Archiv der Kategorie: Kunstwerk

Gehört: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Eines der für mich besten Hörbücher der letzten Jahre: „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

In den letzten Blog-Einträgen über Hörbücher war nicht alles Gold, was glänzt (hier und hier), bzw. auch wenn die Hörbücher an sich makellos produziert und vorgelesen waren, trafen sie einfach nicht immer meinen aktuellen Geschmack. Beim heute vorgestellten Hörbuch passte dagegen aus meiner Sicht einfach alles, denn…

  • Die Geschichte ist spannend und exzellent erzählt – sogar so gut, dass ich völlig darin eintauchen konnte. Jedes Pausieren war eine Qual, da ich stets unverzüglich weiter in der Handlung versunken bleiben wollte.
  • Sowohl Inhalt als auch die Erzählweise sind von so hoher literarischer Qualität, dass dieses Buch völlig verdient zu den weithin bekannten „modernen Klassikern des 20. Jahrhunderts“ zählt.
  • Das Hörbuch ist fantastisch produziert (hervorragende Soundqualität) und geradezu perfekt gelesen (an dieser Stelle ein großes Lob an Eva Mattes). Sowohl die Verkörperung der unterschiedlichen Rollen wie auch die Klarheit der Aussprache, die einfühlsame Deklamation – wundervoll!

Kurz: Das richtige Hörbuch zum richtigen Zeitpunkt! Das muss und werde ich sicher noch etliche Mal später in meinem Leben anhören.

Handlung:

Die Kurzbeschreibung des Hörbuchs bei iTunes liest sich wie folgt:

Harper Lee beschwört den Zauber und die Poesie einer Kindheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten: Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer „ehrbaren“ Mitbürger zum Trotz.

Mehr sollte man auch nicht verraten, denn jede weitere Information könnte sich als ein Spoiler erweisen.

Fortsetzung

Gerade beim Nachlesen der Kurzbeschreibung fand ich heraus, dass es auch noch eine 20 Jahre später spielende Fortsetzung des Romans mit dem Titel „Gehe hin, stelle einen Wächter“ gibt. Damit ist dann wohl auch das Wochenende in trockenen Tüchern…

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

Gehört: „Ulysses“ von James Joyce

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

Liebevoll und aufwändig produziert: „Ulysses“ von James Joyce als Hörbuch.

„Ulysses“ gehört zu den literarischen Werken, die mich aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, des Autors (von dem ich in meiner Schul- und Studienzeit bereits drei andere Bücher gelesen und genossen hatte) und der Erzähltechnik („Stream of Consciousness“) schon lange faszinierten.

Weg mit dem (gedruckten) Buch

Die gedruckte Buchfassung hatte ich gut 20 Jahre im Regal stehen, bis mir klar wurde, dass ich sie nie lesen würde, schon gar nicht in dieser Darreichungsform. Meine Lesegewohnheiten sind in den letzten sieben Jahren derart stark auf iPhone und iPad umgemünzt worden, dass ich mich mit einem „normalen“ Buch in der Hand zwar nicht unwohl fühle, mir aber sofort klar ist, dass ich es eben nicht ständig (im Sinne von 24 Stunden am Tag) bei mir trage. Und in dieser Hinsicht schlägt das iPhone alle anderen Lesegeräte. Noch dazu ist der Kontrast auf dem Bildschirm derart hoch, dass ich auch schon seit gut fünf Jahren meine Lesebrille nicht mehr benötige. Zurück zum Buch: Die Druckfassung habe ich über Momox im letzten Jahr verkauft, aber das Interesse an „Ulysses“ als Werk blieb ungebrochen. Also langte ich vor ein paar Wochen tief in meine Taschen und leistete mir für gut 38 € im iTunes Store das beinahe 40 Stunden lange Hörbuch – pro Stunde ungefähr ein Euro, das ist aus meiner Sicht akzeptabel.

Hörbuch deluxe

Es ist eine wirklich grandios produzierte ungekürzte Fassung mit ca. 40 unterschiedlichen Sprechern (allerlei Geschlechts), die sich teils in kurzen Abschnitten, teils in wirklich langen Passagen abwechseln. Auch handwerklich ist das Hörbuch äußerst gut gemacht, denn es spielt – beim Laufen habe ich das durch die AirPods natürlich sehr deutlich gemerkt – auch mit dem Panorama: Bei Passagen, in denen sich die Sprecher in kurzem zeitlichen Versatz ergänzen, wird mehrfach zwischen linkem und rechtem Kanal hin und her gewechselt. Nötig wäre das natürlich nicht, aber ein interessanter Effekt ist es allemal.

