Die „gute“ Seite des Internet

Das Internet ermöglicht viele schöne und wundervolle Dinge, z.B. WordPress mit den netten Menschen, die sich — zumindest in meinem Bekanntenkreis — dort tummeln, kann aber auch ein Ort abgrundtiefen Hasses und verdrehter Wahrheiten, Neid und sexueller Nötigung, Diffamierung und Ausnutzung sein.

Bei Twitter fand ich heute ein Beispiel für die beeindruckend schöne Seite des Internet: Ein Mädchen, das aus der Begeisterung für eine Sache anhand unzähliger Videos einen Tanzstil nicht nur erlernt sondern gleich gemeistert hat. Aber seht selbst!

Ist das nicht höchst faszinierend. Solche Videos zeigen, dass die ursprüngliche Vision des Internet immer noch lebendig ist, anders wäre eine derartige Entwicklung für mich nicht zu erklären…

 

Ferienende und die endlose Suche nach DEM Rezept

Mit dem gestrigen Tag endeten die sog. „Ferien“. Halt, warum benutze ich dieses kleine und fast schon unscheinbar hinzugefügte Wörtchen „sog.“ vor dem Substantiv „Ferien“? Ganz einfach: Weil Ferien als Lehrer immer etwas anderes sind als noch damals, vor einer gefühlten Ewigkeit, in der Zeit als Schüler.

Ferien sind nur anders verpackte Arbeitszeit

In diesen Ferien musste ich das Abitur vorbereiten, genauer gesagt: das Fachpraktische Abitur. Die diversen Verordnungen zur Durchführung des Abiturs geben ganz genau vor, dass exakt acht Wochen vor dem Prüfungstermin die individuell festgelegten Pflichtstücke bekannt gegeben werden. Dazu muss natürlich im Vorfeld mit den Instrumentallehrern gesprochen/geschrieben werden, um eine für den jeweiligen Schüler passende Auswahl zu erhalten. Aus diesem Fundus legt man als Kursleiter dann wiederum ein Stück fest, welches genau acht Wochen vor der Prüfung bekannt gegeben wird. Das hat in diesen Ferien satte drei Tage Organisation, Emailschreiben und Telefonate mit sich gebracht.

Dann habe ich für eine Klasse, die ich erst im zweiten Halbjahr unterrichte, einen Großteil des Materials, das sich über die letzten fünf bis zehn Jahre etabliert hat, überarbeitet, weil mir gerade in den letzten zwei Jahren immer wieder kleinere Mängel an der einen oder anderen Stelle aufgefallen sind. Diese sind nun behoben, aber es waren wieder zwei Tage.

Für meine Big Band und den vierstündigen Kurs müssen noch ein paar Stücke neu arrangiert werden. Bislang habe ich dafür nur einen kompletten Arbeitstag geopfert, aber heute und morgen werde ich noch einmal Zeit investieren müssen.

So, und das waren nur ein paar der schulischen Dinge. Aber es sind, nein waren, ja Ferien.

Kinder daheim

Was die Ferien als vermeintliche Entspannungszeit spürbar einschränkt, ist die Tatsache, dass auch die Erzieherinnen und Betreuer in Kindergarten und Hort einmal eine kleine Auszeit benötigen. Ich gönne sie ihnen vollkommen. Und doch ist es ganz schön anstrengend, wenn man sich auf die Arbeit konzentrieren will, alle drei bis fünf Minuten aber ein Kind ins Arbeitszimmer schleicht und sich mehr oder weniger gnadenlos aufdrängt.

Am harmlosesten ist die Bitte: „Darf ich mir ein Hörbuch anmachen?“ – Das gewähren wir Eltern gerne, denn wir müssen eigentlich gar nichts tun, die Kinder können das Apple TV komplett alleine bedienen.

Nur für eine sehr kurze Ablenkung sorgt: „Kannst du mir ein Ausmalbild ausdrucken?“ – „Na klar, was hättest du denn gerne?“ – „Irgend etwas mit einer Prinzessin…“ – Zwei Minuten später darf der Drucker das von DuckDuckGo gelieferte Ergebnis ausspucken – und mit etwas Glück kehrt Ruhe ein. Vorläufig.

Schlimmer ist manchmal: „Mir ist langweilig!“ – „Dann lies ein Buch!“ – „Ich habe schon zwei gelesen.“ – „Dann üb auf deinem Instrument!“ – „Das will ich aber nicht…“ – Das kann schnell gehen, wenn man zufällig etwas in den Raum wirft, was taugt, es kann aber auch ergebnislos ausgehen. Dann steigt die Gefahr einer baldigen Arbeitsunterbrechung exponentiell an.

Die endlose Suche nach DEM Rezept

Kompletter Themenwechsel, es sind (nein, waren) ja Ferien, da dürfen die Gedanken auch mal abschweifen…

Was haben pädagogische Fachzeitschriften mit den typischen Frauenzeitschriften gemeinsam? Sie kreisen beständig um die immer gleichen Themen.

Wann immer ich eine Frauenzeitschrift herumliegen sehe und die Überschriften und Ankündigungen auf dem Cover sehe, scheinen sich die Inhalte auf grob die folgenden Kategorien zu erstrecken:

  • Die aktuelle Mode für die kommende Jahreszeit.
  • Rezepte (für die aktuelle Jahreszeit)
  • Tipps zum Abnehmen (oft in Kombination mit vorigem Punkt)
  • Lebenshilfe („Wie werde ich glücklich?“ und dergleichen)
  • Prominente etc.

