„Zählt Rechtschreibung?“

Zählt Rechtschreibung? – Ja, ganz eindeutig!
Zählt Rechtschreibung? – Ja, ganz eindeutig!

Das Schuljahresende naht, also müssen hier und da noch ein paar Tests geschrieben werden, das ist weder überraschend noch eine müde Erwähnung wert. Wohl aber, dass ich derzeit bei jedem einzelnen Test von mindestens einem, meist mehreren Schülern (jeglichen Geschlechts) gefragt werde, ob die Rechtschreibung denn zähle?

Korrekte Rechtschreibung einzufordern ist keine Erbsenzählerei – es ist eine Schlüsselqualifikation!
Korrekte Rechtschreibung einzufordern ist keine Erbsenzählerei – es ist eine Schlüsselqualifikation!

Gestern und heute habe ich jeweils einen Test schreiben lassen, in beiden wurde mir die Frage gleich von mehreren Schülern gestellt. Mich verwundert dabei vor allem, dass es offensichtlich eine Art „Zwei Klassen-Rechtschreibung“ im Kopf der Schüler gibt: Sagt der Lehrer, dass die Rechtschreibung „nicht zählt“, dann wird ein (fast) beliebiger Buchstabenkauderwelsch formuliert, Hauptsache der Lehrer bekommt irgendwie heraus, was es heißen soll. Gibt der Lehrer jedoch an, dass ihm die Rechtschreibung wichtig ist (in diese Kategorie zähle ich mich durchaus), dann fühlen sich die fragenden Schüler offensichtlich „genötigt“, im Gehirn die automatische Rechtschreibkontrolle zu aktivieren. Was für ein Glück, dass sie dafür kein Geld von mir verlangen!

„tagtstrich“ oder „Taktstrich“ – das ist hier die Frage!
„tagtstrich“ oder „Taktstrich“ – das ist hier die Frage!

So, Sarkasmus beiseite! Tatsächlich finde ich es grundsätzlich nicht schlau, innerlich überhaupt in Kategorien wie „Jetzt muss ich aber auf meine Rechtschreibung achten!“ oder „Ach, hier ist es egal, wie ich schreibe!“ zu denken. Die Wahrscheinlichkeit, einige Fehler dauerhaft zu behalten, ist einfach zu groß. Noch dazu funktioniert unser Gehirn auch nicht so, dass es zwei getrennte Rechtschreibungsdatenbanken anlegt. Gewöhnt man sich einmal an, die Rechtschreibung als bloße Option und nicht als unabdingbare Voraussetzung anzusehen, wird sie sich nicht verbessern.

Grammatik, Zeiten, alles dringend benötigte Werkzeuge zur kompetenten Kommunikation...
Grammatik, Zeiten, alles dringend benötigte Werkzeuge zur kompetenten Kommunikation…

Die vier Beispiele oben sind alle aus von mir eigenhändig in den letzten sechs Jahren korrigierten Tests entnommen. Ich stelle mir gelegentlich vor, in einem Personalbüro zu arbeiten und Bewerbungen mit derlei offensichtlichen Schwächen vor mir auf dem Schreibtisch liegen zu haben. Im überwiegenden Teil der Fälle würde ich diese Bewerbungen sofort aussortieren und mir nur den Rest angucken. Nun bin ich kein „Personaler“, solche Entscheidungen muss ich – zum Glück – nicht treffen. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie gründlich eine grauselige Orthographie den ersten Eindruck „versauen“ kann. Daher antworte ich auf die Frage, „ob Rechtschreibung zählt“, immer mit „Ja, natürlich!“

Noch eine letzte Stilblüte...
Noch eine letzte Stilblüte…

Solera (mal wieder) im Stephen King-Fieber

Damit ging's wieder los...
Damit ging’s wieder los…

In den letzten Wochen (eigentlich sind es schon mehrere Monate) habe ich mehrere Romane und Kurzgeschichten (auch Sammlungen von Kurzgeschichten) von Stephen King gelesen und gehört. Zum Teil handelte es sich dabei um mir bereits bekannte Hörbücher, die ich in den letzten Jahren schon gelesen, dann gehört und zum Teil sogar in diesem Blog rezensiert hatte. Wieso hörte ich die Geschichten also noch einmal, wenn es doch so vielen neuen (Lese-/Hör-) Stoff auf der Welt zu entdecken gibt?

On Writing

Die Antwort ist einfach, und ich habe sie mit dem Bild oben auch schon verraten: An erster Stelle stand das teils autobiographische, teils anleitende Werk „On Writing. A Memoir of the Craft.“ In diesem höchst interessanten und auch noch vom Autor selbst gelesenen Abriss über seine eigene Biographie (vor allem im Bezug auf die ihn hinsichtlich der Schriftstellerei prägenden Ereignisse) und diverse schreibstellerische Fertigkeiten touchiert er natürlich immer wieder eigene Werke, beschreibt die Umstände ihrer Entstehung, weist auf Besonderheiten hin, erläutert die Probleme, die er beim Schreiben mit dem jeweiligen Werk hatte, und was ihn da wieder herausgebracht hat. All das war so faszinierend, so unprätentiös und gleichzeitig anregend, dass ich mir die Werke gleich wieder anhören musste, zumindest so ich ihre Hörbücher schon besaß. Und dann hörte ich mir „On Writing“ gleich noch einmal an – aktuell bin ich tatsächlich im dritten Durchgang, den ich beispielsweise zum Kochen laufen lasse.

