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Gehört: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“

Ein Hörbuch, das mich zutiefst gespalten zurücklässt: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ von Marie Kondo

Ein Hörbuch, das mich zutiefst gespalten zurücklässt: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ von Marie Kondo

Nur selten hatte ich in den letzten Jahren bei einem Ratgeber-Hörbuch einen dermaßen gespaltenen Eindruck wie hier. Der Grund liegt nicht in den propagierten Grundsätzen der sog. „Konmari“-Methode:

  1. Alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen.
  2. Alle Dinge zum Aufräumen werden auf einem Haufen gesammelt.
  3. Entscheiden, was weggeworfen wird, aufgrund der Frage: „Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?“
  4. Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen.
  5. Alle Dinge müssen dort richtig verstaut werden.1

Diesen Grundsätzen stimme ich grundsätzlich zu. Und wie immer kommt nun das große ABER. Und im Fall dieses Buchs/Hörbuchs ist „groß“ noch eine Untertreibung, denn die esoterische Aura, die die Autorin um ihre eigentlich sehr pragmatische Methode aufbauscht, verleidet mir diese so gründlich, dass ich gegen Ende des Hörbuchs immer mehr die Lust verlor, weiter zuzuhören, geschweige denn sie anzuwenden.

Ein Beispiel für das esoterische „Geschwurbel“: Man soll den Gegenständen nach der Benutzung danken. Einen bewussten Umgang mit den Dingen, die einen umgeben, finde ich sehr gut und löblich, meinen Schuhen, dem E-Bike, der Jacke, den Handschuhen, dem Helm und allen anderen Dingen jeweils persönlich laut meinen Dank auszusprechen, geht mir aber dann doch einen Schritt zu weit. Noch dazu in der Gegenwart von anderen Menschen würde ich mir dabei schlicht und einfach „blöd“ vorkommen.

Hin und wieder ist die Methode in sich auch widersprüchlich. Ein ganz krasses Beispiel ist es, dass Marie Kondo darauf besteht, alle Umverpackungen sofort nach dem Kauf zu entsorgen, womöglich nicht einmal aus dem Geschäft mitzunehmen. Aber an anderer Stelle preist sie Schuhkartons als geradezu perfekte Helfer für die Sortierung. Wo soll man die aber herbekommen, wenn man sie schon im Laden gelassen hat? Und ganz ehrlich: Ich mag in der Küche keine Schuhkartons für die Sortierung benutzen. Da rollen sich – um Zeilenendes Worte zu benutzen – meine Fußnägel auf.

Dann gibt es da noch einen Punkt: Die Autorin ist gut zehn Jahre jünger als ich, lebt allein in einer Wohnung, die sie komplett nach ihren eigenen Bedürfnissen durchorganisiert hat. Ihr fehlt der große Störfaktor, der in einem „normalen“ und realistischen Haushalt für die meiste Unordnung sorgt: Kinder. Die gesamte Methode ist letztlich nur auf Erwachsene zugeschnitten. Bei Kindern, die nach der Schule einfach erst einmal alles von sich werfen, sich selbst nach mehrfacher Aufforderung nicht in die Lage versetzt sehen, Schuhe und Jacke aufzuräumen (obwohl Kleiderbügel und Schuhfach in weniger als einem Meter Entfernung und in bequemer Erreichbarkeit frei stehen), die ihre Schultasche/ihren Rucksack im Wohnzimmer parken und da gerne so lange belassen, bis die Eltern Druck machen, die Spielsachen ins Wohnzimmer räumen, noch mehr Spielsachen holen, noch mehr Spielsachen holen – und dann plötzlich das Haus verlassen, um mit anderen Kindern draußen zu spielen. Der Krempel liegt natürlich noch herum. Für dieses leider tagtäglich neu auftretende Problem (und alle schlaue Belehrung der Eltern wird von Kindern doch geflissentlich ignoriert) bietet sie überhaupt keine Lösung an.

Und da verlieren sich die vielen wohlmeinenden Ratschläge und die esoterische Wolke in einer Nichtumsetzbarkeit angesichts veränderter Ausgangsbedingungen. Wie ich oben geschrieben habe: An sich enthält das Buch etliche sehr gute Ideen, doch ohne die Widersprüche, vor allem ohne die esoterische Ausschmückung – und am meisten mit etwas mehr Familientauglichkeit wäre es tatsächlich Gold wert. So bleibt bei mir ein etwas schaler Beigeschmack. Papier ist halt geduldig, Hörbücher sind es auch. Ich als Hörer bin es nicht.

  1. Diese Auflistung stammt aus dem Wikipedia-Artikel zu Marie Kondo
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Wartezimmergespräche der Sorte „Nein, danke!“

Seit 1980 heißt „Rhodesien“ schon „Zimbabwe“, doch das ist noch nicht überall angekommen...

