Hörtipp: „Professor Satchafunkilus and the Musterion of Rock“ von Joe Satriani

Hammer-Album vom Altmeister der E-Gitarre
Hammer-Album vom Altmeister der E-Gitarre

Joe Satriani gehört zu den gottgleichen E-Gitarristen, die bereits während meiner Adoleszenz bekannt waren und Maßstäbe für alle anderen E-Gitarristen setzten. Manch einer ließ sich von seinem exorbitant beeindruckenden Können einschüchtern und letztendlich vom eigenen Eifer abschrecken, andere (z.B. mich) inspirierten sie zu langen Übeabenden und -nächten (teilweise auch spürbar zu Lasten der schulischen Leistungen). In meiner Band (jaaaa, die eine, die sich nach jedem Auftritt umbenennen musste, damit noch Leute in die spärlichen Konzerte kamen) spielten wir sogar ein oder zwei seiner Stücke (ich bin mir zumindest bei „Big Bad Moon“ vom Album „Flying In A Blue Dream“ sicher).

Aber ich schweife ab, denn heute geht es nicht um Kindheitsreminiszenzen! Vor ein paar Tagen begann ich einfach mit einer Suche in Apple Music, gab nacheinander ein paar Namen von mir geläufigen und von mir geschätzten Gitarristen ein, dann ließ ich mich von der Neugier treiben, hörte kurz in die Alben hinein, um dann einige auf meinem iPad zu sichern, andere links liegen zu lassen etc. Sehr hilfreich war auch die Funktion „Das könnte dir auch gefallen…“, denn über diese Schiene entdeckte ich das Album, dessentwegen ich diesen Blog-Eintrag schreibe.

Joe Satriani startete als purer Rock-Gitarrist, nahm im Lauf der Jahre auch einige funkige, balladeske, aber auch härtere Stücke auf, fast immer instrumental, gelegentlich wagte er sich auch selbst als Sänger aus Mikrofon (was nicht einmal schlecht war). Später wich er in den Bereich des Jazz aus, in den letzten Jahren kehrte er – sehr zu meiner Freude – wieder zu seinen Wurzeln im Rock zurück, allerdings schön angereichert mit Elementen aus allen Bereichen, in denen er sich dazwischen herumgetrieben hat.

Mit dem Eintritt ins Musikstudium hörte ich wenig bis gar keine meiner alten Gitarren-Idole, da ich auf die klassische Schiene fixiert war, die ja nun einmal eher meinem Studienfach als Diplommusiker, also dem Musiker im Symphonie-Orchester, entgegenkam. Vor ein paar Jahren jedoch erwachte die Lust an der gitarrenlastigen Musik aufs Neue, überwiegend durch die Band Rush, und selbstverständlich kam auch Joe Satriani wieder ins Spiel.

Das Album „Professor Satchafunkilus and the Musterion of Rock“ ist perfekt gemischt, wenn man das mit guten Kopfhörern oder Boxen (Muarharhar…) hört, fegt es einen glatt von den Füßen. Stückempfehlungen gebe ich gar nicht erst ab, denn sie sind so facettenreich, dass man fast überall etwas entdecken kann, was toll ist (aber das erste Stück ist schon einmal sensationell).

Rush: Wie kann man am besten einsteigen?

Noch ein alter Artikel aus meinem Rush-Blog (Oktober 2014):

Eine Frage, die ich mir in letzter Zeit häufig stellte, ist diese: Wenn nun jemand zufällig über meinen Rush-Blog stolpern sollte, der noch nie etwas von dieser (sensationellen) Band gehört hat — unverzeihlich! —, was sollte man ihm/ihr empfehlen, um einen guten Einstieg in die Materie zu ermöglichen?

Tatsächlich ist es bei Rush ja nun so, dass die Band im Lauf der Jahre einige stilistische Umschwünge durchlaufen hat. Der Sound hat sich geändert, die Einflüsse der jeweils aktuellen Pop- und Rockmusik waren immer wieder neu in unterschiedlichem Ausmaß hörbar — und doch blieb da immer ein Kern „typischen Rush-Sounds“, der sich vom ersten bis zum aktuellsten Album wie ein roter Faden zieht.

Was wäre aber nun ein geeigneter Einstieg in die faszinierende Rush-Welt? Die Frage ist auf keinen Fall einfach zu beantworten, denn sie hängt in gewisser Weise vom Alter und Musikgeschmack des Hörers ab. In den folgenden Absätzen bemühe ich mich, für mehrere Altergruppen passende Tipps zu geben — ohne Garantie, dass es auch wirklich die richtige Herangehensweise ist!

Der „junge“ Hörer

Mit der „junge“ Hörer meine ich eine Altersgruppe unterhalb der 20 Lenze, die eher mit aktueller Pop-/Rockmusik aufgewachsen sind. Typisch für diese Hörer sind vermutlich ein möglichst perfekt durchgestylter Sound, der nichts dem Zufall überlässt, dafür aber auf mich etwas langweilig (wenn alles immer nur perfekt ist, verliert es eben schnell an Reiz) und leicht androgyn (sehr tiefe Frauen- und sehr hohe Männerstimmen) wirkt.

Für diesen Hörertyp sind vor allem die neueren Alben (alles ab ca. 2000, also vor allem „Clockwork Angels“, „Snakes and Arrows“, „Test for Echo“ und „Vapor Trails (Remixed)“) und jene der mittleren Phase (späte 1980er und 1990er Jahre, also „Grace Under Pressure“, „Signals“, „Hold Your Fire“, „Presto“, „Roll The Bones“ und/oder „Counterparts“) geeignet. Bei all diesen Alben ist der Sound makellos und geschliffen, vor allem ist Geddy Lee’s Stimme schon weitgehend in der etwas tieferen Lage angekommen.

Der „Hörer in meinem Alter“

Ich bin vor ein paar Tagen 39 Jahre alt geworden, insofern ist die Gruppe der „Hörer in meinem Alter“ älter als die oben genannte Gruppe, aber noch nicht wesentlich älter als ich. Unsere musikalische Sozialisation fand zwangsläufig in den mittleren/späteren 1980er und frühen 1990er Jahren statt. Wir wuchsen auf, als Rush in der mittleren Schaffensphase steckten.

