Ratgeber gibt es viele…

Literatur zum Thema
Meine private Bibliothek zu diesem Themenkomplex

Wenn man sich in Buchläden, bei Amazon oder iBooks umguckt, scheint es eine nie versiegende Anzahl von Ratgebern zu allen möglichen Themen zu geben. Auch das weite Themenfeld der Musik, insbesondere das Üben, werden dabei nicht ausgespart. Ich persönlich habe keine besonders große Affinität zu dieser Art von Ratgebern, denn Papier ist geduldig, schreiben kann man viel, wenn der Tag lang ist – und vor allem: ob das, was sich in gedruckter Form gut liest, dann auch in der Praxis umsetzen lässt, ist wiederum eine ganz andere Geschichte.

Inventur im eigenen Bücherregal

Dennoch wollte ich mal kurz Inventur machen: In meinem Bücherschrank im Arbeitszimmer fand ich immerhin vierzehn Bücher mit einem direkten Bezug zum Üben (gemeint ist: Üben, Proben und/oder Auftreten ist das hauptsächliche Thema des jeweiligen Buchs) und nochmals vier, die das Thema zumindest deutlich anschneiden (z.B. ein Buch über die „Psychologie des Instrumentalunterrichts“). Das ist dann doch eine ganze Menge zu einem vermeintlich einfachen Thema.

Ich beschränke mich bei den folgenden Ausführungen erst einmal auf die vierzehn erstgenannten Bücher, denn diese sind ja direkt auf das Üben bezogen. Diese vierzehn Bücher könnten kaum unterschiedlicher sein: Das kürzeste Exemplar ist die komprimierte Kurzfassung einer Studie (Umfang: 33 Seiten im Din A5-Format), das längste ist ein gebundenes Buch in englischer Sprache (Umfang: 271 Seiten).

Erfahrungen mit den Büchern

Ich habe in alle Bücher zumindest hineingelesen. Manche waren faszinierend geschrieben, die konnte man sowohl anwenden als auch leicht lesen, andere waren geradezu krampfhafte Ansammlungen chaotisch zusammengewürfelter Tipps und Ratschläge, die sich gegenseitig widersprachen (z.B. wenn auf der linken Buchseite steht: „Immer im Originaltempo üben, damit man sich dieses möglichst intensiv einprägt!“ und die rechte Seite dagegen hält: „Unbedingt langsamer üben, um immer die volle Kontrolle über jeden Teil der Bewegungsausführung zu behalten!“ – wie soll man das nun anwenden?), andere waren in ihrer Herangehensweise schlicht zum Kaputtlachen (für Kenner: „Effortless Mastery“ von Kenny Werner, schon der Titel ist ein Widerspruch allererster Güte, fast so gut wie „Die McDonalds-Diät“) oder aber auf ästhetischer Ebene sehr ansprechend (so hatte man schon allein aufgrund der Aufmachung des Buchs Lust, es immer wieder in die Hand zu nehmen).

Persönliches Fazit

Interessant ist, dass bei allem, was da geschrieben steht, eine innere Überzeugung in mir gereift ist, die bislang keiner der Autoren widerlegen oder „ausstechen“ konnte: Wenn es was werden soll, muss man sich hinsetzen und so lange daran arbeiten/üben, bis es klappt. Nichts anderes hilft.

Klingt nach Pädagogik pur, gell? Jetzt aber mal Spaß beiseite: Hat schon mal jemand von einem erfolgreichen Musiker gehört, der besonders viele Bücher über das Üben gelesen hat? Eher nicht so. Wohl aber haben etliche Leute schon von Musikern gehört und gelesen, die Tag für Tag etliche Stunden Übezeit abgerissen haben. Und das ist nun einmal das Rezept zum Erfolg: Harte Arbeit.

Anekdoten-Zeit

Eine kleine Anekdote aus meinem eigenen Leben: Ungefähr in der zehnten Klasse war bei mir der Entschluss gereift, die Musik zum Zentrum meines beruflichen Lebens zu machen. Ab da übte ich Tag für Tag mindestens drei Stunden, während der Kollegstufe, damals also Klasse 12 und 13, kam ich auf ca. vier bis fünf Stunden. Im Studium stieg das auf z.T. über sieben Stunden an. Jeden Tag. Und komischerweise hatte ich während des ganzen Studiums keinen Bedarf für derlei Ratgeber über das Üben. Wenn etwas nicht ging, blieb ich einfach so lange stur dabei, bis es ging.

Einmal im Unterricht nahm mein Professor ein herumliegendes Übetagebuch (auch eine Sache, die ich nie führen musste, um meine Ziele zu erreichen) eines Kommilitonen zur Hand, blätterte interessiert und durchaus belustigt darin. Plötzlich legte er es weg und sagte nur: „Der übt zu wenig.“ Der Kollege, um den es ging, war absolut kein schlechter Trompeter, aber er litt gerade zu der Zeit an ein paar Ansatzproblemen. Üben und Spielen waren für ihn dadurch etwas mühsamer als für die meisten anderen – eine frustrierende Situation. Aber der einzig sinnvolle Weg aus dieser Krise war nun einmal, viel zu üben und zu spielen. Nur so konnte sich der Körper auf die veränderten Bedingungen einstellen und sie so verinnerlichen, dass sie auch „live“, unter Druck und ohne zusätzlichen gedanklichen Aufwand abrufbar wurden. Und dafür übte er damals zu wenig.

