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Gehört: „Ulysses“ von James Joyce

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

„Ulysses“ gehört zu den literarischen Werken, die mich aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, des Autors (von dem ich in meiner Schul- und Studienzeit bereits drei andere Bücher gelesen und genossen hatte) und der Erzähltechnik („Stream of Consciousness“) schon lange faszinierten.

Weg mit dem (gedruckten) Buch

Die gedruckte Buchfassung hatte ich gut 20 Jahre im Regal stehen, bis mir klar wurde, dass ich sie nie lesen würde, schon gar nicht in dieser Darreichungsform. Meine Lesegewohnheiten sind in den letzten sieben Jahren derart stark auf iPhone und iPad umgemünzt worden, dass ich mich mit einem „normalen“ Buch in der Hand zwar nicht unwohl fühle, mir aber sofort klar ist, dass ich es eben nicht ständig (im Sinne von 24 Stunden am Tag) bei mir trage. Und in dieser Hinsicht schlägt das iPhone alle anderen Lesegeräte. Noch dazu ist der Kontrast auf dem Bildschirm derart hoch, dass ich auch schon seit gut fünf Jahren meine Lesebrille nicht mehr benötige. Zurück zum Buch: Die Druckfassung habe ich über Momox im letzten Jahr verkauft, aber das Interesse an „Ulysses“ als Werk blieb ungebrochen. Also langte ich vor ein paar Wochen tief in meine Taschen und leistete mir für gut 38 € im iTunes Store das beinahe 40 Stunden lange Hörbuch – pro Stunde ungefähr ein Euro, das ist aus meiner Sicht akzeptabel.

Hörbuch deluxe

Es ist eine wirklich grandios produzierte ungekürzte Fassung mit ca. 40 unterschiedlichen Sprechern (allerlei Geschlechts), die sich teils in kurzen Abschnitten, teils in wirklich langen Passagen abwechseln. Auch handwerklich ist das Hörbuch äußerst gut gemacht, denn es spielt – beim Laufen habe ich das durch die AirPods natürlich sehr deutlich gemerkt – auch mit dem Panorama: Bei Passagen, in denen sich die Sprecher in kurzem zeitlichen Versatz ergänzen, wird mehrfach zwischen linkem und rechtem Kanal hin und her gewechselt. Nötig wäre das natürlich nicht, aber ein interessanter Effekt ist es allemal.

Fazit: Die Hörbuch-Produktion ist sowohl hinsichtlich der Sprecher als auch der Audio-Qualität absolut makellos und ihr Geld zweifelsohne wert.

Das „Werk“

Vorwarnung: Ich „oute“ mich gleich als völliger Kulturbanause.

Anders als die Hörbuch-Produktion konnte mich das Werk – vielleicht auch aufgrund einer gewissen Reife, die ich mir mittlerweile schamlos zugestehen darf – nur wenig mitreißen. In den letzten Monaten/Jahren habe ich sehr viel gelesen und noch mehr gehört. Wenn mir etwas gefiel, habe ich darüber gebloggt, wodurch den Lesern meines Blogs ziemlich leicht fallen dürfte, meine literarischen Interessensgebiete einzugrenzen:

  • Unmengen an Science Fiction (z.B. „Krieg der Klone“ von John Scalzi oder die „Space Troopers“-Reihe von P. E. Jones)
  • viel Action (z.B. die „Cotton Reloaded“-Serie)
  • (leichter) Horror (vor allem die späteren Werke von Stephen King wie „Die Arena“ oder auch „Dreamcatcher“)
  • viel Humor (z.B. „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion)
  • gerne auch alles in Kombination
  • oder natürlich Fachbücher über sportliche oder Gesundheits-Themen.

Gerade bei den Romanen und Kurzgeschichten geht es mir aber darum, die Charaktere in ihrer Interaktion zu erleben, Anteil an ihren Motiven und den Umständen, die sie zum Handeln zwingen, zu nehmen, sie zu verstehen und meist auch innerlich zu bewerten – das macht Literatur ja so großartig: Sie kann uns unterhalten, uns bewegen und zum Nachdenken anregen. Außerdem schätze ich es sehr, wenn die Handlung zügig vorangetrieben wird.