Fazit: Die Hörbuch-Produktion ist sowohl hinsichtlich der Sprecher als auch der Audio-Qualität absolut makellos und ihr Geld zweifelsohne wert.

Das „Werk“

Vorwarnung: Ich „oute“ mich gleich als völliger Kulturbanause.

Anders als die Hörbuch-Produktion konnte mich das Werk – vielleicht auch aufgrund einer gewissen Reife, die ich mir mittlerweile schamlos zugestehen darf – nur wenig mitreißen. In den letzten Monaten/Jahren habe ich sehr viel gelesen und noch mehr gehört. Wenn mir etwas gefiel, habe ich darüber gebloggt, wodurch den Lesern meines Blogs ziemlich leicht fallen dürfte, meine literarischen Interessensgebiete einzugrenzen:

  • Unmengen an Science Fiction (z.B. „Krieg der Klone“ von John Scalzi oder die „Space Troopers“-Reihe von P. E. Jones)
  • viel Action (z.B. die „Cotton Reloaded“-Serie)
  • (leichter) Horror (vor allem die späteren Werke von Stephen King wie „Die Arena“ oder auch „Dreamcatcher“)
  • viel Humor (z.B. „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion)
  • gerne auch alles in Kombination
  • oder natürlich Fachbücher über sportliche oder Gesundheits-Themen.

Gerade bei den Romanen und Kurzgeschichten geht es mir aber darum, die Charaktere in ihrer Interaktion zu erleben, Anteil an ihren Motiven und den Umständen, die sie zum Handeln zwingen, zu nehmen, sie zu verstehen und meist auch innerlich zu bewerten – das macht Literatur ja so großartig: Sie kann uns unterhalten, uns bewegen und zum Nachdenken anregen. Außerdem schätze ich es sehr, wenn die Handlung zügig vorangetrieben wird.

„Ulysses“ dagegen ist – oberflächlich betrachtet – die Verkörperung der Banalität, denn es geht letztlich um nichts. Das sage ich nicht verächtlich, eher bedauernd. Faktisch folgt die Geschichte (es ist ja noch nicht einmal eine richtige Geschichte…) einen Tag (für die Puristen: einen Tag und ein Stück des folgenden Morgens) lang einer Person („Leopold Bloom“), zeigt seine Interaktionen mit einer Vielzahl anderer Menschen, dessen Gedanken und die der anderen Personen auf – vermag aber mit wenigen Ausnahmen kaum, mich zu interessieren. Der Grund ist die bereits erwähnte Banalität. Der Schluss des Buchs ist ja ein gut 40 Druckseiten langer innerer Monolog der Ehefrau („Molly Bloom“). James Joyce hat versucht, einen tatsächlichen Gedankenstrom nachzustellen, was ihm sicher auch gelungen ist. Doch leider sind unsere alltäglichen Gedanken mit Unmengen an Banalitäten angefüllt. Viele Menschen – ich sicher eingeschlossen – denken ziemlich oft an ganz normale körperfunktionale Dinge (z.B. „Ich muss demnächst mal wieder auf’s Klo…“ und dergleichen). Es ist ja schön, das einmal exemplarisch zu begreifen, wenn aber ein gut zweieindreiviertel Stunden langer Abschnitt eines Hörbuchs fast nur um derlei Themen kreist (und es ist wirklich so, dass Molly sich in diesem langen Abschluss-Gedankenstrom nur über Sex, die Gestaltung ihrer Wohnung, Sex, Shopping, Sex, Toilettengänge, Sex, Körperpflege, ihre eigene verschrobene Selbstwahrnehmung, Sex und dergleichen Gedanken macht) nimmt es die Wirkung einer Tortur an.

In „Geisterbrigaden“ lässt John Scalzi einen ähnlichen Gedankengang ablaufen:

Passt irgendwie perfekt, oder?

Passt irgendwie perfekt, oder?

