Coole Idee

Bei Twitter fand ich vor ein paar Tagen ein Foto, das mir eine ganz faszinierende Idee für die Zukunft aufzeigt: Wenn ich beim Korrigieren mal wieder zu müde werde, verlege ich meine Arbeitsstätte auch um mein Laufband herum.

Eine Laufband-Workstation – sehr cool, so ein Teil baue ich mir mal!
Eine Laufband-Workstation – sehr cool, so ein Teil baue ich mir auch mal!

So etwas ähnliches gab es schon vor Jahren beim „Haus des Lernens“ in Romanshorn, das ich im Rahmen einer Exkursion besucht habe. Unter einer fixen Tischplatte wurden Trainingsräder so montiert, dass die Lernenden während der kognitiven Arbeit ihre Beine bewegen konnten. Das hält den Kreislauf wach und die Konzentration beim Stoff. Wenn ich mich nicht ganz irre, nannten die das bewegtes Lernen – sehr passend.

Hach! Jetzt noch die Zeit haben, dann würde ich mit dem Teil sofort beginnen…

P.S.: Das einzig verstörende an dem Foto ist, dass ich den Eindruck gewinne, die Frau liefe rückwärts, denn irgendwie fehlt dem Laufband der charakteristische Vorderteil… (Oder aber er ist gut versteckt.)

52 Wochen – Teil 14 („Kinners, lest mehr Bücher!“)

Seit nunmehr 14 Wochen veranstaltet der gute Zeilenende seine spektakuläre Selfie-/Porträt-Aktion „52 Wochen“ (hier alle seine Beiträge dazu, hier meine). Nun ist es wieder Sonntag, noch dazu der letzte Ferientag hier in Baden-Württemberg (ich möchte ja gerade auf keiner Autobahn unterwegs sein), da zwingen mich die äußeren Umstände, noch einige Korrekturarbeiten zu verrichten.

Und beim Korrigieren kommt mir spätestens bei jeder zweiten Arbeit ein Gedanke in den Sinn, der da lautet: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Zumindest suggeriert die zum Teil äußerst mangelhafte Rechtschreibung und die ebenfalls nicht gerade optimale Ausdrucksfähigkeit vieler Jung-Gymnasiasten, dass sicher nicht zu viele Bücher von unserem wichtigsten nachwachsenden Rohstoff gelesen werden.

Kommen wir zum Selfie des heutigen Tages: Mein Gesicht, wenn ich mal wieder über eine einer Glanzstunde der deutschen Sprache diametral gegenüberliegende Passage in einer Klassenarbeit stolpere.

Kinners, lest mehr Bücher!
Da wünsche ich mir doch immer wieder: Kinners, lest mehr Bücher!

Ein paar Beispiele der letzten Tage liefere ich gleich mit, damit niemand den Vorwurf erheben kann, ich würde das einfach so daher erfinden…

Eigentlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde...
Einnerlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde…
Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern...
Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern…
Die ein-ziege möglichkeint...
…die ein-ziege möglichkeint…
Ohne Worte...
Ohne Worte. Leider kein untypisches Bild.

Und es gäbe ja wirklich noch etliche solcher Stilblüten. In jeder einzelnen Klassenarbeit finde ich solche Stellen.

Daher: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Ganz abgesehen vom hohen Unterhaltungswert vieler Bücher (was man liest, ist ja nun jedem selbst überlassen) lernt man ganz ohne Zusatzaufwand eine halbwegs korrekte Rechtschreibung und Satzstruktur. Eine Win-Win-Situation, wenn ich an die positiven Langzeitwirkungen denke, kann ich sogar von einer Win-Win-Win-Situation sprechen.

Das Ausgeliefertsein an die Unkultur

Hervorragend: Rhythm Is It!
Eine hervorragende Dokumentation: Rhythm Is It!

Henry Wilt, der unschlagbar sympathische Antiheld aus Tom Sharpe's aberwitziger „Wilt“-Romanreihe empfindet seine Unterrichtstätigkeit an der fiktiven Berufsschule von Fenlan als ein Ausgeliefertsein an die Unkultur, weil seine Schüler sämtlich von Manieren und Kultur befreite Hempel sind.

