Archiv der Kategorie: Korrekturen

Frühjahrsmüdigkeit

Augenringe sind doch eh nur Einbildung...

Augenringe sind doch eh nur Einbildung…

Aktuell verspüre ich tagtäglich die Auswirkungen einer deutlichen Frühjahrsmüdigkeit: Die Tage werden länger, das Arbeitspensum ist gerade recht hoch, doch durch das verlängerte Tageslicht bin ich bei gleicher Uhrzeit für das Aufstehen etwas später im Bett. Das macht sich bemerkbar. Vor allem beim Korrigieren, das im Moment auch verstärkt ansteht. Heute sitze ich am vierten Test in vier Tagen, das schlaucht, denn die Konzentration muss nun einmal da sein, die Schüler wollen schließlich möglichst gleich behandelt werden. Irgendwann stößt aber auch Koffein an seine Grenzen. Wie immer kommt dann (also bei der Kombination von Müdigkeit und Korrekturen) eine schier unbändige Lust auf Süßes in mir auf. Doch noch halte ich sie ganz brav im Zaum. Noch…

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52 Wochen – Teil 15 („Arbeit stört Hörbuch“)

Wie jeden Sonntag beteilige ich mich an Zeilenendes Foto-Aktion „52 Wochen“ (hier alle Beiträge von Zeilenende, MarinscheMulticolorina dilletiert und mir, in deren Rahmen allwöchentlich ein neues Selfie oder Porträt veröffentlicht wird.

Heute habe ich mir ein ernstes Thema herausgesucht: Meine berufliche Tätigkeit verhindert es immer wieder, mich meiner Leidenschaft, dem Anhören von Hörbüchern, hinzugeben. Völlig inakzeptabel.

Heute ist zum Beispiel so ein Tag: Nach dem Aufstehen mussten ein paar längst überfällige Dinge erledigt werden, dann ging ich an den Schreibtisch und korrigierte eine Klassenarbeit. Drei Stunden waren danach einfach weg. Außerdem muss ich mich dabei sehr konzentrieren, also herrscht absolute Stille (nur wenn die Kinder im Haus aktiv sind, lasse ich meist leise Musik laufen, dann verbindet sich das Sammelsurium an Geräuschen zu einem relativ unaufdringlichen Hintergrundrauschen, das mich kaum in der Konzentration stört). Danach lief ich 18 Kilometer auf meinem Laufband, wobei ich natürlich – wie fast immer – ein Hörbuch anhörte. Im Moment stecke ich noch ganz am Anfang des zweiten Buchs der sog. „Trilogie der Ratte“ von Haruki Murakami mit dem Titel „Pinball 1973“. Schon der erste Band, „Wenn der Wind singt“, hat mir sehr gefallen – mehr dazu später in einem separaten Blog-Eintrag –, daher brenne ich im Moment sehr auf neues Hörfutter von diesem Autor.

Doch jetzt kommt wieder meine Arbeit daher: Morgen wird eine Klassenarbeit geschrieben, die muss noch erstellt werden. Außerdem liegen noch vier Klassenarbeiten auf meinem Schreibtisch – und alle wollen sie korrigiert werden. Möglichst gestern. Unterricht steht morgen auch noch an. Den bereite ich auch vor. Auch das kostet Zeit…

Und so komme ich gerade nicht zum Weiterhören. Und das stinkt mir. Und dann sehe ich so aus:

Ein ernster, leicht genervter Blick – so gucke ich, wenn ich nicht einfach mein Hörbuch anhören kann...

Ein ernster, leicht genervter Blick – so gucke ich, wenn ich nicht einfach mein Hörbuch anhören kann…

Mal sehen, wie weit ich nächste Woche bin, eventuell kann ich dann mal wieder ein lächelndes Gesicht posten. Schön wäre es.

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Coole Idee

Bei Twitter fand ich vor ein paar Tagen ein Foto, das mir eine ganz faszinierende Idee für die Zukunft aufzeigt: Wenn ich beim Korrigieren mal wieder zu müde werde, verlege ich meine Arbeitsstätte auch um mein Laufband herum.

Eine Laufband-Workstation – sehr cool, so ein Teil baue ich mir mal!

Eine Laufband-Workstation – sehr cool, so ein Teil baue ich mir auch mal!

