Archiv der Kategorie: Reisen

Gehört: „The Remains of The Day“ von Kazuo Ishiguro

Eines der besten Bücher, das ich in den letzten zwei Jahrzehnten gelesen (und nun auch gehört) habe.

Eines der besten Bücher, das ich in den letzten zwei Jahrzehnten gelesen (und nun auch gehört) habe.

Zum ersten Mal habe ich dieses Buch bereits vor gut 20 Jahren auf Englisch gelesen, schon damals hat es mich nachhaltig beeindruckt, denn es bedient sich einer ausgesprochen gewählten Sprache, sodass bereits das Lesen dieser hochfeinen und überkorrekten Sprache einen Genuss für sich darstellt. Dazu kommt der unaufgeregte Erzählstil, der dennoch äußerst intensiv ist. Womöglich fördert die ruhige Art der Erzählung sogar die Intensität, denn gerade die trügerische Unbewegtheit des in Form von Tagebucheinträgen seine Erfahrungen und Erlebnisse ausbreitenden Erzählers lässt von Zeit zu Zeit emotional besonders stark wirkende Momente zu.

Handlung

Die Zusammenfassung des Inhalts ist bei Wikipedia derart prägnant und gelungen, dass ich sie für meinen Blog-Eintrag einfach übernehme:

Stevens, der auf Schloss Darlington Hall als Butler eingestellt ist, begibt sich 1956 auf die Reise nach Cornwall, um dort seine ehemalige Arbeitskollegin Miss Kenton zu besuchen und sie zu bitten, nach Darlington Hall zurückzukehren. Diese Fahrt erweist sich als eine Reise in Stevens Vergangenheit. Allmählich erscheinen ihm die Erinnerungen an sein bisheriges Leben in Rückblenden. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Lord Darlington, der mittlerweile verstorben ist, in Besitz des riesigen Landsitzes. Dort fanden von etwa 1920 bis 1938 teils geheime Treffen bedeutender europäischer Politiker statt. Lord Darlington setzte sich für eine Lockerung der im Friedensvertrag von Versailles festgeschriebenen deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg ein und war später ein Vertreter der Appeasement-Politik des britischen Premiers Chamberlain. In der Nachkriegszeit galt Darlington deshalb als „Nazifreund“, verlor eine Klage gegen eine Zeitung, die dieses nachdrücklich behauptet hatte, und starb als gebrochener Mann. Stevens erlaubte sich als loyalem und seinem Herrn ergebenem, perfektem Butler nie, die Motive seines Herrn in Frage zu stellen oder dessen Verstrickungen in den Nationalsozialismus überhaupt wahrzunehmen. Auch seine Gefühle für Miss Kenton, die ihn liebt und ihm dies durchaus zu verstehen gibt, lässt er nicht zu. Er erkennt die möglichen Chancen, die er ungenutzt hat verstreichen lassen. Am Ende seiner Reise sieht er angesichts des hereinbrechenden Abends ein, dass er nur versuchen kann, das Beste aus dem zu machen, „was vom Tage übrig bleibt“.

Faszination

Ganz abgesehen vom hohen sprachlichen Niveau übt der Roman eine hohe Faszination auf mich aus, weil er auf jeder Ebene authentisch wirkt. Stevens bemerkt erst im Verlauf der Schilderung seines Lebens, wie sehr er sich und seine eigenen Bedürfnisse hintangestellt, vergessen, verleumdet und um alles Schöne betrogen hat. Es war ein Leben des Dienstes, nicht frei von schönen und heiteren Momenten, aber weitgehend frei von echten eigenen Entscheidungen. Auf der kurzen Autoreise durch England folgt er nun zum ersten Mal seit Jahren seiner eigenen Räson, trifft eigene Entscheidungen und erkennt, was ihm all die Jahre abgenommen und zugleich verwehrt wurde. Diesem Erkenntnisprozess, der sich ganz allmählich entfaltet, beizuwohnen und dem zunehmendem Tempo zu folgen, das sich mit jeder neuen Erkenntnis erhöht, war für mich äußerst faszinierend. Vor 20 Jahren schon und vor ein paar Wochen, als ich das Hörbuch beim Laufen hörte, erneut.

Verfilmung

Die Verfilmung habe ich vor einigen Jahren auch ein- oder zweimal angesehen, doch ihr fehlt – trotz der exzellent ausgewählten Schauspieler (allen voran Anthony Hopkins und Emma Thompson), die ihren jeweiligen Part mit höchster Überzeugungskraft interpretieren – die erzählerische Größe des Romans. Doch stellt dies nur meine Meinung dar, wer Interesse an der Verfilmung hat, wird sicher nicht enttäuscht werden.

Fazit

Dieses Hörbuch ist fantastisch: Technisch makellos, inhaltlich ausgezeichnet, die Geschichte spannend und zugleich von einer stillen Dramatik — eine ganz klare Empfehlung für jeden, der sich für einen modernen Klassiker interessiert.

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Kuba

Vor fast exakt 15 Jahren, im Oktober 2001, besuchte ich als Teil einer Studentengruppe der Hochschule für Musik Würzburg Kuba. Eine Woche lang gab es ein allgemeines Kulturprogramm, die zweite Woche über erhielten wir an der ISA, der Staatlichen Musikhochschule in Havanna, Unterricht in Musikgeschichte, Klavier und diversen Rhythmus-Instrumenten. Organisiert und begleitet wurde die Fahrt von Prof. Dr. Andreas C. Lehmann, der bis heute an der Musikhochschule in Würzburg unterrichtet.

Kuba! Heute wäre der Halbmast wohl eher angebracht...

Kuba! Heute wäre der Halbmast wohl eher angebracht…

Der zwar nicht ganz unerwartete, doch keinesfalls erwünschte Tod von Fidel Castro hat mich veranlasst, diesen Blog-Eintrag, den ich schon sehr lange im Hinterkopf erwogen hatte, endlich in Angriff zu nehmen. Er wird mit etlichen Bildern von damals gespickt werden, die ich aus unserem „analogen“ Fotoalbum abfotografiert habe, daher darf man in dieser Hinsicht leider keine hochauflösenden Qualitätsschüsse erwarten.

Politik

Wer die Einleitung aufmerksam gelesen hat, mag bemerkt haben, dass das Datum unserer Fahrt nur wenige Wochen nach dem tragischen 11. September 2001 lag. Entsprechend aufregend war es für uns, am 1. Oktober in den Flieger zu steigen, um dann 13 Stunden lang gen Kuba zu fliegen. Eigentlich hätte der Flug ja auch nur elf Stunden dauern sollen, doch die USA verweigerten damals allen Flugzeugen, die nicht auf US-amerikanischem Boden landen wollten, den Überflug. Der Flug über das Meer führte zu mehr Wind und Wetter und verzögerte unsere Ankunft auf der kubanischen Insel um gute zwei Stunden.

Die Anschläge und der während unseres Aufenthalts auf Kuba beginnende (zweite) Irak-Krieg bestimmten somit auch das politische Klima dieser zwei Wochen. Unser Prof, dessen Frau eine US-Amerikanerin ist, dürfte noch wesentlich stärker als wir Studenten von den Ereignissen mitgenommen worden sein. Mit eiserner Disziplin zog er aber die ganze Fahrt als charmanter und kompetenter Verantwortlicher durch. Hut ab! Da ich in den letzten Jahren ja immer wieder mit Musikensembles oder Schülergruppen unterwegs war, weiß ich, wie dünnhäutig man schon bei Kleinigkeiten werden kann (und die summieren sich ja schnell bei einer größeren Gruppe).

Auch die Kubaner reagierten auf die Anschläge und den Krieg, indem sie überall in den großen Städten (Santiago de Cuba und Havanna) deutlich sichtbare Schilder aufstellten:

Kuba – Gegen den Terrorismus und gegen den Krieg!

Kuba – Gegen den Terrorismus und gegen den Krieg!

Die gleiche Positionierung, nur ohne Fidel.

Die gleiche Positionierung, nur ohne Fidel.

Land und Leute

Die erste Woche verbrachten wir in und um Santiago de Cuba, einer fantastischen Stadt, die ich jederzeit Havanna vorziehen würde (auch wenn dort kulturell noch mehr los ist). Und wie überall zeigte Kuba seine gespaltene Natur: Kulturelle und historische Schätze einerseits, Mangel und Verfall andererseits.

Ein ganz banales, aber möglicherweise unterhaltsames Beispiel sind die folgenden Fotos, die zwei nebeneinander aufgestellte Parkbänke (bzw. deren Überreste) in einem typisch kubanischen Zustand zeigen:

Im ersten Fall fehlt glücklicherweise „nur“ die Rückenlehne, im zweiten Fall, nun ja...

