Schlagwort-Archive: Medienzirkus

Der himmlische Mute-Knopf

In den letzten Tagen ging es in Hamburg ja ziemlich rund. Dazu möchte ich mich aber gar nicht äußern, meine Meinung wäre ohnehin redundant, denn die Berichterstattung und Meinungsmache lief bei allen beteiligten Akteuren auf Hochtouren, kein denkbarer Standpunkt wurde ausgelassen. Und wie so oft hieß das Motto: „Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem.“

Genau genommen lief die Hysterie auf derart hohen Touren, dass mir vollkommen die Lust verging, mir weitere überdrehte (oft in feinster Trump-Manier durchweg in Großbuchstaben verfasste…) Pro-/Contra-Meldungen über die üblichen Nachrichtenkanäle oder meine Twitter-Timeline anzusehen.

Besonders auffällig war für mich, dass im Verlauf der Eskalation die Einstellung vieler Personen einen Wandel um 180 Grad durchlief. Erst waren die Polizisten, die Sicherheitsorgane, die Staatschefs und der Staat selbst die „Bösen“, dann brannten mehrere Nächte am Stück die Autos völlig unbeteiligter Menschen, wurden Geschäfte geplündert und Straßenzüge verwüstet – und auf einmal war der pöbelnde Mob, der vorher noch wie ein Trupp Heilsbringer (oder zumindest moderner Che Guevaras) gefeiert worden war, das „personifizierte Böse“.

Da es vielen modernen Mediennutzern aber anscheinend nicht möglich ist, sich differenziert zu äußern, sie viel lieber in Hysterie, mit marktschreierischer Aufmerksamkeitssucht und vor allem in oft unangebracht diffamierender bzw. unflätiger Weise ihren (manchmal nur für kurze Zeit gültigen) Standpunkt in die Welt hinausposaunen (die Silbe „Po“ in der Mitte ist übrigens sehr passend…), wählte ich den Weg, der mir am besten taugte.

Beim Öffnen der Timeline hatte ich heute früh gut 800 ungelesene Tweets vor mir. Konsequent mutete (für die Nichteingeweihten: muten=stummschalten) ich alle Tags, die sich auf G20 bezogen. Zusätzlich noch einen Nutzer, der sein Fähnchen in den letzten Tagen ständig nach dem Wind gedreht hatte. Binnen zweier Minuten war die Timeline auf 200 Tweets zusammengeschrumpft, die konnte ich in ein paar Minuten in Ruhe überfliegen und genießen.

Die Stummschaltung gilt noch bis morgen, dann werde ich mal sehen, ob ich nochmal die virtuellen Maulkörbe verteilen muss. Für heute habe ich jedenfalls himmlische Ruhe – mein herzlicher Dank gilt dem Mute-Knopf!

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Brexit zum Frühstück

Während meiner Yoga-Runde führte am gestrigen frühen Morgen mein iPhone eine Art Breakdance auf: Permanent gingen aktuelle Push-Mitteilungen zum Brexit über meine Tagesschau– und heute-Apps ein und versetzten den Vibrationsalarm in einen wahren Taumel. Das hier ist kein politischer Blog, ich will das auch nicht lange ausdehnen, mir kam nur beim Duschen ein Gedanke, dessen Ausformulierung ich tatsächlich für erstrebenswert erachte.

Der Brexit war aus meiner Sicht eher zu erwarten als der Verbleib in der EU, denn die Briten sind ein stolzes Volk, deren ältere Bevölkerungsschichten sich nach dem alten Glanz des Empire zurücksehnen. In gewisser Weise habe ich mir den Brexit sogar fast herbeigewünscht – nicht wirklich, aber als Gedankenspiel, denn er ermöglicht – nun sogar in der Realität – ein einzigartiges Experiment: Ich habe in Gedanken für mich mal durchgespielt, was die Langzeitfolgen des Brexit sein könnten. Aus meiner Sicht bleiben ja nur drei grundlegende Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung:

  1. Es geht den Briten besser als vorher, die Wirtschaft blüht auf, die Politik stabilisiert sich. Das wäre das Signal schlechthin für weitere Länder, in denen die EU-Unzufriedenheit hoch ist, sich zu verabschieden. (Glaubt man einigen Twitterern, so bereitet Horst Seehofer bereits ein eigenes Volksreferendum vor, um Bayern über den Verbleib in/den Austritt aus der EU abstimmen zu lassen…)
  2. Es geht den Briten schlechter als vorher, die Wirtschaft schrumpft schmerzhaft, die Politik destabilisiert sich (und/oder rutscht deutlich nach rechts), soziale Probleme (und in deren Folge ein tumber Nationalismus) verschärfen sich. Eine gewisse Häme gegenüber Großbritannien würde sich EU-weit ausbreiten, die Vorteile einer großen Gemeinschaft würden deutlicher denn je hervortreten und den Zusammenhalt der verbliebenen Länder effektiv stärken. Da die Schotten angeblich ein erneutes Referendum zur Loslösung von England vorbereiten, spekulieren sie offensichtlich auf diesen Ausgang und werden dann als eigenständiges Land selbstverständlich gleich nach der (ebenfalls zu erwartenden) Unabhängigkeit (das wäre ja ein ganz entzückender Wortwitz, denn der Brexit wurde von dessen Befürwortern gestern ja als „Independence Day“ gefeiert) eigene Aufnahmegespräche mit der EU beginnen.
  3. Es passiert fast nichts – nach einer kurzen Anpassungsphase, in der es sicherlich turbulent wird, danach läuft für 85-95 Prozent der Menschen alles in gewohnten Bahnen weiter. Das ist wiederum die spannendste Alternative, denn die Reaktionen der anderen EU-Länder hängen dann von der medialen Interpretation dieser unspektakulären Entwicklung ab. Ich erwähne hier nur ganz beiläufig den Namen einer Zeitung mit vier Großbuchstaben, zu der es in allen europäischen Ländern mindestens ein entsprechendes Pendant gibt – und deren simple, aber häufig (fast schon unablässig) wiederholte, Parolen schon häufig zur Meinungsbildung ganzer gesellschaftlicher Schichten beigetragen haben.

