Archiv der Kategorie: Rush

Song des Tages (180) – 2017-03-10

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Hier und da habe ich ja schon einmal Songs des kanadischen Progressive Rock-Trios Rush in diese Playlist aufgenommen. Und auch heute habe ich einen wundervollen Song, der weder besonders rockig noch besonders progressiv ist. Eigentlich handelt es sich um eine sehr intensive Ballade, die die vielen kleinen Helden des Alltags feiert, die nie den Applaus bekommen, den sie eigentlich verdienen: „Nobody’s Hero“ vom Album „Counterparts“:

Das Gitarren-Solo von Alex Lifeson ist und bleibt für mich eines der besten in der gesamten Rock-Geschichte, denn es geht nicht eine Sekunde um eine virtuose Darstellung von Fingerfertigkeit. Stattdessen fügt sich das recht kurze Intermezzo perfekt in die musikalische Klimax des Stücks ein.

Auch die beinahe „schleichend“ zu nennende Verdichtung der Instrumentierung ist sehr gelungen, sodass das Stück am Ende mit einer emotionalen Wucht daherkommt, dass man es genau genommen nach Abschluss gleich noch einmal anhören muss…

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Gehört: „Clockwork Angels – The Novel“ von Kevin J. Anderson

„Clockwork Angels – The Novel“ von Kevin J. Anderson, gelesen von Neil Peart.

„Clockwork Angels – The Novel“ von Kevin J. Anderson, gelesen von Neil Peart.

2012 erschien das bis heute letzte wirklich neue Rush-Album mit dem Namen „Clockwork Angels“, dem auch eine ausufernde Tournee folgte, außerdem wurde ein hervorragender Konzertfilm während der vielen Live-Konzerte erstellt – ich habe ihn mir 2013 oder 2014 zum Geburtstag geschenkt: drei Stunden musikalischer Hochgenuss!

„Clockwork Angels“ ist ein sog. Konzeptalbum, d. h. alle Stücke bilden zusammen Facetten einer zusammenhängenden Geschichte. Und eben diese Geschichte wurde von Kevin J. Anderson in Zusammenarbeit mit dem Rush-Drummer und -Texter Neil Peart zu einem Roman ausgeweitet. Das Buch habe ich mir gleich bei Erscheinen gekauft und geladen (in iBooks), doch so ganz kam ich nicht in Gang, bei mehreren Versuchen blieb ich stets in der etwas langatmigen Einleitung hängen.

„Clockwork Angels – The Novel“ – ein spannender Abenteuerroman

„Clockwork Angels – The Novel“ – ein spannender Abenteuerroman

Erst mit dem Hörbuch, das ein gutes halbes Jahr später erschien – gelesen von Neil Peart höchstpersönlich –, startete ich wieder einen Versuch. Doch auch dieses Mal blieb ich hängen, allerdings eher aufgrund beruflicher Voll- bzw. Überbeschäftigung. Vor ein paar Wochen zwang ich mich dann einfach noch einmal durch die Einleitung, ab da ging es ganz gut, sodass ich binnen weniger Tage das gesamte Hörbuch durch hatte – dem Laufen sei Dank!

Inhalt

Der Inhalt ist dem eines klassischen Abenteuer-/Bildungs-Romans, wie er von Autoren wie Jules Verne mehrfach geschrieben wurde, nicht unähnlich. Der Hörer/Leser wird in fantastische Länder entführt, darf – vertreten durch den Protagonisten – fremde Kulturen erleben, bislang unbekannte (und ebenso nichtexistente) Orte besuchen, exotische Bräuche kennenlernen und diverse Abenteuer allein oder mit Freunden erleben. An sich ist das ganz gut, doch fühlt sich die Handlung ein wenig an, als wäre sie für einen zehn-/zwölfjährigen Jugendlichen geschrieben. Einige der Charaktere bleiben so oberflächlich und stereotyp, dass es wirklich wie bei einem Jugendroman anfühlt. Das hat mich bei den ersten Versuchen schon etwas ausgebremst, nach Abschluss des gesamten Hörbuchs ist dies mein einziger wirklicher Kritikpunkt (neben der langatmigen Einleitung).