Pädagogische Fachzeitschriften dagegen fokussieren sich auf:

  • Änderungen an der Rechtssituation für Lehrer
  • Änderungen am Beamtenrecht (und was man dagegen zu tun gedenkt)
  • Ausschreiben von Neuwahlen für die verschiedenen Vertretergremien
  • Was macht guten Unterricht aus?

Gerade dieser letzte Punkt wird gebetsmühlenartig immer und immer wieder aus der mittlerweile völlig zugemüllten Kiste herausgeholt. Und die Tipps und Anregungen, die man als Lehrer daraus ziehen kann, sind in ihrer Summe so widersprüchlich, dass man sich am Ende ohnehin wieder ein eigenes System ersinnen muss. Und komischerweise funktioniert das dann meist gar nicht so schlecht.

Ich verstehe, warum das Thema immer und immer wieder herausgeholt wird. Permanent werden neue Experimente angesetzt, neue Ergebnisse eingefahren, neue Strukturen geschaffen. Was dabei völlig aus dem Blick gerät: Stabilität hat auch einen Wert. Und der ist meist höher als alle Experimente je einbringen könnten.

Mein direkter Vorgänger hat etwa 35 Jahre lang durchgehend an dieser einen Schule unterrichtet. Seine Methoden und Ansichten waren glasklar, seine Linie wankte nie. Jeder Schüler und jeder Kollege wusste ganz genau, woran man bei ihm war. Manche Schüler hatten natürlich ihre Probleme damit, aber noch heute merkt man genau, welche Klassen er unterrichtet hat, denn durch die Stabilität der ganzen Unterrichtsstruktur war ein Fokus auf die Inhalte gewährleistet. Und das, was bei ihm einmal gelernt wurde, saß auch Jahre später noch. Beeindruckend. Und dabei so völlig frei von pädagogischem Schnickschnack.

Ständig das Rad neu zu erfinden, hat noch niemandem geholfen. Meine erste Planstelle hatte ich an einer Modellschule, die es sich in ihren ersten fünf oder sechs Jahren zum Motto gemacht hatte, alles noch einmal neu zu erfinden – und jedes Jahr gefühlt „alles anders“ zu machen. Das war für alle Beteiligten anstrengend, führte zu unglaublich viel Verwirrung und letztlich steigerte es die Unterrichtsqualität nicht, ganz im Gegenteil: Weil man sich so stark auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen konzentrieren musste, blieb unterm Strich weniger Zeit für die Kernaufgabe: Unterricht vorbereiten und erteilen.

Daher meide ich die Lektüre von pädagogischen Zeitschriften genauso wie die von Frauenzeitschriften. Vergleichbares Schriftwerk für Männer übrigens ebenso.

 

Halbfertiges…

Ich gehöre ja eher zur Frühaufsteher-Fraktion, das liegt mir, ich habe keine Probleme damit. Auf die Weise kann ich mein Sportprogramm hinter mich bringen, bevor ich zur Schule aufbreche. Nur bringt es einen entscheidenden Nachteil mit sich: Ich bin abends unglaublich schnell platt. Ab 21:00 oder 21:30 h bin ich einfach zu nichts mehr zu gebrauchen.

Zweimal im Monat habe ich eine Big Band-Probe in Ellwangen, denn ich bin einer der Trompeter im Ellwangen Jazz Orchestra. Diese Probe geht immer bis 22:00 h. Dann muss noch ungefähr zehn Minuten lang der Raum in seinen Urzustand zurückversetzt werden, danach geht es mindestens 20 Minuten mit dem Auto nach Hause… Diese Abende sind rein von der Müdigkeit her betrachtet höchst unbefriedigend. Vor allem bin ich dann daheim wieder erstaunlich wach, weil ich mich so lange über meinen Punkt hinaus wachgehalten habe. Dumme Sache!

Aber zurück zum Thema: Abends pflegen wir die Kinder gegen 20:00 h in ihre Betten bzw. Zimmer zu stecken/schicken. Doch das dauert häufig satte 30 Minuten. Damit bleiben uns vor meinem vollendeten Abschlaffen nur noch etwa eine Stunde, vielleicht auch mal 90 Minuten, wenn es bei den Kindern wider Erwarten mal schnell ging. Einen richtigen Film, der auch diese Bezeichnung verdient, anzusehen, ist damit eine komplizierte Geschichte.

Und so haben meine Frau und ich vermutlich mehr Filme in Dritteln oder Hälften gesehen als alle anderen Menschen auf der Welt. Zum Glück merkt sich das Apple TV die Position. Sonst wäre das mühsam! Geht es noch jemandem in meiner riesigen Gefolgschaft so?

 

Vorsätze?

Seit Jahren nehme ich mir vor, mir nichts mehr vorzunehmen. Zumindest offiziell, denn dann muss man das Scheitern nicht vor anderen zugeben. Dieses Mal habe ich mir tatsächlich ein paar Kleinigkeiten vorgenommen, deren Umsetzung sicher nicht flächendeckend gelingen wird. Wenn es aber auch nur hier und da besser als in diesem Jahr läuft, ist schon etwas gewonnen:

