Liebster-Award 01/2017

Ela vom 365 Tage im Leben-Blog hat mich für den Liebster-Award nominiert. Vielen Dank dafür!

Zwar hatte ich mir vor ein paar Jahren nach drei oder vier Nominierungen in kurzer Folge schon geschworen, keine weiteren Nominierungen mehr anzunehmen, doch heute hatte ich sowohl Zeit als auch Lust, daher konnte ich mich dem Projekt widmen.

Die Fragen an mich

Teil des Liebster-Awards sind die Fragen, die derjenige zu beantworten hat, der sich darauf einlässt. Hier die Fragen mit meinen Antworten:

Warum und wann hast du angefangen zu bloggen?

Wann ist einfach: Diesen Blog habe ich vor fast exakt fünf Jahren eröffnet (hier). Alle Bloggerei davor war nur ein schales Vorgeplänkel (wenngleich nicht ganz frei von Konsequenzen).

Das mit dem Warum ist schon wesentlich schwerer. Vermutlich wollte ich einfach viele meiner inneren Gedanken ausformulieren, um sie dann loslassen zu können, sodass in mir wieder Platz für neue Gedanken entsteht.

Wohin wolltest du schon immer mal reisen?

Abgesehen davon, dass ich am liebsten daheim bin, gibt es da schon ein paar Orte, an die ich unbedingt mal kommen möchte:

  • New York – die Stadt, die niemals schläft
  • Hawaii – ein Kindheitstraum, den sich meine Eltern auch einmal erfüllen wollten…
  • Kanada – irgendwo raus in die wilde Natur, an den Städten bin ich trotz der unglaublichen Freundlichkeit der Kanadier kaum interessiert. Allenfalls ein kurzer Trip ins Rush-Headquarter könnte mir gefallen…

Bist du beim Reisen eher der Rucksack-, der Trolli- oder „der mein Koffer ist immer zu klein“-Typ?

Mir genügt normalerweise ein Trolley, wobei das immer von der Länge der Reise abhängt. Muss ich meine Laufsachen mitnehmen, wird es doch eher ein ausgewachsener Koffer (bzw. ein großer Trolley).

Hättest du einen Wunsch frei und dürftest etwas in deinem Leben verändern, was wäre das?

Die Nacht um zwei bis fünf Stunden verlängern, damit ich nach dem Tagwerk einfach noch eine Stunde lesen kann. Mit dem Rest bin ich eigentlich sehr zufrieden.

Jemand schenkt dir 1 Million, was machst du damit?

Kommt auf die Währung an. Bei Euro: Alle Schulden (Haus und so…) abbezahlen, die Familie vollständig absichern, die eigene Arbeitslast etwas reduzieren und ansonsten alles beim Alten lassen.

Hast du ein Lieblingsbuch? Wenn ja, welches und warum?

Diese Frage kann ich gar nicht beantworten, denn ich lese viel und höre viele Hörbücher. Dabei schwanken meine Vorlieben permanent. Es gibt schon ein paar wirklich gute Bücher, die ich immer wieder lesen kann, doch alles in allem schaffe ich es nicht, mich auf ein einziges festzulegen.

Aktuell lese ich gerade die „Krieg der Klone“-Trilogie von John Scalzi, die sicherlich zum besten Science Fiction-Futter gehört, das ich in den letzten Jahren vor die Augen bekam. Gleichzeitig war „Der Marsianer“ von Andy Weir auch sensationell gut. „The Stand – Das letzte Gefecht“ gehört zu meinen Stephen King-Favoriten. „Zorro“ und „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende sind superb. Dann gibt es da noch die „Cotton Reloaded“-Reihe, die ich als kurzweilige Krimi-Unterhaltung sehr schätze. Hach, die Liste müsste ich jetzt noch seitenweise fortführen, um allen Autoren und Werken gerecht zu werden.

Welches ist dein liebster Lieblingsplatz?