Optik

Entschädigt wird man durch das opulente Artwork, denn immer wieder werden Erlebnisse des Protagonisten durch wundervoll detaillierte Zeichnungen in Steampunk-Ästhetik visualisiert:

Die Steampunk-Ästhetik ist nicht zu verkennen...

Die Steampunk-Ästhetik ist nicht zu verkennen…

Die Illustrationen im Roman sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet – ein echter Hingucker!

Die Illustrationen im Roman sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet – ein echter Hingucker!

Symbolismus pur...

Symbolismus pur…

Musik

Nun, da ich mit dem Hörbuch final durch bin, erschließt sich mir das Konzeptalbum von Rush auch viel besser. Jeder der Songs hat plötzlich einige Verankerungspunkte in der Handlung, plötzlich ergeben manche Begriffe (z.B. das nicht auf den ersten Blick zu deutende „Carnies“ für die Mitglieder einer Zirkus-Truppe).

Das Konzeptalbum „Clockwork Angels“ von Rush – kennt man den Roman, ist das Album gleich doppelt so gut!

Das Konzeptalbum „Clockwork Angels“ von Rush – kennt man den Roman, ist das Album gleich doppelt so gut!

Schön ist es für die Hardcore-Rush-Fans, dass durch den ganzen Roman hindurch immer wieder Rush-Songtitel als beiläufige Bemerkungen oder Satzteile eingebaut werden. Immer wieder musste ich auf dem Laufband breit grinsen, wenn ich einen solchen Hinweis erkannt hatte.

Fazit

Auch wenn ich mich als Erwachsener beim Hören durch den Schreibstil ein wenig bevormundet fühlte, war es ein insgesamt positives Erlebnis, das vor allem den Genuss an der Musik des Albums „Clockwork Angels“ wieder stark erhöht hat (und der war vorher schon nicht gering). Allzu bald werde ich mir das Hörbuch aber sicher nicht noch einmal in die Gehörgänge schütten, dafür gibt es zu viel andere (und dann spannendere) Literatur.

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Song des Tages (131) – 2017-01-20

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Heute ist Ohrwurm-Zeit, wenn auch aus ganz unerwarteter Richtung: „Bravado“ von Rush gehört sicher zu den kürzesten Songs der Band. Doch dafür bleibt der Song mit seiner leicht melancholischen Art sofort im Ohr kleben:

Obwohl Rush sonst eindeutig dem Bereich „Progressive Rock“ zuzuordnen sind, hier haben sie fast schon Popmusik abgeliefert. Hach!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Song des Tages (124) – 2017-01-13

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. In meinem mittlerweile nicht mehr weitergeführten Rush-Blog habe ich mich über den heutigen Song des Tages einmal sehr positiv geäußert – und an meiner Wertschätzung dieses musikalischen Juwels hat sich bis heute nichts geändert: „Songs From The Wood“ von Jethro Tull:

Hach, der mehrstimmige Gesang und diese fast schon Renaissance-haften musikalischen Gesten. Den Song kann ich nicht oft genug anhören.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Song des Tages (55) – 2016-11-05

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch ein Song von Rush in dieser Kategorie erscheinen musste. Und fast schon „natürlich“ musste es ein Stück vom Album „Moving Pictures“ sein, denn das hält nicht umsonst so einige Rekorde. Daher heißt der heutige Song des Tages: „Tom Sawyer von Rush.

