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Song des Tages (218) – 2017-04-18

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Lisa Hannigan habe ich zum ersten Mal als Interpretin eines Bob Dylan-Songs („The Times, They Are A-Changing“) wahrgenommen, wo ihre charismatische Stimme so fantastisch zur Stimmung des Songs beitrug, dass ich mir glatt eines ihrer Alben zulegte. Auch dieses gefiel mir ausnehmend gut, vor allem der Opener, der gleich einmal in einem sympathisch hinkenden 5/4-Takt daherkommt. Und so wurde er gleich einmal zum heutigen Song des Tages: „Ocean And A Rock“ von Lisa Hannigan:

Hm, bei diesem Song möchte man sich gleich in einer ruhigen Ecke auf dem Sofa ausstrecken und diesen fantastischen Klang immer und immer wieder genießen.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlistfreigegebenen Apple Music-Playlist.

„Geh‘ doch nach Hause!“ – Wo soll das sein?

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Sophieleben

Laut Schätzungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind bereits im vergangenen Jahr 202834 Asylanträge entgegengenommen worden, dieses Jahr (Januar bis Juni) schon 179037, die Anzahl also tendenziell steigend. Immer mehr Menschen fliehen aus syrischen, afghanischen und iranischen Gebieten in das Rettungsboot Deutschland. Oder eher eine rettende Insel? Wohl kaum.

Mit der steigenden Anzahl von Asylbewerbern, die nach Deutschland kamen, ihre Heimat aus purer Todesangst verließen, stieg auch ein bedrohlicher Trend im Internet. Während Familien zerrissen wurden, Menschen starben, verstümmelt wurden, ganze Dörfer und Städte mit Bomben dem Erdboden gleich gemacht werden gewinnt eine Partei an Zulauf, die bedrohlicher nicht sein könnte.

Bereits seit einigen Tagen lese ich auf meiner Facebook-Startseite immer öfter, dass Menschen aus meiner Freundesliste Beiträge der NPD gefallen. Diesen wird natürlich sofort die Freundschaft gekündigt und der Inhalt der Beiträge gemeldet. Gefeiert werden auf dem Facebookprofil der besagten Partei Videos, mit denen dokumentiert wird, wie eine IMG_1960bosnische…

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Polit-Orakel

Ein absoluter Volltreffer!

Unerhörte Worte

Ob es wohl einen Unterschied gibt zwischen Politikern und Politiker-Darstellern? Und ob! Die einen haben politische Ambitionen, strategischen Weitblick und – damit ist die Dreieinigkeit dann komplett – diplomatisch-taktisches Feingefühl. Die andern haben… hier muß man unterscheiden: die anderen haben politische Ambitionen, strategischen Weitblick und diplomatisch-taktisches Feingefühl, zumindest in ihrem Selbstverständnis; von außen gesehen erscheinen sie eher als visionslose Krämerseelen (ohne politische Ambitionen und bar jeden diplomatischen Takts), als kleinliche Beamtenseelchen, als pingelige Staubwedel in einer großen Institution…

Und da ist noch Griechenland. Im Grunde sind die Fakten zwar schwerwiegend, aber durchaus überschaubar. In einem Kommentar zu diesem Beitrag hatte ich vor ein paar Stunden formuliert: „Ein Grexit ist juristisch nicht möglich. Jedenfalls zur Zeit. Bis an dieser Stellschraube gedreht wird, werden noch ein paar Jährchen vergehen. Aber derzeit haben sich die EU- und die Euro-Oberen verdammt weit aus dem Fenster gelehnt. Sie haben geschulmeistert, was das Zeug hielt, und…

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Baum – Buch – Baum

Gerade bin ich in meiner WordPress-Timeline (nennt man das da auch so?) über diese herzerwärmende Idee gestolpert. Wow! Wenn es so etwas hier in Deutschland gäbe, würde ich jedem Kind im Bekanntenkreis zur Geburt ein solches Buch schenken. Die Idee ist wirklich so fantastisch, ich bin völlig von den Socken!

Akatalepsie.