Was daraus wird, hängt nun von der weiteren Entwicklung der kommenden zwei bis fünf Jahre (als Mindestzeitrahmen) ab. Wirklich valide Vergleiche benötigen sicher noch etwas länger, da alle kurzfristigeren Entwicklungen auch anderen ganz üblichen Schwankungen unterliegen könnten.

Schön finde ich persönlich, dass nach der anfänglichen Entsetzenswelle im Internet nun auch einige sehr besonnene Kommentare die möglichen positiven Auswirkungen des Brexit auf das restliche Europa, das — wie ich oben bereits geschlussfolgert habe — ja durchaus auch gestärkt werden könnte, erscheinen, z.B. bei heute.de. Was aus der Angelegenheit wird, dürfte uns allen in den kommenden Jahren wieder und wieder unter die Nase gerieben werden – egal, was in der Substanz dabei herauskommt. Insofern dürfen wir uns als Nicht-Akteure in diesem Spiel ab sofort zurücklehnen und entspannt die Show genießen.

Ein paar aus meiner Timeline ausgewählte Twitter-Kommentare zum Brexit gibt’s noch als kleines Schmankerl:

Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher

Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher

Verfrühter Jubel?

Verfrühter Jubel?

Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht...)

Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht…)

Schönes Wortspiel!

Schönes Wortspiel!

Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen...

Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen…

Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit...

Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit…

Der Brexit aus kulinarischer Sicht

Der Brexit aus kulinarischer Sicht

Ein Grundproblem aller Basisdemokratie...

Ein Grundproblem aller Basisdemokratie…

Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?

Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?

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Ein außergewöhnlicher Samstag

Manch einer mag es bemerkt haben: Ich habe mich hier in der letzten Woche ziemlich rar gemacht. Dahinter steckte keine böse Absicht, es war einfach eine derbe anstrengende Woche. Doch es gab auch einige Höhepunkte, einen davon gibt es im Anschluss gleich einmal zu lesen.

Der vergangene Samstag war ein eigenartiger Tag, in ihm vereinten sich sehr viele gegenläufige Strömungen, von völliger Entspannung bis zu endgültiger Erschöpfung war alles dabei.

Luxus-Schlaf

Nachdem sich die fünf Wochentage vor dem Samstag dieses Mal erheblich anstrengender angefühlt hatten als sonst – wobei ich im Detail nicht einmal sagen kann, was im Einzelnen den Ausschlag dafür gab –, gönnte ich mir am Samstag ein langes Ausschlafen (also bis 7:21 h). Ich war am Freitag Abend bereits um 21:45 h im Bett, daher kam ich auf eine Schlafenszeit von über neuneinhalb Stunden. Ich glaube, das hatte ich in den letzten Monaten nie erreicht. Und es tat gut, denn ich erwachte von selbst und konnte mich sofort voller Tatendrang aus dem Bett schwingen.

Laufen der besonderen Art

Nach einem ruhigen Einschwingen in den Tag machte ich mich auf dem Laufband an einen der allmorgendlichen 15 Kilometer-Läufe. Doch trotz Erholung und eines leichten Frühstücks wurde mir nach etwa fünf Kilometern recht plötzlich schummrig. Ich fühlte mich zittrig – und das in einer der erholsamen Phasen (bei 9 km/h) des laufenden 15-Kilometer-Programms. Nicht schön.

Ich unterbrach den Lauf und begab mich in die Küche, packte erst einmal die Schokolade aus und aß zwei Rippen. Dann folgten noch ein paar Kekse und etwas zu trinken (mit Koffein, mehr muss ich wohl nicht ergänzen). Nach ungefähr 15-20 Minuten Pause war ich wieder fit, zitterte nicht mehr und startete erneut, dieses Mal halt noch die fehlenden 10 Kilometer, jedoch mit gemütlichem Tempo (zwischen 8 und 10 km/h, mit einem absoluten Überhang der geringeren Geschwindigkeit). Klappte alles gut.

Ausgeflippte Kinder

Wir nähern uns nach und nach dem Höhepunkt des Samstags. Um ihn aber erreichen zu können, ist es wichtig, sich einen Umstand ins Gedächtnis zu rufen: Wir haben drei Kinder. Der Höhepunkt, auf den ich zusteure, ist der Besuch beim Kabarettisten unserer Wahl, doch können wir vor allem die Jüngste nicht allein zuhause lassen. Also hatten wir meine Mutter zur Betreuung eingeladen – das machen wir höchstens ein- oder zweimal im Jahr, denn allein für die einfache Strecke benötigt sie mehr als anderthalb Stunden Fahrt. Hier klappte es aber glücklicherweise.

Nur waren die Kinder völlig aus dem Häuschen – und das schon Stunden vorher. Vor allem die Jüngste freute sich wie eine Schneekönigin. Zwischen den Nachfragen, wann denn „endlich“ die Oma komme, lagen zunehmend kürzere Zeitintervalle (auch eine seltsame Wortkombination: zunehmend kürzer). Doch auch das überlebten wir (die Oma übrigens ebenso).

Urban Priol in Heidenheim

Um 18:50 h machten wir uns dann aus dem Staub und ließen Kinder und Mutter zurück. Nach knapp 35 Minuten Fahrzeit entstiegen wir in Heidenheim unserem Automobil und durften uns erst einmal zweihundert Meter durch ekelhaften Schneematsch zum Congress Centrum durchschlagen. Die Mühe lohnte sich jedoch, denn zu unserer beider Überraschung lagen unsere Karten fast ganz in der Mitte der ersten Reihe. Quasi „Angesicht zu Angesicht“ mit Urban Priol!