Beim Laufen war es sogar noch viel schlimmer. Der schleppend langsame Verlauf dieses einen Tages (literarisch ja nun auf 38 Stunden ausgedehnt) zieht sich gefühlt doppelt so lange hin, wenn man sich des Morgens durch die noch recht düstere Ostalb bewegt. Mit dem richtigen Hörbuch „fliege“ ich (gefühlt) nur so über die Straßen und Wege, mit „Ulysses“ kroch ich wie eine Schnecke.

Die Erzähltechnik und die Wortwahl sowie der unverkennbar gebildete Ansatz, der nicht zuletzt durch die eingesetzten mindestens fünf Sprachen (ich konnte Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Latein erkennen) zutage tritt, sind die Elemente, die mich begeistern konnten. Hier und da schuf James Joyce sogar geradezu brüllend komische Passagen, wie zum Beispiel die Kutschfahrt nach dem Requiem für Paddy Dignam, bei der die Fahrgäste sich in einen wahren Lachrausch hineinsteigern.

Wie ich schon geschrieben habe: Ich bin wohl ein Kulturbanause. Denn selbstverständlich ist mir völlig klar, dass ein derart fähiger Autor wie James Joyce niemals in seinem Leben so viel Zeit und Mühe dafür geopfert hätte, nur Banalitäten anzusammeln. Das Werk ist durchzogen von einem feinen Netz literarischer, sozialer und historischer Anspielungen. Mein Banausentum besteht nun darin, dass mir das – geradeheraus gesagt – scheißegal ist. Momentan mag ich Bücher, die ich in die Hand nehmen und mich selbst für eine Weile darin verlieren kann. Ich suchte Unterhaltung und fand Bildung. Und genauso spröde, wie das klingt, war es leider auch.

Fazit:

Das Werk ist faszinierend, aber nicht für mein aktuelles Ich. Dieses sucht nach Unterhaltung, die das Werk in der für mich attraktiven Form nicht oder nur an wenigen Stellen zu bieten vermag. Dass ich mir die volle Länge gegönnt habe, zeigt, dass es mir durchaus ernst mit dem Buch war, doch ist mir jetzt eindeutig nach leichterer Kost, die meinem simplen Geist eher entgegen kommt. In einigen Jahren gibt es einen erneuten Anlauf, vielleicht sogar in Form eines iBooks mit zusätzlicher Sekundärliteratur, denn faszinierend ist das Werk nach wie vor auf einer intellektuellen Ebene – nur weiß ich, dass ich in den kommenden Jahren erst einmal kein Verlangen habe, mich dem Werk noch einmal so zu nähern.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Gesehen: „Monuments Men“

Gestern gab es mal wieder frisches Filmfutter in der Casa Solera: „Monuments Men“, ein teils ernster, teils heiterer Film, der zwar in einem gewissen Maß als „Kriegsfilm“ einzuordnen ist, den Fokus aber weder auf das Kämpfen noch auf den sonstigen Gräueln des Krieges legt. Vielmehr geht es in dem fast zweistündigen Film mit absoluter Starbesetzung (George Clooney, Matt Damon, John Goodman, Bill Murray, Cate Blanchett und viele andere) darum, wie ein kleiner Trupp von Amerikanern sich – teils in Zusammenarbeit mit einer Französin – um den Erhalt bzw. die Rettung unzähliger Kunstwerke vor der Gier bzw. Zerstörungswut der Nazis bemüht. Nicht immer sind sie erfolgreich, nicht alle überleben die Aktion, doch mir imponierte sehr, dass durch diesen Film eventuell auch jungen Leuten wieder die Augen für den Wert der Bildenden Kunst geöffnet werden könnten – und das gänzlich ohne den Anspruch, ein „Bildungsfilm“ zu sein, denn das ist er ganz und gar nicht. Es handelt sich definitiv über weite Strecken um eine Action-Komödie, hier und da wird es auch einmal romantisch („Paris!“) und ernst (z.B. der Tod der beiden „Monuments Men“ oder der Wettlauf mit den Russen, wer die Kunstwerke als erster erreicht und somit retten oder als Kriegsbeute konfiszieren kann).

Faszinierend ist, wie meine Frau während des Films herausfand, dass es diese „Monuments Men“ wohl tatsächlich gab. Dazu muss ich heute Abend gleich noch ein wenig Recherche betreiben. Der Film ist auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn die Altersgrenze (FSK) mit 12 Jahren durchaus angebracht ist.

