Volljährig

Heute ist es soweit: Meine Frau und ich sind seit genau 18 Jahren zusammen. Wie in jeder Beziehung gab es immer wieder mal besondere Höhen und besondere Tiefen, doch alles in allem überwogen die Höhen eindeutig.

Vorhin haben wir die Kinder kurz allein zuhause gelassen und sind für eine halbe Stunde durch die Abenddämmerung spaziert. Beim Reden waren wir uns wieder einmal einig darüber, dass wir viele Ansichten bzw. Einstellungen teilen – und dass wir stets nach vorne blicken. Die 18 Jahre, die bereits gemeinsam hinter uns liegen, sind mehrheitlich gute Jahre gewesen (2011 war nicht so das Jahr nach unserem Geschmack, dafür kamen danach die bislang besten…), mit Sicherheit folgen noch viele wundervolle Jahre, nein Jahrzehnte.

Seit nunmehr 18 Jahren zusammen – und es wird immer besser.
Seit nunmehr 18 Jahren zusammen – und es wird immer besser.

Daher fasse ich mich zum späten Abend ganz kurz: Danke für alles, beste Frau der Welt!

Song des Tages (21) – 2016-10-02

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Im Referendariat war ich ein Jahr lang einer Zweigschule in Nürnberg, dem Melanchthon-Gymnasium, zugeteilt. Meine Wohnung lag nur wenige Meter entfernt, daher fiel das Pendeln zur Arbeit eigentlich nur auf die Wochenenden, wenn ich zu unserer damaligen gemeinsamen Wohnung in der Innenstadt von Würzburg zurückkehrte.

Ich arbeitete viel, da mir der stellvertretende Schulleiter häufig Extra-Stunden (mit Extra-Bezahlung) anbot. Jede Stunde mehr gehalten ist mehr Erfahrung, daher stimmte ich ausnahmslos zu, wenn er fragte. Im Gegenzug war ich abends recht müde. Zum Einschlafen sah ich mir jeden Abend den gleichen Film an, der auf der Festplatte meines (damals noch auf Windows XP laufenden) Notebooks gespeichert war: Und täglich grüßt das Murmeltier. Irgendwie passend, sich genau diesen Film jeden Abend anzusehen.

Müdigkeitsbedingt kam ich aber nie weit, denn spätestens bei der Szene, wenn der Übertragungswagen aus der großen Stadt hinaus in Richtung Punxsutawney fährt, bin ich eingeschlafen. Daher habe ich fast ein ganzes Jahr lang immer zum Einschlafen genau den heutigen Song des Tages gehört, denn der läuft in dieser Szene: „Weather Man“ von Delbert McClinton.

Bis heute beruhigt mich der Song, was sicher auch an seinem sehr gelassenen Mainstream-Groove liegt. Andererseits ist er selbst losgelöst von diesem „Schwank aus meinem Leben“ ein hörenswertes Stück Musik.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

Die Timothy Ferriss-Diät

Am Sonntag vor einer Woche begann ich eine Diät. In den Wochen/Monaten davor hatte ich nach und nach ein wenig mehr Speck angesetzt, als mir ins Konzept passt. Statt meiner üblichen 64-65 kg Gesamtgewicht zeigte die Waage am Sonntag Morgen allen Ernstes 66,9 kg. Das war so nicht hinzunehmen, denn bereits bei 66,0 schrillen eigentlich alle Warnglocken.

Mit meinen 178 Zentimetern stellen 66 kg noch kein ernstzunehmendes Problem dar (selbst 70 kg wären ja noch kein Problem), ich wog allerdings vor ein paar Jahren mal etwa 90 kg. Dorthin möchte ich auf keinen Fall zurück, weswegen mir ein rechtzeitiges Gegensteuern immer ratsam erscheint.

Timothy Ferriss: „Der 4-Stunden Körper“ – etwas extrem, aber effektiv
Timothy Ferriss: „Der 4-Stunden Körper“ – etwas extrem, aber effektiv

Inspiriert durch einen Tweet von Bastian Wölfle (siehe hier), der auf ein Interview verlinkte, hatte ich mir im iBooks Store bereits das Buch „Der 4 Stunden Körper“ von Timothy Ferris besorgt und ein Stück gelesen. Gerade am Sonntag vor einer Woche zog ich mir beim Gehen auf dem Laufband (das ist vielleicht eine einschläfernde Tätigkeit, aber meine Zerrung ließ leider keinen Lauf zu) einige weitere Kapitel rein, fand vieles, was ich gut umsetzen konnte – und begann sofort mit der Diät.

Der Einstieg war so spontan, dass ich gleich einmal meine Frau verärgerte, denn plötzlich passte der zwei Tage vorher gemeinsam für die anstehende Woche gewählte Speiseplan nicht mehr zu dem, was ich essen durfte, wollte ich die Diät sinnvoll durchziehen. Dumm das! Doch weil sie nun einmal die beste Frau der Welt ist, legte sich der Ärger schnell und sie unterstützte mich. Das Ende der Diät stand auch sofort fest: Freitag. Beim Abiball wollte ich am Buffett nehmen, wonach mir der Sinn stand. Dazu gehören in Schwaben fast immer Spätzle und diverse andere leckere Beilagen, die sich unmöglich mit der Diät vereinbaren ließen. Gerade der kurze Zeitrahmen ließ mich voller Zuversicht an das Experiment herangehen.

Gleich vorweg: Ich habe mich an manche Elemente aus der Ferriss-Diät nicht gehalten, denn er predigt einen gezielten Einsatz von Medikamenten, die den Stoffwechsel beeinflussen, um die über die Nahrung aufgenommenen Stoffe davon abzuhalten, in Fettdepots gespeichert zu werden. Mit so etwas kann ich überhaupt nichts anfangen, noch dazu geht es um irgendwelche Substanzen, deren komplettes Wirkspektrum noch gar nicht erforscht ist (diesen Teil des Kapitels habe ich dann gleich in hohem Tempo überflogen, denn vom ersten Satz an war mir klar, dass es für mich nicht in Frage kommt).

