Die Vorteile eines Haus-Akkus

Vor ein paar Wochen berichtete ich davon (hier), wie zufrieden ich mit dem Energiespeicher bin, der Ende Mai als Ergänzung zu unserer Photovoltaik-Anlage installiert wurde (hier). Mittlerweile haben wir einen weiteren Monat mit einer Autarkie-Quote von 98 Prozent hinter uns, was natürlich sehr schön ist, im Winter aber wohl kaum haltbar sein wird. Dennoch: zwischen Frühjahr und Herbst sollten fast alle Energiebedürfnisse durch die Photovoltaik in Kombination mit dem Akku befriedigt werden können.

Doch ich habe in den vergangenen Wochen noch etwas gelernt: Der Akku ist auch perfekt dazu geeignet, kurzfristig hohen Energiebedarf abzufedern. Ein Beispiel: Wenn man eine Fläche am Herd auf die höchste Stufe einstellt, zieht der Herd locker 1,5 bis 2 kW. Liefert die Photovoltaik zu diesem Zeitpunkt aber nur 1,3 kW, müssten 200 Watt vom Netz bezogen werden. Das passiert im Moment aber nicht bzw. nur für einen relativ kurzen Moment, bis die Steuerung des Akkus das realisiert hat und Energie aus dem Akku bereitstellt.

Gerade vorhin habe ich das wieder einmal erlebt, doch um das zu erläutern, muss ich ein wenig ausholen. Unsere PV-Anlage ist auf der Westseite des Dachs angebracht, was mit der Ost-West-Ausrichtung unseres Hausdachs zusammenhängt. Auf diese Weise greifen wir ab ca. 11:30 bis fast zum Sonnenuntergang (kurz vorher ist dann das Nachbarhaus im Weg) die intensivsten Sonnenstunden ab. Vor dieser Zeit kommt ab Sonnenaufgang auch schon einiges an Energie rein, aber eben noch nicht ganz so viel.

Zurück zur aktuellen Situation: Unsere Spülmaschine war voll, also aktivierte ich sie gegen 9:00 h, obwohl noch nicht genügend PV-Energie erzeugt wurde, um den Bedarf der Spülmaschine abzudecken. Der Haus-Akku war aber bei über 50 Prozent, also stellte das überhaupt kein Problem dar, denn so konnte ich sichergehen, dass bis zum Mittagessen unser Geschirr zur Verfügung stünde, der Akku stellte die Energie bereit – perfekt!

2,27 kW Bedarf, 910 Watt PV-Energie, der Rest kommt vom Akku. Sobald die PV-Erzeugung über dem Bedarf ist, wird der Akku weiter aufgeladen.
2,27 kW Bedarf, 910 Watt PV-Energie, der Rest kommt vom Akku. Sobald die PV-Erzeugung über dem Bedarf ist, wird der Akku weiter aufgeladen.

Wie die Darstellung schön zeigt, sorgt der Akku dafür, dass alle PV-Energie (zum Zeitpunkt des Screenshots waren es 910 Watt) aufgebraucht wird, der Mehrbedarf (hier 1,37 kW) muss aber nicht aus dem Netz bezogen werden. Somit ist verständlich, wie sich die in der rechten Hälfte angezeigte Autarkiequote für den heutigen Tag bei 100 Prozent eingependelt hat.

Ohne den Akku würden wir natürlich auch weite Teile unseres Solarstroms verbrauchen, gerade in Momenten hohen Strombedarfs aber (z.B. Kochen am Mittag und am Abend, Spül- und Waschmaschine, Toaster, Mikrowelle und noch so ein paar Kleinigkeiten) müssten wir täglich Energie dazukaufen. Der Akku sorgt dafür, dass wir das größtenteils umgehen können.

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1:28 Uhr

Es ist gerade einmal ein paar Stunden her, dass einer unserer Rauchmelder – glücklicherweise der direkt über unserem Bett im Schlafzimmer – der Meinung war, seine Batterie sei nun ausreichend erschöpft, dass er uns darauf hinweisen müsse. Nun gäbe es für den Hersteller sicher die Möglichkeit, einen niedrigen Batterie-Status durch ein relativ unaufdringliches Geräusch von sich zu geben, das dennoch ausreichend störend wäre, um sich zügig der Sache anzunehmen. Denkt man sich so als normaler Mensch. Doch leider falsch gedacht.

