Ein paar Gedanken zum Twexit

Twitter verliert seit einiger Zeit immens an Charme, zumindest für mich. Einerseits gibt‘s da wirklich haufenweise sehr nette Leute, auf deren Interaktionen ich eigentlich gar nicht verzichten möchte, andererseits treiben sich auch unglaublich viele Trolle herum, deren einziges Ziel darin zu bestehen scheint, anderen Menschen das Leben schwer zu machen.

Darüber hinaus ist Twitter in den letzten Jahren zu einem politischen Schlachtfeld geworden, der Tonfall ist hierbei grundsätzlich sehr aggressiv, es gibt nur „Freund oder Feind“, was mir nicht taugt. Gerade in dieser Hinsicht ist es erstaunlich und verstörend zu sehen, dass manche kleinen Accounts für einen nicht gelungenen Scherz gleich gesperrt werden, während Donald Trump eine Lüge nach der anderen und haufenweise Beleidigungen raushauen kann, ohne dass ihm die gleiche Konsequenz drohen würde. Da wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen. Das muss man sich eigentlich nicht antun.

Nun kam es in der letzten Woche zum ersten wirklich großen Schritt der Twitter-Macher, den Drittanbieter-Apps (wie Tweetbot) das Leben schwer zu machen, indem die API eingeschränkt wurde. Außerdem wurde für den 10. September angekündigt, nur noch gegen drastische Kosten für die Betreiber der separaten Twitter-Apps die Funktionalität für eine ausreichend große Nutzermenge zur Verfügung zu stellen. Der Hintergrund ist ganz klar: Twitter verdient vor allem an der Werbung, die aber z.B. in Tweetbot nicht angezeigt wird. Das hat mir immer sehr gut gefallen, weshalb ich auf allen Geräten nur mit dieser App Twitter erlebt habe. Durch die harschen Einschränkungen möchte Twitter die Nutzer zwingen, zunehmend zur originalen Twitter-App zurückzukehren.

Um die Sache abzukürzen: Ich werde meinen Twitter-Konsum stark einschränken, eventuell sogar ganz einstellen. Am Mittwoch habe ich meine aktive Zeit auf Twitter beendet, bin fast allen Einzelpersonen entfolgt und ich lese nun nur noch einmal am Tag (oder seltener) die Tweets der Nachrichtenportale und Zeitungen (sowie der wenigen verbliebenen Einzelpersonen). Mein ganz persönlicher Twexit. Da ich aber Gefallen daran gefunden habe, Neuigkeiten zeitnah und aus verschiedenen Quellen zu lesen und auch diverse virtuelle Bekanntschaften zu pflegen, habe ich mich nach Alternativen umgesehen – und auch zwei gefunden.

Alternative 1: Reddit

Bereits vor ein paar Monaten, genauer gesagt kurz nach der offiziellen Ankündigung, ab August die Drittanbieter-Apps für Twitter massiv einzuschränken, habe ich mir Reddit genauer angesehen – und gar nicht wenig Gefallen daran gefunden. Das hat seine Gründe:

  • Bei Reddit abonniert man Kanäle, sog. Subreddits, die jeweils genau einem Thema (und eben keinem anderen) gewidmet sind. Bin ich zum Beispiel an Neuigkeiten zum Thema „iPhone“ interessiert, abonniere ich das entsprechende Subreddit (in diesem Fall r/iPhone), analog verhält es sich mit so ziemlich jedem anderen Themengebiet. Das gefällt mir sehr gut, denn so landet nur wenig in meinem Feed, das mich nicht interessiert.
  • Reddit-User können in der Gunst der anderen Nutzer jederzeit steigen oder fallen: Alle Reddit-User starten mit einer „tabula rasa“, sie sind ein völlig unbeschriebenes Blatt. Je nach Aktion, also eigene Postings, Antworten auf andere Postings, Up-/Downvotes bestehender Postings etc. können sie sog. Karma-Punkte sammeln. Je mehr Karma-Punkte ein User hat, desto stärker wird er in der allgemeinen Aufmerksamkeit gepusht. Schreibe ich also als kompletter Neuling etwas, landet das so ziemlich bei niemandem im allgemeinen Feed (ist es eine Reaktion auf einen bestehenden Post, sehen das alle, die die Interaktion betrachten). Im Lauf der Zeit sammelt man Stück für Stück Punkte – es sei denn, man verhält sich wie ein Arsch, dann wird man von vielen anderen abgewertet, so steigt man nicht in der allgemeinen Wahrnehmung (was auch gut ist) – dann wird man in zunehmendem Maße wahrgenommen. Ich halte das für ein ziemlich gutes System, denn die grundsätzlich basisdemokratische Anlage (jeder User hat eine Stimme, mit der Up-/Downvotes vorgenommen werden können) verhindert, dass man sich permanent wie die „Axt im Walde“ verhalten kann (wie gesagt, man kann schon, dafür verliert man dann aber mit Sicherheit Karma-Punkte und somit über kurz oder lang Relevanz).
  • Der Feed, den Reddit mir also anzeigt, wenn ich die App öffne, besteht nun also aus Postings der von mir abonnierten Subreddits, die Sortierung ist im Standardfall jedoch alles andere als chronologisch, da ja – wie gerade erläutert – die Beiträge von Usern mit vielen Karma-Punkten bzw. Beiträge mir vielen Upvotes automatisch an die Spitze des Feeds sortiert werden. Das ist interessant, wenn man an den aktuellen Trends interessiert ist.