Im ersten Fall fehlt glücklicherweise „nur“ die Rückenlehne, im zweiten Fall, nun ja…

Doch die Kubaner sind ein außerordentlich lebenslustiges, geduldiges und erfinderisches Volk. Wer den Bus nehmen will, weiß, dass er nicht zwingend pünktlich kommt. Und wenn er kommt, wollen statt der üblichen 50-80 Personen locker 120-150 mitfahren. Erstaunlicherweise passen die auch alle da hinein:

Kubanischer Personennahverkehr – mit einer gelassenen Disziplin und der Gewissheit, dass alle mitfahren werden.

Kubanischer Personennahverkehr – mit einer gelassenen Disziplin und der Gewissheit, dass alle mitfahren werden.

Auch beim Wohnen sind die Kubaner in erster Linie eines: genügsam. Darüber hinaus beweisen sie in ihren häufig bescheidenen Verhältnissen ein sicheres Gespür für Eleganz, wie man an diesem Überblick über ein Wohnviertel Santiagos erkennen kann (links unten bin ich gerade noch mit eingefangen worden):

Trotz vieler Mängel und (aus unserer Sicht) fragwürdiger Sicherheitsstandards blitzt immer wieder auch die schlichte kubanische Eleganz durch.

Trotz vieler Mängel und (aus unserer Sicht) fragwürdiger Sicherheitsstandards blitzt immer wieder auch die schlichte kubanische Eleganz durch.

Kultur-Programm

Unser Kulturprogramm war sehr vollgepackt und in der Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit sowie den dauerhaft sehr warmen Temperaturen ganz schön anstrengend. Nach einem mehrstündigen Rundgang durch Santiago de Cuba saßen wir als ganz Gruppe vor dem Bacardi/Rum-Museum etwas platt auf den Stufen und sehnten uns nach kühlen Getränken und Eis…

Obwohl wir alle ziemlich platt aussehen, es war der Hammer!

Obwohl wir alle ziemlich platt aussehen, es war der Hammer!

Unser Fremdenführer, der einige Beziehungen hatte, sorgte sogar dafür, dass wir die Vorpremiere eines Theaterstücks besuchen konnten. Da es gut anderthalb Stunden nur auf Spanisch ablief, bekamen wir trotz unseres sechsmonatigen Spanischkurses im Vorfeld nur Bruchstücke mit. Kostüme, Masken und Ausdrucksstärke der Spieler und Musiker waren jedoch auch so beeindruckend.

Gute Beziehungen (das sog. „Vitamin B“) führten zum Besuch dieses Theaterstücks, das nach uns kaum noch jemand gesehen haben dürfte...

Gute Beziehungen (das sog. „Vitamin B“) führten zum Besuch dieses Theaterstücks, das nach uns kaum noch jemand gesehen haben dürfte…

Nach dem Ende der Aufführung begleitete uns der Fremdenführer zum Hotel zurück. Dabei erfuhren wir, dass einige der anderen Zuschauer wohl zu einer Kommission gehörten, die beurteilen sollten, ob das Stück öffentlich gezeigt werden dürfe. Angeblich durfte es nicht. Insofern könnten wir zu den ganz wenigen Personen gehören, die dieses – vermutlich systemkritische – Theaterstück zu Gesicht bekamen. Zensur live, eine der vielen widersprüchlichen Facetten Kubas.

Touristen-Luxus

Touristen werden auf Kuba außerordentlich zuvorkommend behandelt, die Unterkünfte sind (abgesehen von den extrem teuren Nobelhotels, die für uns Studenten von vornherein ausgeschlossen waren) sauber und schlicht. Immerhin gab es in unserem Hotel (Las Americas) in Santiago einen Hotelpool, den wir tagtäglich ausgiebig nutzten:

Im Pool – vorne links Multicolorina, hinten in der Mitte ich...

Im Pool – vorne links Multicolorina, hinten in der Mitte ich…

Abends wurde am Pool ein aufwändiges Animationsprogramm durchgezogen. Auch ich durfte mal im Mittelpunkt stehen und mir von unserem Reiseführer die coolsten Moves zeigen lassen. Selbstverständlich meisterte ich sie alle…

Solera – knisternde Erotik auf zwei Beinen... *hüstel*

Solera – knisternde Erotik auf zwei Beinen… *hüstel*

Ganz abgesehen vom kulturellen Programm gab es für mich natürlich auch ganz private Highlights, denn Multicolorina in ihrer ganzen Pracht zwei Wochen lang um mich zu haben, war (und ist bis heute) ein erhebendes Erlebnis. Seht sie euch nur an, da bleibt einem doch glatt die Luft weg, oder?

Wer blendet mehr? Die Sonne oder Multicolorinas Schönheit?

Wer blendet mehr? Die Sonne oder Multicolorinas Schönheit?

Bei einem Karibik-„Urlaub“ (es war ja kein Urlaub, der Begriff „Studienreise“ war in unserem Fall tatsächlich völlig angemessen) darf eines nicht fehlen: Der Besuch am Strand. Bei diesen Temperaturen im Meer baden – himmlisch!

Ohne Gruppenbild kann eine Studienfahrt nicht enden...

Ohne Gruppenbild kann eine Studienfahrt nicht enden…

Einzig die heftige UV-Strahlung setzte einigen von uns Bleichgesichtern arg zu: Eine Mitstudentin legte sich für gut 45 Minuten völlig ohne Sonnencreme zum „Bräunen“ hin. Bis zum Abend war die Haut an ihren Unterschenkeln und Füßen vom heftigen Sonnenbrand so angeschwollen, dass sie nicht mehr in ihre Schuhe passte. Autsch!

Havanna

In Havanna besuchten wir wirklich viele Veranstaltungen an der ISA, die speziell für uns mit einem leider völlig inkompetenten Simultandolmetscher abgehalten werden sollten. Der Professor für kubanische Musikgeschichte legte auf Spanisch los, hörte, was der Dolmetscher daraus machte, unterbrach ihn mehrfach – und warf ihn hinaus, um selbst auf Englisch weiterzumachen. Herrlich!

Die ISA – in dem Ambiente zu studieren... Hach!

Die ISA – in dem Ambiente zu studieren… Hach!

Die Kurse wurden teilweise im Plenum, teilweise in kleinen Niveaugruppen abgehalten. Schön war es, dass auch unser Prof voll dabei war – hier sind wir gerade an den Percussion-Instrumenten:

Und laut sind die Dinger, wenn man sie richtig spielt!

Und laut sind die Dinger, wenn man sie richtig spielt!

Zwischendurch übte ich auch noch mein eigentliches Instrument in den Pausen zwischen den Kursen. Vermutlich können nicht viele von sich behaupten, zum Üben nach Havanna gereist zu sein… 😉

Musiker kennen ihn, den „Fluch des Übens“ – jeden Tag neu ruft das Instrument. Gerade im Studium darf man sich da auch nicht allzu oft eine Auszeit nehmen...

Musiker kennen ihn, den „Fluch des Übens“ – jeden Tag neu ruft das Instrument. Gerade im Studium darf man sich da auch nicht allzu oft eine Auszeit nehmen…

Der Klavierunterricht war einer, der in Niveaugruppen stattfand. Die Dozentin (Elcilia) teilte gnadenlos offen in gut, mittel und schlecht ein. Das Urteil bzw. die Zuteilung wurde vor versammelter Mannschaft verkündet, ab da blieb man unwiderruflich in der Gruppe, der man zugeteilt worden war.

Elcilia war gnadenlos direkt und offen – besonders beliebt machte sie sich daher bei uns nicht, effektiv war es aber, manche Sachen, die sie uns zeigte, spiele ich heute noch.

Elcilia war gnadenlos direkt und offen – besonders beliebt machte sie sich daher bei uns nicht, effektiv war es aber, manche Sachen, die sie uns zeigte, spiele ich heute noch.

Die Methodik war (und ist) simpel: Vormachen, nachmachen – Lob, Tadel. Für Nettigkeiten gab es da kaum Platz...

Die Methodik war (und ist) simpel: Vormachen, nachmachen – Lob, Tadel. Für Nettigkeiten gab es da kaum Platz…

Unvergesslich ist uns Teilnehmern das „Kopieren“, denn für Elcilia war Kopieren nicht etwa das uns bekannte Auflegen des Originals auf die Glasplatte eines Kopiergeräts und das Drücken eines Knopfes. Nein, für Elcilia war das: Sie legt ein Blatt mit Noten auf den Tisch, wir schreiben zu zehnt parallel das Blatt in Din A4-Größe ab. Herrlich!