Seit 1980 heißt „Rhodesien“ schon „Zimbabwe“, doch das ist noch nicht überall angekommen…

Heute musste ich zum Arzt. Da ich keinen Termin vereinbart hatte, musste ich etwa 20 Minuten warten – was immer noch recht zügig war, denn selbst mit Termin muss man bei der einen oder anderen Praxis unter Umständen ganz schön lange warten (mein trauriger Rekord liegt bei mehr als drei Stunden für ein knapp viertelstündiges Beratungsgespräch).

Während der Wartezeit las ich auf dem iPhone, war aber aufgrund der Schmerzen etwas unkonzentriert und hörte zwangsläufig mit, was drei ebenfalls wartende Herren – durchaus gehobenen Jahrgangs – so von sich gaben. Und das war derart absurd, wäre es nicht so furchtbar dumm und unangebracht gewesen, hätte ich eigentlich nur laut über so viele unbegründete und kaum nachvollziehbare Vorurteile, wie man sie höchstens in einem AfD- oder NPD-Parteiprogramm finden sollte, lachen können. Doch eben zu diesem Lachen war mir nicht zumute, denn in besagtem Gespräch brachten die drei Herren innerhalb weniger Minuten unter vielen anderen auch die folgenden Punkte zum Ausdruck:

  • Saddam Hussein war zwar ein böser Diktator, aber er hat sein Volk wenigstens unter Kontrolle gehabt. Da gab es keine Aufstände, da herrschte noch Zucht und Ordnung. Das waren noch gute Zeiten, natürlich gut für uns, weil dementsprechend auch keine Flüchtlinge aus dem Irak nach Europa hinüber geschickt wurden.
  • Afrika ging es im Zustand als Kolonie der europäischen Kolonialmächte viel besser. Das Argument dafür könnte ich jetzt wieder aus dem vorigen Punkt herauskopieren, müsste nur halt den Saddam weglassen: Unter der Herrschaft der Briten, Franzosen, Deutschen, Niederländer usw. ging es „denen da unten“ ja eigentlich viel besser, weil denen dann endlich einmal jemand gesagt hat, wo’s langgeht. Seitdem diese alten Herrschaftsstrukturen weg sind, zerfällt das Land. Als Resultat der Kriege kommen haufenweise Flüchtlinge nach Deutschland, die hier herumschmarotzen.
  • Am wirklich amüsantesten war das Beispiel, das einer der Herren (locker Ende 60, eher Mitte 70) wählte: Rhodesien. Rhodesien??? Das Land ist seit 1980, also seit 36 Jahren, unabhängig von Großbritannien. Seitdem heißt es nicht mehr Rhodesien sondern Simbabwe (oder Zimbabwe). Der Typ argumentierte also tatsächlich mit einem Zustand von vor fast 40 Jahren!

Ganz klarer Fall: Diese drei Herren haben komplett verpasst, dass unsere Welt etwas vernetzter und komplizierter geworden ist und sich – mit den Worten Roland Deschains – „weiterbewegt“ hat. Am liebsten würden Sie die Zeit wieder zurückdrehen zu den einfacheren Zeiten von damals, als es noch die D-Mark gab, als die DDR uns noch die Ein-Euro-Jobber vom Hals gehalten hat, als VW noch einen Ruf als Erbauer umweltfreundlicher Autos hatte, als die Rente noch luxuriös hoch war, kurz: als wir noch die (vermeintlichen) Herren der Welt waren.

Zum Glück wurde ich da auch schon aufgerufen und von diesem hohlen Geschwätz erlöst. Am schlimmsten für mich war die Erkenntnis, dass genau solche Menschen in Großbritannien für den Brexit gestimmt hatten. Käme es in Deutschland jemals zu einer solchen Volksentscheidung, ob wir ein Teil Europas bleiben wollen oder nicht, diese Typen würden sofort für Donald Trump, äh, nein, das war etwas anderes… Also: Diese drei Herren würden sicher gegen einen Verbleib Deutschlands in der EU stimmen. Denn nur so könnte ihre Rente schnell wieder auf das Niveau von vor 30 Jahren steigen. Ganz sicher. Gaaaanz sicher.

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Das waren Zeiten…

Heute habe ich mit meinen Kindern den wunderbar absurden Film „Die rechte und die linke und rechte Hand des Teufels“ mit Bud Spencer und Terence Hill angesehen, der vor ein paar Tagen zum gefühlt hundertsten Mal im Fernsehen ausgestrahlt worden war. Bud Spencer und Terence Hill waren in gewisser Weise die Helden meiner Jugendzeit. Die Filme mit diesen beiden — stets in einer Hassliebe untrennbar miteinander verbundenen — Gaunern waren so schön einfach gestrickt (eigentlich wartete man ja immer nur auf den geringsten Anlass, der im Film wieder zu einer zumindest aus Kindersicht wunderbar choreographierten Keilerei führte, bei der Bud Spencer dann sein Markenzeichen, den Kopfhammer, einsetzen konnte), dass wir selbst als Fünfjährige wie gebannt — und vor Vergnügen quietschend — auf den Fernseher starrten. Damals übrigens noch ohne Werbepausen…

(Hm, da fällt mir gerade wieder ein, dass wir damals ja auch nur drei Programme empfingen: ARD, ZDF und BR3. Daran merke ich schon wieder: ich werde alt.)