So etwas ähnliches gab es schon vor Jahren beim „Haus des Lernens“ in Romanshorn, das ich im Rahmen einer Exkursion besucht habe. Unter einer fixen Tischplatte wurden Trainingsräder so montiert, dass die Lernenden während der kognitiven Arbeit ihre Beine bewegen konnten. Das hält den Kreislauf wach und die Konzentration beim Stoff. Wenn ich mich nicht ganz irre, nannten die das bewegtes Lernen – sehr passend.

Hach! Jetzt noch die Zeit haben, dann würde ich mit dem Teil sofort beginnen…

P.S.: Das einzig verstörende an dem Foto ist, dass ich den Eindruck gewinne, die Frau liefe rückwärts, denn irgendwie fehlt dem Laufband der charakteristische Vorderteil… (Oder aber er ist gut versteckt.)

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52 Wochen – Teil 14 („Kinners, lest mehr Bücher!“)

Seit nunmehr 14 Wochen veranstaltet der gute Zeilenende seine spektakuläre Selfie-/Porträt-Aktion „52 Wochen“ (hier alle seine Beiträge dazu, hier meine). Nun ist es wieder Sonntag, noch dazu der letzte Ferientag hier in Baden-Württemberg (ich möchte ja gerade auf keiner Autobahn unterwegs sein), da zwingen mich die äußeren Umstände, noch einige Korrekturarbeiten zu verrichten.

Und beim Korrigieren kommt mir spätestens bei jeder zweiten Arbeit ein Gedanke in den Sinn, der da lautet: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Zumindest suggeriert die zum Teil äußerst mangelhafte Rechtschreibung und die ebenfalls nicht gerade optimale Ausdrucksfähigkeit vieler Jung-Gymnasiasten, dass sicher nicht zu viele Bücher von unserem wichtigsten nachwachsenden Rohstoff gelesen werden.

Kommen wir zum Selfie des heutigen Tages: Mein Gesicht, wenn ich mal wieder über eine einer Glanzstunde der deutschen Sprache diametral gegenüberliegende Passage in einer Klassenarbeit stolpere.

Kinners, lest mehr Bücher!

Da wünsche ich mir doch immer wieder: Kinners, lest mehr Bücher!

Ein paar Beispiele der letzten Tage liefere ich gleich mit, damit niemand den Vorwurf erheben kann, ich würde das einfach so daher erfinden…

Eigentlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde...

Einnerlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde…

Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern...

Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern…

Die ein-ziege möglichkeint...

…die ein-ziege möglichkeint…

Ohne Worte...

Ohne Worte. Leider kein untypisches Bild.

Und es gäbe ja wirklich noch etliche solcher Stilblüten. In jeder einzelnen Klassenarbeit finde ich solche Stellen.

Daher: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Ganz abgesehen vom hohen Unterhaltungswert vieler Bücher (was man liest, ist ja nun jedem selbst überlassen) lernt man ganz ohne Zusatzaufwand eine halbwegs korrekte Rechtschreibung und Satzstruktur. Eine Win-Win-Situation, wenn ich an die positiven Langzeitwirkungen denke, kann ich sogar von einer Win-Win-Win-Situation sprechen.

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Erleichterungslauf

Heute habe ich es geschafft, die Zweitkorrektur des Musikabiturs hinter mich zu bringen. Es zog sich etwas hin, weil keiner meiner Schüler das Thema 1 gewählt hatte – und nur ein einzige Arbeit der Zweitkorrekturen hatte sich mit diesem Aufgabenkomlex auseinandergesetzt. Also musste ich mich heute früh nur für diese eine Arbeit hineinarbeiten, was sich natürlich in einem recht hohen Zeitaufwand niederschlug. Aber gegen 10:45 h war es geschafft – endlich fertig. Nochmals musste ich zehn Minuten investieren, um die Notenlisten fertig zu machen, alle Papiere zu sortieren und abgabefertig zu verpacken. Dann konnte ich endlich raus und das Wetter ausnutzen.

Beim Loslaufen hatte ich noch gar keinen Plan, wohin die Reise gehen sollte. Der Sonnenschein war intensiv, also beschloss ich, im Wald zu laufen. Und das bedeutet leider: Höhenmeter, Höhenmeter, Höhenmeter. Einen Großteil der verteilten Höhenmeter stecke ich ja gut weg, es gibt aber auf dieser Strecke auch einen mehr als zwei Kilometer langen Anstieg, der mich von 540 Höhenmetern auf 740 hinaufbringt (beide Angaben ungefähr). Und das schlaucht – vor allem, weil ein Teil dieser Strecke in der prallen Sonne verläuft. Puh!

