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Gehört: „Ready Player One“

Apple Music bietet für die Abonnenten nicht nur Musik und Musikvideos, sondern auch eine angenehme Auswahl von Hörspielen und Hörbüchern. Selbstverständlich habe ich alles von Stephen King, das bei Apple Music im Angebot ist, schon lange durch, die letzten drei oder vier „Cotton Reloaded Nemesis“-Episoden ebenfalls, doch dann stolperte ich über mein gerade heute fertig gehörtes Juwel: „Ready Player One“ von Ernest Cline.

Eines der gelungensten Hörbücher der letzten Jahre, ich kann es uneingeschränkt empfehlen, auch wenn Menschen meines Alters (so Anfang bis Mitte 40) den meisten Genuss draus ziehen werden...

Eines der gelungensten Hörbücher der letzten Jahre, ich kann es uneingeschränkt empfehlen, auch wenn Menschen meines Alters (so Anfang bis Mitte 40) den meisten Genuss draus ziehen werden…

Da die Verfilmung des Romans gerade im Kino läuft, ist die mediale Aufmerksamkeit diesbezüglich nicht zu übersehen. Wenn es jedoch die Möglichkeit gibt, höre ich mir zuerst das Hörbuch an oder lese das Buch, um die intensivere Perspektive zu genießen, meine eigene innere Vorstellung entstehen zu lassen – und somit eine „intimere“ Beziehung zur Geschichte aufzubauen. Insofern freute ich mich sehr, das Hörbuch im Apple Music-Angebot zu entdecken. Für 15 Euro im Monat genießen meine Frau, ich und alle drei Kinder die Option, alles, was uns interessiert (und das angeboten wird) ohne Zusatzkosten anzuhören.

Zum Roman: Allzu viel möchte ich nicht verraten, sonst verderbe ich womöglich jemandem den Spaß, aber einige Details kann ich hier völlig risikofrei offenlegen. Der Roman befasst sich einerseits mit Computerspielen und virtueller Realität, rollt dabei aber en passant auch gleich die Geschichte der Computerspiele und Spielkonsolen auf, schwelgt in der Nostalgie der Spieleklassiker der 1980er Jahre und erzählt eine spannende Geschichte über Wettkampf, Intrigen, Strategien, Käuflichkeit versus Integrität und – natürlich – Liebe.

Für Menschen meiner Altersklasse, also 40 und aufwärts, ist der Roman schon deshalb so faszinierend, weil er viele Elemente unserer Vergangenheit, gerade der Zeit der maximalen Faszination für derlei fesselnde Computer-/Videospiele, aufgreift. Zusätzlich wird alles garniert mit Gestalten aus den beliebten Fernsehserien und der Musik dieser Zeit, so erhalten die Band Rush, die ich in meiner Song des Tages-Rubrik schon einige Male ins Zentrum gestellt habe, und Wil Wheaton (ja, Fähnrich Wesley Crusher aus Star Trek – The Next Generation) ihre eigene Erwähnung, darüber hinaus kommen schier unzählige Autoren bzw. Werke der Literatur sowie Filmklassiker zu Wort (kein Wortspiel, es wird immer wieder direkt aus einigen Werken zitiert).

Gelesen wird das Hörbuch von David Nathan, der mir als altem Stephen King-Fan schon bestens bekannt ist, schließlich liest er viele der ganz langen Romane des „Meisters“, sodass man seine Stimme jeweils lockere 30-50 Stunden (ja, das Hörbuch von „Es“ dauert satte 51 Stunden) hört – ab einem gewissen Zeitpunkt ist einem die Stimme wirklich sehr vertraut. So fühlte ich mich sehr schnell heimisch beim Anhören, sicherlich ein Vorteil.

Alles in allem ist das Hörbuch aus meiner Sicht bereits jetzt ein moderner Science Fiction-Klassiker, ein intelligenter und spannender Roman voller Anspielungen auf Elemente der Pop-Kultur der 1970er, 1980er und 1990er Jahre. Wer also ein gewisses Alter und die entsprechende Kenntnis der Literatur, Musik und Filme der erwähnten Jahrzehnte aufweisen kann, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ich habe das Hörbuch von Beginn bis zur letzten Sekunde genossen, in ein paar Wochen oder Monaten gibt es noch einen weiteren Durchgang, ganz sicher!

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Der Platz am Ofen

Rein von der Jahreszeit müsste es ja gerade schon recht warm werden. Doch der April hat uns bislang eher die kalte Schulter gezeigt, vor allem seit letztem Samstag ist es hier in Aalen recht frostig und einen guten Teil der Zeit auch nasskalt gewesen.

