Kopierer-Alptraum

Vor ca. anderthalb Wochen äußerte ich hier ja schon einmal, dass meine Stimme sich gerade Urlaub von mir genommen habe. Am ersten Tag bin ich daheim geblieben, hoffte noch (zumindest ein wenig) auf Besserung, am zweiten Tag bin ich dann zum Arzt gegangen, der mich gleich für den Rest der Woche krank geschrieben hat. Und tatsächlich: Es ging sogar noch bis zum Sonntag weiter, erst ab Montag war meine Stimme wieder halbwegs als meine eigene zu erkennen.

Da mein Unterricht durch andere Kollegen vertreten werden musste, lag mir viel daran, den Betroffenen das Leben möglichst leicht zu gestalten. Also bereitete ich die Stunden so vor, dass auch ein Nicht-Musiker den Unterricht halten, die entsprechenden Arbeits- oder Übungsblätter ausgeben und die dazugehörigen Arbeitsanweisungen geben konnte. Das schuldet man den Kollegen, die dafür ihre Freistunden hergeben müssen.

Dazu habe ich am zweiten Krankheitstag die entsprechenden Arbeitsanweisungen sowie alles benötigte Material nebst meiner Krankschreibung in die Schule gebracht. Doch als ich die Zettel in der korrekten Anzahl für alle Schüler kopieren wollte, merkte ich, dass beide Kopierer im Kopierraum defekt waren. Bäh!

Im Sekretariat gibt es noch zwei Kopierer, also ging ich dorthin. Doch Gerät 1 macht so richtig dicke schwarze Streifen in Längsrichtung über das gesamte Blatt, Gerät 2 erzeugte gleich einmal einen dreifachen Papierstau, um dann für 26 bzw. 13 Kopien jeweils ca. 5 Minuten zu brauchen. Was für ein Kopier-Alptraum! Man stelle sich nur vor, ein Kollege bräuchte wirklich dringend eine gute Kopie. Es wäre in dieser Situation schier unmöglich gewesen!

Heute ist der letzte Ferientag (technisch gesehen ist das zwar falsch, denn der letzte Ferientag war natürlich der Freitag, es fühlt sich aber so an), morgen stürzen wir uns wieder ins Getümmel. Um morgen nicht den üblichen Stau am Kopierer zu verschlimmern, war ich schon am späten Sonntag Vormittag in der Schule. Welch Erleichterung breitete sich in mir aus, als ich ohne eine einzige Zickerei des Kopierers alles in einem Rutsch durchkopieren und für morgen und die folgenden Tage vorbereiten konnte. So sollte das sein!

 

Ratgeber gibt es viele…

Literatur zum Thema
Meine private Bibliothek zu diesem Themenkomplex

Wenn man sich in Buchläden, bei Amazon oder iBooks umguckt, scheint es eine nie versiegende Anzahl von Ratgebern zu allen möglichen Themen zu geben. Auch das weite Themenfeld der Musik, insbesondere das Üben, werden dabei nicht ausgespart. Ich persönlich habe keine besonders große Affinität zu dieser Art von Ratgebern, denn Papier ist geduldig, schreiben kann man viel, wenn der Tag lang ist – und vor allem: ob das, was sich in gedruckter Form gut liest, dann auch in der Praxis umsetzen lässt, ist wiederum eine ganz andere Geschichte.

Inventur im eigenen Bücherregal

Dennoch wollte ich mal kurz Inventur machen: In meinem Bücherschrank im Arbeitszimmer fand ich immerhin vierzehn Bücher mit einem direkten Bezug zum Üben (gemeint ist: Üben, Proben und/oder Auftreten ist das hauptsächliche Thema des jeweiligen Buchs) und nochmals vier, die das Thema zumindest deutlich anschneiden (z.B. ein Buch über die „Psychologie des Instrumentalunterrichts“). Das ist dann doch eine ganze Menge zu einem vermeintlich einfachen Thema.

Ich beschränke mich bei den folgenden Ausführungen erst einmal auf die vierzehn erstgenannten Bücher, denn diese sind ja direkt auf das Üben bezogen. Diese vierzehn Bücher könnten kaum unterschiedlicher sein: Das kürzeste Exemplar ist die komprimierte Kurzfassung einer Studie (Umfang: 33 Seiten im Din A5-Format), das längste ist ein gebundenes Buch in englischer Sprache (Umfang: 271 Seiten).

Erfahrungen mit den Büchern

Ich habe in alle Bücher zumindest hineingelesen. Manche waren faszinierend geschrieben, die konnte man sowohl anwenden als auch leicht lesen, andere waren geradezu krampfhafte Ansammlungen chaotisch zusammengewürfelter Tipps und Ratschläge, die sich gegenseitig widersprachen (z.B. wenn auf der linken Buchseite steht: „Immer im Originaltempo üben, damit man sich dieses möglichst intensiv einprägt!“ und die rechte Seite dagegen hält: „Unbedingt langsamer üben, um immer die volle Kontrolle über jeden Teil der Bewegungsausführung zu behalten!“ – wie soll man das nun anwenden?), andere waren in ihrer Herangehensweise schlicht zum Kaputtlachen (für Kenner: „Effortless Mastery“ von Kenny Werner, schon der Titel ist ein Widerspruch allererster Güte, fast so gut wie „Die McDonalds-Diät“) oder aber auf ästhetischer Ebene sehr ansprechend (so hatte man schon allein aufgrund der Aufmachung des Buchs Lust, es immer wieder in die Hand zu nehmen).

Persönliches Fazit

Interessant ist, dass bei allem, was da geschrieben steht, eine innere Überzeugung in mir gereift ist, die bislang keiner der Autoren widerlegen oder „ausstechen“ konnte: Wenn es was werden soll, muss man sich hinsetzen und so lange daran arbeiten/üben, bis es klappt. Nichts anderes hilft.