Wenn man diese riesigen Menschenmassen im synchronen Musikgenuss vereint sieht, dann wünscht man sich glatt in so ein Konzert hinein. (Oder man wünscht sich, Schlagzeuger zu sein…) Doch leider wird Rush aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr außerhalb des nordamerikanischen Kontinents unterwegs sein. Schade, schade!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Hörtipp: „Professor Satchafunkilus and the Musterion of Rock“ von Joe Satriani

Hammer-Album vom Altmeister der E-Gitarre

Hammer-Album vom Altmeister der E-Gitarre

Joe Satriani gehört zu den gottgleichen E-Gitarristen, die bereits während meiner Adoleszenz bekannt waren und Maßstäbe für alle anderen E-Gitarristen setzten. Manch einer ließ sich von seinem exorbitant beeindruckenden Können einschüchtern und letztendlich vom eigenen Eifer abschrecken, andere (z.B. mich) inspirierten sie zu langen Übeabenden und -nächten (teilweise auch spürbar zu Lasten der schulischen Leistungen). In meiner Band (jaaaa, die eine, die sich nach jedem Auftritt umbenennen musste, damit noch Leute in die spärlichen Konzerte kamen) spielten wir sogar ein oder zwei seiner Stücke (ich bin mir zumindest bei „Big Bad Moon“ vom Album „Flying In A Blue Dream“ sicher).

Aber ich schweife ab, denn heute geht es nicht um Kindheitsreminiszenzen! Vor ein paar Tagen begann ich einfach mit einer Suche in Apple Music, gab nacheinander ein paar Namen von mir geläufigen und von mir geschätzten Gitarristen ein, dann ließ ich mich von der Neugier treiben, hörte kurz in die Alben hinein, um dann einige auf meinem iPad zu sichern, andere links liegen zu lassen etc. Sehr hilfreich war auch die Funktion „Das könnte dir auch gefallen…“, denn über diese Schiene entdeckte ich das Album, dessentwegen ich diesen Blog-Eintrag schreibe.

Joe Satriani startete als purer Rock-Gitarrist, nahm im Lauf der Jahre auch einige funkige, balladeske, aber auch härtere Stücke auf, fast immer instrumental, gelegentlich wagte er sich auch selbst als Sänger aus Mikrofon (was nicht einmal schlecht war). Später wich er in den Bereich des Jazz aus, in den letzten Jahren kehrte er – sehr zu meiner Freude – wieder zu seinen Wurzeln im Rock zurück, allerdings schön angereichert mit Elementen aus allen Bereichen, in denen er sich dazwischen herumgetrieben hat.

Mit dem Eintritt ins Musikstudium hörte ich wenig bis gar keine meiner alten Gitarren-Idole, da ich auf die klassische Schiene fixiert war, die ja nun einmal eher meinem Studienfach als Diplommusiker, also dem Musiker im Symphonie-Orchester, entgegenkam. Vor ein paar Jahren jedoch erwachte die Lust an der gitarrenlastigen Musik aufs Neue, überwiegend durch die Band Rush, und selbstverständlich kam auch Joe Satriani wieder ins Spiel.

Das Album „Professor Satchafunkilus and the Musterion of Rock“ ist perfekt gemischt, wenn man das mit guten Kopfhörern oder Boxen (Muarharhar…) hört, fegt es einen glatt von den Füßen. Stückempfehlungen gebe ich gar nicht erst ab, denn sie sind so facettenreich, dass man fast überall etwas entdecken kann, was toll ist (aber das erste Stück ist schon einmal sensationell).

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Rush: Wie kann man am besten einsteigen?

Noch ein alter Artikel aus meinem Rush-Blog (Oktober 2014):

Eine Frage, die ich mir in letzter Zeit häufig stellte, ist diese: Wenn nun jemand zufällig über meinen Rush-Blog stolpern sollte, der noch nie etwas von dieser (sensationellen) Band gehört hat — unverzeihlich! —, was sollte man ihm/ihr empfehlen, um einen guten Einstieg in die Materie zu ermöglichen?

Tatsächlich ist es bei Rush ja nun so, dass die Band im Lauf der Jahre einige stilistische Umschwünge durchlaufen hat. Der Sound hat sich geändert, die Einflüsse der jeweils aktuellen Pop- und Rockmusik waren immer wieder neu in unterschiedlichem Ausmaß hörbar — und doch blieb da immer ein Kern „typischen Rush-Sounds“, der sich vom ersten bis zum aktuellsten Album wie ein roter Faden zieht.