„Ulysses“ dagegen ist – oberflächlich betrachtet – die Verkörperung der Banalität, denn es geht letztlich um nichts. Das sage ich nicht verächtlich, eher bedauernd. Faktisch folgt die Geschichte (es ist ja noch nicht einmal eine richtige Geschichte…) einen Tag (für die Puristen: einen Tag und ein Stück des folgenden Morgens) lang einer Person („Leopold Bloom“), zeigt seine Interaktionen mit einer Vielzahl anderer Menschen, dessen Gedanken und die der anderen Personen auf – vermag aber mit wenigen Ausnahmen kaum, mich zu interessieren. Der Grund ist die bereits erwähnte Banalität. Der Schluss des Buchs ist ja ein gut 40 Druckseiten langer innerer Monolog der Ehefrau („Molly Bloom“). James Joyce hat versucht, einen tatsächlichen Gedankenstrom nachzustellen, was ihm sicher auch gelungen ist. Doch leider sind unsere alltäglichen Gedanken mit Unmengen an Banalitäten angefüllt. Viele Menschen – ich sicher eingeschlossen – denken ziemlich oft an ganz normale körperfunktionale Dinge (z.B. „Ich muss demnächst mal wieder auf’s Klo…“ und dergleichen). Es ist ja schön, das einmal exemplarisch zu begreifen, wenn aber ein gut zweieindreiviertel Stunden langer Abschnitt eines Hörbuchs fast nur um derlei Themen kreist (und es ist wirklich so, dass Molly sich in diesem langen Abschluss-Gedankenstrom nur über Sex, die Gestaltung ihrer Wohnung, Sex, Shopping, Sex, Toilettengänge, Sex, Körperpflege, ihre eigene verschrobene Selbstwahrnehmung, Sex und dergleichen Gedanken macht) nimmt es die Wirkung einer Tortur an.

In „Geisterbrigaden“ lässt John Scalzi einen ähnlichen Gedankengang ablaufen:

Passt irgendwie perfekt, oder?

Passt irgendwie perfekt, oder?

Beim Laufen war es sogar noch viel schlimmer. Der schleppend langsame Verlauf dieses einen Tages (literarisch ja nun auf 38 Stunden ausgedehnt) zieht sich gefühlt doppelt so lange hin, wenn man sich des Morgens durch die noch recht düstere Ostalb bewegt. Mit dem richtigen Hörbuch „fliege“ ich (gefühlt) nur so über die Straßen und Wege, mit „Ulysses“ kroch ich wie eine Schnecke.

Die Erzähltechnik und die Wortwahl sowie der unverkennbar gebildete Ansatz, der nicht zuletzt durch die eingesetzten mindestens fünf Sprachen (ich konnte Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Latein erkennen) zutage tritt, sind die Elemente, die mich begeistern konnten. Hier und da schuf James Joyce sogar geradezu brüllend komische Passagen, wie zum Beispiel die Kutschfahrt nach dem Requiem für Paddy Dignam, bei der die Fahrgäste sich in einen wahren Lachrausch hineinsteigern.

Wie ich schon geschrieben habe: Ich bin wohl ein Kulturbanause. Denn selbstverständlich ist mir völlig klar, dass ein derart fähiger Autor wie James Joyce niemals in seinem Leben so viel Zeit und Mühe dafür geopfert hätte, nur Banalitäten anzusammeln. Das Werk ist durchzogen von einem feinen Netz literarischer, sozialer und historischer Anspielungen. Mein Banausentum besteht nun darin, dass mir das – geradeheraus gesagt – scheißegal ist. Momentan mag ich Bücher, die ich in die Hand nehmen und mich selbst für eine Weile darin verlieren kann. Ich suchte Unterhaltung und fand Bildung. Und genauso spröde, wie das klingt, war es leider auch.

Fazit:

Das Werk ist faszinierend, aber nicht für mein aktuelles Ich. Dieses sucht nach Unterhaltung, die das Werk in der für mich attraktiven Form nicht oder nur an wenigen Stellen zu bieten vermag. Dass ich mir die volle Länge gegönnt habe, zeigt, dass es mir durchaus ernst mit dem Buch war, doch ist mir jetzt eindeutig nach leichterer Kost, die meinem simplen Geist eher entgegen kommt. In einigen Jahren gibt es einen erneuten Anlauf, vielleicht sogar in Form eines iBooks mit zusätzlicher Sekundärliteratur, denn faszinierend ist das Werk nach wie vor auf einer intellektuellen Ebene – nur weiß ich, dass ich in den kommenden Jahren erst einmal kein Verlangen habe, mich dem Werk noch einmal so zu nähern.