Und noch eins vorweg: Selbst im angepassten Zustand funktioniert die Diät außerordentlich gut, denn ich habe innerhalb von fünf Tagen 3,1 kg Körpergewicht eingebüßt und mein Körperfett um etwas mehr als ein Prozent gesenkt. Gar nicht so schlecht.

Was habe ich dafür getan? Es gibt ein paar ganz einfache Grundregeln in dieser Diät, an die ich mich auch sehr streng gehalten habe:

  • Keine Getreideprodukte, kein Reis, keine Kartoffeln, keine Pasta etc.
  • Kein Zucker, auch keine Fructose (also keinerlei Obst, was mir schon etwas schwerfiel)
  • Keine Milchprodukte
  • Möglichst wenig Light-Getränke (das war die Hölle für mich, der ich sonst 1,5 Liter Cola Light am Tag trinke), da der Süßstoff Aspartam wohl dafür sorgt, dass leichter Fettdepots gebildet werden. Maximal 500 ml sind pro Tag erlaubt – und die habe ich bis zum letzten Tropfen ausgekostet…
  • Viele Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen, Mais etc.) essen, da sie gut sättigen und auch über längere Zeit füllen.
  • Gemüse darf in rauen Mengen verzehrt werden, gerne bis zur vollständigen Sättigung.
  • Nüsse können zur Überbrückung in Maßen eingesetzt werden.
  • Die erste Mahlzeit des Tages innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufstehen, um den Stoffwechsel in Gang zu bringen.
  • Viel Wasser trinken (deshalb habe ich mir ja überhaupt diese dämlichen Trink-Apps auf dem iPhone installiert – zumindest für ein paar Tage).
  • Nicht zu viel Sport treiben, weil der Körper sonst mehr Wasser einlagert und das Hungergefühl stärker wird, was dann wieder für Heißhungerattacken sorgen kann. Gut, in der Hinsicht fiel es mir in der Woche leicht, denn ich war ja lahmgelegt.

Das waren im Grunde die wichtigsten Regeln, wer es genauer wissen möchte, muss im Buch nachlesen, denn da wird das auf etlichen Seiten genau ausgeführt und begründet. Am Montag kaufte ich einen Korb voller Konserven: Chili-Bohnen, Linsen, Baked Beans, Erbsen etc. Und ab da gab es bei jeder Mahlzeit etwas davon – oder eine Mischung. Oft peppte ich das Essen mit Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Paprika, Fenchel oder anderem Gemüse auf. Für eine Woche war das völlig ok, noch nicht einmal eintönig.

Überraschend angenehm war das Essen morgens um 5:00 h. Nach dem frühen Aufstehen briet ich mir ein oder zwei Eier, dazu gab es Baked Beans. Normalerweise würde ich nur selten so mächtig in den Tag starten, aber es war sehr spannend, das lang anhaltende Sättigungsgefühl zu erleben. Denn tatsächlich war bis weit in den Mittag hinein noch kein besonders starkes Hungergefühl zu bemerken. Gerade wenn man dann noch viel trinkt, ist die Gefahr sehr gering, immer wieder zwischendurch etwas zu essen.

Am schlimmsten war für mich der Verzicht auf Pasta, denn die könnte ich dauernd in unterschiedlichsten Variationen essen. Aber für eine einzige Woche nahm ich diesen Verzicht in Kauf.

Als großes Fazit kann ich festhalten, dass diese Diät funktioniert, für mich auf Dauer aber undenkbar ist. Allerdings kann ich sie ja immer wieder für ein paar Tage herausholen, wenn ich mit meiner Gewichtsentwicklung nicht zufrieden bin. Durch die vielen möglichen Gemüse-Kombinationen kommt da auch nicht so schnell Langeweile auf.

Wer sich für das Konzept im Detail interessiert und die weiteren Aspekte des Buchs, das übrigens in einem weitgehend angenehmen Tonfall geschrieben ist, dem kann ich die paar Euro durchaus empfehlen. Bei iBooks waren es 11,99 €, im Buchhandel oder bei Amazon wird es sicherlich nicht deutlich mehr kosten.

So, zum Ausgleich gab es heute erst einmal leckere Pfannkuchen zum Mittagessen. Ein wahres Fest!

Pfannkuchen in vielerlei Variation: Käse, Pilze, Ahornsirup, Bionella, Marmelade etc. – ein Genuss!
Pfannkuchen in vielerlei Variation: Käse, Pilze, Ahornsirup, Bionella, Marmelade etc. – ein Genuss!

Neue Ziele

Eine sehr inspirierende Podcast-Folge
Eine sehr inspirierende Podcast-Folge

Gerade eben habe ich eine höchst interessante Podcast-Folge mit Bastian Wölfle gehört, der vor ein paar Jahren mehr als 40 kg abgenommen hat. In dem Interview fasst er zusammen, wie man sich beim Abnehmen motivieren, wie man durchhalten und erfolgreich sein kann. Die Seite findet man hier.

Nun kann ich ja nicht gerade sagen, dass ich dringend abnehmen müsste. Bei 179 Zentimetern liege ich mit meinen 65 kg genau im Normalbereich. Aber: Durch meinen Süßigkeitenkonsum, der wirklich unverschämt hoch ist, habe ich in den letzten Monaten ein kleines Bäuchlein angesetzt. Und das nervt mich. Ich will es loswerden.

Noch dazu habe ich festgestellt, dass meine abendlichen Süßigkeiten weitgehend noch nicht einmal mit wirklichem Genuss gegessen werden. Der größte Teil davon wird ganz einfach automatisch in die Futterluke gestopft, gekaut und geschluckt. Davon möchte ich wegkommen. Eher gestern als heute. Also habe ich heute angefangen: Gerade als der Impuls kam, die Schublade mit den Süßigkeiten zu öffnen, um mir wieder etwas — nein: einen Haufen — aufzuladen, packte ich mein iPad, ließ die Podcast-Episode weiterlaufen, putzte die Zähne und ging ins Bett.