Grundsätzlich würde ich mich sehr dafür stark machen, dass wir es am Gymnasium ja überwiegend mit einem anderen, in der Summe angenehmeren Klientel zu tun haben. Doch hin und wieder machen sich ein paar Schüler daran, mir auf ihre eigene Art klarzumachen, wie sehr ich mich doch irren kann…

Gestern habe ich mit einer meiner fünften Klassen im Rahmen meiner Strawinsky-Sequenz die überaus bekannte Skandal-Ballettmusik „Le sacre du printemps“ besprochen und Teile daraus (natürlich in stark vereinfachter Form) musiziert. Dabei kamen wir irgendwann auch auf den Film „Rhythm Is It“ zu sprechen, diesen wirklich ansprechenden Dokumentarfilm über eine intensive Erarbeitungsphase eines Balletts zu der live gespielten Musik Strawinskys. Die Besonderheit: Getanzt wird das Ballett nicht von einer kleinen Gruppe echter (oder werdender) Ballett-Tänzer und -Tänzerinnen. Bei „Rhythm Is It“ wurden 250 Schüler von diversen Hauptschulen in Berlin zusammengerufen – und das Ergebnis zeigt, dass dies keineswegs die verlorene Schicht/Generation sein muss, für die viele sie halten.

Durch einen Zufall bekam ich heute eine Vertretungsstunde in genau dieser Klasse von gestern zugeteilt. Das stand gestern auch schon auf dem Vertretungsplan, also konnte ich mir den Luxus erlauben, diese zusätzliche Stunde vertiefend zu nutzen, denn ich packte heute früh noch die „Rhythm Is It“-DVD ein. In diesen Genuss kommen die Parallel-Klassen nicht, eigentlich ging ich davon aus, dass die Klasse diesen kleinen Exkurs zu schätzen wisse.

Ich zeigte den Schülern aber nicht die 100-minütige Dokumentation. Nein, ich beschränkte mich auf die Aufführung, die auf einer separaten DVD in dem Deluxe-Schuber enthalten ist. Die Klasse blieb sogar weitgehend ruhig beim Ansehen (was leider schon keine Selbstverständlichkeit ist, denn heutige Schüler haben meiner Wahrnehmung nach das permanente Bedürfnis, alles und jeden zu jedem Zeitpunkt zu kommentieren – auch wenn es niemanden interessiert oder nur ganz periphär mit der Sache zu tun hat), doch am Ende kam ein Schüler zu mir und sagte allen Ernstes:

Also ich wäre ja auch einer von denen gewesen, die die (gemeint war die Tänzerin, die am Ende der Handlung „geopfert“ wird, um die Götter zu besänftigen, damit sie einen frühen und milden Frühling schicken) getötet hätten, der Film war ja so scheiße.

Ich habe mir einfach jeglichen Kommentar verbissen, an Henry Wilt und sein Ausgeliefertsein an die Unkultur gedacht und ihn aus dem Klassenzimmer geschickt. So ein vorbildlicher Gymnasiast voller Weltoffenheit und kulturellem Interesse!

 

52 Wochen — Teil 6 („Die Protestkappe – oder: The Sky’s The Limit“)

Auch am heutigen Sonntag gibt es natürlich einen neuen Beitrag zum vom verehrten Zeilenende ins Leben gerufenen Foto-Challenge „52 Wochen“.

Die Protestkappe – The Sky's The Limit
Die Protestkappe oder: The Sky's The Limit

Am vergangenen Montag (Ostermontag) fand im Kreise meiner Familie die Taufe meiner Nichte statt. Wie schon bei den vorangegangenen Kindern bzw. deren Tauffeiern durfte ich mich musikalisch beteiligen, was ich genussvoll auslebte. Eine — von mir als solche ausgelegte — Unschärfe im Programmheft ermöglichte es mir, vier musikalische Beiträge zum Besten zu geben (statt nur eines einzigen).