Gedruckt vs. Hörbuch

Huch! Ein „analoges“ Buch in meinem Haushalt... (Spaß beiseite, da gibt's noch ein paar Schränke voll...)
Huch! Ein „analoges“ Buch in meinem Haushalt… (Spaß beiseite, da gibt’s noch ein paar Schränke voll…)

Das Buch hatte ich in der deutschen Übersetzung schon vor fast zehn Jahren einmal gelesen. Es hatte mir auch schon gefallen, doch in der Hörbuch-Fassung, die vom „Meister“ selbst gelesen wurde, wirkt alles stringenter und authentischer. Gerade weil alle Betonungen „genau so“ gewollt sind, weil der Tonfall „genau dem“ entspricht, was der Autor beim Tippen im Sinn hatte. Fantastisch! Jedem, der auch nur ein mäßiges Englisch beherrscht, sei dieses Hörbuch im Original ans Herz gelegt. Es ist gerade heraus, offen und ehrlich, man (besser: ich) möchte einfach lauschen und merkt überhaupt nicht, wie die Zeit vergeht, während eine überaus faszinierende Geschichte um einen herum ausgebreitet wird.

Welche SK-Romane bzw. -Geschichten habe ich mir also angehört?

Da kam schon so einiges zusammen, was sich aber beim Laufen gut unterbringen ließ (außerdem entspannt mich das, wenn ich bereits vertraute Geschichten beim Laufen höre, dann muss ich mich nicht auf jedes einzelne Wort konzentrieren):

  • „Todesmarsch“ (insgesamt schon das dritte Mal)
  • „Carrie“ (das Erstlingswerk, mit dem er seinen Durchbruch schaffte)
  • „Der Fluch“ („Thinner“, davon gibt es auch eine recht gut Verfilmung)
  • „Rita Hayworth and the Shawshank Redemption“ (kennt man im Deutschen als „Die Verurteilten“, gleich zweimal auf Englisch, früher schon fünf oder sechs Mal in der deutschen Fassung gehört)
  • „Glas“ (der vierte Teil der „Dunkler Turm“-Reihe)
  • „Dreamcatcher“ (deutsch: „Duddits“ – die Verfilmung ist gut, aber man versteht sie nur, wenn man das Buch kennt, sonst ist es ein gänzlich überzogener Horror-Science Fiction-Müll)
  • „Basar der bösen Träume“ (die ersten paar Kurzgeschichten hatte ich schon mehrfach gehört, aber dieses Mal habe ich ganz bereitwillig bis zum Schluss alles in mich aufgesogen)

Parallel dazu lese ich mich gerade durch die Kurzgeschichten-Sammlung „Skeleton Crew“ (auf Deutsch, aber der Titel der deutschen Fassung lautet „Blut“, was irgendwie so gar nicht passt…), in der gleich zu Beginn „Der Nebel“ steht (wurde verfilmt). Danach kommen „Cujo“ und „Tommyknockers“ dran. Danach muss ich wieder in die „Dunkle Turm“-Welt eintauchen, sonst gehen mir die Anknüpfungspunkte am Ende noch verloren. Hach, der Mann hat einfach zu viele gute Bücher geschrieben!

Fazit

Ich habe nicht die Absicht, Schriftsteller zu werden. Aber der kreative Prozess, den ich im musikalischen Bereich ja immer wieder einsetze, fasziniert mich unglaublich. Und wenn etwas meine Aufmerksamkeit so fesselt, dann packt mich diese Sache meist mit Haut und Haaren. So ist es hier ganz offensichtlich passiert. Und es fühlt sich gut an, nicht nur als schönes Gegengewicht zum Arbeitsalltag.

Gehört: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee
Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

In den letzten Blog-Einträgen über Hörbücher war nicht alles Gold, was glänzt (hier und hier), bzw. auch wenn die Hörbücher an sich makellos produziert und vorgelesen waren, trafen sie einfach nicht immer meinen aktuellen Geschmack. Beim heute vorgestellten Hörbuch passte dagegen aus meiner Sicht einfach alles, denn…

  • Die Geschichte ist spannend und exzellent erzählt – sogar so gut, dass ich völlig darin eintauchen konnte. Jedes Pausieren war eine Qual, da ich stets unverzüglich weiter in der Handlung versunken bleiben wollte.
  • Sowohl Inhalt als auch die Erzählweise sind von so hoher literarischer Qualität, dass dieses Buch völlig verdient zu den weithin bekannten „modernen Klassikern des 20. Jahrhunderts“ zählt.
  • Das Hörbuch ist fantastisch produziert (hervorragende Soundqualität) und geradezu perfekt gelesen (an dieser Stelle ein großes Lob an Eva Mattes). Sowohl die Verkörperung der unterschiedlichen Rollen wie auch die Klarheit der Aussprache, die einfühlsame Deklamation – wundervoll!

Kurz: Das richtige Hörbuch zum richtigen Zeitpunkt! Das muss und werde ich sicher noch etliche Mal später in meinem Leben anhören.

Handlung:

Die Kurzbeschreibung des Hörbuchs bei iTunes liest sich wie folgt:

Harper Lee beschwört den Zauber und die Poesie einer Kindheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten: Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer „ehrbaren“ Mitbürger zum Trotz.

Mehr sollte man auch nicht verraten, denn jede weitere Information könnte sich als ein Spoiler erweisen.

Fortsetzung

Gerade beim Nachlesen der Kurzbeschreibung fand ich heraus, dass es auch noch eine 20 Jahre später spielende Fortsetzung des Romans mit dem Titel „Gehe hin, stelle einen Wächter“ gibt. Damit ist dann wohl auch das Wochenende in trockenen Tüchern…

Sechs Bücher für 2016

Meine sechs Bücher für 2016
Meine sechs Bücher für 2016

Zeilenende hat mal wieder zugeschlagen, der alte Verführer… 😉 In seinem neuesten Blog-Eintrag nimmt er den Challenge von Bullion an und wählt sechs Bücher vom SuB (Stapel ungelesener Bücher) aus, die er in diesem Jahr unbedingt lesen möchte.