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52 Wochen – Teil 23 („Warhol-Solera“)

Solera im Warhol-Style – und die Brille macht ganz klar: Love, Peace and Happiness for all mankind...

Solera im Warhol-Style – und die Brille macht ganz klar: Love, Peace and Happiness for all mankind…

Passend zur allmählich einsetzenden Ferien-Entspannung gibt es heute mal einen Haufen Kunst und einen Haufen Blödsinn (aber angenehmen!) auf einmal. Die Idee hatte ich schon vor Wochen, denn in der Kaffeeküche neben unserem Lehrerzimmer in der Schule hängt ein Kunstdruck des bekannten Marilyn Monroe-Bilds von Andy Warhol. Beim Händewaschen warf ich einen Blick darauf – und sofort war mir klar, dass ich das auch einmal ausprobieren muss. Das Ergebnis ist hier zu sehen!

Zur Aktion „52 Wochen“

Seit nunmehr 23 Wochen – Achtung! Bei 26 erreichen wir die Halbzeit! – läuft Zeilenendes Foto-Aktion „52 Wochen“, an der ich teilnehme. Ziel ist es, jeden Sonntag ein neues Selfie oder Portrait einzustellen, wenn man lustig ist, kann man ihm auch ein bestimmtes Motto verpassen – das liegt mir besonders, daher gab es bislang eigentlich ausschließlich Fotos mit einem bestimmten Motto. Die üblichen und allesamt sehenswerten Teilnehmer sind:

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Das Ausgeliefertsein an die Unkultur

Hervorragend: Rhythm Is It!

Eine hervorragende Dokumentation: Rhythm Is It!

Henry Wilt, der unschlagbar sympathische Antiheld aus Tom Sharpe's aberwitziger „Wilt“-Romanreihe empfindet seine Unterrichtstätigkeit an der fiktiven Berufsschule von Fenlan als ein Ausgeliefertsein an die Unkultur, weil seine Schüler sämtlich von Manieren und Kultur befreite Hempel sind.

Grundsätzlich würde ich mich sehr dafür stark machen, dass wir es am Gymnasium ja überwiegend mit einem anderen, in der Summe angenehmeren Klientel zu tun haben. Doch hin und wieder machen sich ein paar Schüler daran, mir auf ihre eigene Art klarzumachen, wie sehr ich mich doch irren kann…

Gestern habe ich mit einer meiner fünften Klassen im Rahmen meiner Strawinsky-Sequenz die überaus bekannte Skandal-Ballettmusik „Le sacre du printemps“ besprochen und Teile daraus (natürlich in stark vereinfachter Form) musiziert. Dabei kamen wir irgendwann auch auf den Film „Rhythm Is It“ zu sprechen, diesen wirklich ansprechenden Dokumentarfilm über eine intensive Erarbeitungsphase eines Balletts zu der live gespielten Musik Strawinskys. Die Besonderheit: Getanzt wird das Ballett nicht von einer kleinen Gruppe echter (oder werdender) Ballett-Tänzer und -Tänzerinnen. Bei „Rhythm Is It“ wurden 250 Schüler von diversen Hauptschulen in Berlin zusammengerufen – und das Ergebnis zeigt, dass dies keineswegs die verlorene Schicht/Generation sein muss, für die viele sie halten.

Durch einen Zufall bekam ich heute eine Vertretungsstunde in genau dieser Klasse von gestern zugeteilt. Das stand gestern auch schon auf dem Vertretungsplan, also konnte ich mir den Luxus erlauben, diese zusätzliche Stunde vertiefend zu nutzen, denn ich packte heute früh noch die „Rhythm Is It“-DVD ein. In diesen Genuss kommen die Parallel-Klassen nicht, eigentlich ging ich davon aus, dass die Klasse diesen kleinen Exkurs zu schätzen wisse.

Ich zeigte den Schülern aber nicht die 100-minütige Dokumentation. Nein, ich beschränkte mich auf die Aufführung, die auf einer separaten DVD in dem Deluxe-Schuber enthalten ist. Die Klasse blieb sogar weitgehend ruhig beim Ansehen (was leider schon keine Selbstverständlichkeit ist, denn heutige Schüler haben meiner Wahrnehmung nach das permanente Bedürfnis, alles und jeden zu jedem Zeitpunkt zu kommentieren – auch wenn es niemanden interessiert oder nur ganz periphär mit der Sache zu tun hat), doch am Ende kam ein Schüler zu mir und sagte allen Ernstes:

Also ich wäre ja auch einer von denen gewesen, die die (gemeint war die Tänzerin, die am Ende der Handlung „geopfert“ wird, um die Götter zu besänftigen, damit sie einen frühen und milden Frühling schicken) getötet hätten, der Film war ja so scheiße.