Da bin ich gerade und schreibe diese Zeilen. Eine ganz konkrete Buchempfehlung habe ich aus dem Podcast schon mitgenommen. Das Buch wartet auch schon in meiner iBooks-App auf mich. Sobald ich mich da ein Stück weit eingelesen habe, schreibe ich einen neuen Beitrag dazu. Doch jetzt bin ich zu müde, morgen steht neben dem regulären Schulalltag noch mein Schulkonzert an, da muss ich fit sein.

Der LSD-Lauf

Nein, nicht was ihr wieder denkt. Ich beziehe mich mit dem Titel auf den Leitspruch des Chi Running-Konzepts, das bereits vor etlichen Jahren von Danny Dreyer entwickelt wurde. Das Akronym LSD steht dabei für „Long Slow Distance“ – und genau so bin ich heute an meinen Lauf herangegangen: Ein langer Lauf (mehr als zweieinhalb Stunden) mit geringem Tempo (über 6 Minuten/Kilometer) über eine lange Distanz (25,22 Kilometer, danach noch etwa 1,7 Kilometer gehend nach Hause, mehr dazu später).

Start in den Tag

Ganz ohne Wecker bin ich gegen 5:00 h aufgewacht, als der Wecker sich dann um 5:15 h gemeldet hat, kroch ich schnell aus dem Bett und machte mich an den Rest einer Korrektur, die einfach fertig werden musste.

Um 7:00 h war die Arbeit erledigt, meine Frau hatte in der Zwischenzeit ihren Lauf abgehakt und wandte sich dem weiteren Frühsport zu. Draußen regnete es für zehn oder fünfzehn Minuten. Eigentlich wollte ich da noch in den Keller auf mein treues Laufband gehen… Doch dann las ich ein Stück des ersten Kapitels von Haruki Murakamis „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ – und spontan überkam mich die Lust, in die frühsommerliche Schwüle aufzubrechen.

Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede
Inspirierende Kost – Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Binnen weniger Minuten hatte ich mich fertig gemacht und brach ganz LSD-mäßig auf. Durch den kurz zuvor gefallenen Regen war es in der Tat zeitweise etwas schwül, aber bereits der erste Landschaftsblick (ca. 250 Meter nach dem Ortsrand) entschädigte für das eine oder andere zusätzlich vergossene Schweißtröpfchen:

Nur wenige hundert Meter von meiner Haustür entfernt liegt dieser prachtvolle Anblick
Nur wenige hundert Meter von meiner Haustür entfernt liegt dieser prachtvolle Anblick

Hierhin, dorthin – wohin?

Meine genaue Route hatte ich vor dem Loslaufen nicht festgelegt, wodurch dann im späteren Verlauf auch hin und wieder recht spontane Entscheidungen fällig wurden, immer in Abhängigkeit von der Existenz oder Auffindbarkeit von Wegweisern. Zuerst wollte ich nur meine reguläre Halbmarathon-Strecke laufen, was schon schön gewesen wäre, doch dann beschloss ich, eine alternative Route auszuprobieren – und die war toll! Also folgte ich dem Weg, und folgte ihm, und folgte ihm… Irgendwann stand ich dann fast oberhalb der Autobahn (A7), und da fasste ich den Entschluss, einfach noch das vermeintlich kleine Stück bis zur Kapfenburg noch anzuhängen.

Doch der Weg bis zur Burg zog sich gefühlt dann noch ganz schön hin. Im Verlauf musste ich die Autobahn überqueren:

Schnell rüber auf die andere Seite!
Schnell rüber auf die andere Seite!

Doch dann, nach fast 16 Kilometern, durfte ich den ersten Blick auf die Kapfenburg werfen, diese Aussicht entschädigte für einige der vorher gefressenen Höhenmeter:

Ein zauberhafter Blick auf die Kapfenburg
Ein zauberhafter Blick auf die Kapfenburg!

Da konnte ich aber noch nicht stehen bleiben, wenn ich schon so nah dran war, dann wollte ich auch bis zur Burg hin. Doch ganz offensichtlich ist da heute eine größere Veranstaltung, denn ich kam schon schier nicht mehr durch:

Die Kapfenburg im Vorbereitungstaumel...
Da stehe ich nun inmitten des Vorbereitungstaumels…

Knie zickt – aber nur abwärts!

Auf dem Rückweg wählte ich natürlich eine andere Route, um der sonst sicher aufkeimenden Langeweile entgegenzuwirken. Ab hier machte mir das rechte Knie bei jedem absteigenden Meter zu schaffen. Ganz am Ende sollte das meinen Lauf um mindestens anderthalb Kilometer verkürzen.

Dafür gab es auch lustige Momente: In Arlesberg, einer kleinen Anzahl von Kuhstallungen und Bauernhöfen, steht – fast schon in bester schwäbischer Tradition – zwar kein ausgewachsener Blitzer, dafür aber eine digitale Geschwindigkeitsanzeige, die den Autofahrern in diesem verkehrsberuhigten Gebiet verdeutlichen soll, wie viel zu schnell sie vermutlich gerade fahren.

Ich erntete hier ein lachendes grünes Gesicht...
Ich will ja nicht prahlen, aber mir schenkte die Anzeige ein lachendes grünes Gesicht (vielleicht lachte es ja auch ÜBER mich)…

Auch wenn meine Kamera nicht schnell genug gezückt war, so kann ich voller Stolz berichten, mit angeblichen 16 km/h (das war mit absoluter Sicherheit nicht mein Tempo in dem Moment, das lag wohl eher bei 10 km/h) garantiert keine Gefährdung der Straßenverkehrssicherheit dargestellt zu haben.

Ein paar Minuten später verursachte ich – völlig unabsichtlich – eine kleine Stampede auf einer Kuhweide: Während ich äußerst langsam und vorsichtig (es ging gerade bergab) meines Weges kam, beobachteten mich drei Kühe am Rande einer Weide mit zunehmend panischem Gesichtsausdruck. Auf dem iPhone lief gerade ein Stück von DIO, daran kann es also nicht gelegen haben, aber plötzlich rannten alle drei Kühe wie besessen vor mir davon. Das griff um sich, bis am Ende mindestens fünf oder sechs Kühe ans gegenüber liegende Ende der Weide flüchteten.