  • Mehr Zeit für mich und meine Familie. Meine Frau stockt zum neuen Schuljahr an ihrer Schule ihr Stundendeputat auf, dafür reduziere ich ein wenig. Insgesamt arbeiten wir dann zusammen zwar zwei Stunden mehr, bei mir ist aber mittlerweile deutlich mehr Routine im Spiel, sodass ich darauf hoffen kann, ein etwas entspannteres neues Schuljahr (ab September) vor mir zu haben. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt…
  • Gesünderes Essen. Grundsätzlich gibt es bei uns schon sehr viel gesundes Essen, aber bei Stress greife ich vor allem des Abends noch viel zu oft auf Knabberzeug zurück. Ohne echten Appetit, es ist einfach ein Automatismus, den möchte ich noch ein paar Mal mehr ausschalten. Schaden wird das sicher nicht.
  • Abschied vom Pepsi Light. Seit Jahren trinke ich hauptsächlich Pepsi Light oder auch Cola Light. Dass das nicht gesund ist, weiß ich selbst. Dummerweise schmeckt mir blankes Wasser nicht gut genug. Aber ich denke, sobald ich mal ein paar Wochen durchgehalten habe, kann ich die neue Gewohnheit als etabliert betrachten.

Viel mehr nehme ich mir mal nicht vor, denn noch mehr Erotik würde die Welt nicht ertragen. 😉

 

Der erste Tausender

Heute früh habe ich es geschafft: Seit Anschaffung meines Laufbands Ende September habe ich die 1.000-Kilometer-Marke geknackt. Vor ungefähr zwei oder drei Wochen ist mir erstmals bewusst geworden, dass ich bei meinen allmorgendlichen 14-15 Kilometern dann ja auf ungefähr 100 Kilometer Laufleistung pro Woche komme. Vorher hatte ich nie darüber nachgedacht.

Die 1.000er-Marke ist geknackt.
Die 1.000-Kilometer-Marke ist geknackt.

Und nachdem mir das einmal bewusst geworden war, begann ich mit dem Zusammenzählen der in den letzten drei Monaten gesammelten Kilometern (durch die diversen Fitness-Apps auf iPhone und iPad kann ich das ja schön nachvollziehen). Gezählt wurden aber nur die Kilometer auf dem Laufband. Na ja, einmal war ich mit meiner Frau in der frischen Luft laufen, den habe ich mitgezählt…

Und seit heute früh bin ich über die 1.000-Kilometer-Marke hinausgelangt. Ein Ziel in dieser Richtung hatte ich mir nicht gesetzt. Zu Beginn lief ich vor allem die voreingestellten Programme (5-, 10- oder 15-Kilometer), dann kam der Oktober, der mich zu fast zwei Wochen Pause zwang. Zwischen den Arztterminen, der Arbeit und der Familie durfte ich mich aufgrund der Medikation nicht zu heftig verausgaben (so etwas kann ja Spätfolgen ungeahnten Ausmaßes haben). Mein Schwiegervater (Arzt im Krankenhaus) riet mir, nachdem er erfahren hatte, welches Medikament mir verschrieben worden war, zusätzlich zu großer Vorsicht. Anscheinend erhöht genau dieses Medikament die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen der Achilles-Sehne. Hmpf.

Somit war der Oktober etwas ausgebremst. In der Zeit ging ich dann morgens immer nur auf dem Laufband (bei etwa 6 bis 6,8 km/h). Nachdem sich das Risiko für einen Riss der Achilles-Sehne reduziert hatte, steigerte ich meine Laufanteile Stück für Stück wieder, etablierte ein eigenes Vorgehen, wie das Tempo und die Steigung sich im Lauf eines Trainings entwickeln (möglichst schonender Beginn, nach dem Aufwärmen ist es ohnehin fast egal): 1 km Gehen (6 bis 6,6 km/h), dann Laufen je 1km bei 8 km/h, 8,5 km/h, 9 km/h, 9,5 km/h, 10 km/h, 10,5 km/h, 11 km/h, 11,5 km/h, dann wieder zurück. Üblicherweise bei 2% Steigung, beim Reduzieren des Tempos erhöhe ich dann die Steigung auf 3%, beim langsamen Gehen am Schluss auf 4% – insgesamt komme ich bei 15 Kilometern Strecke somit auf etwas mehr als 300 Höhenmeter.

Das sind meine üblichen 90 Minuten am Morgen. Während der Schulzeit etwas quälend um 4:50 h beginnend, in den Ferien luxuriös um 6:30 oder 7:00 h. Wenn das erledigt ist, kann der weitere Tag sehr entspannt verlaufen.

Auf der Fahrt zur Verwandtschaft habe ich mit meiner Frau über die Pläne für das kommende Jahr gesprochen. Ich wäre ja für 3.500 Kilometer/Jahr, bin aber für Vorschläge offen. Schreibt sie mir einfach als Kommentar… 😉

 

San Francisco: Crookedest Street in the World

Lombard Street
Lombard Street — The Crookedest Street in the World

Es ist wieder einmal Zeit, sich meiner Geburtsstadt San Francisco zuzuwenden. Nicht nur meiner Meinung nach die schönste Stadt der Welt (neben Aalen, hüstel). Auch heute begegnen wir einem der weithin bekannten Wahrzeichen der „City by the bay“: Lombard Street, die den Angaben der Anwohner zufolge „krummste Straße der Welt“. Und in der Tat, vermutlich bietet nur ein Kreisverkehr mehr Krümmung, und die dafür nur in einer Richtung.