Streichholzmethode

Sollte einer meiner vielen Leser auch ein Musiker sein, kann ich eine Übemethode vorschlagen, die wirklich garantiert funktioniert (vorausgesetzt, man schaltet auch das Hirn ein):

  • Man nehme eine Packung Streichhölzer und leere sie auf den Tisch aus, die leere Packung stelle man sich hin.
  • Dann wird geübt, zuerst nur in dem Tempo, in dem die Stelle, um die es geht, auf jeden Fall funktioniert.
  • Für jeden erfolgreichen Durchgang wandert ein Streichholz in die leere Schachtel hinein. Bei jedem fehlerhaften Durchgang fliegt eines (verschärft: zwei oder drei, für die ganz Harten: alle) wieder raus.

Ich garantiere: Wenn die Packung voll ist, läuft die Stelle. Und damit es nicht heißt: „Ja, auf dem (virtuellen) Papier klingt das ja immer toll, wie schaut es mit der Praxis aus?“ Ich habe diese Methode für mich selbst schon oft angewandt, auch einige Schüler mussten schon da durch — es fühlt sich im jeweiligen Moment katastrophal an, aber so wird die frisch angelegte Spur im Gehirn gleich so durchlässig gemacht, dass es dann wirklich gut sitzt.

Klingt ein bisschen nach „Holzhammer“, ist es sicher auch – dafür klappt’s damit auch wirklich.

 

Musikalischer Nonsens

Heute habe ich wieder geübt, insgesamt kam ich mit der Trompete auf 56 Minuten reine Spielzeit. Kein Vergleich zum Studium, aber besser als nichts — und effektiv war es auch. Insofern gibt es keinen Grund zum Klagen.

Beim Üben habe ich jedoch etwas entdeckt, das mir in der Vergangenheit auch schon häufiger aufgefallen, irgendwie aber jedes Mal neu in Vergessenheit geraten war: ein geradezu unglaublicher musikalischer Nonsens. Was ich damit meine? Ganz einfach.

Kurze Vorwarnung

In den folgenden Absätzen lasse ich auf übelste Weise den Lehrer raushängen. Selbst mir ist das Ausmaß an Erbsenzählerei peinlich. Wem das also zu haarspalterisch wird, der darf gerne andere Artikel lesen. Ich verspreche auch, bald einen ganz anderen nachzuschieben. Für alle, die gerne ein wenig Haarspalterei betreiben: „Treten Sie näher!“

Spaulding und die Notation

In seinem durchaus bahnbrechenden Werk „Double High C in 37 Weeks“, einer zu Beginn der 1960er Jahre im Eigenverlag des Autors erschienenen Trompetenschule, hat Roger W. Spaulding das folgende notiert:

Notation 1
So steht's in Spaulding's Schule...

Jetzt wird's spannend: Wer hat den semantischen Fehler in diesem einzelnen Takt erkannt? Im Prinzip ist es ganz einfach, denn grundsätzlich steht da nichts per se falsches, es ergibt nur keinen in sich geschlossenen Sinn. Schuld ist die enharmonische Verwechselung der beiden mittleren (oder eben der beiden äußeren) Töne.

Die erklingende Akkordbrechung ergibt eindeutig einen H-Dur-Akkord (H-Fis-Dis-H), notiert ist er aber als Nonsens, denn das Gebilde H-Ges-Es-H ist kein H-Dur-Akkord.

Notation 2
Das wäre der korrekte H-Dur-Akkord.

Alternativ könnte man auch einen Ces-Dur-Akkord (Ces-Ges-Es-Ces) erwarten, dann wären die beiden mittleren Töne korrekt, die beiden äußeren nicht.

Notation 3
Das wäre der korrekte Ces-Dur-Akkord.

Wie man es auch dreht und wendet, die vorgegebene Lösung von Herrn Spaulding ist aus musiktheoretischer Sicht „Bockmist“, was an der Spielbarkeit glücklicherweise nichts ändert. Es sofort eher für ein kurzes Kräuseln im Hirn, wenn der geschulte Blick auf etwas derart Eigentümliches stößt.

P.S.: Nachtrag für die ganz Haarspalterischen

Ich verstehe durchaus, wie es zu dieser seltsamen Notation kam: Alle Akkordbrechungen in Aufwärtsbewegung werden mit Kreuzen notiert, alle in Abwärtsbewegung mit B. Das ist ein in sich geschlossenes System, das aber leider dem musikalischen Sachverstand zuwider läuft.

 

Mal wieder richtig üben

Trompete
Die Trompete — drei Ventile, um eine Million verschiedener Töne damit zu erzeugen...