Neben dem Unterricht an der ISA, der immer Vor- und Nachmittag füllte, gab es ja noch unglaublich viel zu entdecken. Auf einer langen Stadtführung lernten wir die Bar kennen, in der Ernest Hemingway wohl Stammgast war:

Ernest Hemingway war ein großer Kuba-Fan – auch die Revolution konnte ihn nicht abschrecken. In seiner Lieblingsbar hängen bis heute Fotos wie diese, um den Touristen noch ein paar Dollar für Getränke aus der Tasche zu locken...

Ernest Hemingway war ein großer Kuba-Fan – auch die Revolution konnte ihn nicht abschrecken. In seiner Lieblingsbar hängen bis heute Fotos wie diese, um den Touristen noch ein paar Dollar für Getränke aus der Tasche zu locken…

Außerdem führte uns unsere Reiseführerin (in der zweiten Woche war das eine Dame rund um die 50) auch auf das Dach eines mehrstöckigen Gebäudes, wo ein Dachrestaurant neben leckerem Essen auch einen spektakulären Ausblick auf den Hafen und die Altstadt bot. Dabei entstand dieses fantastische Bild, das Multicolorina in ihrer ganzen Schönheit (die bis heute immer nur größer wird) zeigt:

So hübsch, hach!

So hübsch, hach!

Heimkehr

Unsere Heimkehr verlief relativ reibungslos, lediglich der Kälteschock saß tief: Auf Kuba selbst bei Nacht gut und gern 25 Grad Celsius, in Deutschland (Mitte Oktober) eher Temperaturen, die sich zunehmend auf den Gefrierpunkt zubewegten. Das war für ein paar Tage schon herb, gerade in Kombination mit dem Jet-Lag. Doch auch das haben wir überlebt – und trotz der inzwischen vergangenen 15 Jahre sind die zwei Wochen auf Kuba nach wie vor eine meiner angenehmsten Erinnerungen.

Wieder daheim – erschöpft, frierend und absolut zufrieden!

Wieder daheim – erschöpft, frierend und absolut zufrieden!

Bedankt haben wir uns damals schon bei ihm, doch auch nach all den Jahren möchte ich Prof. Dr. Andreas C. Lehmann hier noch einmal meinen Dank aussprechen. Angesichts der heiklen politischen Situation war diese Fahrt sicher Anlass für das eine oder andere graue Haar. Aber das steht ihm sicher hervorragend!

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Brexit zum Frühstück

Während meiner Yoga-Runde führte am gestrigen frühen Morgen mein iPhone eine Art Breakdance auf: Permanent gingen aktuelle Push-Mitteilungen zum Brexit über meine Tagesschau– und heute-Apps ein und versetzten den Vibrationsalarm in einen wahren Taumel. Das hier ist kein politischer Blog, ich will das auch nicht lange ausdehnen, mir kam nur beim Duschen ein Gedanke, dessen Ausformulierung ich tatsächlich für erstrebenswert erachte.

Der Brexit war aus meiner Sicht eher zu erwarten als der Verbleib in der EU, denn die Briten sind ein stolzes Volk, deren ältere Bevölkerungsschichten sich nach dem alten Glanz des Empire zurücksehnen. In gewisser Weise habe ich mir den Brexit sogar fast herbeigewünscht – nicht wirklich, aber als Gedankenspiel, denn er ermöglicht – nun sogar in der Realität – ein einzigartiges Experiment: Ich habe in Gedanken für mich mal durchgespielt, was die Langzeitfolgen des Brexit sein könnten. Aus meiner Sicht bleiben ja nur drei grundlegende Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung:

  1. Es geht den Briten besser als vorher, die Wirtschaft blüht auf, die Politik stabilisiert sich. Das wäre das Signal schlechthin für weitere Länder, in denen die EU-Unzufriedenheit hoch ist, sich zu verabschieden. (Glaubt man einigen Twitterern, so bereitet Horst Seehofer bereits ein eigenes Volksreferendum vor, um Bayern über den Verbleib in/den Austritt aus der EU abstimmen zu lassen…)
  2. Es geht den Briten schlechter als vorher, die Wirtschaft schrumpft schmerzhaft, die Politik destabilisiert sich (und/oder rutscht deutlich nach rechts), soziale Probleme (und in deren Folge ein tumber Nationalismus) verschärfen sich. Eine gewisse Häme gegenüber Großbritannien würde sich EU-weit ausbreiten, die Vorteile einer großen Gemeinschaft würden deutlicher denn je hervortreten und den Zusammenhalt der verbliebenen Länder effektiv stärken. Da die Schotten angeblich ein erneutes Referendum zur Loslösung von England vorbereiten, spekulieren sie offensichtlich auf diesen Ausgang und werden dann als eigenständiges Land selbstverständlich gleich nach der (ebenfalls zu erwartenden) Unabhängigkeit (das wäre ja ein ganz entzückender Wortwitz, denn der Brexit wurde von dessen Befürwortern gestern ja als „Independence Day“ gefeiert) eigene Aufnahmegespräche mit der EU beginnen.
  3. Es passiert fast nichts – nach einer kurzen Anpassungsphase, in der es sicherlich turbulent wird, danach läuft für 85-95 Prozent der Menschen alles in gewohnten Bahnen weiter. Das ist wiederum die spannendste Alternative, denn die Reaktionen der anderen EU-Länder hängen dann von der medialen Interpretation dieser unspektakulären Entwicklung ab. Ich erwähne hier nur ganz beiläufig den Namen einer Zeitung mit vier Großbuchstaben, zu der es in allen europäischen Ländern mindestens ein entsprechendes Pendant gibt – und deren simple, aber häufig (fast schon unablässig) wiederholte, Parolen schon häufig zur Meinungsbildung ganzer gesellschaftlicher Schichten beigetragen haben.

Was daraus wird, hängt nun von der weiteren Entwicklung der kommenden zwei bis fünf Jahre (als Mindestzeitrahmen) ab. Wirklich valide Vergleiche benötigen sicher noch etwas länger, da alle kurzfristigeren Entwicklungen auch anderen ganz üblichen Schwankungen unterliegen könnten.

Schön finde ich persönlich, dass nach der anfänglichen Entsetzenswelle im Internet nun auch einige sehr besonnene Kommentare die möglichen positiven Auswirkungen des Brexit auf das restliche Europa, das — wie ich oben bereits geschlussfolgert habe — ja durchaus auch gestärkt werden könnte, erscheinen, z.B. bei heute.de. Was aus der Angelegenheit wird, dürfte uns allen in den kommenden Jahren wieder und wieder unter die Nase gerieben werden – egal, was in der Substanz dabei herauskommt. Insofern dürfen wir uns als Nicht-Akteure in diesem Spiel ab sofort zurücklehnen und entspannt die Show genießen.

Ein paar aus meiner Timeline ausgewählte Twitter-Kommentare zum Brexit gibt’s noch als kleines Schmankerl:

Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher

Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher

Verfrühter Jubel?

Verfrühter Jubel?

Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht...)

Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht…)

Schönes Wortspiel!

Schönes Wortspiel!

Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen...

Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen…

Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit...

Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit…

Der Brexit aus kulinarischer Sicht

Der Brexit aus kulinarischer Sicht

Ein Grundproblem aller Basisdemokratie...

Ein Grundproblem aller Basisdemokratie…

Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?

Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?

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San Francisco: Coit Tower

Viel zu lange habe ich nichts mehr über meine Geburtsstadt San Francisco geschrieben. Einige Absätze des heutigen Artikels liegen schon seit Monaten in meinem Entwürfe-Ordner herum, doch es kostet Zeit, sich dieses Themas mit dem gebotenen Ernst und der notwendigen Muse zu widmen. Daher wollte ich keinen Schnellschuss aus der Hüfte loslassen, nur um den Artikel fertig zu bekommen.

Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)

Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)

Mit dem Coit Tower treffen wir heute ein weiteres Highlight San Franciscos, das mir diese Stadt so sehr ans Herz hat wachsen lassen. Im Coit Tower vereinigen sich gleich mehrere kulturell interessante Aspekte, die natürlich auch touristisch ausgeschlachtet werden, doch in diesem Fall ist es gut so, denn sonst hätte am Ende kaum jemand Zugang zu dieser Attraktion.

An manchen Tagen kann es da ziemlich bedrängt zugehen, wir hatten damals (2003) riesiges Glück, denn trotz sonnigen Wetters und milder sommerlicher Temperaturen waren höchsten eine Handvoll Leute zeitgleich mit uns anwesend, was einige ungestörte Fotos ermöglichte.