Was wäre aber nun ein geeigneter Einstieg in die faszinierende Rush-Welt? Die Frage ist auf keinen Fall einfach zu beantworten, denn sie hängt in gewisser Weise vom Alter und Musikgeschmack des Hörers ab. In den folgenden Absätzen bemühe ich mich, für mehrere Altergruppen passende Tipps zu geben — ohne Garantie, dass es auch wirklich die richtige Herangehensweise ist!

Der „junge“ Hörer

Mit der „junge“ Hörer meine ich eine Altersgruppe unterhalb der 20 Lenze, die eher mit aktueller Pop-/Rockmusik aufgewachsen sind. Typisch für diese Hörer sind vermutlich ein möglichst perfekt durchgestylter Sound, der nichts dem Zufall überlässt, dafür aber auf mich etwas langweilig (wenn alles immer nur perfekt ist, verliert es eben schnell an Reiz) und leicht androgyn (sehr tiefe Frauen- und sehr hohe Männerstimmen) wirkt.

Für diesen Hörertyp sind vor allem die neueren Alben (alles ab ca. 2000, also vor allem „Clockwork Angels“, „Snakes and Arrows“, „Test for Echo“ und „Vapor Trails (Remixed)“) und jene der mittleren Phase (späte 1980er und 1990er Jahre, also „Grace Under Pressure“, „Signals“, „Hold Your Fire“, „Presto“, „Roll The Bones“ und/oder „Counterparts“) geeignet. Bei all diesen Alben ist der Sound makellos und geschliffen, vor allem ist Geddy Lee’s Stimme schon weitgehend in der etwas tieferen Lage angekommen.

Der „Hörer in meinem Alter“

Ich bin vor ein paar Tagen 39 Jahre alt geworden, insofern ist die Gruppe der „Hörer in meinem Alter“ älter als die oben genannte Gruppe, aber noch nicht wesentlich älter als ich. Unsere musikalische Sozialisation fand zwangsläufig in den mittleren/späteren 1980er und frühen 1990er Jahren statt. Wir wuchsen auf, als Rush in der mittleren Schaffensphase steckten.

Da in den 1980er und 1990er Jahren der Hard Rock noch einen deutlich höheren Anteil an der Popmusik stellte (wohingegen er heute beinahe komplett aus dem Radioprogramm verschwunden ist — es sei denn, man sähe Musiker wie Bryan Adams als „Hard Rock“ an…), sind uns kantigere Stücke durchaus vertrauter, es muss nicht alles immer so klingen, als hätten die Produzenten das Mischpult am Ende noch mit Zuckerguss versehen. Daher können wir auch einsteigen mit Beginn der 1980er Jahre: Alben wie „Moving Pictures“, „Permanent Waves“, „Hemispheres“, „A Farewell To Kings“ dürften uns (in dieser Reihenfolge) durch die Bank nach sehr kurzer Einhörphase sehr ansprechen. Alles neuere Material ist natürlich auch in Ordnung, denn der Sound wird ab da ja immer schicker und geschliffener (wobei bereits „Permanent Waves“ und „Moving Pictures“ in dieser Hinsicht keinerlei Wünsche offen ließen…).

Der „gesetzte“ Hörer

Damit meine ich alle Menschen, die schon mindestens fünf bis zehn Jahre älter sind — nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wer nämlich so alt ist, hat vermutlich von seinen Eltern schon eine ordentliche Portion „Hippie-Musik“ mit in die Wiege gelegt bekommen (es geht ja um die Geburtsjahrgänge 1965-1970).

Diesen Hörern empfehle ich das gleiche wie den Hörern meines Alters, mit einer kleinen (aber durchaus entscheidenden) Ergänzung: „Feedback“. Auf diesem Album werden vor allem Songs aus den spätens 1960er und frühen 1970er Jahren verbraten, in einem an die Rush-Verhältnisse angepassten Sound. Mich fasziniert an diesem Album jedes Mal neu die ultimative Spielfreude, mit der das Trio zu Werke geht. Ein purer Genuss (vor allem „Crossroads“ könnte ich täglich rauf und runter hören)!

