Archiv der Kategorie: Schule & Bildung

Song des Tages (22) – 2016-10-03

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Heute ist der Tag der deutschen Einheit. Wenn man den Nachrichten auch nur mit einem halb geöffneten Auge folgt, so entsteht fast unweigerlich der Eindruck, dass es mit der deutschen Einheit nicht allzu gut steht. Zwischen einigen der sog. „neuen“ Bundesländern (seit der Wiedervereinigung sind ja nun schon 26 Jahre vergangen) und den alten Bundesländern klafft mental eine teils erhebliche Kluft.

Erschreckend finde ich vor allem den nicht in ein recht enges Weltbild passenden Personen entgegengebrachten Hass, der sich nachweislich vor allem in den neuen Bundesländern entlädt.

Rechte Gewalt in Deutschland

Frisch von Twitter: Rechte Gewalt in Deutschland

Oft von einem völligen Missverständnis oder einer absichtlichen Ignoranz gegenüber bestehenden Tatsachen geleitet, wird der gesamte Frust an der eigenen Existenz auf ausgerechnet jene Menschen projiziert, die im Gegensatz zu denen, die ihnen hier Schaden zufügen (oder zufügen wollen), tatsächliche Not, echtes Risiko für Leib und Leben durchlebt haben und unter unsäglichen Mühen eine neue Zukunftsperspektive suchen. Mehr dazu später.

Der heutige Tag ist ein bundesweiter Feiertag, die meisten Menschen in unserem Land können sich den Tag völlig frei einteilen – ein luxuriöser Zustand, ein Privileg, das nicht viele Menschen auf der Welt mit uns teilen. Aber sicher denken heute weit weniger Menschen über den Anlass für diesen Feiertag nach als noch vor 20 Jahren. Ich habe in den letzten Tagen einige Gedanken zu diesem Thema gewälzt, was mich am Ende dazu brachte, einen ganz speziellen Song als den heutigen „Song des Tages“ auszuwählen, der sich mit keiner Silbe direkt auf unsere Situation in Deutschland bezieht, sich aber bei genauerem Hinsehen unglaublich einfach darauf übertragen ließe: „The Ghost of Tom Joad“ von Bruce Springsteen:

Die Original-Version kommt in ihrer musikalischen Schlichtheit der Geschichte, auf die sie sich bezieht, näher. Außerdem mag ich sie aufgrund ihres hervorragenden Sounds lieber (da ist dann natürlich ein für das Streaming optimiertes, sprich: mit niedriger Datenrate komprimiertes, YouTube-Video nicht das Maß aller Dinge – ich genieße das Stück am liebsten mit Kopfhörern, denn dann kann der Einsatz des Basses die Gänsehaut auf meine Arme jagen). Deswegen habe ich diesen Link an die erste Stelle gesetzt.

Die folgende Live-Version wird dagegen begleitet von einem kurzen politischen Statement des „Boss“, wodurch sie auch für die Situation in den USA einige Relevanz gewinnt:

Soweit der Teil, der für alle gleichermaßen geeignet ist, jetzt packe ich den Lehrer aus, denn unter der Oberfläche steckt in diesem Song so unglaublich viel mehr, das kann und darf ich nicht unerwähnt lassen…

John Steinbeck: „Die Früchte des Zorns“

Bruce Springsteen bezieht sich mit dem Titel auf Tom Joad, den Protagonisten des Romans „Früchte des Zorns“ des amerikanischen Autors John Steinbeck. Ohne Kenntnis der Geschichte ist es kaum möglich, die Tragweite zu erfassen, daher gebe ich nachfolgend eine kurze Zusammenfassung (der Roman ist je nach Layout zwischen 600 und 700 Seiten lang).