Heute kann ich kaum mehr als fünf bis zehn Minuten von solchen Filmen am Stück ertragen, ohne mich fast schon gequält nach einer lohnenderen Tätigkeit umzusehen. Aber nur fast, denn ein gutes Maß an Nostalgie schwingt da immer mit. Und es gibt ja auch krasse Qualitätsunterschiede zwischen den (wirklich gelungenen) mit komödiantischen Elementen durchzogenen Italo-Western wie dem oben schon erwähnten „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ und den (extrem schlechten) Klamaukfilmen wie beispielsweise „Aladin“ (da fehlt Terence Hill zu seinem großen Glück).

Dennoch steht für mich fest: Die Zeiten für solche Filme sind eigentlich vorbei — und das ist auch gut so.

 

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Ich mag Wikipedia

In der Schule habe ich viele Kollegen, die ein sehr pauschales Urteil über Wikipedia gefällt haben und davon — aus meiner Sicht leider — auch nicht mehr abweichen (wollen oder werden): „Wikipedia ist schlecht.“ Seltsam. Ich finde Wikipedia gut. Klar: Dass man bei einer offenen Plattform, die in der Tat von jedem ans Internet angeschlossenen Menschen verändert werden kann, bei brandaktuellen und kontrovers diskutierten politischen Themen (z.B. Palästina-Israel-Frage, Syrien-Konflikt etc.) kein wirklich ausgeglichenes Urteil erwarten darf, liegt auf der Hand. Aber gerade Bereiche wie die Musik bereits vergangener Epochen — da kenne ich mich halt ganz gut aus und darf mir auf der Grundlage eines 15 Semester langen Musikstudiums wohl auch ein fachkundiges Urteil anmaßen — sind in vielerlei Hinsicht absolut exzellent. Oft findet man hier auch ein recht spezielles Wissen, dass sonst nur in teurer und schwer zu beschaffender Fachliteratur zu zugänglich wäre. Wenn man dann auch noch ein bisschen des Englischen mächtig ist, kann man mit ein bisschen Geschick in der Suche selbst zu exotischen Stücken oder Interpreten noch Informationen auftreiben, die aufgrund ihrer Marginalisierung wohl kaum jemals in einer gedruckten Enzyklopädie auftauchen würden.

Nun möchte ich auch wieder nicht falsch verstanden werden: Wikipedia ist kein Allheilmittel. Aber es ist in den meisten Fällen ein exzellenter Startpunkt. Binnen weniger Minuten kann man sich einen Überblick über ein Thema verschaffen. Durch die klare Gliederung ist es auch möglich, gezielt Unterthemen anzuspringen. Und am Ende werden in den meisten Fällen passende Links zusammengetragen, die ein weiteres Erforschen des Themas ermöglichen. Wie ich schon sagte: Exzellent als Startpunkt. Im Gegensatz zu Kollegen, die den Schülern verbieten (wollen), Wikipedia zu nutzen, die auch keine Wikipedia-Links in den Quellen-Angaben sehen wollen, macht mir das überhaupt nichts aus — solange Wikipedia nicht die einzige Quelle ist.

Ganz ehrlich: Für mich ist Wikipedia die bevorzugte erste Anlaufstelle. Bin ich mir nicht sicher, ob die Informationen zuverlässig sind, vergleiche ich den deutschen mit dem englischen Artikel, denn die sind ja prinzipiell immer von unterschiedlichen Autoren (ein sehr passendes Beispiel für die unterschiedliche Qualität in den verschiedenen Sprachversionen ist der Artikel über den Komponisten Igor Strawinsky: deutsch und englisch). Alternativ gibt es noch die Google-Suche, deren Ergebnisse mit denen von Wikipedia verglichen werden können. Bin ich dann immer noch nicht sicher, gibt es auch noch gedruckte Fachliteratur. Doch in den letzten Jahren bin ich bei dieser Vorgehensweise fast nie enttäuscht worden.

Auf dem Mac benutze ich ein sog. Wikipedia-Frontend namens Wikibot, auf dem iPad Articles. Die Vorteile solcher Programme liegen auf der Hand:

  1. Es gibt einen Verlauf, sodass der Wechsel zu früheren Artikeln sehr schnell und bequem geht. Alternativ kann ich bei Articles mehrere Artikel in verschiedenen Tabs offen halten und dann schnell zwischen ihnen hin und her springen.
  2. Der Wechsel zwischen verschiedenen Sprachversionen ist schnell (mit einem Klick/Tippen) zu erreichen.
  3. Die Gliederung kann in einer Seitenleiste angezeigt werden. So ist das Springen zwischen den Abschnitten besonders flink.

Wikipedia funktioniert ohne genauso gut, aber so ein Frontend ist einfach bequem, vor allem für Leute wie mich, die viel damit arbeiten.

Fazit: Mit etwas Köpfchen eingesetzt ist Wikipedia eine absolut feine Sache.

P.S.: Die Abbildung oben habe ich mit der Mac-App Wordify erstellt.

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