Album der Woche – Episode 3 – 2017-10-01

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Heute bin ich etwas zu spät dran, da ich das ganze Wochenende und sogar noch den Montag familiär so dauerhaft eingebunden war, dass ich meinen eigenen Zeitplan nicht einhalten konnte. Es ergab sich einfach kein Zeitfenster, um den bereits lange geplanten Eintrag fertigzustellen. Jetzt ist es immerhin geschehen – nur etwas mehr als einen Tag verspätet, hoffentlich zu verschmerzen.

Iron Maiden: „Powerslave“

Ein wundervoll energiegeladenes Album, das eindrucksvoll vor Augen führt, warum Iron Maiden in den 1980er Jahren zu den wichtigsten Bands der „New Wave of British Heavy Metal“ gehörten.
Ein wundervoll energiegeladenes Album, das eindrucksvoll vor Augen führt, warum Iron Maiden in den 1980er Jahren zu den wichtigsten Bands der „New Wave of British Heavy Metal“ gehörten.

1984 erschien mit „Powerslave“ das Album, das zu meinen absoluten Favoriten des gesamten Schaffens der Band Iron Maiden gehört. Nur wenige andere der mittlerweile doch recht zahlreichen Alben kommen an diese kompakte Qualität und diesen fantastischen Klang heran.

Wie gelegentlich gemunkelt wird1, könnte die erstmalig unveränderte Besetzung der Band zwischen zwei Album-Veröffentlichungen ein hohes Maß an Stabilität geschaffen haben, das sich äußerst positiv auf die Ausgestaltung der neuen Ideen auswirkte. Und in der Tat ist die qualitative Amplitude geringer als bei den beiden — ebenfalls schon wirklich guten — Vorgängeralben „Piece of Mind“ (1983) und „The Number of the Beast“ (1982). Und diese kleinere Amplitude spielt sich auf einem wesentlich höheren Niveau ab.

Die Songs (Highlights):

In insgesamt acht Songs, die sich über eine Spielzeit von gut 51 Minuten erstrecken, liefert die Band ein „Brett“ nach dem anderen ab, um im Titelsong einen fulminanten und kaum zu überbietenden Höhepunkt des Albums zu erreichen.

Heute werde ich – quasi als Experiment – nicht alle acht Songs separat besprechen, sondern nur meine drei persönlichen Favoriten herausgreifen, auch wenn das bedeutet, dass ein knapper vierter Platz („Two Minutes To Midnight“) dann leider außen vor bleiben muss. Aber insgeheim hoffe ich ja immer darauf, dass zumindest der eine oder andere sich das Album beim Streaming-Anbieter seiner Wahl einfach ganz anhört.

Aces High (4:31)

Der vielleicht beste Opener aller Zeiten auf einem Heavy Metal-Album: Nach einem mehrstimmigen Gitarren-Intro legt die Band in hohem Tempo gemeinsam bei voll aufgedrehter Energie los. Bruce Dickinson, damals noch ein junger Kerl, singt melodisch bis in die höchsten Lagen und verleiht der Komposition von Steve Harris eine Intensität, die selbst in vielen anderen Maiden-Stücken ihresgleichen sucht.

Der National Review äußerte sich über dieses Lied in einer wenig zweifelhaften Weise2:

Aces High is about as perfect a heavy-metal tune as there is. It‘s about the Battle of Britain, told from the perspective of a British pilot.

Und ich teile die Ansicht, denn der Song ist sowohl textlich3 als auch musikalisch in einem gehetzt-atemlosen und angespannten Gestus gehalten, man spürt als Hörer das Adrenalin förmlich in einem Sturzbach durch die Adern schießen:

There goes the siren that warns of the air raid
Then comes the sound of the guns sending flak
Out for the scramble, we‘ve got to get airborne
Got to get up for the coming attack

Jump in the cockpit and start up the engines
Remove all the wheelblocks, there‘s no time to waste
Gathering speed as we head down the runway
Gotta get airborne before it‘s too late

Die Anspannung der Flieger, die aus ihrer Bereitschaft binnen weniger Momente in ihren Flieger klettern und sich sofort in einen Kampf auf Leben und Tod stürzen, ist so gut umgesetzt, dass beim Anhören der eigene Herzschlag gleich mit ansteigt. Wahnsinn!