    Tja, hier sieht man, dass die Chronologie eindeutig nicht im Fokus steht...
    Tja, hier sieht man, dass die Chronologie eindeutig nicht im Fokus steht…
  • Glücklicherweise kann man Feed auch einfach umsortieren lassen, was ich zu meiner Schande erst beim Schreiben dieses Artikels entdeckt habe… Zur Verfügung stehen einige Optionen: Best für die am stärksten bewerteten Postings, Hot für die aktuell von den meisten Usern diskutierten Themengebiete, New für eine chronologische Sortierung, Top für die Beiträge mit den meisten Interaktionen (der Unterschied zu Hot will sich mir nicht ganz erschließen) und Controversial für Beiträge mit stark divergierenden Meinungen. Gerade bei politischen Themen ist letzte Option sicher höchst interessant. Seit heute wähle ich New als Standard, vorher war Best als Voreinstellung ausgewählt – was man nicht alles lernt…

    Die Möglichkeiten zum Sortieren des Feed, da bleiben kaum Wünsche offen.
    Die Möglichkeiten zum Sortieren des Feed, da bleiben kaum Wünsche offen.

Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile, die mir in den letzten drei Monaten durchaus aufgefallen sind – und aufgrund derer ich mir noch eine weitere Alternative angesehen habe:

  • Die Nutzer (sog. „Redditors“) können bisweilen sehr rechthaberisch und aggressiv sein. Einmal habe ich einen Post losgelassen, in dem ich mich positiv über die von mir benutzten Werbe-Blocker-Apps (iOS) äußerte. Die Antworten schwankten von (a) Dank für die Tipps über (b) die Behauptung, ich würde damit die gedruckten Zeitungen zugrunde richten (lustigerweise zahle ich monatlich für das Online-Abo unserer Lokalzeitung), bis hin zu (c) Attacken auf mein mangelndes technisches Verständnis. Selbst als ich bezüglich (c) schon zugegeben hatte, kein Experte auf dem Gebiet zu sein, schoben ein paar Nutzer noch mehrere Antworten nach, in denen sie kräftig verbal „hinlangten“. Das macht dann doch eher wenig Spaß, allerdings wird einem das vermutlich in jedem sozialen Netzwerk früher oder später passieren.
  • Im Feed werden immer wieder Werbe-Postings (zum Glück deutlich als „Sponsored“ markiert) angezeigt. Diese sind recht häufig (alle paar Scroll-Seiten) und können nicht ausgeblendet werden. Das ist kein Drama, irgendwie müssen die sich ja auch finanzieren, dennoch mag ich grundsätzlich keine Werbung (vor allem, wenn mich immer wieder die gleiche stumpfsinnige Werbung „anlacht“).

    Deutlich gekennzeichnet, aber eben auch sehr präsent.
    Deutlich gekennzeichnet, aber eben auch sehr präsent.
  • Ganz ähnlich ist es mit den Empfehlungen: Einerseits sind Empfehlungen für thematisch benachbarte Subreddits sicherlich für viele User ein guter Anlaufpunkt, um sich weiter in das Netzwerk zu vertiefen. Wenn ich aber mit meinem Themenkörbchen so zufrieden bin, nervt es irgendwann, jeden Tag mehrfach auf „interessante Subreddits“ hingewiesen zu werden.