Um genau 1:28 h, als sich alle fünf Bewohner dieses Hauses im Tiefschlaf befanden, aktivierte der Rauchmelder seine Batteriewarnung, die leider mit dem Rauchalarm identisch ist: Maximale Lautstärke und ein fieses Sirenengeräusch, das sich alle paar Sekunden wiederholt. Binnen einer Sekunde standen meine Frau und ich im Bett, ich riss das Teil förmlich aus der Deckenhalterung, bekam dann aber die 9V-Blockbatterie gar nicht so schnell heraus, dass nicht noch ein weiterer schriller Sirenenton durch unser Haus (und dank der geöffneten Fenster sicher auch noch zwei oder drei Nachbarhäuser) gellte. Zum Glück war meine Frau in dieser Angelegenheit geschickter als ich, nach dem dritten Alarmton herrschte endlich wieder Ruhe. Zumindest akustisch.

Was meinen Puls angeht, der war alles andere als ruhig, immerhin musste er ja zuerst einen Kaltstart von meinen üblichen ca. 40-45 Schlägen pro Minute auf locker über 100 hinlegen. Danach dauerte es mindestens zehn Minuten, bis sich der Herzschlag beruhigte und ich wieder zurück in den Schlaf fand.

Da wir in jedem Zimmer des Hauses einen Rauchmelder haben, ist dieses nächtliche Gedröhne leider alles andere als rar. Schlimm ist es, wenn man nicht sofort erkennen kann, in welchem Zimmer der Alarm losgegangen ist und dann erst einmal durch‘s halbe Haus irren muss, um den richtigen Rauchmelder zu demontieren und seiner (garantiert noch 20-25 Prozent vollen) Batterie zu berauben.

In dem Kontext ist mir ohnehin noch etwas aufgefallen: Angeblich halten die Batterien in einem Rauchmelder zehn Jahre. Das steht zumindest auf ziemlich vielen Verpackungen. Tja, wir wohnen in diesem Haus erst seit sechs Jahren, die Rauchmelder waren auch nicht die allererste Anschaffung nach dem Einzug, dennoch mussten wir unter Garantie schon fünf oder sechs Batterien austauschen – das entspricht fast allen unserer Rauchmelder im Haus. Diese Versprechen sind also allesamt Luftnummern, auf die man lieber nichts geben sollte.

Und mir ist noch etwas aufgefallen: Batterien verlieren die letzten Prozente ihrer Ladung gefühlt ausschließlich während der Nacht. Noch kein einziges Mal – zumindest nicht in meiner Erinnerung – habe ich während des Tages einen solchen Alarm wahrgenommen, nachts dagegen sprang ich schon etliche Male durch‘s Haus, einmal saß ich mitten in der Nacht sogar minutenlang auf der Treppe, weil das Modell in den Kinderzimmern zwischen seinen Batteriewarnungen ein bis zwei Minuten Pause lässt. Wenn man dann nicht gleich erkannt hat, in welchem Zimmer das war, muss man halt im Gang stehen bleiben und abwarten…

Sollte irgendein Rauchmelder-Hersteller diesen Blog-Eintrag lesen: Überlegt euch doch einmal, ob der Batterie-Alarm wirklich dem Rauch-Alarm entsprechen muss, ob es keine Option gibt, ein anderes Geräusch zu erzeugen, gerne ein dauerhaftes, aber eben nicht ganz so dramatisches. Und korrigiert mal die Angaben auf euren Verpackungen: zehn Jahre sind – zumindest aus meiner Erfahrung hier im Haus mit Modellen von mindestens drei unterschiedlichen Marken – schlicht und einfach unrealistisch. Danke!

Ein Monat Energiespeicher – ein Resümee

Ende Mai wurde in unser Haus ein 6,4 kWh-Energiespeicher (hier) für die im letzten Oktober installierte Photovoltaik-Anlage (hier) installiert. Da die Installation erst kurz vor dem Monatsende erfolgte, konnte ich daraus natürlich noch keine nennenswerten Schlüsse ziehen, nun aber ist der Juni vorbei, also kann ich ziemlich genau sehen, welche Wirkung der Haus-Akku auf unseren Energiebezug hat.

Insgesamt war der Juni ein etwas „durchwachsener“ Monat, denn hier in Aalen gab es einige Regentage, an denen eine ziemlich dichte Wolkendecke vorherrschte. Die im April und Mai noch sehr intensive Sonne ließ sich nur gelegentlich blicken, lediglich fünf Tage mit mehr als 20 kWh Energieerzeugung waren dabei.