Blick von unseren Plätzen

Der Blick von unseren Plätzen auf die Bühne – Hmmmmmmm!

Vor etwa zwei Jahren hatten wir ihn dort schon einmal gesehen/gehört, was schon sehr gut war, aber an diesem Samstag hatte er wohl zusätzlich so richtig gute Laune. Und das war schlicht fabulös. Inklusive der etwa zwanzigminütigen Pause füllte er beinahe exakt die drei folgenden Stunden aus. Und es handelte sich um ein wahres verbales Feuerwerk. Purer Genuss!

(Na ja, fast purer Genuss… Für uns Frühaufsteher und den-ganzen-Tag-Durchwurschtler ist eine Veranstaltung, die um 20:00 h beginnt, schon recht hart an der Grenze. Wenn sie dann tatsächlich volle drei Stunden in Anspruch nimmt und danach noch 35 Minuten Heimfahrt winken, kann man mit dem Kopf genießen und gleichzeitig mit dem Körper Qualen – die „ruhelosen Beine“ und die ständig neu zufallenden Augen – ausstehen… Aber angesichts des tollen Programms handelt es sich hier vollständig um ein „Jammern auf hohem Niveau“.)

Im Anschluss besorgten wir uns direkt bei ihm zwei signierte Ausgaben der neuesten Doppel-CD („Tilt! 2015 – Der etwas andere Jahresrückblick“), eine für uns, eine für die tapfere Betreuerin, die sich mit drei überdrehten Kindern einen Abend um die Ohren schlagen musste.

Laufstatistik 2016

  • 46 Läufe
  • Kilometer gesamt: 674,35
  • Laufzeit: 65 Stunden 35 Minuten

 

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Spoiler: Dreharbeiten zu „Cars 3“ in Italien enthüllt!

Heute darf ich mich mal wieder ganz weit aus dem Fenster lehnen und einen veritablen Spoiler-Alarm in die Welt hinaus husten, denn ich habe soeben ein quasi unwiderlegbares Beweisfoto von den offensichtlich ganz aktuell angelaufenen Dreharbeiten zur Fortsetzung der Erfolgs-Serie von Animationsfilmen der „Cars“-Reihe aus dem Hause Disney-Pixar geschossen.

Beweisfoto

Dieses Beweisfoto verpflichtet natürlich zu einem sensationellen dritten Teil!

Ob man's nun glauben mag oder nicht, es wird sicher wieder ein hammerharter Erfolg an der Kinokasse, auch wenn es einen entscheidenden Unterschied gibt: Der dritte Film wird nicht mehr mit animierten Autos gedreht, nein, dieses Mal sind es echte Autos — das zumindest suggeriert mein Beweisfoto.

Über aufgeregte Kommentare und erhitzte Diskussionen zu möglichen Plot-Entwicklungen, beteiligten Stars und weiteren, haarsträubend aufregenden und unübertrefflich frischen Gerüchten freue ich mich natürlich sehr. Roter Teppich, ich komme!

 

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Der Steve Jobs-Film

Steve Jobs Biopic

Ein Film, der ohne mich als Zuschauer auskommen muss...

Auf Twitter wird sich gerade wieder mächtig über die Verfilmung von Steve Jobs' Leben ausgetauscht — mich lässt das völlig kalt. Ich werde mir den Film ganz unabhängig von allen möglichen Filmkritiken nicht ansehen, denn er interessiert mich nicht ein bisschen. Apple an sich interessiert mich, da ich etliche der Produkte benutze und trotz einiger deutlicher Kritikpunkte hier und da weitgehend zufrieden damit bin.

Von Steve Jobs habe ich vor ein paar Jahren bereits eine gedruckte Biographie gelesen. Es war furchtbar, denn der Typ war im wahrsten Sinn des Wortes ein Ekel. Er war genial, aber menschlich in vielerlei Hinsicht absolut untragbar. Hätte er nicht das Schicksal von Apple innerhalb weniger Jahre umgekehrt, würde vermutlich kaum noch jemand von ihm sprechen. So wird der Erfolg von Apple oft ganz allein auf ihn zurückgeführt. Mittlerweile ist er fast vier Jahre tot, Apple gibt es immer noch, die Geschäfte laufen, neue Produkte kommen auf den Markt, werden gekauft…

Monokausale Begründungen sind mir immer suspekt, hier aber sind sie so eindeutig überzogen, dass man angesichts dieses verzweifelten Personenkults nur noch den Kopf schütteln kann. Und nun kommt noch ein Film über diese Person heraus. Mein Leben kann er nicht bereichern, mich nicht erfreuen. Also spare ich mir dieses zweifelhafte Vergnügen.

Wie sehr ihr das? Meinungen gerne in Kommentarform abgeben, ich freue mich!

 

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Liebster Blog-Award – Episode 3-6

Der Liebster Blog-Award ist eine Art Blog-Kettenbrief, der die nominierten Blogger auf nette Weise nötigt, etwas mehr über sich zu verbreiten. Außerdem sollen sie diesen Kettenbrief voller Fragen an eine ganze Reihe weiterer Blogger weiterschicken, die dann wiederum ihre Nominierung annehmen, das Spiel potenzieren und so weiter.

Ich wurde mittlerweile sechs Mal nominiert. Gefreut habe ich mich jedes einzelne Mal — und ich möchte allen danken, die mich nominiert haben. Aber: Vor allem die letzten vier Nominierungen lagen mir etwas schwer im Magen, denn die Nominierungen trudelten gerade ein, als ich keine Zeit zum Schreiben hatte. Manche sind nun schon mehrere Wochen alt – ich schäme mich schon fast, nach so langer Zeit darauf zu antworten. Aber früher ging es einfach nicht.