Es sind Ferien, wie ich in fast allen kürzlich verfassten Blog-Einträgen bereits anmerkte. Ein großer Vorteil der Ferien ist es bei uns Lehrern, dass wir die Tageszeit noch etwas freier als sonst einteilen können.

Ich habe in den Wochen vor den Ferien sehr viel spielen und dirigieren müssen, daher legte ich erst einmal ein paar (=vier) Pausentage ein. Heute ging es wieder los. Und es war wirklich schön, denn wenn einem kein Termin direkt im Nacken sitzt und Druck macht, kann man sich beim Üben ganz entspannt auf das Instrument, die Tonerzeugung, das Körpergefühl und dergleichen konzentrieren.

Beim Üben gibt es für mich nur einen einzigen ernst zu nehmenden Maßstab: Die reine Spielzeit. Unter 20 Minuten pro Tag sollte man es ganz lassen, am besten wäre natürlich eine satte Stunde pro Tag. Umgerechnet benötige ich für eine Stunde reine Spielzeit aber mehr als 90 Minuten, daher ist das nicht ganz so leicht in den Alltag zu integrieren.

Heute habe ich es immerhin auf 50 Minuten reine Spielzeit gebracht, was sich sehr gut angefühlt hat. Morgen gibt es sicher mehr davon. Neben einem umfassenden Basis-Programm habe ich auch einige Minuten Arbeit in das „Konzert in C-Dur“ für zwei Trompeten, Streicher und Basso Continuo von Antonio Vivaldi investiert. Am 6. Dezember wird das unter meiner Mitwirkung in der Aalener Stadthalle aufgeführt. Damit ich dann optimal vorbereitet bin, habe ich das Stück schon einmal auf den Notenständer befördert und heute einfach mal beide Partien durchgespielt (ich weiß nämlich noch nicht, welche Stimme mir für den Dezember zugewiesen wird).

Mal sehen, was ich morgen noch an schönen Werken aus meinem Fundus heraus krame. Es ist und bleibt eine schöne Zeit. Hach, Ferien!

 

Allein zweistimmig spielen

Beide Stimmen
Beide Trompetenstimmen in Logic Pro X

Neben meiner Lehrtätigkeit am Theodor-Heuss-Gymnasium in Aalen erteile ich in einem sehr überschaubaren Rahmen auch privaten Instrumentalunterricht (Trompete, Tenorhorn). Im vergangenen Jahr habe ich mit einigen Schülerinnen und Schülern das Stück Petit duet pour trompettes von Francois Aubert einstudiert. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht allzu hoch, doch das Zusammenspiel verlangt den Schülern immer einiges ab, verlaufen die beiden Stimmen doch immer eigenständig.

So kam es im Unterricht nicht selten vor, dass ein Schüler seine eigene Stimme eigentlich gut beherrschte, das Zusammenspiel aber überhaupt nicht funktionierte, weil ihn der von mir gespielte zweite Part schlicht aus dem Konzept brachte. Beim alleinigen Üben war da z.B. eine Pause, nun nicht mehr, weil ich da etwas spielte. Bums! Schon haute das alles nicht mehr hin.

Um den Schülern – aktuell spielen es zwei – ein wenig Hilfestellung angedeihen zu lassen, habe ich das Duett heute eingespielt. Da der Schwierigkeitsgrad nicht hoch ist, stellte das für mich keine Herausforderung dar. Wohl aber, beide Stimmen exakt zusammen zu bekommen. Und das ganze unter Zeitdruck, denn es stehen noch viele andere Dinge an.

Also blieb nur ein Weg: Strikt nach Metronom spielen. In Logic Pro X war das mit einem Klick aktiviert, dann ging es mit der zweiten Stimme los, denn die erste pausiert die ersten Schläge. Glücklicherweise kam ich mit einem Take hin. Von der ersten spielte ich zwei Takes ein, der zweite war etwas besser. Schnell noch ein klein wenig Raumhall draufgemischt, damit es nicht zu sehr nach meinem Arbeitszimmer (in der Dachschräge) klingt. Fertig.

Obwohl ich noch stundenlang hätte feilen können, genügt die Aufnahme im aktuellen Zustand meinen Ansprüchen daran, dass es für Schüler gedacht ist, die das Zusammenspiel mit einer sie störenden zweiten Stimme trainieren sollen. Wer sich gerne über Patzer und Fehler amüsiert, der kann beim letzten Ton mal genau hinhören, denn der kommt nicht gut zusammen. Beim Einspielen einer der beiden Stimmen habe ich aus Gewohnheit wohl ein minimales Ritardando eingebaut, das ich in der anderen Stimme dann nicht mehr so exakt getroffen habe – in keinem der beiden Takes. Aber wie sagt man so schön: What shall’s?

Ich wünsche euch allen einen schönen Samstag Abend!

 

 

Torpedo Bag Classic

Mein Torpedo Bag Classic
Lange ersehnt, endlich hier: Mein Torpedo Bag Classic!