Darüber hinaus muss ich ganz einfach die Filmmusik lobend erwähnen, denn in den letzten Jahren drängte sich mir zunehmend der Verdacht auf, dass es nur noch eine äußerst kleine Gruppe von Komponisten gibt, die dieses Geschäft untereinander aufteilen (was ich nicht den Komponisten zum Vorwurf machen würde, eher den Filmemachern und Studios). Hier jedoch stammt die Musik von Alexandre Desplat, von dem ich vorher noch keine Notiz genommen hatte. Seine Tonsprache ist wundervoll, unverbraucht und äußerst gelungen. Der Film gewinnt durch seine gekonnte Untermalung derart an Qualität, dass ich mir kaum vorstellen könnte, wie er mit einer der bereits in ihren Grundzügen so gut bekannten Musik eines schon lange in Hollywood etablierten Komponisten wirken würde. Allein der Musik wegen ist der Film empfehlenswert!

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages (72) – 2016-11-22

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Heute wird’s ein wenig sentimental. Es mag am windigen Wetter der letzten Tage/Wochen liegen, irgendwie wünscht man sich da – zumindest für den einen oder anderen Moment – einen schwülen Sommertag herbei, an dem das Leben langsam und zähflüssig dahinkriecht. Und kein Song kann dieses Gefühl besser vermitteln als die Version von „Summertime“, die Ella Fitzgerald und Louis Armstrong auf dem Porgy & Bess-Album aufgenommen haben.

Das gesamte Album ist von derart hoher Qualität, man kann es nicht oft genug anhören. Die CD hatte ich mal, dann habe ich sie verliehen – und anscheinend teilte der Entleiher meine hohe Meinung von der Qualität, deshalb habe ich sie seit Jahren nicht mehr… Aber der iTunes Store hat vor einigen Jahren Abhilfe für dieses Problem geschaffen.

Am schönsten an dieser Fassung von „Summertime“ ist eine von Satchmos liebenswertesten Marotten: Er „grunzte“ immer schon los, bevor er eigentlich singen musste. Hört euch mal die Stelle ab 2:30 an. Noch bevor er mit seiner Strophe einsetzt, vernimmt man ganz deutlich dieses tief aus dem Hals kommende, beinahe schon monströse Räuspern. Es klingt vielleicht abfällig, aber genau deswegen liebe ich Louis Armstrong als Sänger – niemand sonst hätte so etwas auf die Platte gelassen, er schon.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

52 Wochen – Teil 23 („Warhol-Solera“)

Solera im Warhol-Style – und die Brille macht ganz klar: Love, Peace and Happiness for all mankind...

Solera im Warhol-Style – und die Brille macht ganz klar: Love, Peace and Happiness for all mankind…

Passend zur allmählich einsetzenden Ferien-Entspannung gibt es heute mal einen Haufen Kunst und einen Haufen Blödsinn (aber angenehmen!) auf einmal. Die Idee hatte ich schon vor Wochen, denn in der Kaffeeküche neben unserem Lehrerzimmer in der Schule hängt ein Kunstdruck des bekannten Marilyn Monroe-Bilds von Andy Warhol. Beim Händewaschen warf ich einen Blick darauf – und sofort war mir klar, dass ich das auch einmal ausprobieren muss. Das Ergebnis ist hier zu sehen!

Zur Aktion „52 Wochen“

Seit nunmehr 23 Wochen – Achtung! Bei 26 erreichen wir die Halbzeit! – läuft Zeilenendes Foto-Aktion „52 Wochen“, an der ich teilnehme. Ziel ist es, jeden Sonntag ein neues Selfie oder Portrait einzustellen, wenn man lustig ist, kann man ihm auch ein bestimmtes Motto verpassen – das liegt mir besonders, daher gab es bislang eigentlich ausschließlich Fotos mit einem bestimmten Motto. Die üblichen und allesamt sehenswerten Teilnehmer sind:

Getaggt mit , , , , , , , , , ,

Gesehen: „Unheimliche Begegnung der dritten Art“

Vor vielen Jahren, den genauen Zeitpunkt kann ich wirklich nicht mehr nennen, vermutlich war es kurz vor oder nach dem Abitur, sah ich zum ersten Mal Stephen Spielberg’s Science Fiction-Klassiker „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Damals gefiel mir der Film überhaupt nicht, denn er zog sich gefühlt unglaublich lange hin, die gesamte Spielzeit liegt bei knapp unter 140 Minuten.