Da ich für den Anlass ohnehin herausgeputzt hatte, musste meine Protestkappe mit. Diese hat eine lange Geschichte, die ich auch nur andeutungsweise hier erzählen kann (und will): Im Dezember 2010 veröffentlichte ich einen unvorteilhaften Eintrag in meinem damaligen Blog. Er existiert schon lange nicht mehr, hieß anders, war auf einer heute nicht mehr existenten Plattform publiziert, eine Suche lohnt also wirklich nicht…

Die Konsequenzen bekam ich ab dem 10. Januar 2011 zu spüren. Genau zwei Tage vorher hatte ich mir beim Besuch der Schwiegereltern in Eichstätt diese wundervolle Kopfbedeckung (fälschlicherweise Kappe genannt) zugelegt. Und jedes einzelne Mal, wenn ich sie trage, muss ich an diese wahrlich beschissene Zeit denken. Da ich mich von dieser Reminiszenz aber nicht unterkriegen lasse, ist sie meine Protestkappe.

Um es klarzustellen: Verbockt hatte ich es damals, denn geschrieben und veröffentlicht hatte ich den Blog-Eintrag. Der Umgang anderer damit war aber absolut nicht geeignet, die Situation effektiv zu bereinigen. Vielmehr sollte ganz offensichtlich ein Exempel statuiert werden, und da kam ich anscheinend gerade recht. Heute würde ich ganz anders mit einer solchen Situation umgehen, aber egal! Ich habe daraus viel gelernt, lebe jetzt um ein Vielfaches zufriedener — für mich hat sich das statuierte Exempel unterm Strich als Gewinn erwiesen (auch wenn es sich damals alles andere als gut angefühlt hat).

Und so trage ich meine Protestkappe auch weiterhin mit Stolz. Basta!

 

Das neue Projekt: 10 Klimmzüge

Vor einigen Wochen las ich einen sehr interessanten Blog-Eintrag von crossboxsports, in dem er auf den nur allzu gern übersehenen Klassiker Klimmzug hinweist und auch gleich noch Tipps für gestaffelte Übungen gibt.

Das weckte das Interesse in mir, in meiner Frau auch. Also bestellten wir uns flugs eine Klimmzugstange. Und zwar eine moderne, die man nicht mehr festschrauben muss, um so den Türrahmen nachhaltig zu verkratzen. Nein, dieses Modell ist richtig schick, es wird über dem Türstock und außen am Türrahmen festsitzend eingeklemmt und trägt dann bis zu 100 kg. Ich bin mit unter 65 Kilogramm der schwerste in der Familie, also mussten wir nicht noch auf das stärkere Modell aufstocken.

Da hängt unser jüngster Zuchtmeister
Da hängt unser jüngster Zuchtmeister...

Und dann hing es erstmals da und forderte auf seine stille, fast schon schmunzelnde Art jeden, der am Arbeitszimmer vorbeikommt, auf, doch bitte gleich einmal einen oder mehrere Klimmzüge zu absolvieren. Hmmmmmm. Also ran!

Uuuuuuuuuuaaaaaaaarrrrrrrrrgggggggghhhhhhh!

Eins. Und damit war auch schon Schluss. Vorerst.

Seitdem habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, bei so ziemlich jedem Betreten des Arbeitszimmers kurz innezuhalten, die Arme zu erheben und mindestens einen Klimmzug zu absolvieren. Klar, gelegentlich bin ich fürchterlich in Eile, vor allem morgens, wenn ich nach dem Laufen beim Duschen getrödelt habe – der Bus wartet ja nicht auf mich (auch wenn das mehr als verdient wäre) –, doch ansonsten mache ich das wirklich fast immer.

Und siehe da: Mittlerweile schaffe ich auf jeden Fall zwei Stück. Zum Mitschreiben: Das ist eine Steigerung um 100 Prozent! Mal sehen, ob ich es nicht schaffe, noch in den Osterferien weitere 100 Prozent zu schaffen. Auf jeden Fall steht mein großes Ziel fest: 10 sauber ausgeführte Klimmzüge ohne Ansprung. Sobald es geschafft ist (vermutlich in zehn oder elf Jahren), schreibe ich wieder darüber.

(P.S.: Nein, heute hatte ich noch keinen Solera.)