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Der argentinische Kinderbuch-Verlag Pequeno Editor (der – nebenbei bemerkt – ein ganz fantastischer ist*)hatte die wundervolle Idee eines Buches, aus dem ein Bäumchen wächst, wenn man es „einpflanzt“. Ein Jacaranda-Baum, um ganz genau zu sein.
Ganz getreu dem Motto:

„Books come from trees. Today, a tree comes from a book.“

So eine bezaubernde und herzerwärmende Idee.
Und das haben sich Menschen ausgedacht!
Manchmal mag ich euch, Leute! 

*HIERkönnt ihr euch einfach mal die Buchcover des Verlages anschauen. Ich hab Herzchen in den Augen!

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Bücher mal anders (Video): Die Buchkunst von Brian Dettmer

Meine geschätzten Kollegen vom Private Readers Book Club in der Schweiz haben etwas derart faszinierendes gefunden, dass ich das hier „rebloggen“ musste…

The Private Readers

leider keine deutschen Untertitel vorhanden.

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Kurioses im Alltag

Es gibt ja immer wieder mal Sachen, die sind toll, passen aber einfach manchmal nicht. Unser Großer (9) summt seit mindestens einer Woche fast permanent »Maria durch ein Dornwald ging«, wenn er Gitarre übt, spielt er die Melodie…

Ich mag das Stück auch, sehr sogar. Eigentlich halte ich es für das schönste Adventslied überhaupt. Aber halt nicht im Mai!

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Dinge, die so richtig „Spaß“ machen

Der Woodport in Einzelteilen

Heute sollte er eigentlich stehen, der neue Carport. Bevor ich dazu komme, warum ich den heutigen Eintrag so komisch beginne: Die Bezeichnung „Carport“ ist zugleich korrekt und irreführend, denn unser Auto hat schon einen Carport, einen richtig großen und schönen, mit dem wir mehr als zufrieden sind, es gibt gar nichts daran auszusetzen. Aber da wir im Winter überwiegend mit Brennholz heizen, muss das Holz ja auch irgendwo trocken gelagert werden. Es geht dabei nicht um ein oder zwei kleine Kistchen Holz, nein wir verheizen im Winter gut und gerne vier Raummeter Buchenholz. Klingt nach wenig, ist aber recht umfangreich. Das muss irgendwo gelagert werden. Und genau zu diesem Zweck sollte heute der Carport aufgebaut werden. Eigentlich könnte er ja nun auch „Woodport“ heißen…

Im Lauf der letzten Wochen haben meine Frau und ich den Platz dafür mit Schotter aufgefüllt, die Balkenanker für den Woodport einzementiert, den Schotter mittels einer Rüttelplatte verdichtet, eine Schicht Split darüber geschüttet, dann noch die Pflastersteine gesetzt. Alles war fertig, es fehlte nur noch das Errichten des Woodports. Und das sollte heute geschehen. Gestern wurde extra zu diesem Zweck eine Handkreissäge angeschafft. Und heute früh, kurz nach acht Uhr, standen wir dann also bereit. Es wurde abgemessen, dann war gleich wieder ein Gang zum Baumarkt nötig, da wir keinen Holzbohrer mit 12 bzw. 14 Millimetern Durchmesser besaßen. Erledigt. Gehört uns. Löcher gebohrt. Passt.

Doch dann merkten wir irgendwann, dass die Beschläge, die mitgeliefert worden waren, nicht ganz passen konnten. Einerseits verlangte die Aufbauanleitung zum Fixieren der Dachträgerbalken (die sind sehr lang und bestehen aus Gründen der Lieferung aus drei Stücken) acht Lochplatten, die dann an den vier Überlappungsstellen von zwei Seiten anzuschrauben wären. Dafür waren aber vier Lochplatten zu wenig in der Packung. Dann fehlten Schrauben, mittels derer die Balken an den Balkenfüßen fixiert werden sollen. Kurzum, wir merkten, dass uns das falsche Beschläge-Set geschickt worden war. Ein kurzer Kontrollblick in den Papiermüll zeigte uns, dass die Kiste außen korrekt („Eco 2“) beschriftet worden war — nur passte der Inhalt nicht dazu (es lag sogar ein kleiner Zettel mit „Eco 1“-Aufschrift innen). Dämlich!