Der Überblick über den Juni 2018 – klar zu erkennen ist das durchwachsene Wetter und die dadurch geringere Energieausbeute an einigen Tagen.
Der Überblick über den Juni 2018 – klar zu erkennen ist das durchwachsene Wetter und die dadurch geringere Energieausbeute an einigen Tagen.

Dennoch war die Sonneneinstrahlung ausreichend, um den Akku jeden Tag neu komplett zu füllen. Der Akku hat nicht nur den eingeplanten Nutzen, uns über Nacht mit Strom zu versorgen, er mildert auch die Spitzen im Energiebedarf ab, sodass der Bezug von Energie aus dem Stromnetz fast komplett wegfällt. „Nur fast?“ Ja. Denn der Akku benötigt ein paar Momente, um über die Software angesteuert zu werden und seine Energie dann abzugeben. Somit werden bei jeder Benutzung der Mikrowelle, des Toasters, des Herds, Ofens etc. einige Sekunden lang die Spannungsspitzen aus dem Stromnetz getilgt, bis dann der Akku „angesprungen“ ist. Wie viel Strom haben wir aber nun aus dem Stromnetz bezogen? Dazu hilft ein Blick auf den unteren Teil der oberen Abbildung:

Hier die „harten Fakten“ über den Akku im Haus...
Hier die „harten Fakten“ über den Akku im Haus…

Verbraucht haben wir im gesamten Monat Juni 222,32 kWh, teilt man diese durch die 30 Tage erhält man einen Tagesbedarf von 7,41 kWh (nicht schlecht für einen fünf-Personen-Haushalt). Die Eigenversorgung lag in unserem Fall bei sensationellen 218,08 kWh, also 98 Prozent. Lediglich 4,23 kWh mussten wir aus dem Netz beziehen, was bei 27 Cent/kWh der Summe von 1,15 € entspricht. Dem steht gegenüber, dass wir auch 224,88 kWh ins Stromnetz eingespeist haben, was bei einer Vergütung von 12,2 Cent/kWh immerhin 27,34 € entspricht.

Mir geht es nicht darum, mit der Photovoltaikanlage Geld zu verdienen, ich schätze es aber sehr, weitgehend unabhängig vom Stromnetz und somit auch den Energiepreisen zu sein. Wie es aussieht, scheint das zumindest für die „hellen“ Monate möglich und realistisch zu sein. Das freut mich.

Der „Haus-Akku“

Wie ich bereits berichtete, wurde an unserem Haus im vergangenen Oktober eine Photovoltaik-Anlage eingerichtet. Die lief in den vergangenen Monaten angesichts des blendenden Wetters so gut, dass wir (beinahe) täglich eine Menge Strom-Überschuss hatten. Der wird ins Stromnetz eingespeist, wofür wir eine Vergütung in Höhe von ungefähr 12 Cent/kWh erhalten. Da wir nachts und an verhangenen Tagen ohne ausreichende Sonneneinstrahlung den Strom aber für 27 Cent/kWh einkaufen müssen, lag klar auf der Hand, dass das zwar besser als vorher, aber letztlich immer noch eine unbefriedigende Konstellation war.

Unsere Photovoltaik-Anlage erzeugte an etlichen Tagen über 20, zum Teil über 22 kWh feinsten Solarstrom, unser täglicher Bedarf liegt aber im Schnitt nur bei etwa neun bis zehn kWh, in der Regel eher weniger als mehr. Nun gut, den gut 100-prozentigen Überschuss wollte ich mir unter den oben geschilderten Bedingungen nicht mehr länger entgehen lassen, also erkundigte ich mich bei der Firma Graule Solar, die damals auch unsere PV-Anlage installiert hatte (hier), nach einer Speicherlösung, rechnete ein wenig herum und kam zu dem Schluss, dass sich das für unser Haus lohnen wird.

Der Auftrag wurde erteilt, die benötigten Teile bestellt, heute war der Einbau. Seit gut einer Stunde lädt der „Haus-Akku“, um dann über Nacht und am frühen Morgen die Grundlast sowie alle weiteren Energie-„Forderungen“ – hoffentlich gänzlich ohne Energiezukäufe – decken zu können.