Powerslave (7:11)

„Aces High“ war ja schon sensationell, doch der Titelsong, der auch das Thema (ägyptischer Totenkult) für die Covergestaltung (siehe oben) vorgibt, ist meiner Meinung nach der unangefochtene Höhepunkt des Albums. Nur selten passen Thema, Text, Grundstimmung und Musik so gut zusammen. Bruce Dickinson beschwört mit seiner Stimme den Geist des verstorbenen Pharaos herauf, der sich und seine Rolle als Herr über Leben und Tod angesichts der eigenen Sterblichkeit kritisch hinterfragt4:

Tell me why I had to be a Powerslave
I don‘t wanna die, I‘m a God
Why can‘t I live on?
When the Life Giver dies
All around is laid waste.
And in my last hour
I‘m a slave to the power of Death.

Musikalisch besticht der Song durch seine kraftvolle Ausstrahlung auf der einen, den vielen kleinen lyrischen Passagen auf der anderen Seite. Wie bei vielen längeren Maiden-Stücken gibt es deutliche Stimmungswandel, die dafür sorgen, dass sich der Song eher nach vier als nach sieben Minuten anfühlt – und jede Sekunde ist ein Genuss.

The Rime of the Ancient Mariner (13:48)

Dieses musikalische Epos von immerhin fast 14 Minuten Länge stellt die Nacherzählung des 1798 geschriebenen gleichnamigen Gedichts von Samuel Taylor Coleridge dar. Darin werden die Erlebnisse (vor allem die von Reuegefühlen gefolgten Fehltritte) des alten Seefahrers erzählt. Iron Maiden waren von dem Gedicht derart angetan, dass im Liedtext sogar passagenweise daraus zitiert wird.

Noch deutlicher als bei „Powerslave“ spielen Iron Maiden die Vielseitigkeitskarte aus: Mehrere musikalisch komplett unterschiedlich gestaltete Abschnitte wechseln sich ab, immer wieder dürfen vor allem E-Bass und die beiden (damals, heute sind es drei) E-Gitarren ihre Virtuosität demonstrieren, ganz zu schweigen vom fein justierten Schlagzeugspiel von Nicko McBrain.

Wäre der Song etwas kürzer und kompakter, wäre er vermutlich sogar noch ein wenig besser als der Titelsong – und der war ja schon ein Hammer!

Fazit

Es fühlt sich etwas seltsam an, nicht zu jedem Song etwas zu schreiben, doch es schont das im Moment arg gebeutelte Zeitbudget. Insofern werde ich vermutlich in den stressigen Zeiten eher darauf zurückgreifen.

Das soll aber nicht davon ablenken, dass „Powerslave“ sicher eines der hörenswertesten Iron Maiden-Alben ist. Ich genieße es jedes einzelne Mal (auch wenn ich zugeben muss, dafür am besten in der passenden Stimmung zu sein, denn gerade die ganz langen Stücke kann ich nicht jeden Tag mit der gleichen Entspannung anhören…). Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich auch das restliche Album anhört, wird auf keinen Fall enttäuscht.

  1. Siehe auch: So this calmer period was also a very productive one for Iron Maiden. Before flying to Compass Point again to track the new album with producer Martin Birch, the band‘s songwriting would flourish into new territory that Billboard would conclude »catalogues every major facet of the band‘s personality during the Dickinson years and does so while fyring on all cylinders. Perhaps that‘s in part because Powerslave is the first Maiden album to feature the same line-up as its predecessor, creating a definite continuity and comfort level. Or perhaps it‘s simply that we‘re witnessing a great band in it’s creative prime.« aus: Jake Brown: „Iron Maiden in the Studio“ (iBook)
  2. Quelle: „Iron Maiden in the Studio“ von Jake Brown (iBook)
  3. Quelle: Apple Music (Lyrics)
  4. Quelle: Apple Music (Lyrics)

Scotch des Tages

Hmmmmm, ein Geschenk von meiner Frau, das ich lange Zeit zu schätzen weiß...
Hmmmmm, ein Geschenk von meiner Frau, das ich lange Zeit zu schätzen weiß…

Hmmmmm, ein so leckerer Scotch! 25 ml pures Vergnügen, so entspannt man sich gut am Abend. Die Flasche hat mir meine Frau schon vor einiger Zeit geschenkt, doch der Cragganmore zählt eindeutig zu den besten Whiskey-Sorten, die mein Gaumen je kosten durfte…

Scotch des Tages

Heute Abend mal ein „Blended“ Scotch Whisky – dafür ein ganz ordentlicher.
Heute Abend mal ein „Blended“ Scotch Whisky – dafür ein ganz ordentlicher.