Geschichte:

Erbaut wurde der Coit Tower im Jahr 1933, verantwortlich für den Bau waren Arthur Brown Jr. und Henry Howard. Der Name des Turms geht auf eine ganz interessante Geschichte zurück:

Lillie Hitchcock Coit, ein Kind aus sehr wohlhabenden Verhältnissen, half den Feuerwehrmännern bei einem Brand in der Nähe des Telegraph Hill, woraufhin sie zu einem Maskottchen der Freiwilligen Feuerwehr San Franciscos wurde. 1929 starb sie und hinterließ der Stadt 100.000 (andere Quellen sprechen von 125.000) Dollar für die Verschönerung der Stadt. Die Summe klingt vermutlich nach heutigen Verhältnissen nicht besonders opulent, zumindest wenn man bedenkt, was allein die Großbaustelle des BER täglich an Geld verschlingt, für damalige Verhältnisse war es aber ein „riesiger Batzen“.

Auf jeden Fall wurde der 64 Meter hohe Aussichtsturm errichtet, der bis heute fantastische Ausblicke auf einen Großteil der Stadt und der Bucht ermöglicht. Davon konnten wir uns persönlich überzeugen. Und davon gibt’s natürlich gleich einiges zu sehen…

Wer nun ein wenig auf den Geschmack gekommen ist, findet weitere Informationen zum Coit Tower hier und hier.

Architektur:

Der Coit Tower soll zwar offiziell nicht so aussehen wie eine aus dem Boden ragende Feuerwehrspritze, zumindest beabsichtigten die Architekten dies nicht. Wenn man ihn sich allerdings ansieht, fällt eine gewisse Ähnlichkeit dennoch ins Auge.

Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier schon die stilisierte Spritze eines Feuerwehrschlauchs erkennen...

Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier (zumindest meiner Meinung nach) schon die stilisierte Spitze einer Feuerwehrspritze erkennen.

Zumindest geht es mir so. Aber wer es anders sieht, darf mir gerne einen Kommentar schreiben. Gerade visuelle Analogien sind ja ein Gebiet, in dem sich schier unendliche Diskussionen führen lassen.

Aussicht:

Die Aussicht von der Spitze des Coit Tower ist schlicht sensationell. Aus den fast schon unzähligen Bildern habe ich nur eine sehr kleine Auswahl zusammengestellt, die als kleiner Appetizer angesehen werden können, doch einmal einen Trip nach San Francisco zu unternehmen.

Hier ein Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.

Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.

Hier der wundervolle Ausblick direkt auf die Golden Gate Bridge.

Die vermutlich bekannteste Attraktion der City by the Bay: Die Golden Gate Bridge.

Hier der Blick in Richtung der Innenstadt, zentral ist die Needle zu sehen.

Blick in Richtung der Innenstadt, im Zentrum ist die sog. Needle zu sehen.

Und zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003...

Zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003.

Kunst im Innern:

Beim ersten Besuch wird man fast überwältigt von den atemberaubend schön bemalten Innenwänden im Erdgeschoss. Die Wandmaler ließen sich von Diego Riveras sozialkritischer Malerei inspirieren und bauten zahlreiche „linke“ Elemente in die Wandgemälde ein.

Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).

Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).

Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess

Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess…

Fleiß und körperlicher Einsatz als durchgehende Motive

Fleiß und harter körperlicher Einsatz sind die durchgehenden Motive.

Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.

Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.

Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower ganz unerwartet zum Leuchten bringt.

Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower noch mehr zum Leuchten bringt…

Fazit:

Der Coit Tower gehört zu den von außen eher unscheinbaren, in seiner Gesamtwirkung aber immens bedeutsamen Attraktionen San Franciscos. Wenn ich mal wieder in der Stadt sein sollte, muss ich die drei Dollar für den Aufzug auf jeden Fall investieren – der Ausblick ist es wert!

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Don Camillo und Peppone

Don Camillo und Peppone

Das unzertrennliche Duo: Don Camillo und Peppone

Auf dem Weg in den Italien-Urlaub kamen wir durch die Po-Ebene (ja, meine Kinder fanden das auch lustig). Das regte meine Erinnerung an die wundervollen Don Camillo-Filme an, spontan beschloss ich, daheim möglichst bald mal wieder eine oder mehrere dieser Juwelen meiner Filmsammlung anzusehen.

Gedacht, getan. Unsere Kinder kannten noch keinen einzigen dieser Filme, also sahen sie ganz gebannt zu, wie „Hochwürden Don Camillo“ und sein Kontrahent Peppone in ihrer ewig charmanten Hass-Liebe ein Abenteuer nach dem anderen überstehen.

Lieblingsstelle

Meine absolute Lieblingsstelle in allen Don Camillo-Filmen findet sich in „Genosse Don Camillo“: Peppone und seine kommunistische Partei haben sich mit einer Sache gegen Don Camillos Willen durchgesetzt, woraufhin er sich protestierend in den Hungerstreik begibt.

Das zieht sich eine Weile hin, bis sein Gesundheitszustand tatsächlich etwas bedrohlich wird. Peppone sucht ihn privat auf und bittet ihn, nein: fleht ihn an, wieder Nahrung zu sich zu nehmen. Don Camillo lehnt in gekränktem Stolz ab. Kaum ist Peppone abgezogen, hält Don Camillo eine seiner entzückenden Zwiesprachen mit Gott, an deren Ende er von „oben“ aufgefordert wird, doch bitte wieder zu essen.

Dieser Aufforderung kommt er nur zu gerne nach. In seinem Kühlschrank befinden sich Vorräte für eine ganze Woche, die er in etwas weniger als drei Stunden „vernichtet“. Danach schläft er — völlig groggy von diesem mehr als nur opulenten Mahl — in einen tiefen Schlaf.

Und kaum schläft er so tief und selig, dringen Peppone und einige seiner Parteifreunde in die Wohnung ein und nehmen eine kleine Zwangsfütterung am vermeintlich fast verhungerten Don Camillo vor. Die nächsten Tage geht es ihm nicht ganz so gut, allerdings nicht aus den Gründen, die die meisten seiner Mitbürger vermuten…

Eine mit so gutem Timing, so viel stillem Humor, mit Charme und Bodenständigkeit inszenierte Passage, die ich mir immer wieder ansehen könnte!

Kleine Umfrage

Nachdem ich gerade die Hosen heruntergelassen (bzw. die „Soutane gelupft“) habe, kam mir in den Sinn, meine werte Leserschaft auch mit ins Boot zu holen:

  • Welcher Don Camillo-Film — falls ihr sie ebenfalls kennt — gefällt euch am besten?
  • Gibt es darin auch Lieblingsszenen?

Musik

Eine der ganz großen Stärken aller Don Camillo-Filme ist die Musik. Das Thema könnte ich auf Nachfrage sofort summen/pfeifen/singen (aber nicht tanzen, bin ja nicht in der Waldorf-Schule…). Vermutlich geht es auch vielen anderen Fans so.

Vorhin habe ich mal nachgesehen: Bei Apple Music gibt es die Musik zu allen Filmen in einem Sammelalbum zum Anhören. Und nun ratet mal, was gerade im Hintergrund läuft?

Link zum Bild

 

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Urlaub in Italien

Vom 22. bis zum 29. August war ich mit meiner Familie in Italien, genauer gesagt in Forte dei Marmi, einem eher noblen Küstenort der Toskana. Die Kinder waren uns schon seit Jahren in den Ohren gelegen, dass sie jetzt endlich mal einen Urlaub am (Meeres-)Strand erleben wollten. Früher konnten wir uns noch mit dem Argument drücken, dass nicht alle Kinder schwimmen könnten, nachdem unsere Jüngste es aber im Verlauf des Frühjahrs gelernt hatte, gab es schlicht keine griffige Ausrede mehr. Also buchte ich einen Urlaub am Strand.

Anreise

Da wir mit fünf Personen und dem dazugehörigen Gepäck das Auto komplett füllen und mit keinem anderen Verkehrsmittel so billig nach Italien kommen konnten, mussten wir in den sauren Apfel beißen und die ungefähr 740 Kilometer von Aalen nach Forte dei Marmi selbst fahren.

Gepackt wurde alles einen Tag vorher, das Auto stand über Nacht bereit. Mein Wecker klingelte um 3:25 h. Da die Kinder entsprechend gebrieft waren, schafften wir es mit allem Drum und Dran tatsächlich, um etwa zehn Minuten nach vier am frühen Morgen auf der Straße zu sein. Eine offensichtlich weise Entscheidung, was die Verkehrsdichte anging (so kamen wir bis auf zwei kleine Stau-Unterbrechungen kurz vor dem Ziel ungehindert durch). Irgendwie dachte ich ja, die Kinder würden im Auto dann gleich noch bis sieben oder acht Uhr weiterschlafen, doch die waren so aufgedreht, dass sie alle wach blieben. Egal, wofür gibt es iPods?