Das ist der eigentliche Energiespeicher – bei einem Gesamtgewicht von gut 150 kg kann man den nicht „mal einfach so“ hochheben und wegtragen...
Das ist der eigentliche Energiespeicher – bei einem Gesamtgewicht von gut 150 kg kann man den nicht „mal einfach so“ hochheben und wegtragen…
Abgesehen von den Solarmodulen auf dem Dach und den Kabelsträngen von dort bis in den Keller ist das bereits der Großteil der Anlage, nur der sog. Home Manager ist noch im Sicherungskasten verbaut.
Abgesehen von den Solarmodulen auf dem Dach und den Kabelsträngen von dort bis in den Keller ist das bereits der Großteil der Anlage, nur der sog. Home Manager ist noch im Sicherungskasten verbaut.

Zwischendurch muss ich ja immer wieder mal spicken, wie es mit der Ladung vorangeht, und angesichts der aktuell sehr intensiven Sonneneinstrahlung scheint das auch sehr gut zu klappen:

Da es gerade erst kurz nach 16:00 h ist, dürfte der Energiespeicher heute Abend randvoll sein.
Da es gerade erst kurz nach 16:00 h ist, dürfte der Energiespeicher heute Abend randvoll sein.

Tja, nun beginnt die spannende Zeit, in der sich Stück für Stück herausstellen wird, ob sich die Investition gelohnt hat. Auf jeden Fall ist es praktisch, sich nicht mehr zwingend Gedanken darüber machen zu müssen, ob noch genug Solarstrom für eine Wäsche, einmal Kochen, die Mikrowelle, den Wasserkocher, den Föhn, den Backofen oder die Spülmaschine (das sind erfahrungsgemäß die großen Energiefresser in unserem Haushalt) vorhanden sein werden. Der Akku puffert das ab. Wie gut das funktioniert, kann ich jetzt noch nicht sagen.

In ein paar Monaten werde ich mich mit einem kleinen Erfahrungsbericht zu diesem Thema wieder melden, dann weiß ich sicher mehr – und das aus allererster Hand.

Ein Platz, 12 Monate – 12 – Januar 2018

In diesem von Zeilenende initiierten Projekt wird ein Ort ein Jahr lang fotografisch begleitet, jeweils am letzten Sonntag im Monat wird der dann aktuelle Zustand hier präsentiert.

Ta-daaaa! Und schon ist der zwölfte und somit letzte Beitrag zu dieser Kategorie erreicht. Es bleibt die Frage, wie es denn nun weitergehen soll. Ganz klar darüber bin ich mir momentan noch nicht, denn aktuell fehlt es mir an der Zeit, auch nur mein Album der Woche ganz regelmäßig zu vollenden. Insofern sollte ich mir vielleicht erst einmal kein größeres Projekt ans Bein binden.

Ich bleibe auch für dieses letzte Mal den drei früher eingenommenen Perspektiven treu: (1) Von der Terrasse aus, (2) vom Rand des neu angelegten Abschnitts aus um die Hausecke, (3) vom Woodport aus auf die drei Etagen.

Von der Terrasse aus...
Von der Terrasse aus…
Vom Rand um die Hausecke...
Vom Rand um die Hausecke…
...und vom Woodport aus.
…und vom Woodport aus.

Die weiteren Teilnehmer und ihre spannenden Beiträge sind (oder werden noch) bei Zeilenende verlinkt.

Ein Platz, 12 Monate – 10 – November 2017

In diesem von Zeilenende initiierten Projekt wird ein Ort ein Jahr lang fotografisch begleitet, jeweils am letzten Sonntag im Monat wird der dann aktuelle Zustand hier präsentiert.

Wie ich in den letzten Beiträgen schon angekündigt habe: Die Überdachung der Terrasse ist (endlich) da. Und sie sieht fantastisch aus! Ein paar Bilder lassen euch unter Garantie den Sabber im Mund zusammenlaufen:

Eigentlich am frühen Nachmittag aufgenommen, doch der November macht‘s möglich, dass es wie die Abenddämmerung aussieht...
Eigentlich am frühen Nachmittag aufgenommen, doch der November macht‘s möglich, dass es wie die Abenddämmerung aussieht…
Ein Blick nach oben in die (mehr als lästigen) Pappeln – ein Genuss!
Ein Blick nach oben in die (mehr als lästigen) Pappeln – ein Genuss!
Die Perspektive täuscht, anscheinend habe ich mich wohl beim Fotografieren mit dem iPhone an die Neigung des Glasdachs angepasst, die Pfeiler stehen sehr wohl ganz kerzengerade (immerhin auf den von mir geschaffenen Fundamenten)!
Die Perspektive täuscht, anscheinend habe ich mich wohl beim Fotografieren mit dem iPhone an die Neigung des Glasdachs angepasst, die Pfeiler stehen sehr wohl ganz kerzengerade (immerhin auf den von mir geschaffenen Fundamenten)!