Normalerweise mag ich die verschnittenen Scotch Whiskeys nicht so sehr, doch dieser hier stellt eine Ausnahme dar. Ich habe ihn vor einigen Jahren geschenkt bekommen, gelegentlich trinke ich ein Schlückchen (man sieht ja, wieviel in der Flasche noch vorhanden ist, obwohl ich sie mindestens seit fünf Jahren habe). Heute Abend dachte ich mir, dass es mal wieder Zeit für einen Versuch wäre – und ich wurde nicht enttäuscht. Nach einem langen und harten Tag sind 20 ml Scotch ein angenehmes Mittel zur Entspannung.

Scotch des Tages

Sanft, süß und stark – der Canadian Club Whiskey.
Sanft, süß und stark – der Canadian Club Whiskey.

Der heutige Scotch des Tages ist genau genommen gar kein Scotch, denn dieser leckere Whiskey wird in Kanada hergestellt. Ich schätze die sanfte und süße Qualität, geschmacklich steht er einigen der mir bekannten schottischen Whiskey-Varianten in nichts nach (auch wenn er etwas glatter schmeckt und nicht so viel geschmackliche Tiefe aufweist – wobei das durchaus am Alter liegen kann).

Scotch des Tages

In bester „Cotton Reloaded“-Tradition (wenn auch nicht in Pete's Candy Store)...
In bester „Cotton Reloaded“-Tradition (wenn auch nicht in Pete’s Candy Store)…

Für die Fans der „Cotton Reloaded“-Serie, deren bislang erschienene Folgen mir vollständig bekannt sind, sollte der heutige Scotch des Tages nur zu bekannt sein, denn kaum eine Episode geht vorbei, ohne dass Cotton einen Talisker trinkt oder zumindest daran denkt, dass er gerade viel lieber einen trinken als der momentanen Tätigkeit nachgehen würde.

In diesem Sinne: Hoch die Tassen!

Scotch des Tages

Recht süß und rauchig, aromatisch im „Abgang“ – einer meiner besten schottischen Bernsteintropfen...
Recht süß und rauchig, aromatisch im „Abgang“ – einer meiner besten schottischen Bernsteintropfen…

Da muss man eigentlich nicht mehr sagen, oder? Die 15 Jahre lange Reifung in den alten Sherry-Fässern hat diesem edlen Tropfen wirklich gut getan. Und die 25 ml habe ich mir heute echt verdient (vielleicht betäuben sie den Muskelkater in der rechten Schulter, den das Schieben des platten E-Bikes über 2 Kilometer verursacht hat, weil ich permanent das Hinterrad anheben musste…).

Scotch des Tages

Glenfarclas 105, „cask strength“, also mit 65% Alkohol...
Glenfarclas 105, „cask strength“, also mit 65% Alkohol…

Eigentlich ein fast schon medizinisch einzusetzender Scotch, denn durch die Fassstärke („cask strength“) von gut 65% Alkohol ätzt der im Hals-, Nasen- und Rachenraum alles frei und tötet jegliche Fremdkörper ab…

Die Scotch-Diät

Die Fastenzeit steht vor der Tür, wie jedes Jahr werde ich sie nutzen, um meine Ernährungsgewohnheiten, die ab der Vorweihnachtszeit Stück für Stück aus den Fugen geraten sind, wieder auf ein normales Maß zurückzuführen. Letztendlich ist das Ziel aber eigentlich, eine dauerhafte Verhaltensänderung herbeizuführen. Nun kenne ich mich seit etwas über 41 Jahren, daher weiß ich, wie stark das Bedürfnis nach Süßigkeiten in mir steckt. Gerade nach einem langen und meist anstrengenden Tag verspüre ich die Lust auf ein bisschen (oder auch mehr, gelegentlich sogar deutlich mehr) Knabberkram und Süßes sehr heftig.