Nach einem kurzen Telefonat mit der Firma, bei der das komplette Set bestellt worden war, wurde uns versprochen, dass ein neues Set schon auf dem Weg sei. Guter Service, keine Klagen von meiner Seite. Doch das dauert dann wieder ca. eine Woche, in der wir mit halb montierten Einzelteilen warten. Und das ärgert mich. Denn in der Woche hätte ich schon das Holz bestellt, gehackt und einsortiert. Oder andere schöne Sachen gemacht. Ein unvollendetes Projekt liegt einem aber immer irgendwie schwer im Magen, das lässt mich nicht wirklich zur Ruhe kommen.

Ich bin mir sicher, dass man hierfür keiner der am Versand beteiligten Personen einen Vorwurf machen kann, denn außen war die Schachtel so etikettiert, dass es zu unserem Modell gepasst hätte. Der Typ aber, der das verbockt hat, den soll — mit den Worten von Hennes Bender — der Blitz beim Kacken treffen!

 

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Genau das Gegenteil?

Morgen möchte einer meiner Schüler ein Referat halten über eine Deutschrock-Gruppe namens Frei.Wild (http://de.wikipedia.org/wiki/Frei.Wild). Ich kannte die Gruppe bis vor ein paar Tagen überhaupt nicht, auch sonst habe ich mich bisher noch sehr wenig mit dem Phänomen „Deutschrock“ auseinandergesetzt, ich erhebe also nicht den Anspruch, ein Szenekenner zu sein. Der Schüler, der sich das Thema selbst ausgesucht hat, erzählte mir beim Vorgespräch zu seinem Referat ein paar Details. Zum Beispiel, dass die Band oft in die rechtsextreme Schiene eingeordnet würde, was aber gar nicht stimme, denn sie distanziere sich sehr deutlich von Extremismus und Nationalismus.

Aha. Das klang irgendwie komisch: Eine Band, die sich offensichtlich darüber definiert, was sie nicht ist, obwohl alle behaupten, sie sei es. Ein bisschen verwirrend, dieses Vorgehen passt meiner Einschätzung nach aber perfekt zu einer Band, die versucht, sich in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren, um von dort aus Stück für Stück nach rechts zu treiben. Und die vorher gewonnenen Fans gehen vermutlich einfach mit, eignen sich das Gedankengut weiterhin an und verbreiten es. Auf diese Weise könnte der Nationalismus so hoffähig gemacht werden, dass er letzten Endes dem Extremismus irgendwann einmal wie selbstverständlich die Türen öffnen könnte.

Klingt drastisch, gell? Ich denke dennoch, dass es zutreffend ist. In dem Film „Dante's Peak“ gibt es ein schönes Zitat: „Setzt man einen Frosch in kochendes Wasser, springt er sofort heraus. Setzt man ihn in kaltes Wasser und erhitzt es langsam, wird er so lange sitzen bleiben, bis er darin stirbt.“ (Paraphrase, ich habe jetzt nicht extra den Film angemacht, um das genaue Zitat zu notieren…)

Genauso ist es hier doch auch: Die Fans gewöhnen sich an die markigen Sprüche, an die einfache, stark auf die gewollte Thematik reduzierte Weltsicht (mit den typischen Parolen: „Wir sind gut, die anderen sind böse.“ — „Die da oben/das System gegen uns.“ — „Wir sind wenige, die sich gegen die Übermacht der Andersdenkenden verteidigen müssen.“). Am Anfang sind die Sprüche noch weitgehend unverfänglich, haben allenfalls ein „Geschmäckle“, sind auf jeden Fall zu vage, um sie gleich als extremistisch abzutun. Doch dann gewöhnt man sich an diesen Tonfall. Dann wird eins draufgelegt, wieder gewöhnt man sich (als treuer Fan!) an diesen Tonfall — und so weiter.

Treibt man das Spiel ein paar Alben und/oder ein paar Jahre weiter, werden die Sprüche sicher noch eindeutiger, kräftiger und fordernder. Stiege man erst jetzt ein, würde man gleich rufen: „Was für eine Nazi-Kacke ist denn das?“ Nicht so jene, die dann schon seit einigen Jahren an diese Art der Sprache gewöhnt sind. Und genau da kommt das Zitat mit dem Frosch wieder ins Spiel. Im Moment bleibt die Band noch (weitgehend) in der Grauzone, die meisten Sprüche kann man nicht so eindeutig als nationalistisch einordnen (auch wenn für mich die Tendenzen eindeutig erkennbar sind). Was in zwei Jahren, in fünf, in zehn? Werden sie dann immer noch so halbseiden klingen?