In dessen Verlauf begleitet der Leser eine Farmerfamilie aus Oklahoma, die nach einigen zu mageren Jahren ihr gesamtes Land (das ohnehin schon nur noch gepachtet war) und ihren Hof an einen großen Landwirtschaftskonzern verloren hat. Auf Handzetteln haben sie von angeblich tausenden verfügbarer und gut bezahlter Jobs in Kalifornien gelesen. Da ihnen ohnehin nichts anderes bleibt, als ihr Land zu verlassen, begeben sie sich mit der gesamten Großfamilie auf den beschwerlichen Weg nach Kalifornien.

Schon sehr bald sterben die mitgenommenen Großeltern, die die neue Situation schlicht nicht verkraften konnten. Weitere Familienmitglieder wie der Schwiegersohn setzen sich bei erstbester Gelegenheit ab, die Familie droht immer weiter zu zerbrechen. Als sie schließlich in Kalifornien anlangen, erleben sie in gewisser Weise die „Hölle auf Erden“: Natürlich gibt es tausende Jobs, aber auf jeden einzelnen Job kommen hunderte Bewerber, denn die bereits erwähnten Handzettel wurden anscheinend im ganzen Süden der USA verteilt. Hunderttausende Menschen sind nach Kalifornien geströmt, um dort Arbeit zu finden. Ein mörderischer Konkurrenzkampf um die wenigen verfügbaren Jobs beginnt.

Kurzer Exkurs: Kommt uns die bisherige Inhaltsangabe irgendwie bekannt vor? Menschen, die vor dem Aus stehen, begeben sich auf beschwerlichem Weg in eine unsichere Zukunft, weil sie für sich und ihre Familie eine Sicherung der bloßen Existenz suchen? Für mich klingt das sehr vertraut. Und auch die nun folgenden Ereignisse des Romans erscheinen mir auf die unangenehmste Weise gar nicht neu…

Die Bevölkerung Kaliforniens wehrt sich gegen die vielen Arbeitssuchenden, man schottet sich ab, verschanzt sich hinter Zäunen und Mauern, verfällt in einem parolenhafte, simplifizierte Weltanschauung (wir: gut, die: schlecht), versichert sich gegenseitig, „besser“ als die „Okies“ zu sein, die ja als „Schmarotzer“ und „nur zum Stehlen“ gekommen seien. Das eigentlich verfügbare Geld wird nicht etwa investiert, um eine funktionierende Infrastruktur zur sinnvollen Unterstützung der Arbeitssuchenden aufzubauen, vielmehr werden Camps geschaffen, in denen diese wie in einem Ghetto zusammengepfercht und zum Teil ihrer Grundrechte beraubt werden. Jobs werden nur an jene vergeben, die am wenigsten Geld dafür verlangen.

Zusammenschlüsse der Arbeitssuchenden in gewerkschaftsähnliche Strukturen werden in „Nacht und Nebel“-Aktionen mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Im Zuge einer solchen Aktion, bei der Tom Joad mit ansehen muss, wie einer seiner Freunde erschlagen wird, begeht er, der zu Beginn des Romans gerade erst aus dem Gefängnis heimgekehrt war, einen erneuten Affektmord. Um seine Familie zu schützen, taucht er ab, um im Untergrund für die Rechte der Unterdrückten zu kämpfen.

Der Roman endet in einer dramatischen Situation: Das Flüchtlingslager ist nach einem sintflutartigen Regen überflutet, alle Bewohner strömen desillusioniert und unterm Strich noch schlechter gestellt als vor ihrem Aufbruch nach Kalifornien auseinander. Einzig die Menschlichkeit, die sich jene erweisen, die selbst nichts zu verlieren haben, lässt den Leser noch geringe Hoffnung schöpfen.

Schreibstil und Zitat

John Steinbeck schrieb realistisch und geradlinig – und doch neben der kraftvollen Art auch immer sehr lyrisch. Aus vielen ganz alltäglichen Beobachtungen konnte er durch seine geschickte Erzählweise beim Leser einen hochgradigen ästhetischen Genuss erzeugen. Neben „Früchte des Zorns“ habe ich vor allem „Von Mäusen und Menschen“ sowie die lose als Trilogie zusammenhängenden Romane „Tortilla Flat“, „Straße der Ölsardinen“ und „Wonniger Donnerstag“ genossen – stilistisch sind sie sich recht ähnlich.