Ich habe mir einfach jeglichen Kommentar verbissen, an Henry Wilt und sein Ausgeliefertsein an die Unkultur gedacht und ihn aus dem Klassenzimmer geschickt. So ein vorbildlicher Gymnasiast voller Weltoffenheit und kulturellem Interesse!

 

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Musikmaschine vom Feinsten

Gerade habe ich auf Twitter den Link zu einem YouTube-Video entdeckt, bei dem ein Künstler/Musiker seine Musikmaschine vorstellt, die mit der Hilfe von 2.000 Stahlkugeln betrieben wird. Üblicherweise bin ich solchen Spielereien gegenüber immer sehr skeptisch eingestellt, doch dieses Mal kann ich nur sagen: Wow! Eine tolle Idee, die fein ausgeführt wurde, sodass tatsächlich auch eine optisch faszinierende Maschine entstanden ist.

Wer Interesse daran hat, sehe bitte hier.

Ich finde hier sowohl die Idee als auch die Umsetzung sehr gelungen. Ihr sicher auch, oder?

 

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Analog-Spammer und Hörgewohnheiten

Ich muss an dieser Stelle ein kleines Geständnis ablegen: In meiner Jugend – also vor wirklich langer Zeit – war ich ein Analog-Spammer. Was ich mit Emails oder iMessages noch nie gemacht habe – eine Nachricht an alle Email-Adressen in meinem Adressbuch zu schicken –, auf analogem Wege war ich ein Sünder. Und – es schmerzt auf moralischer Ebene noch bis heute – ich wurde dafür auch noch bezahlt.

Bevor jetzt hier ein falscher Eindruck von meiner Person (von der ich mir insgesamt doch ein sehr positives Bild gemacht habe) aufkommt: Ich verteilte Werbezettel. Für mich als Schüler war das – zumindest bei schönem Wetter – eine sehr angenehme Möglichkeit, das Taschengeld aufzubessern (vom Winter schweige ich hier lieber). Meine Mutter hat sich sicher gefreut, dass ich – als geborene Couch-Potato – damals meinen Hintern für ein paar Stunden an die frische Luft verfrachtete. Meine Geschwister waren froh, den lärmenden (Blechbläser und E-Gitarrist, das sagt alles!) Bruder aus dem Haus zu haben – und ich hörte die gesamte Austragdauer Musik.

Ganz ehrlich: Das war wertvoller als das Geld. Mein Billig-Walkman-Imitat von Woolworth (9,90 DM) war zwar eine echte Katastrophe, der spätestens ab der Hälfte der Batteriekapazität zu leiern anfing, doch so konnte ich ungestört ein Album nach dem nächsten durchhören. Manche Kassette habe ich so oft durchgehört, dass ich das Band irgendwann aufgrund übermäßiger Abnutzung entsorgen musste.

Gleichzeitig hat mich diese Erfahrung in einer Hinsicht stark geprägt: Ich bin ein Album-Hörer. Das ist typisch für die Trennung zwischen Pop- und Rockmusik, denn erstere ist singleorientiert (im Zeitalter von iTunes und Streaming-Diensten ein hoffnungslos überholter Begriff), letztere albumorientiert. Nicht zuletzt bei den in der Rockmusik so weit verbreiteten „Konzeptalben“ zeigt sich der Fokus auf das Gesamtwerk, nicht das einzelne Stück.

Zurück zu meiner Hörgewohnheit: Bis heute suche ich mir – von ein paar Ausrutschern abgesehen – immer das gesamte Album heraus. Natürlich schälen sich einzelne Stücke als Lieblinge heraus, doch die feine Abstimmung der Stücke aufeinander, in die die Musiker viel Zeit und Herzblut investieren, geht an mir nicht spurlos vorbei.

Geht es euch auch so? Ich bin schon gespannt auf Kommentare…

 

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Schönes Konzert, freundliche Kritik – Feierabend-Feeling

Vor ein paar Tagen habe ich hier ja Werbung für das gestern in der Aalener Stadthalle abgelieferte Konzert gemacht. Das Konzert lief gut, die kleine Halle (für ca. 400 Leute) war rappelvoll besetzt, auf den Balkonen saßen auch noch ein paar Leute, so macht ein Konzert Spaß.