Mein Lieblingsplatz

Mein Lieblingsplatz nicht nur in der kalten Jahreszeit (anscheinend zieht es mich dorthin sogar im Sommer)

Das erklärt auch, warum ich mich zum Aufarbeiten der in der Woche liegen gebliebenen Kleinigkeiten an meinen Lieblingsplatz direkt vor dem warmen Ofen zurückgezogen habe. Unsere Jüngste verwüstet mit zwei Freundinnen ihr Zimmer, die Mittlere ist beim Training, und der Filius hat gerade einen Teil seiner Hausaufgaben erledigt (fast ohne Murren), so könnte das Wochenende ja an dieser Front entspannt verlaufen.

Leider liegen Zweitkorrektur (Abitur) und eine frische Klassenarbeit direkt vor meiner Nase, auch meine Frau darf heftig ran am Wochenende, denn da müssen haufenweise Noten für ihr Schulorchester gesetzt werden (das macht zwar auch Spaß, raubt in erster Linie aber unglaublich Zeit). Immerhin hoffe ich auf ein wenig Ausschlafen (6:30 oder 7:00 h wäre doch schon einmal sehr angenehm) und das eine oder andere Mittags-Nickerchen.

Die letzten drei Morgenläufe mit den neuen Schuhen waren superb, so gut gestützt hat mich vorher noch kein Laufschuh – mal sehen, wie sich das Gefühl über die kommenden Wochen so entwickelt. Immerhin konnte ich heute früh die 1.700-Kilometer-Marke durchbrechen. Gestern kam ich in Rekordzeit ins Ziel: 16,16 Kilometer in knapp unter 92 Minuten. Das war für mich als halben Greis schon recht schnell… 😉

Geholfen hat dabei auch ein sehr spannendes Hörbuch, das ich gerade vor ein paar Minuten zu Ende gehört habe. In den nächsten Tagen gibt es dazu sicher eine Rezension.

So, nun verabschiede ich mich für den Abend, vielleicht komme ich später noch zum Lesen der vielen verpassten Artikel der letzten Tage. Und mit etwas Glück werden die kommenden Wochen in dieser Hinsicht etwas entspannter – so ganz glauben werde ich es aber erst, wenn es auch so kommt.

 

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52 Wochen – Teil 8 („Todesblick“)

Es ist Sonntag, wie immer warte ich bereits seit Stunden nur darauf, dass der gute Zeilenende endlich seinen heutigen Beitrag zu seiner eigens ins Leben gerufenen Foto-Aktion „52 Wochen“ veröffentlicht, um mir die Möglichkeit zu geben, mich anzuhängen. Immerhin macht das deutlich mehr Spaß als die parallel hier ablaufende Abitur-Korrektur.

Schüler galore

Meine Schüler sind ja nun sehr zahlreich, da ich nur Musik unterrichte, was in den Jahrgangsstufen 7, 8, 9, 10 und 11 (G9) ein einstündiges Fach ist. Um also ein volles Deputat mit 25 Stunden aufzufüllen, kommen bei mir je nach Konstellation üblicherweise 14-17 Klassen im Schuljahr zusammen. Zum Glück behalte ich auch immer einige Klassen länger als ein Jahr, sodass die Menge der neu zu lernenden Namen und Gesichter sich in Grenzen hält, doch mit dem Wechsel der Schule zum September 2012 waren es 17 neue Klassen auf einmal – da brauchte ich mehrere Monate, um mir auch nur einen ungefähren Überblick zu verschaffen (und so manches stille Mäuschen blieb mir noch viel länger nur peripher bekannt).

Rituale

Doch es geht nicht um die Menge an Schülern, vielmehr sind es die Rituale, die ich im Unterricht pflege. Ohne Rituale und feste Abläufe wäre der Schulalltag kaum zu bewältigen, daher vertraue ich mit wachsendem Alter immer mehr darauf, feste Strukturen zu schaffen, innerhalb deren ich und die Schüler gut miteinander umgehen können.