So, die Überschrift des heutigen Blog-Eintrags dürfte vermutlich einem überwiegenden Anteil meiner Leser ein großes Fragezeichen ins Gesicht zaubern. Dazu kann ich gleich sagen, dass das Torpedo Bag Classic mein neues, vorgestern bei Thomann bestelltes, gestern dank des nicht mehr laufenden Post-Streiks geliefertes Gigbag für meine Trompete ist.

Was ist ein Gigbag?

Vor drei Jahrzehnten beförderten die meisten Blechbläser ihre Instrumente noch in Koffern von einem Ort zum nächsten. Das war sehr sicher für die Instrumente, meist klobig in der Handhabung und überaus schwer, weil diese Koffer oft ein immenses Eigengewicht mitbrachten. Ich kann ein langes und leidvoll klagendes Lied davon singen, denn in meinem letzten Schuljahr beförderte ich meine Trompeten in einem Koffer für drei Trompeten durch die Gegend — und der war aus meiner Sicht über die Maßen klobig und schwer. Da ich fast nirgendwo ohne meine Trompeten auftauchte, schleppte ich dieses Trum quasi permanent mit mir herum.

Ich höre schon die Stimme, die ruft: „Und was hat das alles mit einem Gigbag zu tun?“ Keine Sorge, es legt die Basis für das Verständnis, warum ein Gigbag so wichtig für die Musiker ist.

Wo ein Koffer klobig und schwer ist, stellt ein Gigbag eine leichte und oft deutlich elegantere und ergonomischere Transportlösung dar, dafür ist ein Gigbag normalerweise nie genauso sicher. Ein Gigbag ist nun einmal eher so etwas wie eine Tragetasche für das Instrument, in den meisten Fällen so gestaltet, dass man es als Rucksack oder seitlich baumelnd tragen kann – das ist der komfortable Aspekt.

Sicherheit geht vor

Leider tauschen vor allem billige Gigbags zu viel an Sicherheit für das Instrument gegen den Tragekomfort ein. Mein ca. fünfzehn Jahre altes Gigbag gab vor ein paar Monaten den Geist auf, die Reißverschlüsse waren verschlissen und ausgerissen. Außerdem war innen das Futter an mehreren Stellen aufgerissen, sodass das Dämm-Material herauskam – in diesem Zustand war es für den alltäglichen Einsatz nicht mehr geeignet.

Das ausgemusterte Gigbag war ziemlich billig, ich habe ca. 40 bis 50 Mark dafür gezahlt. Während des Studiums ist es mir ein einziges Mal beim Tragen am Handgriff (während des gemütlichen Gehens in der Innenstadt) ausgekommen und auf den Boden gefallen – aus einer Höhe von ca. 50 bis 60 Zentimetern (höchstens). Dabei hat sich sofort der zweite Ventilzug minimal eingestaucht, wodurch ich das zweite Ventil nicht mehr benutzen konnte. Die Trompeten sind alle versichert, also konnte ich den Schaden mit ein wenig Papierkram und Fahrzeit bei einem befreundeten Instrumentenbauer zügig wieder richten lassen. Aber: Nötig wäre das nicht gewesen, hätte das Gigbag den Stoß einfach nur gut genug abgefangen. Hat es aber nicht. Da hat sich der billige Preis schon einmal gerächt.

Sicherheit hat ihren Preis

Dieses alte Gigbag hat sich vor ca. einem halben Jahr verabschiedet. Schon lange hatte ich ein Auge auf das Torpedo Bag geworfen, denn ein Schüler in meiner Big Band hat das auch – und irgendwie war es schon verlockend. Doch das Eintrittsgeld in diese Königsklasse des bequemen Instrumententransports war mir damals noch etwas zu hoch. Beim ersten Kontrollblick auf die Thomann-Homepage lag der Preis bei 169 € für das Gigbag, ein paar Wochen später schon bei 199 €. Durch den schwachen Eurokurs der letzten Monate ist er nunmehr auf 229 € geklettert.

Damals war mir das zu teuer. Ich vertagte den Kauf auf die Zeit um meinen Geburtstag (Herbst), bestellte einen Lückenfüller, das mit 25 € sehr günstige, leider aber nicht wirklich sichere Trompeten-Gigbag von Thomann. Für den Preis ist es völlig ok, man darf sich nur keinen Illusionen über die Sicherheit des Instrumentes hingeben. Wenn ich das Instrument von außen deutlich in seinen Konturen erspüren kann, ist da kein effektiver Schutz. Punkt.

Durch Proben und Konzerte (z.B. mit dem Aalener Symphonie Orchester), Üben und Spielen in der Schule, beim Instrumentalunterricht und dergleichen mehr wurde mir aber bewusst, dass ich das Instrument permanent der Gefahr aussetzte, verbeult und eingedellt zu werden (und es gibt noch schlimmere Gefahren). Bevor der Preis des Torpedo Bags die Chance bekommen konnte, noch weiter zu klettern, schlug ich nun in dieser Woche zu. (Damit ist auch klar, dass er spätestens morgen mit großer Sicherheit wieder sinken wird…)

Das Torpedo Bag Classic ist ein fantastisches Produkt zu einem gehobenen Preis, den ich aber – mittlerweile – zu zahlen bereit bin, denn ich transportiere meine Trompete aktuell täglich durch die Gegend. Schäden am Instrument möchte ich um jeden Preis vermeiden.