Und dann lief es auch noch richtig gut. Gleich zu Beginn durfte ich mit unserem ersten Trompeter zusammen das Konzert für zwei Trompeten und Streicher in C-Dur von Antonio Vivaldi aufführen. Auch wenn das Werk nicht extrem schwer ist, kann man reihenweise deutlich hörbar etwas in den Sand setzen (was glücklicherweise nicht passierte). Angesichts der fast dreistündigen Probe vorher waren wir Solisten wohl beide froh, mit heilem Ansatz durchgekommen zu sein (vor allem angesichts der noch folgenden Stücke).

Im weiteren Verlauf gab es eine bunte, aber in sich sehr stimmige Mischung von klassischen und jazzigen Stücken, wobei der Jazz (dem Anlass folgend) deutlich überwog. Schön waren die Stücke mit Big Band und Streichorchester, die sofort an die großen Hits von Frank Sinatra und seinen Zeitgenossen erinnerten. Die Arrangements von Klaus Wagenleiter waren dabei unersetzlich.

Für mich am spannendsten war das Stück Yo Tannenbaum!, bei dem zu Beginn das allseits bekannte Lied O Tannenbaum zelebriert wird, dann wandelt es sich immer mehr zu einer langsamen Jazz-Ouvertüre, die in einen Count Basie-artigen Swing übergeht, um dann ordentlich zu beschleunigen und zum Bebop zu mutieren. Kurz vor Schluss wird das Tempo dann kräftig reduziert, um noch einen besinnlichen Ausklang zu ermöglichen. Die einzelnen Teile sind geschickt miteinander verknüpft und machen so richtig Spaß, auch wenn es in den Wochen vorher einiges an privater und gemeinsamer Übezeit kostete.

Dann gab es noch ein paar Stücke mit Sängern, die beim Publikum am besten ankamen. Auch hier muss man neben den Leistungen unserer Sängerinnen und des einen wackeren Sängers vor allem die Arrangierkünste von Klaus Wagenleiter erwähnen. Ohne diese perfekt austarierte Mischung wäre es niemals so schön geworden.

Und gerade habe ich mich umgesehen und einen schönen Artikel über das Konzert bei schwaebische.de entdeckt. Im Frühjahr wurde ein aus Sicht der Band sehr gelungenes Konzert von einem Kritiker wirklich gnadenlos verrissen, was einigen Wirbel verursachte. Insofern herrschte eine gewisse Nervosität ob der anstehenden Äußerungen in der Presse. Doch zum Glück ganz vergebens, denn so eine Kritik liest man als partizipierender (und sogar solierender) Musiker gern.

Da sowohl Musiker als auch Publikum von der Mischung begeistert waren, laufen schon (noch unverbindliche) Planungen, ein vergleichbares Event in zwei Jahren erneut zu veranstalten. Ich wäre sofort dabei.

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Queen: It’s A Kind Of Magic

Queen: A Kind Of Magic

Ein musikalischer Dauerbrenner: A Kind of Magic von Queen

In den letzten Wochen hatte ich mit Apple Music ja so meine guten und schlechten Momente (ich berichtete), besonders gut war aber die Wiederentdeckung früher häufig gehörter Musikstücke, an die ich in den letzten Jahren kaum mehr gedacht hatte. Eines dieser Stücke ist das gänzlich fantastische It's A Kind Of Magic von Queen.

Das gleichnamige Album kam damals als eine Art Filmmusik für den 80er-Jahre Kino-Blockbuster Der Highlander heraus. Neben dem Titelsong ist vor allem die wundervoll melancholische Ballade Who Wants To Live Forever in die Musikgeschichte eingegangen.

Der Highlander

Jaaaa, der Film war schon gigantisch zu seiner Zeit. Das erste Mal habe ich den Film auf einer Fähre nach Norwegen gesehen. Dreimal. Die Überfahrt ging eine Weile… Das erste Mal bin ich erst ungefähr in der Mitte eingestiegen, fand die vielen Schwertkampfszenen cool, blieb dann sitzen, während der VHS-Kassettenspieler im Publikumsdeck zurückspulte. Dann begann der Film noch einmal und noch einmal (und so weiter).