Durch Deutschland und Österreich flogen wir förmlich hindurch, eine erste Pinkelpause gab es in der Schweiz direkt vor der Viamala-Schlucht (einen schönen Gruß an Mario Adorf an dieser Stelle, zumindest mussten wir Eltern beide sofort an ihn denken). Dann rauf und rauf und rauf, bis wir durch den San Bernardino-Tunnel in den italienischsprachigen Teil der Schweiz und danach — endlich — nach Italien gelangten. Dort gab es erst einmal einen „richtigen“ Kaffee für die liebste Frau, einen „Kaba“ für unsere Jüngste, die beiden Großen tranken den Rest einer meiner Pepsi Light-Flaschen aus. Gut so, sonst hätte ich alle paar Kilometer weitere Pinkelpausen einlegen müssen!

Wie oben schon kurz erwähnt: In Italien gab es zwei kleinere Staus, beide nicht allzu lang (insgesamt ging uns etwa eine halbe Stunde dadurch verloren). In beiden Fällen waren wir der Klimaanlage im Auto für ihren reibungslosen Betrieb sehr dankbar, denn zu diesem Zeitpunkt brannte die Sonne recht gnadenlos auf die sich träge durch die Landschaft wälzende Metall-Lawine herunter.

Gegen 14 Uhr schlugen wir im Hotel auf, kurz nach drei liefen wir bereits in Richtung Strand, wo uns weitere Überraschungen erwarten sollten…

Das Hotel von vorne

Die Frontansicht des Hotels »La Pace«

Strandplatz

In der Beschreibung des Hotels stand, der Weg zum Strand sei „ca. 200 Meter“. Hmmmmmmm. Irgendwie kam es mir wie mindestens 500 Meter vor (Luftlinie zählt für mich nicht, denn ich kenne bislang niemanden, der durch Wände gehen kann). Und das war noch nicht einmal unser Strand. Bis wir an dem vom Hotel empfohlenen Abschnitt des Strandes angelangt waren, mussten wir locker 1,2 bis 1,5 Kilometer laufen. Aber wir sind ja alle sportlich, daher hat uns das nicht wirklich gestört.

Doch dann kam der Hammer: Der Strand musste bezahlt werden. Hupsi! Als ich zum letzten Mal am Strand war (irgendwann in den 1980er Jahren), gehörte das noch nicht zum Alltag. Und die Preise waren gar nicht so gering, obwohl wir später erfuhren, dass es dort auch Plätze für bis zu 200 €/Tag geben soll. Unser Strandplatz (inklusive Sonnenschirm, zweier Sonnenstühle und einer großen Liege) kostete pro Tag 43 €, die ganze Woche bekamen wir mit etwas Rabatt für 250€. Aber immer noch ein dicker Batzen Geld.

Dafür kann man sich über die gebotene Leistung nicht beschweren, denn der Strand war stets sauber, beim morgendlichen Laufen sah ich Horden von hilfreichen Geistern umher eilen, Müll beseitigen, Sand harken, Stühle und Sonnenliegen in Position stellen. Darüber hinaus gab es mehrere saubere und nur für die Mieter eines Strandplatzes zugängliche Toiletten, mehrere Süßwasserduschen, eine private Umkleidekabine — und eine fantastische Aussicht!

Aussicht vom Strand

Die Aussicht vom Strand war wirklich sehenswert.

Nach dem ersten Schock über den Preis war die Entscheidung schnell gefallen: Wir bleiben der Kinder zuliebe die ganze Woche am Strand! Somit war dann zumindest der inhaltliche Fahrplan für die restliche Woche gesetzt. Da wir auch nicht vorhatten (und ebensowenig vorhaben), in Bälde an einen solchen Badestrand zurückzukehren, war das für uns völlig in Ordnung.

Essen im Hotel

Im Hotel hatten wir nur Halbpension gebucht, das Mittagessen fiel (mit Ausnahme von ein paar Crackern oder Keksen) einfach aus, da sowohl Frühstück als auch Abendessen ziemlich opulent waren. Gerade das Frühstück war deliziös, denn es gab zwar zu wenig Obst, ansonsten aber alles, was mein Herz in seinen (ernährungstechnisch) schwachen Stunden begehrt: Cereals mit frischer Milch, Joghurt, Brötchen, Toast, Butter und Aufstriche ohne Ende, gebratene Eier, Croissants, kleine Krapfen mit Vanillepudding-Füllung, Donuts und und und — kalorientechnisch ein absoluter Overkill. Unter 1.600 Kalorien ging da kein Frühstück vorbei. Aber es musste ja eine Weile halten…

Beim Abendessen gab es immer ein riesiges Buffet, das leider für Vegetarier wie mich nicht immer ganz kompatibel war (es gab immer vegetarische Gerichte, doch nicht immer von hoher Attraktivität für mich). Mir fehlte ein wenig die Rohkost, doch für eine Woche Urlaub war schon klar, dass ich keine ernsthaften Probleme bekommen würde. Vor dem Buffet gab es allerdings stets einen Pasta-Gang als Vorspeise. Und das war Abend für Abend ein Highlight. Unsere Jüngste, die sich noch nicht so auf die italienische Küche einlassen konnte/wollte, vererbte mir nicht selten noch einen zu 75 Prozent gefüllten Teller, den ich nur zu gerne zügig leerte. Und es folgte ein hervorragendes Dessert, in dieser Hinsicht stehen meiner eigenen Erfahrung nach die Italiener den Andalusiern in nichts nach.

Laufen an Italiens Küste

Wenn so opulent gegessen wird, kann ein Urlaub leicht zu einer Ballung von Fettgewebe um die mittleren Regionen führen. In weiser Voraussicht hatte ich in Aalen meine Laufschuhe und geeignete Laufkleidung eingepackt. Morgens stahl ich mich gegen 6:45 h aus dem Hotel und rannte los.

Meine erste Feststellung: Wo sind die Höhenmeter? Aber direkt am Meer entlang gibt es davon nur wenige (die Skala in meiner Lauf-App skalierte sich auf „5 Meter“ — und die wurden kaum erreicht, bei meiner Frau, die ebenfalls fleißig war, stand am Ende tatsächlich mal „1m“ in der Rubrik „Höhenmeter“), was dann angesichts meiner Gewöhnung an einige Höhenmeter beim Laufen in Aalen wiederum ein meist recht hohes Tempo nach sich zog. Die meisten Läufe absolvierte ich mit einem Tempo von deutlich unter 5:30 Minuten/Kilometer. Der schnellste Kilometer wurde in 4:41 Minuten abgehakt, für mich ein absoluter Rekord!

Hilfreich war dabei sicher auch, dass die Küstenstraßen ziemlich geradlinig geführt werden. Jede Kurve, am Ende gar noch auf Schotter oder unebenem Boden, nagt perfide am Tempo. Hier gab es davon nur ganz wenige, daher stieg das Tempo immer weiter. Am schönsten war der etwa sechs Kilometer ununterbrochen geradeaus führende Streifen am Ufer (siehe Screenshot). Da „flog“ man gefühlt nur so dahin.

Gerade Wege, hohes Tempo

Gerade Wege, hohes Tempo!

Ein weiterer Pluspunkt war der stets wehende Wind vom Meer, der mich beim Laufen erfrischte und kühlte. Ohne den Wind wäre es für mich sicher deutlich unangenehmer gewesen. Erst im Vergleich konnte ich heute früh beim ersten heimischen Lauf den Mangel an Erfrischung an einigen Stellen bemerken. Ach!