Exzellenz
Exzellentes Material, fantastische Verarbeitung – Perfektion!

Exzellentes Material

Wenn man sich bei YouTube unter dem Stichwort „Torpedo Bags Classic“ oder direkt auf der Homepage des Herstellers umsieht, entdeckt man ein schönes Video mit dem Titel „The Torpedo Bag Classic: Features & Design“. Darin führt der Chef der Firma durch die einzelnen Materialien und die Verarbeitung. Hat man das Video gesehen, versteht man auch den hohen Preis – und dann nimmt man ihn nicht mehr als hoch sondern als angemessen wahr. Mir geht es zumindest so.

Fazit

Noch fehlen mir die Erfahrungswerte, daher habe ich keine Übersicht darüber, wie sich mein schickes Torpedo Bag Classic im Alltag schlägt, auf jeden Fall kann ich schon einmal vermelden, dass es absolut herrlich aussieht und beim Tragen einen ungeheuer stabilen Eindruck hinterlässt. Der Hersteller verspricht, dass man sogar mit dem Auto darüber fahren könne, ohne die Trompete darin zu beschädigen. Das möchte ich nicht testen. Aber es beruhigt – und das allein fühlt sich schon sehr gut an.

 

Musizieren im Laienorchester

Am Samstag war ich als Trompeter im Rahmen eines Konzerts mit dem Aalener Symphonie-Orchester (AASO) aktiv –– und trotz der enormen Hitze, die allen auf der Bühne (und im Publikum) versammelten den Schweiß in Strömen am Körper hinablaufen ließ, war es ein sehr schönes Erlebnis. Während der Proben und auch beim Konzert sind mir so einige Dinge aufgefallen, die das Musizieren mit Laien unterscheiden von der Variante mit Profis.

Brandaktuell: Link zum Zeitungsartikel (ich bin der hinten in der Mitte mit dem leicht schräg gehaltenen Kopf)

Stimmen

Profis stimmen wesentlich schneller und effektiver. In so ziemlich allen Laienorchestern, mit denen ich bislang zu tun hatte, ist das Stimmen beinahe schon eine Obsession. Der Konzertmeister/die Konzertmeisterin erhebt sich, blickt mit einem vernichtenden Blick jeden an, der es noch wagt, andere Geräusche als den Kammerton von sich zu geben, dann blickt eine Oboistin/ein Oboist konzentriert auf ein Stimmgerät, intoniert das allgegenwärtige A (meist um die 442 Hz).

Und dann geschieht in den meisten Fällen etwas Seltsames: Statt sich auf ihr Gehör zu verlassen, zückt ein Teil der Bläser ein eigenes Stimmgerät, blickt ebenso gebannt auf das Display und stimmt sich ein. Und genau damit wird das Orchesterstimmen eigentlich zur Farce: Wer beim Stimmen nämlich auf das Stimmgerät blickt, passt sich — selbstverständlich unbewusst — schon permanent an die Anzeige auf dem Stimmgerät an. Wenn das die Stimmgeräte wieder weggepackt sind und das Stück beginnt, stimmt das Orchester nicht wesentlich besser. Kein Wunder!

Viel geschickter ist es, einfach nur den Ton der Oboe nach Gehör zu übernehmen — und dem Gehör zu trauen, denn während der laufenden Werke kann man nicht ständig ein Stimmgerät einsetzen, da bleibt nur das Vertrauen auf das geschulte Gehör. Wenn das Stimmgerät unbedingt sein muss, sollte man mit geschlossenen Augen den Ton so natürlich (zentriert) wie möglich spielen, dann erst die Augen öffnen und sich anhand des Displays orientieren, ob man nach oben oder unten korrigieren muss. Das ist eine realistische Rückmeldung, die zu einem besseren Ergebnis führt.

Noch dazu gibt es Erfahrungswerte, die man über die zahlreichen Jahre des Spielens erst erwirbt. Ich weiß von mir beispielsweise, dass ich beim Stimmen meist etwas mehr Spannung zum Einsatz bringe. Dadurch ist mein Ton beim Stimmen eine Winzigkeit höher als später beim Spielen. Also stimme ich mich ein, bis alles passt, um dann noch ein wenig „rein zu gehen“ (=die Trompete etwas höher zu stimmen). Dann passt meine Intonation.

Pochen auf akkurate Kleidung

Je professioneller die Musiker sind, desto weniger (bzw. desto weniger genau) muss man ihnen vorgeben, wie sie sich kleiden sollen. Wer etliche Male vor Publikum gestanden hat, bringt automatisch einen wahren Erfahrungsschatz an Peinlichkeiten mit, die es zu vermeiden gilt. Aber: Ein Profi kleidet sich in vielerlei Hinsicht passender als ein Laie, denn er kennt die Bühnen-/Auftrittssituation mit all ihren Tücken.