Der Todesblick

Ein Ritual, das meine Fünftklässler sehr schätzen (zumindest interpretiere ich das so), ist mein Todesblick. Angewandt wird dieser, wenn ein oder mehrere Schüler (gleich welchen Geschlechts) aktiv die Meinung vertreten, meine sonstigen Verhaltens-Regeln im Unterricht wiederholt übertreten zu müssen. Nun möchte ich nicht jedes einzelne Mal den Unterrichtsfluss völlig aufgeben, also schicke ich – meist in einem Nebensatz angekündigt – einen Todesblick in Richtung der Störenfriede. Dieser hat (zumindest behaupte ich das) die Eigenschaft, bei genügender Intensität absolut tödlich zu sein. Allerdings schicke ich immer nur die Stufen 1 bis 5 durch mein Klassenzimmer. Mehr war noch nie nötig. Die tödliche Wirkung setzt frühestens bei 135 ein. Oder so. Dennoch werde ich immer wieder – von besonders lebensmüden Schülern – gefragt, wie denn die Stufe (hier bitte einen astronomisch hohen Wert einsetzen) aussehe. Dann bekommen sie das heutige Gesicht zu sehen.

Todesblick

Achtung – nichts für schwache Nerven: Mein Todesblick!

Und, schon jemand gestorben? („Vor Lachen“ gilt übrigens nicht…). Nun, falls das obige Gesicht noch nicht gereicht hat, gibt's gleich noch eins hinterher:

Nun ist's aber wirklich genug! Wer will so viel Schönheit schon ertragen müssen?

 

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Ferienende und die endlose Suche nach DEM Rezept

Mit dem gestrigen Tag endeten die sog. „Ferien“. Halt, warum benutze ich dieses kleine und fast schon unscheinbar hinzugefügte Wörtchen „sog.“ vor dem Substantiv „Ferien“? Ganz einfach: Weil Ferien als Lehrer immer etwas anderes sind als noch damals, vor einer gefühlten Ewigkeit, in der Zeit als Schüler.

Ferien sind nur anders verpackte Arbeitszeit

In diesen Ferien musste ich das Abitur vorbereiten, genauer gesagt: das Fachpraktische Abitur. Die diversen Verordnungen zur Durchführung des Abiturs geben ganz genau vor, dass exakt acht Wochen vor dem Prüfungstermin die individuell festgelegten Pflichtstücke bekannt gegeben werden. Dazu muss natürlich im Vorfeld mit den Instrumentallehrern gesprochen/geschrieben werden, um eine für den jeweiligen Schüler passende Auswahl zu erhalten. Aus diesem Fundus legt man als Kursleiter dann wiederum ein Stück fest, welches genau acht Wochen vor der Prüfung bekannt gegeben wird. Das hat in diesen Ferien satte drei Tage Organisation, Emailschreiben und Telefonate mit sich gebracht.

Dann habe ich für eine Klasse, die ich erst im zweiten Halbjahr unterrichte, einen Großteil des Materials, das sich über die letzten fünf bis zehn Jahre etabliert hat, überarbeitet, weil mir gerade in den letzten zwei Jahren immer wieder kleinere Mängel an der einen oder anderen Stelle aufgefallen sind. Diese sind nun behoben, aber es waren wieder zwei Tage.

Für meine Big Band und den vierstündigen Kurs müssen noch ein paar Stücke neu arrangiert werden. Bislang habe ich dafür nur einen kompletten Arbeitstag geopfert, aber heute und morgen werde ich noch einmal Zeit investieren müssen.

So, und das waren nur ein paar der schulischen Dinge. Aber es sind, nein waren, ja Ferien.

Kinder daheim

Was die Ferien als vermeintliche Entspannungszeit spürbar einschränkt, ist die Tatsache, dass auch die Erzieherinnen und Betreuer in Kindergarten und Hort einmal eine kleine Auszeit benötigen. Ich gönne sie ihnen vollkommen. Und doch ist es ganz schön anstrengend, wenn man sich auf die Arbeit konzentrieren will, alle drei bis fünf Minuten aber ein Kind ins Arbeitszimmer schleicht und sich mehr oder weniger gnadenlos aufdrängt.

Am harmlosesten ist die Bitte: „Darf ich mir ein Hörbuch anmachen?“ – Das gewähren wir Eltern gerne, denn wir müssen eigentlich gar nichts tun, die Kinder können das Apple TV komplett alleine bedienen.

Nur für eine sehr kurze Ablenkung sorgt: „Kannst du mir ein Ausmalbild ausdrucken?“ – „Na klar, was hättest du denn gerne?“ – „Irgend etwas mit einer Prinzessin…“ – Zwei Minuten später darf der Drucker das von DuckDuckGo gelieferte Ergebnis ausspucken – und mit etwas Glück kehrt Ruhe ein. Vorläufig.