Noch eine ganz nette Kleinigkeit: Um diese Uhrzeit ist in einem Touristenort noch absolut nichts los. Ich habe mehr Müll- und Straßenreinigungsfahrzeuge gesehen als andere Passanten oder Läufer. Aber die… Interessanterweise kann man „echte Läufer“ sehr schnell von „Joggern“ unterscheiden:

  • Echte Läufer rennen sehr geradlinig, konzentriert und flink. Außerdem grüßen sie andere Läufer meist mit einem aufrichtigen Lächeln und Kopfnicken, gelegentlich auch mit einem kurzen Handzeig. Kaum einer hört Musik oder sonst etwas, die meisten halten ihren Kopf frei und lassen ihre Füße den eigenen Rhythmus finden.
  • Jogger dagegen laufen langsam, kreuz und quer, meist mit den unmöglichsten Verrenkungen in Hüfte und Knie (schon das Hingucken schmerzt). Außerdem zählt das Aussehen mehr als das Laufen, also muss die Frisur sitzen (das bedingt dann wiederum ein langsames Tempo, sonst könnte sich ja etwas lösen). Zusätzlich sind die Laufklamotten ausnahmslos von angesagten Marken und meist gebügelt. Das Smartphone mit monströs großen Over-Ear-Kopfhörern darf als Accessoire natürlich nicht fehlen. Einen Gruß darf man sich von einem Jogger nicht erhoffen, denn das wäre zuviel Mühe. Daran könnte man mal eine ganz interessante Sozialstudie durchführen…

Einmal konnte ich nicht anders, da musste ich mir einen kleinen Spaß mit dem GPS in meiner Lauf-App machen: Fast parallel zu unserem Strandabteil gab es in der Stadt eine Art Kreisverkehr, der — dem Berliner Ring in Würzburg nicht unähnlich — in drei Spuren um ein begrüntes Zentrum geführt wird. Bei einem Lauf rannte ich die drei Spuren nacheinander konsequent ab, um zu sehen, wie akkurat das GPS funktioniert. Nun ja, das Ergebnis lässt sich auf dem folgenden Screenshot erkennen.

Nicht ganz perfekt...

Das GPS ist nicht ganz perfekt, aber man kann die Runden dennoch erkennen.

 

Außerdem erfuhr ich noch etwas über mich: Ich kann über Wasser laufen (nicht „gehen“). Offensichtlich war der lange Steg, den ich mehrfach bis zum Ende hinaus- und wieder zurück lief, nicht in der Karten-App verzeichnet. Und nun beweist der Screenshot, dass ich locker 300 Meter über das Wasser gerannt bin. Das soll mir erst einmal jemand nachmachen!

Beweis: Ich kann über das Wasser rennen!

Hier ist der Beweis: Ich kann über das Wasser rennen!

Mini-Kulturprogramm zum Schluss

Am Abreisetag wagten wir uns noch einmal ca. 40 Kilometer südlich nach Pisa, denn die Kids waren ganz scharf darauf, den „schiefen Turm“ zu sehen. Den Rest der Stadt ignorierten wir dann auch komplett, aber den Turm in seinem starken Neigungsgrad konnten wir absolut genießen (eine Besteigung sparten wir uns aufgrund des massiven Touristen-Andrangs jedoch).

Touristen-Schwemme

Die Touristenschwemme gab es übrigens schon morgens um kurz nach zehn...

Rückreise nach Deutschland

Und dann starteten wir — glücklicherweise wohl ein oder zwei Stunden nach allen anderen Touristen — unsere Rückreise. Hätten wir nicht gleich zu Beginn eine Viertelstunde im äußerst zähflüssigen Verkehr zugebracht und in der Schweiz fast 30 Minuten das Räumen einer Unfallstelle in einem Autobahntunnel abwarten müssen, wäre die Rückreise komplett ohne nennenswerte Wartezeiten abgegangen.

Ich kann mich nicht über das Bett im Hotel beschweren, denn es war völlig ok. Aber der Genuss, nach einer so langen Fahrt wieder ins eigene Bett zu sinken und dann ziemlich flink wegzudämmern, kann gar nicht akkurat in Worte gefasst werden. Hach, Urlaub hat doch eigentlich immer den Zweck, einem das Nach-Hause-Kommen besonders schmackhaft zu machen.

Zurück in den Alltag

Am nächsten Morgen dann die eine Woche ausgesetzte Seilspringen-Ration von 93 Minuten, Dusche, Waage (ein spannender Moment): 64,7 Kilogramm. Uff! Alles im grünen Bereich… Mittlerweile ist fast die komplette Wäsche gewaschen und getrocknet, sogar zusammengelegt. Nur zum Verräumen konnten wir uns noch nicht ganz aufraffen. Aber der Tag ist ja noch lang.

 

 

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Liebster Blog-Award

In den letzten Wochen flatterten mir (virtuell, versteht sich) zwei Nominierungen für den „Liebster Award“ ins Postfach. Vielen Dank dafür, ich fühle mich sehr geehrt!

Ein paar der Blogs, denen ich folge, wurden in den letzten Wochen bereits nominiert, sodass ich gleich wusste, worum es dabei ging. Und ich kann nicht verhehlen, dass ich auch einen gewissen Stolz empfinde, in dieser „Liga“ mitspielen zu dürfen.

Gleichzeitig ist es so, dass die Annahme eines solchen Awards wiederum an die Nominierung anderer Blogs gekoppelt ist. Und allzu viele kenne ich nicht. Mir fehlt auch — ganz ehrlich — die Zeit, jetzt groß auf die Suche zu gehen, nur um hier ausreichend weitere Empfehlungen geben zu können. Diesem Punkt muss ich mich also leider einfach entziehen.

Es ist ganz einfach so, dass ich mir die Zeit nehme, die Beiträge der Blogs, denen ich folge, in der Regel ganz zu lesen. Wenn sie mir gefallen, besterne ich, wenn ich etwas dazu zu sagen/schreiben habe, tue ich das. Das kostet Zeit. Die gebe ich gerne, aber es gibt halt Grenzen. Und hier gilt für mich: Weniger (Blogs zu folgen) ist für mich mehr (weil ich dann mehr Zeit habe, die ich in Qualität und die Intensität bei der Beschäftigung mit den anderen Blogs investieren kann).

Auf die Fragen, deren Beantwortung nun einmal dazu gehört, antworte ich aber gerne.

Die Fragen von LifeHag

LifeHag hat die folgenden Fragen gestellt, die Antworten folgen jeweils auf dem Fuße.

Warum hast du mit deinem Blog angefangen?

Es gab (und gibt bis heute) mehrere Gründe:

  1. Der Blog ist für mich ein Ventil, um einen Platz für die Gedanken, die mir ständig durch den Kopf flitzen, zu haben. Dort kann ich die Ideen abladen, entweder reifen sie dann noch weiter (das ist gut), oder ich kann sie dann beruhigt vergessen (das ist noch besser). Alles in allem blogge ich also aus Gründen einer gewissen mentalen Hygiene.

  2. Je länger ich dabei bin, desto mehr interessante andere Blogs lerne ich kennen (hier und da habe ich ja auch schon einmal einen entsprechenden Eintrag dazu verfasst). Und auch dieses Zusammentreffen von Leuten, die sich in den meisten Fällen viel Zeit nehmen, um gute Artikel zu schreiben (meine Frau sprach von der Analogie zu „Brieffreundschaften“, was ich für ganz und gar passend halte), motiviert mich, die Qualität der eigenen Einträge immer wieder zu hinterfragen.

Meinen ersten Blog hatte ich bereits um das Jahr 2007 oder 2008, da habe ich angefangen, weil mich das Medium Weblog an sich interessiert hat (und weil iWeb die einfache Möglichkeit gewährte, einen solchen Blog zu erstellen und zu publizieren). Allerdings war dieser erste Versuch weder von Qualität noch für viele Menschen lesenswert. Am Ende habe ich ihn ziemlich überhastet eingestellt und ein Jahr (auf den Tag genau) pausiert.

Seit Frühjahr 2012 läuft dieser Blog, am Anfang eher zögerlich, mittlerweile komme ich zumindest auf mehrere Einträge pro Woche (im Schnitt, nicht dass ihr hier plötzlich Ansprüche stellt…). Viel mehr wird es nur in den Ferien, denn da habe ich meist etwas mehr freie Zeit bzw. bin ausgeruhter und kann auch spät abends noch ein paar Zeilen tippen.

Wie wichtig sind dir Follower?

Das ist eine schwierige Frage, denn einerseits schätze ich es, mehr Leser zu haben, das belebt den Blog, bringt neue Themen ein und sorgt für mehr Lebendigkeit. Andererseits würde ich nicht „alles“ tun, nur um weitere neue Leser dazuzugewinnen. Der Blog ist ein Hobby, ein angenehmes zwar, aber eben auch nur ein Hobby.

Was macht dir am Bloggen am meisten Spaß?

Das Tippen auf den „Veröffentlichen“-Button in der Blogsy-App. Und damit verbunden das mentale Abhaken der Gedanken. Manchmal reifen sie dadurch eben noch weiter, häufig räumen sie aber auch einfach das Feld und ermöglichen neue kreative Einfälle.

Laptop oder Desktop-Pc?

Das ist einfach zu beantworten: iMac, wenn ich am Schreibtisch arbeite, ansonsten iPad (alle Veröffentlichungen laufen darüber, s.o.). Unterwegs mache ich manchmal Notizen auf dem iPhone, aber zum Veröffentlichen habe ich das meines Wissens noch nie benutzt (dazu tippe ich darauf zu schlecht).