    Die werden mir ziemlich oft angezeigt, spätestens nach dem zehnten oder fünfzehnten Ignorieren sollte es klar sein, dass ich kein Interesse daran habe...
    Die werden mir ziemlich oft angezeigt, spätestens nach dem zehnten oder fünfzehnten Ignorieren sollte es klar sein, dass ich kein Interesse daran habe…
  • Nicht selten kommt es vor, dass Postings (oft auch gute) von anderen Leuten aufgegriffen und immer wieder neu verbreitet werden. Häufig positiv bewertete Beiträge werden (je nach Sortierung des Feed) unter Umständen ganz nach oben sortiert, also kann es passieren, dass man über mehrere Tage hinweg immer wieder über die gleichen Postings stolpert. Ab einer gewissen Wiederholungszahl wird‘s langweilig. – Wie schon geschrieben: Stellt man auf die chronologische Ansicht um, fällt das Problem weg, leider habe ich sehr lange gebraucht, um das zu checken…
  • Insgesamt missfällt mir an Reddit am meisten, dass es ein enorm unpersönliches soziales Netzwerk ist. Damit meine ich, dass mir kein einziger Nutzer aufgefallen wäre, mit dem ich mehr als einmal kommuniziert hätte (abgesehen von den oben erwähnten aggressiven Typen, die noch mehrfach nachtreten mussten, als ich zugab, kein Experte für etwas zu sein… – darauf kann ich aber gerne verzichten). Die schiere Menge der Nutzer hat bislang keinen „echten“ persönlichen Austausch ermöglicht.

Mein persönliches Fazit: Reddit taugt mir, aber ich benutze es eher als eine Art Informationsquelle, weniger als soziales Netzwerk. Darin ist Reddit wirklich gut, gerade die chronologische Sortierung ist ein sensationell einfacher Weg, die Neuigkeiten sinnvoll geliefert zu bekommen. Für den schnellen und persönlichen Austausch zwischen Nutzern scheint es mir jedoch nicht das geeignete Medium zu sein.

Alternative 2: Mastodon

Zugegeben, der Name ist sperrig, er „flutscht“ nicht so richtig beim Aussprechen, dafür verbirgt sich dahinter eine recht junge (Mastodon gibt es erst seit gut zwei Jahren) und äußerst freundliche Community, die ich gerade einmal vor vier oder fünf Tagen für mich entdeckt habe. Im Gegensatz zu Twitter, das komplett zentralistisch aufgebaut ist, also nur über die Server des Mutterkonzerns läuft, ist Mastodon komplett dezentralisiert. Über viele einzelne Knotenpunkte im Netz, die dafür alle miteinander vernetzt sind, spannt sich ein im Vergleich zu Twitter (hinsichtlich der Nutzerzahlen) noch sehr überschaubares Netzwerk. Aber es gibt einige fantastische Vorzüge, die mir einleuchtete und mich schließlich dazu verleiteten, mich dort anzumelden und mich umzusehen:

  • Es gibt keine Werbung, da auch kein Mutterkonzern daran etwas verdienen könnte. Das entschlackt massiv den Feed (ich sehe es aktuell im täglichen Vergleich mit Reddit).
  • Das Konzept kombiniert den grundsätzlich zu begrüßenden OpenSource-Gedanken mit einer Vielzahl zur Verfügung stehender Endnutzer-Apps für alle nennenswerten Betriebssysteme – selbst auf den exotischsten Systemen kann man Mastodon einfach über den Browser benutzen. Für meine iOS-Geräte habe ich die App Tootdon gefunden (zusammengesetzt aus Toot, dem Pendant zum Tweet, und don, der Schlusssilbe von Mastodon), die kostenfrei verfügbar, sehr stabil und schick ist.
  • Die Anzahl der Nutzer ist international schon völlig unüberschaubar für den einzelnen Mitnutzer, doch auf einer Instanz, also einem Netzwerkknotenpunkt, sind nur eine begrenzte Zahl User angemeldet. Den Feed dieser Instanz, in meinem Fall die Mastodonten.de kann man sich in der App gesondert anzeigen lassen – so sieht man alle Interaktionen, die da ablaufen. Gleichzeitig kann man sich das gesamte Fediverse, also die Gesamtheit aller weltweit verfügbaren Instanzen, anzeigen lassen. Dabei fliegen einem unzählige Toots in einem wahnsinnigen Tempo um die Ohren – die Community brummt nur so!
  • Bevor die Sache zu technisch wird: Alles in allem funktioniert Mastodon wie ein soziales Netzwerk, mit den technischen Details muss man sich als Nutzer nur sehr selten befassen (einmal bei der Einrichtung, später nur, wenn man z.B. von einer Instanz zu einer anderen umziehen möchte, was aber meiner bisher noch recht oberflächlichen Meinung nach nicht erforderlich ist). Die technischen Aspekte werden von der App erledigt, ansonsten benutzt man die Apps einfach. Der Spaß kann beginnen.
  • Jede Instanz wird betreut und moderiert, es gibt Regeln. Wer gegen die Regeln verstößt, kann auch rausgeworfen werden. Bislang habe ich auf Mastodon aber noch niemanden entdeckt, der sich in einem negativen Sinne auffällig verhalten hätte. Wenn doch, kann man jemanden stumm schalten, blockieren oder – in schlimmen Fällen – melden.