Im Grunde basiert der Film nur auf der Idee, dass unerkannt unter den normalen Menschen eine sich stets gegenseitig verkleinernde Menge an Unsterblichen lebt. Diese Gruppe strebt einem Endkampf um die Weltherrschaft entgegen. Der einzige Weg, wie ein Unsterblicher eben doch sterben kann, ist das Abtrennen des Kopfes vom Rumpf, daher tragen sie auch alle Schwerter bei sich und sind geübte Kämpfer. Der Film beginnt in der Endphase der gegenseitigen Abschlachtereien, nur noch wenige Unsterbliche befinden sich auf der Erde, der Endkampf rückt zügig näher. Und genau da stolpert eine Normalsterbliche in diesen Zirkel hinein, verliebt sich in einen Unsterblichen, macht dessen Leben etwas komplizierter als nötig und darf dafür zusehen, wie er aus dem Endkampf um die Weltherrschaft (natürlich) siegreich hervorgeht.

Ausgehend von einer einzigen guten Idee wurde dieses Konzept dann leider noch ein paar Filme weiter ausgeschlachtet, was den innovativen Faktor nachträglich stark beeinträchtigte. Aber der erste Film war schlicht unschlagbar. Das festigte auch nachhaltig das Bild von Christopher Lambert in der öffentlichen Wahrnehmung. Trotz vieler anderer Filme, in denen er bis heute mitgespielt hat, erkennen ihn die meisten als Connor MacLeod, den Highlander. Mir geht es da nicht anders.

Filmmusik

Die Band Queen wurde damals vom Regisseur mit einer vorläufigen Fassung des Films konfrontiert, als er sie fragte, ob sie sich vorstellen könnten, einen Beitrag zur Filmmusik zu leisten. Trotz der noch lange nicht den endgültigen Status erreichten Schnittfassung waren die Musiker so begeistert, dass Brian May angeblich noch auf dem Rückweg vom Studio den ersten Song (Who Wants To Live Forever) entwarf. Aus den ursprünglich wenigen Songs, die sie beisteuern sollten, wurde ein komplettes Album. Die nicht weniger geniale klassische Filmmusik von Michael Kamen wurde nicht einmal separat veröffentlicht (schade).

Das gesamte Album ist gut, doch stehen manche Stücke heraus. Und meine zwei persönlichen Favoriten sind die bereits erwähnten Stücke.

A Kind Of Magic

Der Titelsong besticht für mich durch zwei Dinge: Seinen fantastisch gemischten Sound, der jedes einzelne Element des Arrangements gut (=im genau richtigen Verhältnis zum Rest) zur Geltung kommen lässt, und Freddie Mercurys Stimme.

Von Anfang an baut sich diese unglaubliche Spannung auf, das Live-Video setzt in dieser Hinsicht noch einen drauf, denn da zelebriert die von Kunstnebelschwaden umgebene Band das Intro noch deutlich länger. Und dann schaltet Freddy Mercury ziemlich schnell in den Turbo-Drive, sein stimmliches Markenzeichen. Er erklimmt mit scheinbarer Mühelosigkeit (live merkt man dann, dass es nicht mehr ganz so mühelos war) höchste Höhen. Immer und immer wieder. Der Groove festigt sich und trägt den Hörer davon.

Es mag abgedroschen klingen, aber es entspricht dem Songtitel: Es ist wie Magie. Der Song entwickelt einen Song, der den Hörer wie eine Spinne in ihr Netz einspinnt und nicht mehr loslässt. Hat man ihn einmal durchgehört, möchte man gleich wieder an den Anfang springen.

So, jetzt habe ich allen den Mund wässrig gemacht, oder? Na, dann ab zu Apple Music, iTunes, Spotify, Rdio oder YouTube und den Song gleich zehnmal anhören!

 

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Zehn Fragen zu Büchern

In Mellis Bücherblog würde ich beim Durchstöbern meiner WordPress-Leseliste ganz überraschend fündig: Die „Zehn Fragen zu Büchern“ gefallen mir, daher mache ich ganz spontan mit.

Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?

„Der Findefuchs“ von Irina Korschunow und Reinhard Michl, die erste Klassenlektüre in der ersten Klasse. Als Literatur angesichts der eher geringen Textmenge nicht allzu spannend, aber die Bilder waren sehr stimmungsvoll, was mir als Kind das Buch spontan sympathisch machte.

Das Buch, das deine Jugend begleitete?

Ein Doppelband: „Der schwarze Korsar“ und „Die Karibenkönigin“ von Emilio Salgari, mehrere hundert Seiten packender Spannung. Selbst heute möchte ich hin und wieder in den großartigen Schlachtenszenen schmökern.