Ein Zitat direkt aus dem Roman möchte ich hier einbinden, das Steinbecks kraftvollen Schreibstil zur Geltung bringt.

Im Westen entstand eine Panik, als die Wanderer auf den Straßen sich mehrten. Die Besitzer fürchteten um ihren Besitz. Menschen, die noch nie Hunger gehabt, sahen die Augen der Hungrigen. Menschen, die noch nie etwas dringend gebraucht, sahen die Not in den Augen der Wandernden. Und die Leute in den Städten und dem flachen Vorstadtland taten sich zusammen, um sich zu verteidigen, und sie versicherten sich gegenseitig, dass sie gut seien und die Eindringlinge schlecht, wie ein Mensch es eben tun muss, bevor er kämpft. Sie sagten: „Diese gottverdammten Okies sind Diebe. Sie stehlen alles. Sie haben keinen Sinn für Eigentumsrecht.“ Und das stimmte, denn wie kann ein Mann ohne Besitz die Schmerzen eines Besitzers verstehen? Und die Leute, die sich verteidigen mussten, sagten: „Sie bringen Krankheiten mit, sie sind schmutzig. Wir können sie nicht in unsere Schulen lassen. Sie sind Fremde. Würdest du etwa deine Schwester mit einem von ihnen ausgehen lassen?“ Und die Leute zwangen sich zur Grausamkeit. (…) Der Verkäufer dachte: „Ich verdiene fünfzehn Dollars die Woche. Angenommen, so ein gottverdammter Okie würde für zwölf arbeiten!“ Und der kleine Krämer dachte: „Wie kann ich’s mit einem Mann aufnehmen, der keine Schulden hat?“ Und das wandernde Volk strömte auf den Straßen herein, und in den Augen der Menschen stand der Hunger und stand die Not. (…) Wenn es Arbeit gab für einen, kämpften ihrer zehn darum – kämpften mit niedrigem Lohn. „Wenn der da für dreißig Cents arbeitet, arbeite ich für fünfundzwanzig.“ „Nein, ich – ich habe Hunger. Ich arbeite für fünfzehn.“ „Ich arbeite auch für’n bisschen Essen. Die Kinder. Du solltest sie nur sehn. Überall kommen kleine Geschwüre raus, und sie können nicht rumlaufen.“ (…) „Ich arbeite für’n kleines Stückchen Fleisch.“ Die Felder waren voller Früchte, und über die Straßen zogen hungernde Menschen. Die Kornkammern waren voll, und die Kinder der Armen waren rachitisch, und auf ihren Rippen schwollen Aussatzgeschwüre an. Die großen Gesellschaften wüssten nicht, dass es von Hunger zu Empörung nur ein kurzer Schritt ist. Und das Geld, das für die Löhne hätte verwendet werden können, wurde für Gas, für Gewehre, für Agenten und Spitzel, für schwarze Listen, fürs Exerzieren ausgegeben. Über die Straßen krochen gleich Ameisen die Menschen und suchten nach Arbeit, nach Essen. Und die Empörung begann zu gären.

„Brennend“ aktuell

So manchen Abschnitt könnte man glatt auf unsere aktuelle Situation in Deutschland übertragen. Vor allem das ganz vage Gefühl einer völlig unkonkreten Bedrohung, das vor allem jene Menschen empfinden, die von den Flüchtlingen überhaupt nicht bedroht werden, diese irrationale Angst, die sich vor allem aus dem fremdartigen Aussehen und dem Unvertrautsein mit der Kultur der Flüchtlinge speist, die finde ich bemerkenswert.

Ein Beispiel, man könnte es auch ein Gedankenspiel nennen: Ein beliebiger Hartz IV-Empfänger hat was genau von einem Flüchtling zu befürchten?