Wie schon gesagt, ich bin erst seit ein paar Tagen dabei, bislang ist es ein wundervoll friedlicher Platz voller neugieriger und auf angenehme Weise kommunikativer Menschen. Spätestens zum Beginn des Schuljahres werde ich ohnehin viel weniger Zeit in der virtuellen Welt verbringen, dann füllen sich die Tage ganz ohne mein Hinzutun wie von selbst…

Kein missionarischer Eifer

Mir ist es wichtig, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass dieser lange Text nur meine eigene Sicht auf die Situation darstellt und meine Entscheidungen erklären bzw. verdeutlichen soll. Ich habe keinerlei Problem mit Menschen, die Twitter nach wie vor als „ihr Ding“ empfinden und dort glücklich sind. Niemand wird von mir hören: „Komm auch zu Mastodon, da ist es viel besser!“

Wenn jemand durch meinen Blog-Eintrag auf die Idee gekommen ist, sich die Sache einmal aus der Nähe anzusehen: Bitte, nur zu, es kostet nichts (außer ein wenig Zeit und Speicherplatz)! Wenn es jemanden jedoch völlig kalt lässt (gut, dann wird der-/diejenige auch nicht bis hier gelesen haben): Auch gut! Missionarischen Eifer brauche ich nicht zu entwickeln.

Wer mal reinguckt bei Mastodon findet mich dort unter @sebastianhahn@mastodonten.de, bei Reddit bin ich u/SebastianHahn. Schaut vorbei und sagt: „Hallo!“

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Entspannungsprogramm: „MacGyver“

Die Ferien sind zum Entspannen da, mit jedem Jahr, das ich meiner Biographie hinzufüge, merke ich das deutlicher. Unterlasse ich das Erholungsprogramm, werde ich fürchterlich unausgeglichen, und das will keiner in meinem Umkreis erleben (am wenigsten ich selbst).

Auch in der Schulzeit gehört die Zeit, wenn die Kinder in ihren Zimmern verschwunden sind, in der Regel nur meiner Frau und mir. Nach einem ereignisreichen Tag gibt es nichts entspannenderes als ein bisschen „Nostalgie-Fernseh-Kiffen“, wie es Michael Mittermeier in einem seiner Programme so schön auf den Punkt gebracht hat. Konkret heißt das: Wenig neue Serien, viele alte und bereits bekannte Inhalte, z.B. Star Trek, Babylon 5, Dr. House, The Big Bang Theory, Columbo, Monk, dank Zeilenende auch Eureka, demnächst folgen noch alle Folgen von Akte X (die kenne ich persönlich noch gar nicht) und eventuell schaffen wir es auch einmal über die erste Staffel von Breaking Bad hinaus…

Das Muster ist auf jeden Fall klar erkennbar: Folgen mit überschaubarer Länge (maximal 40-45 Minuten), die der abendlich ermüdeten Aufmerksamkeitsspanne angemessen sind. Und oft sind uns die Serien schon derart bekannt, dass es eben nicht mehr auf jedes Detail ankommt. Da kann man dann nebenbei am iPad oder iPhone etwas zocken, die Twitter- oder WordPress-Timeline nachlesen, mit Bekannten über iMessage kommunizieren, noch den kommenden Song des Tages vorbereiten oder einfach etwas Süßes (oder anderen Knabberkram) genüsslich in sich hineinstopfen. Das ist in höchstem Ausmaß entspannend.