Da in den 1980er und 1990er Jahren der Hard Rock noch einen deutlich höheren Anteil an der Popmusik stellte (wohingegen er heute beinahe komplett aus dem Radioprogramm verschwunden ist — es sei denn, man sähe Musiker wie Bryan Adams als „Hard Rock“ an…), sind uns kantigere Stücke durchaus vertrauter, es muss nicht alles immer so klingen, als hätten die Produzenten das Mischpult am Ende noch mit Zuckerguss versehen. Daher können wir auch einsteigen mit Beginn der 1980er Jahre: Alben wie „Moving Pictures“, „Permanent Waves“, „Hemispheres“, „A Farewell To Kings“ dürften uns (in dieser Reihenfolge) durch die Bank nach sehr kurzer Einhörphase sehr ansprechen. Alles neuere Material ist natürlich auch in Ordnung, denn der Sound wird ab da ja immer schicker und geschliffener (wobei bereits „Permanent Waves“ und „Moving Pictures“ in dieser Hinsicht keinerlei Wünsche offen ließen…).

Der „gesetzte“ Hörer

Damit meine ich alle Menschen, die schon mindestens fünf bis zehn Jahre älter sind — nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wer nämlich so alt ist, hat vermutlich von seinen Eltern schon eine ordentliche Portion „Hippie-Musik“ mit in die Wiege gelegt bekommen (es geht ja um die Geburtsjahrgänge 1965-1970).

Diesen Hörern empfehle ich das gleiche wie den Hörern meines Alters, mit einer kleinen (aber durchaus entscheidenden) Ergänzung: „Feedback“. Auf diesem Album werden vor allem Songs aus den spätens 1960er und frühen 1970er Jahren verbraten, in einem an die Rush-Verhältnisse angepassten Sound. Mich fasziniert an diesem Album jedes Mal neu die ultimative Spielfreude, mit der das Trio zu Werke geht. Ein purer Genuss (vor allem „Crossroads“ könnte ich täglich rauf und runter hören)!

Wenn dann noch Alben wie „Caress of Steel“ dazu kommen, sollte der musikalische Zirkel perfekt sein.

Fazit

Kein angehender Rush-Hörer wird einen Fehler begehen, mit den neuesten Alben zu beginnen, denn der Sound ist phänomenal gut. Noch dazu fällt es sicher niemandem schwer, sich von da aus gegenläufig chronologisch vorzuarbeiten. Ich habe das weitgehend so gemacht (allerdings kannte ich schon mehrere frühere Alben) — es hat funktioniert. Und wie das funktioniert hat! (Fragt mal meine Kinder, die können das schon nicht mehr hören…)

Rush: Beeindruckende Leistungen

Und noch ein Artikel aus dem Rush-Blog:

Rush ist eine Band, die eigentlich immer an ihrem Limit spielen muss, denn sie sind nur drei. Beim Lesen in der Rush-Bibel von Martin Popoff stieß ich auf eine Stelle, die einmal auch Alex Lifesons Einzelleistungen hervorhebt. Meistens wird er in (medialen) Wahrnehmung der Band von Geddy — der Bass spielt, die Pedale und Synthesizer bedient und zusätzlich auch noch singt — und Neil — der als Songtext-Schreiber und Schlagzeuger seit seinem Einstieg eine besondere Position innehat — ziemlich aus dem Rampenlicht verdrängt. Ganz und gar unverdient, wenn man den folgenden Abschnitt liest.

And Alex’s guitar playing blew me away. We would double the guitars, which was a thing I was very much into at that point. And we only had three days to do all this work. So we did guitar track, drums and bass, and then I said to him, 'Let’s double it.‘ And I’ll never forget, to this day, I put the original guitar on the left speaker, we put the new guitar on the right speaker, and he doubled it from top to bottom, flawlessly, in one take. And it sounded like one huge guitar, it was so accurate.

Das Zitat stammt von Terry Brown, der in der frühen Phase von Rush für die Aufnahmen im Studio zuständig war. Da er auch schon andere Bands produziert und deren Platten zu Hits gemacht hatte, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er *genau* wusste, von was er hier sprach.

Auch ich als studierter Musiker, der sowohl CD-Aufnahmen als auch etliche Live-Auftritte absolviert hat, kann nicht meine Faszination verhehlen, denn so etwas ist eine absolut atemberaubende Leistung. Dazu eine kleine Anekdote: Ich unterrichte ein paar Privatschüler. Für eine ganz junge Schülerin habe ich vor einigen Wochen ein kleines Stück zum Mitspielen aufgenommen, da sie sich immer wieder (zu viele) Freiheiten im Rhythmus herausgenommen hatte, als dass ich einfach darüber hinwegsehen hätte können.

Ich bastelte mit Logic Pro X auf meinem Mac einen Rhythmus-Track, der einfach nur die Zählzeiten durchpulste. Dazu spielte ich dann die — wirklich einfache — Melodie ein. Doch vielleicht gerade weil es ein so einfaches Stück war, benötigte ich mehrere Anläufe, bis es rhythmisch akkurat „im Kasten“ war. Der geradelinige Puls vom Computer ließ sich einfach nicht auf meine Atempausen und leichten Verzögerungen ein. Und ich bin eigentlich kein Stümper auf meinem Gebiet (drei Studienabschlüsse *ohne* Bestechungszahlungen…).

Doch gerade diese noch relativ frische Erfahrung kam mir beim Lesen der obigen Stelle sofort wieder ins Gedächtnis. Es ist einfach wahnsinnig beeindruckend. Hoffentlich auch für Nicht-Musiker.

Song-Vergleich: »A Farewell To Kings« & »Songs From The Wood«

Vorbemerkung: Das ist einer der alten Rush-Blog-Einträge.

Seit meinem letzten Eintrag ist deutlich mehr als ein Monat vergangen, was mir selbst am wenigsten gefallen hat, doch trotz Ferien und gelegentlichen Ruhigen Stunden, in denen ich tatsächlich etliche neue Einträge in meinem „normalen“ Blog veröffentlichte, brachte ich die Energie schier nicht auf, auch noch an dieser Stelle für ständigen Nachschub zu sorgen.