Später sah ich den Film noch ein weiteres Mal, da gefiel er mir ein klein wenig besser, viel blieb aber auch beim zweiten Anlauf nicht hängen. Nur die geradezu manische Obsession des Protagonisten, der sich über alle gesellschaftlichen Konventionen hinweg nur noch für seine Vision interessiert und ihr sowohl die berufliche als auch die familiäre Zukunft gnadenlos opfert. Das war das Element, das mir beim ersten Ansehen des Films am meisten gegen den Strich gegangen war, es nervt mich ehrlich gesagt bis heute. Doch heute kann ich dieses Genervtsein sowohl einem geschickten Drehbuch als auch einer guten schauspielerischen Leistung zuschreiben, die eben überzeugend diese Situation darstellt.

Es gibt noch so einige Filme, die ich eine Weile nicht mochte, bis mir einfach klar wurde, dass die Leistung ja eben darin bestand, so überzeugend einen Bösewicht oder Fiesling zu spielen, dass das Publikum (bzw. einfach nur ich) eine tatsächliche Abneigung gegenüber dem porträtierten Charakter entwickelte.

Ein brillanter Science Fiction-Klassiker – trotz seines Alters auch heute noch absolut sehenswert!

Ein brillanter Science Fiction-Klassiker – trotz seines Alters auch heute noch absolut sehenswert!

Vor ein paar Tagen besorgte ich uns den Film in feinster HD-Auflösung im iTunes-Store und überraschte meine Frau damit völlig, denn auch sie hatte den Film seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Voller Freude begannen wir den Film. Er war so angenehm und entspannend anzusehen, dass ich vor lauter Wohlgefühl nach etwas mehr als einer Stunde einschlief… Was aber in diesem Kontext eindeutig als ein Merkmal für hohe Qualität zu deuten war. Bei einem schlechten Film ziehe ich mich ins Bett zurück, hier dagegen ratzte ich sofort auf dem Sofa ein.

Direkt am nächsten Mittag benötigte ich eine Weile zur Zubereitung meines Essens, dabei sah ich weiter. Während des Essens sah ich immer noch weiter – und dann fehlten ohnehin nur noch zehn oder zwölf Minuten, also bekam ich den gesamten Film am nächsten Tag noch zu Ende. Und nun war es wirklich ein durchgehender Genuss. Vielleicht musste ich einfach in diesen Film hineinaltern, um ihn wirklich genießen zu können. Es hat sich gelohnt, denn mit absoluter Sicherheit werde ich mir den Film noch das eine oder andere Mal reinziehen.

Kennt ihr den Film auch? Falls ja: Erging es euch beim ersten Ansehen auch so, dass sich der Film gefühlt „ewig“ hinzog? Oder bin ich hier der einzige Kostverächter?

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Blog-Parade: Gegen den Strom – Unbekannte/Ungeliebte Lieblingsfilme

Zeilenende hat mich durch seinen heutigen Post auf diese interessante Blogparade der Singenden Lehrerin aufmerksam gemacht: Jeder Teilnehmer nennt zehn Lieblingsfilme, bei denen er der Meinung ist, sie könnten unter Umständen einem größeren Publikum eher unbekannt sein.

Genau dieser letzte Punkt stellt für mich das größte Hemmnis dar, denn ich weiß schlicht und einfach nicht, ob jene Filme, die mir gefallen, eher zur unbekannteren oder eher zur bekannteren Kategorie gehören. Dennoch wage ich es.

Zeilenende listete unter anderem die folgenden Filme, die auch mir gefallen:

  • Enemy Mine: Als Kind hatte ich nur ein Buch über den Film, das habe ich jedoch bestimmt drei- oder viermal gelesen. Die Geschichte gefällt mir trotz einer gewissen Naivität. Obwohl es nicht nur um Menschen geht, handelt der Film von Menschlichkeit in ihrem besten Sinn.
  • Moon: Über diesen Film habe ich erst vor einigen Monaten einen eigenen Blog-Eintrag verfasst, er scheint tatsächlich nicht so bekannt zu sein, wie er es sicher verdient. Neben einigen anderen aktuellen Juwelen der Science Fiction sicher einer der ganz beachtenswerten Knaller der letzten Jahre.
  • Fantastic Four: Die Charaktere besitzen allesamt so wenig Tiefgang und sind derart überzeichnet klischeehaft, dass man eigentlich sofort wieder abschalten müsste. Doch irgendwie amüsiert mich der Film, daher darf er auch in dieser Liste stehen.
  • Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: Ich finde die Charaktere hier noch nicht einmal so oberflächlich wie Zeilenende, immerhin sind sie (wenngleich nur sehr) lose an diverse literarische Vorlagen angelehnt. Doch in ihrer Kombination zu einem Team muss man sich immer wieder ans Hirn langen. Dennoch glänzen einzelne Darsteller mit tollen Leistungen, allen voran Sean Connery mit seiner selbstironischen Art.
  • Harry Potter und der Stein der Weisen: Ich mag den ersten Film, vor allem die opulente Optik, die in den späteren Filmen durch zunehmend Action überlagert wurde. Dieser Auftakt ist ein auch für Kinder weitgehend ansprechender Film, unser zehnjähriger Sohn dürfte den durchaus schon angucken, beim zweiten Teil wäre ich entschieden anderer Meinung.
  • Der Hobbit: Den ersten Film mag ich am liebsten, denn er spielt noch am ehesten auf der Ebene der literarischen Vorlage. Ab da geht es durch die unglaubliche Streckung und Überbetonung der Action-Elemente steil bergab. Letztlich besteht der dritte Teil nur noch aus einem elenden (und in seiner Überziehung fast schon ekelhaften) Gemetzel. Das muss ich mir nicht oft ansehen.
  • Police Academy: Ganz ehrlich, nach dem fünften Teil kann ich nicht mehr. Der vierte ist zum Teil schon derart platt getreten, dass man sich fragen musste, wie sie es wagen konnten, immer noch neue Filme an diese Reihe anzuhängen. Doch der erste Film überstrahlt viele andere Komödien durch ein derartiges Feuerwerk an gelungenen Gags, dass man ihn auch problemlos mehrfach recyclen konnte, ohne sie zu überstrapazieren.

Soweit zu den Übereinstimmungen mit Zeilenende. Ich habe aber auch noch ein paar eigene Lieblingsfilme, bei denen mir schlicht das Wissen über die Beliebt-/Bekanntheit fehlt:

  • Dreamcatcher: Nach Lektüre des Buches konnte ich den Film genießen, vorher nicht. Er scheint nicht sonderlich beliebt zu sein, aber ich finde den Film gelungen.
  • Total Recall: Gemeint ist das Original mit Arnold Schwarzenegger. Der Film war vor zwei Jahrzehnten sicher noch sehr bekannt, gehört heute aber wohl eher zum alten Eisen. Die grundlegende Story ist packend, das Ende kann nicht gleich zu Beginn vorhergesehen werden, wenn nur die peinlichen Darsteller nicht wären… Aber ich habe den Film sicher schon zehnmal gesehen. Die Neuverfilmung ist technisch viel gelungener, kann aber mit dem Original nicht mithalten.
  • Critters: Eigentlich übler Science Fiction-/Comedy-Trash, aber als Jugendlicher liebte ich die bescheuerte Handlung und die lahmen Dialoge. Das hat sich bis heute nicht geändert.

So, ich bin nun schon 25 Minuten über meine Bettzeit hinaus, mehr Luxus-Behandlung kann ich in diesen Blog-Eintrag nicht stecken. Der Wecker klingelt in sechs Stunden…

Getaggt mit , , , ,

San Francisco: Coit Tower

Viel zu lange habe ich nichts mehr über meine Geburtsstadt San Francisco geschrieben. Einige Absätze des heutigen Artikels liegen schon seit Monaten in meinem Entwürfe-Ordner herum, doch es kostet Zeit, sich dieses Themas mit dem gebotenen Ernst und der notwendigen Muse zu widmen. Daher wollte ich keinen Schnellschuss aus der Hüfte loslassen, nur um den Artikel fertig zu bekommen.

Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)

Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)

Mit dem Coit Tower treffen wir heute ein weiteres Highlight San Franciscos, das mir diese Stadt so sehr ans Herz hat wachsen lassen. Im Coit Tower vereinigen sich gleich mehrere kulturell interessante Aspekte, die natürlich auch touristisch ausgeschlachtet werden, doch in diesem Fall ist es gut so, denn sonst hätte am Ende kaum jemand Zugang zu dieser Attraktion.