Aktuell haben wir uns neues Futter besorgt: Für knapp 40 Euro gab es bei Amazon die Komplettbox aller MacGyver-Folgen. Früher habe ich davon nur ein paar wenige tatsächlich im Fernsehen genossen, doch das Grundprinzip ist ja immer gleich: Angus MacGyver ist immer und überall klar der Gute, seine Freunde sind auch die Guten, alle anderen müssen entweder in Not oder die Bösen sein. Typisches „Kalter Krieg“-Fernsehen halt. Aber entspannend.

Im Moment das allabendliche Entspannungsprogramm: „MacGyver – Die komplette Collection“ auf 38 DVDs.
Im Moment das allabendliche Entspannungsprogramm: „MacGyver – Die komplette Collection“ auf 38 DVDs.

Da es sich um 38 DVDs handelt, kommt ein ganz schön dickes Paket zusammen. Zum Glück dachte sich die Hersteller-Firma wohl: Nicht kleckern, klotzen:

Ein wirklich dickes Paket DVDs – zum Glück in einer wirklich amtlichen Verpackung, was den Genuss massiv erhöht!
Ein wirklich dickes Paket DVDs – zum Glück in einer wirklich amtlichen Verpackung, was den Genuss massiv erhöht!

Ganz besonders vorbildlich: Die DVDs sind so untergebracht, dass man nicht erst eine andere herausnehmen muss, um an die halb darunter versteckte zu kommen (ist z.B. bei der Komplettbox von Dr. House der Fall). Außerdem ist gleich im frisch aufgeschlagenen Plastikgehäuse (das übrigens sehr stabil ist, wieder ein sehr zu lobender Punkt) eine Liste aller Folgen aller DVDs so untergebracht, dass man auf einen Blick die gesuchte DVD oder Episode findet:

So gehört sich das: Ein Blick – und man hat's gefunden! Da hat wirklich mal jemand mitgedacht.
So gehört sich das: Ein Blick – und man hat’s gefunden! Da hat wirklich mal jemand mitgedacht.

Es ist wirklich ein absolutes Vergnügen, da die nächste DVD aus dem Schuber zu nehmen. Bei mancher anderer Serie war das wirklich ein ganz und gar ungeliebter Akt: Erst einmal aufstehen (bäh), zum DVD-Player laufen (bäh), den DVD-Player dazu bringen, die Klappe auszufahren (gähn), die alte DVD herausnehmen und im Schuber verstauen (mäh), die neue DVD unter einer anderen DVD herausfischen (bähbäh), einlegen und starten. Nicht so bei MacGyver: DVD-Player auf, DVD raus und an die eine richtige Stelle im Schuber packen, nächste DVD greifen, einlegen und los.1

Langer Rede kurzer Sinn: Für diesen Sommer ist MacGyver ein geradezu perfektes Entspannungsprogramm für uns. Die Kinder mögen die Serie nicht allzu sehr, sodass wir ganz von allein Ruhe dabei haben. Perfekt!

  1. Ich gebe zu, das ist „ganz leicht manipulierend“ dargestellt…

Trumps zweite Amtszeit

Heute mal noch eine kleine politische Prophezeiung: Ich bin mir relativ sicher, dass es hinsichtlich des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika eine von zwei Meldungen geben wird: Entweder wird Donald Trump ziemlich bald seines Amtes enthoben (aus meiner persönlichen Sicht heraus wünschenswert, aber derzeit nicht ernsthaft zu erwarten), oder er schafft es tatsächlich in eine zweite Amtszeit.

Den ersten Punkt muss ich nicht elaborieren, denn durch die Medien geistern täglich neue Meldungen über Fehltritte und (mehr oder weniger grobe) Schnitzer des Präsidenten. Kombiniert man das noch mit den Anschuldigungen hinsichtlich seiner vielen Russland-Verbindungen, die in der amerikanischen Seele ja immer noch eine ganz bestimmte Glocke zum Klingen bringen, müsste es eigentlich langsam sehr eng werden – ob es das wirklich tut, wird die Zeit zeigen müssen. Bislang habe ich nicht den Eindruck.