Heute möchte ich die viel zu lange Pause mit einem Eintrag brechen, der mir schon eine Weile im Kopf herumspukt. Doch ihn zu formulieren fällt mir nicht leicht, weil die Idee noch etwas vage ist. Sie wird hoffentlich beim Schreiben „reifen“. Im schlimmsten Fall wird dies ein sehr konfuser Eintrag, im besten Fall könnte es spannend werden.

Vergleich zweier Boliden

Das Thema heute ist ein auf den ersten Blick hinkender, meiner Einschätzung nach aber gar nicht so unpassender Vergleich zwischen dem Rush-Song „A Farewell To Kings“ vom gleichnamigen Album, das im September 1977 veröffentlicht wurde, und dem Song „Songs From The Wood“, ebenfalls vom gleichnamigen Album, dieses Mal jedoch nicht von Rush sondern von Jethro Tull, aber ebenso im Jahr 1977 (Februar) erschienen.

Wie komme ich auf die Idee, diese beiden Songs zu vergleichen? Wer sie nicht kennt, sollte sie sich erst einmal anhören:

  1. A Farewell To Kings
  2. Songs From The Wood

Nach dem ersten Anhören fragt sich vermutlich der überwiegende Teil meiner umfangreichen Gefolgschaft gleich einmal, wer so verrückt sein kann, eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesen beiden Songs erkannt haben zu wollen. Doch ich meine keine platten, sofort als solche zu erkennenden Parallelen, mir geht es um eine beiden Songs zugrunde liegende Stimmung.

Exkurs: Die Musik der Renaissance

Der Epochenbegriff Renaissance bezog sich ursprünglich auf eine geistige Wiedergeburt (lat. re = „wieder/zurück“ & nascere = „geboren werden“) der Antike im späten 15., dem gesamten 16. und einem Teil des 17. Jahrhunderts.

In der Musik zeichnete sich die Renaissance vor allem durch ein akkordisch geprägtes Denken und die Betonung weltlicher Musik zur geselligen Unterhaltung aus. Adelige und generell wohlhabende Menschen trafen sich abends, speisten, unterhielten sich, zerstreuten sich mit Gesellschaftsspielen und Musik. Das bedeutet, dass sie gemeinsam sangen und/oder mit Instrumenten musizierten. Zahlreiche Gemälde aus der damaligen Zeit beweisen dies eindrucksvoll.

Die Texte der Lieder von John Dowland lassen klar die weltliche Natur der Madrigale — so nannte (und nennt) man die geselligen Lieder — erkennen. Wer es nicht glauben mag, dem sei „Come Again“ mit seiner herrlich zweideutigen ersten Strophe ans Herz gelegt:

Come again, sweet love doth now invite//Thy graces that refrain to do me due delight.//To see, to hear, to touch, to kiss, to die with thee again in sweetest sympathy.

Ein ganz schön durchtriebener Kerl, dieser John Dowland! Aber es finden sich auch noch von vielen anderen Komponisten der Renaissance vergleichbare Texte, es war also für die Zeit nichts allzu Außergewöhnliches.

Dowland habe ich aus einem bestimmten Grund gewählt: Die meisten seiner Madrigale sind sowohl in einer mehrstimmigen (Chor-) Version als auch in einer Fassung für eine Stimme und Laute erschienen. Sting brachte vor einigen Jahren ein sehr interessantes Album mit dem Titel „Songs From The Labyrinth“ auf den Markt, auf welchem er ausschließlich Songs von John Dowland singt, begleitet von einer Laute.

Gesangspuristen schlagen bei diesem Album vermutlich bis heute entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen, denn Sting kratzt mit seiner etwas bärbeißigen Rock-Stimme über die vermeintlich zarten Madrigale, dass selbst hartgesottenen Sting-Fans gelegentlich ein leicht gepeinigtes Seufzen entfährt. Aber: Genau diese Interpretation dürfte dem Klangbild der Renaissance vermutlich am ehesten entsprechen – oder glaubt hier irgend jemand, um das Jahr 1600 hätte es überall in Europa nur perfekt ausgebildete Sangesvirtuosen gegeben? Wohl kaum! Wenn also abends — nach einem vermutlich feudalen Essen und eventuell auch dem gesellschaftlich akzeptierten Glas Wein über den Durst — die Adeligen/Wohlhabenden zu singen begannen, wird es nicht selten noch kratziger, rauer und (vermutlich) schräger geklungen haben. Aber (und da bin ich mir völlig sicher) die Leute werden einen Mordsspaß gehabt haben. Ganz klar.

Renaissance der Renaissance

Zurück zu den beiden Songs, die nun wieder mit dem Exkurs verbunden werden sollen: Beiden Songs wohnt meiner Wahrnehmung nach ein guter Schuss Renaissance inne, allerdings in unterschiedlichem klanglichen Gewand:

  • Bei „A Farewell To Kings“ erinnert mich vor allem das Vorspiel, getragen von der akustischen Gitarre und der flötenähnlichen (vielleicht höre ich ja auch hier eine kleine Parallele zu Jethro Tull) Synthesizer-Melodie, an Renaissance-Musik. Verstärkt wird der Eindruck durch den Titel, denn zufälligerweise stellt die Renaissance eine Epoche dar, in der sich die Adeligen/Wohlhabenden Privatbibliotheken aufbauten, sich selbst beständig weiterbildeten (hier entstand auch der Begriff „Universalgelehrter“, und damals war das auch fast noch möglich, heute ist dies beim besten Willen nicht einmal mehr in Ansätzen zu erreichen). Man zählte nicht mehr nur nach Abstammung, sondern zunehmend nach Können, nach Fertigkeiten und Leistungen. Ein sehr modernes Konzept also, dieser „Abschied von den Königen“.
  • Bei „Songs From The Wood“ ist es vor allem der mehrstimmige, madrigalartige Gesang zu Beginn (und immer wieder zwischendurch), der die Renaissance heraufbeschwört. So schön und so hemmungslos stelle ich mir so manches feucht-fröhliche Abendsingen vor dem Kamin im Haus eines reichen Kaufmanns irgendwo im Italien des 16. Jahrhunderts vor. Das ist einer der wenigen Momente, in denen das Prinzip einer Zeitreise mir verlockend erscheinen möchte.