 

52 Wochen – Teil 4 („Junkie“)

Heute wollte ich mal den Anspruch meiner Beiträge zum Zeilenende-Foto-Challenge „52 Wochen“ anheben und neben einem Foto von mir auch ein paar Details über mich zum Besten geben, die manch einer sich eventuell schon aus den unzähligen Blog-Einträgen zusammengereimt hat: Ich sehe zwar nie Live-TV (Ausnahme: Live-Berichterstattungen an Wahltagen, das finde ich meist recht spannend), mag aber TV-Serien. In gewisser Weise bin ich also ein Serien-Junkie.

52 Wochen – Teil 4 – Junkie
52 Wochen – Teil 4 – Junkie

Sicher nicht alle, denn da gibt es so unglaublich viel Blödsinn, dass es einem schier das Hirn seitlich aus dem Schädel drücken möchte, aber im Science Fiction-Bereich bin ich z.B. ganz gut zuhause (vor allem Star Trek in allen Varianten und Babylon 5, auch wenn diese Serie meiner Meinung nach deutlich schwächer ausfällt).

Wenn da nicht der begrenzende Faktor der abendlichen Müdigkeit wäre, könnte ich an so manchen Tagen eine ganze Staffel von einer Serie am Stück durchgucken. Effektiv habe ich das noch nie gemacht, denn spätestens nach zwei Folgen selbst einer spannenden Serie wie „Eureka“ (vom guten Zeilenende empfohlen, aktuell mein Favorit) fallen mir einfach die Augen zu. Ich kann nichts dagegen machen.

Im restlichen Bild sind noch ein paar andere meiner Favoriten untergebracht:

  • Monk – es gibt keinen sympathischeren Spinner als Adrian Monk, wer es nicht glaubt, soll sich mal die erste Staffel am Stück durchgucken…
  • Ein Colt für alle Fälle – für einen Trip auf der guten alten Straße der Nostalgie, denn diese Serie habe ich in meiner Kindheit jahrelang um 17:50 h im öffentlich-rechtlichen TV genossen.
  • The Cosby Show – mit dieser Serie bin ich groß geworden. Auch wenn Bill Cosby aktuell in einem etwas zweifelhaften Licht zu betrachten ist, halte ich diese Serie für eine der besten Familienserien aller Zeiten.
  • Columbo – meine neueste Errungenschaft, die gerade gestern geliefert wurde. Ich habe noch nicht einmal einen Blick in die Umverpackung werfen können (für das Foto musste ich erst noch die Folien außen abmachen). Man muss dazu nicht mehr sagen als: „Eine Frage hätte ich da noch…“
  • The Big Bang Theory – lange habe ich mich dagegen gesträubt, dann aber die ersten sechs Staffeln in einem zweimonatigen Rutsch verschlungen. Aktuell arbeiten wir uns durch die siebte Staffel. Und mehr ist ja ganz offensichtlich auf dem Weg. Juhu!
  • Monty Python's Flying Circus – eigentlich habe ich die schon viel zu lange nicht mehr angesehen. Viele davon sind so unglaublich gut, es wird wirklich Zeit!
  • Boston Legal – eine Serie, die mir durch ihre schonungslose Überzeichnung aufgefallen ist. Und durch William Shatner, der sich ganz offensichtlich selbst spielt. Ich darf nur nicht zu viele Folgen am Stück sehen, sonst werde ich zum Alkoholiker, denn bei jeder Folge habe ich angefangen, mir auch einen Scotch zu genehmigen…

Eine Serie, die ich sehr schätze, fehlt leider, denn die DVDs wurden noch nicht geliefert: „Dr. House“. Zynismus und Genialität in engster Verbindung machen diese Serie zu einem absoluten Genuss.

Soweit für heute, gönnt euch einen schönen Sonntag Abend – wir müssen noch zwei Schultage durchstehen, dann geht's verdient in die Ferien. Ab da müsst ihr mit mehr Einträgen an dieser Stelle rechnen…

P.S.: Die Vorbereitungen für das heutige Foto waren aufwändig, zwei vorbereitende Leer-Schüsse hänge ich an, da kann man die DVDs noch ein wenig besser erkennen.

DVD-Installation auf meinem Schreibtisch
DVD-Installation auf meinem Schreibtisch
Und Licht aus!
Die gleichen DVDs, nun aber: Licht aus!

