Abzocke, aber derart…

Preissteigerung
Preissteigerung

Dass man bei Autobahn-Raststätten immer etwas mehr zahlen muss als beim Discounter um die Ecke, ist vermutlich jedem einzelnen Leser dieser Zeilen bereits altbekannt. Tatsächlich dürfte das Wissen so alt wie die Autobahnen und ihre Raststätten sein. Ich zumindest habe das weder als Kind noch als Erwachsener anders erlebt.

Heute standen wir jedoch zum ersten Mal seit vielen Monaten in einem richtigen Stau. Im Verlauf von ca. 35 Minuten neigte sich mein Kraftstoffvorrat allmählich zur Neige, was auch an den Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius und der Notwendigkeit zur Kühlung des vollbesetzten Autos lag. Also fuhr ich beim nächsten Autohof ab, um zu tanken.

Soweit kein Problem, der Sprit war auch nicht wesentlich teurer als anderswo. Beim Anstehen an der Kasse (was in diesem Fall tatsächlich fast zehn Minuten dauerte, weil trotz Sommerferien in allen Bundeländern nur eine einzige Kassiererin anwesend war), hatte ich aber ausreichend Zeit, mich umzublicken. Und was ich sah, lies mich ganz schön aufmerken:

  • Eine Dose geröstete und gesalzene Erdnüsse (no name-Produkt), bei Norma für 69 oder 99 Cent zu haben, hier: 3,99 €.
  • Ein Nackenhörnchen (das sind diese komischen Kissen für die Beifahrer, deren Kopf zu schwer wird, um ihn selbst zu halten), bei IKEA oder Kaufland für 1,99 bis 3,99 € zu haben, hier: 19,99 € (Aber immerhin mit der Bemerkung „Sonderpreis!“).
  • Eine Tafel Ritter Sport-Schokolade, normalerweise für ca. 99 Cent, höchstens 1,29 € zu haben, hier: 2,99 €.

Diese Liste könnte man mit fast allen Produkten in dieser Tankstelle fortführen. Ausgenommen sind vermutlich nur Bücher (zum Glück gibt’s die Buchpreisbindung) und Zeitschriften (da steht der Preis auf dem Umschlag). Auf alles andere gibt es extreme Aufschläge, zum Teil mehrere hundert Prozent.

Mir geht es jetzt nicht um ein möglichst reißerisches Gemaule über unsinnig angehobene Preise, denn einen kleinen Aufschlag für den zusätzlichen Transport würde ich ja einsehen. Aber eben einen kleinen Aufschlag. Da dort ohnehin fast ausschließlich Massenprodukte verkauft werden, die meist lange haltbar sind (abgepackte Gummibären, Erdnüsse, Schokolade etc.) und die über eine reguläre Lieferung einmal die Woche wieder aufgestockt werden könnten, stellt das die Logistik eines heutigen Unternehmens meiner Einschätzung nach eigentlich vor keine große Herausforderung. Ganz ehrlich, es wäre peinlich, wenn im Computerzeitalter immer noch gravierende Probleme in dieser Hinsicht aufträten. Vor allem bei der sonst so makellosen Logistik der Mineralölkonzerne (ja, ich weiß, die haben damit ja nichts zu tun…).

Ich habe heute nichts gekauft, werde auch in Zukunft tunlichst vermeiden, darauf angewiesen zu sein, eine Packung Gummibärchen zum Preis von vier zu erwerben. Aber erschreckend fand ich die Dreistigkeit der Wucherpreise dann doch. Vielleicht fahre ich zu wenig Auto, um das häufiger vor Augen geführt zu bekommen. Sollte dem so sein, habe ich nicht vor, es zu ändern.

 

Torpedo Bag Classic

Mein Torpedo Bag Classic
Lange ersehnt, endlich hier: Mein Torpedo Bag Classic!