Cover-Gestaltung

Zugegeben, das Cover hat aus akustischer Sicht auf den Klang eines Songs eigentlich keinerlei Einfluss, aber wie es schon beim Essen heißt: „Das Auge isst mit.“

Insofern bin ich fest davon überzeugt, dass ein besonders passend gestaltetes Platten-/CD-Cover (oder einfach nur das Bild bei iTunes, wie in meinem Fall) den Genuss eines Songs deutlich vertiefen kann. Umgekehrt klappt das sicher auch: Ein fürchterliches Cover kann einem den Genuss an der Musik vermiesen, und wenn es immer nur der Makel ist, dass man dieses Cover nicht herumzeigen möchte, wenn ein Gast fragt, was man denn da gerade höre. Musik wird erfahrungsgemäß umso schöner, wenn man sie mit ebenfalls begeisterten Hörern teilt. Umso ärgerlicher, wenn das Bild dann schlichtweg nicht vorzeigbar sein sollte.

Jethro Tull: Songs From The Wood
Jethro Tull: Songs From The Wood

Bei Wikipedia kann man zum Cover von „Songs From The Wood“ folgendes lesen:

Die Vorderseite zeigt kein Gemälde, obwohl auf der Rückseite des Covers der credit „front cover painting by Jay L. Lee“ zu finden ist. Tatsächlich handelt es sich um ein Foto, auf dem Umrisse, Linien und Konturen mit einem Stift einfach nachgezogen wurden (siehe Äste, Hundeschnauze oder Stiefel). Mit Farbe wurde nur vereinzelt über das Foto gemalt (siehe Feuer). Dass es sich um ein Foto und nicht um ein Gemälde handelt, beweisen mehrere andere ähnliche Fotos aus derselben Fotosession, die zum Teil im Tourprogramm der Großbritannien-Tournee 1977 und auf dem Konzertplakat zu sehen sind. Auch scheint es den Künstler Jay L. Lee nicht zu geben. Vermutlich liegt dem credit „painting by …“ wieder ein typischer Streich Ian Andersons zugrunde, der sein Publikum sehr gerne auf den Arm nimmt. „Painting by“ könnte sich auch lediglich auf das Nachbearbeiten des Fotos beziehen.

Das LP-Cover stellt Ian Anderson dar, der nach erfolgreicher Jagd mit Hund und Jagdbeute an einem Lagerfeuer hockt. Sein Hut liegt im Hintergrund auf einem Baumstumpf. Unter dem Bandnamen steht die Zeile with kitchen prose, gutter rhymes and divers, darunter der Albumtitel (also etwa: „Jethro Tull // mit Küchenprosa, Gossenreimen und allerlei // Liedern aus dem Wald“). Das Bild auf der Rückseite zeigt den Baumstumpf der Vorderseite, als Plattenspieler dargestellt, wobei der Tonarm auf den Jahresringen des Baumes liegt. Neben den Angaben zu Titeln und Mitwirkenden – einschließlich eines Holzfällers – sind in kleinerer Schrift Bandname und Albumtitel sowie eine Strophe aus dem Titelsong abgedruckt, die programmatisch für das Album ist.

Spannend, gell? Wieviel Liebe zum Detail allein in die Gestaltung der Verpackung gesteckt wurde! Und tatsächlich steigert diese Sorgfalt, diese Versessenheit, für mich den Genuss der Musik. Noch dazu passt auch hier das „Artwork“ in einigen Teilen zum Grundthema der Renaissance.

Rush: A Farewell To Kings (Cover)
Rush: A Farewell To Kings

In dieser Kategorie schert das Rush-Cover leider etwas aus, denn diese Hülle spielt eher die dystopische Karte aus. Ein nennenswerter Zusammenhang mit der Renaissance ist mir nicht bewusst geworden. Der frisch verstorbene Hofnarr mag noch als kleiner Hinweis dienen, das würde aber auch noch zu mehreren anderen Epochen passen.

Fazit

So, nun wird es Zeit, aus diesen vielen einzelnen Strängen einen einzelnen Zopf zu flechten… Klar, es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Songs, noch dazu von recht unterschiedlichen Gruppierungen zu einem ähnlichen Zeitpunkt an unterschiedlichen Orten der Welt eingespielt, dennoch verbunden durch eine zumindest mir so erscheinende Ähnlichkeit des Bezugsrahmens. Eine faszinierende Parallele, die gleich einmal ein erneutes Anhören rechtfertigt. Und damit soll es für heute gut sein.

 

Kurze Vorwarnung…

Neben diesem Blog habe ich seit August 2014 einen separaten Blog mehr schlecht als recht betrieben, der sich ausschließlich mit der kanadischen Progressive Rock-Band Rush befasste. Allerdings passierte – kaum dass ich den Entschluss gefasst hatte, ein eigenes Rush-Blog zu eröffnen – etwas eigenartiges, denn ich verlor nach den ersten Einträgen jegliche Lust darauf.

Die Band höre ich immer noch gerne (sie läuft auch gerade im Hintergrund), aber mich darüber lang und breit auszulassen, irgendwie wollte ich das nicht mehr. Und so schleppte sich The Main Monkey Business nur höchst mühselig dahin. Heute morgen fasste ich den Entschluss, einen Schlussstrich zu ziehen. Einen entsprechenden Eintrag habe ich dort schon hinterlassen.

Die Vorwarnung für meine Leser bezieht sich nun darauf, dass ich die mir gelungen erscheinenden Einträge vom Rush-Blog zu diesem umziehen werde, bevor ich dort den Stecker ziehe. Wenn also heute im Lauf des Tages einige neue Artikel erscheinen, könnte es einfach daran liegen…

Liebster Blog-Award

In den letzten Wochen flatterten mir (virtuell, versteht sich) zwei Nominierungen für den „Liebster Award“ ins Postfach. Vielen Dank dafür, ich fühle mich sehr geehrt!

Ein paar der Blogs, denen ich folge, wurden in den letzten Wochen bereits nominiert, sodass ich gleich wusste, worum es dabei ging. Und ich kann nicht verhehlen, dass ich auch einen gewissen Stolz empfinde, in dieser „Liga“ mitspielen zu dürfen.

