfliktpotenzial, das später dann unter Umständen wieder an die Oberfläche drängt.

Zurück zur Ausgangssituation: Warum sollte nun also der Lehrer immer nur einen auf „Kuschelkurs“ machen und seinen Schülern nicht grundsätzlich mehr abverlangen, als sie in ihrer „Komfortzone“ zu leisten bereit sind? Also: Macht euch auf etwas mehr Stress in den kommenden Monaten gefasst!

 

Noch zwei Jahre…

Liebe Programmierer, Techniker, Entwickler und Designer bei Apple!

Ich gebe euch noch zwei Jahre.

Beginnend mit dem heutigen Tag, dem 1. Januar 2016, werde ich zwei Jahre mehr oder weniger geduldig abwarten, ob sich die in den letzten Jahren vermehrt aufgetretenen und dann Stück für Stück gravierender gewordenen Probleme vor allem in der hauseigenen Software irgendwann einmal haben lösen lassen – oder eben nicht. In letzterem Fall werde ich euch gnadenlos den Rücken kehren. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen/schreiben würde, aber es ist mir mittlerweile wirklich egal.

2005 habe ich mir meinen ersten Mac gekauft, einen G4 Mac Mini. Knuffig und toll, ein traumhaftes Gerät. Die Einstiegsdroge. Dann kam nach ungefähr anderthalb Jahren mein erster iMac. Ein super Teil! Auch die Software: Mac OS X 10.4 Tiger und 10.5 Leopard – ich liebte sie beide. 10.6 Snow Leopard übrigens auch, das nichts anderes machte, als ein paar kleinere Fehler zu beseitigen und ein paar Kleinigkeiten neu einzuführen. Von vielen in der Technik-Welt belächelt, von den Benutzern aber sehr genossen, da einfach nur die kleinen Unpässlichkeiten beseitigt wurden, eigentlich genau das, was man sich als Kunde/Benutzer immer wünschte.

Tatsächlich bin ich mir sehr sicher, dass es vielen Leuten ganz ähnlich wie mir geht: Ich verlange nicht ständig nach neuen Funktionen, ich möchte aber, dass die alltäglichen Handgriffe immer leichter und schneller, vor allem aber stabil(er) vonstatten gehen. Sodass ich mir keine Sorgen darüber machen muss, ob die gestern auf dem iPad erstellte Textdatei morgen auch auf meinem iPhone oder iMac verfügbar sein wird.

Hardware: Hui! Software/Web Services: Pfui!

Und irgendwann kamen dann so Geschichten wie Mobile Me und iCloud. Und ab da ging es eigentlich permanent bergab. Die Hardware eigentlich immer sensationell gut, die Webservices (also vor allem die Cloud) grauselig schlecht. Obwohl iCloud nach wie vor nicht ganz zuverlässig funktioniert, werden immer weitere Teile des Betriebssystems, nein: beider Betriebssysteme (iOS ist ja noch viel stärker davon betroffen) so fest mit der iCloud verwoben, dass sie ohne noch weniger funktionieren. Das wäre ja fein, wenn die iCloud anstandslos funktionierte, doch das tut sie nun einmal nicht. Vor ein paar Monaten hatte ich dazu schon einen ausführlichen Artikel geschrieben. Wesentlich besser geworden ist an keinem der Punkte bis heute etwas.

Wie oft standen meine Frau oder ich morgens schon in der Schule, öffneten das iPad und der gestern noch getippte Unterrichtsentwurf, der sich nach offiziellen Angaben „im Hintergrund“ über iCloud auf alle Geräte synchronisieren sollte, war einfach nicht da… Ärgerlich! Vor allem, wenn es nicht nur einmal passiert. Und ich will gar nicht mit dem Zählen der Tage anfangen, an denen genau das passierte.

Ist Design wirklich wichtiger als Funktionalität?