Wenn dann noch Alben wie „Caress of Steel“ dazu kommen, sollte der musikalische Zirkel perfekt sein.

Fazit

Kein angehender Rush-Hörer wird einen Fehler begehen, mit den neuesten Alben zu beginnen, denn der Sound ist phänomenal gut. Noch dazu fällt es sicher niemandem schwer, sich von da aus gegenläufig chronologisch vorzuarbeiten. Ich habe das weitgehend so gemacht (allerdings kannte ich schon mehrere frühere Alben) — es hat funktioniert. Und wie das funktioniert hat! (Fragt mal meine Kinder, die können das schon nicht mehr hören…)

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Rush: Beeindruckende Leistungen

Und noch ein Artikel aus dem Rush-Blog:

Rush ist eine Band, die eigentlich immer an ihrem Limit spielen muss, denn sie sind nur drei. Beim Lesen in der Rush-Bibel von Martin Popoff stieß ich auf eine Stelle, die einmal auch Alex Lifesons Einzelleistungen hervorhebt. Meistens wird er in (medialen) Wahrnehmung der Band von Geddy — der Bass spielt, die Pedale und Synthesizer bedient und zusätzlich auch noch singt — und Neil — der als Songtext-Schreiber und Schlagzeuger seit seinem Einstieg eine besondere Position innehat — ziemlich aus dem Rampenlicht verdrängt. Ganz und gar unverdient, wenn man den folgenden Abschnitt liest.

And Alex’s guitar playing blew me away. We would double the guitars, which was a thing I was very much into at that point. And we only had three days to do all this work. So we did guitar track, drums and bass, and then I said to him, 'Let’s double it.‘ And I’ll never forget, to this day, I put the original guitar on the left speaker, we put the new guitar on the right speaker, and he doubled it from top to bottom, flawlessly, in one take. And it sounded like one huge guitar, it was so accurate.

Das Zitat stammt von Terry Brown, der in der frühen Phase von Rush für die Aufnahmen im Studio zuständig war. Da er auch schon andere Bands produziert und deren Platten zu Hits gemacht hatte, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er *genau* wusste, von was er hier sprach.

Auch ich als studierter Musiker, der sowohl CD-Aufnahmen als auch etliche Live-Auftritte absolviert hat, kann nicht meine Faszination verhehlen, denn so etwas ist eine absolut atemberaubende Leistung. Dazu eine kleine Anekdote: Ich unterrichte ein paar Privatschüler. Für eine ganz junge Schülerin habe ich vor einigen Wochen ein kleines Stück zum Mitspielen aufgenommen, da sie sich immer wieder (zu viele) Freiheiten im Rhythmus herausgenommen hatte, als dass ich einfach darüber hinwegsehen hätte können.

Ich bastelte mit Logic Pro X auf meinem Mac einen Rhythmus-Track, der einfach nur die Zählzeiten durchpulste. Dazu spielte ich dann die — wirklich einfache — Melodie ein. Doch vielleicht gerade weil es ein so einfaches Stück war, benötigte ich mehrere Anläufe, bis es rhythmisch akkurat „im Kasten“ war. Der geradelinige Puls vom Computer ließ sich einfach nicht auf meine Atempausen und leichten Verzögerungen ein. Und ich bin eigentlich kein Stümper auf meinem Gebiet (drei Studienabschlüsse *ohne* Bestechungszahlungen…).

Doch gerade diese noch relativ frische Erfahrung kam mir beim Lesen der obigen Stelle sofort wieder ins Gedächtnis. Es ist einfach wahnsinnig beeindruckend. Hoffentlich auch für Nicht-Musiker.

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Song-Vergleich: »A Farewell To Kings« & »Songs From The Wood«

Vorbemerkung: Das ist einer der alten Rush-Blog-Einträge.

Seit meinem letzten Eintrag ist deutlich mehr als ein Monat vergangen, was mir selbst am wenigsten gefallen hat, doch trotz Ferien und gelegentlichen Ruhigen Stunden, in denen ich tatsächlich etliche neue Einträge in meinem „normalen“ Blog veröffentlichte, brachte ich die Energie schier nicht auf, auch noch an dieser Stelle für ständigen Nachschub zu sorgen.