Kamera: iPhone 5S, keine Filter. Vielen Dank an Multicolorina dilettiert für die Hilfe beim Fotografieren!

 

Ungefragt weiterveröffentlicht

In den letzten Wochen/Monaten erhielt ich auf Twitter immer wieder kurze Mitteilungen, dass eine neue Zeitung publiziert wurde. In diesem Zuge wurde mir gedankt. Beim ersten Mal war ich verwundert, hielt es für Werbung und ignorierte es, später entdeckte ich dann, dass jeweils ein aktueller Blog-Artikel von mir dort verlinkt worden war.

Eine der Mitteilungen - gerade von heute...
Eine der Mitteilungen - gerade von heute...

Nun bin ich kein Typ, der gleich zum Rechtsanwalt rennt (es soll solche Menschen ja geben). Eigentlich sogar das genaue Gegenteil, doch so ganz kann ich mich nicht mit der Tatsache anfreunden, dass ich nicht einmal gefragt wurde, ob denn mein Blog-Eintrag dort weiterveröffentlicht werden dürfe.

Klar, mir wurde gedankt. Aber das war nach der Verwendung. Zu diesem Zeitpunkt kann ich ja schlicht und einfach keinen Einspruch mehr erheben. Da liegt nun einmal der Hund begraben.

Was ich bisher von diesem Matzaton gesehen habe, war nicht weiter dramatisch, da hätte ich meine Einwilligung vermutlich auch ohne große Zeitverzögerung gegeben. Doch wenn jetzt irgendeine von mir sicher nicht unterstützte AfD-Seite oder etwas in der Richtung einen meiner Artikel zum Auffüllen Ihres Angebots nutzen würde, wäre ich eindeutig und absolut dagegen.

Daher bitte ich doch alle, die meinen, sich bei meinen Blog-Artikeln bedienen zu dürfen, sehr darum, mich einfach zu fragen. Üblicherweise werde ich dann sicher noch ein oder zwei Mal nachfragen, mir ein Beispiel für die bisherigen Publikationen (oder einfach den gesamten Auftritt im Netz) ansehen und dann – schlimmstenfalls – ablehnen. Auch damit muss man zur Not leben.

So sieht das dann aus...
So sieht das dann aus...

Der Screenshot zeigt die Verlinkung meines Blog-Eintrags von gestern, leider falsch verlinkt (es geht nicht eine Silbe um Sport), außerdem empfehle ich das nicht, ich habe es geschrieben.

Mich interessiert ja eher, ob noch andere solche Erfahrungen gemacht haben. Das fände ich ja wirklich spannend.

 

Dear Brother…

Vor ein paar Monaten machte mich meine Frau auf einen interessanten und sehr ungewöhnlichen Werbe-Clip aufmerksam. Es handelt sich um einen etwas 90 Sekunden dauernden Film, der nur mit Musik und einem (englischen) Kommentar hinterlegt ist.

In diesem Werbe-Clip begleitet man zwei Brüder auf ihrem Weg durch die schottischen Highlands bis hinunter zur Küste. Unterwegs streifen sie durch die Gegenden, in denen sie gemeinsam aufgewachsen sind. Erinnerungen drängen sich in den Vordergrund, die Stimmung scheint schwermütig. Einer der beiden Brüder, der noch dazu einen in einem groben Sack verpackten Gegenstand trägt, bleibt fortwährend ernst, der andere ist ausgelassen und übermütig. Irgendwann erreichen die beiden die Küste, sie stehen nebeneinander und blicken auf das Meer und die tosende Brandung hinab, der Wind zerzaust ihre Haare. Der ernste Bruder beginnt, den Sack zu öffnen, er holt etwas hervor – ist es eine Vase? Gleichzeitig schwenkt die Kamera um ihn herum, sodass für einen Moment der Blick auf den zweiten Bruder verdeckt ist. Als die Kamera den Schwenk abgeschlossen hat, fehlt der zweite Bruder. Stattdessen hält der einsame Bruder eine Urne im Arm. Er leert sie an der Steilküste in den Wind, der an seiner Kleidung zerrt, die Asche verteilt sich. Nun wird klar, dass der Kommentar die letzten Wünsche seines verstorbenen Bruders darstellt.