Klingt nach Pädagogik pur, gell? Jetzt aber mal Spaß beiseite: Hat schon mal jemand von einem erfolgreichen Musiker gehört, der besonders viele Bücher über das Üben gelesen hat? Eher nicht so. Wohl aber haben etliche Leute schon von Musikern gehört und gelesen, die Tag für Tag etliche Stunden Übezeit abgerissen haben. Und das ist nun einmal das Rezept zum Erfolg: Harte Arbeit.

Anekdoten-Zeit

Eine kleine Anekdote aus meinem eigenen Leben: Ungefähr in der zehnten Klasse war bei mir der Entschluss gereift, die Musik zum Zentrum meines beruflichen Lebens zu machen. Ab da übte ich Tag für Tag mindestens drei Stunden, während der Kollegstufe, damals also Klasse 12 und 13, kam ich auf ca. vier bis fünf Stunden. Im Studium stieg das auf z.T. über sieben Stunden an. Jeden Tag. Und komischerweise hatte ich während des ganzen Studiums keinen Bedarf für derlei Ratgeber über das Üben. Wenn etwas nicht ging, blieb ich einfach so lange stur dabei, bis es ging.

Einmal im Unterricht nahm mein Professor ein herumliegendes Übetagebuch (auch eine Sache, die ich nie führen musste, um meine Ziele zu erreichen) eines Kommilitonen zur Hand, blätterte interessiert und durchaus belustigt darin. Plötzlich legte er es weg und sagte nur: „Der übt zu wenig.“ Der Kollege, um den es ging, war absolut kein schlechter Trompeter, aber er litt gerade zu der Zeit an ein paar Ansatzproblemen. Üben und Spielen waren für ihn dadurch etwas mühsamer als für die meisten anderen – eine frustrierende Situation. Aber der einzig sinnvolle Weg aus dieser Krise war nun einmal, viel zu üben und zu spielen. Nur so konnte sich der Körper auf die veränderten Bedingungen einstellen und sie so verinnerlichen, dass sie auch „live“, unter Druck und ohne zusätzlichen gedanklichen Aufwand abrufbar wurden. Und dafür übte er damals zu wenig.

Streichholzmethode

Sollte einer meiner vielen Leser auch ein Musiker sein, kann ich eine Übemethode vorschlagen, die wirklich garantiert funktioniert (vorausgesetzt, man schaltet auch das Hirn ein):

  • Man nehme eine Packung Streichhölzer und leere sie auf den Tisch aus, die leere Packung stelle man sich hin.
  • Dann wird geübt, zuerst nur in dem Tempo, in dem die Stelle, um die es geht, auf jeden Fall funktioniert.
  • Für jeden erfolgreichen Durchgang wandert ein Streichholz in die leere Schachtel hinein. Bei jedem fehlerhaften Durchgang fliegt eines (verschärft: zwei oder drei, für die ganz Harten: alle) wieder raus.

Ich garantiere: Wenn die Packung voll ist, läuft die Stelle. Und damit es nicht heißt: „Ja, auf dem (virtuellen) Papier klingt das ja immer toll, wie schaut es mit der Praxis aus?“ Ich habe diese Methode für mich selbst schon oft angewandt, auch einige Schüler mussten schon da durch — es fühlt sich im jeweiligen Moment katastrophal an, aber so wird die frisch angelegte Spur im Gehirn gleich so durchlässig gemacht, dass es dann wirklich gut sitzt.

Klingt ein bisschen nach „Holzhammer“, ist es sicher auch – dafür klappt’s damit auch wirklich.

 

Laufend im Strahl kotzen

Dunkle Wolken
Nicht jeder Tag kann (und soll) ein Sonnentag sein...

Es gibt so Tage, da könnte man laufend im Strahl kotzen. Gestern Abend war so ein Zeitpunkt, heute ging es zum Teil gleich in diesem Stil weiter. Aber ich will nicht weiter jammern. Denn: Morgen steht ein eigentlich gut vorbereiteter Workshop an, auch wenn mir da noch Absagen in letzter Minute reinflattern, ich werde ihn genießen. Die anderen Anwesenden hoffentlich auch.

Man muss ja immer das Positive an solchen Situationen suchen. Das habe ich, ich habe sogar etwas gefunden. Die Auswirkungen wird es zwar erst im neuen Schuljahr geben, aber schon jetzt blicke ich dem mit einer gewissen Erwartungsfreude entgegen.

Wenn es mal nicht so gut läuft, kann man sich selbst anpassen, dann ändert sich die Perspektive. Und schon geht's besser. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, der den nächsten Perspektivenwechsel notwendig macht.

In diesem Sinne: Schönen Abend!

 

NotateMe und der Stylus

Unten die Handschrift, oben das konvertierte Ergebnis
Unten die Handschrift, oben das konvertierte Ergebnis — nicht schlecht!

Vor ein paar Wochen habe ich ja schon einmal berichtet, dass ich mir zwei Stylus-Modelle für mein iPad zugelegt habe. In den letzten Tagen hatte ich mehrere Stunden lang genug Zeit, die Anwendung eines dieser Geräte in einer Musik-App namens NotateMe auszuprobieren. Und ich habe dabei so einiges gelernt – über mich, über den Stylus und über die App.

Was ist „NotateMe“?

NotateMe ist eine Software, die die per Hand notierten Noten und einige spezielle musikalische Zeichen erkennt und in eine genormte Notenschrift („Notensatz“) überführt. Auf meinem iMac benutze ich Sibelius, an das ich mich bereits im Studium gewöhnt habe. Aber unterwegs habe ich das iPad, von Sibelius gibt es keine iOS-Version, daher muss ich mir anders behelfen. NotateMe füllt diese Lücke zwar nicht ganz, aber zumindest in Teilen aus.