Immerhin lockt danach eine traumhafte Strecke mit nur wenigen Höhenunterschieden, die außerdem weitgehend durch einen sehr dichten Wald führt – im Schatten war es dann auch angenehm kühl. Dennoch drückte der anfängliche Stress das Lauftempo deutlich hinunter. Bis weit über die Mitte des Laufs (insgesamt 13,58 km in etwas unter 71 Minuten) verharrte das Tempo bei mehr als 5:30 Minuten/Kilometer. Erst der lange Abstieg vom Fernsehturm hinunter zu unserem Domizil senkte den Durchschnitt auf 5:12 Minuten/Kilometer. Viel mehr hätte ich beim besten Willen nicht herausholen können, dafür wurde es zu warm (und meine rechte Hinterbacke ist immer noch deutlich spürbar).

Aber ich wollte meinem Versprechen treu bleiben und schöne Bilder vom Lauf mitbringen. Nun, es sind ein paar hübsche Ansichten hängen geblieben:

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Auferte, aufwärts, aufwärts – immerhin schon kurz vor dem Höhepunkt!

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Da lugt der Fernsehturm schon zwischen den Bäumen hervor…

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Viel näher kommt man leider nicht, das Areal ist gut abgeriegelt.

Während des gesamten Laufs habe ich mich auf die Pfannkuchen gefreut, denn heute gab es zusätzlich noch grünen Spargel und Sauce Hollandaise. Ein Gedicht!

Laufstatistik 2016:

  • 122 Läufe
  • Kilometer gesamt: 1859,96
  • Laufzeit: 187 Stunden 49 Minuten
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Fast schon Sommer

Heute begann der Tag genau wie gestern: Luxuriös lange im Bett liegen geblieben (bis 6:15 h), Frühstück in Ruhe (die Kinder krochen erst gute 40 Minuten später aus den Betten), Abi-Korrektur. Dann lockte mich das exzellente Wetter wieder hinaus.

Von Anfang an war mir klar, dass ich nicht noch einen Halbmarathon laufen konnte, vor allem, weil sich ein kleiner Muskelkater in meine rechte Hinterbacke eingeschlichen hatte. Aber auch von der Zeit her war ich fast eine halbe Stunde später dran als gestern. Mit einem Halbmarathon wäre das Mittagessen schlicht zu weit nach hinten verschoben worden, das ist gefährlich bei hungrigen Kindern.

Also begann ich meinen Lauf mit dem ungefähren Ziel, eine Strecke irgendwo im Bereich zwischen 12 und 15 Kilometern zu absolvieren. Die Shuffle-Funktion meiner Lieblings-Playlist meinte es gut mit mir und begann mit „Blackstar“ von David Bowie. Was konnte also schon schiefgehen, wenn der Start so begleitet wird? Genau: Nichts.

Na ja, vielleicht abgesehen von der Temperatur… Im Verlauf der schönen Strecke, die mich über ein altes Eisenbahn-Viadukt und bis zu einem zugemauerten Tunnel führt (siehe Bilder), wo ich dann dem von meiner Frau eingeführten „Ring-Kling-Tick“ fröne, bemerkte ich schnell, dass mein Körper noch nicht ganz auf die aktuellen Temperaturen eingestellt ist. Es wurde anstrengend, vor allem auf dem Hinweg, denn der verläuft überwiegend in einem leichten Anstieg.

Mit etwas Mühe konnte ich dann doch ein gutes Tempo halten, wobei der Rückweg (nun weitgehend absteigend) besonders hilfreich war. Mit ein paar Schlenkern im Wohngebiet schaffte ich es am Ende exakt auf die insgeheim anvisierten 15 Kilometer, die Zeit war ok – also bin ich zufrieden. Und wenn ich schon einmal draußen laufe, dann bringe ich auch ein paar schöne Schnappschüsse mit:

Kurz vor dem Viadukt

Kurz vor dem Eisenbahn-Viadukt tat sich dieser wundervolle Anblick auf.

Ring-Kling-Tick

Ganz schön zugewuchert: An dieser Schranke wird dem Ring-Kling-Tick gefrönt…

Auf dem Rückweg

Auf dem Rückweg musste ich die Aussicht über Viadukt und den sich dahinter ausbreitenden Wald festhalten.