Mein Zuhause. Ich bin nicht so der Typ, der ständig wegfahren muss. Auch in den Ferien genieße ich es sehr, einfach nur daheim zu sein und in Ruhe alle Viere von mir zu strecken. Außerdem fühle ich mich in der Gegenwart meiner Familie sehr wohl, das ist daheim am schnellsten erreicht. Noch dazu gehört Lesen zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, das geht theoretisch überall gut, wo ich mein iPhone dabei habe (ich lese fast ausschließlich über iBooks), doch daheim gibt es im Winter den Ofen und den bequemen Sessel, im Sommer das kühle Wohnzimmer (und den gleichen bequemen Sessel), daher ist der Ort fast nicht zu übertreffen.

Wie schaffst du es regelmäßig zu bloggen?

Durch mein Song des Tages-Projekt zwinge ich mich selbst dazu. Andernfalls würde ich sicher deutlich weniger posten. Gerade in Zeiten, wenn es in der Arbeit ordentlich dampft (so wie in der kommenden Woche, in der die Halbjahres-Zeugnisse fertig werden müssen), käme sonst vermutlich gar nichts von mir. Zum Glück kann ich vorarbeiten und Beiträge programmiert erscheinen lassen. Sonst gäbe es da häufiger Lücken…

Wovor hast  du Angst und warum?

Klapperschlangen. Da gab es ein paar Erlebnisse in meiner Kindheit, die mir meine Mutter vielleicht ein oder hundert Mal zu oft erzählt hat…

Wenn morgen die Welt unterginge, was tätest du heute?

Mich mit meiner Frau im Schlafzimmer einsperren, hemmungslos die Zeit mit ihr genießen, Unmengen an Schokolade und anderem Süßkram essen – und ein einziges Mal darauf verzichten, mein Tagesziel zu erfüllen… (Wehe, die Welt geht am nächsten Tag nicht unter!)

Welche Sorte Mensch magst du gar nicht?

In der Schule mag ich den Typ Schüler gar nicht, der schon „Ich kapier’ des net!“ schreit, bevor er/sie sich auch nur eine Minute gedanklich damit beschäftigt hat. Wenn sich schon Gymnasiasten so benehmen, möchte ich ja nicht wissen, wie es an anderen Schulformen zugeht.

Bei Erwachsenen sind es vor allem Menschen, die versuchen, mich unter Druck zu setzen, nur um ihre eigenen Ziele durchzudrücken. Das kann im Beruf wie auch in der Nachbarschaft oder sonstwo sein. Wer mich nett anspricht und für seine Sache überzeugt, bekommt üblicherweise meine Unterstützung – freiwillig oder im Gegenzug für etwas, das ich gerne hätte. Wer mich jedoch einfach so zwingen oder durch intrigante Schachzüge dazu drängen will, der hat sich’s fast immer schon verscherzt.

Nominierungen

Da es mir schwerfällt, einzelne Personen herauszugreifen, die ich – aus meiner Warte – dazu verdonnern müsste, sich dem Liebster-Award zu stellen, öffne ich das einfach für alle, die Lust haben, sich meiner Fragen anzunehmen.

Natürlich wäre ich völlig hingerissen, wenn sich so illustre Persönlichkeiten wie Multicolorina, Zeilenende, Marinsche oder Hinnerk & Henrikje hinreißen ließen, teilzunehmen, aber auch deren Tage sind ohne das sicherlich bereits gut gefüllt – ich will mich nicht aufdrängen.