Unterschied zwischen Fingern und Stylus

Mit den Fingern habe ich schon etliche Male mit der App gearbeitet, doch die Ergebnisse waren bestenfalls mittelmäßig. Entweder sind meine Finger etwas zu dick (das wäre aber ganz schlecht, denn ich kenne noch etliche Menschen mit kräftigeren Fingern) oder die Eingabe bedarf schlichtweg einer höheren Präzision.

Und um eine sonst ellenlange Geschichte kurz zu machen: Mit dem Stylus geht es gut. Noch immer nicht perfekt, aber deutlich besser als mit meinen Fingern.

Am meisten beeindruckte mich die Geschwindigkeit der Eingabe. Mit den Fingern war das eine recht mühsame Sache, da die Fingerspitze den Eingabebereich auf dem Bildschirm während des Notierens verdeckt. Gerade bei einer Notationsweise, die ganz exakter Platzierung bedarf (der Notenkopf darf nur genau die Notenlinie kreuzen oder muss zwischen zwei Notenlinien liegen – aber nicht beides zugleich), waren die Finger dem Auge soweit im Weg, dass die Ergebnisse prinzipiell darunter leiden mussten. Das ist mit dem Stylus definitiv viel besser geworden (aber auch noch nicht ganz perfekt).

Zeitvergleich

Ich habe bei dem einen Stück insgesamt 62 Takte inklusive vieler Bindebögen, etlicher unterschiedlicher Akzente, Portato-Striche, Staccato-Punkte, crescendo- und decrescendo-Klammern, Wiederholungszeichen etc. innerhalb von etwas weniger als zwei Schulstunden (=90 Minuten) perfekt fertig notiert. Mit Sibelius auf dem Mac und dem MIDI-Keyboard wäre das gleiche Ergebnis in ca. 20 bis 25 Minuten erreicht gewesen, was ohne jeden Zweifel deutlich kürzer ist. Dafür hätte ich aber noch meinen Mac und das Keyboard gebraucht, und beides steht nun einmal ein paar Kilometer von der Schule entfernt. Mich erfreut daran, dass ich mit etwas mehr Übung auch garantiert noch schneller werde – und dann ist NotateMe zumindest eine akzeptable Alternative, wenn mein Mac nicht zur Hand ist.

Fazit

Wenn ich daheim bin, werde ich die Notationsarbeit sicher immer am Mac mit Sibelius ausführen. Unterwegs stellt NotateMe in Kombination mit einem geeigneten Stylus aber eine akzeptable Alternative dar, die auch ohne große Zusatzgeräte funktioniert. Der Stylus hat sich in diesem Kontext für mich als probat erwiesen – weitere Erfahrungsberichte folgen alsbald.

 

Allein zweistimmig spielen

Beide Stimmen
Beide Trompetenstimmen in Logic Pro X

Neben meiner Lehrtätigkeit am Theodor-Heuss-Gymnasium in Aalen erteile ich in einem sehr überschaubaren Rahmen auch privaten Instrumentalunterricht (Trompete, Tenorhorn). Im vergangenen Jahr habe ich mit einigen Schülerinnen und Schülern das Stück Petit duet pour trompettes von Francois Aubert einstudiert. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht allzu hoch, doch das Zusammenspiel verlangt den Schülern immer einiges ab, verlaufen die beiden Stimmen doch immer eigenständig.

So kam es im Unterricht nicht selten vor, dass ein Schüler seine eigene Stimme eigentlich gut beherrschte, das Zusammenspiel aber überhaupt nicht funktionierte, weil ihn der von mir gespielte zweite Part schlicht aus dem Konzept brachte. Beim alleinigen Üben war da z.B. eine Pause, nun nicht mehr, weil ich da etwas spielte. Bums! Schon haute das alles nicht mehr hin.

Um den Schülern – aktuell spielen es zwei – ein wenig Hilfestellung angedeihen zu lassen, habe ich das Duett heute eingespielt. Da der Schwierigkeitsgrad nicht hoch ist, stellte das für mich keine Herausforderung dar. Wohl aber, beide Stimmen exakt zusammen zu bekommen. Und das ganze unter Zeitdruck, denn es stehen noch viele andere Dinge an.

Also blieb nur ein Weg: Strikt nach Metronom spielen. In Logic Pro X war das mit einem Klick aktiviert, dann ging es mit der zweiten Stimme los, denn die erste pausiert die ersten Schläge. Glücklicherweise kam ich mit einem Take hin. Von der ersten spielte ich zwei Takes ein, der zweite war etwas besser. Schnell noch ein klein wenig Raumhall draufgemischt, damit es nicht zu sehr nach meinem Arbeitszimmer (in der Dachschräge) klingt. Fertig.

Obwohl ich noch stundenlang hätte feilen können, genügt die Aufnahme im aktuellen Zustand meinen Ansprüchen daran, dass es für Schüler gedacht ist, die das Zusammenspiel mit einer sie störenden zweiten Stimme trainieren sollen. Wer sich gerne über Patzer und Fehler amüsiert, der kann beim letzten Ton mal genau hinhören, denn der kommt nicht gut zusammen. Beim Einspielen einer der beiden Stimmen habe ich aus Gewohnheit wohl ein minimales Ritardando eingebaut, das ich in der anderen Stimme dann nicht mehr so exakt getroffen habe – in keinem der beiden Takes. Aber wie sagt man so schön: What shall’s?

Ich wünsche euch allen einen schönen Samstag Abend!