Das bringt mich gleich zu einem wichtigen Punkt: Ich finde den Liebster Blog Award eine schöne Sache, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Und aktuell wird es mir etwas zu viel. Sollte mich noch einmal jemand nominieren, werde ich vermutlich nicht mehr darauf eingehen. Das ist keine Missachtung der mir zuteil werdenden Ehre, aber ich kann mir nicht immer so viel Zeit „aus den Rippen schneiden“, dass ich die Fragen angemessen beantworten kann. Nehmt es mir bitte nicht übel, aber lieber schreibe ich weiter meine Art von Einträgen, die meisten meiner „Anhänger“ werden mir ja deshalb folgen. Und auch diese Einträge benötigen Zeit und Muse.

So, jetzt aber ran!

Die Fragen von „Buchherz – Der Bücherblog“

Was ist deine Motivation beim Bloggen?

Mentale Hygiene, denn so kann ich die vielen Gedanken, die mir manchmal mehrere Tage lang im Kopf herumgeistern, einfach in eine Form bringen. Danach sind sie dann hoffentlich aus meinem Kopf verschwunden – oder besser strukturiert und entwickeln sich weiter. Beides gut.

Was war für dich der ausschlaggebende Moment, um mit dem Bloggen anzufangen?

Ich brauchte ein Ventil, um hier und da die wirren Gedanken in meinem Kopf einfach mal zu (virtuellem) Papier zu bringen, danach ist der Kopf wieder frei.

Worauf bist du am meisten stolz bei deinem Blog?

Dass es anscheinend immer noch Leute gibt, die Interesse daran haben, die Kommentare schreiben, die Einträge favorisieren – das freut mich irre!

Schätz mal: Wie viele Bücher besitzt du? (E-Books zählen mit)

Unmöglich zu schätzen, aber ich habe sicherlich schon ca. 2.000 Bücher gelesen.

Schläfst du lieber bei geöffnetem oder geschlossenem Fenster?

Im Winter eher zu (sonst erfriere ich), im Frühjahr, Sommer und Herbst prinzipiell immer offen.

Wie startest du morgens deinen Tag?

  • 4:50 h klingelt mein iPhone
  • 4:51 h Toilette, Timeline nachlesen
  • 4:55 h Seilspringen
  • 6:25 h Fertig, eine Minute abdampfen
  • 6:26 h Ab in die Dusche
  • 7:00 h Frühstück, hurtig, hurtig
  • 7:20 h Fahrrad, ab zur Schule!

Du hast genau eine Frage, die du irgendjemandem auf der Welt stellen kannst und diese Person muss dir ehrlich antworten. Wem würdest du diese Frage stellen?

Wenn du vom heutigen Standpunkt aus zurückblickst, welche Einsichten hättest du gerne schon vor zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren (abhängig vom Alter der gefragen Person) erlangt?

Von welchem Song kriegst du nie genug und kannst ihn dir immer wieder anhören?

Schwierige Frage, denn gerade als Musiker, mehr noch als Musiklehrer, kenne ich wirklich viel Musik. Und ich schätze auch sehr viel davon. Aktuell könnte ich dauernd „Augenbling“ von Seeed hören, das hat einen endcoolen Groove.

Welches Buch liest du gerade und wie lautet der 5. Satz auf S. 163?

Aktuell lese ich „Schwarz“ (das ist der erste Band der Dark Tower-Reihe) von Stephen King. Der Satz lautet:

„Links ragte ein verchromtes Rohr heraus, das über einem Abfluss im Boden endete.“

 

Leider etwas nichtssagend, aber hier wird eine Pumpe in einer Zwischenstation in einer sich schier endlos ausbreitenden Wüste beschrieben – somit erlangt sie ein gewisses Maß an Interesse…

Was möchtest du in deinem Leben noch unbedingt erreichen?

Entspannter werden. Ich kann manchmal sehr verbissen sein – mehr als mir und anderen in meiner Umgebung gut tut.

Fragen von „Zeilenendes Sammelsurium“

Vollkorn oder normales Mehl?

Die richtige Mischung macht’s. Bei Brot nehme ich lieber Vollkorn-Varianten, bei Lauge mag ich es lieber mit normalem Mehl.

Optimist oder Pessimist?

Eindeutig Optimist.

Star Trek oder Star Wars?

Keine Frage: Star Trek. Hab alle Filme und alle Serien auf DVD (oder in iTunes). Meine Frau liest sogar noch Bücher, die die Serien weiterführen.

Reden oder schweigen?

Ich kann schweigen. Glaube ich. Aber meistens fällt es mir nicht schwer, etwas von mir zu geben. Ich mag Gesellschaft, wenn es nicht zu groß wird. Smalltalk dagegen ist nicht meine Primärqualifikation.

Lesen oder fernsehen?

Beides, aber halt mit unterschiedlicher Zielsetzung. Wenn ich lese, rege ich meine Fantasie an, denn in meinem Kopf entsteht die gedruckte Geschichte neu. Beim Fernsehen lasse ich mich eher ablenken, indem ich mich von der Informationsflut fortspülen lasse. Beides ist gut, aber gleichzeitig geht es nicht.

Wenn du eine Pflanze wärest, welche wärest du?

Die Vanilleeispflanze.

Was ist dein Leib- und Magengericht?

Dampfnudeln mit Vanillesoße (süß), Pizza (herzhaft), Paprika-Salat (sauer). Und dann jede Menge Süßigkeiten und Knabberkram.

Welches Buch/Welcher Film/… hatte den stärksten Einfluss auf dein Leben?

Uh, das ist außerordentlich schwer. Da ich Lehrer wurde, kann ich leider dem Klischee nicht ganz entkommen, dass „Der Club der toten Dichter“ irgendwann einmal einen gewissen Einfluss auf mich hatte. Aber das ist schon sehr lange her.