So, die Überschrift des heutigen Blog-Eintrags dürfte vermutlich einem überwiegenden Anteil meiner Leser ein großes Fragezeichen ins Gesicht zaubern. Dazu kann ich gleich sagen, dass das Torpedo Bag Classic mein neues, vorgestern bei Thomann bestelltes, gestern dank des nicht mehr laufenden Post-Streiks geliefertes Gigbag für meine Trompete ist.

Was ist ein Gigbag?

Vor drei Jahrzehnten beförderten die meisten Blechbläser ihre Instrumente noch in Koffern von einem Ort zum nächsten. Das war sehr sicher für die Instrumente, meist klobig in der Handhabung und überaus schwer, weil diese Koffer oft ein immenses Eigengewicht mitbrachten. Ich kann ein langes und leidvoll klagendes Lied davon singen, denn in meinem letzten Schuljahr beförderte ich meine Trompeten in einem Koffer für drei Trompeten durch die Gegend — und der war aus meiner Sicht über die Maßen klobig und schwer. Da ich fast nirgendwo ohne meine Trompeten auftauchte, schleppte ich dieses Trum quasi permanent mit mir herum.

Ich höre schon die Stimme, die ruft: „Und was hat das alles mit einem Gigbag zu tun?“ Keine Sorge, es legt die Basis für das Verständnis, warum ein Gigbag so wichtig für die Musiker ist.

Wo ein Koffer klobig und schwer ist, stellt ein Gigbag eine leichte und oft deutlich elegantere und ergonomischere Transportlösung dar, dafür ist ein Gigbag normalerweise nie genauso sicher. Ein Gigbag ist nun einmal eher so etwas wie eine Tragetasche für das Instrument, in den meisten Fällen so gestaltet, dass man es als Rucksack oder seitlich baumelnd tragen kann – das ist der komfortable Aspekt.

Sicherheit geht vor

Leider tauschen vor allem billige Gigbags zu viel an Sicherheit für das Instrument gegen den Tragekomfort ein. Mein ca. fünfzehn Jahre altes Gigbag gab vor ein paar Monaten den Geist auf, die Reißverschlüsse waren verschlissen und ausgerissen. Außerdem war innen das Futter an mehreren Stellen aufgerissen, sodass das Dämm-Material herauskam – in diesem Zustand war es für den alltäglichen Einsatz nicht mehr geeignet.

Das ausgemusterte Gigbag war ziemlich billig, ich habe ca. 40 bis 50 Mark dafür gezahlt. Während des Studiums ist es mir ein einziges Mal beim Tragen am Handgriff (während des gemütlichen Gehens in der Innenstadt) ausgekommen und auf den Boden gefallen – aus einer Höhe von ca. 50 bis 60 Zentimetern (höchstens). Dabei hat sich sofort der zweite Ventilzug minimal eingestaucht, wodurch ich das zweite Ventil nicht mehr benutzen konnte. Die Trompeten sind alle versichert, also konnte ich den Schaden mit ein wenig Papierkram und Fahrzeit bei einem befreundeten Instrumentenbauer zügig wieder richten lassen. Aber: Nötig wäre das nicht gewesen, hätte das Gigbag den Stoß einfach nur gut genug abgefangen. Hat es aber nicht. Da hat sich der billige Preis schon einmal gerächt.

Sicherheit hat ihren Preis

Dieses alte Gigbag hat sich vor ca. einem halben Jahr verabschiedet. Schon lange hatte ich ein Auge auf das Torpedo Bag geworfen, denn ein Schüler in meiner Big Band hat das auch – und irgendwie war es schon verlockend. Doch das Eintrittsgeld in diese Königsklasse des bequemen Instrumententransports war mir damals noch etwas zu hoch. Beim ersten Kontrollblick auf die Thomann-Homepage lag der Preis bei 169 € für das Gigbag, ein paar Wochen später schon bei 199 €. Durch den schwachen Eurokurs der letzten Monate ist er nunmehr auf 229 € geklettert.