 

 

Torpedo Bag Classic

Mein Torpedo Bag Classic
Lange ersehnt, endlich hier: Mein Torpedo Bag Classic!

So, die Überschrift des heutigen Blog-Eintrags dürfte vermutlich einem überwiegenden Anteil meiner Leser ein großes Fragezeichen ins Gesicht zaubern. Dazu kann ich gleich sagen, dass das Torpedo Bag Classic mein neues, vorgestern bei Thomann bestelltes, gestern dank des nicht mehr laufenden Post-Streiks geliefertes Gigbag für meine Trompete ist.

Was ist ein Gigbag?

Vor drei Jahrzehnten beförderten die meisten Blechbläser ihre Instrumente noch in Koffern von einem Ort zum nächsten. Das war sehr sicher für die Instrumente, meist klobig in der Handhabung und überaus schwer, weil diese Koffer oft ein immenses Eigengewicht mitbrachten. Ich kann ein langes und leidvoll klagendes Lied davon singen, denn in meinem letzten Schuljahr beförderte ich meine Trompeten in einem Koffer für drei Trompeten durch die Gegend — und der war aus meiner Sicht über die Maßen klobig und schwer. Da ich fast nirgendwo ohne meine Trompeten auftauchte, schleppte ich dieses Trum quasi permanent mit mir herum.

Ich höre schon die Stimme, die ruft: „Und was hat das alles mit einem Gigbag zu tun?“ Keine Sorge, es legt die Basis für das Verständnis, warum ein Gigbag so wichtig für die Musiker ist.

Wo ein Koffer klobig und schwer ist, stellt ein Gigbag eine leichte und oft deutlich elegantere und ergonomischere Transportlösung dar, dafür ist ein Gigbag normalerweise nie genauso sicher. Ein Gigbag ist nun einmal eher so etwas wie eine Tragetasche für das Instrument, in den meisten Fällen so gestaltet, dass man es als Rucksack oder seitlich baumelnd tragen kann – das ist der komfortable Aspekt.

Sicherheit geht vor

Leider tauschen vor allem billige Gigbags zu viel an Sicherheit für das Instrument gegen den Tragekomfort ein. Mein ca. fünfzehn Jahre altes Gigbag gab vor ein paar Monaten den Geist auf, die Reißverschlüsse waren verschlissen und ausgerissen. Außerdem war innen das Futter an mehreren Stellen aufgerissen, sodass das Dämm-Material herauskam – in diesem Zustand war es für den alltäglichen Einsatz nicht mehr geeignet.

Das ausgemusterte Gigbag war ziemlich billig, ich habe ca. 40 bis 50 Mark dafür gezahlt. Während des Studiums ist es mir ein einziges Mal beim Tragen am Handgriff (während des gemütlichen Gehens in der Innenstadt) ausgekommen und auf den Boden gefallen – aus einer Höhe von ca. 50 bis 60 Zentimetern (höchstens). Dabei hat sich sofort der zweite Ventilzug minimal eingestaucht, wodurch ich das zweite Ventil nicht mehr benutzen konnte. Die Trompeten sind alle versichert, also konnte ich den Schaden mit ein wenig Papierkram und Fahrzeit bei einem befreundeten Instrumentenbauer zügig wieder richten lassen. Aber: Nötig wäre das nicht gewesen, hätte das Gigbag den Stoß einfach nur gut genug abgefangen. Hat es aber nicht. Da hat sich der billige Preis schon einmal gerächt.

Sicherheit hat ihren Preis

Dieses alte Gigbag hat sich vor ca. einem halben Jahr verabschiedet. Schon lange hatte ich ein Auge auf das Torpedo Bag geworfen, denn ein Schüler in meiner Big Band hat das auch – und irgendwie war es schon verlockend. Doch das Eintrittsgeld in diese Königsklasse des bequemen Instrumententransports war mir damals noch etwas zu hoch. Beim ersten Kontrollblick auf die Thomann-Homepage lag der Preis bei 169 € für das Gigbag, ein paar Wochen später schon bei 199 €. Durch den schwachen Eurokurs der letzten Monate ist er nunmehr auf 229 € geklettert.

Damals war mir das zu teuer. Ich vertagte den Kauf auf die Zeit um meinen Geburtstag (Herbst), bestellte einen Lückenfüller, das mit 25 € sehr günstige, leider aber nicht wirklich sichere Trompeten-Gigbag von Thomann. Für den Preis ist es völlig ok, man darf sich nur keinen Illusionen über die Sicherheit des Instrumentes hingeben. Wenn ich das Instrument von außen deutlich in seinen Konturen erspüren kann, ist da kein effektiver Schutz. Punkt.

Durch Proben und Konzerte (z.B. mit dem Aalener Symphonie Orchester), Üben und Spielen in der Schule, beim Instrumentalunterricht und dergleichen mehr wurde mir aber bewusst, dass ich das Instrument permanent der Gefahr aussetzte, verbeult und eingedellt zu werden (und es gibt noch schlimmere Gefahren). Bevor der Preis des Torpedo Bags die Chance bekommen konnte, noch weiter zu klettern, schlug ich nun in dieser Woche zu. (Damit ist auch klar, dass er spätestens morgen mit großer Sicherheit wieder sinken wird…)

Das Torpedo Bag Classic ist ein fantastisches Produkt zu einem gehobenen Preis, den ich aber – mittlerweile – zu zahlen bereit bin, denn ich transportiere meine Trompete aktuell täglich durch die Gegend. Schäden am Instrument möchte ich um jeden Preis vermeiden.

Exzellenz
Exzellentes Material, fantastische Verarbeitung – Perfektion!