Tatsächlich hat Star Trek mein Leben vermutlich mehr geformt als alles andere. Niemand sieht mir das an, aber ich habe viele der darin propagierten Werte verinnerlicht – und das ist sicherlich nicht schlecht. Widerstand ist ohnehin zwecklos.

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Gibt es eines davor? Stopp! Der war schlecht (es handelt sich um ein Zitat aus „A Prayer for the Dying“).

Ganz ehrlich: Ich fürchte mich vor dem Gedanken, es gäbe ein Leben nach dem Tod, da unsere Gedankenwelt immens von unserer Körperlichkeit bestimmt wird. Zumindest meine (vielleicht bin ich da irgendwie in der Pubertät stehen geblieben). Ich kann mir partout nicht vorstellen, wie sich eine nicht-körperliche Existenz darstellen soll. Daher fällt mir keine für mich selbst gültige Antwort ein. Vielleicht in ein oder zwei Jahrzehnten.

Was kannst du besonders gut?

Ich habe ein gewisses Händchen in musikalischen Angelegenheiten, möchte mich da aber nicht über den Klee loben.

Ansonsten bin ich unschlagbar im Vernichten großer (wenn nicht größter) Mengen von Haribo Saftbären, Schokoerdnüssen, Eiscreme, gerösteten und gesalzenen Erdnüssen, Chips – und vieler anderer Dickmacher. Würde ich nicht morgens immer konsequent gegensteuern, liefe meine Körperfülle völlig aus dem Ruder.

Gibt es ein Leben in Glückseligkeit?

Ja, aber nicht in der Form, wie es die Werbung verspricht. Denn die Glückseligkeit kommt vor allem in Form von Zufriedenheit daher. Wenn man ständig neue Wünsche entwickelt, die sich oft auf vergleichsweise belanglose Dinge beziehen (in meinem Fall sind dies oft Apple-Produkte), dann nagen diese Wünsche unterbewusst ständig an einem herum. Das ist sicher keine Glückseligkeit.

Wenn ich mich aber umsehe und mein bisheriges Leben Revue passieren lasse (intakte Familie, Kindergarten, Schulbildung, musikalische Ausbildung, mehrere Studiengänge parallel durchgeführt und alle erfolgreich abgeschlossen, Referendariat, Aufbau einer eigenen Familie, Beruf und „Karriere“), muss ich mir attestieren, dass es kaum noch dringende Wünsche geben kann. Daher bin ich mir sicher, dass ich mit etwas mehr innerer Ruhe (bin halt so ein gedanklich zappeliger Typ) und der damit einhergehenden Zufriedenheit sicher ein hohes Maß an Glückseligkeit in mein Leben bringen kann. Schon jetzt fühlt sich vieles davon erstaunlich gut an.

Fragen von „jungesleben“

Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

In Apples iLife-Suite gab es ein Programm namens iWeb, mit dem man eine eigene Homepage gestalten und publizieren konnte. Das musste ich natürlich ausprobieren. Irgendwann ging es dann mit dem eigenen Blog los. Es war eher Spielerei – und mein erster Blog war auch ein ziemlicher Haufen Mist. Einmal brachte er mir auch kräftig Ärger ein. Dann machte ich ihn für ein Jahr dicht, startete danach ganz neu und anders – nun bin ich seit 2012 am Stück dabei und entwickle allmählich einen eigenen Stil.

Würdest du lieber nicht sprechen oder nicht hören können? & Warum?

Lieber nicht sprechen. Als Musiker ist die bloße Vorstellung einer Ertaubung kaum an Schrecklichkeit zu übertreffen. Wer sich schon einmal Beethovens „Heiligenstädter Testament“ durchgelesen hat, kann das eventuell besser nachvollziehen.

Hast du schon einmal die Sehnsucht gehabt, dein ganzes Leben umzukrempeln?

Permanent, vor allem als ich damals „Simplify your life“ gelesen habe. Und dann gab es noch ein- bis zweihundert Anlässe. Der Punkt ist nur: So oft kann man das Leben nicht umkrempeln. Wenn man das einmal im Jahrzehnt schafft, ist man schon sehr weit. Aber man muss es tun, sonst rostet man in alten Routinen ein.

Was hindert dich daran, grenzenlos glücklich zu sein?

Verantwortung für andere, vor allem für meine Kinder. Ich will ihnen eine gute Zukunft ermöglichen, also habe ich einen Beruf ergriffen, der mir gefällt, der aber – wie vermutlich jeder andere auch – mit ein paar Pferdefüßen daherkommt (siehe dazu die Blogeinträge zum Korrigieren). Schon oft habe ich mir gedacht: „Wie schön wäre doch ein reiner Bürojob, bei dem man morgens um acht erscheint und um spätestens fünf Uhr am Nachmittag wieder gehen kann – und nichts von dem Job mit nach Hause nimmt.“

Als Lehrer habe ich immer wieder angenehme Freiphasen (Ferien), die allerdings in mindestens der Hälfte der Fälle durchaus von Arbeit durchzogen sind, der Rest wird allen Ernstes zum Erholen gebraucht. Denn rein auf der körperlichen und geistigen Belastungsebene gibt es mehrfach im Jahr absolute Durststrecken, nach denen man eine Pause dringend braucht.

Das sind alles Elemente, die dem „grenzenlosen“ Glücksgefühl im Wege stehen. Aber ich mache meinen Job gern (und hoffentlich nicht allzu schlecht), ich liebe meine Frau und meine Kinder, habe viel erreicht. Ich bin zufrieden und glücklich.

Was ist der schönste Augenblick für dich in diesem Jahr gewesen?