Ab jetzt können wir also auch bei Regenwetter die Terrasse nutzen, im Winter müssen die Möbel nicht mehr in den Keller getragen werden – es ist von vorn bis hinten eine Wucht! Ich träume schon davon, im späten Frühling mittags bei Regen mich vom Geräusch der vielen Tropfen auf das Glasdach so einlullen zu lassen, dass ich auf dem Sofa (dann natürlich mit Polstern) einfach eindöse. Hmmmmm.

Ansonsten ist der Wandel der Jahreszeit wie immer unübersehbar (mit Ausnahme der prächtig blühenden Blumen, die sich irgendwie antizyklisch gebärden, dabei aber super aussehen), und so bleibe ich den drei gewohnten Perspektiven treu: (1) Von der Terrasse aus, (2) vom Rand des neu angelegten Abschnitts aus um die Hausecke, (3) vom Woodport aus auf die drei Etagen.

Von der Terrasse aus...
Von der Terrasse aus…
Vom Rand um die Hausecke...
Vom Rand um die Hausecke…
...und vom Woodport aus.
…und vom Woodport aus.

Die weiteren Teilnehmer und ihre spannenden Beiträge sind (oder werden noch) bei Zeilenende verlinkt.

Energie, Energie, Energie…

Seit Mitte Oktober befindet sich auf unserem Hausdach die lange ersehnte Photovoltaik-Anlage (ich berichtete), am 3. November wurde die Software (der sog. Smart Home Manager) entsprechend eingerichtet, seither kann ich jederzeit verfolgen, wieviel Energie wir erzeugen und verbrauchen.

Umdenken

Und wie so oft hat dieses neue Wissen auch gleich einen Einfluss auf die Art und Weise, wie Energie genutzt wird. Als ich das erste Mal sah, wieviel Energie der Herd schluckt, dachte ich mir insgeheim: Wenn wir ohnehin den Wohnbereich mit Holz heizen, dann kann ich das ja auch beim Zubereiten des Essens ausnutzen.

Selbst an trüben Tagen deckt die Photovoltaik locker unsere Grundlast ab – und wir „verkaufen“ auch noch den Überschuss...
Selbst an trüben Tagen deckt die Photovoltaik locker unsere Grundlast ab – und wir „verkaufen“ auch noch den Überschuss…
Hier sieht man, wie stark Waschmaschine und der Herd sich auswirken – da genügt die Photovoltaik nicht (das Beispiel ist natürlich jahreszeitlich nicht ideal gewählt, im Sommer könnte es sogar fast ausreichen).
Hier sieht man, wie stark Waschmaschine und der Herd sich auswirken – da genügt die Photovoltaik nicht (das Beispiel ist natürlich jahreszeitlich nicht ideal gewählt, im Sommer könnte es sogar fast ausreichen).

Klar, etwas mehr Zeit ist auf jeden Fall notwendig, manches geht auf dem Holzofen auch gar nicht (z.B. Gemüse scharf anbraten, das klappt nicht, weil die Energie nicht geballt genug in der Pfanne landet) – vieles andere bleibt unverändert.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Vor ein paar Tagen habe ich mir zum Mittagessen etwas tiefgefrorenen Spinat aufgewärmt, das war ein idealer Job für den Holzofen, der ohnehin zum Heizen des Hauses brannte. Gerade beim Auftauen hilft es ja nun auch gar nichts, sofort auf Stufe 9 am Herd zu gehen – ganz im Gegenteil: Bei Stufe 9 brennt höchstens die unterste Lage an, während darüber noch alles gefroren ist.

Der Spinat auf dem Holzofen – dauerte zwar etwas, schmeckte am Ende aber wie immer, nur ohne den Herd einzuschalten.
Der Spinat auf dem Holzofen – dauerte zwar etwas, schmeckte am Ende aber wie immer, nur ohne den Herd einzuschalten.