Wer sich einen guten Eindruck verschaffen will, dem empfehle ich den Song „Wahre Werte“ (schon der Titel hat für mich ein „Geschmäckle“), das Video ist auf YouTube unter der folgenden Adresse zu finden: http://m.youtube.com/watch?v=Ki_D9JjmdzE (es wurde anscheinend von der Band selbst eingestellt).

Zum Glück verlinkt YouTube gleich daneben ein weiteres Video, eine kritische Reportage des NDR über Frei.Wild und das von ihr propagierte Gedankengut, das von den Fans der Band gleich einmal als Hetzbericht stigmatisiert wurde. Darin werden ähnliche Fragen aufgeworfen, ähnliche Parallelen aufgezeigt, wie ich es in den Absätzen oben versucht habe: http://m.youtube.com/watch?v=kpc6ujWpgbk&feature=related — ich halte den Bericht für weitgehend gelungen, da er Argumente für beide Seiten aufzeigt und die schleichende Gefahr zur Sprache bringt, die auch ich empfinde (s.o.).

Es ist sicher eine absolute Gratwanderung, die die Band unternimmt, für mich überschreiten sie die Grenze eindeutig, für andere vermutlich (noch) nicht. Es hat mich jetzt ein paar Tage beschäftigt, daher mussten diese Zeile mal geschrieben werden. Mal sehen, was in der Stunde morgen daraus wird. Sollte es spannende Details geben, kann ich ja berichten. Noch spannender ist es vermutlich, in zwei Jahren noch einmal nachzusehen, wie sich die Band entwickelt hat, wo sie sich dann positioniert.

 

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Selbst schuld!

Ich habe gerade eine absolute Horror-Woche hinter mir, in der ich satte 12 Klassenarbeiten korrigiert habe. Genauer gesagt: Die Klassenarbeiten von 12 unterschiedlichen Klassen von ca. 25 Schülern pro Klasse. Lustigerweise darf ich gar nicht motzen über den damit verbundenen — horrenden — Arbeitsaufwand, denn dass es so geballt kam, war einzig und allein meine eigene Schuld!

Mit Beginn des Schuljahres habe ich an einer neuen Schule meine Arbeit aufgenommen, worüber ich sehr froh bin. Bedingt durch die vielen neuen Umstände habe ich das Eintragen der Klassenarbeiten sehr — nein, zu — lange hinausgezögert. Und als es dann endlich soweit war, dass ich mit meinem iPad in der Hand vor dem riesigen Plan im Lehrerzimmer stand, waren nur noch Termine nach den Weihnachtsferien frei. Da am 25. Januar Notenschluss war, setzte ich mich mit den Klassenarbeits-Terminen zwischen dem 7. und dem 11. Januar einem dezenten Korrekturzeitdruck aus.

Auf der anderen Seite muss ich nun aber auch sagen: Besonders schlimm war es eigentlich nicht, die zeitliche Nähe der vielen Korrekturen führte teilweise zu einer enorm erhöhten Geschwindigkeit beim Korrigieren, mein Blick für die feinen Details wurde teils extrem geschärft, gerade was die besonders guten und die besonders schlechten Arbeiten anging. Das sind nicht zu vernachlässigende Elemente, die man in die Waage werfen muss, wenn es an die anstehende Entscheidung — „Alle auf einmal“ oder „Eine nach der anderen“? — geht.

Dennoch, ich habe mich entschlossen: Im zweiten Halbjahr, das mit der ersten vollen Februarwoche beginnt, werde ich mir verteilte Termine für die anstehenden 17 Klassenarbeiten suchen. Sonst müssen zu viele Elemente des Alltags liegen bleiben, die Tage werden zu lang (und die Nächte zu kurz) — das macht einfach zu wenig Spaß!

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Für ein schwierigeres Abitur

So, gleich mit dem ersten neuen Artikel möchte ich mich etwas unbeliebt machen: Ich fordere ein deutlich schwierigeres Abitur. In der Folge werden zwangsläufig weniger Schüler das Abitur schaffen. Diejenigen, die es schaffen, werden aber mit einer gehörigen Portion Stolz auf „ihr Abitur“ verweisen.

