Und weg ist der letzte Schluck…

Nicht lachen, es ist kein ernst gemeinter Versuch, hier ernsthaft Poesie zu betreiben. Eher in Verneigung vor der hehren Tradition der Trinklieder, die es ja nun schon Jahrtausende gibt, formten sich angesichts dieser in vier bis fünf Jahren harter Arbeit geleerten Flasche ein paar Zeilen Scotch-seliger Einfältigkeit.

Leer ist der Scotch
Dieser wundervolle Scotch hat schon bessere Tage gesehen...
G'rad hab ich ihn getrunken,
In Erinnerung bin ich versunken
An all die schönen Abende zu zweit
Aber, ach! Die nächste Flasche steht bereit.
Drum kann ich weiter saufen,
Und muss nicht suchend laufen.
Der nächste Abend kommt gewiss,
Mit neuem Scotch und neuem Biss.

 

Entschuldigung, das war wirklich „Sub-Zero-Qualität“.

 

Croft Pale Cream Sherry

Ich bin ein Mensch, der mit sehr wenig Alkohol sehr gut durchs Leben kommt. Vergnügen ziehe ich nicht aus dem teilweisen oder völligen Kontrollverlust (meiner selbst oder anderer in meiner Nähe) durch unmäßigen Alkoholkonsum — und andere Rauschmittel lehne ich kategorisch ab. Wenn ich mich amüsieren will, unterhalte ich mich mit meiner Frau, die sehr geistreich ist, oder guten Freunden, die (ganz nebenbei bemerkt) ebenso geistreich sind. Oder ich lese, höre ein Hörbuch oder gute Musik (und davon gibt es quasi unbegrenzt viel auf dieser Welt), ganz zu schweigen von Filmen, die ja nicht selten auch einen gewaltigen Unterhaltungswert besitzen.

Aber: Ich kann ab und zu mit großem Genuss eine kleine Menge Alkohols trinken und mich damit angenehm entspannen. Und das deckt sich meiner Meinung nach weitgehend mit dem eigentlichen Grund dafür, warum es eine solche Vielfalt solcher Getränke gibt. Vor einigen Jahren trank ich — mal abgesehen von einer ganz kurzen Experimentierphase zwischen 16 und 18 — gar keinen Alkohol, erst als ich die 30 überschritten hatte, begann ich damit, mir allmählich einen gewissen Überblick über die verschiedenen Getränkesorten zu er-trinken. Wenn mir dann ein Getränketyp an sich gut schmeckte, testete ich gezielt verschiedene Produkte aus dieser Sparte, um das für meinen Geschmack angenehmste zu finden.

So erging es mir beispielsweise 2006 mit dem schottischen Single Malt-Whisky. Durch den Besuch der Produktionsstätten von Glenfarclas hoch oben im Norden Schottlands bekam ich einen Einblick in die Herstellung, konnte mal testen und mehrere unterschiedliche Jahrgänge (in passend kleinen Mengen) mitnehmen. Die letzte dieser drei 0,375 Liter-Flaschen habe ich ca. sechs Jahre später (endlich) geleert — dies nur, um mal meinen dramatischen Alkohol-Konsum zu verdeutlichen. Meine Schwiegereltern und auch wir pflegen immer von unserem „Alkohol-Problem“ zu sprechen, gemeint ist damit immer, dass wir kaum wissen, wohin damit; wobei das vor allem in der Zeit zutraf, da ich gar nichts trank und durch meine Musikschultätigkeit vor den größeren Ferien meist von fast allen Schülern auch eine Flasche Wein geschenkt bekam. Da konnte es schon einmal vorkommen, dass ich am Ende eines Unterrichtstages mit ca. acht oder zehn Weinflaschen nach Hause zurückkehrte.

Im Jahr 2007 waren meine Frau und ich auf einer Studiosus-Rundreise durch Andalusien. Die Gruppe bestand, wie nicht anders zu erwarten war, aus extrem vielen Lehrern (aktiv und bereits pensioniert), insofern waren wir in guter Gesellschaft… Mal ganz abgesehen von den landschaftlichen und kulturellen Reizen, dem milden Frühlingsklima (Osterferien), dem überwiegend angenehmen Wetter, der Tatsache, dass wir mehr oder weniger ohne Kinder reisen konnten (nun ja, eines reiste mit, ohne dass wir dafür extra zahlen mussten), der kompetenten Reiseleitung und etlichen anderen positiven Aspekten gab es für mich ein unumstößliches Highlight, nämlich den Besuch der Bodega Gonzalez-Byass in Jerez de la Frontera.