Schlimmer ist manchmal: „Mir ist langweilig!“ – „Dann lies ein Buch!“ – „Ich habe schon zwei gelesen.“ – „Dann üb auf deinem Instrument!“ – „Das will ich aber nicht…“ – Das kann schnell gehen, wenn man zufällig etwas in den Raum wirft, was taugt, es kann aber auch ergebnislos ausgehen. Dann steigt die Gefahr einer baldigen Arbeitsunterbrechung exponentiell an.

Die endlose Suche nach DEM Rezept

Kompletter Themenwechsel, es sind (nein, waren) ja Ferien, da dürfen die Gedanken auch mal abschweifen…

Was haben pädagogische Fachzeitschriften mit den typischen Frauenzeitschriften gemeinsam? Sie kreisen beständig um die immer gleichen Themen.

Wann immer ich eine Frauenzeitschrift herumliegen sehe und die Überschriften und Ankündigungen auf dem Cover sehe, scheinen sich die Inhalte auf grob die folgenden Kategorien zu erstrecken:

  • Die aktuelle Mode für die kommende Jahreszeit.
  • Rezepte (für die aktuelle Jahreszeit)
  • Tipps zum Abnehmen (oft in Kombination mit vorigem Punkt)
  • Lebenshilfe („Wie werde ich glücklich?“ und dergleichen)
  • Prominente etc.

Pädagogische Fachzeitschriften dagegen fokussieren sich auf:

  • Änderungen an der Rechtssituation für Lehrer
  • Änderungen am Beamtenrecht (und was man dagegen zu tun gedenkt)
  • Ausschreiben von Neuwahlen für die verschiedenen Vertretergremien
  • Was macht guten Unterricht aus?

Gerade dieser letzte Punkt wird gebetsmühlenartig immer und immer wieder aus der mittlerweile völlig zugemüllten Kiste herausgeholt. Und die Tipps und Anregungen, die man als Lehrer daraus ziehen kann, sind in ihrer Summe so widersprüchlich, dass man sich am Ende ohnehin wieder ein eigenes System ersinnen muss. Und komischerweise funktioniert das dann meist gar nicht so schlecht.

Ich verstehe, warum das Thema immer und immer wieder herausgeholt wird. Permanent werden neue Experimente angesetzt, neue Ergebnisse eingefahren, neue Strukturen geschaffen. Was dabei völlig aus dem Blick gerät: Stabilität hat auch einen Wert. Und der ist meist höher als alle Experimente je einbringen könnten.

Mein direkter Vorgänger hat etwa 35 Jahre lang durchgehend an dieser einen Schule unterrichtet. Seine Methoden und Ansichten waren glasklar, seine Linie wankte nie. Jeder Schüler und jeder Kollege wusste ganz genau, woran man bei ihm war. Manche Schüler hatten natürlich ihre Probleme damit, aber noch heute merkt man genau, welche Klassen er unterrichtet hat, denn durch die Stabilität der ganzen Unterrichtsstruktur war ein Fokus auf die Inhalte gewährleistet. Und das, was bei ihm einmal gelernt wurde, saß auch Jahre später noch. Beeindruckend. Und dabei so völlig frei von pädagogischem Schnickschnack.

Ständig das Rad neu zu erfinden, hat noch niemandem geholfen. Meine erste Planstelle hatte ich an einer Modellschule, die es sich in ihren ersten fünf oder sechs Jahren zum Motto gemacht hatte, alles noch einmal neu zu erfinden – und jedes Jahr gefühlt „alles anders“ zu machen. Das war für alle Beteiligten anstrengend, führte zu unglaublich viel Verwirrung und letztlich steigerte es die Unterrichtsqualität nicht, ganz im Gegenteil: Weil man sich so stark auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen konzentrieren musste, blieb unterm Strich weniger Zeit für die Kernaufgabe: Unterricht vorbereiten und erteilen.

Daher meide ich die Lektüre von pädagogischen Zeitschriften genauso wie die von Frauenzeitschriften. Vergleichbares Schriftwerk für Männer übrigens ebenso.

 

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Marathon

Nein, nein, nein – dies ist kein Blog-Eintrag über einen bei mir anstehenden oder gerade von mir durchgeführten Marathon-Lauf. Ich habe in meinem Leben gerade einmal zwei Halbmarathons gelaufen — alle ohne Wettbewerb außen herum. Und alle beide extrem langsam. Einen eher aus der Verlegenheit, sowohl den Hin- als auch den wiederum anderen Heimweg suchen zu müssen, sodass am Ende die entsprechende Kilometerzahl erreicht war. Aber ich weiche schon wieder vom eigentlichen Thema ab, ts-ts-ts.