Meine Fragen

  1. Welche Art von Blog-Einträgen liest du am liebsten? (Zum Beispiel: Buch-Rezensionen, Schilderungen persönlicher Erlebnisse, Aufrufe zu gemeinsamen Aktionen, politische Statements, Foto-/Reise-Beiträge…)
  2. Gäbe es für deinen Blog einen Erkennungssong oder eine Erkennungsmelodie, welche(r) wäre es?
  3. Du bekommst zu Weihnachten ein Buch geschenkt, das dir überhaupt nichts sagt: weder Autor noch Titel noch Genre sind dir näher vertraut. Was machst du mit diesem Buch?
  4. Bist du der Typ, der nur ein Buch auf einmal liest? Oder hast du immer einen kleinen Stapel angefangener Bücher, von dem dann je nach Stimmung jeweils das passende Buch ausgewählt wird?
  5. Wie viele Bücher hast du im letzten Jahr abgebrochen?
  6. Bei seinem Auftritt verlangt ein Kabarettist nach einem Freiwilligen. Gehörst du zu den Personen, die begeistert ihren Finger in die Höhe reißen, um möglichst dranzukommen?
  7. Welches ist deiner Meinung nach die beste Zeit für ein „Schäferstündchen“? – Der frühe Morgen, die „Brunch“-Zeit, kurz vor dem Mittagessen, der „Nachtisch“, zum Kaffee, am frühen Abend oder eher dann, wenn alle anderen schon schlafen?
  8. Bei einer Feier singen alle gemeinsam ein Lied. Du bist voll dabei und singst begeistert mit. Alle anderen hören am Ende der ersten Strophe auf, du dagegen singst im Brustton der Überzeugung noch ein oder zwei Töne weiter – ganz allein. Ist dir das peinlich? Oder findest du es gut, dass jeder hören konnte, mit welcher Überzeugung du gesungen hast?
  9. Du hast ein Wochenende ganz zu deiner Verfügung – völlig ohne Verpflichtungen. Auch am Montag musst du nicht gleich wieder losschaffen. Was treibst du zwischen Freitag Abend und Sonntag so alles?
  10. Du wirst auf der Straße für das Fernsehen interviewt, doch bei der Ausstrahlung hat der Sender deine Antwort so verstümmelt, dass sie fast das Gegenteil dessen zum Ausdruck bringt, was du sagen wolltest. Wie reagierst du?
  11. Du hast die Möglichkeit, deinen Lieblingsautor zu treffen und ihm genau drei Fragen zu stellen. Wie lauten sie?
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Urban Priol in Ulm

Gestern Abend waren meine Frau und ich in Ulm beim von uns beiden sehr geschätzten Kaberettisten Urban Priol. Seit einigen Jahren verfolgen wir seine Jahresrückblicke unter dem Titel „Tilt! 20XX“ (wobei „XX“ durch die jeweilige Jahreszahl ersetzt werden muss). Da von diesen Jahresrückblicken (fast) immer auch eine DVD-Aufzeichnung erscheint, habe ich seit 2004 alle jeweils neu erschienenen Ausgaben hier vorrätig – und von Zeit zu Zeit sehe ich mir ein solches Programm mit Genuss an.

Live unschlagbar

Seit ein paar Jahren nutzen wir jede sich bietende Gelegenheit, ihn live zu sehen, wenn er schon einmal in der Gegend ist. Und nachdem dieses Kalenderjahr hinsichtlich der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen derart bewegt war, konnten wir es tatsächlich voll und ganz genießen, ihn nach dem März (ich berichtete) noch ein zweites Mal in einem Jahr auf der Bühne zu sehen.

Unglaublich, wie stark sich sein Programm in den neun Monaten verändert hat! Klar, hier und da baut er immer wieder die gleichen Versatzstücke ein, bei einem zweieinhalb bis drei Stunden dauernden Programm lässt sich das nicht vermeiden – noch dazu ändert sich ja auch in der Gesellschaft nicht alles. Und darüber hinaus ist es wie das Treffen eines alten Bekannten, wenn man ein Wortspiel oder eine Persiflage erleben darf, die man schon kannte…

Der Blick aus Reihe 19 – so durfte ich einen ganz hervorragenden Kabarett-Abend erleben!
Der Blick aus Reihe 19 – so durfte ich einen ganz hervorragenden Kabarett-Abend erleben!