Dann so Geschichten wie die immer dünner werdenden Geräte, vor allem bei den iPhones. Ist ja schön, dass die Designer das toll finden. Aber nicht jeder Kunde ist begeistert, wenn sein Handy so dünn ist, dass man sich beim Joggen nicht mehr darauf verlassen kann, dass der Akku vom iPhone vor lauter Dünnheit nicht auf halber Strecke aufgibt, weil es ihm zu kalt wird. Ist mir vor ein paar Tagen erst passiert, meiner Frau noch wesentlich häufiger.

Der Countdown läuft…

Ich werde die Liste an dieser Stelle nicht weiter fortsetzen, denn jeder Apple-Nutzer wird seine eigene kleine Horror-Liste haben. Aber ich schreibe mir in den kommenden Wochen in einer privaten Liste alles auf, was mich immer wieder nervt, mir Steine in den Weg legt, statt sie zu beseitigen. Und dann, nach zwei Jahren, öffne ich diese Liste wieder, hake mich von oben nach unten durch. Sollten die substantiellen Kritikpunkte dann immer noch nicht behoben sein, habt ihr mindestens einen Kunden weniger. Und das ist unabhängig davon, wieviel Geld ich bereits in eure Produkte investiert habe.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich hasse Android, freiwillig möchte ich es eigentlich nicht benutzen. Es ist ein völlig uneinheitliches und zutiefst unsicheres System, das bekannt dafür ist, Kundendaten an allen Ecken und Enden preiszugeben (99 % aller mobilen Malware existiert ausschließlich für Android und wird da auch heftigst eingesetzt). Doch der Premium-Preis der Apple-Produkte ist ab einem gewissen Unzufriedenheitsfaktor schlicht und einfach nicht mehr hinzunehmen. Und gerade an dieser Front sticht euch jedes einzelne Android-Gerät aus. Gnadenlos.

Also, macht was draus, die Zeit läuft…

 

Zwei Zeitungen, eine Redaktion

Heute musste ich ein paar Minuten auf meinen Ältesten warten, der an der Probe für das Ministrieren in der Christmette teilnahm. Dabei nahm ich eine Reihe im Eingang der Kirche ausliegender Zeitschriften in den Blick. Ich überflog aus dezent gelangweiltem Pseudo-Interesse kurz die Titelblätter und Überschriften. Und siehe da: eine interessante und amüsante Feststellung!

Zwei der Zeitschriften (das plus-Magazin und Frau im Leben) scheinen aus der gleichen Redaktion zu kommen. Ganz offensichtlich ähnelt sich der Inhalt beider Zeitschriften stark, zumindest wenn man den Artikelankündigungen auf dem Umschlag glauben möchte.

Die eingefügten Pfeile zeigen verdächtig gleichlautende Ankündigungen für Artikel:

  1. Das Fitness-Wunder (Revolutionäre Therapie heilt Migräne, Arthrose, Hexenschuss…) = Geniales Fitness-Wunder (Revolutionäre Therapie heilt sicher Migräne, Arthrose, Hexenschuss…)
  2. 8 Jeans, die Ihrer Figur schmeicheln = 8 Jeans, die Ihrer Figur schmeicheln
  3. Pasta-Diät, die Spaß macht (Nach den Festtagen schnell ein paar Pfund weniger) = Pfiffige Pasta-Diät (Nach den Festtagen mit Spaß ein paar Pfund weniger)
  4. Die Kunst des Loslassens (Wie wir es schaffen, unperfekter zu sein, und Lebensfreude & Leichtigkeit gewinnen) = Die Kunst, loszulassen (Wie wir lernen, weniger perfekt zu sein)
  5. Natur-Kosmetik (Test – Die besten Anti-Age-Wirkstoffe) = Natur-Kosmetik (Die besten Bio-Wirkstoffe im Test)

So kann man auch mit wenig Aufwand aus eins zwei machen.

 

Frohes Fest!

 

Aktion: „Gemeinsam lesen“ – 20. Dezember 2015

Meine aktuelle Lektüre
Meine aktuelle Lektüre — sehr zu empfehlen!

Heute kann ich von einem vor zwei Tagen neu heruntergeladenen Buch berichten, das mir auf den wenigen bislang konsumierten Seiten wirklich sehr gut gefallen hat.

Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

„Lassen Sie es mich so sagen“ von Georg Schramm, einem der bekanntesten deutschen Polit-Kabarettisten. Aktuell befinde ich mich auf S. 46 von 781 Seiten (iBooks auf dem iPhone).

Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Zu Beginn betrat ich als Georg Schramm die Bühne nur gelegentlich. (S. 46)

Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Urban Priol und Volker Pispers sind in den letzten Jahren meine ständigen virtuellen Begleiter gewesen. Beide habe ich schon einmal live erleben und (weitgehend) genießen dürfen, Urban Priol steht im kommenden Frühjahr sogar noch einmal an, die Karten liegen schon auf meinem Schreibtisch.

Georg Schramm kannte ich nur ganz periphär aus der Sendung „Neues aus der Anstalt“, in der er unter der Leitung von Urban Priol immer wieder sehr gelungene Gastauftritte absolvierte. Vor ein paar Tagen twitterte jemand einen Link zu einem Fernseh-Mitschnitt von Georg Schramm, in dem er die hohlen Phrasen von Politikern so gekonnt und mit einer derart angenehmen Form von intelektueller Polemik zerlegte, dass ich mich umsah, was er noch so alles publiziert hatte. Und da fand ich dieses Buch.

Bereits nach wenigen Seiten war mir klar: Dieses Buch sollten so viele Menschen wie möglich lesen. Zum Einen, weil es wirklich gut geschrieben ist (sowohl auf sprachlich hohem Niveau, als auch was die innere Vernetzung der verschiedenen inhaltlichen Ebenen angeht), zum Anderen, weil es viele politische Gepflogenheiten als mehr oder weniger geschickte Ablenkungsmanöver enttarnt, deren einziger Sinn und Zweck es ist, dem Politiker eine Möglichkeit zu bieten, sich ohne inhaltliche Festlegung aus so ziemlich jeder Affäre zu ziehen.

Georg Schramm schreibt als einen der ersten Sätze in seinem Vorwort, dass er sich gerade mit Bedacht festlegt, um sowohl zu irritieren als auch seinen Standpunkt klar zu machen. Und das gelingt ihm — zumindest bislang — in diesem Buch auf wunderbare Weise. Hut ab!

 

Klimakonferenz – ich bleibe skeptisch

Gerade habe ich auf heute.de einen quasi euphorischen Bericht über die Einigung zum Klimaschutz gelesen und gesehen. Ganz ehrlich: Was soll man davon halten? Grundsätzlich ist am Klimaschutz gar nichts auszusetzen, ich befürworte ihn eindeutig. Doch dieses Abkommen hat solange keinerlei Effekt auf das Weltklima, bis alle Länder auch wirklich anfangen, es praktisch umzusetzen. Und wie jeder weiß, liegen Welten zwischen einer politischen Absichtserklärung (und nichts weiter war das heute) und einer tatsächlich erfolgten Gesetzesinitiative oder gar praktisch ergriffener Schritte.

Unsere eigene Bundesministerin für Umwelt, Barbara Hendricks, sieht es im Videobericht als bahnbrechend an, dass sich die Länder auf eine maximale Erwärmung von 2,7 Grad Celsius geeinigt haben. Seltsam, ich dachte immer, dass wir bereits bei 2,0 Grad Celsius ein ziemliches Problem am Hals hätten. Warum ist es dann nicht möglich, hier gleich Nägel mit Köpfen zu machen? So ist es doch schon wieder ein fauler Kompromiss.

Und dann die hohlen Kommentare der diversen Interessensverbände, deren Peinlichkeit allerdings noch immer weit hinter der Idiotie der Arbeitgeber-Verbände zurückbleibt, die sich sogleich besorgt zeigen, dass Europa durch diese neue Regelung wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten könnte. Herrje!

Ich kann es kaum erwarten, wie Volker Pispers und/oder Urban Priol sich verbal über das Klimaschutzabkommen hermachen.