Damals war mir das zu teuer. Ich vertagte den Kauf auf die Zeit um meinen Geburtstag (Herbst), bestellte einen Lückenfüller, das mit 25 € sehr günstige, leider aber nicht wirklich sichere Trompeten-Gigbag von Thomann. Für den Preis ist es völlig ok, man darf sich nur keinen Illusionen über die Sicherheit des Instrumentes hingeben. Wenn ich das Instrument von außen deutlich in seinen Konturen erspüren kann, ist da kein effektiver Schutz. Punkt.

Durch Proben und Konzerte (z.B. mit dem Aalener Symphonie Orchester), Üben und Spielen in der Schule, beim Instrumentalunterricht und dergleichen mehr wurde mir aber bewusst, dass ich das Instrument permanent der Gefahr aussetzte, verbeult und eingedellt zu werden (und es gibt noch schlimmere Gefahren). Bevor der Preis des Torpedo Bags die Chance bekommen konnte, noch weiter zu klettern, schlug ich nun in dieser Woche zu. (Damit ist auch klar, dass er spätestens morgen mit großer Sicherheit wieder sinken wird…)

Das Torpedo Bag Classic ist ein fantastisches Produkt zu einem gehobenen Preis, den ich aber – mittlerweile – zu zahlen bereit bin, denn ich transportiere meine Trompete aktuell täglich durch die Gegend. Schäden am Instrument möchte ich um jeden Preis vermeiden.

Exzellenz
Exzellentes Material, fantastische Verarbeitung – Perfektion!

Exzellentes Material

Wenn man sich bei YouTube unter dem Stichwort „Torpedo Bags Classic“ oder direkt auf der Homepage des Herstellers umsieht, entdeckt man ein schönes Video mit dem Titel „The Torpedo Bag Classic: Features & Design“. Darin führt der Chef der Firma durch die einzelnen Materialien und die Verarbeitung. Hat man das Video gesehen, versteht man auch den hohen Preis – und dann nimmt man ihn nicht mehr als hoch sondern als angemessen wahr. Mir geht es zumindest so.

Fazit

Noch fehlen mir die Erfahrungswerte, daher habe ich keine Übersicht darüber, wie sich mein schickes Torpedo Bag Classic im Alltag schlägt, auf jeden Fall kann ich schon einmal vermelden, dass es absolut herrlich aussieht und beim Tragen einen ungeheuer stabilen Eindruck hinterlässt. Der Hersteller verspricht, dass man sogar mit dem Auto darüber fahren könne, ohne die Trompete darin zu beschädigen. Das möchte ich nicht testen. Aber es beruhigt – und das allein fühlt sich schon sehr gut an.

 

Geld für wichtige Dinge…

Geld verbrennen

Achtung, es wird ein bisschen flach. Mir fehlt die Lust, dieses Thema in der eigentlich gebotenen Breite auszuformulieren — es wird eher ein kurzes Dampfablassen

Heute früh habe ich wie jeden Morgen in der Tagesschau-App gelesen. Dabei fiel mir ein Artikel auf, in dem es um das Millionen-, vermutlich aber eher Milliardengrab im Zusammenhang mit der frisch aufgegebenen Entwicklung einer Drohne für die Bundeswehr ging. Ganz abgesehen davon, dass ich zum heutigen Zeitpunkt Rüstungsausgaben auf Länderebene prinzipiell skeptisch gegenüberstehe — wäre es nicht geschickter, einfach eine europäische Armee für alle Fälle bereitzuhalten, die von allen beteiligten Ländern gleichermaßen (zur Not auch in Relation zur individuellen Größe des EU-Landes) finanziert wird? —, so schlug doch diese unglaubliche Verschwendung auch in mir größere Wellen der Empörung, weil sie anscheinend trotz konkreter Anfragen des Bundesrechnungshofs geschickt und über einen viel zu langen Zeitraum verschleiert wurde.