Gleichzeitig ist es so, dass die Annahme eines solchen Awards wiederum an die Nominierung anderer Blogs gekoppelt ist. Und allzu viele kenne ich nicht. Mir fehlt auch — ganz ehrlich — die Zeit, jetzt groß auf die Suche zu gehen, nur um hier ausreichend weitere Empfehlungen geben zu können. Diesem Punkt muss ich mich also leider einfach entziehen.

Es ist ganz einfach so, dass ich mir die Zeit nehme, die Beiträge der Blogs, denen ich folge, in der Regel ganz zu lesen. Wenn sie mir gefallen, besterne ich, wenn ich etwas dazu zu sagen/schreiben habe, tue ich das. Das kostet Zeit. Die gebe ich gerne, aber es gibt halt Grenzen. Und hier gilt für mich: Weniger (Blogs zu folgen) ist für mich mehr (weil ich dann mehr Zeit habe, die ich in Qualität und die Intensität bei der Beschäftigung mit den anderen Blogs investieren kann).

Auf die Fragen, deren Beantwortung nun einmal dazu gehört, antworte ich aber gerne.

Die Fragen von LifeHag

LifeHag hat die folgenden Fragen gestellt, die Antworten folgen jeweils auf dem Fuße.

Warum hast du mit deinem Blog angefangen?

Es gab (und gibt bis heute) mehrere Gründe:

  1. Der Blog ist für mich ein Ventil, um einen Platz für die Gedanken, die mir ständig durch den Kopf flitzen, zu haben. Dort kann ich die Ideen abladen, entweder reifen sie dann noch weiter (das ist gut), oder ich kann sie dann beruhigt vergessen (das ist noch besser). Alles in allem blogge ich also aus Gründen einer gewissen mentalen Hygiene.

  2. Je länger ich dabei bin, desto mehr interessante andere Blogs lerne ich kennen (hier und da habe ich ja auch schon einmal einen entsprechenden Eintrag dazu verfasst). Und auch dieses Zusammentreffen von Leuten, die sich in den meisten Fällen viel Zeit nehmen, um gute Artikel zu schreiben (meine Frau sprach von der Analogie zu „Brieffreundschaften“, was ich für ganz und gar passend halte), motiviert mich, die Qualität der eigenen Einträge immer wieder zu hinterfragen.

Meinen ersten Blog hatte ich bereits um das Jahr 2007 oder 2008, da habe ich angefangen, weil mich das Medium Weblog an sich interessiert hat (und weil iWeb die einfache Möglichkeit gewährte, einen solchen Blog zu erstellen und zu publizieren). Allerdings war dieser erste Versuch weder von Qualität noch für viele Menschen lesenswert. Am Ende habe ich ihn ziemlich überhastet eingestellt und ein Jahr (auf den Tag genau) pausiert.

Seit Frühjahr 2012 läuft dieser Blog, am Anfang eher zögerlich, mittlerweile komme ich zumindest auf mehrere Einträge pro Woche (im Schnitt, nicht dass ihr hier plötzlich Ansprüche stellt…). Viel mehr wird es nur in den Ferien, denn da habe ich meist etwas mehr freie Zeit bzw. bin ausgeruhter und kann auch spät abends noch ein paar Zeilen tippen.

Wie wichtig sind dir Follower?

Das ist eine schwierige Frage, denn einerseits schätze ich es, mehr Leser zu haben, das belebt den Blog, bringt neue Themen ein und sorgt für mehr Lebendigkeit. Andererseits würde ich nicht „alles“ tun, nur um weitere neue Leser dazuzugewinnen. Der Blog ist ein Hobby, ein angenehmes zwar, aber eben auch nur ein Hobby.

Was macht dir am Bloggen am meisten Spaß?

Das Tippen auf den „Veröffentlichen“-Button in der Blogsy-App. Und damit verbunden das mentale Abhaken der Gedanken. Manchmal reifen sie dadurch eben noch weiter, häufig räumen sie aber auch einfach das Feld und ermöglichen neue kreative Einfälle.

Laptop oder Desktop-Pc?

Das ist einfach zu beantworten: iMac, wenn ich am Schreibtisch arbeite, ansonsten iPad (alle Veröffentlichungen laufen darüber, s.o.). Unterwegs mache ich manchmal Notizen auf dem iPhone, aber zum Veröffentlichen habe ich das meines Wissens noch nie benutzt (dazu tippe ich darauf zu schlecht).

Iphone oder anderes Smartphone (wenn ja, welches)?

Ganz klar: iPhone (in meinem Fall ein 5S).

Wie viele Stunden investierst du täglich in deinen Blog?

Völlig unterschiedlich, sowohl von Tag zu Tag als auch von Woche zu Woche stark schwankend – immer in Abhängigkeit von der Arbeitsbelastung und anderen Terminen. Manchmal schreibe ich schon ein bis zwei Stunden an einem großen Artikel, manchmal öffne ich (leider) nicht einmal die WordPress-App, weil einfach zu viel anderes zu tun ist.

Liest du die Kommentare die deine Follower abgeben?

Jeden einzelnen. Ich bemühe mich, auf so ziemlich alle zu antworten oder zumindest einen Stern als Dankeschön zu vergeben – es sei denn, der Kommentar stört mich (was aber noch nie vorkam).

Deine Lieblingssportart?

Seilspringen. Ich persönlich springe jeden Tag mit mehreren Seilen (die nutzen sich so schnell ab, im letzten Jahr habe ich acht geschafft), Joggen ist aber auch nicht schlecht (das ruht im Moment aber etwas), Basketball im Hof vor dem haus genieße ich ebenfalls bei schönem Wetter. Von Zeit zu Zeit mache ich eine Runde Yoga, dann gibt es noch dieses „7-Minute-Workout“, das bei ausreichend Zeit gleich nach dem Seilspringen angehängt werden kann. Aber Seilspringen toppt schlicht alles.

Welche Blogs liest du gerne?

Ich folge einerübersichtlichen Reihe von Blogs und entscheide kaum zwischen den einzelnen Posts in meiner Reader-Ansicht. Manchmal lasse ich einen Eintrag aus, der mir zu lang(atmig) erscheint, aber üblicherweise lese ich alles. Wenn mir etwas dazu einfällt, kommentiere ich, wenn es mir gefällt, gibt’s einen Stern. Fertig.

P.S.: Die Blogs von simplifyme72 und Private Readers Book Club lese ich garantiert immer komplett.