Die einzige Sache, die sowohl meiner Frau als auch mir wirklich schwerfiel, war der Zeitpunkt. Normalerweise bricht um 20:00 h (meist etwas später) daheim unsere „Elternzeit“ an. Ab da vegetieren wir entspannt auf der Couch, ich mampfe Unmengen an Süß-/Knabberkram-Kalorien in mich hinein, die ich gleich am darauffolgenden Morgen hoffentlich an der Umwandlung in Körperkolonien hindere – vor allem aber kommen wir zur Ruhe. Manchmal schlafe ich schon vor 21:00, oft vor 21:30, seltener bis 22:00 h ein. Gestern lief das Programm aber allein bis 23:10, mit Applaus und allem 23:15 h. Und so lustig und unterhaltsam es war: In den letzten 20 Minuten sind mir einige kurze Passagen aufgrund des unaufhaltsamen Sekundenschlafs durch die Lappen gegangen (meiner Frau auch). Immerhin war es draußen schön kühl, sodass wir die Heimfahrt gut meisterten.

Fazit

Als Fazit für den Abend kann ich wirklich sagen, dass sich jede Minute gelohnt hat, das Programm war exzellent, Urban Priol war in guter Stimmung und das Publikum demnach auch – wundervoll! In etwa zwei Wochen kommt das aktuelle Programm als Hörbuch heraus, da bin ich sicher wieder dabei!

CCU Pausenservice – nein danke!

Einen echten Schwachpunkt gab es gestern Abend, den muss ich hier auch einmal zur Sprache bringen, denn das war derart unprofessionell, dass es einigen Kabarettbesuchern glatt die Pause verdorben hat: Es war abzusehen, dass am Getränkestand in der Pause viel los sein würde. In Ulm ist dazu ein quadratischer Bereich abgetrennt, der in der Mitte des oberen Foyers steht. Innen befinden sich die Service-Kräfte, die Getränke ausgeben und kassieren, von außen strömen aus allen Richtungen die Gäste auf das Quadrat zu.

Da wir zum ersten Mal dort waren, war uns das System noch nicht klar, was aber kein Problem darstellte. Meine Unzufriedenheit – und die etlicher anderer Gäste – rührte daher, dass ich ausgerechnet in der Schlange landete, deren einzige Service-Kraft, ein Mann grob um die 40 Jahre, mit der Situation völlig überfordert war. Er konnte die sich individuell je nach Bestellung ergebenden Beträge nicht im Kopf ausrechnen, also zückte er jedes Mal einen Taschenrechner. Da er aber auch die Preisliste nicht kannte, musste er für jedes eingegebene Getränk noch einmal auf einer eigenen Liste nachsehen. Und das dauerte.

Dummerweise ist eine solche wilde Anstellsituation nicht so übersichtlich, dass man gleich sieht, wo es zügig vorwärts geht und wo nicht. Bis ich das realisiert hatte, stand ich schon gut zehn Minuten. Sollte ich das aufgeben und mich woanders anstellen – wieder ganz hinten? Ich verblieb erst einmal, nickte meiner Frau zu, die sich in eine andere Schlange einreihte.

Als nur noch drei Personen vor mir standen, drehte sich die Service-Kraft einfach um und ging. Die letzten paar Gäste, die er bedient hatte, hatten ihn zur Beschleunigung unterstützen wollen und anhand der ausliegenden Preislisten jeweils schon den Endbetrag durchgerechnet. Das war ihm wohl so auf den Geist gegangen, dass er einfach den Bereich verließ. Und somit blieb die gesamte Schlange unversorgt. Nach weiteren zwei Minuten der Warterei übernahm ein sehr flink arbeitender (und rechnender) Kollege neben seiner Schlange auch noch unsere – und es ging trotzdem schneller weiter als vorher!