Mein SuB ist ein eher virtueller, was aber nicht heißt, dass er deswegen kleiner ist. Insgesamt werde ich 2016 sicher deutlich mehr als sechs Bücher lesen, ich bin gerade schon im vierten oder fünften, aber der Challenge besteht ja darin, sechs schon lange besorgte, aber noch immer nicht angefangene Bücher endlich von diesem Stapel zu nehmen und sie sich zu Gemüte zu führen. Das ist ein löblicher Plan, denn auf diese Weise erzeugt man Platz für Neuanschaffungen (selbst wenn es auf virtuellen Bücherregalen nie ganz so eng wird).

Also wähle ich an dieser Stelle meine sechs Bücher für 2016 aus:

  1. „Drei“ von Stephen King, der zweite Teil der „Dark Tower“-Reihe. Band 1 war schon ein guter Opener, aber da muss schon noch einiges kommen, um den Kultstatus zu rechtfertigen, den die Buchreihe genießt.
  2. „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Ein Zeilenende-Tipp, denn seine Rezension hat mich damals sehr fasziniert. Ein paar Seiten habe ich schon gelesen und mich – fast gegen meinen Willen – königlich amüsiert. Aber um mir ein vollständiges Bild zu machen, muss ich alles davon lesen.
  3. „Stark“ von Stephen King. Einer der drei Castle Rock-Romane, von denen ich bereits „In einer kleinen Stadt“ gelesen habe. Ich hoffe auf weitere Verknüpfungen zwischen den Werken.
  4. „Die Fäden der Zeit“ von Lori M. Lee. In einem Buch-Blog wurden die Geschichte und der Erzählstil sehr gelobt, daher habe ich es damals geladen, doch die Zeit zum Lesen fehlte bis heute…
  5. „The Book of Five Dragons“ von Eric van Lustbader. Als großer Fan der „Sunset Warrior“-Reihe habe ich das Buch bereits vor anderthalb (oder zwei?) Jahren geladen, bislang aber nur in die erste Seite hineingeschnuppert. Es wird Zeit…
  6. „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Marquez. Angeblich ein absoluter Klassiker, doch mir fehlte beim ersten Versuch die Muse, nach schätzungsweise 20 Seiten kam ich nicht weiter (da war beruflich so viel los, dass ich ständig mit den Namen der Personen durcheinander kam).

Gut, nun werfe ich den Ball in die Luft, mal sehen, ob ihn jemand auffängt und sich diesem Plan anschließt.

 

Gelesen: „2061 – Odyssee III“ von Arthur C. Clarke

Heute früh habe ich beim Laufen den Schluss von Arthur C. Clarkes Science-Fiction-Romans „2061 – Odyssee III“ gelesen. Und ich muss gleich vorweg ein Fazit ziehen: Es handelt sich dabei um ein wundervolles Buch.

Arthur C. Clarke: 2061 – Odyssee III
Arthur C. Clarke: 2061 – Odyssee III

Die Gründe liegen für mich ohne langes Grübeln mit absoluter Klarheit auf der Hand:

  • Arthur C. Clarke hat einen flüssigen und angenehm zu lesenden Schreibstil. So flog ich heute früh über etwas mehr als 300 Seiten (in iPhone-Größe), ohne mit der Wimper zu zucken oder auch nur ein einziges Mal einen leichten Anflug von Langatmigkeit zu entdecken.
  • Neben einer stark wissenschaftlich-technologischen Prägung (ja, spricht wohl eher die männliche Fraktion bzw. die Trekkies an) ist der Stil an etlichen Stellen von einem feinen Humor geprägt (s.u.). Das ist deshalb wichtig, weil es in dem Buch ansonsten um einigermaßen ernste Dinge geht, die hin und wieder geradezu philosophisch-moralische Fragen (bezüglich der im Buch geschilderten fiktiven Zukunft der Menschheit) aufwerfen. Ein bisschen Humor nimmt dem ganzen die Anstrengung bzw. Schwere.
  • Die Geschichte, die in dem Buch erzählt wird, ist eine würdige und stimmige Fortsetzung der ersten beiden Bücher. Gerade bei Trilogien oder anderen Fortsetzungsreihen (in diesem Fall ist es sogar eine Quadrologie, denn den vierten Band – „3001 – Die letzte Odyssee“ – habe ich noch nicht geladen, geschweige denn gelesen) kann ein einziger unstimmiger Band den ganzen Genuss verderben. Hier ist dies sicher nicht der Fall, ich finde sogar, dass der dritte Band einige der vorher lose hängenden Fäden geschickt aufgreift und nicht nur für den Leser genussvoll fortspinnt.

Zur Handlung

Die Handlung von „2061“ ist eine konsequente Fortführung der beiden Romane „2001 – Odyssee im Weltraum“ und „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“:

  1. Im ersten Buch lernte der Leser den Monolithen, einen zutiefst schwarzen Gegenstand unbekannten Materials mit den Außenmaßen 1x4x9 (also den Quadraten von 1, 2 und 3) kennen und verfolgte dessen Einfluss auf die Entwicklung einer Spezies, der frühen Menschen, auf unserem Planeten Erde bis zu jenem schicksalshaften Tag, an dem die Menschen einen im Mond vergrabenen Monolithen entdeckten, der ein Signal zum Saturn (in der Verfilmung ist es Jupiter) schickte. Die aufgebrochene Mission, die untersuchen soll, was am Zielort des Signals auf die Menschen wartet, endet im völligen Desaster, weil HAL-9000, der Bordcomputer, durch widersprüchliche Befehle der Regierung vs. Geheimdienste (streng wissenschaftliche Verarbeitung aller Fakten vs. Geheimhaltung einiger Informationen vor der Crew) in einen quasi-schizophrenen Zustand gedrängt wurde. In diesem Zustand tötet er nach und nach erst die im Kälteschlaf befindlichen Wissenschaftler und einen der beiden Astronauten. Am Ende lebt nur noch ein einziger Astronaut, Dave Bowman, der mit einer Raumkapsel das Raumschiff „Discovery“ hinter sich lässt, um auf dem im Saturn-Orbit schwebenden Monolithen zu landen. Dieser entpuppt sich jedoch als eine Art Raum-Portal, in dem der Astronaut mitsamt seiner Raumkapsel verschwindet. Seine menschliche Existenz endet, aber sein Bewusstsein erreicht eine neue Ebene der Existenz. Bevor sich seine menschliche Existenz auflöst, funkt er noch einen letzten, etwas kryptischen Satz in Richtung Erde: „O mein Gott, er ist voller Sterne!“
  2. Im zweiten Buch, das ungefähr acht bis neun Jahre nach dem Ende des ersten ansetzt, macht sich eine Mission, die sich aus Russen und Amerikanern zusammensetzt (zum Zeitpunkt des Schreibens, also noch im kalten Krieg, eine kühne Vision!) zum verlassenen Raumschiff „Discovery“ auf, denn dessen Umlaufbahn um den Jupiter (den Planeten hatte der Autor in der Zwischenzeit an die Kubrick-Verfilmung angepasst) droht sich derart abzuflachen, dass ein Eintauchen in die Atmosphäre (und somit der Verlust aller dort gespeicherten Informationen) droht. Es gelingt den Astronauten auch wirklich, die Discovery wieder zu beleben und die Flugbahn zu stabilisieren, doch plötzlich erscheint der verschollene Astronaut Bowman wie eine Vision an Bord und mahnt sie, sich schnell auf den Weg zurück zur Erde zu begeben, da „etwas Wundervolles“ geschehen würde. Obwohl alle etwas skeptisch sind, bereiten sie hastig die Abreise vor. Dabei bemerken sie plötzlich Unmengen von kleinen Monolithen, die sich auf Jupiter ansammeln. Gerade als sie in Richtung Erde abfliegen, schrumpft Jupiter, implodiert schließlich und wird zu einer neuen, zweiten Sonne. In diesem Zuge wird die Discovery (mittlerweile wieder unbemannt) zerstört. Das Bewusstsein des Bordcomputers HAL schließt sich der Bowmans auf der neuen, höheren Ebene an. Die Übermacht der Lebensform, die in der Lage ist, eine neue Sonne gezielt zu erschaffen, sorgt dafür, dass sich die Erde binnen weniger Jahre komplett befriedet, da alle Menschen begreifen, dass ihr kleinliches politisches und kriegerisches Getue vor dem Hintergrund der veränderten Verhältnisse völlig unbedeutend wird. Das Buch schließt mit der Mitteilung der Lebensform, dass die Menschen alle durch die neue Sonne urbar gemachten Planeten nutzen dürfe – alle außer dem ehemaligen Jupiter-Mond Europa.
  3. Genau der Schluss des zweiten Bandes setzt den Rahmen der Geschichte im dritten Band: Mittlerweile sind ca. 50 Jahre vergangen, Ganymed hat durch die neue Sonne „Luzifer“ ein fast komplett neues Gesicht erhalten und wird auf die baldige Besiedelung vorbereitet. Ein Forschungsschiff, das eigentlich nur an Europa vorbeifliegen soll, wird durch einen terroristischen Akt an Bord zur Landung auf Europa, dem „verbotenen“ Mond gezwungen. Über den Verlauf des Buches wird nun geschickt mit Rückblenden zu den jeweils passenden Passagen aus den vorangegangenen Büchern gearbeitet, um die ansonsten schon recht spannende Geschichte der Rettungsmission innerhalb des historischen Rahmens zu erzählen. Und all das spielt sich vor der spannenden Frage ab, was wohl bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaft passieren könnte, da doch das Betreten Europas den Menschen damals strikt untersagt worden war…

Das versprochene Zitat

Durch den Hinweis „(s.u.)“ versprach ich oben eine Kostprobe des Humors zu liefern. Dem möchte ich nun nachkommen:

Im zweiten Buch der Trilogie sowie im gleichnamigen Film wird unter Einfluss des Monolithen der Planet Jupiter in eine zweite Sonne unseres Sonnensystems namens „Luzifer“ verwandelt. Im Verlauf von „2061“ entdecken ein paar Wissenschaftler einen Berg ungefähr in der Größe des Mount Everest auf der Oberfläche des Jupitermondes Europa. Während man sich noch fragt, woraus er bestehen könnte, haben zwei Forscher die Tatsache erkannt, dass es sich dabei um einen massiven Diamanten handelt. Um untereinander gefahrlos und geheim kommunizieren zu können, geben sie dem Diamanten den Decknamen „Lucy“. Damit ist der Rahmen für das Zitat gesteckt:

„Ach – übrigens“, sagte Floyd. „Wer war Lucy – jemand Bestimmtes?“

„Soviel ich weiß nicht. Wir stießen bei einer Computersuche auf sie und entschieden, dass der Name ein gutes Codewort abgeben würde – jeder würde annehmen, dass es etwas mit Luzifer zu tun hat, und das ist gerade genug Halbwahrheit, um herrlich irreführend zu sein… Ich hatte nie davon gehört, aber vor hundert Jahren gab es eine Gruppe beliebter Musiker mit einem sehr seltsamen Namen: die Beatles – B-e-a-t-l-e-s geschrieben –, fragen Sie mich nicht, warum. Und sie haben ein Lied mit einem ebenso seltsamen Titel gemacht: ‚Lucy in the Sky with Diamonds‘. Komisch, nicht wahr? Fast, als ob sie gewusst hätten…“

Herrlich, oder?