  • Dass ihm seine Sozialhilfe gestrichen wird? Sicher nicht.
  • Dass sie weniger wird? Sicher nicht.
  • Dass ihm ein Job weggenommen wird? Wohl kaum, denn so schnell bekommt kein Flüchtling eine Arbeitserlaubnis.
  • Dass er aus der Wohnung ausziehen muss? Wenn das der Fall sein sollte, dann hat es sicher nichts mit Flüchtlingen zu tun.

Und dennoch wird auf genau dieser Angst-Schiene seit über einem Jahr gegen die Flüchtlinge Front gemacht. Pegida, AfD, NPD, alle haben sie ein Problem damit, dass hilfsbedürftige Menschen, die nicht aus eigener Schuld in Not geraten sind, bei uns Schutz suchen. Bei uns, einem der reichsten Länder der Welt! Wir können in der Mehrheit locker etwas abgeben, ohne wirklichen Verzicht ausüben zu müssen. Und dennoch jammern einige Teile der Bevölkerung herum, als würde jeder Flüchtling ihnen persönlich Schaden zufügen. Völlig inakzeptabel.

Und wer dann noch Perspektiv- und Arbeitslosigkeit als Entschuldigung für das Anzünden von Flüchtlingsunterkünften heranzieht, der verspielt sich auch noch jenes letzte Fitzelchen Würde, das er vielleicht vorher noch hatte. Beispiel gefällig? Hier:

Gerade heute Nacht bei Twitter gesehen, keine Erfindung, kann jeder einsehen...

Gerade heute Nacht bei Twitter gesehen, keine Erfindung, kann jeder einsehen…

Ich kann dem „Bundesamt für magische Wesen“, einem Account, der sonst eher auf humorige Inhalte ausgerichtet ist, hier nur zustimmen (als Lehrer muss ich natürlich das fehlende „n“ monieren, aber das ist ebenfalls Jammern auf hohem Niveau). Es gibt in einer solchen Situation keine Entschuldigung. Die eigene Perspektivlosigkeit ist kein Grund, die Unterkunft jugendlicher Flüchtlinge anzuzünden. Das kann und darf niemals ein mildernder Umstand sein.

Zurück zum „Boss“

Bruce Springsteen hat seinem Song, der bereits 1995 veröffentlicht wurde, ebenfalls eine damals aktuelle, zusätzliche Perspektive verliehen, indem er ihn auf die Immigranten aus Mexiko ummünzte. (Exkurs: Das bringt uns gleich wieder zur politischen Aktualität dieses Themas: Trump und seine Mauer, für die die Mexikaner ja zahlen sollen…). Da der Boss leider fürchterlich nuschelt, ist das Verständnis des Songtexts nicht immer einfach, also habe ich die Lyrics hier noch eingefügt:

Men walkin‘ ‚long the railroad tracks
Goin‘ someplace there’s no goin‘ back
Highway patrol choppers comin‘ up over the ridge
Hot soup on a campfire under the bridge
Shelter line stretchin‘ round the corner
Welcome to the new world order
Families sleepin‘ in their cars in the southwest
No home no job no peace no rest

The highway is alive tonight
But nobody’s kiddin‘ nobody about where it goes
I’m sittin‘ down here in the campfire light
Searchin‘ for the ghost of Tom Joad

He pulls prayer book out of his sleeping bag
Preacher lights up a butt and takes a drag
Waitin‘ for when the last shall be first and the first shall be last
In a cardboard box ’neath the underpass
Got a one-way ticket to the promised land
You got a hole in your belly and gun in your hand
Sleeping on a pillow of solid rock
Bathin‘ in the city aqueduct

The highway is alive tonight
But where it’s headed everybody knows
I’m sittin‘ down here in the campfire light
Waitin‘ on the ghost of Tom Joad

Now Tom said Mom, wherever there’s a cop beatin‘ a guy
Wherever a hungry newborn baby cries
Where there’s a fight ‚gainst the blood and hatred in the air
Look for me, Mom, I’ll be there
Wherever there’s somebody fightin‘ for a place to stand
Or decent job or a helpin‘ hand
Wherever somebody’s strugglin‘ to be free
Look in their eyes Mom you’ll see me.