Wieso benutzt du WordPress?

Es funktioniert. Und es ist völlig plattformunabhängig, was ich schätze, denn so könnte ich sogar aus dem abgeschiedensten Hinterland noch bloggen, auch wenn da nur ein gammliger Windows-Rechner stünde.

Was darf in keinem Blog fehlen?

Der persönliche Bezug. Ich selbst bemühe mich, nicht zu viel von mir zu offenbaren, manches geht ja schlicht und ergreifend niemanden etwas an, aber ohne persönlichen Bezug, ohne das Ergreifen einer eigenen Position, das Äußern einer Meinung, das Ausleben des eigenen Humors (so schlecht er – wie in meinem Fall – auch sein möge), was wäre ein Blog da schon?

Die Nominierungen

Eigentlich soll man ja elf weitere Blogs (mit je weniger als 100 Followern) nominieren. Doch wie oben beschrieben, kenne ich nicht allzu viele Blogs, noch dazu schätze ich sie eigentlich alle, denn jeder hat seine Eigenheiten. Man verzeihe mir dieses Abweichen von der Konvention, aber ich verzichte auf weitere Nominierungen.

Die Fragen von Buchherz – Der Bücherblog

Was ist deine Motivation beim Bloggen?

Mentale Hygiene (Gedanken loslassen können, nachdem sie ausformuliert wurden) und Spaß daran, wie andere auf diese Gedanken reagieren.

Was war für dich der ausschlaggebende Moment, um mit dem Bloggen anzufangen?

Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Es hat einfach Spaß gemacht und hilft mir bei der mentalen Hygiene.

Worauf bist du am meisten stolz bei deinem Blog?

Dass es offensichtlich Leute gibt, die ihn interessant genug finden, um ihm (bzw. mir) zu folgen, die Kommentare schreiben und Sterne vergeben. Nicht immer kann ich gleich darauf reagieren, aber ich freue mich jedes einzelne Mal.

Schätz mal: Wie viele Bücher besitzt du? (E-Books zählen mit)

Das Zählen dauert zu lange, ich schätze, dass die Zahl jenseits der 2.000 liegen muss. Und ich habe viele Bücher, von denen ich weiß, dass ich sie nicht noch einmal lesen werde, bei Amazon oder Momox weiterverkauft — das mache ich immer so, Stauraum ist kostbar. Daher schwankt die Zahl immer wieder. Aber allein im Arbeitszimmer habe ich vier volle Regale, dazu etliche iBooks, im Keller stehen noch ein paar Kisten mit den Büchern, die nostalgischen Wert besitzen, aber nicht ständig in meiner Nähe sein müssen…

Schläfst du lieber bei geöffnetem oder geschlossenem Fenster?

Ganz einfach: Solange es keine Minus-Grade draußen hat, liebe ich die frische Luft. Also: November-Februar/März: Fenster zu. März/April-Oktober: Fenster auf.

Wie startest du morgens deinen Tag?

  • 4:50 h Wecker
  • 4:51 h Gang zur Toilette, dort dann noch im Halbschlaf auf dem iPhone nach App-Updates sehen, die Things To-Do-Liste ansehen (und ignorieren), WordPress-App öffnen und kurz Überblick verschaffen, je nach Uhrzeit Twitter-Timeline überfliegen
  • 4:58 h Ab in den Keller, Hörbuch an, Schuhe binden
  • 5:00 h Nike+ Fuel-Session und Stoppuhr starten, Seilspringen (80-90 Minuten)
  • 6:30 h Schuhe ausziehen, rauf ins Bad, Rasur, ab in die Dusche
  • 7:00 h Anziehen, Aufhübschen (bis die Frisur sitzt…), Rucksack packen, dann ab zur Schule, Kinder quälen, yee-hah!

Du hast genau eine Frage, die du irgendjemandem auf der Welt stellen kannst und diese Person muss dir ehrlich antworten. Wem würdest du diese Frage stellen?

Lieber Barack Obama (und alle Vorgänger/Nachfolger)!
Wäre es nicht viel einfacher, den gesamten Militär-Etat (500.000.000.000 Dollar/Jahr) der USA (und sei es nur der Militär-Etat eines einzigen Jahres) in die Länder der sog. Dritten Welt zu investieren, um tatsächlich einmal einen längerfristigen Frieden auf unsere Welt zu bringen? Ist die Wahrscheinlichkeit, dass das viel mehr hilft, als immer nur auf kriegerischem Wege die Symptome der krassen Ungleichverteilung auf der Welt zu bekämpfen, nicht astronomisch hoch?

Von welchem Song kriegst du nie genug und kannst ihn dir immer wieder anhören?

Diese Frage ist für einen Musiker vermutlich die größte Qual, denn es gibt nicht den einen Song. Ich habe eine Liste mit Lieblingssongs, die laut iTunes „1,1 Tage“ lang ohne jede Wiederholung laufen kann. Eine ganz kleine Auswahl aus meiner Favoriten-Liste:

  • Axel F (Harold Faltermeyer)
  • Alien Shore (Rush)
  • Alles Neu (Peter Fox)
  • Anyway The Main Thing Is (Patty Larkin)
  • Augenbling (Seeed)
  • Back in Black (AC/DC)
  • Beyond The Sea (Robbie Williams)
  • Bravado (Rush)
  • Brothers in Arms (Dire Straits)
  • Doubleback (ZZ Top)
  • Down Under (Men At Work)
  • Drive (R.E.M.)
  • Du Doof (Wise Guys)
  • Easter (Marillion)
  • Every Little Thing She Does Is Magic (The Police)
  • Fields Of Gold (Sting)
  • Finish What Ya Started (Van Halen)
  • Fly By Night (Rush)
  • Gospel (March Fourth Marching Band)
  • Hamlet (Wise Guys)
  • The Heat Is On (Glenn Frey)
  • Hey Laura (Gregory Porter)
  • Highway To Hell (AC/DC)
  • Home On The Strange (Geddy Lee)
  • Honky Tonk Women (The Rolling Stones)
  • I Left My Heart In San Francisco (Tony Bennett)
  • I Need A Dollar (Aloe Blacc)
  • I See You (Leona Lewis)
  • I Shot The Sheriff (Bob Marley)
  • Imagine (John Lennon)
  • It’s Still Rock & Roll To Me (Billy Joel)
  • Java Jive (The Manhattan Transfer)
  • A Kind Of Magic (Queen)
  • Lady In Black (Uriah Heep)
  • Limelight (Rush)
  • Loch Lomond (Runrig)
  • Marie (Herbert Grönemeyer)
  • Mary’s Place (Bruce Springsteen)

Hmmmmm, ich glaube, es ist Zeit, die Liste mal abzubrechen, sonst wird’s peinlich. Da kämen noch ein- oder zweihundert Titel. Die kann ich alle — immer je nach Stimmung — von morgens bis abends rauf und runter hören.