P.S.: Ich konnte gerade nicht widerstehen und habe mir den vierten Band bei iBooks gekauft und geladen. Aber erst muss ich noch „Drei“ aus dem „Dunkler Turm“-Zyklus von Stephen King fertig lesen, den habe ich nämlich gleich nach dem Ende von „2061“ angefangen…

 

Harry Potter – Band 3

Frisch gelesen
Frisch ausgelesen: Harry Potter und der Gefangene von Askaban

In den letzten Wochen habe ich mir die ersten drei Bände der neuen Luxus-Ausgabe der Harry Potter-Romane durchgelesen. Während der erste Band ja noch eine echte Kindergeschichte ist und der zweite die eine oder andere (gut zu verschmerzende) Länge aufweist, hat mich der dritte Band bislang am stärksten gefesselt.

Die Geschichte ist gut, nein hervorragend, durchdacht (absolut nicht mehr nur ein Kinderbuch), die wichtigen Charaktere haben mittlerweile genug Eigenleben entwickelt, um an zusätzlicher Tiefe zu gewinnen (abgesehen von Draco Malfoy, der ist und bleibt ein blasser Haufen Mist am Rande), vor allem an Widersprüchlichkeiten, denn das macht gereifte Charaktere ja nun einmal aus.

Ich finde, man merkt dem dritten Band eine Art „Erwachsenwerden“ der Autorin an. Körperlich und legal erwachsen war sie schon beim ersten Band, aber hier emanzipiert sie sich von den vorher noch stark spürbaren Vorstellungen, wie ein solches Buch zu sein hat. Stattdessen entwickelt sie einfach einen faszinierenden Plot, füttert ihn mit lebendigen Charakteren und findet ganz nebenbei zu Ihrer ganz eigenen Bildsprache. Wundervoll!

Eine Passage, eigentlich ist es nur ein Satz, ist mir besonders im Gedächtnis hängen geblieben (vielleicht auch nur, weil ich sie gerade einmal vor drei Stunden gelesen habe): „Glaubst du, die Toten, die wir liebten, verlassen uns je ganz?“ Aus ganz persönlichen Gründen gefällt mir der Satz.

Nun wende ich mich genussvoll dem vierten Band zu, die Vorfreude ist enorm, geladen habe ich ihn schon, die iBooks-App wartet (un)geduldig darauf, dass ich endlich die Bloggerschuhe aus und die bequemen Hausschuhe anziehe.

 

Tastatur-Albtraum

Mein Apple Smart Cover
Hier das iPad mit gekoppeltem Smart Cover

Seit einigen Wochen besitze ich ein iPad Pro, das ich als Gerät sehr schätze. Neben dem iPhone ist es mein permanenter Begleiter, vor allem in der Schule, denn auf dem iPad befinden sich immer meine gesamte Unterrichtsvorbereitung sowie Sitzpläne, Notenlisten etc. Da ich seit dem ersten iPad (2010) dabei bin, ist in den letzten Jahren alles auf die Arbeit mit diesem Gerät zurechtgelegt worden – und es funktioniert gut.

Beim Kauf des neuen iPads habe ich gleich die von Apple dafür produzierte Tastatur, das sog. Smart Cover, mitbestellt. Ganz offensichtlich hatte ich das Kleingedruckte übersehen, denn die Tastatur wird nur mit amerikanischem Tastatur-Layout angeboten. Die Tasten an sich liefern schon die gewohnte deutsche Tastaturbelegung, der Aufdruck entspricht aber der US-Version. So was von blödsinnig! Vor ein paar Jahren noch war Apple ein Vorreiter in Sachen vorbildlicher Internationalisierung der Sprachversionen im Betriebssystem und auch bei der Hardware. Das war offensichtlich einmal, nun ist es ein Witz mit Anlauf. (Vor allem beim Preis von 179 € – und da ist iPad nicht inklusive.)

Schade an der Sache ist vor allem, dass die Tastatur vom Tastengefühl und der Reaktion wirklich einmalig gut ist, doch bei allen möglichen Sonderzeichen fange ich immer wieder das Suchen und Ausprobieren an – selbst nach einigen Wochen der Dauernutzung (und ich konnte ja schon vor mehr als 20 Jahren schnell tippen). Das ärgert mich (umso mehr, als ich manche Zeichen erst beim dritten oder vierten Anlauf erwische).

Noch dazu hat Apple auf diverse sehr hilfreiche Sondertasten verzichtet, die mir zur Vollendung meiner Bequemlichkeit einfach fehlen: Lautstärke rauf/runter, Helligkeit des Displays rauf/runter, ein paar Tasten wurden komplett eingespart, sodass ich das deutsche Anführungszeichen (also unten: ) nicht bekomme. Ich behelfe mir mit zwei einzelnen unten angesetzten Akzenten (also ‚‚), aber es ist nicht wirklich zu vergleichen.

Mal die Konkurrenz testen

Langer Rede kurzer Sinn: Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder gehörig die Schnauze voll und las ein paar Testberichte. Darin wurde von vielen Benutzern die Logi Create-Tastatur/Hülle-Kombination von Logitech gelobt. Noch dazu hat sie Tasten, die man bei der Arbeit im Dunkeln von hinten beleuchten lassen kann (sehr schick), dann ist das Tastaturlayout ganz „normal“ für mich, es gibt alle gewünschten Sondertasten (sogar noch ein oder zwei mehr, die ich gar nicht bräuchte). Purster Luxus. Oder so ähnlich.