Der Begriff „Marathon“ wird im Deutschen ja oft so ähnlich wie der Begriff „Binge“ im Englischen gebraucht, um etwas als in seiner Geballtheit Massives darzustellen. Beispiele wären das sog. „Binge-Drinking“ (bei uns „Komasaufen“) oder Binge-Watching (das ist dann gegeben, wenn man eine komplette Staffel einer Fernsehserie von Anfang bis Ende am Stück durchguckt).

Neun Klassenarbeiten

Neun komplette Sätze Klassenarbeiten — mittlerweile zum Glück fertig korrigiert.

In diesen gerade auslaufenden zwei Wochen der Pfingstferien hatte ich einen wahren Marathon zu absolvieren: Neun komplette Sätze von Klassenarbeiten mussten korrigiert werden. „Binge Proof Reading“ also (ja, ihr Englischlehrer dürft mich dafür hauen…). Und ich hab’s geschafft.

Aber es hat mich einiges gekostet, mit geradezu verheerenden Konsequenzen für meine persönliche Fitness. Denn Korrigieren ist eine Tätigkeit, die fast ausschließlich im Sitzen ausgeführt wird. Allein die Tatsache, dass es sich immer um eine fürchterliche Zettelwirtschaft handelt, macht eine Tätigkeit, die sich bequem im Stehen oder gar in Bewegung ausführen ließe, komplett unmöglich.

Negatives

Korrekturarbeit macht schlicht und einfach keinen Spaß – klar, hier kann ich als Lehrer in gewissem Umfang „Macht“ ausüben, doch der reflektierte Umgang mit dieser Macht ist eben nichts, was man einfach so nebenher tun sollte. Besonders lästig sind am Korrigieren für mich die folgenden Elemente/Aspekte:

  • Korrekturarbeit ist monoton, denn man muss ja im Schnitt 25-30 Mal die gleiche Antwort auf ein und die selbe Aufgabenstellung lesen. Bei Parallelklassen kann das unter Umständen noch deutlich häufiger sein. Und leider treffen die Schüler nur ganz selten genau die gewünschte Lösung.
  • Das bringt mich auch gleich zum zweiten negativen Aspekt: Jede Antwort, die nicht dem Erwartungshorizont entspricht (95-99%), muss sorgfältig abgewogen werden. Schlimm ist es, wenn die Antwort gut gemeint ist, aber hoffnungslos am Ziel vorbei geht, denn da kann man dann auch mit gutem Willen nichts mehr machen.
  • Man muss sich gerade angesichts der oben erwähnten Monotonie völlig konzentrieren, sonst gibt man dem Schüler A einen Punkt auf die Information X und dem Schüler B nicht. Kaum hat man die Arbeit herausgegeben, wird verglichen — ZACK! Innerhalb von fünf Minuten stehen drei Schüler vor mir und verlangen, auch einen Punkt zu bekommen, weil „der da“ ihn ja auch für die gleiche Information bekommen hat. Klar, wenn der Rest der Antwort außen herum nicht stimmt, muss ich den Punkt zwar noch lange nicht geben – das ist der pädagogische Spielraum –, aber das Argumentieren ist halt einfach mühselig und lästig. Wenn ich es mir ersparen kann, bin ich jedes mal heilfroh.
  • Die gerade erwähnte Konzentration macht hungrig, auch wenn man körperlich fast untätig ist. Noch dazu steigt das Bedürfnis nach Belohnungen, wenn man endlich eine Arbeit oder deren Hälfte oder die ersten zehn (fünf, drei) Arbeiten geschafft hat… Fatale Geschichte für die Figur! Innerhalb der ersten sechs Klassenarbeiten (komplette Sätze, also insgesamt 150-170 Arbeiten) habe ich anderthalb Kilo zugenommen. Aua, aua, aua!
  • Korrekturarbeit ist nicht kreativ, man erschafft nichts, tauscht sich nur bedingt mit anderen aus. Kurz: Es ist eine stupide Tätigkeit, auch wenn man das Hirn dabei benutzen muss. Das macht es doppelt anstrengend.