Viel los in den Kurven
Viel los in den Kurven

Der nicht ganz bescheidene Titel der Straße sowie der prachtvolle Anblick sorgen natürlich dafür, dass sich Unmengen an Touristen rund ums Jahr bei jedem Wetter dort einfinden. Als wir im Sommer 2003 dort waren, herrschte wundervollster Sonnenschein, die Temperaturen waren warm, aber nicht heiß — kein Wunder, dass sich die Touristen quasi gegenseitig auf den Füßen standen. Dennoch gelang es mir, hier und da ein paar schöne Schnappschüsse zu ergattern. Mehr möchte ich zu dieser fabulösen Ecke San Franciscos gar nicht schreiben. Lasst eure Augen über ihre sanften Rundungen streichen, sicher zaubern sie ein Lächeln auf euer Gesicht!

 

Klassiker des deutschen Films: „Die Einsteiger“

Ein Juwel des deutschen Films
Ein echtes Juwel des deutschen Films

Seit Jahren haben sie keinen gemeinsamen Film mehr herausgebracht, doch in den 1980er Jahren gab es eine ganze Reihe der sog. „Supernasen-Filme“ mit Thomas (damals noch „Tommy“) Gottschalk und Mike Krüger. Ich denke, es gilt als gesellschaftlicher Konsens, dass diese Filme nicht zu den Sternstunden des deutschen Films gehören. Dennoch gibt es einen Film, der eine so faszinierende Grundidee und eine passable bzw. überwiegend gelungene Umsetzung aufweist: „Die Einsteiger“ aus dem Jahr 1985.

Die Grundidee

Der Film basiert auf einer Grundidee, die sicher jeder von uns schon einmal im Leben ebenfalls hatte: Wie wäre es, in den gerade laufenden Film „einsteigen“ zu können und selbst daran teilzunehmen?

Gerade als Kind/Jugendlicher, als ich Fernsehserien wie „Ein Colt für alle Fälle“, „Trio mit vier Fäusten“, „Agentin mit Herz“, „Western von gestern“, „Star Trek“ (alle Serien) und viele andere konsumierte, war dies ein nicht selten gehegter Wunschtraum. Und da hatte ich noch nicht einen einzigen Erotik-Film gesehen (…).

Handlung

Genau diesen Wunschtraum nimmt sich der Film zum Anlass. Mike Krüger spielt Mike, einen Erfinder, der das Wunder vollbringt, sich und alle, die seine Hand beim Auslösen der Fernbedienung halten, in den gerade auf seinem speziell präparierten Videorekorder laufenden Film zu transportieren, wo sie dann Teil der Handlung sind bzw. Filmfiguren (z.B. Indiana Jones) ersetzen. Thomas Gottschalk spielt seinen bei Frauen durchaus erfolgreichen Kumpel Tommy. Gemeinsam erleben sie einige der Filmklassiker – darunter der schon erwähnte „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“ und „Tanz der Vampire“ – aus einer gänzlich neuen Perspektive. Der Rest der Handlung ist, um ganz ehrlich zu sein, völlig irrelevant.

Umsetzung

Mit einem großen Hollywood-Budget hätte man aus dieser Idee sicher einen abendfüllenden Blockbuster erzeugen können. Doch ganz soviel Geld wurde offensichtlich nicht in die Hand genommen. Das Ergebnis ist eine charmante Inszenierung, die durchaus besser als der Durchschnitt der damals gängigen deutschen Kinofilme ist. Zumindest empfinde ich es so, sicherlich kenne ich nicht alle damaligen Erzeugnisse.

Die Stärke des Films liegt im völlig überstrapazierten und meist extrem kalaueresken Humor sowie den unnachahmlichen (und das ist nicht nur positiv gemeint) schauspielerischen Leistungen der beiden Protagonisten.

Früher hatte ich den Film auf einer VHS-Kassette, die ich vom TV aufgenommen hatte. Bereits seit vier oder fünf Jahren habe ich kein taugliches Abspielgerät mehr – und werde mir sicher auch nie wieder eines beschaffen. Aber bei Amazon fand ich die DVD gebraucht für einen oder zwei Euro, mit Porto also vier oder fünf Euro. Und das bisschen Geld war mir der nostalgische Trip in den Kindheits-Spaß allemal wert. Als er vor ein paar Monaten geliefert wurde, nötigte ich meine Frau, einen Abend dafür zu opfern. Wie nicht anders zu erwarten, schlief ich dabei ein.

Das ist nun einmal der häufigste Effekt, den nostalgische Filmerlebnisse auf mich haben. Bereits seit Jahren. Im Referendariat (2003/04) bewohnte ich in Nürnberg ein kleines Zimmer direkt an einer vielbefahrenen Straße mit vierspurigem Verkehr und Straßenbahnverkehr in der Mitte (sowie neben einer Tankstelle), der Lärmpegel war also meist nicht ganz wegzudenken. Zum Einschlafen sah ich mir jeden Abend „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf dem Laptop an. Nach ein paar Abenden hatte ich mich soweit konditioniert, dass ich nicht einmal mehr die Abfahrt von Bill Murray und Andie MacDowell nach Punxsutawney mitbekam. Dafür schlief ich wie ein Stein. Und so erging es auch den „Einsteigern“ – doch da hielt ich mindestens 45 Minuten durch.

Fazit

Von allen Filmen des Duo Infernale ist dies aus meiner Sicht der beste. Gebrauchte DVD-Versionen gibt es bei Amazon immer wieder für ganz wenig Geld zu haben. Wer sich dafür interessiert: Zuschlagen! Der Film ist es wirklich wert. Und wenn man ihn doch nicht mag, lässt er sich ja wieder weiterverkaufen oder -schenken.

 

Heute (SoC-Experiment)

Heute
Heute — ein eventuell einmaliges Experiment

Gleich vorweg: Jetzt wird's komisch. Ich experimentiere mit ein bisschen gezügeltem „Stream of Consciousness“ (gezügelt, weil ich Anzüglichkeiten und Obszönitäten auslasse). Wem's zu doof wird, der soll lieber etwas vernünftiges lesen.