Kurzer Gast in meinem Haus: Logi Create
Nur ein kurzzeitiger Gast in meinem Haus: Logi Create

Als ich gestern nach der Arbeit daheim ankam, war sie gerade geliefert worden. Mit großer Vorfreude packte ich sie aus und setzte das iPad ein – optisch auf jeden Fall sehr schick. Natürlich testete ich als erstes die Sondertasten: Juhu, genau wie gewünscht (und zum Teil noch viel besser)!

Doch dann begann ich zu tippen. Das war zu Beginn eigentümlich, aber so etwas kann sich über ein paar Minuten bessern. Also tippte ich weiter und weiter und weiter. Nach ungefähr zehn Minuten landete das Teil wieder in der Verpackung. Heute habe ich es zurückgeschickt.

Wenn ich drei Sätze hintereinander tippe und mindestens ein Drittel, zum Teil die Hälfte der Buchstaben in beinahe jedem Wort fehlt, weil die Tastatur einfach nicht schnell genug reagiert, kann ich das auf keinen Fall akzeptieren. Und hier war es so. Ich habe es mehrfach getestet, iPad raus aus der Hülle, nochmal die Apple-Tastatur („Smart Cover“) ran, Test einwandfrei. Zurück zum Logi Create – Katastrophe. Keine Chance auf ein längeres Gastspiel. Und dabei hätte ich sie so gerne benutzt. Allein meiner schönen Anführungszeichen und der Sondertasten wegen. Aber es hat nicht sollen sein. Sehr ärgerlich!

Ausblick

In den kommenden Wochen werde ich mich weiter umhören und diverse andere Produkte in Augenschein nehmen, aber mein Vertrauen ist etwas gebrochen, denn Logitech galt mir immer als einer der besten Tastaturen-Hersteller. Wenn dieses halbgare Teil allen Ernstes der Gipfel der Tastaturen-Schöpfung für das iPad Pro sein soll, dann bleibe ich weiter beim Smart Cover. Schluchz!

 

Lektorenschwund und die Folgen

In den letzten Jahren wurde es immer deutlicher, momentan bestehen absolut keine Zweifel mehr: Viele Buchverlage verzichten auf Lektoren. Woran merkt man das? Ganz einfach: Beim Lesen der jeweils veröffentlichten Bücher taumelt man von einem Tipp- zum nächsten Satzbau- oder Sinnfehler.

Früher beschäftigten alle Verlage eine ganze Reihe von Lektoren, die sich darauf konzentrierten, Grammatik und Verständlichkeit des Textes zu wahren. Gut, bei dem einen oder anderen furchtbar trockenen Fachbuch ist das mit der Verständlichkeit eher nicht gelungen, dafür fand man derbe Rechtschreib- und Grammatikfehler (damals noch den Unterschied zwischen „daß“ und „das“, heute natürlich „dass“ und „das“) wirklich äußerst selten.

Aber diese Lektoren kosteten natürlich immer ihr Geld, vermutlich auch nicht allzu wenig, denn es mussten ja gut ausgebildete Menschen mit einem Gespür für die Sprache und — je nach Einsatzgebiet — einem breiten Fachwissen in dem geforderten Gebiet sein. Da heute meist der niedrigste Preis gewinnt, verzichten immer mehr Verlage auf Lektoren, andere Autoren veröffentlichen gleich im Eigenverlag — nicht immer zur Freude der Leser.

Gerade seit Einzug der eBooks scheint sich der Druck auf die Verlage deutlich erhöht zu haben, noch sparsamer zu sein, denn in den letzten fünf Jahren ist der Qualitätsstandard hinsichtlich Orthographie und Grammatik bei vielen solcher digital veröffentlichter Bücher auf ein sehr niedriges Niveau gesunken. Für den Leser ist das manchmal geradezu schmerzlich.

Bei iBooks habe ich mir vor ein paar Wochen einen Episoden-Guide für „The Big Bang Theory“ in zwei Bänden gekauft. Die enthaltenen Informationen sind völlig in Ordnung, aber die Orthographie treibt mir nicht selten fast schon Tränen in die Augen. Der Autor unterscheidet nicht immer korrekt zwischen „dass“ und „das“, hin und wieder werden Redewendungen falsch eingesetzt, sodass der eigentliche Sinn völlig verdreht wird. Natürlich stirbt man daran nicht, andererseits ist es schon eine spürbare Minderung des Genusses.

Schlimm waren auch einige Kinderbücher, die ich meinen größeren beiden Kindern in ihren ersten Jahren zum Einschlafen vorgelesen habe. Da gab es schon Stellen, bei denen durch das technisch ungeschickte Einfügen eines Bildes der Textfluss völlig zerrissen wurde. Manchmal wurden Satzteile gelöscht, sodass ein Satz auf halber Strecke endete. Dann wiederum gab es Stellen, bei denen mehrere Satzteile gleich zwei oder drei Mal hintereinander vorkamen. Sicher lag das an der Unkenntnis im Umgang mit der noch recht jungen eBook-Technik. Dennoch ist es für einen Verlag peinlich, dass ganz offensichtlich niemand die Endfassung des Buchs noch einmal durchgesehen hat. Die meisten dieser Fehler konnte man unmöglich übersehen.

Sehr vorbildlich ist die erst vor ein paar Tagen neu herausgekommene Luxus-Edition der „Harry Potter“-Bücher. Mit großem Genuss kann ich hier von einem exzellenten Lektorat Zeugnis ablegen. Mir ist noch nicht ein einziger Rechtschreibfehler aufgefallen, zusätzlich wurden mit viel Geschmack zusätzliche Anmerkungen in den Text eingebaut, aber so unaufdringlich, dass man sie bei Interesse mit einer Fingerberührung abrufen bzw. wieder verschwinden lassen kann. Hier waren Menschen mit Können und Geschmack am Werk, das spürt man als Leser deutlich.