Meine Forderung entspricht nicht dem politischen Willen der Jetzt-Zeit — und auch nicht dem der letzten 15 Jahre. Denn was in diesen letzten Jahren mit dem Abitur angestellt wurde, ist eindeutig politisch gewollt, sorgt aber nur für eine stetige Entwertung dieses einst exklusiven Schulabschlusses. Viele Gymnasiallehrer beklagen seit Jahren, dass der politisch durchgesetzte Wille, mehr Schüler zum Abitur zu führen, nicht etwa durch eine Bildungsintensivierung herbeigeführt wird. Es geht immer nur über eine Vereinfachung der Bedingungen.

Ein Beispiel: Ich bin nun seit zehn Jahren Lehrer (ich bin großzügig und zähle mein Referendariat, das im Februar 2003 begann, einfach mit dazu). In dieser Zeit wurde die Zahl der möglichen Kurse mit Unterpunktung (also einer Semesterleistung von weniger als fünf Punkten) heraufgesetzt. Früher hieß es: Fünf Kurse unter fünf Punkten: Kein Abitur mehr möglich. Vielen Dank für's Mitspielen. Tschüss! Heute heißt es: Na ja, sehen wir mal, ob der Kollege nicht noch einen Punkt springen lässt (live gehört im Lehrerzimmer). Noch dazu ist die Zahl ja schon auf acht erweitert worden. Noch ein paar Jahre und es sind zehn. Noch ein paar Jahre und man kann unbegrenzt unterpunkten. Wen kümmert's, Hauptsache ist doch, man bekommt (irgend) ein Abitur, um die Statistik zu erfüllen. Deutschland muss mehr Abiturienten hervorbringen. Das ist die politische Absicht.

Früher ging mit den scharfen Abiturregeln eine gewisse (und nicht zu unterschätzende) Exklusivität einher, die hieß: Wer ein Abitur hat, ist allgemein gebildet. Er (natürlich ist damit auch „sie“ gemeint) hat in allen belegten Fächern seine Leistungen erbringen müssen. Maximal fünf einzelne Halbjahresleistungen wurden als ausreichend (oder schlechter), keine einzige mit ungenügend bewertet.

Das schaffte damals (und schafft auch heute) nicht jeder. Deshalb war das Abitur wertvoll, exklusiv, angesehen.

Seit ein paar Jahren wird nun versucht, den Prozentsatz der Abiturienten zu steigern. Es geht nur um den Prozentsatz, mit dem sich Deutschland international brüsten will (das meinte ich oben mit der Statistik). Das anvisierte Ziel ist ehrgeizig, eigentlich kaum zu schaffen. Um den Weg dahin nicht auf die „harte Tour“ — also mit einer heftigen (und sehr teuren) Leistungsoffensive in der gesamten Bildungslandschaft — machen zu müssen, geht man den Weg des geringsten Widerstandes: Man macht einfach das Abitur leichter. So lässt sich das Ziel („mehr Abiturienten“) leichter und schneller erreichen. Gleichzeitig aber ist das erleichterte Abitur (im Volksmund auch „Turbo-Abi“ genannt) aber auch weniger wert.

Ich bin ja nun kein rückwärts gewandter Mensch, für den „früher alles besser“ war. Aber in diesem Fall muss ich sagen, dass ich eine eindeutige Fehlentwicklung sehe. Das Abitur muss meiner Ansicht nach dringend wieder schwieriger werden. Denn nur so kann es wieder zu einem Alleinstellungsmerkmal werden.

Die Suche nach einem Weg, der insgesamt auf „gesunde Weise“ mehr Abiturienten hervorbringen kann, ist eigentlich abgeschlossen. Aber er braucht Zeit, zwölf oder dreizehn Jahre mindestens. Zu viel für Politiker, die in Legislaturperioden denken. Außerdem wird so ein Konzept teuer. Denn das Erfolgsrezept sind die folgenden Eckpunkte: kleine Klassen, gut ausgebildete Lehrer, gute Ausstattung in den Schulen. Das gibt's halt nicht für nichts. Und deswegen wird immer der leichte Weg gegangen. Und deswegen wird es dann halt auch nichts. Schade auch.

 

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