Vorher standen die Kühe noch direkt am Zaun...
Vorher standen die Kühe noch direkt am Zaun

Ich war zu perplex, um sofort mit der Kamera draufzuhalten, aber immerhin sieht man auf dem Bild, dass die Herde deutlichen Abstand zum unheimlichen Solera hält…

Schockmoment kurz vor Schluss

Zum Glück für mich ging es am Ende meines Laufs mindestens einen Kilometer am Stück nur bergauf. Normalerweise bin ich ja kein Fan von langen Anstiegen, aber meinem Knie tat das richtig gut. Kaum war ich ganz oben, beendete ich den Lauf und begab mich gehend nach Hause (ca. 1,5-1,7 Kilometer nur bergab).

Und da passierte es: Auf dem Weg lag eine Blindschleiche. Ein völlig harmloses, eigentlich sogar hübsches Tier. Doch wer mich etwas besser kennt, weiß von meiner Schlangen-Phobie. Im Zoo kann ich Schlangen hinter Glas stundenlang fasziniert betrachten, in freier Wildbahn überspringt mein Puls locker die 200er-Marke, wenn ich ein solches Tier (selbst in totem Zustand) irgendwo erblicke.

Schockmoment pur – eine Blindschleiche auf dem Weg!
Schockmoment pur – eine Blindschleiche auf dem Weg!

Immerhin war das Tier von mir wohl auch völlig verunsichert worden, denn es verfiel in eine Art Schockstarre und bewegte sich selbst dann nicht, als ich nach einem entsetzten Sprung mein iPhone zückte, um das Foto zu knipsen. Näher hätte ich mich aber nicht herangetraut.

Lobeshymne

Nach Beendigung des Laufs überschüttete mich die RunKeeper-App mit Lob, das ich hier in prahlerischer Weise zur Schau stellen muss.

Lob aus der RunKeeper-App
Lob aus der RunKeeper-App

Immerhin fängt übermorgen die Schule wieder an, dann kommen die vermutlich anstrengendsten neuneinhalb Wochen des Schuljahres… In der Zeit wird es sicher nur eingeschränkte Möglichkeiten geben, einen solchen Lauf durchzuziehen.

52 Wochen — Teil 6 („Die Protestkappe – oder: The Sky’s The Limit“)

Auch am heutigen Sonntag gibt es natürlich einen neuen Beitrag zum vom verehrten Zeilenende ins Leben gerufenen Foto-Challenge „52 Wochen“.

Die Protestkappe – The Sky's The Limit
Die Protestkappe oder: The Sky's The Limit

Am vergangenen Montag (Ostermontag) fand im Kreise meiner Familie die Taufe meiner Nichte statt. Wie schon bei den vorangegangenen Kindern bzw. deren Tauffeiern durfte ich mich musikalisch beteiligen, was ich genussvoll auslebte. Eine — von mir als solche ausgelegte — Unschärfe im Programmheft ermöglichte es mir, vier musikalische Beiträge zum Besten zu geben (statt nur eines einzigen).

Da ich für den Anlass ohnehin herausgeputzt hatte, musste meine Protestkappe mit. Diese hat eine lange Geschichte, die ich auch nur andeutungsweise hier erzählen kann (und will): Im Dezember 2010 veröffentlichte ich einen unvorteilhaften Eintrag in meinem damaligen Blog. Er existiert schon lange nicht mehr, hieß anders, war auf einer heute nicht mehr existenten Plattform publiziert, eine Suche lohnt also wirklich nicht…

Die Konsequenzen bekam ich ab dem 10. Januar 2011 zu spüren. Genau zwei Tage vorher hatte ich mir beim Besuch der Schwiegereltern in Eichstätt diese wundervolle Kopfbedeckung (fälschlicherweise Kappe genannt) zugelegt. Und jedes einzelne Mal, wenn ich sie trage, muss ich an diese wahrlich beschissene Zeit denken. Da ich mich von dieser Reminiszenz aber nicht unterkriegen lasse, ist sie meine Protestkappe.

Um es klarzustellen: Verbockt hatte ich es damals, denn geschrieben und veröffentlicht hatte ich den Blog-Eintrag. Der Umgang anderer damit war aber absolut nicht geeignet, die Situation effektiv zu bereinigen. Vielmehr sollte ganz offensichtlich ein Exempel statuiert werden, und da kam ich anscheinend gerade recht. Heute würde ich ganz anders mit einer solchen Situation umgehen, aber egal! Ich habe daraus viel gelernt, lebe jetzt um ein Vielfaches zufriedener — für mich hat sich das statuierte Exempel unterm Strich als Gewinn erwiesen (auch wenn es sich damals alles andere als gut angefühlt hat).

Und so trage ich meine Protestkappe auch weiterhin mit Stolz. Basta!

 

Lehrer, Kinder, Ferien – und Zeilenende

Zeilenende

Gestern hat mir der einmalige Zeilenende auf Twitter einen Tweet mit einem fragenden Kommentar weitergeleitet:

Da muss man schon genau hinsehen...
Bitte genau hinsehen!

Da ich am Donnerstag meine zweiwöchige Big Band-Probe in Ellwangen hatte, die sich bis kurz nach 22 h hinzog, woran sich immer noch etwa 30 Minuten Heimfahrt anschließen, war ich in der konkreten Situation nicht in der richtigen Stimmung, mich von der Muse küssen zu lassen und gleich zu antworten. Außerdem ist das Thema gar nicht so unspannend – also kündigte ich ihm nur an, es in einem eigenen Blog-Eintrag zu verarbeiten. Nun denn…

Ferienarten

Lehrer unterscheiden Ferien, denn auch wenn die Dauer der „unterrichtsfreien Zeiten“ meist nicht extrem voneinander abweicht, wäre es vermessen zu glauben, dass alle Ferien sich gleichen würden. Doch zuerst einmal muss ich klarstellen, welche Ferien ich überhaupt habe, das unterscheidet sich ja von Bundesland zu Bundesland. Hier in Baden-Württemberg sieht es ungefähr folgendermaßen aus:

  • Herbstferien: eine Woche, die sich am Ende des Oktobers bis in die ersten Novembertage erstreckt. Diese Ferien sind unglaublich wichtig als erste Aufarbeitungsphase nach ungefähr zwei Monaten Schule. Gerade am Schuljahresanfang müssen alle Listen, Sitzpläne etc. erstellt und gepflegt werden, bis zu den Herbstferien setzt sich dann auch einiges, man hat jede Klasse einigermaßen kennen gelernt, die ersten Eindrücke sind gefestigt – jetzt kann und muss die weitere Planung angepasst werden.
  • Weihachtsferien: üblicherweise zwei Wochen, die kurz vor dem Heilig Abend beginnen und dann nach den ersten Januar-Tagen enden. Als Musiklehrer bin ich meist bis zum letzten Moment in der Schule voll im Einsatz, da im Dezember ein großes Adventskonzert und am letzten Schultag ein von Musik umrahmter Gottesdienst stattfinden. Beides erfordert Vororganisation, Proben und umfangreiche Transport-, Auf- und Abbautätigkeiten, vom eigentlichen Musizieren ganz zu schweigen. Parallel sind bis dahin in den meisten Klassen (in meinem Fall meist 14 bis 17 im Schuljahr) die ersten Klassenarbeiten/Klausuren geschrieben (und hoffentlich auch schon korrigiert, damit man nichts mit in die Ferien nehmen muss). Zum Beginn der Weihnachtsferien bin ich üblicherweise derart erschlagen, dass ich erst einmal zwei Tage brauche, um auf „normal Null“ zurück zu kommen. In den ersten Berufsjahren wurde ich beim Nachlassen der Anspannung erst einmal krank, das hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren gelegt, denn mittlerweile achte ich etwas mehr auf mich.
  • Faschings- oder Winterferien: eine Woche, die sich vor allem aus gesetzlichen Feiertagen (Rosenmontag, Faschingsdienstag) und verschiebbaren Ferientagen zusammensetzt. Da zum Ende des ersten Halbjahres die Halbjahresinformationen fällig sind, die mit Notenkonferenzen und entsprechendem zusätzlichen Arbeitsaufwand einhergehen, ist auch diese Woche dringend nötig, um einfach wieder aufzuarbeiten und den Erholungsmangel etwas auszugleichen. Februar ist auch die Zeit, in der meist ein oder mehrere eigene Kinder eine Erkältung anschleppen.
  • Osterferien: üblicherweise zwei Wochen, eine vor Ostern, eine danach. Die Tage werden länger, die Frühjahrsmüdigkeit ist spürbar. Meist geht direkt nach den Osterferien das schriftliche Abitur los, also ist vorher ein kleiner Endspurt angesagt. Doch alles in allem sind dies meist Ferien, die zur Erholung ganz gut sind. Außerdem kann man nun wieder im Garten aktiv werden. Osterferien sind gute Ferien. (Einschränkungen folgen…)
  • Pfingstferien: üblicherweise zwei Wochen Ende Mai/Anfang Juni vor dem großen Schlusslauf. Wenn man es ungeschickt anstellt, liegen zu Beginn der Ferien ein paar große Korrekturstapel auf dem Schreibtisch, damit man in den letzten Schulwochen nicht noch zu viel Korrekturarbeit erledigen muss. Aber diese Ferien nutzen wir gern, um mal für ein paar Tage wegzufahren, ansonsten bereite ich wie üblich ein paar Tage Unterricht vor.
  • Sommerferien: Die große sechs- bis siebenwöchige Unterbrechung, die meist von Ende Juli bis zur ersten Septemberwoche reicht. Im Gegensatz zu allen anderen Ferien, in denen ich immer sehr darauf bedacht bin, schon die ersten paar Tage „danach“ gut vorzubereiten, halte ich mir die Sommerferien (schul)planerisch komplett frei. Welche Klassen ich genau bekomme, erfahre ich ohnehin erst ein paar Tage vor Beginn des Schuljahres, wozu also schon Wochen vorher die sommerliche Trägheit stören?

Soviel zur gefühlten Einteilung der Ferien aus meiner Sicht. Es gibt sicher Kollegen, die ein gänzlich anderes Prozedere pflegen. Sicher teilen aber auch etliche meine Vorgehensweise. Das Vorbereiten der ersten Tage, am besten der ganzen ersten Woche, ist ein logisches Vorgehen, das sich in der Praxis bewährt hat. Denn der Umstieg von „ich kann jeden Morgen auch erst um 6:30 h aufstehen“ auf „der Wecker klingelt um 4:35 h“ ist doch etwas anstrengend…

Kinder und Ferien – und Eltern…

Unsere Kinder sind in den Ferien üblicherweise herrlich entspannt. Unser Großer (10) könnte aus seiner Perspektive heraus auch den ganzen Tag in seinem Zimmer sitzen, Bücher lesen, LEGO bauen und Musik hören – der würde freiwillig keine Sekunde aus dem Zimmer herauskommen. Die Mädels dagegen sind wesentlich neugieriger und agiler, die motzen meist schon nach 10 Minuten Ferien, dass sie sich langweilen. Wenn man Glück hat, finden sie sehr schnell eine Beschäftigung für die folgenden Stunden, wenn man dies nicht hat, kommen sie alle paar Minuten wieder, um zu fragen, was sie denn nun tun könnten. Das kann anstrengend sein, meist finden sie aber sehr zügig eine Ihnen genehme Beschäftigung.

Unsere zwei Großen sind unter der Schulwoche an mehreren Tagen im Hort, weil wir Erwachsenen an fast allen Tagen Nachmittagsunterricht haben. Da auch noch vorbereitet werden muss, bleiben die Kinder dann bis etwa 16:00 h im Hort. Mit etwas Glück haben sie danach die Hausaufgaben fertig und können nach dem obligatorischen Instrumentalüben ihren eigenen Wünschen nachgehen. Die jüngste war bislang im Kindergarten, aus dem sie mit den anderen gemeinsam (gleiches Gebäude) gegen 16:00 h abgeholt wurde. Ab September geht auch sie in die Schule, dann werden sich die Hortzeiten angleichen (es sei denn, der neue gymnasiale Stundenplan bei unserem Großen macht dem einen Strich durch die Rechnung).