Probe VS Konzert
Links: Probenoutfit (Ausschnitt), rechts: Konzertoutfit (Ausschnitt)

Für das Konzert am Samstag wurde in der Probe am Freitag Abend die Kleiderordnung festgelegt. Alle wussten, dass es mit Sicherheit extrem warm werden würde, die Wetterankündigung sprach von „Hitzerekord“ und kündigte die Nähe der 40 Grad Celsius an. Und dennoch wurde als Kleiderordnung ein langes Hemd mit Krawatte für die Männer ausgegeben. An der Krawatte hatte ich nichts auszusetzen, denn die macht kaum einen Unterschied. Wohl aber am langärmeligen Hemd. Das ist schlicht und einfach Wahnsinn bei dem Wetter – und für das Publikum ziemlich egal. Ob ein Geiger, Cellist, Pauker oder Bläser nun kurze oder lange Ärmel trägt, interessiert meiner Einschätzung nach höchstens einen verkappten Mode-Zar im Publikum. Der Rest kümmert sich um wichtigere Dinge, zum Beispiel die Weiterentwicklung der Small Talk-Fähigkeiten für die Pause. Für uns Musiker war es aber auf der Bühne durch die langen Ärmel deutlich unangenehmer. Aber immerhin wurden uns allen die Krawatten zehn Minuten vor Betreten der Bühne „erlassen“.

Aufregung

Das Aalener Symphonie-Orchester ist ein mittlerweile recht routinierter Trupp, der sich auch in der Live-Situation ziemlich gut in der Hand hat. Ich habe aber auch schon mit Laienorchestern musiziert (oder sie dirigiert), bei denen in der Konzertsituation gut und gerne 20-30 Prozent der Leistungsfähigkeit eingebüsst wurden.

Am schlimmsten ist es üblicherweise, wenn gleich zu Beginn etwas „in die Hose geht“. So etwas kommt vor, meist ist es eine durch die Aufregung hervorgerufene Unsicherheit, die dann in der Kombination mit der Gesamtsituation (grelles Licht, Publikum, Hitze durch die Scheinwerfer, ungewohnte Kleidung etc.) Aufmerksamkeitsaussetzer erzeugen, die dann wiederum zu kurzen Fehlern führen. Sind diese Fehler besonders deutlich hörbar, erzeugen sie (zum Glück nur selten) eine Art „Schockstarre“, die dann gleich noch mehr Fehler hinter sich her ziehen.

Ich habe das als Dirigent in einem Konzert erlebt. Das Orchester hatte unter meiner Leitung das Stück über einige Wochen hinweg sehr gewissenhaft einstudiert und war sicher. Dann kam eine Ehemalige kurz vorher dazu, um noch mitzuspielen. In der Probe klappte alles, aber genau bei der Aufführung spielte diese eine Ehemalige genau für alle hörbar in eine Generalpause hinein. Zack! Weg war die Konzentration. Das Stück lief danach richtig schlecht, weil alle durch diesen einzelnen Patzer verunsichert waren. Das gibt es bei Profis wirklich deutlich seltener.

Enthusiasmus

Wo sich die Profis dagegen so manches mal etwas abschneiden können: Enthusiasmus. Ein Laienorchester probt viel länger, bevor ein Stück aufgeführt wird, in dieser Zeit bauen die Musiker eine wesentlich intensivere Beziehung zu diesem Werk auf. Die meisten haben sich in der Zwischenzeit eine Aufnahme besorgt und kennen diese in- und auswendig.

Außerdem werden die meisten Laienmusiker stärker gefordert beim Einstudieren. Wenn dann endlich alles „sitzt“, verspürt man natürlich wesentlich mehr Stolz auf die erbrachte Leistung als jemand, den das gleiche Stück schlicht und einfach weniger fordert (was nicht heißen soll, dass Profis jedes Werk einfach herunterspielen können).

Und genau deshalb sind die meisten Laienorchester im Konzert sehr enthusiastisch und strahlen mit einer fast schon kindlichen Freude, wenn das Vorspiel gut gelungen ist. Ein Teil dessen zu sein fühlt sich wirklich superb an.

Fazit

Auch als studierter Musiker spiele ich gerne ab und zu bei Laienensembles mit. Ich sehe für mich nicht die Notwendigkeit, alle Proben zu besuchen, denn in den meisten Fällen blicke ich recht schnell durch und beherrsche meinen Part dann. Andererseits muss auch ich proben und meine Sachen üben, denn ich möchte weder mich noch das Ensemble blamieren. Mit einigen der oben geschilderten Unannehmlichkeiten arrangiere ich mich jedes Mal aufs Neue (z.B. das ausufernde Stimmen), bei anderen Dingen setze ich vielleicht in Zukunft einfach noch mehr meinen eigenen Kopf durch (z.B. bei der Ärmellänge) – aber in der Summe macht es einfach viel Spaß, zu viel, um es nicht zu tun.

 

Üben hilft leider

Klaviatur
An diesem Instrument hätte ich noch mehr Zeit verbringen sollen...