Ein überaus bewegender Werbe-Clip. Doch aus meiner Erzählung habe ich gleich einmal das Produkt gestrichen. Und zwar aus einem einfachen Grund: Der Clip erzählt mit Feingefühl und auch einer ordentlichen Portion Kitsch eine faszinierende Geschichte, die so eng mit der menschlichen Natur verbunden ist wie der zweifelsohne über-romantisierte Vorgang der Geburt (ich weiß wovon ich spreche, schließlich habe ich drei Geburten beigewohnt). Doch animiert sie meiner Einschätzung nach vermutlich niemanden, das beworbene Produkt zu kaufen.

Nein, es ist kein Werbe-Clip für Urnen oder grobe Säcke, in denen man sie durch die Gegend tragen kann. Sicher ist es auch keine Werbung für den Tourismus in Schottland, auch wenn einige der Landschaftsaufnahmen geradezu spektakulär sind. Nein, hier wird ein urschottisches Produkt beworben: Whiskey. Der Clip stammt von Johnny Walker, doch obwohl ich ihn mittlerweile sicher fünf oder sechs Mal angesehen habe, die Lust auf das Produkt hat sich in mir nicht gerührt. Vielleicht ist die Verbindung von Whiskey und Tod hier einfach eine Spur zu intensiv, ich weiß es nicht genau.

Wie geht es euch beim Ansehen dieser Werbung? Hier ist der Link – ich freue mich über Kommentare.

 

Ein außergewöhnlicher Samstag

Manch einer mag es bemerkt haben: Ich habe mich hier in der letzten Woche ziemlich rar gemacht. Dahinter steckte keine böse Absicht, es war einfach eine derbe anstrengende Woche. Doch es gab auch einige Höhepunkte, einen davon gibt es im Anschluss gleich einmal zu lesen.

Der vergangene Samstag war ein eigenartiger Tag, in ihm vereinten sich sehr viele gegenläufige Strömungen, von völliger Entspannung bis zu endgültiger Erschöpfung war alles dabei.

Luxus-Schlaf

Nachdem sich die fünf Wochentage vor dem Samstag dieses Mal erheblich anstrengender angefühlt hatten als sonst – wobei ich im Detail nicht einmal sagen kann, was im Einzelnen den Ausschlag dafür gab –, gönnte ich mir am Samstag ein langes Ausschlafen (also bis 7:21 h). Ich war am Freitag Abend bereits um 21:45 h im Bett, daher kam ich auf eine Schlafenszeit von über neuneinhalb Stunden. Ich glaube, das hatte ich in den letzten Monaten nie erreicht. Und es tat gut, denn ich erwachte von selbst und konnte mich sofort voller Tatendrang aus dem Bett schwingen.

Laufen der besonderen Art

Nach einem ruhigen Einschwingen in den Tag machte ich mich auf dem Laufband an einen der allmorgendlichen 15 Kilometer-Läufe. Doch trotz Erholung und eines leichten Frühstücks wurde mir nach etwa fünf Kilometern recht plötzlich schummrig. Ich fühlte mich zittrig – und das in einer der erholsamen Phasen (bei 9 km/h) des laufenden 15-Kilometer-Programms. Nicht schön.

Ich unterbrach den Lauf und begab mich in die Küche, packte erst einmal die Schokolade aus und aß zwei Rippen. Dann folgten noch ein paar Kekse und etwas zu trinken (mit Koffein, mehr muss ich wohl nicht ergänzen). Nach ungefähr 15-20 Minuten Pause war ich wieder fit, zitterte nicht mehr und startete erneut, dieses Mal halt noch die fehlenden 10 Kilometer, jedoch mit gemütlichem Tempo (zwischen 8 und 10 km/h, mit einem absoluten Überhang der geringeren Geschwindigkeit). Klappte alles gut.