Wenn der Hort eine Ferienbetreuung anbietet, nehmen wir meist ein paar Tage davon dankend an, um unsere anstehenden Arbeiten erledigen zu können, ohne ein allzu schlechtes Gewissen zu haben. Meist gehen wir in den Wintermonaten an einem der Vormittage auch einfach mal in die Sauna, so bleiben wir etwas gesünder – auch nicht schlecht.

Bietet der Hort keine Ferienbetreuung an (die Stadt gibt den Betreuungseinrichtungen die Anzahl der freien Tage genau vor), wird es manchmal etwas „tricky“, denn wenn wir arbeiten müssen, bleibt oft nichts anderes übrig, als die Kinder ein paar Stunden sich selbst zu überlassen. Den Kindern taugt das sehr, doch es zieht meist energische Aufräumarbeiten im Haus nach sich…

Fazit

Den Kindern gefallen Ferien immer, die könnten dem Bild durchweg zustimmen. Als Lehrer kann ich nicht bestätigen, dass ich in den Ferien nur Alkohol trinke, meine Fingernägel lackiere, Geld scheffle (bekommen die normalen Arbeitnehmer während der Urlaubszeit ihren Lohn nicht weitergezahlt?), Party mache (bin eh nicht der Party-Typ, da stehe ich nur dumm herum und lese in der WordPress-App, was Zeilenende und meine anderen virtuellen Freunde so wundervoll schreiben). Ich erhole mich gezielt, arbeite nach und vor – und schreibe unzählige Blog-Einträge, die dann keiner lesen möchte. Zum Glück habe ich mit Zeilenende einen bezahlten (*hüstel*: Gottes Lohn) Dauerleser, der mir auf jeden Artikel ein Like geben muss, sonst komm ich rüber und geb ihm auf die Mütze… 😉

Spaß beiseite: In unserer Funktion als Eltern mögen wir die Ferien nicht ganz so hundertprozentig, da sie meist weniger Struktur und somit mehr Arbeit mit sich bringen. Gleichzeitig lernt man es so, die geregelten Wochen der Schulzeit noch mehr zu schätzen… Was für uns Eltern an den Ferien einmalig schön ist: Die Möglichkeit, sich jedem Kind mit mehr Zeit widmen zu können. Da kann dann eine Bastelarbeit in Ruhe zu Ende gebracht und gewürdigt werden, für die man in der Schulzeit oftmals nur den Gedanken (Verzeihung bitte!) „Wo sollen wir das Teil denn noch hinstellen?“ übrig hätte. Laut ausgesprochen wird der Gedanke nie, aber vor allem in den Ferien haben wir die nötige Ruhe (und den Mangel an Terminen, die uns herumschleichen), um das Ergebnis mit den Kindern gemeinsam zu genießen.

Insofern, lieber Zeilenende, kann ich der Elternzeile im aktuellen Zustand nicht zustimmen. Ein weinendes Gesicht vorne und hinten, aber viele lachende und gemütlich auf dem Sofa kuschelnde Emojis in der Mitte wären passender. Trotzdem: Vielen Dank für den Impuls! Schönen Samstag noch, vielleicht komme ich heute neben der Korrektur der Oberstufenklausur auch noch zum Schreiben eines weiteren Eintrags.

Die Osterferien beginnen dieses Jahr erst am Mittwoch (nächste Woche), da die Weihnachtsferien um ein paar Tage verlängert waren. Insofern verzögert sich der Ansturm meiner neuen Einträge etwas. Aber das ist ja eher erholsam als schlimm… 😉

 

Routine? – Pustekuchen!

Blick auf den Terminkalender
Ein Blick auf unseren Terminkalender in einer *ganz normalen* Woche...

Bei Routine scheiden sich ja die Geister: Die einen können nicht ohne, weil der automatisierte Ablauf vieler alltäglicher Tätigkeiten Kapazitäten freilegt, die dann für andere Dinge (beispielsweise kreative Tätigkeiten) nutzbar werden. Andere wiederum lehnen Routine grundsätzlich als Quelle allen Übels ab, weil sich gerade bei den immer gleichen Abläufen über längere Zeiträume hinweg Fehlerquellen in eigentlich gut funktionierende Handlungsmuster einschleifen können.

Ich gehöre eindeutig zur ersten Kategorie: Mein Alltag ist so voll mit Terminen (nicht nur eigenen, da sind ja noch drei Kinder mit Musikschule, Sportverein etc.), dass ich feste Abläufe dringend benötige, um darüber hinaus auch nur ein Minimum an kreativer Entfaltung (z.B. in Form dieses Blogs) und Muse (beim Musizieren, Lesen etc.) ausleben zu können. Meiner Frau geht es genauso.

Und dieses Kalenderjahr ist in dieser Hinsicht irgendwie verhext. Gerade vor ein paar Tagen haben wir gemeinsam überlegt und kamen überein, dass in diesem Kalenderjahr noch keine einzige Woche einfach nur im „normalen Alltagswahnsinn“ ablief. Immer kamen noch Sondertermine hinzu, zum Teil Aktivitäten, die fast den ganzen Tag oder einen eigentlich dringend zur Entspannung benötigten Abend auffraßen. Natürlich zusätzlich, nicht im Austausch für entfallene andere Termine. Und das nagt im Moment an uns.

Jetzt könnte man ja gleich argumentieren: „Aber ihr seid doch Lehrer, ihr habt doch so viele und so lange Ferien. Da könnt ihr euch doch immer wieder erholen und alles aufarbeiten.“ Dabei vergessen die meisten, dass ja viele Einrichtungen zur Kinderbetreuung in der Zeit auch die Pforten schließen oder verkürzte Öffnungszeiten haben, sodass es sich schlicht nicht lohnt, die Kinder für die Ferientage dort einzubuchen. Und wenn drei Kinder permanent um einen herum fegen und immer wieder (zum Teil im Zwei-bis-Drei-Minuten-Takt) Forderungen stellen, dann fällt es sehr schwer, liegen gebliebene Arbeit mal eben so abzuarbeiten. Noch dazu muss ich ganz ehrlich einen gewissen Altersanteil mittlerweile einrechnen: Zu Beginn aller Ferien benötige ich erst einmal ein paar Tage, um wieder auf „normal Null“ zu kommen. Knalle ich mir die Ferien zu voll, bin ich danach noch weniger erholt – und dann schlägt der vermeintliche Alltag mit unglaublicher Brutalität zu.