Echter Sherry darf nur aus dieser Region Andalusiens kommen, sonst heißt er eben nicht Sherry sondern „Amontillado“ oder nochmals anders — aber eben auf keinen Fall Sherry. Bei einer exzellenten Führung durch die Bodega wurde uns auch das Solera-Verfahren gezeigt, bei dem die verschieden alten Jahrgänge übereinander gelagert und nach einem ausgeklügelten System miteinander verschnitten werden, um so Qualitätsschwankungen zwischen den Jahren auszugleichen. Wer sich dafür interessiert, sollte unbedingt einmal dorthin fahren und sich das mit eigenen Augen ansehen, es ist ungeheuer faszinierend — und kein Artikel im Internet kann die Dimension der Produktion angemessen vermitteln (es ist gigantisch!).

Nach der Führung landeten wir in einem Probesaal, in dem uns verschiedene Sorten Sherry der Marke Gonzalez-Byass zum Testen angeboten wurden. Ich präferiere eindeutig die süßen und schweren Cream Sherry-Sorten, am liebsten mag ich den Namensgeber meines Blogs, eben den Solera 1847, der auch von Gonzalez-Byass produziert wird. Wenig bis gar nichts kann ich mit den trockenen (für mich „sauren“) Fino-Varianten anfangen, die taugen allerhöchstens als Geschmacksbestandteil in einem Salatdressing (und selbst da mag ich lieber eine süße Variante).

Diese beiden Sorten kann man üblicherweise sofort an der Farbe unterscheiden: Fino Sherry sieht hellgelb aus wie Weißwein, vielleicht ein klein wenig intensiver in der Farbe, aber sicher nicht viel. Cream Sherry dagegen ist dunkel, mindestens bernsteinfarben, im Fall des Solera 1847 fast undurchsichtig dunkel — einzelne Varianten (z.B. der „Nectar“) sind eher sirupartig denn dünnflüssig.

Auf dem Tisch im Probesaal standen lauter mit hellem Sherry gefüllte Gläser. Also dachte ich mir schon, dass da wohl nichts für mich dabei sei. Weit gefehlt, denn nur die Hälfte der Gläser war mit „Tio Pepe“, dem weltweit bekanntesten Fino Sherry, gefüllt. Die andere Hälfte entstammte indirekt einem Firmenzukauf, denn Gonzalez-Byass hatte erst kurz davor die englische Traditionsmarke Croft übernommen. Unter der Bezeichnung „Croft Traditional“ wurde hier ein sog. Pale Cream Sherry, also eigentlich eine in sich widersprüchliche Mischung vermarktet: ein süßlicher Cream Sherry, der aber mit der Frische eines Fino Sherry „verheiratet“ worden war. Entsprechend hell war die Färbung, daher der Name „Pale“ Cream Sherry, also „blasser“ Cream Sherry.

Croft Traditional Pale Cream Sherry
Croft Traditional Pale Cream Sherry

Geschmack lässt sich lang und breit in Worten ausbreiten, ohne jemandem einen echten Eindruck verschaffen zu können. Aber ein einziges Nippen an diesem Probierglas und es war um mich geschehen. Trotz beengter Transport-Verhältnisse (Rückflug etc.) nahm ich eine Flasche davon mit. Glücklicherweise fand ich in Schwäbisch Gmünd, wo ich damals wohnte, mit dem Wein-Magazin März ein engagiertes Unternehmen, das es mir ermöglichte, diese Rarität auch in Deutschland immer wieder neu zu beziehen.

Gäbe es nicht den Solera 1847, wäre der Croft Pale Cream Sherry mein Lieblingsgetränk (alkoholischer Art). Ein Gläschen davon in eisgekühltem Zustand kann fast jederzeit meine Laune heben. Wer durch meine blumigen Beschreibungen nun auf den Geschmack gekommen sein sollte, dem sei ein persönlicher Test sehr ans Herz gelegt. In Deutschland ist der Croft Pale Cream Sherry leider nicht so einfach zu bekommen, die meisten Spirituosen-Versandhäuser führen ihn nicht. Unter dieser Adresse kann man es aber mal versuchen.