The highway is alive tonight
But nobody’s kiddin‘ nobody about where it goes
I’m sittin‘ down here in the campfire light
With the ghost of old Tom Joad

(Ich finde es sehr spannend, wie man derart nuscheln kann, wenn es einem doch offensichtlich so wichtig ist, die Botschaft des Songs „an den Mann“ zu bringen…)

Fazit

John Steinbeck hat seinen Roman 1939 veröffentlicht – seine bis heute ungebrochene literarische Kraft wie auch die völlig akkurate Schilderung der Reaktionen der jeweils ortsansässigen Bevölkerung, zu der die Flüchtlinge gelangen, wird seither quasi permanent neu bestätigt. Erschreckend.

Bruce Springsteen hätte sich als Rockstar schon lange auf sein Altenteil zurückziehen können. Doch er steht nach wie vor mehrere hundert Mal im Jahr auf der Bühne und nutzt diese, um seine politische wie auch menschliche Überzeugung zu verbreiten. Man muss nicht immer seiner Meinung sein, beeindrucken darf es einen aber durchaus – stets aufs Neue.

So, genug für heute, für einen Song des Tages ist dieser Beitrag ohnehin recht lang geworden. Doch das Thema verdient meiner Meinung nach durchaus eine etwas tiefer gehende Betrachtung.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Maßloser Unsinn im Internet

Jeder Erwachsene weiß seit Jahren, dass man „dem Internet“ nicht einfach so glauben darf. Nur weil jemand es auf eine Website, in ein Forum oder auf Facebook/Twitter gepostet hat, bedeutet das ja noch lange nicht, dass auch nur ein Wort davon wahr ist.

Gerade eben habe ich ein so krasses Beispiel für absoluten Blödsinn entdeckt, dass ich ihn hier verarbeiten muss (um ihn dann wieder in Ruhe vergessen zu können):

Der Tweet, der mir als vollkommener Blödsinn ins Auge fiel...

Der Tweet, der mir als vollkommener Blödsinn ins Auge fiel…

Nun, wer hat den logischen Fehler gleich entdeckt? Falls nicht, hier ist noch einmal das gepostete Bild mit dem Begleittext in etwas größerem Format:

So, jetzt mal ein bisschen Mathematik und gesunden Menschenverstand applizieren, bitte!

So, jetzt mal ein bisschen Mathematik und gesunden Menschenverstand applizieren, bitte!

Nun, Steve Jobs wurde im Februar 1955 geboren (20,5 Jahre vor mir), Britney Spears dagegen erst im Dezember 1981 (mehr als sechs Jahre nach mir). Wie sollte Britney Spears jemals einem kleinen Jungen, aus dem Steve Jobs werden sollte, einen solchen Tipp geben?

Wie schon unser Mathelehrer am Siebold-Gymnasium Würzburg immer sagte: „Q.E.D. – Quod erat demonstrandum.“

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52 Wochen – Teil 21 („Workaholic“)

Der ewige Workaholic im „Tempel der Arbeit“

Der ewige Workaholic im „Tempel der Arbeit“

Vor ein paar Tagen kam ich zeitig in die Schule, um noch die sog. Kopfnoten, also die Bewertung von Mitarbeit und Verhalten, in die entsprechenden Bögen einzutragen. Bei unseren Fünft- und Sechstklässlern gibt es die nicht in Form von Schulnoten, stattdessen gibt es verschiedene Bereiche, die das soziale und das Arbeits-Verhalten im schulischen Rahmen beleuchten. Pro Schüler benötigt man zum Ausfüllen etwa eine Minute, zumindest bei einer klaren Einschätzung.