Jeder Musiker, der weiter als die ersten Schnupperstunden gekommen ist, kennt das Dilemma: Ein neues Stück wird vom Lehrer aufgegeben oder selbst gewählt (oder steht im Orchester/Ensemble an) – auf jeden Fall handelt es sich um ein noch nicht eingeübtes Stück. Alles daran fühlt sich ungewohnt, unsicher und dadurch anstrengend an, denn erst einmal müssen im Gehirn die entsprechenden Verknüpfungen angelegt und durchlässig gemacht werden. Das dauert. Und es funktioniert nur mit einem gewissen Grad an Verbissenheit und Konsequenz.

Live daheim

Unser Großer spielt seit ca. anderthalb Jahren Gitarre, wobei er sich unserer Einschätzung nach ziemlich gut anstellt. Er hat sowohl das richtige „Händchen dafür“ als auch ein musikalisches Gespür, das ihm erlaubt, nicht nur richtig sondern schön zu spielen. Wenn er ein Stück mal kann und mag, dann wird es oft zu ganz ungewohnten Augenblicken wieder hervorgeholt und einfach so gespielt. Gerne auch mit Verzerrung und Echo-Effekt auf der E-Gitarre. Das freut uns als Eltern immer sehr, denn es beweist, dass er auch Spaß an der Sache hat.

Bekommt er aber im Unterricht ein neues Stück (oder gar mehrere) auf, dann gibt es erst einmal tagelang Gejammer: „Ich kann das nicht, das macht keinen Spaß, mein Lehrer ist gemein…“ – die volle Pallette! Und dabei ist es nur einfach noch nicht im Kopf und den Fingern angekommen.

Aber als erfahrene Musiker wissen wir nun einmal: „Üben hilft leider.“ Wäre dem nicht so, könnte man alles auf Talent, Tagesform und Lehrer schieben. So aber muss sich unser Sohn Tag für Tag aufs Neue triezen lassen. Wir tun das ja auch. Meine Frau geht dabei mit einer Engelsgeduld vor. Ich hätte die wahrscheinlich nicht, zumindest nicht mit einer Person, die nicht ich bin.

Selbstverstärkung durch Erfolg

Aber: Üben funktioniert nicht nur leider, es funktioniert auch immer wieder. Und dann wird es immer besser! Wenn man einmal die magische psychologische Schallgrenze durchbrochen hat, hinter der das Üben so richtig effektiv wird, dann verstärken sich die einzelnen Übemaßnahmen gegenseitig. Und dann motiviert Üben einfach durch das hohe Ausmaß an Effektivität und den spürbaren Zugewinn an neuen Fertigkeiten immer wieder und immer mehr zum häufigeren Üben. Dann setzt man von selbst mehr daran, besser und effizienter zu üben und die eigenen Fertigkeiten konsequent auszubauen.

Beim Üben
Hier ist sie beim Üben.

Ein wunderbares Beispiel hierfür ist unsere mittlere Tochter. Sie spielt seit drei Jahren Geige, ist sieben Jahre alt und kann sich absolut hören lassen. Das Üben mit ihr ist öfter mal ein richtiger Kampf, denn neue Stücke stressen sie sehr. Aber immer und immer wieder versucht sie ihr Bestes, mittlerweile sticht sie sogar schon wesentlich ältere Geiger aus. So gut ist sie! Und das sage ich nicht nur als stolzer Vater, sondern als ein Musiker, der Tag für Tag Schüler auf ihren Instrumenten vorspielen hört.

Die magischen 10.000 Stunden

In der Expertise-Forschung wird immer wieder die magische Zahl von 10.000 Stunden genannt, die man geübt haben muss, um auf ein professionelles Leistungsniveau zu kommen. Ich will ehrlich zugeben, dass ich bei mir noch nie nachgerechnet habe, aber nun möchte ich das selbst etwas genauer wissen…

Im Studium habe ich pro Tag (im Normalfall) bis zu acht Stunden geübt. Das war nicht immer der Fall, häufig war es auch deutlich weniger, ich schätze, im Schnitt kam ich in den ersten zwei Studienjahren auf etwa dreieinhalb bis vier Stunden am Tag. Machen wir mal hierfür eine kleine Rechnung auf:

  • 2 Jahre, 365 Tage im Jahr, jeden Tag 210 Minuten geübt: 2 x 365 x 210 = 153.300 Minuten = 2.555 Stunden
  • Davor habe ich aber auch schon drei Jahre lang sehr viel geübt, schätzungsweise zweieinhalb bis drei Stunden pro Tag im Durchschnitt (oft mehr, aber es geht um den Durchschnitt): 3 x 365 x 150 = 164.250 Minuten = 2.737,5 Stunden
  • Danach habe ich etwas weniger geübt, denn die Tage waren einfach voller (Doppelstudium und bis zu 36 Wochenstunden Unterricht/Vorlesungen/Seminare). Daher gehe ich für die verbleibenden fünf Studienjahre (ja, ich weiß, das waren viele Semester, aber es sind auch drei Studienabschlüsse geworden) von einem Tagesschnitt von anderthalb bis zwei Stunden aus: 5 x 365 x 90 = 109.500 Minuten = 1.825 Stunden

Summa summarum komme ich bis zu diesem Zeitpunkt auf gute 7.117,5 Stunden. Vor Beginn des Studiums (und den drei Jahren, die ich schon eingerechnet habe) standen ja auch noch einmal sieben Jahre des Übens — und nach dem Studium (meinen letzten Abschluss habe ich 2002 errungen) habe ich trotz des alten Musikerwitzes auch noch etliche Stunden geübt.