Nun bin ich mir nicht sicher, wen das überhaupt interessiert, aber ich würde für ein Buch gerne einen Euro mehr zahlen, wenn ich wüsste, dass es einem ordentlichen Lektorat unterzogen wurde. Der erste Band der Harry Potter-Reihe hat ja nun schon einige Jährchen auf dem Buckel, dennoch kostet diese von mir gerade so hoch gelobte Edition rund zehn Euro pro Band. Aber die zahle ich gerne, wenn ich dafür diese Qualität an Lektorat und diese spürbare Liebe zum Detail bekomme. Denn so ein Buch öffne ich auch in ein paar Jahren sicher immer wieder gerne.

 

Biom Alpha

Vor ein paar Wochen veröffentlichte Christian Weis in seinem Blog einen Werkstattbericht für die neue Science Fiction-Serie „Biom Alpha“, die seit Oktober im Wurdack-Verlag erscheint. Der erste Band entstand noch ohne Mitwirkung von Christian Weis, aber er schaffte es, mir den Mund so wässrig zu machen, dass ich letzte Woche beim Wurdack-Verlag vorbeisurfte und mir die erste (von hoffentlich vielen) Episoden kaufte.

Sicheres Kaufen bei Wurdack

Um ein eBook zu kaufen, setzt der Wurdack-Verlag vernünftigerweise auf eine Benutzer-Anmeldung und — selbstverständlich — Vorkasse. In meinem Fall waren es 2,99 €, für die ich mir eine Rechnung als Email schicken ließ. Das Geld überwies ich sofort, zwei Tage später war es offensichtlich gutgeschrieben, und das eBook erreichte mich mit ein paar Dankesworten vom Verlag per Email. Sehr bequem und vorbildlich!

Kompatibel mit iBooks

Da ich nur iBooks auf dem iPad und iPhone habe, war ich natürlich sehr gespannt, wie das funktionieren würde, denn Apple stellt sich bei manchen Programmen ja etwas umständlich an, wenn es nicht dem hauseigenen Format entspricht. Doch hier gab es keine Probleme: Das eBook wurde sofort von jedem Gerät akzeptiert und ab diesem Zeitpunkt über die App synchron gehalten. Dieser Punkt ist für mich wichtig, denn ich wechsle häufig zwischen den verschiedenen Büchern hin und her, manchmal sogar während eines Tages mehrfach. Wenn dann die Geräte die aktuellen Lesezeichen nicht synchronisieren, wird die Sache unangenehm. Hier klappte aber alles einwandfrei. So stellt man sich das vor!

Cover

Science Fiction ist kein einheitliches Genre, dazu verweise ich auf den exzellenten Artikel von Adam Roberts, den mein überaus geschätzter Blogger-Kollege Zeilenende vor einigen Wochen über Twitter verbreitet hat. Biom Alpha reiht sich in den Bereich der meiner Einschätzung nach als „klassisch“ zu bezeichnenden Science Fiction ein, also den Bereich, der sich auf Außerirdische, deren Kontakt mit Menschen auf der Erde oder im Weltraum und nahverwandte Themen konzentriert.

Biom Alpha 1.1
Biom Alpha — 1.1

Passend dazu wurde ein sehr ansprechendes Cover entworfen, das — gerade zum Auftakt einer solchen Serie von Fortsetzungsepisoden — eine gewisse Aufbruchsstimmung und somit „Lust auf mehr“ verbreitet. Mich spricht das Cover an, mal sehen, was die kommenden Ausgaben so zu bieten haben.

Opener – „Einmal und nie wieder“-Kracher oder Auftakt?

Wie bei Musikalben sollte der Opener einer literarischen Reihe immer ein echter „Kracher“ sein, der den Hörer/Leser sofort voll einfängt und dann auch während vereinzelter schwächerer Stücke/Episoden noch ausreichend bei Laune hält, um diese Durststrecken zu überwinden und „am Ball“ zu bleiben.

Da es bei Biom Alpha erst eine einzige Episode gibt, kann ich noch nicht beurteilen, ob es sich um einen klassischen Anfangskracher handelt. Vielleicht (besser: hoffentlich) werden die bislang vorgestellten Charaktere so interessant weitergeführt, dass der Opener später als eine im Vergleich „blasse“ Eröffnung einer fulminanten Serie gelten darf. Das wäre famos!

Im Vorwort zur Gesamtedition von „The Green Mile“ beschreibt Stephen King ausführlich seine Erfahrungen mit der damals zuerst in Form von Fortsetzungsepisoden herausgegebenen Geschichte. Einen Teil der von ihm geschilderten Spannung kann ich nun viel besser nachvollziehen.

Zum Inhalt

Da ich mir nicht die Blöße geben möchte, hier einen Spoiler nach dem anderen zu verbreiten, zitiere ich direkt aus der Beschreibung des Verlags:

Die gefeuerte NASA-Mitarbeiterin Dr. April Reignar und der Hobbyastronom Jimmy MacPeale entdecken, was Ufologen schon immer wussten: Wir sind nicht allein!

Ein riesiger Schwarm von Flugobjekten nähert sich der Erde. Als sich diese Nachricht verbreitet, fiebern UFO-Jünger dem ersehnten Erstkontakt mit den Aliens entgegen.