Welches Buch liest du gerade und wie lautet der 5. Satz auf S. 163?

Stephen King: „Sie“. Der Satz lautet: „Darin verbrachte Misery ein ausgelassenes Wochenende auf dem Lande, wo sie Growler, Ians geliebten Irish Setter, bumste.“

(Ich habe das nicht ausgesucht, ich wurde gezwungen!!!)

Was möchtest du in deinem Leben noch unbedingt erreichen?

Da gibt es einiges:

  • Einen 100 Kilometer-Lauf vorbereiten und durchziehen. Oder zumindest einen Marathon…
  • Mindestens ein halbes Jahr in San Francisco wohnen.
  • Irgendwann einmal so gut organisiert sein, dass ich jede Nacht zu ausreichend Schlaf komme, um dann den Tag über entspannt und ausgeglichen zu sein.
  • Meine Kinder Eltern werden sehen und sie bei den ersten Schritten in diese für sie neue Welt unterstützen.

Fazit

Ich danke für die beiden Nominierungen, habe die Fragen gerne und hoffentlich nicht zu ausführlich beantwortet. Gleichzeitig drücke ich mich ja vor der Nominierung weiterer Blogs. Ich hoffe, das stört nicht zu viele Leser. Genießt den schönen Nachmittag noch, ich stelle mir jetzt ein leckeres Getränk kühl, um es dann heute Abend vor dem Fernseher auszutrinken. Das solltet ihr auch tun.

 

Musik (nicht) nur, wenn sie laut ist

Normalerweise höre ich meine Musik nicht übermäßig laut, für die heftige Dauerbeschallung habe ich ja nun schon meine drei Kinder und die 16 Schulklassen, die ich in diesem Schuljahr unterrichte… Heute Nachmittag jedoch habe ich beim Salatschnipseln (das Abendessen kann man bei hungrigen Kindern nur bedingt aufschieben) das Album Moving Pictures der hier schon häufiger erwähnten Band Rush gehört. Und — ganz ungewohnt für mich und völlig aus einer Laune heraus — bei (für meine Verhältnisse) hoher Lautstärke. Und der Genuss war unglaublich groß!

Das Album an sich ist für mich ja schon ein Hammer, denn viele der bis heute bei so ziemlich jedem Konzert gespielten Klassiker der Band befinden sich in ihrer Originalversion auf diesem Album. Bei hoher Lautstärke kam der gerade 2013 für iTunes neu gemasterte Sound voll zur Geltung: Satte Bässe, ein ausgewogener Klang, der weder zu basslastig noch zu dünn ist, druckvoller Schlagzeugsound — und das alles kristallklar.

Wer das Album nicht kennt, sollte sich unbedingt mit den einzelnen Titeln auseinandersetzen. Man muss ja nicht gleich alles kaufen, bei YouTube gibt es haufenweise gute Konzertmitschnitte, z.B. sogar in HD-Qualität (vermutlich von DVD gerippt). Empfehlenswert sind meines Erachtens vor allem die folgenden Stücke (und genau von denen findet man fast alle ohne Probleme bei YouTube):

  • Tom Sawyer
  • Red Barchetta
  • YYZ (dazu gibt es auch ein cooles Video bei YouTube, in dem die Entstehung des Songs erläutert wird)
  • Limelight

An den anderen Songs ist nichts auszusetzen, aber diese vier hauen mich förmlich vom Hocker…

Das Plattencover ist ein kleiner Wortwitz in sich: Unter Moving Pictures versteht man ja eigentlich einen Film. Hier jedoch wird „moving“ wie „umziehen“ übersetzt — und genau das sieht man dann auch auf dem Cover.

 

Album — nicht einzelne Songs

Eddie Trunk

Vor ein paar Wochen habe ich mir bei YouTube diverse Videos angesehen, bei denen es immer um die Band Rush ging. Einige Videos waren natürlich einfach Konzertmitschnitte, die ich aus unterschiedlichen Gründen interessant finde. Andere Videos drehten sich eher um Hintergrundinformationen, z.B. Interviews oder Albenbesprechungen, Tourberichte und der gleichen mehr.

Ein Video ist bei mir besonders hängen geblieben, es handelt sich um dieses Interview mit Eddie Trunk. Bei ungefähr 13 Minuten und 20 Sekunden beginnt ein Gesprächsfaden, der sich um die Frage dreht, was Rush als Band denn eher bevorzugt: Songs oder Alben? Und — wie nicht anders zu erwarten — ist die Antwort natürlich: Alben.

Wenn ich in der Schule den Bereich Hard Rock/Heavy Metal mit meinen Schülern bespreche, ist auf einem der Arbeitsblätter gleich auf der ersten Seite ein Abschnitt, der den Unterschied zwischen Pop- und Rockmusik erläutern soll: Pop-Musik orientiert sich eher an der Veröffentlichung einzelner Titel (früher noch „Singles“ genannt), Rock-Musik ist eher an der Veröffentlichung ganzer Alben, die oft auch thematisch zusammengehören, interessiert.

Und gerade Rush als Urgestein der Rockmusik (gegründet 1968, also sieben Jahre vor meiner Geburt), die sich unaufhaltsam auf ihr 50. Jahr als Band zubewegen, verkörpert das mehr noch als viele andere Bands. Schön finde ich auch, dass das in dem Interview zum Ausdruck kommt, denn da sagen die Musiker über sich selbst, dass sie das „Opus“, also das Gesamtkunstwerk, das Konzeptalbum, bei dem alle Songs, die Covergestaltung, die Texte der Lieder, schlicht jedes Detail des Albums wie Puzzleteile ein geschlossenes Ganzes ergeben sollen, als ihr Metier ansehen.