Dabei rege ich mich über die Verschwendung per se schon gar nicht mehr auf, denn das ist in der Politik leider nichts Neues. Angesichts so vieler uneingelöster politischer Versprechen — ganz konkret denke ich da an den Anspruch auf KiTa-Plätze für alle Kinder unter drei Jahren… —, die allesamt für das Wohlbefinden und Gedeihen der Bevölkerung viel wichtiger wären, kommt mir aber schon die Galle hoch. An allem, was für die Menschen im Land wirklich wichtig wäre (Gesundheitssystem, Steuergerechtigkeit, Bildung, Kinderbetreuung), wird gespart. Geld wird verpulvert — und das flächendeckend und unabhängig von der Partei der jeweiligen Regierung eines Bundeslandes — für sinn- und maßlose Prestigeprojekte: Berliner Flughafen, Stuttgart 21, Hamburger Elbphilharmonie, Militärprojekte wie das oben genannte und dergleichen mehr.

Ganz ehrlich: Jeder Politiker, der für solche Projekte stimmt und später die wichtigen Themen verschleppt oder blockiert, weil dafür angeblich „kein Geld mehr da ist“, gehört sofort aus moralischen Gründen aus seinem Amt entfernt. Basta!

 

Der Deutschen größte Tugend

Geeeeeld...

Ich verstehe es nicht, wenn Leute viel Geld ansparen, ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben. Ganz auf die Spitze getrieben: Was bringt es jemandem, reich zu sterben? Rhetorische Frage, denn die Antwort lautet selbstverständlich: Nichts.

Als Familie sind wir sehr darauf bedacht, einige unverzichtbare Rücklagen (ein bis zwei Monatsgehälter) für Notfälle auf einem Tagesgeldkonto verfügbar zu haben. Dieser „Notgroschen“ wird dann gezielt eingesetzt, wenn spontan die Waschmaschine oder irgendein anderes Gerät des täglichen Bedarfs den Geist aufgibt. Das kam schon vor — und es war wirklich ein sehr gutes Gefühl, das bereit liegende Geld ohne weiteres Nachdenken einsetzen zu können.

Für den Fall, dass unser Auto den Geist aufgibt, wäre es schön, auch noch einen kleinen weiteren Rücklagenposten mit ca. 10.000 bis 15.000 € zu haben, was im Moment aber nicht der Fall ist. Es kommt für uns einfach nicht in Frage, ein Auto auf Pump zu kaufen. Im schlimmsten Fall müssten wir jahrelang Geld abstottern für ein bereits verschrottetes Auto. Eine ungemütliche Vorstellung. Nein: Ein Auto wird beim Kauf bar bezahlt oder halt nicht gekauft.

Aber über diese Notfallreserven hinaus halten meine Frau und ich es nicht für sinnvoll, Geld ohne konkretes Ziel anzuhäufen. Die reine Vermehrung des Geldes um seiner selbst Willen ist für uns schlicht und einfach kein lohnenswertes Ziel. Uns ist es wichtiger, unser direktes Lebensumfeld so angenehm wie möglich zu gestalten. Das ist viel mehr wert, als am Ende des Jahres noch ein paar hundert Euro in Kapitalertragszinsen einzuheimsen. Schon gar nicht einzusehen ist es, sich im Alltag notwendige Dinge zu versagen, nur um das Geld „einfach so“ anzusparen.

Sparen an sich hat ja in Deutschland einen ganz eigenen Stellenwert. Bei der Euro-Umstellung hat man gesehen, wieviel Bargeld die Deutschen plötzlich auf die Bank trugen, um es umzutauschen — und selbst zehn Jahre nach der Währungsumstellung müssen anscheinend immer noch etliche Deutsche Unsummen in DM daheim (oder in längst vergessenen Schließfächern) horten… Das ist doch krank! Geld um des Geldes Willen zu horten, sich selbst das Geld vom Mund (oder anderem) absparen, nur um es „für später“ zu haben. Bei aller Zukunftsvorsorge muss doch das „Hier und Jetzt“ auch ein bisschen genossen werden.