Positives

Leider gibt es hier im Normalfall nicht so viel zu berichten, denn Korrigieren ist immer eine unangenehme Tätigkeit, die niemals hätte erfunden werden dürfen. Aber in diesen zwei Wochen entdeckte ich erstmalig auch ein paar ganz angenehme Dinge:

  • Abiturienten, die ihre letzte Klausur schreiben, können sich tatsächlich kurz fassen. Vor allem wenn sie die Note nicht mehr einbringen müssen. Manch einer von denen hat mir vorher jahrelang ellenlange Arbeiten abgeliefert, deren Durchlesen einer Herkulesaufgabe glich. Dieses Jahr dagegen begnügten sich einige (es ist ein großer Kurs mit 28 Teilnehmern) mit einem einzigen Blatt, und nicht einmal das wurde von allen komplett gefüllt. Luxus! (Also: für mich…)
  • Wenn man dann mal die ersten fünf Arbeiten am Stück durch hat, gerät man in eine Art Korrigiermodus im Gehirn. Die Art und Weise, wie man an die Sache herangeht, wird immer stromlinienförmiger, es gibt immer weniger Ablenkung, selbst wenn die Kinder im gleichen Zimmer sitzen und auf dem iPad die „Maus-App“ machen müssen. Alles egal, nur noch das Abhaken der nächsten und der nächsten und der nächsten Arbeit zählt. Und dabei schärft sich tatsächlich der Blick. Bei den ersten paar Arbeiten ist es oft noch ein Abwägen: „Zähl’ ich das noch als ganzen Punkt, kann ich einen halben geben, oder muss ich das einfach als „falsch“ anstreichen und unbepunktet lassen?“ Denn leider schafft es so gut wie kein Schüler, meinen Erwartungshorizont vollständig zu erfüllen (s.o.). Aber im Lauf der dauernden Korrekturarbeiten wird der Blick immer schärfer, was man noch zählen darf und was nicht. Und das erleichtert und beschleunigt die Arbeit. Bei der neunten Klassenarbeit war ich dann tatsächlich deutlich flinker als bei den ersten drei oder vier.
  • Meine Gewichtszunahme motivierte mich, mal wieder ein paar andere Muskelgruppen ins tägliche Sportprogramm aufzunehmen, so ging ich statt in den Keller zum Seilspringen einfach raus und absolvierte ein paar angenehme Läufe (immer so zwischen 12 und 14 Kilometer). Gestern sogar einen mit meiner Frau – zum ersten Mal seit Jahren (und es war wirklich sehr angenehm).

So, genug gejammert. Letztlich habe ich mir den Ballen Arbeiten selbst eingebrockt (die Verteilung aller Arbeiten unterhalb der Oberstufe obliegt dem jeweiligen Kollegen). Aber so ist es mit einem großen Batzen Arbeit auf einmal geschafft und zieht sich nicht über Wochen und Monate immer wieder einmal hin.

Guten Abend!

 

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Erinnert sich noch jemand…?

Erinnert sich noch jemand an die blaue Latein-Grammatik, die wir in Bayern am Gymnasium vor ca. 20 Jahren noch alle benutzen mussten? Ich meine dieses dicke Buch mit dem am Rand blau eingefärbten Mittelteil voller unregelmäßiger Verben, die man im Laufe einiger Gymnasialjahre allesamt auswendig lernen musste. Wer sich noch daran erinnert, musste vermutlich auch durch diese harte Schule. Und – hat uns das geschadet? Nein. Zugegeben, es war in gewisser Weise voll für die Katz, denn ich mache heute absolut gar nichts mehr mit Latein. Das heißt aber nicht, dass es mir nicht geholfen hat.

Ganz im Gegenteil. Dieses sture Auswendiglernen hat mir dabei geholfen, das Lernen zu lernen. Nicht in einem neumodischen Sinn, als Schulfach, bei dem einem ein Lehrer das methodische Vorgehen beim Lernen erklärt. Ich halte das –– ganz ehrlich –– für ziemlichen Humbug. Der Misserfolg beim Lernen, mit dem viele Schüler konfrontiert sind, kommt heutzutage meiner Einschätzung nach vor allem daher, dass:

  • in der Regel viel zu kurzfristig gelernt wird –– anstatt in einer Sprache jeden Tag ein bisschen zu lernen, quetschen die meisten Schüler ihr Lernpensum auf einen Tag zusammen, üblicherweise handelt es sich um den Nachmittag bzw. den (z.T. späten) Abend vor dem Tag, an dem man das Fach wieder hat. Im allerschlimmsten Fall steht am nächsten Tag die Prüfung an (dass das nichts werden kann, leuchtet allen Schülern bei Nachfrage ein, am Verhalten ändert dieses Wissen ganz offensichtlich nichts…)
  • mit Musik (oder sogar bei laufendem Fernseher) gelernt wird –– ich bin mir durchaus bewusst, dass es ganz selten Umstände gibt, bei denen die Musik einen förderlichen Einfluss auf den Lernerfolg haben kann. Im Normalfall halte ich aber jegliche Ablenkung parallel zum Lernvorgang für abträglich. Nicht ganz umsonst hat meine Generation regelmäßig mit Ohropax gelernt. Wie soll unser Gehirn sich denn auf einen Inhalt konzentrieren können, wenn permanent neue (und im Fall von Musik und Fernsehen viel verlockendere) Inhalte auf unsere Sinnesorgane einstürmen?
  • parallel Twitter und/oder Facebook (oder andere soziale Netze) offen sind. Wenn man ständig mit einem Auge auf die Timeline schielt, zieht man 20-30 Prozent der Aufmerksamkeit vom Lernen ab. Und genau diese Prozente fehlen dann bei der Reproduktion. Eine ganz einfache Rechnung. Ein „Like“ der Freunde bei Facebook entspricht zu keinem Zeitpunkt einem „Like“ des Lehrers unter der nächsten Mathearbeit.
  • es den Schülern schlicht und einfach an Sitzfleisch fehlt. Nicht im physiologischen Sinn. Ich meine das Sitzfleisch hier mental. Wer meint, dass nach zehn Minuten Vokabellernen doch schon das meiste der drei Din A4-Seiten sitzen müsste, weil man doch alles schon ein- oder zweimal durchgelesen habe, der glaubt vermutlich auch, dass das einmalige Durchlesen direkt vor der Prüfung genügt, um die volle Punktzahl zu erreichen.

Diese Liste könnte ich auch noch erweitern, möchte mich aber auf den Kern der Sache konzentrieren. Als Lehrer bin ich seit nunmehr elf Jahren tätig. Ich habe in dieser Zeit verschiedene Schulen, etliche Klassen, viele Einzelschicksale und mehrere Lehr-/Bildungsplanänderungen miterlebt. Auffällig ist dabei vor allem eines: Die früheren Nebensachen der Schule –– Klassenfahrten, Ausflüge, der zwangsläufige Eventcharakter jedes Aspekts des Schullebens, die mit viel Zeitaufwand gestaltete Verzierung der Hefteinträge sowie der Klassenzimmer etc. –– sind längst zur Hauptsache geworden. Die frühere Hauptsache –– das Lernen, die Struktur, die Zielstrebigkeit –– sind längst zu einem Nebenschauplatz degradiert worden. Kurz vor dem Abitur merken dann alle, dass es ja doch nicht so schlecht wäre, mal etwas zu tun. Entsprechend groß ist der Stress, übertroffen nur noch von der Jammerei über denselbigen.

Ich schreibe diese Zeilen ohne einen speziellen Schüler oder eine Gruppe von Schülern vor meinem geistigen Auge. Etliche Ausnahmen, die mir ebenfalls sofort einfallen, bestätigen aber eher diese Regel. Wer selbst noch die Schule besucht, kann ja einmal die Probe aufs Exempel machen: Mit einer Stoppuhr abzählen, wieviel Zeit Schüler (vor allem der unteren Klassen) auf die graphische Gestaltung eines Hefteintrags verwenden –– im Vergleich dazu, wieviel Zeit später auf das Wiederholen bzw. Lernen des gleichen Hefteintrags verwendet wird. Wenn ich eine Überschrift an der Tafel stehen habe und beginnen möchte, drei kompakte Lernsätze in die Hefte zu diktieren, muss ich meist noch eine Extra-Minute warten, bis auch die letzten die Überschrift unterstrichen und farbig hervorgehoben haben…

Das Schönschreiben (vor allem das leserliche Schreiben) ist eine nicht zu unterschätzende Tugend, wichtiger ist meiner Meinung nach aber eindeutig der Lernerfolg. Und der wird durch den massiven Zeitaufwand beim Ausmalen von Buchstaben nicht gesteigert (zumindest nicht in einem Maß, das diesen Aufwand rechtfertigen würde).

Mein Appell an alle Kollegen, Schüler, deren Eltern und Freunde: Konzentriert euch wieder auf das eigentlich zentrale Thema der Schule: Lernen. Dazu mag auch gehören, mal etwas auswendig zu lernen. Das kann dauern. Das fühlt sich möglicherweise unangenehm an. Aber es trainiert das Gehirn –– und das freut sich darüber, gebraucht zu werden.

Ich hasse es, wenn mir jemand den moralisch erhobenen Zeigefinger hinhält, aber das Motto „Ohne Fleiß kein Preis“ besteht nicht ganz ohne Grund. Amen.