Exzellentes Material

Wenn man sich bei YouTube unter dem Stichwort „Torpedo Bags Classic“ oder direkt auf der Homepage des Herstellers umsieht, entdeckt man ein schönes Video mit dem Titel „The Torpedo Bag Classic: Features & Design“. Darin führt der Chef der Firma durch die einzelnen Materialien und die Verarbeitung. Hat man das Video gesehen, versteht man auch den hohen Preis – und dann nimmt man ihn nicht mehr als hoch sondern als angemessen wahr. Mir geht es zumindest so.

Fazit

Noch fehlen mir die Erfahrungswerte, daher habe ich keine Übersicht darüber, wie sich mein schickes Torpedo Bag Classic im Alltag schlägt, auf jeden Fall kann ich schon einmal vermelden, dass es absolut herrlich aussieht und beim Tragen einen ungeheuer stabilen Eindruck hinterlässt. Der Hersteller verspricht, dass man sogar mit dem Auto darüber fahren könne, ohne die Trompete darin zu beschädigen. Das möchte ich nicht testen. Aber es beruhigt – und das allein fühlt sich schon sehr gut an.

 

Sextanerblase

Haltung bewahren!
Im Unterricht gilt: Haltung bewahren!

Per Definition kann ein Mensch mit einer sog. „Sextanerblase“ nur schwer seinen Drang zum Wasserlassen bezähmen. Anscheinend leidet ein gutes Drittel einer meiner Klassen darunter. Das konnte ich heute empirisch feststellen. Wie es dazu kam? Also…

Heute war die letzte Stunde des Schuljahres in dieser Klasse, da in der kommenden Woche Projekttage sind, in der Woche darauf endet der Unterricht bereits am Mittwoch, es schließen sich die lange ersehnten (und – was mich betrifft – auch wohlverdienten) Sommerferien an. Da ich meist etwas geizig mit dem Medium „Film“ im Unterricht bin (soll heißen: ich zeige selten Filme im Unterricht, allenfalls kurze, wenige Minuten dauernde Ausschnitte aus Filmen), wollte ich die Klasse in ihrer letzten Stunde belohnen.

Von Arte hatte ich eine sehr interessante Dokumentation über den Zusammenhang zwischen dem aktiven Musizieren und den neuronalen Entwicklungen beim Menschen aufgenommen. Meiner Meinung nach ein spannendes Thema. Die Schüler sahen es offensichtlich anders. Bei ca. 30 anwesenden Schülern mussten ab der Mitte des Films – da scheint die Langeweile für manche angesichts des herben Mangels an „Action“ unerträglich geworden zu sein – fast alle Jungs aufs Klo. Da ich weiß, dass man auf einer Toilette gerne mal einen längeren Plausch abhalten, auf dem Weg noch das halbe Schulhaus erkunden und alle Aushänge an allen Schwarzen Brettern lesen kann/muss, erlaube ich den Gang zur Toilette nur einzeln und nacheinander. So auch heute.

Tatsächlich benötigte einer satte acht Minuten, um die ca. 60 Meter vom Klassenzimmer zur Toilette (und die gleiche Strecke zurück) zu meistern. Aber das war zweitrangig. Mir fiel nur einfach die Zahl der Schüler auf: 11 von 30. Mehr als ein Drittel. Und ausschließlich Jungs. Einigen kaufe ich auch ab, dass sie aufs Klo mussten, anderen war klar anzusehen, dass etwas Bewegung und Ferne vom gar zu quälend bildenden Film erwünscht war.

Da aber der Beschluss, den zumindest außerhalb der Pausenzeiten meist stillen Ort aufzusuchen, in verdächtiger Nähe zum gleichen Entschluss anderer Schüler der selben Klasse erfolgte, muss ich ja eigentlich schon fast auf ein überproportional häufiges Auftreten der sog. Sextanerblase bei den männlichen Mitgliedern dieser Runde schließen. Oder wie seht ihr als meine wissenschaftlichen Kollegen das? Ich freue mich auf Kommentare…

Das Foto oben zeigt übrigens einen der schwer vom Film gezeichneten Schüler, der schon drauf und dran war, seine beiden Arme zu verlieren. Vorsichtshalber verstaute er sie in seinem T-Shirt. Immerhin blieb er so sitzen statt noch einmal zum Klo zu rennen…

 

Abgelenkt ohne Ende

Vor ein paar Wochen hatte ich zwei Unterstufen-Klassen hintereinander, jeweils eine Doppelstunde lang. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, und das mit einer erschreckenden Deutlichkeit, die mich unter anderen an der Effektivität der Grundschulausbildung, vorrangig aber auch an der Erziehung im jeweiligen Elternhaus zweifeln lassen.

Kurz zur Situation, die mich so ins erneute Nachdenken über diese schon häufiger im Kopf gewälzte Situation versetzte: Insgesamt muss ich einem überwiegenden Teil der aktuellen Unterstufenschüler leider eine weitgehende Unfähigkeit dahingehend attestieren, eine angebrachte Prioritätensetzung für die Unterrichtssituation vorzunehmen.

Was meine ich damit? Ganz einfach: Wenn mir in meiner Schulzeit (1982-1995, vor allem aber während der gymnasialen Jahre von 1986-1995) ein Lehrer den Auftrag gab, beispielsweise beim folgenden Musikbeispiel ganz genau auf ein bestimmtes Element, z.B. den Einsatz einer gerade besprochenen Spieltechnik bei einem Instrument, zu achten, dann bedeutete dies implizit für mich auch: „Stelle während des Hörens alle anderen Aktivitäten ein, konzentriere dich auf diese eine Sache, nur sie ist für die nächsten Minuten wichtig.“

Implizit deswegen, weil uns das kaum jemals ein Lehrer sagen musste. Und wenn wir gegen diese weitgehend unausgesprochenen, aber dennoch gültigen Regeln verstießen, gab es auch richtigen Ärger in Form von unmissverständlicher, sehr deutlicher und zum Teil auch harscher Lehrerschelte. Das war alles andere als angenehm, steckte aber einen glasklaren Orientierungsrahmen für uns Kinder. Und der ist wichtig.