Als ich drankam, hatte sich auch meine Frau in ihrer Schlange bis auf den zweiten Platz vorgearbeitet. Mähp! Das war eine echt vergeudete Pause, denn während ich den ersten Schluck Cola Light (leider auch nicht gut gekühlt) in meinen Mund und die trockene Kehle hinunter rinnen ließ, ertönte der erste Gong zum Pausenende…

Ein außergewöhnlicher Samstag

Manch einer mag es bemerkt haben: Ich habe mich hier in der letzten Woche ziemlich rar gemacht. Dahinter steckte keine böse Absicht, es war einfach eine derbe anstrengende Woche. Doch es gab auch einige Höhepunkte, einen davon gibt es im Anschluss gleich einmal zu lesen.

Der vergangene Samstag war ein eigenartiger Tag, in ihm vereinten sich sehr viele gegenläufige Strömungen, von völliger Entspannung bis zu endgültiger Erschöpfung war alles dabei.

Luxus-Schlaf

Nachdem sich die fünf Wochentage vor dem Samstag dieses Mal erheblich anstrengender angefühlt hatten als sonst – wobei ich im Detail nicht einmal sagen kann, was im Einzelnen den Ausschlag dafür gab –, gönnte ich mir am Samstag ein langes Ausschlafen (also bis 7:21 h). Ich war am Freitag Abend bereits um 21:45 h im Bett, daher kam ich auf eine Schlafenszeit von über neuneinhalb Stunden. Ich glaube, das hatte ich in den letzten Monaten nie erreicht. Und es tat gut, denn ich erwachte von selbst und konnte mich sofort voller Tatendrang aus dem Bett schwingen.

Laufen der besonderen Art

Nach einem ruhigen Einschwingen in den Tag machte ich mich auf dem Laufband an einen der allmorgendlichen 15 Kilometer-Läufe. Doch trotz Erholung und eines leichten Frühstücks wurde mir nach etwa fünf Kilometern recht plötzlich schummrig. Ich fühlte mich zittrig – und das in einer der erholsamen Phasen (bei 9 km/h) des laufenden 15-Kilometer-Programms. Nicht schön.

Ich unterbrach den Lauf und begab mich in die Küche, packte erst einmal die Schokolade aus und aß zwei Rippen. Dann folgten noch ein paar Kekse und etwas zu trinken (mit Koffein, mehr muss ich wohl nicht ergänzen). Nach ungefähr 15-20 Minuten Pause war ich wieder fit, zitterte nicht mehr und startete erneut, dieses Mal halt noch die fehlenden 10 Kilometer, jedoch mit gemütlichem Tempo (zwischen 8 und 10 km/h, mit einem absoluten Überhang der geringeren Geschwindigkeit). Klappte alles gut.

Ausgeflippte Kinder

Wir nähern uns nach und nach dem Höhepunkt des Samstags. Um ihn aber erreichen zu können, ist es wichtig, sich einen Umstand ins Gedächtnis zu rufen: Wir haben drei Kinder. Der Höhepunkt, auf den ich zusteure, ist der Besuch beim Kabarettisten unserer Wahl, doch können wir vor allem die Jüngste nicht allein zuhause lassen. Also hatten wir meine Mutter zur Betreuung eingeladen – das machen wir höchstens ein- oder zweimal im Jahr, denn allein für die einfache Strecke benötigt sie mehr als anderthalb Stunden Fahrt. Hier klappte es aber glücklicherweise.

Nur waren die Kinder völlig aus dem Häuschen – und das schon Stunden vorher. Vor allem die Jüngste freute sich wie eine Schneekönigin. Zwischen den Nachfragen, wann denn „endlich“ die Oma komme, lagen zunehmend kürzere Zeitintervalle (auch eine seltsame Wortkombination: zunehmend kürzer). Doch auch das überlebten wir (die Oma übrigens ebenso).