Während die Welt auf die Landung der Außerirdischen wartet, stellt ein Arzt in Brasilien fest, dass dies nicht der erste Besuch aus dem All ist. Auch seine biologischen Forschungsobjekte kamen einst aus den Tiefen des Kosmos…

Autorenteam

Mir imponiert die sehr geschickte Vorgehensweise des Verlags, ein ganzes Autorenteam für diese Serie engagiert zu haben. Die Vorteile liegen aus meiner Sicht klar auf der Hand: Jeder, der schon einmal eine (überschaubar große) Gruppe kreativer Menschen dabei erlebt hat, wie sie gemeinsam neue Ideen entwickelt und dann nach dem Einstiegs-Brainstorming und einer ersten Inkubationsphase oft in höllischem Tempo von einem Geistesblitz zum nächsten springt, weiß von der schöpferischen Urgewalt, die hierbei entfesselt werden kann. Es kommt nicht immer dazu, erzwingen kann man es schon gar nicht, aber hin und wieder darf man selbst Teil einer solchen Runde sein oder einer derartigen Prozedur beiwohnen — und dabei handelt es sich um ein wahrhaft „euphorisches“ Erlebnis, um John Cage („Musicircus“) zu bemühen.

Zurück zum Vorteil für die Geschichte, um die es ja eigentlich geht: Mehrere Autoren können aus ihren jeweils unterschiedlichen Perspektiven neue Ideen beisteuern, sich gegenseitig aus inhaltlichen Sackgassen befreien oder kreativ beflügeln. Insgesamt eine für alle Beteiligten lohnende Konstellation.

Noch dazu unterstütze ich gerne aktuell lebende Autoren, gerade die aus der sog. „zweiten Reihe“, die noch nicht im publikumswirksamen medialen Fokus stehen. In den vergangenen Monaten habe ich alle bislang erhältlichen Hörbuch-Folgen von „Cotton Reloaded“ gehört, einer Krimi-Serie, die auf ganz ähnliche Weise vor ein paar Jahren initialisiert wurde. Der bereits erwähnte Christian Weis gehört ebenfalls dem Autorenteam von „Cotton Reloaded“ an, allerdings ist dort jeweils ein Autor für eine komplette in sich abgeschlossene Episode zuständig. Insofern ist da sicherlich weit weniger Absprache-/Koordinationsarbeit als bei einem solchen Mammutprojekt wie „Biom Alpha“ nötig. Andererseits leben wir im 21. Jahrhundert, das sollte sich technisch gut und mit überschaubarem Aufwand lösen lassen.

Fazit

Der erste Band hat definitiv Lust auf mehr gemacht, daher freue ich mich schon seit einigen Tagen auf den nahenden Veröffentlichungstermin (1. Dezember) des zweiten Bands.

Nun, habe ich es geschafft, noch einem meiner Leser den Mund wässrig zu machen? Es wäre toll, denn solche Projekte können nie genug Unterstützer haben.

 

Unterricht Beethoven-Style

Der alte Griesgram
Ludwig van Beethoven, mein Vorbild in der Not...

Vor zwei Wochen war ich erkältet, dabei geht mir erfahrungsgemäß ziemlich häufig die Stimme „verloren“, nach zwei oder drei Tagen Erholung (und Ruhe) kommt sie üblicherweise wieder. Also war ich am Mittwoch und Donnerstag der betroffenen Woche daheim, um mich entsprechend auszukurieren. Am Freitag unterrichtete ich wieder (es war nur eine Klasse und die Big Band-Probe).

Letzten Dienstag verflüchtigte sich meine Stimme allmählich wieder im Verlauf des Vormittags, also sagte ich meine Privatschüler am Nachmittag ab, um am nächsten Tag (mein 40.) wieder fit zu sein. Das klappte sogar.

Am Samstag bemerkte ich ein leichtes Kratzen im Hals, schonte mich, alles gut. Sonntag nichts. Montag Nachmittag beim Singen mit meinem Oberstufen-Kurs merkte ich, dass ich die Tonhöhe nicht gut kontrollieren konnte. Kein gutes Vorzeichen, aber erst einmal abwarten. Abends schonte ich mich und schlief ziemlich bald ein. Heute früh war die Stimme auch ok, aber ich merkte schon, dass ich sie nicht sonderlich belasten durfte. Eigentlich bemühte ich mich auch, lutschte nebenher eine gefühlte Unmenge an Hustenbonbons (den Geschmack kann ich schon nicht mehr ausstehen), denn immerhin halten sie einen am permanenten Schlucken, wodurch die Stimmlippen immer wieder neu angefeuchtet werden.

Dennoch: In der letzten Doppelstunde war es soweit: Feierabend für meine Stimme. Und zwar endgültig. Da kam nur noch Krächzen, zum Teil gar nichts mehr.

Zum Glück konnte ich mich an einen großen Musiker der Vergangenheit erinnern: Ludwig van Beethoven. Er führte nach seiner sehr frühen Ertaubung sog. Konversationsbücher. Ich kehrte sein erfolgreich getestetes Prinzip um, denn wo er sich von seinen Gesprächspartnern ins Buch schreiben ließ, was diese sagen wollten, nahm ich mein iPad, schloß es an den Beamer an und tippte meine Erläuterungen und Arbeitsanweisungen für meine Schüler. Zum Glück kann ich recht zügig tippen, daher ging das gut. Ein Schüler besaß sogar die Vermessenheit, sich das noch öfter zu wünschen.

Aus der Not habe ich hier wohl für den Moment eine Tugend gemacht, aber oft möchte ich mich einer solchen Situation trotzdem nicht aussetzen. Als Lehrer fühlt man sich schon sehr hilflos, wenn man vor 29 oder 30 Schülern in der Pubertät steht und keine Stimme zur Verfügung hat. Nun bleibt mir nur auf ein Wunder zu hoffen, damit ich morgen wieder bei Stimme bin. Euch allen einen schönen Dienstag!