Zurück zur Situation in den beiden Doppelstunden, die mich dazu brachten, diesen Blogeintrag zu schreiben: Zuerst einmal sind die meisten Kinder mit einem halben Schreibwarengeschäft ausgestattet. Ein derartiges Aufgebot an Farben und unterschiedlichen Arten von Stiften sowie anderem Handwerkszeug kannten wir damals nicht. Nun könnte man ja meinen, dass besonders gut ausgestattete Schüler auch besonders gut arbeiten können. Genau das Gegenteil ist meiner aktuellen Einschätzung nach der Fall, denn je mehr Equipment mit sich geführt wird, desto heftiger steigt die Wahrscheinlichkeit, dass permanent daran herumgeräumt oder -gebastelt wird. Wie oft ich manche Schüler (beiderlei Geschlechts) schon dabei beobachtet habe, wie sie innerhalb einer einzigen Doppelstunde ihre Stifte herausziehen, in einer anderen Reihenfolge wieder einsortieren, sie dann wieder herausnehmen, um sie nochmals anders einzusortieren — es ist absolut absurd!

Noch entscheidender: Es erfüllt überhaupt keinen Zweck. Es ist eine reine Beschäftigungstherapie für die Finger.

Die Aufmerksamkeit der Kinder wird dadurch ständig geteilt zwischen der eigentlichen Hauptsache, dem Unterricht (also dem Vermitteln und Erlangen von Wissen und Kompetenzen), und dem mehr als mächtigen Spieltrieb. Und es bedarf absolut keines Genies, um herauszufinden, wer hierbei üblicherweise den Kürzeren zieht. Wie sollen auch schulische Inhalte gegenüber bunten und luxuriösen Stiften (=Spielsachen) in der Aufmerksamkeit bestehen können? Das meinte ich mit der eingangs genannten „nicht erfolgten Prioritätensetzung“.

Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe der Grundschule, im Verlauf der Klassen 3 und 4 den Kindern eine konzentrierte Arbeitshaltung beizubringen. Doch das findet anscheinend immer weniger statt. Ich sehe meine Äußerungen hier nicht in erster Linie als Kritik an den Grundschullehrern, denen in den letzten Jahren immer mehr grundlegende Erziehungsaufgaben zugeschustert wurden, die eigentlich die Eltern/Familien zu übernehmen hätten. Dennoch gehört das Fit-Machen für die weiterführenden Schulen in den Aufgabenbereich der Grundschulen. Und dieser Aufgabe werden sie — ob entschuldigbar oder nicht — einfach nicht mehr in vollem Ausmaß gerecht. Wenn ich mich an meinem Gymnasium im Lehrerzimmer umhöre, teile ich diese Meinung ganz offensichtlich mit einer sehr großen Anzahl von Kolleginnen und Kollegen.

Zurück zur konkreten Unterrichtssituation: An besagtem Tag vor ein paar Wochen gab es tatsächlich ein kurzes Hörbeispiel, dem konzentriert gelauscht werden sollte, um danach konkrete Aussagen über mehrere vorher von mir bestimmte Charakteristika tätigen zu können. Während dieses kurzen Hörbeispiels fielen gefühlt fünf Scheren und zehn Stifte an unterschiedlichen Punkten im Klassenzimmer herunter.

Wie bitte konnte das passieren? (Ja, die Schwerkraft, ich weiß. Schlauberger sitzen bei mir übrigens gleich in der letzten Reihe und werden aus Prinzip nicht aufgerufen. Basta!)

Die Frage ist aber wirklich ernst gemeint. Denn bei einem derart konkreten Hörauftrag gab es eigentlich für niemanden in der Klasse einen Anlass, die Schere herauszuholen, noch viel weniger einen, damit herumzuspielen, und noch einmal weniger einen, so fahrlässig damit zu hantieren, dass das Teil auch noch herunterfällt. Gleiches gilt für die Stifte, denn ich hatte vorher speziell darauf hingewiesen, dass es unnötig sei, sich Notizen zu machen, weil das Ergebnis am Ende ohnehin an der Tafel für alle notiert würde und dann abgeschrieben werden müsste.

Und dennoch taten es offensichtlich eine ganze Reihe von Schülern. Problematisch ist die Sache für mich deswegen, weil ich, um dieses nervige Verhalten abzustellen, jeglichen Unterrichtsfluss aufgeben müsste. Konsequent wäre es, ein paar Stunden lang jeden Schüler, der so etwas bringt, einen ein- oder zweiseitigen Aufsatz schreiben zu lassen, warum dieses Verhalten nicht angebracht ist. Eventuell käme dann eine gewisse Einsicht in die Köpfe. Andererseits ist das schlicht und einfach nicht realistisch, denn am Ende bekäme ich von der Mehrzahl aller Unterstufenschüler über kurz oder lang mindestens einen solchen Aufsatz (und es fühlt sich an, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen).

In der Stunde bei einer Parallelklasse, achtete ich von Anfang an darauf, dass dieses ständige Herumspielen nicht gleich wieder einriss, aber als ein einziger Lehrer befand ich mich gegenüber ca. 30 vom Spieltrieb erfassten Frühpubertierenden auf einem recht schwachen Posten.