Urban Priol in Heidenheim

Um 18:50 h machten wir uns dann aus dem Staub und ließen Kinder und Mutter zurück. Nach knapp 35 Minuten Fahrzeit entstiegen wir in Heidenheim unserem Automobil und durften uns erst einmal zweihundert Meter durch ekelhaften Schneematsch zum Congress Centrum durchschlagen. Die Mühe lohnte sich jedoch, denn zu unserer beider Überraschung lagen unsere Karten fast ganz in der Mitte der ersten Reihe. Quasi „Angesicht zu Angesicht“ mit Urban Priol!

Blick von unseren Plätzen
Der Blick von unseren Plätzen auf die Bühne – Hmmmmmmm!

Vor etwa zwei Jahren hatten wir ihn dort schon einmal gesehen/gehört, was schon sehr gut war, aber an diesem Samstag hatte er wohl zusätzlich so richtig gute Laune. Und das war schlicht fabulös. Inklusive der etwa zwanzigminütigen Pause füllte er beinahe exakt die drei folgenden Stunden aus. Und es handelte sich um ein wahres verbales Feuerwerk. Purer Genuss!

(Na ja, fast purer Genuss… Für uns Frühaufsteher und den-ganzen-Tag-Durchwurschtler ist eine Veranstaltung, die um 20:00 h beginnt, schon recht hart an der Grenze. Wenn sie dann tatsächlich volle drei Stunden in Anspruch nimmt und danach noch 35 Minuten Heimfahrt winken, kann man mit dem Kopf genießen und gleichzeitig mit dem Körper Qualen – die „ruhelosen Beine“ und die ständig neu zufallenden Augen – ausstehen… Aber angesichts des tollen Programms handelt es sich hier vollständig um ein „Jammern auf hohem Niveau“.)

Im Anschluss besorgten wir uns direkt bei ihm zwei signierte Ausgaben der neuesten Doppel-CD („Tilt! 2015 – Der etwas andere Jahresrückblick“), eine für uns, eine für die tapfere Betreuerin, die sich mit drei überdrehten Kindern einen Abend um die Ohren schlagen musste.

Laufstatistik 2016

  • 46 Läufe
  • Kilometer gesamt: 674,35
  • Laufzeit: 65 Stunden 35 Minuten

 

Aktion: „Gemeinsam lesen“ – 20. Dezember 2015

Meine aktuelle Lektüre
Meine aktuelle Lektüre — sehr zu empfehlen!

Heute kann ich von einem vor zwei Tagen neu heruntergeladenen Buch berichten, das mir auf den wenigen bislang konsumierten Seiten wirklich sehr gut gefallen hat.

Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

„Lassen Sie es mich so sagen“ von Georg Schramm, einem der bekanntesten deutschen Polit-Kabarettisten. Aktuell befinde ich mich auf S. 46 von 781 Seiten (iBooks auf dem iPhone).

Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Zu Beginn betrat ich als Georg Schramm die Bühne nur gelegentlich. (S. 46)

Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Urban Priol und Volker Pispers sind in den letzten Jahren meine ständigen virtuellen Begleiter gewesen. Beide habe ich schon einmal live erleben und (weitgehend) genießen dürfen, Urban Priol steht im kommenden Frühjahr sogar noch einmal an, die Karten liegen schon auf meinem Schreibtisch.

Georg Schramm kannte ich nur ganz periphär aus der Sendung „Neues aus der Anstalt“, in der er unter der Leitung von Urban Priol immer wieder sehr gelungene Gastauftritte absolvierte. Vor ein paar Tagen twitterte jemand einen Link zu einem Fernseh-Mitschnitt von Georg Schramm, in dem er die hohlen Phrasen von Politikern so gekonnt und mit einer derart angenehmen Form von intelektueller Polemik zerlegte, dass ich mich umsah, was er noch so alles publiziert hatte. Und da fand ich dieses Buch.