Heute möchte ich die viel zu lange Pause mit einem Eintrag brechen, der mir schon eine Weile im Kopf herumspukt. Doch ihn zu formulieren fällt mir nicht leicht, weil die Idee noch etwas vage ist. Sie wird hoffentlich beim Schreiben „reifen“. Im schlimmsten Fall wird dies ein sehr konfuser Eintrag, im besten Fall könnte es spannend werden.

Vergleich zweier Boliden

Das Thema heute ist ein auf den ersten Blick hinkender, meiner Einschätzung nach aber gar nicht so unpassender Vergleich zwischen dem Rush-Song „A Farewell To Kings“ vom gleichnamigen Album, das im September 1977 veröffentlicht wurde, und dem Song „Songs From The Wood“, ebenfalls vom gleichnamigen Album, dieses Mal jedoch nicht von Rush sondern von Jethro Tull, aber ebenso im Jahr 1977 (Februar) erschienen.

Wie komme ich auf die Idee, diese beiden Songs zu vergleichen? Wer sie nicht kennt, sollte sie sich erst einmal anhören:

  1. A Farewell To Kings
  2. Songs From The Wood

Nach dem ersten Anhören fragt sich vermutlich der überwiegende Teil meiner umfangreichen Gefolgschaft gleich einmal, wer so verrückt sein kann, eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesen beiden Songs erkannt haben zu wollen. Doch ich meine keine platten, sofort als solche zu erkennenden Parallelen, mir geht es um eine beiden Songs zugrunde liegende Stimmung.

Exkurs: Die Musik der Renaissance

Der Epochenbegriff Renaissance bezog sich ursprünglich auf eine geistige Wiedergeburt (lat. re = „wieder/zurück“ & nascere = „geboren werden“) der Antike im späten 15., dem gesamten 16. und einem Teil des 17. Jahrhunderts.

In der Musik zeichnete sich die Renaissance vor allem durch ein akkordisch geprägtes Denken und die Betonung weltlicher Musik zur geselligen Unterhaltung aus. Adelige und generell wohlhabende Menschen trafen sich abends, speisten, unterhielten sich, zerstreuten sich mit Gesellschaftsspielen und Musik. Das bedeutet, dass sie gemeinsam sangen und/oder mit Instrumenten musizierten. Zahlreiche Gemälde aus der damaligen Zeit beweisen dies eindrucksvoll.

Die Texte der Lieder von John Dowland lassen klar die weltliche Natur der Madrigale — so nannte (und nennt) man die geselligen Lieder — erkennen. Wer es nicht glauben mag, dem sei „Come Again“ mit seiner herrlich zweideutigen ersten Strophe ans Herz gelegt:

Come again, sweet love doth now invite//Thy graces that refrain to do me due delight.//To see, to hear, to touch, to kiss, to die with thee again in sweetest sympathy.

Ein ganz schön durchtriebener Kerl, dieser John Dowland! Aber es finden sich auch noch von vielen anderen Komponisten der Renaissance vergleichbare Texte, es war also für die Zeit nichts allzu Außergewöhnliches.

Dowland habe ich aus einem bestimmten Grund gewählt: Die meisten seiner Madrigale sind sowohl in einer mehrstimmigen (Chor-) Version als auch in einer Fassung für eine Stimme und Laute erschienen. Sting brachte vor einigen Jahren ein sehr interessantes Album mit dem Titel „Songs From The Labyrinth“ auf den Markt, auf welchem er ausschließlich Songs von John Dowland singt, begleitet von einer Laute.