Noch etwas war anders: Ich zeigte den Kindern einen Filmausschnitt, in dem es um die Aufgaben eines Dirigenten beim Proben mit einem Orchester ging. Es gab eine konkrete Aufgabenstellung, um Ruhe und Konzentration hatte ich gebeten. Mit wenigen Ausnahmen (klar, wenn Musik gespielt wird, muss man doch mit zwei Stiften bei voller Lautstärke im Rhythmus gegen die Tischkante schlagen, oder? Oder?) wurde diese auch eingehalten.

Doch dann passierten drei Dinge, die mir schlagartig die Lust auf ein weiteres Ansehen von Dokumentationen in dieser Klasse dämpften:

  1. Zuerst klatschte die ganze Klasse beim Anfangs-Applaus im Film mit. Wozu? Es handelte sich schließlich um einen Film (noch dazu eine Dokumentation), kein Live-Konzert. Geht der Herdentrieb bei den Gymnasiasten mittlerweile soweit, dass man stupide solche Aktionen ausführen muss, ob es nun passend ist oder nicht?
  2. Dann legte ein Mädel aus der letzten Reihe beide Beine (Schuhe natürlich noch an den Füßen) auf ihren Tisch, rutschte mit ihrem Gesäß vor zur Stuhlkante und benahm sich wie in ihrem eigenen Wohnzimmer. Ich wies sie zurecht, sie folgte widerwillig. Aber: So etwas erzeugt Unruhe, stört alle anderen im Raum — und ist völlig unnötig, da von vornherein jedem Schüler hätte klar sein müssen, dass dieses Verhalten inakzeptabel und unangemessen ist. („Hätte, hätte, Fahrradkette…“)
  3. Dann fragte sie mich mehrfach innerhalb eines maximal fünf Minuten dauernden Zeitfensters, wann denn der Film „endlich“ vorbei sei. Und erboste sich lautstark, als ihr am Ende auffiel, dass ich mich beim ersten Schätzen (warum ich ihr überhaupt eine Antwort gegeben habe, ist mir jetzt schleierhaft) um ca. eine Minute verschätzt hatte… Da fehlen mir schon fast die Worte.

Aber nur fast, deswegen könnt ihr gerade diese Zeilen lesen. Ich will nicht über Gebühr lamentieren, es gibt genügend Klassen, in denen Unterricht „ganz normal“ funktioniert, manchmal geht das sogar bei diesen Klassen. Gleichzeitig fühlt man sich als Gymnasiallehrer immer häufiger in die Rolle eines Dompteurs versetzt: Sind die Kunststückchen toll, macht die Klasse gut mit, sind sie nicht ganz so aufregend, verliert man sofort den Kampf gegen die Buntstifte und andere Spielsachen (von Handys und Smartphones fange ich gar nicht erst an). Über die Benotung kann man das regeln, es hinterlässt aber immer einen schalen Geschmack — und hält bei den wenigsten lange vor. Andererseits müssen alle Schüler lernen, sich bei einer konkreten Aufgabenstellung auf diese (und nichts anderes) zu konzentrieren. Und ich werde sie immer weiter triezen, dies zu tun. Basta!

 

Graham Candy: Holding Up Balloons

Vor ein paar Tagen empfahl ein Blogger namens Reissnadel einen neuseeländischen Musiker namens Graham Candy. Er (oder sie) schilderte die faszinierende Stimme und die interessante Musik so eindrücklich, dass ich mir das Video des Titelsongs („Holding Up Balloons“) auf YouTube ansah.

Dieser Song fing meine Aufmerksamkeit aus mehrerlei Gründen ein, weshalb ich flugs in den iTunes-Store ging (nicht zu Fuß) und eben diese EP für 2,99 € kaufte und lud.

Was faszinierte mich denn daran? Ganz einfach:

  • Die Musik ist Pop vom Feinsten, sie ist einfach strukturiert, geht gut ins Ohr, hat dennoch genügend Kniffe, um interessant zu bleiben, auch nach mehrmaligen Hören…
  • …und dann ist da die Stimme von Graham Candy. In den letzten Jahren ist mir immer mehr aufgefallen, dass im Pop-Bereich („Pop“ hier als Oberbegriff für mehr oder weniger alle populären Stilrichtungen) die Frauen immer tiefer singen, eigentlich schon in der Männerlage, wohingegen die Männer immer höher singen, häufig weit über dem Bereich, den man einem Tenor zumuten würde (Sting sang bereits während seiner Zeit bei The Police ausdauernd bis über das „hohe C“ hinaus, das als die magische Obergrenze der Tenorstimme zählt). Graham Candy setzt diesen Trend fort. Ich sah im Video den Mann durch das Video laufen und glaubte allen Ernstes, eine Frauenstimme zu hören. Wer das nicht glaubt, möge sich bitte sofort das Video ansehen.

Beides höchst interessant. Das werde ich in meiner nächsten Pop-/Rock-Sequenz verbraten.

An dieser Stelle vielen Dank an Reissnadel für den Tipp, von allein wäre ich nie darauf gekommen!

 

Erinnert sich noch jemand…?

Erinnert sich noch jemand an die blaue Latein-Grammatik, die wir in Bayern am Gymnasium vor ca. 20 Jahren noch alle benutzen mussten? Ich meine dieses dicke Buch mit dem am Rand blau eingefärbten Mittelteil voller unregelmäßiger Verben, die man im Laufe einiger Gymnasialjahre allesamt auswendig lernen musste. Wer sich noch daran erinnert, musste vermutlich auch durch diese harte Schule. Und – hat uns das geschadet? Nein. Zugegeben, es war in gewisser Weise voll für die Katz, denn ich mache heute absolut gar nichts mehr mit Latein. Das heißt aber nicht, dass es mir nicht geholfen hat.