 

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Für ein schwierigeres Abitur

So, gleich mit dem ersten neuen Artikel möchte ich mich etwas unbeliebt machen: Ich fordere ein deutlich schwierigeres Abitur. In der Folge werden zwangsläufig weniger Schüler das Abitur schaffen. Diejenigen, die es schaffen, werden aber mit einer gehörigen Portion Stolz auf „ihr Abitur“ verweisen.

Meine Forderung entspricht nicht dem politischen Willen der Jetzt-Zeit — und auch nicht dem der letzten 15 Jahre. Denn was in diesen letzten Jahren mit dem Abitur angestellt wurde, ist eindeutig politisch gewollt, sorgt aber nur für eine stetige Entwertung dieses einst exklusiven Schulabschlusses. Viele Gymnasiallehrer beklagen seit Jahren, dass der politisch durchgesetzte Wille, mehr Schüler zum Abitur zu führen, nicht etwa durch eine Bildungsintensivierung herbeigeführt wird. Es geht immer nur über eine Vereinfachung der Bedingungen.

Ein Beispiel: Ich bin nun seit zehn Jahren Lehrer (ich bin großzügig und zähle mein Referendariat, das im Februar 2003 begann, einfach mit dazu). In dieser Zeit wurde die Zahl der möglichen Kurse mit Unterpunktung (also einer Semesterleistung von weniger als fünf Punkten) heraufgesetzt. Früher hieß es: Fünf Kurse unter fünf Punkten: Kein Abitur mehr möglich. Vielen Dank für's Mitspielen. Tschüss! Heute heißt es: Na ja, sehen wir mal, ob der Kollege nicht noch einen Punkt springen lässt (live gehört im Lehrerzimmer). Noch dazu ist die Zahl ja schon auf acht erweitert worden. Noch ein paar Jahre und es sind zehn. Noch ein paar Jahre und man kann unbegrenzt unterpunkten. Wen kümmert's, Hauptsache ist doch, man bekommt (irgend) ein Abitur, um die Statistik zu erfüllen. Deutschland muss mehr Abiturienten hervorbringen. Das ist die politische Absicht.

Früher ging mit den scharfen Abiturregeln eine gewisse (und nicht zu unterschätzende) Exklusivität einher, die hieß: Wer ein Abitur hat, ist allgemein gebildet. Er (natürlich ist damit auch „sie“ gemeint) hat in allen belegten Fächern seine Leistungen erbringen müssen. Maximal fünf einzelne Halbjahresleistungen wurden als ausreichend (oder schlechter), keine einzige mit ungenügend bewertet.

Das schaffte damals (und schafft auch heute) nicht jeder. Deshalb war das Abitur wertvoll, exklusiv, angesehen.

Seit ein paar Jahren wird nun versucht, den Prozentsatz der Abiturienten zu steigern. Es geht nur um den Prozentsatz, mit dem sich Deutschland international brüsten will (das meinte ich oben mit der Statistik). Das anvisierte Ziel ist ehrgeizig, eigentlich kaum zu schaffen. Um den Weg dahin nicht auf die „harte Tour“ — also mit einer heftigen (und sehr teuren) Leistungsoffensive in der gesamten Bildungslandschaft — machen zu müssen, geht man den Weg des geringsten Widerstandes: Man macht einfach das Abitur leichter. So lässt sich das Ziel („mehr Abiturienten“) leichter und schneller erreichen. Gleichzeitig aber ist das erleichterte Abitur (im Volksmund auch „Turbo-Abi“ genannt) aber auch weniger wert.

Ich bin ja nun kein rückwärts gewandter Mensch, für den „früher alles besser“ war. Aber in diesem Fall muss ich sagen, dass ich eine eindeutige Fehlentwicklung sehe. Das Abitur muss meiner Ansicht nach dringend wieder schwieriger werden. Denn nur so kann es wieder zu einem Alleinstellungsmerkmal werden.

Die Suche nach einem Weg, der insgesamt auf „gesunde Weise“ mehr Abiturienten hervorbringen kann, ist eigentlich abgeschlossen. Aber er braucht Zeit, zwölf oder dreizehn Jahre mindestens. Zu viel für Politiker, die in Legislaturperioden denken. Außerdem wird so ein Konzept teuer. Denn das Erfolgsrezept sind die folgenden Eckpunkte: kleine Klassen, gut ausgebildete Lehrer, gute Ausstattung in den Schulen. Das gibt's halt nicht für nichts. Und deswegen wird immer der leichte Weg gegangen. Und deswegen wird es dann halt auch nichts. Schade auch.

 

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