Erstaunlich ist nur, dass die Republikaner noch nicht gemerkt haben, dass sie im Falle eines erfolgreichen Impeachment Trumps als seine Steigbügelhalter ebenso „den Bach runter gehen“ würden wie ihr ungeliebter Präsident. Von den Demokraten erwarte ich im Moment nicht wesentlich mehr als das, was sie aktuell tun: Nichts bzw. fast nichts. In den ersten Wochen nach der Wahl konnte man das durchaus einer gewissen Schockstarre zuschreiben, mittlerweile ist es schlicht unentschuldbar. Trotzdem bekommen sie keine gerade Linie in ihren Widerstand gegen die aktuelle Regierung – echte „Opposition“ sieht anders aus.

Aber für den Moment möchte ich einfach mal davon ausgehen, dass es kein erfolgreiches Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump geben wird. Und für diesen Fall rechne ich mittlerweile mit einer zweiten Amtszeit. Das klingt vielleicht etwas provokant, ich habe aber Gründe, die ich nun darlegen möchte.

Pro-Trump-Wähler leben in ihrer eigenen Welt

Ein Großteil der Trump-Wähler ist schlicht und einfach nicht gebildet genug, um die platten Statements als das zu erkennen, was sie sind: heiße Luft. In diversen in- und ausländischen Nachrichtenformaten wurde nach 100 Tagen Amtszeit zusammengefasst, was von Trumps angekündigten Veränderungen umgesetzt wurde: Nichts (siehe Bild unten). Bei seinen überzeugten Wählern hat dies jedoch keinerlei Auswirkungen gehabt, ihre Unterstützung ist im weiterhin sicher. Der Grund liegt auf der Hand: Er erzählt ihnen genau, was sie hören wollen. Die Umsetzung der vielen Versprechen ist mittlerweile gar nicht mehr nötig, nur versprochen muss es werden, garniert mit einem zünftigen „Make America GREAT AGAIN!“

Tweets wie diese geistern bereits seit Wochen täglich durch alle „sozialen“ Medien.
Tweets wie diese geistern bereits seit Wochen täglich durch alle „sozialen“ Medien.
Genau genommen hat Donald Trump aber auch noch nicht wirklich etwas auf die Beine stellen können in seiner Amtszeit – in dieser Hinsicht bleibt er weit hinter seinen vollmundigen Versprechungen zurück.
Genau genommen hat Donald Trump aber auch noch nicht wirklich etwas auf die Beine stellen können in seiner Amtszeit – in dieser Hinsicht bleibt er weit hinter seinen vollmundigen Versprechungen zurück.

Postfaktische Neuigkeitsblasen

Wir sind definitiv im Zeitalter des Postfaktischen angekommen. Damit meine ich nicht nur die einzelnen Nachrichtensender, die ausschließlich positiv über den Präsidenten und seine Parteikollegen berichten. Mir geht es eher um die auf den jeweiligen Nutzer maßgeschneiderten News-Bubbles, wie sie die modernen sozialen Netzwerke erlauben. Neuigkeiten, die einem nicht in den Kram passen, werden stumm geschaltet („mute“) oder der Verfasser gleich ganz geblockt. Noch nie war es so einfach, sich eine eigene Welt voll von ausschließlich „genehmen“ Nachrichten zu basteln. Bereits vor Jahren (zu Zeiten der „Tea-Party“ um Sarah Palin) war das deutlich erkennbar, doch das Ausmaß ist derart angewachsen, dass es immer schwerer wird, zu den Menschen innerhalb einer solchen maßgeschneiderten Blase von Neuigkeiten, die derjenige an sich heranlässt, vorzudringen. Und wenn ein absoluter Trump-Anhänger sich so seine eigene Realität einmal gebastelt hat, ist es schier unmöglich, ihn oder sie wieder mit rationalen Argumenten auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Beweis gefällig? Hier.

Fazit

Zusammengefasst können wir also festhalten, dass es auf der einen Seite in den USA eine schwache Opposition gibt, die ihre Zeit in den letzten Monaten zu stark mit einer eigenen verzweifelten Suche nach Lösungen für ihre internen Probleme verbracht hat: Würden Trump und sogar noch Pence durch ein hypothetisches Impeachment schon morgen aus dem Amt gejagt, wer sollte denn als demokratischer Kandidat einspringen? Da ist einfach kein charismatischer Kandidat, der bereit steht – selbst Hillary Clinton war ja nicht wirklich beliebt (und Bernie Sanders würde es nach dem letzten Wahlkampf vermutlich nicht noch einmal wagen, anzutreten).