Ausgeflippte Kinder

Wir nähern uns nach und nach dem Höhepunkt des Samstags. Um ihn aber erreichen zu können, ist es wichtig, sich einen Umstand ins Gedächtnis zu rufen: Wir haben drei Kinder. Der Höhepunkt, auf den ich zusteure, ist der Besuch beim Kabarettisten unserer Wahl, doch können wir vor allem die Jüngste nicht allein zuhause lassen. Also hatten wir meine Mutter zur Betreuung eingeladen – das machen wir höchstens ein- oder zweimal im Jahr, denn allein für die einfache Strecke benötigt sie mehr als anderthalb Stunden Fahrt. Hier klappte es aber glücklicherweise.

Nur waren die Kinder völlig aus dem Häuschen – und das schon Stunden vorher. Vor allem die Jüngste freute sich wie eine Schneekönigin. Zwischen den Nachfragen, wann denn „endlich“ die Oma komme, lagen zunehmend kürzere Zeitintervalle (auch eine seltsame Wortkombination: zunehmend kürzer). Doch auch das überlebten wir (die Oma übrigens ebenso).

Urban Priol in Heidenheim

Um 18:50 h machten wir uns dann aus dem Staub und ließen Kinder und Mutter zurück. Nach knapp 35 Minuten Fahrzeit entstiegen wir in Heidenheim unserem Automobil und durften uns erst einmal zweihundert Meter durch ekelhaften Schneematsch zum Congress Centrum durchschlagen. Die Mühe lohnte sich jedoch, denn zu unserer beider Überraschung lagen unsere Karten fast ganz in der Mitte der ersten Reihe. Quasi „Angesicht zu Angesicht“ mit Urban Priol!

Blick von unseren Plätzen
Der Blick von unseren Plätzen auf die Bühne – Hmmmmmmm!

Vor etwa zwei Jahren hatten wir ihn dort schon einmal gesehen/gehört, was schon sehr gut war, aber an diesem Samstag hatte er wohl zusätzlich so richtig gute Laune. Und das war schlicht fabulös. Inklusive der etwa zwanzigminütigen Pause füllte er beinahe exakt die drei folgenden Stunden aus. Und es handelte sich um ein wahres verbales Feuerwerk. Purer Genuss!

(Na ja, fast purer Genuss… Für uns Frühaufsteher und den-ganzen-Tag-Durchwurschtler ist eine Veranstaltung, die um 20:00 h beginnt, schon recht hart an der Grenze. Wenn sie dann tatsächlich volle drei Stunden in Anspruch nimmt und danach noch 35 Minuten Heimfahrt winken, kann man mit dem Kopf genießen und gleichzeitig mit dem Körper Qualen – die „ruhelosen Beine“ und die ständig neu zufallenden Augen – ausstehen… Aber angesichts des tollen Programms handelt es sich hier vollständig um ein „Jammern auf hohem Niveau“.)

Im Anschluss besorgten wir uns direkt bei ihm zwei signierte Ausgaben der neuesten Doppel-CD („Tilt! 2015 – Der etwas andere Jahresrückblick“), eine für uns, eine für die tapfere Betreuerin, die sich mit drei überdrehten Kindern einen Abend um die Ohren schlagen musste.

Laufstatistik 2016

  • 46 Läufe
  • Kilometer gesamt: 674,35
  • Laufzeit: 65 Stunden 35 Minuten

 

Der „Wacken-Lauf“

Wacken - Der Film
Heute früh beim Laufen gesehen: Wacken - Der Film.

Heute früh habe ich zum ersten Mal überhaupt beim Laufen einen Film angesehen. Dazu aktivierte ich einfach das 15 Kilometer-Programm und legte dann (mit einem Waschlappen zur Trennung) das iPad auf das Laufband-Display – funktionierte super! Welchen Film ich ansah? Eine Dokumentation: „Wacken – Der Film“. Und er war absolut herrlich, da mich der Film stark vom ansonsten ja nicht ganz so spannenden Lauf (die „Landschaft“ um das Laufband herum ist leicht eintönig) abgelenkt hat. Noch dazu ist der Film urkomisch, an einigen Stellen musste ich vor Lachen fast pausieren…

Ein ehemaliger Kollege aus Gmünd war schon mehrfach in Wacken und kam jedes einzelne Mal begeistert zurück, daher war mir das Festival vorher schon ein Begriff, doch diese Dokumentation hat alles noch einmal in ein gänzlich anderes Licht getaucht. Diesen Film werde ich mir sicher noch häufiger ansehen, nicht gleich wieder, aber nach einem gewissen Abstand. Gleichwohl sind mir bereits beim ersten Mal ein paar interessante Details im Gedächtnis hängen geblieben.