Bereits nach wenigen Seiten war mir klar: Dieses Buch sollten so viele Menschen wie möglich lesen. Zum Einen, weil es wirklich gut geschrieben ist (sowohl auf sprachlich hohem Niveau, als auch was die innere Vernetzung der verschiedenen inhaltlichen Ebenen angeht), zum Anderen, weil es viele politische Gepflogenheiten als mehr oder weniger geschickte Ablenkungsmanöver enttarnt, deren einziger Sinn und Zweck es ist, dem Politiker eine Möglichkeit zu bieten, sich ohne inhaltliche Festlegung aus so ziemlich jeder Affäre zu ziehen.

Georg Schramm schreibt als einen der ersten Sätze in seinem Vorwort, dass er sich gerade mit Bedacht festlegt, um sowohl zu irritieren als auch seinen Standpunkt klar zu machen. Und das gelingt ihm — zumindest bislang — in diesem Buch auf wunderbare Weise. Hut ab!

 

Urban Priol live

Signierstunde mit Urban Priol

Gestern Abend war ich mit meiner Frau bei Urban Priol, der in Heidenheim sein aktuelles Programm „Jetzt“ vorstellte. Trotz eines langen und arbeitsreichen Tages, der bei Beginn schon hinter uns lag, schaffte er es wieder einmal, uns beide von 20:00 bis 23:20 h (mit einer gefühlt sehr kurzen 20 Minuten-Pause) fast durchgehend am Lachen zu halten (und das obwohl wir seine Jahresrückblicke mehr oder weniger auswendig kennen — und natürlich gab es den einen oder anderen Text aus diesen Programmen auch gestern Abend). Dennoch waren viele ganz aktuelle Themen enthalten und in gewohnt gekonnter Art verarbeitet worden, sodass wir uns königlich amüsierten.

Eine Stelle werde ich mit Sicherheit nie wieder vergessen: Priol erzählte davon, wie er ein einziges Mal bei einem Yoga-Kurs war, den er von seinem fiktiven Therapeuten empfohlen bekommen hatte. Zuerst kam er fast eine Stunde lang nicht mehr darauf zurück, doch plötzlich kletterte er auf allen Vieren auf einen Tisch am Bühnenrand und begann lauthals zu muhen. Oje! So sehr nach Luft musste ich selten schnappen! Es wäre selbst mit Vorankündigung zum Schreien lustig gewesen, so aber — gekoppelt mit dem Überraschungseffekt — war es der Schenkelklopfer des Abends!

Bei der anschließenden Signier-Stunde ließen wir uns noch die DVD Tilt — Der etwas andere Jahresrückblick 2013 signieren. Hach, ab damit in unseren Kabarett-Devotionalienschrein

Vielen Dank an Urban Priol für einen unvergesslichen Abend!

 

Nein, danke!

Verwöööööööhnen!

Es gibt in der Werbung ja so einige Tricks, wie man ein Produkt im Bewusstsein der (mehr oder weniger freiwilligen) „Kundschaft“ verankern kann. Ein solches Mittel ist es, den Kunden regelrecht zu nerven. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass es vielen Leuten genau wie mir geht — ich kaufe ein Produkt, dessen Werbung mir zu aggressiv ist, so gut wie nie ein! —, aber das heißt ja leider noch lange nicht, dass es nicht doch irgendwo Menschen gibt, die sich davon beeinflussen lassen. Und dann denkt sich die Firma, die für diese Werbung verantwortlich ist: „Passt, machen wir noch mehr davon!“

Eine der lästigsten Werbungen ist meiner Meinung nach die (gesamte Palette) der Firma Seitenbacher. Wenn ich morgens Radio höre — und mir geht es dabei eigentlich nur um zwei Dinge: Nachrichten und Musik — und dann dieser Typ loslegt: „…verwöhnen. Verwöhnen! VerWÖHnen! VERWÖHNEN! VERWÖÖÖÖÖÖÖHNEN!