Umstellung auf den Schulrhythmus und die Folgen

Heute ist Samstag, seit letztem Montag stelle ich meinen Tagesrhythmus wieder auf „Schule“ um, also klingelt mein Wecker um 4:55 h (die letzte Viertelstunde muss dann nächste Woche noch weichen, sonst werde ich nicht rechtzeitig fertig). Dann stürme ich in den Keller, schnappe mein erstes Springseil (ich wechsle alle 30 Minuten das Seil, um sie langsamer abzunutzen, in dem Jahr habe ich schon fünf Seile „geschafft“), werfe ein Hörbuch (heute und morgen noch „Cotton Reloaded 35: Der Geist“) an, starte die Stoppuhr und hüpfe los. 95 Minuten später wird die Stoppuhr-App beendet, ich bewege mich grazil wie ein Elefant zur Dusche. Vorher noch das Rasieren. Schwierig, da mein Bartwuchs jeglichem Bemühen, ihn einzudämmen, erbitterten Widerstand leistet. Meine Frau hat das mal mit einer Folge bei den Simpsons verglichen, in der sich der Alte (Homer?) rasiert, einen Augenblick aber wieder alles aussieht wie vorher — genauso verhält es sich bei mir. Jede Woche gibt es eine neue (und sehr scharfe) Rasierklinge der Firma Wilkinson, doch der Effekt bleibt sich meist gleich. Nun könnte ich die ja auch länger nutzen, wenn sie schon nicht so viel besser rasiert. Mit dem Alter der Klinge kommt dann aber tatsächlich eine gewisse Stumpfheit, die mich zum Applizieren eines höheren Drucks nötigt — und damit steigt dann leider die Verletzungsgefahr exponentiell an. Egal, nach dem Rasieren und dem Duschen werfe ich mich auf die Waage, die vielen Süßigkeiten nach dem Italienurlaub haben mich auf 65,1 kg aufgeblasen. Furchtbar! Dann frische Klamotten, runter ins Erdgeschoss, 400 ml Pepsi Cola Light einfüllen. Aaaaahhhhh, Genuss! Nach ein paar Minuten ist das Wärmegefühl aus Sport und Dusche verflogen, es wird mir kühl. Also hole ich die Decke und packe mich ein. Dann schreibe ich den Blogeintrag über „Breaking Bad“. Kaum bin ich fertig, überkommt mich eine heftige Müdigkeit. Mag der arbeitsreichen Woche geschuldet sein. Ich höre Musik, das neue Album von Iron Maiden, gar nicht schlecht — wenn man auf diese Musik steht. Immer kann ich sie nicht hören, heute klingt sie gut. Nur das Cover des Albums würde mich ja eher abschrecken. Aber die Musik ist erstaunlich vielseitig, und das Album ist ziemlich lang… Bevor ich mich wehren kann, schlafe ich ein. Dumm gelaufen. Als ich erwache, springen drei Kinder um mich herum. Und machen Geräusche dabei. Erheblich viele. Mittlerweile habe ich etwas mehr als eine Stunde auf dem Sofa verbracht. Fühlt sich immer noch gut an. Nun greife ich zum iPhone, lese Zeilenendes neueste Ergüsse (hehe, doch eine andeutungsweise eingestreute Obszönität), kommentiere sie ausführlich, sende den Kommentar ab. In dem Moment löscht der seinen Artikel wieder — äh, wie bitte? Klingt skurril, stimmt aber. Die Musik läuft übrigens immer noch, auch wenn meine Liste der ungelesenen Artikel in der WP-App noch lang ist. Ich arbeite mich zäh durch die letzten Tage. Aha, neue Geschichten im Seppolog. Spannend! Gleich mal schlaue Kommentare schreiben, um von meiner grenzenlosen Mondänität (oder so) Zeugnis abzulegen. Dann merke ich, dass mir immer noch kalt ist, kein Wunder, bin aufgestanden. Gleich wieder hinsetzen, Decke um mich herumziehen. Mittlerweile sind fast zwei Stunden auf dem Sofa verbracht worden. Ungelogen: Es fühlt sich immer noch gut an. Samstag halt. Letzter Samstag vor Wiedereintritt in den Alltag. Schnell noch einmal 400 ml Pepsi Cola Light geholt, dann beginnt dieser Artikel. Also gleich noch einmal von vorne.

Sorry, zuviel Koffein, da kommt so etwas schon einmal vor.

 

Don Camillo und Peppone

Don Camillo und Peppone
Das unzertrennliche Duo: Don Camillo und Peppone

Auf dem Weg in den Italien-Urlaub kamen wir durch die Po-Ebene (ja, meine Kinder fanden das auch lustig). Das regte meine Erinnerung an die wundervollen Don Camillo-Filme an, spontan beschloss ich, daheim möglichst bald mal wieder eine oder mehrere dieser Juwelen meiner Filmsammlung anzusehen.

Gedacht, getan. Unsere Kinder kannten noch keinen einzigen dieser Filme, also sahen sie ganz gebannt zu, wie „Hochwürden Don Camillo“ und sein Kontrahent Peppone in ihrer ewig charmanten Hass-Liebe ein Abenteuer nach dem anderen überstehen.