Gesangspuristen schlagen bei diesem Album vermutlich bis heute entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen, denn Sting kratzt mit seiner etwas bärbeißigen Rock-Stimme über die vermeintlich zarten Madrigale, dass selbst hartgesottenen Sting-Fans gelegentlich ein leicht gepeinigtes Seufzen entfährt. Aber: Genau diese Interpretation dürfte dem Klangbild der Renaissance vermutlich am ehesten entsprechen – oder glaubt hier irgend jemand, um das Jahr 1600 hätte es überall in Europa nur perfekt ausgebildete Sangesvirtuosen gegeben? Wohl kaum! Wenn also abends — nach einem vermutlich feudalen Essen und eventuell auch dem gesellschaftlich akzeptierten Glas Wein über den Durst — die Adeligen/Wohlhabenden zu singen begannen, wird es nicht selten noch kratziger, rauer und (vermutlich) schräger geklungen haben. Aber (und da bin ich mir völlig sicher) die Leute werden einen Mordsspaß gehabt haben. Ganz klar.

Renaissance der Renaissance

Zurück zu den beiden Songs, die nun wieder mit dem Exkurs verbunden werden sollen: Beiden Songs wohnt meiner Wahrnehmung nach ein guter Schuss Renaissance inne, allerdings in unterschiedlichem klanglichen Gewand:

  • Bei „A Farewell To Kings“ erinnert mich vor allem das Vorspiel, getragen von der akustischen Gitarre und der flötenähnlichen (vielleicht höre ich ja auch hier eine kleine Parallele zu Jethro Tull) Synthesizer-Melodie, an Renaissance-Musik. Verstärkt wird der Eindruck durch den Titel, denn zufälligerweise stellt die Renaissance eine Epoche dar, in der sich die Adeligen/Wohlhabenden Privatbibliotheken aufbauten, sich selbst beständig weiterbildeten (hier entstand auch der Begriff „Universalgelehrter“, und damals war das auch fast noch möglich, heute ist dies beim besten Willen nicht einmal mehr in Ansätzen zu erreichen). Man zählte nicht mehr nur nach Abstammung, sondern zunehmend nach Können, nach Fertigkeiten und Leistungen. Ein sehr modernes Konzept also, dieser „Abschied von den Königen“.
  • Bei „Songs From The Wood“ ist es vor allem der mehrstimmige, madrigalartige Gesang zu Beginn (und immer wieder zwischendurch), der die Renaissance heraufbeschwört. So schön und so hemmungslos stelle ich mir so manches feucht-fröhliche Abendsingen vor dem Kamin im Haus eines reichen Kaufmanns irgendwo im Italien des 16. Jahrhunderts vor. Das ist einer der wenigen Momente, in denen das Prinzip einer Zeitreise mir verlockend erscheinen möchte.

Cover-Gestaltung

Zugegeben, das Cover hat aus akustischer Sicht auf den Klang eines Songs eigentlich keinerlei Einfluss, aber wie es schon beim Essen heißt: „Das Auge isst mit.“

Insofern bin ich fest davon überzeugt, dass ein besonders passend gestaltetes Platten-/CD-Cover (oder einfach nur das Bild bei iTunes, wie in meinem Fall) den Genuss eines Songs deutlich vertiefen kann. Umgekehrt klappt das sicher auch: Ein fürchterliches Cover kann einem den Genuss an der Musik vermiesen, und wenn es immer nur der Makel ist, dass man dieses Cover nicht herumzeigen möchte, wenn ein Gast fragt, was man denn da gerade höre. Musik wird erfahrungsgemäß umso schöner, wenn man sie mit ebenfalls begeisterten Hörern teilt. Umso ärgerlicher, wenn das Bild dann schlichtweg nicht vorzeigbar sein sollte.

Jethro Tull: Songs From The Wood

Jethro Tull: Songs From The Wood

Bei Wikipedia kann man zum Cover von „Songs From The Wood“ folgendes lesen:

Die Vorderseite zeigt kein Gemälde, obwohl auf der Rückseite des Covers der credit „front cover painting by Jay L. Lee“ zu finden ist. Tatsächlich handelt es sich um ein Foto, auf dem Umrisse, Linien und Konturen mit einem Stift einfach nachgezogen wurden (siehe Äste, Hundeschnauze oder Stiefel). Mit Farbe wurde nur vereinzelt über das Foto gemalt (siehe Feuer). Dass es sich um ein Foto und nicht um ein Gemälde handelt, beweisen mehrere andere ähnliche Fotos aus derselben Fotosession, die zum Teil im Tourprogramm der Großbritannien-Tournee 1977 und auf dem Konzertplakat zu sehen sind. Auch scheint es den Künstler Jay L. Lee nicht zu geben. Vermutlich liegt dem credit „painting by …“ wieder ein typischer Streich Ian Andersons zugrunde, der sein Publikum sehr gerne auf den Arm nimmt. „Painting by“ könnte sich auch lediglich auf das Nachbearbeiten des Fotos beziehen.