Ganz im Gegenteil. Dieses sture Auswendiglernen hat mir dabei geholfen, das Lernen zu lernen. Nicht in einem neumodischen Sinn, als Schulfach, bei dem einem ein Lehrer das methodische Vorgehen beim Lernen erklärt. Ich halte das –– ganz ehrlich –– für ziemlichen Humbug. Der Misserfolg beim Lernen, mit dem viele Schüler konfrontiert sind, kommt heutzutage meiner Einschätzung nach vor allem daher, dass:

  • in der Regel viel zu kurzfristig gelernt wird –– anstatt in einer Sprache jeden Tag ein bisschen zu lernen, quetschen die meisten Schüler ihr Lernpensum auf einen Tag zusammen, üblicherweise handelt es sich um den Nachmittag bzw. den (z.T. späten) Abend vor dem Tag, an dem man das Fach wieder hat. Im allerschlimmsten Fall steht am nächsten Tag die Prüfung an (dass das nichts werden kann, leuchtet allen Schülern bei Nachfrage ein, am Verhalten ändert dieses Wissen ganz offensichtlich nichts…)
  • mit Musik (oder sogar bei laufendem Fernseher) gelernt wird –– ich bin mir durchaus bewusst, dass es ganz selten Umstände gibt, bei denen die Musik einen förderlichen Einfluss auf den Lernerfolg haben kann. Im Normalfall halte ich aber jegliche Ablenkung parallel zum Lernvorgang für abträglich. Nicht ganz umsonst hat meine Generation regelmäßig mit Ohropax gelernt. Wie soll unser Gehirn sich denn auf einen Inhalt konzentrieren können, wenn permanent neue (und im Fall von Musik und Fernsehen viel verlockendere) Inhalte auf unsere Sinnesorgane einstürmen?
  • parallel Twitter und/oder Facebook (oder andere soziale Netze) offen sind. Wenn man ständig mit einem Auge auf die Timeline schielt, zieht man 20-30 Prozent der Aufmerksamkeit vom Lernen ab. Und genau diese Prozente fehlen dann bei der Reproduktion. Eine ganz einfache Rechnung. Ein „Like“ der Freunde bei Facebook entspricht zu keinem Zeitpunkt einem „Like“ des Lehrers unter der nächsten Mathearbeit.
  • es den Schülern schlicht und einfach an Sitzfleisch fehlt. Nicht im physiologischen Sinn. Ich meine das Sitzfleisch hier mental. Wer meint, dass nach zehn Minuten Vokabellernen doch schon das meiste der drei Din A4-Seiten sitzen müsste, weil man doch alles schon ein- oder zweimal durchgelesen habe, der glaubt vermutlich auch, dass das einmalige Durchlesen direkt vor der Prüfung genügt, um die volle Punktzahl zu erreichen.

Diese Liste könnte ich auch noch erweitern, möchte mich aber auf den Kern der Sache konzentrieren. Als Lehrer bin ich seit nunmehr elf Jahren tätig. Ich habe in dieser Zeit verschiedene Schulen, etliche Klassen, viele Einzelschicksale und mehrere Lehr-/Bildungsplanänderungen miterlebt. Auffällig ist dabei vor allem eines: Die früheren Nebensachen der Schule –– Klassenfahrten, Ausflüge, der zwangsläufige Eventcharakter jedes Aspekts des Schullebens, die mit viel Zeitaufwand gestaltete Verzierung der Hefteinträge sowie der Klassenzimmer etc. –– sind längst zur Hauptsache geworden. Die frühere Hauptsache –– das Lernen, die Struktur, die Zielstrebigkeit –– sind längst zu einem Nebenschauplatz degradiert worden. Kurz vor dem Abitur merken dann alle, dass es ja doch nicht so schlecht wäre, mal etwas zu tun. Entsprechend groß ist der Stress, übertroffen nur noch von der Jammerei über denselbigen.

Ich schreibe diese Zeilen ohne einen speziellen Schüler oder eine Gruppe von Schülern vor meinem geistigen Auge. Etliche Ausnahmen, die mir ebenfalls sofort einfallen, bestätigen aber eher diese Regel. Wer selbst noch die Schule besucht, kann ja einmal die Probe aufs Exempel machen: Mit einer Stoppuhr abzählen, wieviel Zeit Schüler (vor allem der unteren Klassen) auf die graphische Gestaltung eines Hefteintrags verwenden –– im Vergleich dazu, wieviel Zeit später auf das Wiederholen bzw. Lernen des gleichen Hefteintrags verwendet wird. Wenn ich eine Überschrift an der Tafel stehen habe und beginnen möchte, drei kompakte Lernsätze in die Hefte zu diktieren, muss ich meist noch eine Extra-Minute warten, bis auch die letzten die Überschrift unterstrichen und farbig hervorgehoben haben…

Das Schönschreiben (vor allem das leserliche Schreiben) ist eine nicht zu unterschätzende Tugend, wichtiger ist meiner Meinung nach aber eindeutig der Lernerfolg. Und der wird durch den massiven Zeitaufwand beim Ausmalen von Buchstaben nicht gesteigert (zumindest nicht in einem Maß, das diesen Aufwand rechtfertigen würde).

Mein Appell an alle Kollegen, Schüler, deren Eltern und Freunde: Konzentriert euch wieder auf das eigentlich zentrale Thema der Schule: Lernen. Dazu mag auch gehören, mal etwas auswendig zu lernen. Das kann dauern. Das fühlt sich möglicherweise unangenehm an. Aber es trainiert das Gehirn –– und das freut sich darüber, gebraucht zu werden.

Ich hasse es, wenn mir jemand den moralisch erhobenen Zeigefinger hinhält, aber das Motto „Ohne Fleiß kein Preis“ besteht nicht ganz ohne Grund. Amen.