Lieblingsstelle

Meine absolute Lieblingsstelle in allen Don Camillo-Filmen findet sich in „Genosse Don Camillo“: Peppone und seine kommunistische Partei haben sich mit einer Sache gegen Don Camillos Willen durchgesetzt, woraufhin er sich protestierend in den Hungerstreik begibt.

Das zieht sich eine Weile hin, bis sein Gesundheitszustand tatsächlich etwas bedrohlich wird. Peppone sucht ihn privat auf und bittet ihn, nein: fleht ihn an, wieder Nahrung zu sich zu nehmen. Don Camillo lehnt in gekränktem Stolz ab. Kaum ist Peppone abgezogen, hält Don Camillo eine seiner entzückenden Zwiesprachen mit Gott, an deren Ende er von „oben“ aufgefordert wird, doch bitte wieder zu essen.

Dieser Aufforderung kommt er nur zu gerne nach. In seinem Kühlschrank befinden sich Vorräte für eine ganze Woche, die er in etwas weniger als drei Stunden „vernichtet“. Danach schläft er — völlig groggy von diesem mehr als nur opulenten Mahl — in einen tiefen Schlaf.

Und kaum schläft er so tief und selig, dringen Peppone und einige seiner Parteifreunde in die Wohnung ein und nehmen eine kleine Zwangsfütterung am vermeintlich fast verhungerten Don Camillo vor. Die nächsten Tage geht es ihm nicht ganz so gut, allerdings nicht aus den Gründen, die die meisten seiner Mitbürger vermuten…

Eine mit so gutem Timing, so viel stillem Humor, mit Charme und Bodenständigkeit inszenierte Passage, die ich mir immer wieder ansehen könnte!

Kleine Umfrage

Nachdem ich gerade die Hosen heruntergelassen (bzw. die „Soutane gelupft“) habe, kam mir in den Sinn, meine werte Leserschaft auch mit ins Boot zu holen:

  • Welcher Don Camillo-Film — falls ihr sie ebenfalls kennt — gefällt euch am besten?
  • Gibt es darin auch Lieblingsszenen?

Musik

Eine der ganz großen Stärken aller Don Camillo-Filme ist die Musik. Das Thema könnte ich auf Nachfrage sofort summen/pfeifen/singen (aber nicht tanzen, bin ja nicht in der Waldorf-Schule…). Vermutlich geht es auch vielen anderen Fans so.

Vorhin habe ich mal nachgesehen: Bei Apple Music gibt es die Musik zu allen Filmen in einem Sammelalbum zum Anhören. Und nun ratet mal, was gerade im Hintergrund läuft?

Link zum Bild

 

Urlaub in Italien

Vom 22. bis zum 29. August war ich mit meiner Familie in Italien, genauer gesagt in Forte dei Marmi, einem eher noblen Küstenort der Toskana. Die Kinder waren uns schon seit Jahren in den Ohren gelegen, dass sie jetzt endlich mal einen Urlaub am (Meeres-)Strand erleben wollten. Früher konnten wir uns noch mit dem Argument drücken, dass nicht alle Kinder schwimmen könnten, nachdem unsere Jüngste es aber im Verlauf des Frühjahrs gelernt hatte, gab es schlicht keine griffige Ausrede mehr. Also buchte ich einen Urlaub am Strand.

Anreise

Da wir mit fünf Personen und dem dazugehörigen Gepäck das Auto komplett füllen und mit keinem anderen Verkehrsmittel so billig nach Italien kommen konnten, mussten wir in den sauren Apfel beißen und die ungefähr 740 Kilometer von Aalen nach Forte dei Marmi selbst fahren.

Gepackt wurde alles einen Tag vorher, das Auto stand über Nacht bereit. Mein Wecker klingelte um 3:25 h. Da die Kinder entsprechend gebrieft waren, schafften wir es mit allem Drum und Dran tatsächlich, um etwa zehn Minuten nach vier am frühen Morgen auf der Straße zu sein. Eine offensichtlich weise Entscheidung, was die Verkehrsdichte anging (so kamen wir bis auf zwei kleine Stau-Unterbrechungen kurz vor dem Ziel ungehindert durch). Irgendwie dachte ich ja, die Kinder würden im Auto dann gleich noch bis sieben oder acht Uhr weiterschlafen, doch die waren so aufgedreht, dass sie alle wach blieben. Egal, wofür gibt es iPods?

Durch Deutschland und Österreich flogen wir förmlich hindurch, eine erste Pinkelpause gab es in der Schweiz direkt vor der Viamala-Schlucht (einen schönen Gruß an Mario Adorf an dieser Stelle, zumindest mussten wir Eltern beide sofort an ihn denken). Dann rauf und rauf und rauf, bis wir durch den San Bernardino-Tunnel in den italienischsprachigen Teil der Schweiz und danach — endlich — nach Italien gelangten. Dort gab es erst einmal einen „richtigen“ Kaffee für die liebste Frau, einen „Kaba“ für unsere Jüngste, die beiden Großen tranken den Rest einer meiner Pepsi Light-Flaschen aus. Gut so, sonst hätte ich alle paar Kilometer weitere Pinkelpausen einlegen müssen!

Wie oben schon kurz erwähnt: In Italien gab es zwei kleinere Staus, beide nicht allzu lang (insgesamt ging uns etwa eine halbe Stunde dadurch verloren). In beiden Fällen waren wir der Klimaanlage im Auto für ihren reibungslosen Betrieb sehr dankbar, denn zu diesem Zeitpunkt brannte die Sonne recht gnadenlos auf die sich träge durch die Landschaft wälzende Metall-Lawine herunter.