Genau da liegt der Hund begraben, denn es gibt etliche Schüler, die nicht zu dem vorgegebenen Raster passen. Da muss dann einiges an Abwägung und Fingerspitzengefühl investiert werden, denn die Auswahl einer entsprechend „schlechteren“ Bewertung kann sowohl ein Ansporn als auch ein demotivierender Faktor sein. Und schon wird aus einer Minute eine deutlich längere Zeitspanne. Dazu kommt, dass ich in diesem Schuljahr vier fünfte (zusammen etwas mehr als 100 Schülerinnen und Schüler) und zwei sechste Klassen (zusammen etwa 60 Schülerinnen und Schüler) unterrichte, also sitze ich entsprechend lange an diesen Beurteilungen. Und manchmal werde ich dabei dezent müde.

In einem dieser etwas „gedimmten“ Momente fiel ein interessantes Licht auf mein iPad, wodurch ich meine Reflexion sehen konnte. Ganz habe ich das mit dem Selfie nicht reproduzieren können, denn dazu hätte ich mir das iPhone direkt vor das Gesicht halten müssen – und wo bliebe dann eben jenes Gesicht? So ist es eine aus künstlerischer Sicht etwas halbgare Lösung, dennoch wurde das Licht gut eingefangen. Filter waren gar nicht nötig, auch die Fingerabdrücke auf dem iPad sowie die Krümel auf der Tastatur sind original.

Zur Aktion „52 Wochen“

Seit nunmehr 21 Wochen – Haha! Wir nähern uns der Halbzeit! – läuft Zeilenendes Foto-Aktion „52 Wochen“, an der ich teilnehme. Ziel ist es, jeden Sonntag ein neues Selfie oder Portrait einzustellen, wenn man lustig ist, kann man ihm auch ein bestimmtes Motto verpassen – das liegt mir besonders, daher gab es bislang eigentlich ausschließlich Fotos mit einem bestimmten Motto. Die üblichen und allesamt sehenswerten Teilnehmer sind:

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52 Wochen – Teil 19 („Die Zukunft fest im Blick“)

Aktuell ist gerade einer dieser anstrengenden Phasen im Schuljahr. Derer gibt es mehrere:

  • Die ersten zwei Wochen im September, bis alles angelaufen ist, bis alle Listen angepasst wurden, bis die Sitzpläne stimmen und dergleichen – dies ist aber noch die erträglichste Phase, denn da ist alles, na ja: das meiste, noch frisch.
  • Kurz vor Weihnachten: Da ballen sich die Klassenarbeiten, parallel bin ich als Musiklehrer sowohl bei der Gestaltung des Weihnachtskonzerts als auch beim Abschlussgottesdienst immer gut eingebunden.
  • Dritte und vierte Januar-Woche: Kurz vor Ende des ersten Halbjahres müssen alle Noten fertig werden. Als Oberstufenberater ist da gleich doppelt so viel zu tun.
  • Der Abiturzeitraum (jedes Jahr ein bisschen anders, meist zwischen Ende März und Anfang Mai): Viel Papierkram, viel Zettelwirtschaft, alles muss streng nach Protokoll laufen, sonst könnten Schüler wegen formaler Fehler das Abitur anfechten.
  • Mündliches Abitur und Abiball: Organisation und Musikbeiträge, an sich nicht schlimm, aber meist geballt innerhalb kurzer Zeit.
  • Nach Pfingsten bis Schuljahresende: Alle Noten müssen fertig werden, die Zeugnisbemerkungen für die Teilnehmer an meinen Musik-AGs müssen eingetragen werden und dergleichen mehr. Parallel dazu sind die Klassen gelegentlich nicht vollständig, denn jetzt ist die heiße Exkursionsphase…

Ich befinde mich gerade in der letzten Phase. Mein Blick in die Zukunft richtet sich ganz eindeutig auf die Sommerferien. Die sind das eigentliche Ziel für die nahe Zukunft. Wenn dieses Zwischenziel erreicht ist, wird weiter geplant.

Die Zukunft (in diesem Fall: die Sommerferien) fest im Blick...