Also: Topf auf den Holzofen, alle zehn Minuten umgerührt, innerhalb von 35 Minuten (ich habe nebenher gearbeitet, daher war mir der Zeitaufwand wirklich egal) war alles fertig und ich konnte essen. (Gekauften) Strom musste ich für die Zubereitung gar keinen aufwenden.

Waschen und Spülen am Tag

Ich erinnere mich noch, als früher der „gute Nachtstrom“, also der mit vollstem Atomstrom erzeugte und durch die massiven Subventionen extrem billig abgegebene Strom, für die Wasch- und Spülmaschinen genutzt wurde. Meine Eltern (und alle Nachbarn) sowie meine Schwiegereltern haben das gemacht, zum Teil läuft das sicher auch heute noch unverändert weiter – kein Wunder, es ist immer noch billiger als nachhaltig erzeugte Energie (ein vollkommener Hohn!).

Durch den Solarstrom lassen wir auf jeden Fall Spül- und Waschmaschine während des späten Vormittags, des Mittags oder am frühen Nachmittag laufen, um die maximale Sonnenausbeute zu haben. Jetzt, Mitte November, ist durch das trübe und verhangene Wetter fast nie genug Solarpower vorhanden, um alles voll damit abzudecken, aber schon die Hälfte oder ein Drittel der Energie weniger bedeutet, dass bei der Endabrechnung mehr Geld zurück kommt.

Mini-Exkurs: Natürlich legen wir im Moment bei dem Modell etwas drauf, denn die Photovoltaik-Anlage ist gepachtet – zusammen kosten Pacht und die restlichen Energiekosten etwas mehr als vorher. Dafür mussten wir für die Anlage an sich und ihren Einbau überhaupt nichts zahlen, diesen Teil übernahm Naturstrom (das ist das Projekt SonnenDach). Einzig die Kosten von ca. 100 € bei den Stadtwerken für den neuen Stromzähler, der jetzt in beide Richtungen funktioniert, fielen für uns an. Wer sich für das Projekt interessiert, der klicke bitte hier.

Akku-Technologie

Die Einblicke in die Energieströme unseres Hauses haben mir vor Augen geführt, wie nützlich der (intelligente) Einsatz von Akku-Technologie in diesem Kontext ist. Ein schönes Beispiel ist meine Apple Watch. Da ich sie rund um die Uhr (hmmmm, fast schon ein Wortspiel…) trage, gibt es nur zwei geeignete Zeitfenster, um sie aufzuladen: Während des Rasierens und Duschens (also morgens zwischen 6:30 und 6:50 h) und am Abend, wenn ich auf dem Sofa „herunterfahre“ (ca. 20:15-21:30 h). Zu beiden Zeitpunkten ist aktuell keine Sonne am Himmel, also auch kein Solarstrom direkt verfügbar. Normalerweise würde das bedeuten, dass ich zu beiden Zeitpunkten Energie aus der Steckdose beziehen müsste.

Ich besitze aber schon seit einigen Monaten ein tragbares und mit einem Akku angetriebenes Lade-Gerät (hier) für die Apple Watch, das mir schon oft gute Dienste erwiesen hat. Dieses lade ich während der Sonnenstunden auf, benutze es aber erst in der Dunkelheit. Und so kann ich an dieser Stelle schon einmal die Menge an Strom, die ich einkaufen muss, reduzieren. Ein ganz vergleichbares Vorgehen ist auch für iPad und iPhone denkbar (und von beiden Gerätetypen gibt es im Haus gleich mehrere).

Energiewende fängt daheim an

Selbstverständlich habe ich Beispiele aus meinem privaten Alltag ausgewählt, die so unter Garantie nicht auf jeden zutreffen. Aber auch wenn die Politik uns ständig vorgaukeln möchte, dass die Energiewende ohne große gesetzliche Rahmensetzung und unglaublich viel Geld, das aus Sicht vieler Menschen besser für „wichtigere“ Dinge verwendet werden könnte, gar nicht möglich sei, der Alltag beweist, dass ein Umdenken und ein Anders-Handeln sehr wohl machbar ist, denn jeder kann an vielen kleinen Stellschrauben im Privaten drehen. Das schont neben der Umwelt auch den Geldbeutel. So kann jeder, der möchte, seinen eigenen Beitrag zur Energiewende leisten. Und ich kann von meiner Position aus sagen: Das fühlt sich ziemlich gut an.