Gegen 14 Uhr schlugen wir im Hotel auf, kurz nach drei liefen wir bereits in Richtung Strand, wo uns weitere Überraschungen erwarten sollten…

Das Hotel von vorne
Die Frontansicht des Hotels »La Pace«

Strandplatz

In der Beschreibung des Hotels stand, der Weg zum Strand sei „ca. 200 Meter“. Hmmmmmmm. Irgendwie kam es mir wie mindestens 500 Meter vor (Luftlinie zählt für mich nicht, denn ich kenne bislang niemanden, der durch Wände gehen kann). Und das war noch nicht einmal unser Strand. Bis wir an dem vom Hotel empfohlenen Abschnitt des Strandes angelangt waren, mussten wir locker 1,2 bis 1,5 Kilometer laufen. Aber wir sind ja alle sportlich, daher hat uns das nicht wirklich gestört.

Doch dann kam der Hammer: Der Strand musste bezahlt werden. Hupsi! Als ich zum letzten Mal am Strand war (irgendwann in den 1980er Jahren), gehörte das noch nicht zum Alltag. Und die Preise waren gar nicht so gering, obwohl wir später erfuhren, dass es dort auch Plätze für bis zu 200 €/Tag geben soll. Unser Strandplatz (inklusive Sonnenschirm, zweier Sonnenstühle und einer großen Liege) kostete pro Tag 43 €, die ganze Woche bekamen wir mit etwas Rabatt für 250€. Aber immer noch ein dicker Batzen Geld.

Dafür kann man sich über die gebotene Leistung nicht beschweren, denn der Strand war stets sauber, beim morgendlichen Laufen sah ich Horden von hilfreichen Geistern umher eilen, Müll beseitigen, Sand harken, Stühle und Sonnenliegen in Position stellen. Darüber hinaus gab es mehrere saubere und nur für die Mieter eines Strandplatzes zugängliche Toiletten, mehrere Süßwasserduschen, eine private Umkleidekabine — und eine fantastische Aussicht!

Aussicht vom Strand
Die Aussicht vom Strand war wirklich sehenswert.

Nach dem ersten Schock über den Preis war die Entscheidung schnell gefallen: Wir bleiben der Kinder zuliebe die ganze Woche am Strand! Somit war dann zumindest der inhaltliche Fahrplan für die restliche Woche gesetzt. Da wir auch nicht vorhatten (und ebensowenig vorhaben), in Bälde an einen solchen Badestrand zurückzukehren, war das für uns völlig in Ordnung.

Essen im Hotel

Im Hotel hatten wir nur Halbpension gebucht, das Mittagessen fiel (mit Ausnahme von ein paar Crackern oder Keksen) einfach aus, da sowohl Frühstück als auch Abendessen ziemlich opulent waren. Gerade das Frühstück war deliziös, denn es gab zwar zu wenig Obst, ansonsten aber alles, was mein Herz in seinen (ernährungstechnisch) schwachen Stunden begehrt: Cereals mit frischer Milch, Joghurt, Brötchen, Toast, Butter und Aufstriche ohne Ende, gebratene Eier, Croissants, kleine Krapfen mit Vanillepudding-Füllung, Donuts und und und — kalorientechnisch ein absoluter Overkill. Unter 1.600 Kalorien ging da kein Frühstück vorbei. Aber es musste ja eine Weile halten…

Beim Abendessen gab es immer ein riesiges Buffet, das leider für Vegetarier wie mich nicht immer ganz kompatibel war (es gab immer vegetarische Gerichte, doch nicht immer von hoher Attraktivität für mich). Mir fehlte ein wenig die Rohkost, doch für eine Woche Urlaub war schon klar, dass ich keine ernsthaften Probleme bekommen würde. Vor dem Buffet gab es allerdings stets einen Pasta-Gang als Vorspeise. Und das war Abend für Abend ein Highlight. Unsere Jüngste, die sich noch nicht so auf die italienische Küche einlassen konnte/wollte, vererbte mir nicht selten noch einen zu 75 Prozent gefüllten Teller, den ich nur zu gerne zügig leerte. Und es folgte ein hervorragendes Dessert, in dieser Hinsicht stehen meiner eigenen Erfahrung nach die Italiener den Andalusiern in nichts nach.

Laufen an Italiens Küste

Wenn so opulent gegessen wird, kann ein Urlaub leicht zu einer Ballung von Fettgewebe um die mittleren Regionen führen. In weiser Voraussicht hatte ich in Aalen meine Laufschuhe und geeignete Laufkleidung eingepackt. Morgens stahl ich mich gegen 6:45 h aus dem Hotel und rannte los.

Meine erste Feststellung: Wo sind die Höhenmeter? Aber direkt am Meer entlang gibt es davon nur wenige (die Skala in meiner Lauf-App skalierte sich auf „5 Meter“ — und die wurden kaum erreicht, bei meiner Frau, die ebenfalls fleißig war, stand am Ende tatsächlich mal „1m“ in der Rubrik „Höhenmeter“), was dann angesichts meiner Gewöhnung an einige Höhenmeter beim Laufen in Aalen wiederum ein meist recht hohes Tempo nach sich zog. Die meisten Läufe absolvierte ich mit einem Tempo von deutlich unter 5:30 Minuten/Kilometer. Der schnellste Kilometer wurde in 4:41 Minuten abgehakt, für mich ein absoluter Rekord!