Iphone oder anderes Smartphone (wenn ja, welches)?

Ganz klar: iPhone (in meinem Fall ein 5S).

Wie viele Stunden investierst du täglich in deinen Blog?

Völlig unterschiedlich, sowohl von Tag zu Tag als auch von Woche zu Woche stark schwankend – immer in Abhängigkeit von der Arbeitsbelastung und anderen Terminen. Manchmal schreibe ich schon ein bis zwei Stunden an einem großen Artikel, manchmal öffne ich (leider) nicht einmal die WordPress-App, weil einfach zu viel anderes zu tun ist.

Liest du die Kommentare die deine Follower abgeben?

Jeden einzelnen. Ich bemühe mich, auf so ziemlich alle zu antworten oder zumindest einen Stern als Dankeschön zu vergeben – es sei denn, der Kommentar stört mich (was aber noch nie vorkam).

Deine Lieblingssportart?

Seilspringen. Ich persönlich springe jeden Tag mit mehreren Seilen (die nutzen sich so schnell ab, im letzten Jahr habe ich acht geschafft), Joggen ist aber auch nicht schlecht (das ruht im Moment aber etwas), Basketball im Hof vor dem haus genieße ich ebenfalls bei schönem Wetter. Von Zeit zu Zeit mache ich eine Runde Yoga, dann gibt es noch dieses „7-Minute-Workout“, das bei ausreichend Zeit gleich nach dem Seilspringen angehängt werden kann. Aber Seilspringen toppt schlicht alles.

Welche Blogs liest du gerne?

Ich folge einerübersichtlichen Reihe von Blogs und entscheide kaum zwischen den einzelnen Posts in meiner Reader-Ansicht. Manchmal lasse ich einen Eintrag aus, der mir zu lang(atmig) erscheint, aber üblicherweise lese ich alles. Wenn mir etwas dazu einfällt, kommentiere ich, wenn es mir gefällt, gibt’s einen Stern. Fertig.

P.S.: Die Blogs von simplifyme72 und Private Readers Book Club lese ich garantiert immer komplett.

Wieso benutzt du WordPress?

Es funktioniert. Und es ist völlig plattformunabhängig, was ich schätze, denn so könnte ich sogar aus dem abgeschiedensten Hinterland noch bloggen, auch wenn da nur ein gammliger Windows-Rechner stünde.

Was darf in keinem Blog fehlen?

Der persönliche Bezug. Ich selbst bemühe mich, nicht zu viel von mir zu offenbaren, manches geht ja schlicht und ergreifend niemanden etwas an, aber ohne persönlichen Bezug, ohne das Ergreifen einer eigenen Position, das Äußern einer Meinung, das Ausleben des eigenen Humors (so schlecht er – wie in meinem Fall – auch sein möge), was wäre ein Blog da schon?

Die Nominierungen

Eigentlich soll man ja elf weitere Blogs (mit je weniger als 100 Followern) nominieren. Doch wie oben beschrieben, kenne ich nicht allzu viele Blogs, noch dazu schätze ich sie eigentlich alle, denn jeder hat seine Eigenheiten. Man verzeihe mir dieses Abweichen von der Konvention, aber ich verzichte auf weitere Nominierungen.

Die Fragen von Buchherz – Der Bücherblog

Was ist deine Motivation beim Bloggen?

Mentale Hygiene (Gedanken loslassen können, nachdem sie ausformuliert wurden) und Spaß daran, wie andere auf diese Gedanken reagieren.

Was war für dich der ausschlaggebende Moment, um mit dem Bloggen anzufangen?

Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Es hat einfach Spaß gemacht und hilft mir bei der mentalen Hygiene.

Worauf bist du am meisten stolz bei deinem Blog?

Dass es offensichtlich Leute gibt, die ihn interessant genug finden, um ihm (bzw. mir) zu folgen, die Kommentare schreiben und Sterne vergeben. Nicht immer kann ich gleich darauf reagieren, aber ich freue mich jedes einzelne Mal.

Schätz mal: Wie viele Bücher besitzt du? (E-Books zählen mit)

Das Zählen dauert zu lange, ich schätze, dass die Zahl jenseits der 2.000 liegen muss. Und ich habe viele Bücher, von denen ich weiß, dass ich sie nicht noch einmal lesen werde, bei Amazon oder Momox weiterverkauft — das mache ich immer so, Stauraum ist kostbar. Daher schwankt die Zahl immer wieder. Aber allein im Arbeitszimmer habe ich vier volle Regale, dazu etliche iBooks, im Keller stehen noch ein paar Kisten mit den Büchern, die nostalgischen Wert besitzen, aber nicht ständig in meiner Nähe sein müssen…

Schläfst du lieber bei geöffnetem oder geschlossenem Fenster?

Ganz einfach: Solange es keine Minus-Grade draußen hat, liebe ich die frische Luft. Also: November-Februar/März: Fenster zu. März/April-Oktober: Fenster auf.

Wie startest du morgens deinen Tag?

  • 4:50 h Wecker
  • 4:51 h Gang zur Toilette, dort dann noch im Halbschlaf auf dem iPhone nach App-Updates sehen, die Things To-Do-Liste ansehen (und ignorieren), WordPress-App öffnen und kurz Überblick verschaffen, je nach Uhrzeit Twitter-Timeline überfliegen
  • 4:58 h Ab in den Keller, Hörbuch an, Schuhe binden
  • 5:00 h Nike+ Fuel-Session und Stoppuhr starten, Seilspringen (80-90 Minuten)
  • 6:30 h Schuhe ausziehen, rauf ins Bad, Rasur, ab in die Dusche
  • 7:00 h Anziehen, Aufhübschen (bis die Frisur sitzt…), Rucksack packen, dann ab zur Schule, Kinder quälen, yee-hah!

Du hast genau eine Frage, die du irgendjemandem auf der Welt stellen kannst und diese Person muss dir ehrlich antworten. Wem würdest du diese Frage stellen?

Lieber Barack Obama (und alle Vorgänger/Nachfolger)!
Wäre es nicht viel einfacher, den gesamten Militär-Etat (500.000.000.000 Dollar/Jahr) der USA (und sei es nur der Militär-Etat eines einzigen Jahres) in die Länder der sog. Dritten Welt zu investieren, um tatsächlich einmal einen längerfristigen Frieden auf unsere Welt zu bringen? Ist die Wahrscheinlichkeit, dass das viel mehr hilft, als immer nur auf kriegerischem Wege die Symptome der krassen Ungleichverteilung auf der Welt zu bekämpfen, nicht astronomisch hoch?

Von welchem Song kriegst du nie genug und kannst ihn dir immer wieder anhören?

Diese Frage ist für einen Musiker vermutlich die größte Qual, denn es gibt nicht den einen Song. Ich habe eine Liste mit Lieblingssongs, die laut iTunes „1,1 Tage“ lang ohne jede Wiederholung laufen kann. Eine ganz kleine Auswahl aus meiner Favoriten-Liste:

  • Axel F (Harold Faltermeyer)
  • Alien Shore (Rush)
  • Alles Neu (Peter Fox)
  • Anyway The Main Thing Is (Patty Larkin)
  • Augenbling (Seeed)
  • Back in Black (AC/DC)
  • Beyond The Sea (Robbie Williams)
  • Bravado (Rush)
  • Brothers in Arms (Dire Straits)
  • Doubleback (ZZ Top)
  • Down Under (Men At Work)
  • Drive (R.E.M.)
  • Du Doof (Wise Guys)
  • Easter (Marillion)
  • Every Little Thing She Does Is Magic (The Police)
  • Fields Of Gold (Sting)
  • Finish What Ya Started (Van Halen)
  • Fly By Night (Rush)
  • Gospel (March Fourth Marching Band)
  • Hamlet (Wise Guys)
  • The Heat Is On (Glenn Frey)
  • Hey Laura (Gregory Porter)
  • Highway To Hell (AC/DC)
  • Home On The Strange (Geddy Lee)
  • Honky Tonk Women (The Rolling Stones)
  • I Left My Heart In San Francisco (Tony Bennett)
  • I Need A Dollar (Aloe Blacc)
  • I See You (Leona Lewis)
  • I Shot The Sheriff (Bob Marley)
  • Imagine (John Lennon)
  • It’s Still Rock & Roll To Me (Billy Joel)
  • Java Jive (The Manhattan Transfer)
  • A Kind Of Magic (Queen)
  • Lady In Black (Uriah Heep)
  • Limelight (Rush)
  • Loch Lomond (Runrig)
  • Marie (Herbert Grönemeyer)
  • Mary’s Place (Bruce Springsteen)

Hmmmmm, ich glaube, es ist Zeit, die Liste mal abzubrechen, sonst wird’s peinlich. Da kämen noch ein- oder zweihundert Titel. Die kann ich alle — immer je nach Stimmung — von morgens bis abends rauf und runter hören.