Auf der anderen Seite stellen die Trump-Wähler eine große gesellschaftliche Gruppe dar, die sich wenig Sorgen um die Erfüllung der vollmundigen Versprechungen macht, solange man die Versprechungen in der passenden Rhetorik („MAKE AMERICA GREEEEAAAAT AGAAAAAAAIIIN!“) nur immer wieder laut genug wiederholt. Gleichzeitig wird medial zwar über alles berichtet, doch je nach Fernsehsender oder sozialen Medien haben sich die Lager klar einsortiert, sodass man als Angehöriger der einen oder anderen Gruppe oft nur noch die „gewünschten“ Fakten zu Gesicht bekommt1.

Der nächste Wahlkampf wird eine reine Schlammschlacht werden, doch Donald Trump lebt seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten in genau dieser Welt und beherrscht dieses Spiel mit einer gnadenlosen Rücksichtslosigkeit wie kein Zweiter. Genau deshalb wird Trump meiner Einschätzung nach auch wieder gewählt werden und eine zweite Amtszeit im Weißen Haus absolvieren. Und die Amerikaner werden – auch wenn es sich „hart“ anhört – ihn verdienen. Doch das muss ich an anderer Stelle noch einmal aufgreifen, denn für heute habe ich genug über Politik geschrieben.

Nachtrag 1 (31.7.2017, 20:10):

Vorhin habe ich bei Twitter den folgenden Link entdeckt, der mittels eines Zitats angekündigt wurde – passt perfekt zum Thema, gerade zum Kommentar von Robert.

IMG_1364.jpg
Sehr passend, schon in der kurzen Zusammenfassung.

Nachtrag 2 (5.8.2017, 17:15):

Gerade heute früh hat jemand bei Twitter (siehe Bild) ebenfalls diese News-Bubble schön treffend erwähnt:

IMG_1392.jpg
Grob übersetzt: Nicht nur Dschihadisten werden online radikalisiert. [Es gibt] so viele Twitter-Subkulturen mit ihrem eigenen Ansichten-Set und der sich selbst verstärkenden Empörung.
  1. Darüber muss ich mich an anderer Stelle auch noch einmal auslassen, denn das politische System der USA unterscheidet nur noch zwischen zwei Lagern, somit gibt es nur noch: „Bist du nicht für mich, bist du gegen mich!“ – Kompromisse, wie sie in der Politik unvermeidlich sind, werden dadurch aber unmöglich gemacht.

Der himmlische Mute-Knopf

In den letzten Tagen ging es in Hamburg ja ziemlich rund. Dazu möchte ich mich aber gar nicht äußern, meine Meinung wäre ohnehin redundant, denn die Berichterstattung und Meinungsmache lief bei allen beteiligten Akteuren auf Hochtouren, kein denkbarer Standpunkt wurde ausgelassen. Und wie so oft hieß das Motto: „Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem.“

Genau genommen lief die Hysterie auf derart hohen Touren, dass mir vollkommen die Lust verging, mir weitere überdrehte (oft in feinster Trump-Manier durchweg in Großbuchstaben verfasste…) Pro-/Contra-Meldungen über die üblichen Nachrichtenkanäle oder meine Twitter-Timeline anzusehen.

Besonders auffällig war für mich, dass im Verlauf der Eskalation die Einstellung vieler Personen einen Wandel um 180 Grad durchlief. Erst waren die Polizisten, die Sicherheitsorgane, die Staatschefs und der Staat selbst die „Bösen“, dann brannten mehrere Nächte am Stück die Autos völlig unbeteiligter Menschen, wurden Geschäfte geplündert und Straßenzüge verwüstet – und auf einmal war der pöbelnde Mob, der vorher noch wie ein Trupp Heilsbringer (oder zumindest moderner Che Guevaras) gefeiert worden war, das „personifizierte Böse“.

Da es vielen modernen Mediennutzern aber anscheinend nicht möglich ist, sich differenziert zu äußern, sie viel lieber in Hysterie, mit marktschreierischer Aufmerksamkeitssucht und vor allem in oft unangebracht diffamierender bzw. unflätiger Weise ihren (manchmal nur für kurze Zeit gültigen) Standpunkt in die Welt hinausposaunen (die Silbe „Po“ in der Mitte ist übrigens sehr passend…), wählte ich den Weg, der mir am besten taugte.