Das Buch, das dich zum Leser machte?

Das gerade erwähnte. Ich las und las, vergaß alles um mich herum. Einmal habe ich das Buch an einem einzigen Tag gelesen. Mittagessen vergessen, Kirche (Karfreitag) vergessen, nur die Geschichte zählte.

Das Buch, das du am häufigsten gelesen hast?

Wenn es nicht „Der schwarze Korsar“ war, müssten zwei andere Bücher genannt werden: „Ronin“, der erste Band der „The Shadow Warrior“-Reihe von Eric van Lustbader und — Hörbücher mitgezählt — „Die Augen des Drachen“ von Stephen King (allein in diesem Jahr vier bis fünf Mal).

Das Buch, das dir am wichtigsten ist?

Das ist mit Abstand die schwierigste Frage, die mir im Zusammenhang mit Büchern je gestellt wurde, denn es ist schier unmöglich, ein einziges Werk zu nennen.

Zu meinen Favoriten gehören auf jeden Fall:

  • „The Stand — Das letzte Gefecht“ von Stephen King
  • „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss
  • „2001 — Odyssee im Weltraum“ von Arthur C. Clarke
  • „Puppenmord“ von Tom Sharpe
  • „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck
  • „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende
  • „The Hitchhiker’s Guide to The Galaxy“ von Douglas Adams
  • „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ von Alan Sillitoe
  • „Die Augen des Drachen“ von Stephen King
  • „Strangers“ von Dean Koontz
  • „The English Patient“ von Michael Ondaatje
  • „Sie“ von Stephen King
  • „Zorro“ von Isabel Allende
  • „Relic“ von Douglas Preston und Lincoln Child
  • „Ronin — The Shadow Warrior“ von Eric van Lustbader
  • „The Horse and His Boy“ (dritter Band der „Chroniken von Narnia“) von C. S. Lewis

Das Buch, vor dem du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?

So ziemlich alles, was aus der Sparte „Philosophie“ stammt. Ich mag ja detailreiche Romane, aber ich kenne keinen Autor jenseits dieser speziellen Sparte (Philosophie), der es schafft, so trocken und unleserlich zu schreiben.

Das Buch, das deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?

Alle diese pseudopornographischen Romane wie „Feuchtgebiete“ und all ihre Abkömmlinge, die medial gehypt werden und dann natürlich sofort verfilmt werden müssen.

Das Buch, das du unbedingt noch lesen willst — wenn da einmal Zeit wäre?

Schwer, denn da gibt es so viele…

  • Alle weiteren „Lincoln Rhyme“-Bücher von Jeffery Deaver, denn der erste Roman hat so richtig Lust auf mehr gemacht.
  • Den weltweit heiß ersehnten dritten Teil der „Königsmörder-Trilogie“ von Patrick Rothfuss, denn die ersten zweieinhalb Teile haben mich völlig vereinnahmt.
  • Alle Teile von „Harry Potter“, denn die sind ja angeblich den Filmen um Längen überlegen.

Das Buch, das dir am meisten Angst macht?

„The Shining“ von Stephen King hat mir einige schreckliche (und schrecklich schöne) Momente beschert. Das Hörbuch musste ich immer wieder unterbrechen, weil es so eindringlich ist.

Ein Buch, das du selbst gern geschrieben hättest?

Jedes Buch, das mir gefallen hat, in jedem einzelnen fand ich Unmengen an Inspirationen und Ideen — nur hatte sie schon ein anderer aufgeschrieben…

 

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Don Camillo und Peppone

Don Camillo und Peppone

Das unzertrennliche Duo: Don Camillo und Peppone

Auf dem Weg in den Italien-Urlaub kamen wir durch die Po-Ebene (ja, meine Kinder fanden das auch lustig). Das regte meine Erinnerung an die wundervollen Don Camillo-Filme an, spontan beschloss ich, daheim möglichst bald mal wieder eine oder mehrere dieser Juwelen meiner Filmsammlung anzusehen.

Gedacht, getan. Unsere Kinder kannten noch keinen einzigen dieser Filme, also sahen sie ganz gebannt zu, wie „Hochwürden Don Camillo“ und sein Kontrahent Peppone in ihrer ewig charmanten Hass-Liebe ein Abenteuer nach dem anderen überstehen.