Das soll jetzt partout kein Motz-Blogeintrag werden, denn mir geht es absolut nicht um erbettelte Sympathien. Eigentlich schwebt mir etwas ganz anderes vor: Mich interessiert eher, ob auch andere (vor allem andere Eltern) den Eindruck haben, dass sich immer mehr Vereine, Ensembles und Organisationen anscheinend gezwungen (oder auch nur „moralisch verpflichtet“) sehen, andauernd durch abendfüllende oder Wochenende verschlingende Extra-Termine auf ihre bloße Existenz hinzuweisen. Vielleicht fehlt mir da auch ein speziell für diese Dinge entstandenes Lust-Gen, aber ich kann einer Veranstaltung wie einem (in diesem Fall natürlich fiktiven) „Elternstammtisch Karate“ oder einem „Elternabend Kinderturnen“ so rein gar nichts abgewinnen – am allerwenigsten nach einem vollen Arbeitstag und danach erledigter Unterrichtsvorbereitung (und eventuell sogar noch Korrekturen). Da bräuchte ich ein zusätzliches Akkupack…

Auch hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: Es gibt haufenweise Leute, die diese Abendtermine gut und wichtig finden – denen möchte ich den Spaß daran nicht verderben. Auch gibt es etliche Termine, die einen guten Rahmen bieten, um sich auszutauschen und organisatorisch einiges voranzutreiben. Aber die implizite Aufforderung und Anklage – „Nimm teil – sonst trägst du nichts zu unserer gemeinsamen Sache bei!“ – nervt mich unglaublich.

Hier würde mich ein Feedback wahrlich interessieren…

 

Experiment: Smoothie Marke Eigenbau

Vor anderthalb Jahren habe ich schon einmal über meine bislang ausnahmslos negativen Erfahrungen mit Smoothies berichtet. Dabei ging es um gekaufte Smoothie-Schwindel-Drinks, bei denen überwiegend billigere Früchte (vor allem Äpfel) zum Auffüllen der Menge verwendet wurden, sodass sowohl das aufgedruckte Bild als auch der aufgedruckte Titel letztlich völlig ad absurdum geführt wurden. Genug davon, wer sich für den damaligen Artikel interessiert, findet ihn in seiner vollen – ähem – Qualität hier.

Neue Küchenmaschine – neue Idee

Gerade gestern hatte meine wundervolle Frau Geburtstag. 25 und ein paar Zerquetschte, wenn man es so ausdrücken will. Von ihren Eltern bekam sie eine richtig – man verzeihe mir den meiner wilden Jugend entlehnten Tonfall – geile neue Küchenmaschine. Ein wahres Alround-Talent, das eben auch einen Mixer enthält. Ich sah das Teil, grübelte ein wenig, dann noch ein wenig. Schließlich gelangte ich zu einem Gedanken. Doch lest selbst…

Die Zutaten machen's aus

Die nahende Fastenzeit bewog mich, dem Prinzip Smoothie noch einmal eine Chance zu geben. Aber eben zu meinen Bedingungen. Dazu gehört neben der Option Küchenmaschine mit Mixeraufsatz gleich einmal die Auswahl, was in „meinen Smoothie“ überhaupt hinein darf. Ich mag nicht jedes Obst, also werde ich mir ein selbstgebasteltes Getränk nicht mit ausgerechnet den Früchten zukleistern, die ich nicht genießen kann. Besonders hoch im Kurs stehen bei mir:

  • Orangen
  • Blutorangen (die schmecken einfach ein klein wenig herber)
  • Bananen
  • Birnen
  • Limetten
  • Ananas
  • Grapefruit

Unschwer zu erkennen: Zitrus-Früchte genießen meine volle Aufmerksamkeit. Und da die alle etwas sauer sein können, gibt's Bananen und Birnen dazu, die bringen herrlich viel Süße ins Spiel.

Ein Versuch, ein Treffer

Nach dem Abendessen startete ich heute meinen ersten Versuch: Zwei Bananen schnipseln, zwei Orangen, eine Blutorange und eine Limette ausdrücken, eine Birne kleinschneiden. Alles in den Mixer und „Let's fetz!“ Im Glas warteten schon drei Eiswürfen, gleich einmal kräftig draufschütten. Ein erstes vorsichtiges Nippen: GEIL! (Pardon!)

Vor dem Mixen
Hier ein letzter Blick auf die Bestandteile vor dem Mixen...

Nur etwas dickflüssig. Etwas sehr. Also habe ich noch einmal fünf Eiswürfel aus dem Keller geholt und ein paar Minuten Wartezeit investiert. Sehr schön. So kann ich das Endergebnis trinken. Beim nächsten Versuch mische ich aber gleich 100-150 ml Wasser dazu, das sollte alles vereinfachen. Nachdem der Mixer es angeblich beherrscht, könnte ich auch die Eiswürfel gleich hineinwerfen, welch Luxus!

Das Endergebnis
...und hier das Endergebnis nach dem ersten Schleudergang.

Erstes Fazit

Obwohl es jetzt nur ein einziger Versuch war, kann ich schon sagen, dass in meinem Kopf neue Ideen sprießen, welche weiteren Früchte da noch hineinwandern sollten (Himbeeren, Erdbeeren…). Ganz offensichtlich ein voller Erfolg, sonst gingen die Gedanken eher in die Richtung: „Hmpf! Wohin jetzt mit drei Kilogramm Orangen, einer großen Ananas, einem Korb Birnen und dann noch den (gefühlt) tausend Bananen?“

Auch wenn ein solcher Smoothie (eigentlich ja ein echtes Scheißwort, sprecht das mal zehn oder fünfzehn Mal schnell hintereinander – und dann verständigt den Krankenwagen per SMS, damit die Zunge wieder entwirrt werden kann…) sehr gehaltvoll ausfällt, jede einzelne enthaltene Kalorie ist gesünder als die eingesparten 500 Kalorien meines Pepsi Light. Das ist doch ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Donauwörth

Am vergangenen Wochenende weilte ich mitsamt Frau und Kindern in der Jugendherberge Donauwörth, wo ein großes Familientreffen stattfand. Grund dafür war der 60. Geburtstag meiner Tante. Da sich die Verwandtschaft untereinander gut versteht, wurde über die Dauer von zwei Tagen ordentlich viel geratscht und sich ausgetauscht. Wir als Musiker-Familie steuerten natürlich auch noch einen zu unserer Profession passenden Anteil bei.