An manchen Tagen kann es da ziemlich bedrängt zugehen, wir hatten damals (2003) riesiges Glück, denn trotz sonnigen Wetters und milder sommerlicher Temperaturen waren höchsten eine Handvoll Leute zeitgleich mit uns anwesend, was einige ungestörte Fotos ermöglichte.

Geschichte:

Erbaut wurde der Coit Tower im Jahr 1933, verantwortlich für den Bau waren Arthur Brown Jr. und Henry Howard. Der Name des Turms geht auf eine ganz interessante Geschichte zurück:

Lillie Hitchcock Coit, ein Kind aus sehr wohlhabenden Verhältnissen, half den Feuerwehrmännern bei einem Brand in der Nähe des Telegraph Hill, woraufhin sie zu einem Maskottchen der Freiwilligen Feuerwehr San Franciscos wurde. 1929 starb sie und hinterließ der Stadt 100.000 (andere Quellen sprechen von 125.000) Dollar für die Verschönerung der Stadt. Die Summe klingt vermutlich nach heutigen Verhältnissen nicht besonders opulent, zumindest wenn man bedenkt, was allein die Großbaustelle des BER täglich an Geld verschlingt, für damalige Verhältnisse war es aber ein „riesiger Batzen“.

Auf jeden Fall wurde der 64 Meter hohe Aussichtsturm errichtet, der bis heute fantastische Ausblicke auf einen Großteil der Stadt und der Bucht ermöglicht. Davon konnten wir uns persönlich überzeugen. Und davon gibt’s natürlich gleich einiges zu sehen…

Wer nun ein wenig auf den Geschmack gekommen ist, findet weitere Informationen zum Coit Tower hier und hier.

Architektur:

Der Coit Tower soll zwar offiziell nicht so aussehen wie eine aus dem Boden ragende Feuerwehrspritze, zumindest beabsichtigten die Architekten dies nicht. Wenn man ihn sich allerdings ansieht, fällt eine gewisse Ähnlichkeit dennoch ins Auge.

Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier schon die stilisierte Spritze eines Feuerwehrschlauchs erkennen...

Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier (zumindest meiner Meinung nach) schon die stilisierte Spitze einer Feuerwehrspritze erkennen.

Zumindest geht es mir so. Aber wer es anders sieht, darf mir gerne einen Kommentar schreiben. Gerade visuelle Analogien sind ja ein Gebiet, in dem sich schier unendliche Diskussionen führen lassen.

Aussicht:

Die Aussicht von der Spitze des Coit Tower ist schlicht sensationell. Aus den fast schon unzähligen Bildern habe ich nur eine sehr kleine Auswahl zusammengestellt, die als kleiner Appetizer angesehen werden können, doch einmal einen Trip nach San Francisco zu unternehmen.

Hier ein Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.

Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.

Hier der wundervolle Ausblick direkt auf die Golden Gate Bridge.

Die vermutlich bekannteste Attraktion der City by the Bay: Die Golden Gate Bridge.

Hier der Blick in Richtung der Innenstadt, zentral ist die Needle zu sehen.

Blick in Richtung der Innenstadt, im Zentrum ist die sog. Needle zu sehen.

Und zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003...

Zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003.

Kunst im Innern:

Beim ersten Besuch wird man fast überwältigt von den atemberaubend schön bemalten Innenwänden im Erdgeschoss. Die Wandmaler ließen sich von Diego Riveras sozialkritischer Malerei inspirieren und bauten zahlreiche „linke“ Elemente in die Wandgemälde ein.

Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).

Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).

Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess

Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess…

Fleiß und körperlicher Einsatz als durchgehende Motive

Fleiß und harter körperlicher Einsatz sind die durchgehenden Motive.

Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.

Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.

Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower ganz unerwartet zum Leuchten bringt.

Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower noch mehr zum Leuchten bringt…

Fazit:

Der Coit Tower gehört zu den von außen eher unscheinbaren, in seiner Gesamtwirkung aber immens bedeutsamen Attraktionen San Franciscos. Wenn ich mal wieder in der Stadt sein sollte, muss ich die drei Dollar für den Aufzug auf jeden Fall investieren – der Ausblick ist es wert!

Getaggt mit , , , , , , , , , , ,

Das Ausgeliefertsein an die Unkultur

Hervorragend: Rhythm Is It!