Die Zukunft (in diesem Fall: die Sommerferien) fest im Blick…

(Hmmmm, habe ich wirklich so eine Patrizier-Nase? Speziell für den guten Zeilenende habe ich meinen Bart ganz männlich heute früh nicht abrasiert…)

Da es mit dem Laufen gerade wieder anfängt, sich zu normalisieren (heute habe ich immerhin mal wieder ca. 17,5 km geschafft), sehe ich da eine ganz entspannte Zeit auf mich zukommen. Sommerferien, ich bin bereit für euch!

Zur Aktion „52 Wochen“

Seit nunmehr 19 Wochen läuft Zeilenendes Foto-Aktion „52 Wochen“, an der ich teilnehme. Ziel ist es, jeden Sonntag ein neues Selfie oder Portrait einzustellen, wenn man lustig ist, kann man ihm auch ein bestimmtes Motto verpassen – das liegt mir besonders, daher gab es bislang eigentlich ausschließlich Fotos mit einem bestimmten Motto.

Die üblichen und allesamt sehenswerten Teilnehmer sind:

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52 Wochen – Teil 14 („Kinners, lest mehr Bücher!“)

Seit nunmehr 14 Wochen veranstaltet der gute Zeilenende seine spektakuläre Selfie-/Porträt-Aktion „52 Wochen“ (hier alle seine Beiträge dazu, hier meine). Nun ist es wieder Sonntag, noch dazu der letzte Ferientag hier in Baden-Württemberg (ich möchte ja gerade auf keiner Autobahn unterwegs sein), da zwingen mich die äußeren Umstände, noch einige Korrekturarbeiten zu verrichten.

Und beim Korrigieren kommt mir spätestens bei jeder zweiten Arbeit ein Gedanke in den Sinn, der da lautet: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Zumindest suggeriert die zum Teil äußerst mangelhafte Rechtschreibung und die ebenfalls nicht gerade optimale Ausdrucksfähigkeit vieler Jung-Gymnasiasten, dass sicher nicht zu viele Bücher von unserem wichtigsten nachwachsenden Rohstoff gelesen werden.

Kommen wir zum Selfie des heutigen Tages: Mein Gesicht, wenn ich mal wieder über eine einer Glanzstunde der deutschen Sprache diametral gegenüberliegende Passage in einer Klassenarbeit stolpere.

Kinners, lest mehr Bücher!

Da wünsche ich mir doch immer wieder: Kinners, lest mehr Bücher!

Ein paar Beispiele der letzten Tage liefere ich gleich mit, damit niemand den Vorwurf erheben kann, ich würde das einfach so daher erfinden…

Eigentlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde...

Einnerlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde…

Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern...

Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern…

Die ein-ziege möglichkeint...

…die ein-ziege möglichkeint…

Ohne Worte...

Ohne Worte. Leider kein untypisches Bild.

Und es gäbe ja wirklich noch etliche solcher Stilblüten. In jeder einzelnen Klassenarbeit finde ich solche Stellen.

Daher: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Ganz abgesehen vom hohen Unterhaltungswert vieler Bücher (was man liest, ist ja nun jedem selbst überlassen) lernt man ganz ohne Zusatzaufwand eine halbwegs korrekte Rechtschreibung und Satzstruktur. Eine Win-Win-Situation, wenn ich an die positiven Langzeitwirkungen denke, kann ich sogar von einer Win-Win-Win-Situation sprechen.

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52 Wochen – Teil 13 („Junker Solera auf der Wartburg“)

Die vergangenen drei Tage weilte ich mit meiner Familie in Sömmerda, ganz in der Nähe von Erfurt. Ein alter Schulfreund ist arbeitsbedingt im letzten Sommer dorthin gezogen, nun wollten wir mal sehen, wie es ihm und seiner Familie dort geht.