Es gab etliche schöne Momente, zwischen ihnen kann ich unmöglich eine sinnvolle Wahl treffen:

  • Einmal waren meine Frau und ich in der Sauna – an dem Tag hatten wir bei drei Saunagängen die Sauna ganz für uns, wodurch wir uns einfach unterhalten konnten. Das geht mit einer vollen Sauna sonst nicht.
  • Zusätzlich gab es ein paar fantastische Momente der Zweisamkeit mit meiner Frau, als die Kinder endlich eingeschlafen oder im Hort waren – in denen einfach mal Stille im Haus einkehrte. Das war wirklich erholsam. Wenn dann noch die Stimmung passt, kann nicht mehr viel schiefgehen.
  • Der schönste Moment der letzten Wochen aber war das gemeinsame Laufen mit meiner Frau. Wir haben in den letzten Wochen zwei oder drei Läufe (jeweils 12-13 km) absolviert. Noch vor ein paar Jahren hat so etwas nie geklappt, weil immer einer dem anderen zu schnell, zu langsam, zu bestimmend etc. war – jetzt konnten wir es beide genießen.

Wie abhängig bist du von den Medien, deinem Smartphone & der Technologie?

Die Frage ist zu allgemein gestellt. Ich benutze diese Dinge den ganzen Tag, aber ich bin mir nicht sicher, was mit „abhängig“ gemeint ist. Sicher würden viele bequeme und bequem erscheinende Routinen im Alltag umgeworfen werden, weil sie auf dem Einsatz dieser Dinge basieren, ich käme aber trotzdem klar.

Freiwillig verzichten möchte ich deswegen aber noch lange nicht auf mein iPad, iPhone etc. Aber ich kann auch ohne.

Angenommen du bist Single. Gibst du jeder interessierten Person die gleiche Chance dich kennenzulernen?

Bin ich schon seit mehr als 16 Jahren nicht mehr, es fällt mir außerordentlich schwer, das auch nur angedacht zu beurteilen.

Wie gehst du damit um, wenn du traurig oder niedergeschlagen bist?

Kommt zum Glück nicht allzu häufig vor, ich darf mich da wohl glücklich schätzen. Wenn, dann helfen Musik, Sport und Zurückgezogenheit – diese Phase geht vorbei, meist schneller, wenn ich mich auf ein neues Ziel konzentrieren kann.

Was fehlt deiner Meinung nach den Menschen in deiner Umgebung? Welchen Rat würdest du Ihnen geben?

Ich bin kein Missionar. Wenn mich jemand konkret um Hilfe bittet, gewähre ich diese gerne in dem Umfang, der mir möglich ist. Aber ich trete nicht aktiv auf jemanden zu, der eventuell ein Problem hat, nur um mich aufzudrängen.

Welchen Traum wirst du dir in den nächsten 12 Monaten erfüllen?

Hoffentlich noch mehr Langstreckenläufe mit meiner wundervollen Frau.

Was ist für dich das Attraktivste, das eine Person ausmachen kann?

Eigenständigkeit und Entschlossenheit. Wer weiß, was er/sie will, wird dieses Ziel konsequent verfolgen – genau diese Zielstrebigkeit lässt fast jeden Menschen attraktiv machen (solange das Ziel nicht meinen diametral entgegen läuft).

Fragen von „Seppolog“

Was hast Du unmittelbar getan, bevor Du Dich gerade vor Deinen Blog gesetzt hast?

Korrigiert. Und prokrastiniert.

Welche drei Strategien bringen uns den Weltfrieden?

  1. Mehr Sex.
  2. Noch mehr Sex.
  3. Und mehr Geschichten über Sex. Was dann zwangsläufig wieder zu Punkt 1 führt. Ein onanistischer Kreislauf der Freude.

Warum bloggst Du?

Mein Kopf hat nur begrenzten Speicher. Würde ich all die wirren Gedanken da drin lassen, gäbe es irgendwann einen finalen „information overload“. So kann ich die Sachen in eine rudimentäre Form gießen. Entweder sie sind damit zufrieden und aus meinem Kopf verschwunden, oder aber sie entwickeln sich weiter, dann bleiben sie noch ein wenig, sind aber erträglicher.

Wo warst Du, als Du zuletzt in Deinem Wohnzimmer warst?

So ganz klar ist mir die Frage nicht, denn ich war da in meinem Wohnzimmer. Das steht in Aalen. Im Stadtteil Grauleshof (geile Wohngegend). Aber meistens verbringe ich dort (=im Wohnzimmer) die Zeit auf der Couch oder beim Aufhängen von Wäsche. Gestern Abend lag ich auf der Couch, um eine Star Trek-Folge (Voyager) zu sehen.

Findest Du nicht auch, der “Liebster Award” sollte mit einem hohen Preisgeld verbunden werden?

Eindeutig. Dann wäre ich nämlich jetzt schon ein immens reicher Typ. Du sicher auch.

Angenommen, das Preisgeld läge bei fünf Millionen Euro: Du würdest doch nicht etwas spenden, oder?!

Doch, aber nur meinem eigenen „Witwen und Waisen“-Fond. (Muarharhar)

Nachdem Du mir zwanzig Prozent des Preisgeldes abgegeben hast: Wie wirst Du mich los, wenn ich Dich Tag und Nacht um weitere Prozente anbettele?

Ich nominiere dich einfach erneut, dann kann ich mir das Geld zurückpumpen. Spätestens da suchst du das Weite.

Gibt es Deiner Meinung nach einen Sinn des Lebens? Wenn ja, verrate uns nicht, welchen!

Es gibt einen, würde ich den verraten, wäre mein Sex-Appeal auf einen Schlag dahin. Mache ich also nicht.

Muss es eigentlichen einen geben?

Geheimnis. Frag Edward Snowden. Der hat meine Dateien sicher alle gelesen.

Wirklich?

Ne, bin viel zu uninteressant. Wer von der NSA oder einem anderen Dienst liest schon den Krempel, den ich verzapfe? (Sollte jemand aus dem Lager der Geheimdienste antworten wollen, gerne auch per Email oder iMessage, die Daten habt ihr ja sicher…)

Hast Du früher viel bei Schlecker eingekauft?