Eine hervorragende Dokumentation: Rhythm Is It!

Henry Wilt, der unschlagbar sympathische Antiheld aus Tom Sharpe's aberwitziger „Wilt“-Romanreihe empfindet seine Unterrichtstätigkeit an der fiktiven Berufsschule von Fenlan als ein Ausgeliefertsein an die Unkultur, weil seine Schüler sämtlich von Manieren und Kultur befreite Hempel sind.

Grundsätzlich würde ich mich sehr dafür stark machen, dass wir es am Gymnasium ja überwiegend mit einem anderen, in der Summe angenehmeren Klientel zu tun haben. Doch hin und wieder machen sich ein paar Schüler daran, mir auf ihre eigene Art klarzumachen, wie sehr ich mich doch irren kann…

Gestern habe ich mit einer meiner fünften Klassen im Rahmen meiner Strawinsky-Sequenz die überaus bekannte Skandal-Ballettmusik „Le sacre du printemps“ besprochen und Teile daraus (natürlich in stark vereinfachter Form) musiziert. Dabei kamen wir irgendwann auch auf den Film „Rhythm Is It“ zu sprechen, diesen wirklich ansprechenden Dokumentarfilm über eine intensive Erarbeitungsphase eines Balletts zu der live gespielten Musik Strawinskys. Die Besonderheit: Getanzt wird das Ballett nicht von einer kleinen Gruppe echter (oder werdender) Ballett-Tänzer und -Tänzerinnen. Bei „Rhythm Is It“ wurden 250 Schüler von diversen Hauptschulen in Berlin zusammengerufen – und das Ergebnis zeigt, dass dies keineswegs die verlorene Schicht/Generation sein muss, für die viele sie halten.

Durch einen Zufall bekam ich heute eine Vertretungsstunde in genau dieser Klasse von gestern zugeteilt. Das stand gestern auch schon auf dem Vertretungsplan, also konnte ich mir den Luxus erlauben, diese zusätzliche Stunde vertiefend zu nutzen, denn ich packte heute früh noch die „Rhythm Is It“-DVD ein. In diesen Genuss kommen die Parallel-Klassen nicht, eigentlich ging ich davon aus, dass die Klasse diesen kleinen Exkurs zu schätzen wisse.

Ich zeigte den Schülern aber nicht die 100-minütige Dokumentation. Nein, ich beschränkte mich auf die Aufführung, die auf einer separaten DVD in dem Deluxe-Schuber enthalten ist. Die Klasse blieb sogar weitgehend ruhig beim Ansehen (was leider schon keine Selbstverständlichkeit ist, denn heutige Schüler haben meiner Wahrnehmung nach das permanente Bedürfnis, alles und jeden zu jedem Zeitpunkt zu kommentieren – auch wenn es niemanden interessiert oder nur ganz periphär mit der Sache zu tun hat), doch am Ende kam ein Schüler zu mir und sagte allen Ernstes:

Also ich wäre ja auch einer von denen gewesen, die die (gemeint war die Tänzerin, die am Ende der Handlung „geopfert“ wird, um die Götter zu besänftigen, damit sie einen frühen und milden Frühling schicken) getötet hätten, der Film war ja so scheiße.

Ich habe mir einfach jeglichen Kommentar verbissen, an Henry Wilt und sein Ausgeliefertsein an die Unkultur gedacht und ihn aus dem Klassenzimmer geschickt. So ein vorbildlicher Gymnasiast voller Weltoffenheit und kulturellem Interesse!

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Musikmaschine vom Feinsten

Gerade habe ich auf Twitter den Link zu einem YouTube-Video entdeckt, bei dem ein Künstler/Musiker seine Musikmaschine vorstellt, die mit der Hilfe von 2.000 Stahlkugeln betrieben wird. Üblicherweise bin ich solchen Spielereien gegenüber immer sehr skeptisch eingestellt, doch dieses Mal kann ich nur sagen: Wow! Eine tolle Idee, die fein ausgeführt wurde, sodass tatsächlich auch eine optisch faszinierende Maschine entstanden ist.

Wer Interesse daran hat, sehe bitte hier.

Ich finde hier sowohl die Idee als auch die Umsetzung sehr gelungen. Ihr sicher auch, oder?

 

Getaggt mit , , , , , , , ,