 

Flüssiger Edelstein

Im Moment bin ich erkältet, was ich sehr lästig finde, denn aktuell beginnt gerade eine angenehm warme Frühlingszeit. Heute Nachmittag waren es sicher 17 Grad auf meiner Terrasse, sodass ich mein frisch zubereitetes Mittagessen gleich einmal dort in der Sonne verzehrte.

Wie es Erkältungen so an sich haben, werden sie gegen Abend unangenehmer. Meine Nase ist so richtig zu, das Schnaufen fällt mir schwer, insgesamt ein nicht erwünschter Zustand (andererseits kann man so vielleicht die Phasen, in denen es einem gut geht, mehr wertschätzen).

Seitdem ich mit meiner Frau und unserem Sohn 2006 in Schottland war, wo wir auch eine Whiskey-Destille besichtigten, haben wir allerdings eine Geheimwaffe: Glenfarclas 105 Cask Strength Single Malt Whiskey (mehr Informationen vom Hersteller). Mit seinem ca. 60 prozentigen Alkoholgehalt macht der im Hals „gefühlt“ alle Fremdkörper platt, noch dazu sorgt er für ein erleichtertes Einschlafen. Bei der Besichtigung der Glenfarclas Destillery war damals meine Frau erkältet, ich war an dem Tag mit dem Fahren dran, also durfte ich von der sich an die Führung anschließenden Verkostung nur einmal kurz nippen. Sie dagegen trank beide Probe-Gläschen (jeweils nur ein etwas üppigerer Bodensatz) aus — und am nächsten Tag war ihre Erkältung weg!

Seit diesem Tag gilt Glenfarclas Single Malt Whiskey — in den verschiedenen Versionen (10, 12 Jahre alt oder eben in Fassstärke, „Cask Strength“) — bei uns als Hausmittel gegen Erkältung. Nur die Kinder kommen (noch) nicht in ihren Genuss…

Scotch in Prag

Vor etwas mehr als zehn Jahren war ich ein Wochenende lang mit einigen Leuten in Prag. Der Grund war ein Musikwettbewerb, doch dieser ist für diese Geschichte nicht von Belang. Mir ist nur gerade beim Zähneputzen eine Absurdität aufgefallen, die ich auf dieser Fahrt erlebt habe.

Von Würzburg, wo ich damals noch wohnte, bis Prag sind es mehrere hundert Kilometer. Die Stadt Prag ist sehr spannend, es gibt außerordentlich viel anzusehen und zu erleben. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Zeitpunkt, an dem diese Geschichte spielt, war ich mit meiner Frau dort. Und wir sind vier oder fünf Tage am Stück nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gelaufen.

Doch was taten wir Musiker damals? Wir verbrachten den Abend allen Ernstes in der Bar des Hotels, in dem wir untergekommen waren. Nichts gegen das Hotel, auch nichts gegen die Bar. Aber es war (und wäre es heute genauso) einfach absurd, diese Entfernung (Würzburg-Prag) zu überwinden, um dann am Abend in der Hotelbar zu versumpfen. Mit nur 20 Minuten Fußmarsch (oder 5 Minuten Taxifahrt) wären wir im Zentrum gewesen. Und selbst als jemand, der nicht allzu großes Interesse an Nachtklubs oder solchen Veranstaltungen aufbringt, wäre ich dort sicher auf meine Kosten gekommen.

So aber saß ich damals in noch völliger Unkenntnis wahren Genusses und trank –– allein der Gedanke daran lässt mich zusammenzucken –– Scotch on the Rocks. Nicht nur, dass der Abend hinsichtlich des nicht wahrgenommenen Angebots einer solchen Weltstadt völlig vertan war, er war es eigentlich sogar doppelt, weil ich mit dem bestellten Eis im Scotch auch noch jegliches Aroma des Getränks töten ließ. Zumindest das weiß ich heute besser. Und sollte ich mal wieder in einer Kulturmetropole weilen, werde ich mir am Abend sicher besseres als die Hotelbar einfallen lassen. Und auf das Eis verzichte ich sowieso.