Ich denke, die 10.000 Stunden habe ich voll bekommen, aber nur knapp. Um mich wirklich als „Vollprofi“ bezeichnen zu können, müsste ich auch jetzt noch mindestens ein bis zwei Stunden täglich üben. Das ist aber mit Beruf, Familie, Sportprogramm und weiteren Verpflichtungen (wie dem Hinzufügen neuer Beiträge zu diesem Blog) schlicht und ergreifend nicht mehr machbar.

Ich spiele gerne auf meinem Instrument, ich übe sogar gerne, denn danach fühlt sich mein Körper wohl, und mein Geist ist frei von Ablenkungen. In diesem zentrierten Gefühl könnte ich mich stundenlang aufhalten, aber es rufen halt immer auch noch andere Pflichten.

Der alte Musikerwitz

Ja, wenn man es oben anreißt, muss man es unten auch einhalten, daher nun der erwähnte Musikerwitz:

Fragt eine Dame einen Musiker: „Sagen Sie mal, Sie haben doch Musik studiert. Warum üben Sie dann noch?“

Der ist gut, gell? Klar, da lachen nur die Musiker. Aber ich kenne einen, der gefällt den meisten Nicht-Musikern genauso:

In New York steht ein Musiker etwas hilfesuchend am Straßenrand. Eine alte Dame kommt vorbei, er fragt sie: „Entschuldigen Sie, werte Dame! Könnten Sie mir verraten, wie ich in die Carnegie-Hall komme?“ Die Dame sieht ihn einmal von Kopf bis Fuß an und sagt: „Üben, üben, üben!“

Brüller.

Die Kehrseite

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Kehrseite des Übens! Wenn man es unterlässt oder nur ungeschickt anstellt, verhindert man ein weiteres Vorankommen. Und zwar meist völlig. Die Problematik dabei liegt in unserem Gehirn, denn dieses lernt nur durch häufige Wiederholung!

Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte: Schüler A hat immer am Montag Unterricht, er übt nur am Sonntag, dafür aber eine ganze Stunde lang. Sein Gehirn hat somit nur eine sehr geringe Anzahl von Wiederholungen erlebt, daher wird das Stück, das er geübt hat, am Montag unter Garantie nicht gut sitzen.

Ein Beispiel, wie man es machen sollte: Schüler B hat auch am Montag Unterricht, er übt am Dienstag 10 Minuten, am Mittwoch 10 Minuten, am Donnerstag 10 Minuten, am Freitag 10 Minuten, am Samstag 10 Minuten und am Sonntag nochmals 10 Minuten.

Umgerechnet auf die gesamte Woche haben Schüler A und B gleich viel geübt: eine Stunde. Während Schüler A seinem Gehirn aber gar keine Zeit zum Verarbeiten lässt und keine Wiederholungen nachschiebt, da er nur an einem einzigen Tag übt, merkt er sich vom Geübten wesentlich weniger. Schüler B dagegen hat seinem Gehirn ausreichend Verarbeitungszeit gegönnt, an sechs aufeinanderfolgenden Tagen das gleiche Stück immer wieder geübt, wodurch sich eine hohe Wiederholungszahl ergibt, sein Gehirn hatte viele Möglichkeiten zur weiteren Verarbeitung und wiederholten Speicherung, er wird sich das Stück wesentlich besser gemerkt haben. Dazu kommt noch, dass Schüler B jeden Tag nur 10 Minuten investieren muss, um auf ein besseres Gesamtergebnis zu kommen. Schüler A dagegen schleppt die gesamte Woche ein schlechtes Gewissen mit sich herum, übt am Sonntag unter furchtbarem Stress, und bekommt es am Montag im Unterricht wahrscheinlich vom Lehrer noch mehr oder pädagogisch „reingedrückt“, dass er das Stück immer noch nicht kann.

Quizfrage: Wer von den beiden hat wohl mehr Spaß am Üben?

Probe
Einmal pro Woche reicht nicht.

Fazit

Nach diesem kleinen Exkurs sollte klar geworden sein, dass Üben ein unverzichtbarer Bestandteil eines Musikerlebens ist. Den wahren Sinn des Übens begreift man meist erst spät — und selbst danach kann einem der innere Schweinehund gelegentlich noch einen Strich durch die Rechnung machen. Aber wenn man es — unter Verwendung intelligenter Herangehensweisen — mal geschafft hat, sich durch die harten Lehrjahre hindurch zu beißen, dann belohnt man sich selbst mit Üben, man muss sich dazu nicht mehr zwingen. Und man fühlt sich einfach prächtig dabei!