Rammstein? – Nein danke!

Dazu gehört einerseits der Auftritt der Band Rammstein, die mir persönlich noch nie besonders zugesagt hat. Vielleicht bin ich zu spießig, aber ich kann mir unmöglich vorstellen, eine Musik, deren Textinhalte sich vornehmlich um die Abgründe der menschlichen Seele (Untreue, Inzest, Radikalität, Folter/Sado-Maso, sexuelle Perversion etc.) drehen, anzuhören, während meine Kinder im Haus sind. Schon mir wird dabei unbehaglich – klar, das mag der Zweck dieser Songs sein, aber freiwillig tue ich mir das nicht an.

In der Wacken-Doku sieht man auch den Auftritt der Band (ein kompletter Song: „Du hast“) – und es war geradezu erschreckend. Doch dafür muss ich ein klein wenig ausholen: Bei großen Festivals gibt es immer das Phänomen, dass die versammelte Masse durch die Musik vereint im Pulk gemeinsam etwas singt/grölt bzw. sich die Individuen (fast) völlig in der Massendynamik aufgeben. Wenn man sich aber in der Wacken-Doku diese Stelle (vor allem den Beginn von „Du hast“) ansieht (Link folgt gleich), müssen einem fast zwangsläufig die Parallelen zu den Mammut-Veranstaltungen der Nazis auffallen.

Damit nicht gleich ein paar Rammstein-Fans das in den falschen Hals bekommen: Ich sage nicht, dass Rammstein eine rechte Band ist – vermutlich sind sie eher das Gegenteil. Aber – und das ist ein großes ABER: Rammstein spielen ganz offensiv mit dieser Parallele, wie ich sie gerade aufzuzeigen versucht habe. Genau den Ausschnitt, auf den ich mich beziehe, gibt es bei YouTube zu sehen: hier.

Wer möchte, kann sich also selbst ein Bild machen. Ich bin gespannt, ob es noch jemand so sieht, oder ob ich hier harten Widerspruch zu erwarten habe. Lustigerweise bin ich auf der emotionalen Ebene persönlich überhaupt nicht tangiert, denn diese Musik berührt mich nicht.

Provokation – wie denn noch?

Alice Cooper, eine der großen Hard Rock-/Metal-Legenden, der ja auch schon seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft ist, äußert sich in den zwischen die Live-Aufnahmen eingestreuten Interview-Schnipseln, dass eine echte Provokation heute gar nicht mehr möglich sei – hmmm: angesichts der obigen Passage über Rammstein wage ich nicht, aus meiner persönlichen Warte zu sprechen/schreiben, ganz „provokativ“ könnte ich aber nun fragen: Was aber provoziert einen Rammstein-Fan noch?

Zurück zu Alice Cooper: Er überzeichnet das soeben Dargestellte mit einem perfekt ausgewählten, sehr krassen Beispiel, indem er sagt (Paraphrase):

„Ich könnte meinen Arm abschneiden und auf der Bühne essen. Aber auch das geht nur zweimal.“

Wie recht er hat. Und perfekt getroffen ist daran der Punkt, dass es wirklich kaum noch Möglichkeiten zur Provokation gibt. Das Ausmaß an Aufregung, dass die Beatles mit dem berühmten „Jesus-Zitat“ von John Lennon oder die Rolling Stones mit ihren Exzessen und dem lasziven Auftreten in der Öffentlichkeit vor ein paar Jahrzehnten erzeugten, wird heute nur noch künstlich über die Medien generiert. Ansonsten zucken die meisten Menschen lediglich kurz mit den Achseln und denken sich: „Nichts Neues, alles schon mal gesehen…“

Zwei interessante Punkte. Mal sehen, was beim nächsten Mal so hängen bleibt…

Laufstatistik 2016:

  • 36 Läufe
  • Kilometer gesamt: 519,46
  • Laufzeit: 49 Stunden 33 Minuten