Das LP-Cover stellt Ian Anderson dar, der nach erfolgreicher Jagd mit Hund und Jagdbeute an einem Lagerfeuer hockt. Sein Hut liegt im Hintergrund auf einem Baumstumpf. Unter dem Bandnamen steht die Zeile with kitchen prose, gutter rhymes and divers, darunter der Albumtitel (also etwa: „Jethro Tull // mit Küchenprosa, Gossenreimen und allerlei // Liedern aus dem Wald“). Das Bild auf der Rückseite zeigt den Baumstumpf der Vorderseite, als Plattenspieler dargestellt, wobei der Tonarm auf den Jahresringen des Baumes liegt. Neben den Angaben zu Titeln und Mitwirkenden – einschließlich eines Holzfällers – sind in kleinerer Schrift Bandname und Albumtitel sowie eine Strophe aus dem Titelsong abgedruckt, die programmatisch für das Album ist.

Spannend, gell? Wieviel Liebe zum Detail allein in die Gestaltung der Verpackung gesteckt wurde! Und tatsächlich steigert diese Sorgfalt, diese Versessenheit, für mich den Genuss der Musik. Noch dazu passt auch hier das „Artwork“ in einigen Teilen zum Grundthema der Renaissance.

Rush: A Farewell To Kings (Cover)

Rush: A Farewell To Kings

In dieser Kategorie schert das Rush-Cover leider etwas aus, denn diese Hülle spielt eher die dystopische Karte aus. Ein nennenswerter Zusammenhang mit der Renaissance ist mir nicht bewusst geworden. Der frisch verstorbene Hofnarr mag noch als kleiner Hinweis dienen, das würde aber auch noch zu mehreren anderen Epochen passen.

Fazit

So, nun wird es Zeit, aus diesen vielen einzelnen Strängen einen einzelnen Zopf zu flechten… Klar, es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Songs, noch dazu von recht unterschiedlichen Gruppierungen zu einem ähnlichen Zeitpunkt an unterschiedlichen Orten der Welt eingespielt, dennoch verbunden durch eine zumindest mir so erscheinende Ähnlichkeit des Bezugsrahmens. Eine faszinierende Parallele, die gleich einmal ein erneutes Anhören rechtfertigt. Und damit soll es für heute gut sein.

 

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Kurze Vorwarnung…

Neben diesem Blog habe ich seit August 2014 einen separaten Blog mehr schlecht als recht betrieben, der sich ausschließlich mit der kanadischen Progressive Rock-Band Rush befasste. Allerdings passierte – kaum dass ich den Entschluss gefasst hatte, ein eigenes Rush-Blog zu eröffnen – etwas eigenartiges, denn ich verlor nach den ersten Einträgen jegliche Lust darauf.

Die Band höre ich immer noch gerne (sie läuft auch gerade im Hintergrund), aber mich darüber lang und breit auszulassen, irgendwie wollte ich das nicht mehr. Und so schleppte sich The Main Monkey Business nur höchst mühselig dahin. Heute morgen fasste ich den Entschluss, einen Schlussstrich zu ziehen. Einen entsprechenden Eintrag habe ich dort schon hinterlassen.

Die Vorwarnung für meine Leser bezieht sich nun darauf, dass ich die mir gelungen erscheinenden Einträge vom Rush-Blog zu diesem umziehen werde, bevor ich dort den Stecker ziehe. Wenn also heute im Lauf des Tages einige neue Artikel erscheinen, könnte es einfach daran liegen…

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