Extrem selten. Ich habe das Ambiente gehasst. Außerdem hat das Sortiment nicht zu meinen Wünschen gepasst.

Fazit

Noch einmal in Kurzform: Vielen Dank für die Nominierungen, ich bin dankbar, dass mein Bloggen auf soviel Wertschätzung (oder Verzweiflung) trifft. Es gibt so viele tolle Blogs, die ich selbst nicht kenne, sucht bitte selbst. Einen kleinen Tipp kann ich da geben: Lest die Kommentare zu den Einträgen. Oft findet ihr ein oder zwei Leute, die euren Geschmack treffen, die auch selbst sehr aktiv sind. Wenn euch das gefällt, folgt denen – was soll schon schief gehen?

 

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Es ist Wahlkampf

Vorhin erschreckte mich mein iPhone mit einer Push-Mitteilung. Ich war mir keines anstehenden Termins bewusst, daher entstand bis zum Nachsehen auf dem alltäglichen Begleiter ein kurzer Moment der Verwirrtheit und Überraschung. Und was steckte dahinter? Die Tagesschau-App mit der Meldung:„Bund und Länder beschließen acht Milliarden Euro für den Fluthilfe-Fonds“.

Ich will nicht falsch verstanden werden: Das Geld wird sicher gebraucht, die Leute, denen es hilft, werden zu Recht dankbar dafür sein – aber es ist eindeutig feststellbar, dass wir uns im Wahlkampf befinden.

Nachdem Gerhard Schröder damals Edmund Stoiber (ich könnte mich heute noch über sein verfrühtes „Wir haben die Wahl gewonnen…“ am Wahlabend kaputt lachen) über seine intensive mediale Präsenz bei der damaligen Flutkatastrophe in den neuen Bundesländern bei der Bundestagswahl ausgestochen hatte, kann ja heute kaum noch ein Politiker nicht dort aufkreuzen.

Na klar, „Hätte, hätte, Fahrradkette“-Kandidat Peer Steinbrück nicht. Der hat ein Händchen für so etwas, er hat ein Dauerabonnement für Fettnäpfchen. Aber Angela Merkel ist dort. Und sie ist nicht allein dort, denn ohne Presse würde sie sich vermutlich noch nicht aus dem Kanzleramt begeben. Und wenn sie nur eine Kinderschaufel voll Sand von ihrer linken auf ihre rechte Seite schaufeln würde, ich bin mir sicher: Genau dieser Augenblick würde publikumsträchtig medial kommuniziert werden.

Und nun die acht Milliarden Euro. Wie schon gesagt, das Geld wird sicher benötigt, die Flutkatastrophe ist ein Desaster und bedroht etliche Existenzen. Aber ein Jahr früher oder später wäre der Betrag aller Wahrscheinlichkeit nach viel geringer ausgefallen. Noch dazu schaufelt Angela Merkel in bester Wahlkampfmanier waschkörbeweise Geld zum Fenster hinaus.

Allen europäischen Nachbarn, die in den letzten Monaten oder Jahren in finanzielle Engpässe geraten sind, wurde ein rigider Sparkurs diktiert – maßgeblich von unserer Bundeskanzlerin. Und wer steht angesichts einer anstehenden Bundestagswahl offensichtlich über diesen für alle geltenden Regeln?

Ich spar es mir…

 

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Legal, legitim oder einfach nur „normal“?

Apfel

Seit gestern gibt es eine große Berichterstattung über die angebliche Steuerflucht der Firma Apple. Die Anhörung dazu fand unter Umständen statt, die den Begriff „an den Pranger stellen“ völlig rechtfertigen. Die Frage, die man sich aber stellen muss, lautet: Worum geht es hierbei eigentlich?

Zum Glück ist die Frage leicht beantwortet: Es geht um Verschleierung. Aber nicht Apple verschleiert, es ist in diesem Fall die für die Anhörung zuständige US-Behörde, also der Senat: In den letzten Jahrzehnten (es sind tatsächlich schon mehrere Jahrzehnte) haben die USA im Steuerrecht diverse Möglichkeiten für Unternehmen eingebaut, die im Ausland erwirtschafteten Gewinne dort zu versteuern anstatt in den USA. Dabei haben sie anscheinend einige größere Schlupflöcher gelassen. Das ist ärgerlich für alle „patriotischen“ Amerikaner, denn es hat zur Folge, dass die größten US-Konzerne in ihrem Heimatland wenig(er) Steuern zahlen. Mehr ist es aber nicht. Denn solange das Gesetz die Tür offen lässt, wäre ein Unternehmen ja letztlich dumm, diese Option nicht wahrzunehmen.

Durch das öffentliche Anprangern der Unternehmen, die diese Gesetzeslücken nutzen — und dabei völlig legal handeln — wird lediglich versucht, von der Tatsache abzulenken, dass der Gesetzgeber in dieser Hinsicht versagt bzw. „unpatriotisch“ gehandelt hat. Anstatt aber nun einfach anzufangen, die Gesetzeslage entweder mit einem großen Paukenschlag oder aber Stück für Stück anzupassen, um die ausländischen Gewinne wieder ins Heimatland zurückzubringen, wird lieber auf die Konzerne eingedroschen, indem man ihnen unterstellt, zwar legal, aber nicht legitim zu handeln.