Lieblingsstelle

Meine absolute Lieblingsstelle in allen Don Camillo-Filmen findet sich in „Genosse Don Camillo“: Peppone und seine kommunistische Partei haben sich mit einer Sache gegen Don Camillos Willen durchgesetzt, woraufhin er sich protestierend in den Hungerstreik begibt.

Das zieht sich eine Weile hin, bis sein Gesundheitszustand tatsächlich etwas bedrohlich wird. Peppone sucht ihn privat auf und bittet ihn, nein: fleht ihn an, wieder Nahrung zu sich zu nehmen. Don Camillo lehnt in gekränktem Stolz ab. Kaum ist Peppone abgezogen, hält Don Camillo eine seiner entzückenden Zwiesprachen mit Gott, an deren Ende er von „oben“ aufgefordert wird, doch bitte wieder zu essen.

Dieser Aufforderung kommt er nur zu gerne nach. In seinem Kühlschrank befinden sich Vorräte für eine ganze Woche, die er in etwas weniger als drei Stunden „vernichtet“. Danach schläft er — völlig groggy von diesem mehr als nur opulenten Mahl — in einen tiefen Schlaf.

Und kaum schläft er so tief und selig, dringen Peppone und einige seiner Parteifreunde in die Wohnung ein und nehmen eine kleine Zwangsfütterung am vermeintlich fast verhungerten Don Camillo vor. Die nächsten Tage geht es ihm nicht ganz so gut, allerdings nicht aus den Gründen, die die meisten seiner Mitbürger vermuten…

Eine mit so gutem Timing, so viel stillem Humor, mit Charme und Bodenständigkeit inszenierte Passage, die ich mir immer wieder ansehen könnte!

Kleine Umfrage

Nachdem ich gerade die Hosen heruntergelassen (bzw. die „Soutane gelupft“) habe, kam mir in den Sinn, meine werte Leserschaft auch mit ins Boot zu holen:

  • Welcher Don Camillo-Film — falls ihr sie ebenfalls kennt — gefällt euch am besten?
  • Gibt es darin auch Lieblingsszenen?

Musik

Eine der ganz großen Stärken aller Don Camillo-Filme ist die Musik. Das Thema könnte ich auf Nachfrage sofort summen/pfeifen/singen (aber nicht tanzen, bin ja nicht in der Waldorf-Schule…). Vermutlich geht es auch vielen anderen Fans so.

Vorhin habe ich mal nachgesehen: Bei Apple Music gibt es die Musik zu allen Filmen in einem Sammelalbum zum Anhören. Und nun ratet mal, was gerade im Hintergrund läuft?

Link zum Bild

 

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Aktion: „Gemeinsam lesen“ – 8. August 2015

Aktion »Gemeinsam Lesen«

Aktion »Gemeinsam Lesen«

Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal an der Aktion „Gemeinsam lesen“ teilgenommen, letzte Woche zum zweiten Mal. Da ich ein neues Buch eingeschoben (und schon über die Hälfte verschlungen) habe, fühle ich mich geradezu verpflichtet, heute gleich wieder nachzulegen.

Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Seit vorgestern Abend lese ich „2001 — Odyssee im Weltraum“ von Arthur C. Clarke. Von den 1355 (iPhone-Größe) Seiten habe ich 873 bereits gelesen.

Arthur C. Clarke: 2001 — Odyssee im Weltraum

Ein Klassiker: „2001 - Odyssee im Weltraum“

Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Eine Sekunde später waren alle Geräusche von einem heulenden Dröhnen übertönt, das an einen herannahenden Tornado erinnerte. (S. 874)

Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Der gleichnamige Film von Stanley Kubrick ist ebenso legendär wie visionär und (abschnittsweise) unverständlich. Vom Lesen des Romans erhoffe ich mir mehr Klarheit über die eigentliche Handlung und vor allem das Ende (das im Film zwar für die Zeit faszinierend gestaltet, letztlich aber nicht „erhellend“ ist). Da es noch mehrere Fortsetzungen gibt, kann es gut sein, dass auch diese bald in einem ganz ähnlichen Rahmen hier vorgestellt werden.

Im Vorwort des Buchs erfuhr ich, dass der Roman sich auch in wissenschaftlichen Kreisen einer derart hohen Beliebtheit (und Verbreitung) erfreute, dass die Crews der ersten Mondlandungen mit dem Gedanken spielten, eine Falschmeldung über einen auf dem Mond gefundenen Monolithen loszulassen. Welch fantastischer Gedanke!

 

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