Aus der Erfahrung der letzten Jahre weiß ich, dass üblicherweise nach der Fastenzeit auch wieder eine Art „Nachhol-Fressen“ stattfindet, die natürlich hinter der Gesamtmenge an Süßkram, den ich ansonsten in der Zeit vertilgt hätte, zurückbleibt – insofern hat sich das schon gelohnt. Doch es bleibt diese psychologische Komponente im Spiel, die mir mehr oder weniger aufdringlich immer wieder die Lust auf das abendliche Gemampfe unterjubelt. Daher habe ich für dieses Jahr eine alternative Strategie ins Auge gefasst: Statt des kompletten Verzichts werde ich jeden Abend genießen, doch jeweils nur einen Scotch (maximal 50 ml). Ich habe einige Sorten zur Auswahl, an mancher Flasche „arbeite“ ich schon sieben oder acht Jahre – doch mein Konsum ist so gering, dass die üblichen 750 ml/Flasche gefühlt „ewig“ halten. Das Foto zeigt die verschiedenen Scotch-Sorten, die ich für die Fastenzeit bereitgestellt habe:

Elf unterschiedliche Sorten für den abendlichen Genuss...
Elf unterschiedliche Sorten für den abendlichen Genuss…

Wer genau hinguckt, muss natürlich erkennen, dass sich drei „Betrüger“ eingeschlichen haben, denn:

  1. Canadian Club, die zweite Flasche von links, ist kein schottischer Whiskey sondern ein kanadischer.
  2. Finch, die fünfte Flasche von links, ist ein schwäbischer Whiskey, den mir mein Schwager (ein Ur-Schwabe) vor ein paar Jahren zum Geburtstag geschenkt hat.
  3. Die dritte Flasche von rechts, Osborne Reserva del Toro, ist ein Brandy – aber auch sehr lecker.

Nun bin ich gespannt, ob mein Plan aufgeht. Es wäre ja nicht allzu schlimm, abends einen kleinen Scotch zu trinken – auf jeden Fall kommen da weit weniger Kalorien zusammen als bei 100g Schoko-Erdnüssen oder Gummibärchen (und so wenig davon zu essen wäre schon eine echte Herausforderung). Ich werde auf jeden Fall berichten, vielleicht gibt’s sogar abendlich ein schönes Foto vom jeweiligen Glas…

Filmtipp: „The Angels‘ Share“

Vor ein paar Tagen habe ich bei iTunes eine Rubrik entdeckt, in der Filme, die bei den Filmfestspielen von Cannes einen Preis errangen, für 6,99 € angeboten wurden. Recht spontan lud ich mir ein paar Filme herunter, einer davon war „The Angels’ Share“.

Filmposter
Das Filmposter zu „The Angels' Share“

Falls jemand noch nie davon gehört haben sollte (ich hatte es auch nicht), kann die folgende Zusammenfassung einen kleinen Einblick gewähren: Vier Freunde, die sich bei ihnen vom Gericht auferlegten Sozialstunden kennen lernen, werden von ihrem Betreuer an das Whisky-Tasting herangeführt. Bei einer zufälligen Blindverkostung entwickeln sie einen haarsträubenden Plan, der sie reich werden lassen oder geradewegs in den Knast zurückführen könnte.

Die Geschichte des Films ist insgesamt an vielen Haaren herbeigezogen, letztlich bleibt das aber völlig unwichtig. Feiner Humor, zum Teil auch recht derb, durchzieht die gut 90 Minuten, sodass man als Zuschauer ganz entspannt genießen kann. Unglaubliches Feingefühl hat der Regisseur bei der Thematisierung der problematischen sozialen Situation (Teufelskreis aus Gewalt und Verbrechen) bewiesen, auch gelingt es ihm auf einfache und eindrückliche Weise, das Trinken (eher Verkosten) von Whisky als einen Akt des vielschichtigen Genusses mit mehreren Sinnen und nicht als tumbes Saufen darzustellen.

Mir hat der Film so gut gefallen, dass ich in der Mitte gleich einmal auf die Pause-Taste drücken, in den Keller eilen und mir den 12 Jahre alten Glenfarclas Single-Malt Whisky holen musste. Diese 20 ml und der Film erhöhten gegenseitig ihren Genuss!

Wer den Film noch nicht gesehen hat, macht damit sicher nichts Falsches. Ich fand ihn superb!