Hmpfdebmpf! Das wäre ungefähr so, als würde mein zuständiger Finanzbeamter meine Steuererklärung bearbeiten, mir aufgrund der Freibeträge für meine Kinder einen Teil der bereits bezahlten Steuern zurückzahlen — und dann aber postwendend in der Lokalzeitung einen Artikel über meine unmoralische Handlungsweise veröffentlichen, weil ich den gesetzlichen Rahmen ausnutze. Reine Show! Man versucht, Druck auszuüben, indem Apple als unamerikanisch dargestellt wird. In den USA gilt das ja als Todsünde

Ich erinnere mich noch an die Situation, als Gerhard Schröder in seiner Eigenschaft als Bundeskanzler die Weichen für die Pipeline des russischen Energielieferanten Gazprom gestellt hatte (siehe dazu hier) und dann, gleich nach der verlorenen Bundestagswahl, dort (bzw. in einem Tochterunternehmen) eine Anstellung bekam. Legal war es, denn das eine Arbeitsverhältnis war beendet, bevor das neue begann. Die Verquickung der Interessen jedoch war ein Punkt, bei dem man schon sagen konnte, dass es nicht legitim war. Hier passt die Verwendung des legal-legitim-Vergleichs. Bei der oben geschilderten Anhörung Apples jedoch geht es nicht um legal oder legitim — es geht ausschließlich um die Verschleierung der Tatsache, dass die Gesetzeslage scheunentorgroße Schlupflöcher lässt, die von allen großen Unternehmen genutzt werden. Selten so gelacht.

Ganz amüsant ist es, die Kommentare dazu in der Tagesschau-App zu lesen: Für die einen ist die Lage klar, die schreiben dann auch, dass hier nur die Unfähigen laut schreien, um von ihrem Versagen abzulenken. Für die anderen ist natürlich die moralische Frage entscheidend, denn danach ist Apple „selbstverständlich“ schuldig und „böse“. Die Tatsache, dass auch Microsoft und Google diese Gesetzeslücken ausnutzen, wird dann dabei schnell ignoriert, da das Feindbild Apple einfach zu schön ist, um sich von Fakten ablenken zu lassen… Juhu!

Also, liebe Politiker, die ihr es nicht schafft, Gesetze zu basteln, die so funktionieren, wie ihr es gerne hättet: Ändert die Gesetze oder stellt das Lamentieren ein! Wofür sonst seid ihr gewählt worden?

Nachtrag am 23. April 2013: In der Zwischenzeit habe ich noch ein paar interessante Links gefunden, die zur Thematik passen:

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Geld für wichtige Dinge…

Geld verbrennen

Achtung, es wird ein bisschen flach. Mir fehlt die Lust, dieses Thema in der eigentlich gebotenen Breite auszuformulieren — es wird eher ein kurzes Dampfablassen

Heute früh habe ich wie jeden Morgen in der Tagesschau-App gelesen. Dabei fiel mir ein Artikel auf, in dem es um das Millionen-, vermutlich aber eher Milliardengrab im Zusammenhang mit der frisch aufgegebenen Entwicklung einer Drohne für die Bundeswehr ging. Ganz abgesehen davon, dass ich zum heutigen Zeitpunkt Rüstungsausgaben auf Länderebene prinzipiell skeptisch gegenüberstehe — wäre es nicht geschickter, einfach eine europäische Armee für alle Fälle bereitzuhalten, die von allen beteiligten Ländern gleichermaßen (zur Not auch in Relation zur individuellen Größe des EU-Landes) finanziert wird? —, so schlug doch diese unglaubliche Verschwendung auch in mir größere Wellen der Empörung, weil sie anscheinend trotz konkreter Anfragen des Bundesrechnungshofs geschickt und über einen viel zu langen Zeitraum verschleiert wurde.

Dabei rege ich mich über die Verschwendung per se schon gar nicht mehr auf, denn das ist in der Politik leider nichts Neues. Angesichts so vieler uneingelöster politischer Versprechen — ganz konkret denke ich da an den Anspruch auf KiTa-Plätze für alle Kinder unter drei Jahren… —, die allesamt für das Wohlbefinden und Gedeihen der Bevölkerung viel wichtiger wären, kommt mir aber schon die Galle hoch. An allem, was für die Menschen im Land wirklich wichtig wäre (Gesundheitssystem, Steuergerechtigkeit, Bildung, Kinderbetreuung), wird gespart. Geld wird verpulvert — und das flächendeckend und unabhängig von der Partei der jeweiligen Regierung eines Bundeslandes — für sinn- und maßlose Prestigeprojekte: Berliner Flughafen, Stuttgart 21, Hamburger Elbphilharmonie, Militärprojekte wie das oben genannte und dergleichen mehr.

Ganz ehrlich: Jeder Politiker, der für solche Projekte stimmt und später die wichtigen Themen verschleppt oder blockiert, weil dafür angeblich „kein Geld mehr da ist“, gehört sofort aus moralischen Gründen aus seinem Amt entfernt. Basta!

 

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Nein, danke!

Verwöööööööhnen!

Es gibt in der Werbung ja so einige Tricks, wie man ein Produkt im Bewusstsein der (mehr oder weniger freiwilligen) „Kundschaft“ verankern kann. Ein solches Mittel ist es, den Kunden regelrecht zu nerven. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass es vielen Leuten genau wie mir geht — ich kaufe ein Produkt, dessen Werbung mir zu aggressiv ist, so gut wie nie ein! —, aber das heißt ja leider noch lange nicht, dass es nicht doch irgendwo Menschen gibt, die sich davon beeinflussen lassen. Und dann denkt sich die Firma, die für diese Werbung verantwortlich ist: „Passt, machen wir noch mehr davon!“

Eine der lästigsten Werbungen ist meiner Meinung nach die (gesamte Palette) der Firma Seitenbacher. Wenn ich morgens Radio höre — und mir geht es dabei eigentlich nur um zwei Dinge: Nachrichten und Musik — und dann dieser Typ loslegt: „…verwöhnen. Verwöhnen! VerWÖHnen! VERWÖHNEN! VERWÖÖÖÖÖÖÖHNEN!

Also ganz ehrlich, hier hat Urban Priol den Nagel dermaßen auf den Kopf getroffen, als er sagte: „Wenn das so klingt, wenn der mich verwöhnen will, wie klingt das erst, wenn der mich quälen will?“ Treffender kann man es einfach nicht ausdrücken. Basta.

 

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