Beim Öffnen der Timeline hatte ich heute früh gut 800 ungelesene Tweets vor mir. Konsequent mutete (für die Nichteingeweihten: muten=stummschalten) ich alle Tags, die sich auf G20 bezogen. Zusätzlich noch einen Nutzer, der sein Fähnchen in den letzten Tagen ständig nach dem Wind gedreht hatte. Binnen zweier Minuten war die Timeline auf 200 Tweets zusammengeschrumpft, die konnte ich in ein paar Minuten in Ruhe überfliegen und genießen.

Die Stummschaltung gilt noch bis morgen, dann werde ich mal sehen, ob ich nochmal die virtuellen Maulkörbe verteilen muss. Für heute habe ich jedenfalls himmlische Ruhe – mein herzlicher Dank gilt dem Mute-Knopf!

Von der kreativen Kraft einer Deadline

Immer wieder stoße ich im Internet (vor allem auf Twitter) auf das weithin bekannte Duke Ellington-Zitat, in dem er trefflich sagt:

Ich brauche keine Zeit, ich brauche eine Deadline.

Eines der besten Zitate, das meine Arbeits-Situation nicht selten perfekt umschreibt.
Eines der besten Zitate, das meine Arbeits-Situation nicht selten perfekt umschreibt.

Heute ist so ein Tag, an dem ich genau nach dem Motto arbeite. Jeden Freitag um 13:00 h beginnt die Big Band-Probe in meiner Schule. Letzte Woche habe ich großspurig verkündet, bis nächste Woche (von heute aus: morgen) sei das neue Stück „sicherlich fertig“. Doch dann…

  • Samstag: Tag der offenen Tür (oder „Grundschulinfotag“), von 8:00 bis 13:30 h durchgehend nur am Rennen und Machen, Organisieren und Musizieren. Danach: Müde zum Umfallen, keine Chance mehr, etwas in kreativer Hinsicht gebacken zu bekommen.
  • Sonntag: Vorbereitung für drei Klassen (jeweils Doppelstunden), Fertigstellen einer Korrektur (zum Glück eine relativ kleine Klasse). Da kam ich immerhin ein bisschen zum Arrangieren.
  • Montag: Schule von 7:45 bis 15:30 h, die Jüngste vom Hort abholen, Haushalt (da hatte meine Frau ihren Tag der offenen Tür), ab 19:00 h war ich so platt, dass ich schon das Abendessen nur mit halb geöffneten Augen hinbekam.
  • Dienstag: Mein Vorbereitungstag, denn da habe ich nur zwei Stunden Unterricht. Dafür ist der Mittwoch immer sehr lang und voll, also musste ich alle vier Klassen für den Mittwoch hinbekommen. Das Arrangieren/Komponieren trat ganz kurz.
  • Mittwoch: Langer Tag, entsprechend platt danach, außerdem musste auch noch der Donnerstag vorbereitet werden. Uffffffffff…
  • Donnerstag/heute: Vormittag durchgehend, daheim um kurz vor 14:00 h, Essen, dann Arrangieren/Komponieren ohne größere Pausen.

Doch ich bin zuversichtlich, das Stück morgen fertig mit in die Probe nehmen zu können. Dieser Blog-Eintrag war ein dringend benötigter Prokrastinationsvorwand, so bekomme ich den Kopf frei und neue Ideen hinein…

Ein kleiner Ausschnitt aus dem neuen Stück, mal sehen, wie es mit „echten“ Instrumenten klingt.
Ein kleiner Ausschnitt aus dem neuen Stück, mal sehen, wie es mit „echten“ Instrumenten klingt.

Song des Tages (155) – 2017-02-13

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Es ist schon eine Weile her, da empfahl ein Twitterer das damals frisch erschienene Album „Ellipsis“ der schottischen Band Biffy Clyro. Als Nutzer von Apple Music konnte ich dann einfach das Album suchen und anhören. Nicht alles davon taugte mir, doch dieses eine Stück, das wollte nicht mehr aus meinem Kopf gehen, also fügte ich es meiner Favoriten-Liste hinzu, wo es bis heute seinen festen Platz hat. Und heute ist es der Song des Tages: „Re-arrange“ von Biffy Clyro:

(Ich muss gestehen, den Video-Clip nicht angesehen zu haben. Hoffentlich ist er nicht zu behämmert…)

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.