Hilfreich war dabei sicher auch, dass die Küstenstraßen ziemlich geradlinig geführt werden. Jede Kurve, am Ende gar noch auf Schotter oder unebenem Boden, nagt perfide am Tempo. Hier gab es davon nur ganz wenige, daher stieg das Tempo immer weiter. Am schönsten war der etwa sechs Kilometer ununterbrochen geradeaus führende Streifen am Ufer (siehe Screenshot). Da „flog“ man gefühlt nur so dahin.

Gerade Wege, hohes Tempo
Gerade Wege, hohes Tempo!

Ein weiterer Pluspunkt war der stets wehende Wind vom Meer, der mich beim Laufen erfrischte und kühlte. Ohne den Wind wäre es für mich sicher deutlich unangenehmer gewesen. Erst im Vergleich konnte ich heute früh beim ersten heimischen Lauf den Mangel an Erfrischung an einigen Stellen bemerken. Ach!

Noch eine ganz nette Kleinigkeit: Um diese Uhrzeit ist in einem Touristenort noch absolut nichts los. Ich habe mehr Müll- und Straßenreinigungsfahrzeuge gesehen als andere Passanten oder Läufer. Aber die… Interessanterweise kann man „echte Läufer“ sehr schnell von „Joggern“ unterscheiden:

  • Echte Läufer rennen sehr geradlinig, konzentriert und flink. Außerdem grüßen sie andere Läufer meist mit einem aufrichtigen Lächeln und Kopfnicken, gelegentlich auch mit einem kurzen Handzeig. Kaum einer hört Musik oder sonst etwas, die meisten halten ihren Kopf frei und lassen ihre Füße den eigenen Rhythmus finden.
  • Jogger dagegen laufen langsam, kreuz und quer, meist mit den unmöglichsten Verrenkungen in Hüfte und Knie (schon das Hingucken schmerzt). Außerdem zählt das Aussehen mehr als das Laufen, also muss die Frisur sitzen (das bedingt dann wiederum ein langsames Tempo, sonst könnte sich ja etwas lösen). Zusätzlich sind die Laufklamotten ausnahmslos von angesagten Marken und meist gebügelt. Das Smartphone mit monströs großen Over-Ear-Kopfhörern darf als Accessoire natürlich nicht fehlen. Einen Gruß darf man sich von einem Jogger nicht erhoffen, denn das wäre zuviel Mühe. Daran könnte man mal eine ganz interessante Sozialstudie durchführen…

Einmal konnte ich nicht anders, da musste ich mir einen kleinen Spaß mit dem GPS in meiner Lauf-App machen: Fast parallel zu unserem Strandabteil gab es in der Stadt eine Art Kreisverkehr, der — dem Berliner Ring in Würzburg nicht unähnlich — in drei Spuren um ein begrüntes Zentrum geführt wird. Bei einem Lauf rannte ich die drei Spuren nacheinander konsequent ab, um zu sehen, wie akkurat das GPS funktioniert. Nun ja, das Ergebnis lässt sich auf dem folgenden Screenshot erkennen.

Nicht ganz perfekt...
Das GPS ist nicht ganz perfekt, aber man kann die Runden dennoch erkennen.

 

Außerdem erfuhr ich noch etwas über mich: Ich kann über Wasser laufen (nicht „gehen“). Offensichtlich war der lange Steg, den ich mehrfach bis zum Ende hinaus- und wieder zurück lief, nicht in der Karten-App verzeichnet. Und nun beweist der Screenshot, dass ich locker 300 Meter über das Wasser gerannt bin. Das soll mir erst einmal jemand nachmachen!

Beweis: Ich kann über das Wasser rennen!
Hier ist der Beweis: Ich kann über das Wasser rennen!

Mini-Kulturprogramm zum Schluss

Am Abreisetag wagten wir uns noch einmal ca. 40 Kilometer südlich nach Pisa, denn die Kids waren ganz scharf darauf, den „schiefen Turm“ zu sehen. Den Rest der Stadt ignorierten wir dann auch komplett, aber den Turm in seinem starken Neigungsgrad konnten wir absolut genießen (eine Besteigung sparten wir uns aufgrund des massiven Touristen-Andrangs jedoch).

Touristen-Schwemme
Die Touristenschwemme gab es übrigens schon morgens um kurz nach zehn...

Rückreise nach Deutschland

Und dann starteten wir — glücklicherweise wohl ein oder zwei Stunden nach allen anderen Touristen — unsere Rückreise. Hätten wir nicht gleich zu Beginn eine Viertelstunde im äußerst zähflüssigen Verkehr zugebracht und in der Schweiz fast 30 Minuten das Räumen einer Unfallstelle in einem Autobahntunnel abwarten müssen, wäre die Rückreise komplett ohne nennenswerte Wartezeiten abgegangen.

Ich kann mich nicht über das Bett im Hotel beschweren, denn es war völlig ok. Aber der Genuss, nach einer so langen Fahrt wieder ins eigene Bett zu sinken und dann ziemlich flink wegzudämmern, kann gar nicht akkurat in Worte gefasst werden. Hach, Urlaub hat doch eigentlich immer den Zweck, einem das Nach-Hause-Kommen besonders schmackhaft zu machen.

Zurück in den Alltag

Am nächsten Morgen dann die eine Woche ausgesetzte Seilspringen-Ration von 93 Minuten, Dusche, Waage (ein spannender Moment): 64,7 Kilogramm. Uff! Alles im grünen Bereich… Mittlerweile ist fast die komplette Wäsche gewaschen und getrocknet, sogar zusammengelegt. Nur zum Verräumen konnten wir uns noch nicht ganz aufraffen. Aber der Tag ist ja noch lang.