Herrlich!

 

Rush: „Roll the Bones“

Roll The Bones

Im September 1991 brachten Rush ihr 14. Studioalbum mit dem Titel „Roll the Bones“ heraus. Von vielen Fans wird das Album als eines der schwächeren, von manchen sogar als „Enttäuschung“ abgetan, mir geht es da ganz anders.

Ich war damals mit einem meiner Brüder in Nürnberg auf einem Konzert der „Roll the Bones-Tour“. Und obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nicht mehr als zwei oder drei Alben der Band kannte (neben diesem nur noch „Presto“ und „Grace Under Pressure“), war dieser Auftritt einfach unbeschreiblich gut. Diese Band, die nur aus drei Musikern besteht und sich auch für die Auftritte keinen vierten oder gar fünften Mann auf die Bühne stellt, ging im besten Sinn des Wortes routiniert zu Werke: Jeder Griff saß, das Set war geschmackvoll zusammengestellt, die Show war gut — und mich als damals noch nicht einmal Siebzehnjährigen hat das einfach umgehauen.

Wer Rush nicht kennt, mag sich fragen, wie diese Band „nur zu dritt“ auf der Bühne klingen mag. Überraschung! Sie hören sich genauso gut an wie auf dem Album (manche würden sogar sagen, sie klingen live noch besser…), denn alles, was sie nicht selbst spielen können (z.B. Keyboard-Einwürfe), wird in Touch-Pads einprogrammiert, die dann jeweils einer der Musiker auslösen muss. Zusätzlich zum eigenen Instrument und dem eventuell noch anfallenden Gesangspart muss also jeder noch zum exakt richtigen Zeitpunkt auf ein Pad treten, schlagen oder drücken. Auf diesem YouTube-Video von „Roll the Bones“ sieht man das mehrfach (z.B. exakt bei 45 Sekunden, denn da kann man hinter Neil Peart am Schlagzeug eine ganze Reihe solcher Pads erblicken). Vielleicht muss man Musiker sein, um die Komplexität dieser Abläufe in vollem Ausmaß bewundern zu können. Ich finde es jedenfalls sehr beeindruckend!

Zurück zum Album „Roll the Bones“! Der Titelsong ist ein wunderbares Beispiel für den gesetzten Humor „alter Hasen“. Ich erinnere mich gut an meine Studienzeit, als mir an der Hochschule für Musik und an der Universität durchaus einzelne Gestalten über den Weg gelaufen sind, die sich wirklich selbst bei simplen Hausarbeiten, die bis zur nächsten Seminarsitzung zu erledigen waren, über jedes einzelne Wort und jede kleine Formulierung Gedanken machten. Überall musste der noch verborgene Hintersinn, das Metaphysische gesucht werden. Ganz ehrlich: Ich war da einfacher gestrickt (und bin es noch immer).

Und das gefällt mir an diesem Album: Nicht jeder Song muss noch eine oder zwei versteckte Parallelen oder Anspielungen enthalten. Es sind einfach gute Rock-Songs, oft eingängig (manchmal geradezu poppig), die man sich anhören kann, ohne danach in Grübeleien über den Sinn oder Unsinn der Lyrics zu versinken. Mir gefällt das, denn es entspannt mich.

Tatsächlich trifft es der gerade eben schon erwähnte Titelsong perfekt auf den Punkt. Bereits der Titel deutet darauf hin, dass manches „einfach Schicksal“ ist und man nicht nach einem tieferen Sinn suchen sollte. Die Redewendung „roll the bones“ ist an sich schon sehr alt, denn bereits im vierzehnten Jahrhundert verwendete Chaucer in „The Pardoner's Tale“ die bis heute geläufige Gleichsetzung der „bones“ (Knochen) mit den „dices“ (Spielwürfeln), vermutlich angelehnt an die in manchen alten Kulturen üblichen Schicksalsvoraussagen, die auf dem Werfen echter Knochenstücke basierten.

Im Text gibt es dann ein paar wunderbare Stellen, die ich kurz aufzeigen möchte. In Klammern steht jeweils eine grobe sinngemäße Übersetzung (für alle Erbsenzähler: ich hab's übersetzt):

We go out in the world and take our chances (Wir ziehen in die Welt hinaus und vertrauen auf unser Glück), fate is just the weight of circumstances (Schicksal ist nichts anderes als die Summe der Umstände), that's the way that lady luck dances (so funktioniert nun einmal die Sache mit dem Glück), roll the bones (Schicksal).

Oder, fast noch schöner, weil noch direkter:

Why are we here? (Warum gibt es uns?) Because we're here (Weil es uns gibt.) Roll the bones (Schicksal) Why does it happen? (Warum passiert das?) Because it happens (Weil's passiert.) Roll the bones (Schicksal)

Ich finde das einfach nur herrlich. Und in genau diesem Sinne höre ich mir den Song jetzt gleich noch einmal an. Wer sich für die gesamten Lyrics interessiert, kann hier klicken.

 

Neue Musik entdecken

Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag. Wenn man die 20 mal überschritten hat, werden Geburtstage in zunehmendem Maß unspannend. Hier und da – 30., 40. und so weiter – werden mal besondere Feste eingeflochten, aber ansonsten ist ein Geburtstag ja auch einfach nur ein Tag wie jeder andere.

Dieses Jahr habe ich mir einen Wunsch über mehrere Monate versagt, den ich dann am Geburtstag einlösen konnte, ohne mich verschwenderisch zu fühlen: Von der Band Rush, deren Musik ich seit den frühen 1990er Jahren schätze — ich war sogar auf einem Konzert in Nürnberg —, kam erst in diesem Jahr eine Compilation ihrer letzten sechs oder sieben Studioalben heraus. Bei iTunes gab es dieses traumhafte Paket für knapp unter 30€. Seit Monaten wusste ich davon, habe es mir aber für einen besonderen Anlass aufgehoben. Der Geburtstag erschien mir ausreichend besonders, also habe ich es gekauft und geladen. Nun darf ich seit Tagen Unmengen neuer Musik entdecken. Ein ganz und gar herrliches Gefühl.

So, genug geschrieben, ich muss wieder weiterhören, es ist einfach zu faszinierend… 😉