Wenn man aber schon 340 Kilometer einfache Strecke auf sich nimmt, hängt man nach Möglichkeit gleich noch ein paar kulturelle Exkursionen an. Und so kam es, dass wir als Lehrer und somit KvD (Kulturvermittler vom Dienst) am vorgestrigen Freitag der Wartburg und dem Bachhaus in Eisenach einen Besuch abstatteten.

Beide sind touristisch voll erschlossen – und das meine ich positiv, denn es war hervorragend organisiert. Auch die Führung durch die Wartburg war so gemacht, dass wir mit drei Kindern (6-10 Jahre alt) ohne größere Drängeleien und Nörgeleien durchkamen.

In diesem Kontext entstand das Foto für meinen heutigen Beitrag zu Zeilenendes immer noch (mal sehen, wann sich das ändert) wundervoller Foto-Aktion „52 Wochen“ (hier sein heutiger Beitrag, hier alle seine Beiträge, hier alle von mir unter dieser Rubrik veröffentlichten): Ich als „Junker Solera“, der sich auf der Wartburg vor der Kirchen- und Reichsacht versteckt, um dort in Ruhe ein Buch zu übersetzen (das Neue Testament muss es jetzt nicht sein, auch Griechisch liegt mir nicht so ganz…):

Wartburg-Selfie.jpg

Solera versteckt sich als Junker Solera auf der Wartburg – aber in Begleitung seiner schönen Frau, sonst wäre der Zustand unerträglich!

Wie das Bild verrät, kann ich mich mit einem zölibatären Dasein nicht einverstanden zeigen, meine Tonsur ist eher Tarnung als Berufung – daher nahm ich kurzerhand meine hübsche Frau zu mir aufs Selfie, ohne sie gehe ich schließlich fast nirgendwo hin.

Macht euch einen schönen Sonntag, ich bin gerade noch etwas erschlagen von einigen Stunden Probe in der Big Band. Viel mehr bringe ich heute nicht zustande.

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Wenn das Kompetenztraining wirklich nötig ist…

  
Diesen völlig spontanen und schnell (und heimlich) aufgenommenen Schnappschuss kann ich euch einfach nicht vorenthalten. Vielleicht muss man einen Moment suchen, doch dann offenbart sich der Fehler…

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„YOLO“ – Jugendsprech vs. Sinn

Vorab eine kleine Begriffserläuterung, für jene, die „YOLO“ noch nie gesehen oder gehört haben: YOLO ist „Jugendsprech“, ein Akronym für „You Only Live Once“ („Du lebst nur einmal“). Die Einsatzmöglichkeiten sind im Prinzip vielfältig, ganz oft erlebe ich als Lehrer den Spruch aber wie ein trotzig hingerotztes „Na und?“, wenn mal wieder jemand einen Test oder eine Klassenarbeit mit suboptimalen Leistungen abgeliefert hat.

Ganz oft schon juckte es mich in den Fingern, ein ganz großes „Leider!“ darunter zu setzen. Denn tatsächlich leben wir nur einmal, der effektive Gegenbeweis steht noch aus. Wäre es dann nicht sinnvoller, diesen Spruch unter besonders gute Leistungen zu setzen, aus jeder sich bietenden Möglichkeit das Maximum herauszuholen? So sehe ich die Sache jedenfalls. Ich habe Spaß am Unterrichten und an vielen anderen Dingen. Oft genug ärgere ich mich darüber, wenn ich den Tag nicht auf 30 oder 36 Stunden verlängern kann, um allen — vor allem selbst gesteckten — Wünschen gerecht zu werden.

Unter die nicht befriedigenden, halb unfertig gebliebenen Dinge möchte ich kein YOLO setzen, unter alles, was mir gelungen ist, mich befriedigt oder eventuell sogar andere begeistert hat, jederzeit. Denn dann fühle ich mich auch wie jemand, der aus der spärlichen Zeit, die ihm nun einmal bleibt, das Beste gemacht hat.

In diesem Sinne: In einer Woche beginnt ein neues Schuljahr, da geht es wieder darum, das Maximum herauszuholen. Dann setze ich auch gerne ein YOLO darunter.

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