Also ganz ehrlich, hier hat Urban Priol den Nagel dermaßen auf den Kopf getroffen, als er sagte: „Wenn das so klingt, wenn der mich verwöhnen will, wie klingt das erst, wenn der mich quälen will?“ Treffender kann man es einfach nicht ausdrücken. Basta.

 

Hätte, hätte, Fahrradkette

Peer Steinbrück im Morgenmagazin

Bei der Tagesschau gab es gestern einen unfreiwillig komischen Artikel, der die Perversion unseres modernen Medienzirkus verdeutlichte. Obwohl ich kein Fan der SPD bin, so muss ich doch sagen, dass mir Peer Steinbrück in einer Hinsicht immer mehr gefällt, weil er den Mumm hat, einfach auch mal kantig zu sein, nicht ständig gute Laune zu jeder noch so dämlichen Frage in den gefühlt unzähligen Interviews zu mimen, auch wenn sich in ihm innerlich alles dagegen sträubt.

So auch im Interview heute früh im Morgenmagazin: Der Moderator (Sven Lorig) fragt, ob man nicht hätte merken müssen, dass der Wahlkampfslogan der SPD („Das WIR entscheidet.“) bereits von einer Leiharbeitsfirma verwendet wird. Das sei ja nun „doppelt peinlich“. Man sieht Steinbrück einen Moment zögern, dann kommt die klassische Antwort: „Ja, wissen Sie, Herr Lorig… Hätte, hätte, hätte, Fahrradkette. Natürlich hätte das technische Wahlkampfmanagement der SPD das machen sollen. Aber nu is auch gut.“ Schon im kurzen Zögern sah man, dass Steinbrück keine Lust darauf hatte, auf eine demütigende Frage mit einer unverdient netten Worthülse zu antworten.

Ich verstehe die niedrigen Umfragewerte des SPD-Kanzlerkandidaten schon, denn diese etwas bärbeißige, manchmal geradezu dünnhäutige Art kommt heutzutage in den Medien nicht mehr gut an. Es ist auch — zumindest gefühlt — erkennbar, dass selektiv ausgewählte Sprüche von Politikern gezielt zur Steuerung der öffentlichen Meinung hoch- oder heruntergespielt werden. Man denke nur an die extrem flapsige Antwort der Bundeskanzlerin vor dem Atommüll-Endlager-Untersuchungsausschuss, als sie gefragt wurde, warum sie trotz konkreter Hinweise auf die Nichteignung von Gorleben keine neue Standortsuche für ein Endlager initiiert habe. Hätte Peer Steinbrück diese Antwort gegeben — „Weil ich damals noch nicht so perfekt war wie heute.“ —, er wäre in den Medien verbal gesteinigt worden. An der Kanzlerin wollte man anscheinend nicht rütteln, also verschwand diese schlicht inakzeptable Antwort medial unglaublich schnell in der Versenkung.

Deshalb erscheint mir Peer Steinbrück als vergleichsweise sympathisch: Er spricht, wie ihm der Mund gewachsen ist, nicht jedes Wort wird noch einmal auf die Goldwaage gelegt. Medial stellt das einen Selbstmord auf Raten dar, es zeigt aber wenigstens, was der Mann persönlich denkt und fühlt.

Bei Angela Merkel, ist es nicht so. Sie wird in den Medien immer noch als „kühle Machtpolitikerin“ hofiert, obwohl sie allein in dieser Legislaturperiode schon in vielen zentralen Bereichen ihr Fähnchen in den Wind gedreht und somit eine thematische 180 Grad-Wende vollführt hat: Ausstieg aus dem zuvor selbst herbeigeführten Ausstieg aus dem Atomausstieg (wenn es nicht so erbärmlich gelaufen wäre, könnte man darüber lachen), Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland und so weiter und so fort.

Fazit: Wählen werde ich keinen von beiden, müsste ich mich aber nur für einen der beiden entscheiden, stünde Steinbrück bei mir vorne. Zum Glück stehen ja noch mehr zur Wahl…