Welches Buch liest du gerade und wie lautet der 5. Satz auf S. 163?

Stephen King: „Sie“. Der Satz lautet: „Darin verbrachte Misery ein ausgelassenes Wochenende auf dem Lande, wo sie Growler, Ians geliebten Irish Setter, bumste.“

(Ich habe das nicht ausgesucht, ich wurde gezwungen!!!)

Was möchtest du in deinem Leben noch unbedingt erreichen?

Da gibt es einiges:

  • Einen 100 Kilometer-Lauf vorbereiten und durchziehen. Oder zumindest einen Marathon…
  • Mindestens ein halbes Jahr in San Francisco wohnen.
  • Irgendwann einmal so gut organisiert sein, dass ich jede Nacht zu ausreichend Schlaf komme, um dann den Tag über entspannt und ausgeglichen zu sein.
  • Meine Kinder Eltern werden sehen und sie bei den ersten Schritten in diese für sie neue Welt unterstützen.

Fazit

Ich danke für die beiden Nominierungen, habe die Fragen gerne und hoffentlich nicht zu ausführlich beantwortet. Gleichzeitig drücke ich mich ja vor der Nominierung weiterer Blogs. Ich hoffe, das stört nicht zu viele Leser. Genießt den schönen Nachmittag noch, ich stelle mir jetzt ein leckeres Getränk kühl, um es dann heute Abend vor dem Fernseher auszutrinken. Das solltet ihr auch tun.

 

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„Interessantes“ Spielzeug

In den USA wird ja teils echt skurriles Spielzeug entworfen. In den letzten 15 bis 20 Jahren wurde das meiner persönlichen Einschätzung nach immer wilder, denn vieles, was man den Kindern heute als Spielzeug in die Hand gibt, hätte mir in dem Alter eine höllische Angst eingejagt — aber gut, ich bin da wohl kein guter Maßstab.

Beim Besuch der Legion of Honor, einem exzellenten Museum der bildenden Künste, das auch gleich noch auf einer sehr erhabenen Position liegt, entdeckte ich im Museums-Shop das im folgenden Bild zu sehende Duo von eher speziellen Action-Figuren:

Jesus und Moses als Action-Figuren

Jesus und Moses als Action-Figuren

Ich frage mich doch ein wenig, was die Kinder vor allem mit der Moses Action-Figur spielen sollen. Na ja, wenn ich’s recht bedenke, wäre das für die Badewanne schon ganz cool – einmal die Wassermassen teilen lassen…

Ein wenig Recherche hat mich darüber belehrt, dass es diese Action-Figuren mittlerweile auch hier in Deutschland zu kaufen gibt:

Leider habe ich den größten Hit nicht fotografiert, denn gleich daneben stand auch noch eine Sigmund Freud Action-Figur (die gibt es natürlich auch bei uns zu kaufen: Sigmund Freud). Das wäre gerade für sechs- bis zehnjährige Kinder doch nun wahrlich das Geschenk schlechthin. Oder etwa nicht?

 

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Achtung: Nur für Erwachsene!

Ein längerer Fußmarsch durch San Francisco ist eine aufregende und höchst abwechslungsreiche Angelegenheit. Bei einem dieser längeren Spaziergänge entdeckten wir die Tür zu einem Sex-Shop, der immerhin völlig unverhohlen mit dem prahlte, was er zu bieten hatte:

Adult Media — Our Name Says It All

Adult Media — Our Name Says It All

 

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San Francisco: Twin Peaks

Twin Peaks

Eine tolle Sicht auf die Twin Peaks (Quelle: Apple Maps)

Ein touristisch etwas vernachlässigter, dennoch sehenswerter Platz in San Francisco sind die sog. Twin Peaks. Analog zum leicht in die Höhe ragenden Busen einer auf dem Rücken liegenden Frau befinden sich hier in direkter Nachbarschaft zueinander zwei fast exakt gleich hohe Mini-Berggipfel auf einer Anhöhe.

Wo sind sie denn?

Der Weg zu den Twin Peaks ist nicht ganz ohne, denn als doch nicht ganz Ortskundiger muss man etwas mehr Aufwand als für die Golden Gate Bridge oder den Coit Tower betreiben, um an diesen Ort zu gelangen. Da zeigt, wie schon erwähnt, dass der Ort touristisch nicht sonderlich intensiv ausgeschlachtet wird. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn auf diese Weise hat man dort meist viel Ruhe… Wir gelangten damals via Bus in die nähere Umgebung, liefen dann noch zwei oder drei Kilometer, die zum Teil mit heftigen Steigungen aufwarteten, es hat sich aber gelohnt.

Busfahren in San Francisco

Noch ein kurzer Exkurs zum Busfahren, denn das funktioniert ganz anders als hier in Süddeutschland. In Aalen kauft man ein fertiges Streckenticket zum Festpreis, der einfach immer und für alle Menschen gleichermaßen gilt. In San Francisco steigt man in den Bus, zahlt immer einen Dollar, wofür man ein Zeitticket erhält, das ab dem Moment des Lösens für eine gewisse Dauer gilt. Sieht nun der Busfahrer, dass da ein paar nett lächelnde Touristen stehen, reißt er gerne auch mal mehr ab, in unserem Fall mussten wir zwar nur ca. 20 Minuten fahren, erhielten aber einen Abriss, der uns noch zweieinhalb Stunden stressfreies Herumgondeln durch die Stadt ermöglicht hätte. Das war also ein wirklich netter Busfahrer!

Endlich angekommen

Steht man dann endlich mal oben, hat man einen fantastischen Blick über weite Teile der Stadt, vor allem auf das Gebiet entlang der Market Street. Doch auch auf die Golden Gate Bridge kann man einen Blick aus einer sonst selten gezeigten Perspektive werfen.

Seltene Perspektive

Ein seltener Blick auf die Golden Gate Bridge

Eine Sache wird sicherlich den meisten Besuchern der Twin Peaks auffallen: Der Wind. Da es sich um kleine, aber dennoch erhaben positionierte Gipfel handelt, zischt einem meistens ein recht heftiger Wind um die Ohren. Ich war trotz sommerlicher Temperaturen dankbar für die mitgenommene Jacke, ohne die ich wohl gebibbert hätte…

Bevor ich nun aber zuviel erzähle, gibt es einfach ein paar Bilder zu sehen, denn die zeigen die (etwas herbe) Schönheit des Ortes am besten.

Ausblick auf die Market Street

Ausblick auf die Market Street

Das benachbarte Wohngebiet

Das benachbarte Wohngebiet — ich muss da immer an E.T. denken...

Vom zweiten Gipfel sieht man fast genau in die Market Street

Vom zweiten Gipfel sieht man fast genau in die Market Street

Die Twin Peaks im Film

Wie so viele andere Sehenswürdigkeiten wurden auch die Twin Peaks als Handlungsort in Filmen verwendet. Mir ist am deutlichsten die eine Szene aus „Copykill“ (engl. „Copycat“) mit Sigourney Weaver und Helen Hunt im Gedächtnis geblieben. In dieser Einstellung hat ein Psychopath eines seiner Opfer auf einem der beiden Gipfel abgelegt, wo es entdeckt wird. Daraufhin müssen die Akteure natürlich dort oben herumstiefeln und die Spuren überprüfen/sichern, was natürlich — wenn man vorher davon weiß und entsprechend aufpasst — einen schönen Blick auf viele weitere städtische Details ermöglicht.

Rückweg zum Hotel

Nach dem langen Marsch hinauf zu den Twin Peaks wollten wir ins Hotel zurück. Die Aussicht hatte uns gezeigt, dass es icht allzu weit war, also beschlossen wir, den direkten Weg durch das nahe Wohngebiet hinunter zur Market Street zu laufen.

Und das war eine exzellente Entscheidung, wie sich alsbald zeigen sollte, denn wir kamen dabei an einem Haus vorbei, das über und über von Trompetenblumen bewachsen war. Ein unvergleichlich toller Anblick!

Trompetenblumen in voller Blüte

Trompetenblumen in voller Blüte

Das gleiche Haus aus einer anderen Perspektive

Das gleiche Haus aus einer anderen Perspektive

Na, schon auf den Geschmack gekommen?

 

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