Friedhofs-Präsentation

Ein Punkt, der einiges Schmunzeln und auch Augenverdrehen hervorrief, war eine via Beamer gezeigte Präsentation über den Ort, in dem mein Vater und seine fünf Schwestern einmal aufgewachsen waren. Es handelt sich um Göllheim in Rheinland-Pfalz. Der makabre Punkt war, dass die Präsentation nach einer kurzen Einleitung überwiegend Bilder von Grabsteinen beinhaltete.

Doch für mich, der ich dort zuletzt in meinen mittleren Teenager-Jahren zu Besuch war, enthielt die Präsentation sehr viele faszinierende Elemente – immerhin konnte ich an der einen oder anderen Stelle an meinen eigenen Erfahrungsschatz anknüpfen (und diesen somit erweitern). Gezeigt wurden unter anderem die Grabsteine des Pfarrers (Haus und Grundstück lagen in unmittelbarer Nähe zur örtlichen katholischen Kirche), des damaligen Grundschullehrers, einiger früherer Nachbarn und sonst für die Familie bedeutsamer Personen aus dem Ort.

Alles in allem ging die Präsentation etwa zwanzig Minuten lang, in der Zeit habe ich mehr über den Ort und die Familie gelernt als in den vergangenen fünf Jahren – und seit damals habe ich durch den Tod meines Vaters schon ein paar neue Informationen ausgegraben.

Laufen am Morgen

Jeder kennt das Phänomen, dass es auf solchen Familienfesten immer geradezu unglaubliche Mengen an leckeren Speisen, vor allem Kuchen und andere Leckereien, gibt. Ich habe mich zwar einigermaßen beherrscht, doch das eine oder andere Stück fand durch meinen Mund den Weg in die ewigen Jagdgründe, um es mal im Stil von Karl May auszudrücken. Um aber der völligen Verfettung entgegenzuwirken, hatte ich in weiser Voraussicht (etwas anderes hätte sicher keiner meiner treuen Leser von mir erwartet) meine Laufsachen eingepackt.

Und dann erfuhr ich, dass meine Cousine sich bereits bei der Herbergsleitung mit Informationen zu geeigneten Laufstrecken versorgt hatte. Nach einer kurzen Kontaktaufnahme stand fest, dass wir am nächsten Morgen eine ca. 15 Kilometer lange Runde in Angriff nehmen wollten – meine Frau schloss sich gleich dieser illustren Runde an. Da meine Tante selbst ebenfalls eine Lehrerin ist, hatte sie die Organisation des Tages nicht dem Zufall überlassen und den Beginn des Frühstücks auf die sportliche Zeit von 7:30 h angesetzt. Da man für 15 Kilometer nun einmal zwischen 80 und 90 Minuten benötigt, war somit auch der Startzeitpunkt auf 6:00 h festgelegt.

Also trafen wir uns am Samstag Morgen ungefähr zur vereinbarten Zeit im Foyer der Jugendherberge – und dann ging es auch schon los in die Dunkelheit. Und damit begann die zu Beginn etwas planlose Sucherei, denn die Straßenkarte war eher eine grobe schematische Darstellung denn ein geeignetes Medium, um daraus die genaue Route ableiten zu können. Zusätzlich lag ein dichter Nebel über der Landschaft, was die Orientierung zusätzlich erschwerte. Dennoch fanden wir nach ein paar Kilometern die richtige Abzweigung, danach lief es relativ geradlinig, sogar dem Ring-Kling-Tick meiner Frau konnten wir gemeinsam frönen, als wir alle drei am Wendepunkt an den Pfosten eines Verkehrsschildes klopften.

Irgendwann auf dem vom Gegenwind gekennzeichneten Rückweg entzog sich meine Frau unserem den kühlen Temperaturen geschuldeten Tempo-Diktat und scheuchte mich energisch davon. Durch einen cleveren Trick (der geneigte Leser erinnert sich hier vielleicht an die Geschichte vom Hasen und dem Igel: „Ich bin schon da!“) schaffte sie es dennoch, früher als wir beiden – von ihr als „langbeinige Fliegengewichte“ bezeichnet (siehe hier) – zurück zur Jugendherberge.

Ich bin schon da!
Wie sagte doch gleich der Igel zum Hasen: Ich bin schon da!

Und dennoch vereinbarten meine Cousine und ich einen erneuten Lauf für den Sonntag Morgen. Zum Glück wussten wir ja nun, wo der Weg entlang ging. Zusätzlich hatte mein Schwager aus Tübingen eine sensationell helle Stirnlampe vom Fahrradfahren dabei, die er mir auslieh – wow, damit durch ein paar Nebelschwaden zu laufen…: Man kommt sich dabei vor wie im „Millenium Falcon“, wenn dieser auf Überlichtgeschwindigkeit beschleunigt. Also hängten wir noch einige weitere Kilometer am Ende an – der lange Umweg vom Vortag war ja nun weggefallen. Das Tempo war richtig gut, auf die Gesamtstrecke von 15,6 Kilometer liefen wir im Schnitt mit 5:27 Minuten pro Kilometer (das sind etwas mehr als 11,5 km/h). Schick, da freut man sich gleich wieder auf das nächste Familientreffen!

Kalt, aber schön!
Niedrige Außentemperaturen, hohes Tempo!

Laufstatistik 2016:
– 32 Läufe
– Kilometer gesamt: 456,15
– Laufzeit: 42 Stunden 54 Minuten