 

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Der Platz am Ofen

Rein von der Jahreszeit müsste es ja gerade schon recht warm werden. Doch der April hat uns bislang eher die kalte Schulter gezeigt, vor allem seit letztem Samstag ist es hier in Aalen recht frostig und einen guten Teil der Zeit auch nasskalt gewesen.

Mein Lieblingsplatz

Mein Lieblingsplatz nicht nur in der kalten Jahreszeit (anscheinend zieht es mich dorthin sogar im Sommer)

Das erklärt auch, warum ich mich zum Aufarbeiten der in der Woche liegen gebliebenen Kleinigkeiten an meinen Lieblingsplatz direkt vor dem warmen Ofen zurückgezogen habe. Unsere Jüngste verwüstet mit zwei Freundinnen ihr Zimmer, die Mittlere ist beim Training, und der Filius hat gerade einen Teil seiner Hausaufgaben erledigt (fast ohne Murren), so könnte das Wochenende ja an dieser Front entspannt verlaufen.

Leider liegen Zweitkorrektur (Abitur) und eine frische Klassenarbeit direkt vor meiner Nase, auch meine Frau darf heftig ran am Wochenende, denn da müssen haufenweise Noten für ihr Schulorchester gesetzt werden (das macht zwar auch Spaß, raubt in erster Linie aber unglaublich Zeit). Immerhin hoffe ich auf ein wenig Ausschlafen (6:30 oder 7:00 h wäre doch schon einmal sehr angenehm) und das eine oder andere Mittags-Nickerchen.

Die letzten drei Morgenläufe mit den neuen Schuhen waren superb, so gut gestützt hat mich vorher noch kein Laufschuh – mal sehen, wie sich das Gefühl über die kommenden Wochen so entwickelt. Immerhin konnte ich heute früh die 1.700-Kilometer-Marke durchbrechen. Gestern kam ich in Rekordzeit ins Ziel: 16,16 Kilometer in knapp unter 92 Minuten. Das war für mich als halben Greis schon recht schnell… 😉

Geholfen hat dabei auch ein sehr spannendes Hörbuch, das ich gerade vor ein paar Minuten zu Ende gehört habe. In den nächsten Tagen gibt es dazu sicher eine Rezension.

So, nun verabschiede ich mich für den Abend, vielleicht komme ich später noch zum Lesen der vielen verpassten Artikel der letzten Tage. Und mit etwas Glück werden die kommenden Wochen in dieser Hinsicht etwas entspannter – so ganz glauben werde ich es aber erst, wenn es auch so kommt.

 

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Lehrer, Kinder, Ferien – und Zeilenende

Zeilenende

Gestern hat mir der einmalige Zeilenende auf Twitter einen Tweet mit einem fragenden Kommentar weitergeleitet:

Da muss man schon genau hinsehen...

Bitte genau hinsehen!

Da ich am Donnerstag meine zweiwöchige Big Band-Probe in Ellwangen hatte, die sich bis kurz nach 22 h hinzog, woran sich immer noch etwa 30 Minuten Heimfahrt anschließen, war ich in der konkreten Situation nicht in der richtigen Stimmung, mich von der Muse küssen zu lassen und gleich zu antworten. Außerdem ist das Thema gar nicht so unspannend – also kündigte ich ihm nur an, es in einem eigenen Blog-Eintrag zu verarbeiten. Nun denn…

Ferienarten

Lehrer unterscheiden Ferien, denn auch wenn die Dauer der „unterrichtsfreien Zeiten“ meist nicht extrem voneinander abweicht, wäre es vermessen zu glauben, dass alle Ferien sich gleichen würden. Doch zuerst einmal muss ich klarstellen, welche Ferien ich überhaupt habe, das unterscheidet sich ja von Bundesland zu Bundesland. Hier in Baden-Württemberg sieht es ungefähr folgendermaßen aus:

  • Herbstferien: eine Woche, die sich am Ende des Oktobers bis in die ersten Novembertage erstreckt. Diese Ferien sind unglaublich wichtig als erste Aufarbeitungsphase nach ungefähr zwei Monaten Schule. Gerade am Schuljahresanfang müssen alle Listen, Sitzpläne etc. erstellt und gepflegt werden, bis zu den Herbstferien setzt sich dann auch einiges, man hat jede Klasse einigermaßen kennen gelernt, die ersten Eindrücke sind gefestigt – jetzt kann und muss die weitere Planung angepasst werden.
  • Weihachtsferien: üblicherweise zwei Wochen, die kurz vor dem Heilig Abend beginnen und dann nach den ersten Januar-Tagen enden. Als Musiklehrer bin ich meist bis zum letzten Moment in der Schule voll im Einsatz, da im Dezember ein großes Adventskonzert und am letzten Schultag ein von Musik umrahmter Gottesdienst stattfinden. Beides erfordert Vororganisation, Proben und umfangreiche Transport-, Auf- und Abbautätigkeiten, vom eigentlichen Musizieren ganz zu schweigen. Parallel sind bis dahin in den meisten Klassen (in meinem Fall meist 14 bis 17 im Schuljahr) die ersten Klassenarbeiten/Klausuren geschrieben (und hoffentlich auch schon korrigiert, damit man nichts mit in die Ferien nehmen muss). Zum Beginn der Weihnachtsferien bin ich üblicherweise derart erschlagen, dass ich erst einmal zwei Tage brauche, um auf „normal Null“ zurück zu kommen. In den ersten Berufsjahren wurde ich beim Nachlassen der Anspannung erst einmal krank, das hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren gelegt, denn mittlerweile achte ich etwas mehr auf mich.
  • Faschings- oder Winterferien: eine Woche, die sich vor allem aus gesetzlichen Feiertagen (Rosenmontag, Faschingsdienstag) und verschiebbaren Ferientagen zusammensetzt. Da zum Ende des ersten Halbjahres die Halbjahresinformationen fällig sind, die mit Notenkonferenzen und entsprechendem zusätzlichen Arbeitsaufwand einhergehen, ist auch diese Woche dringend nötig, um einfach wieder aufzuarbeiten und den Erholungsmangel etwas auszugleichen. Februar ist auch die Zeit, in der meist ein oder mehrere eigene Kinder eine Erkältung anschleppen.
  • Osterferien: üblicherweise zwei Wochen, eine vor Ostern, eine danach. Die Tage werden länger, die Frühjahrsmüdigkeit ist spürbar. Meist geht direkt nach den Osterferien das schriftliche Abitur los, also ist vorher ein kleiner Endspurt angesagt. Doch alles in allem sind dies meist Ferien, die zur Erholung ganz gut sind. Außerdem kann man nun wieder im Garten aktiv werden. Osterferien sind gute Ferien. (Einschränkungen folgen…)
  • Pfingstferien: üblicherweise zwei Wochen Ende Mai/Anfang Juni vor dem großen Schlusslauf. Wenn man es ungeschickt anstellt, liegen zu Beginn der Ferien ein paar große Korrekturstapel auf dem Schreibtisch, damit man in den letzten Schulwochen nicht noch zu viel Korrekturarbeit erledigen muss. Aber diese Ferien nutzen wir gern, um mal für ein paar Tage wegzufahren, ansonsten bereite ich wie üblich ein paar Tage Unterricht vor.
  • Sommerferien: Die große sechs- bis siebenwöchige Unterbrechung, die meist von Ende Juli bis zur ersten Septemberwoche reicht. Im Gegensatz zu allen anderen Ferien, in denen ich immer sehr darauf bedacht bin, schon die ersten paar Tage „danach“ gut vorzubereiten, halte ich mir die Sommerferien (schul)planerisch komplett frei. Welche Klassen ich genau bekomme, erfahre ich ohnehin erst ein paar Tage vor Beginn des Schuljahres, wozu also schon Wochen vorher die sommerliche Trägheit stören?

Soviel zur gefühlten Einteilung der Ferien aus meiner Sicht. Es gibt sicher Kollegen, die ein gänzlich anderes Prozedere pflegen. Sicher teilen aber auch etliche meine Vorgehensweise. Das Vorbereiten der ersten Tage, am besten der ganzen ersten Woche, ist ein logisches Vorgehen, das sich in der Praxis bewährt hat. Denn der Umstieg von „ich kann jeden Morgen auch erst um 6:30 h aufstehen“ auf „der Wecker klingelt um 4:35 h“ ist doch etwas anstrengend…

Kinder und Ferien – und Eltern…

Unsere Kinder sind in den Ferien üblicherweise herrlich entspannt. Unser Großer (10) könnte aus seiner Perspektive heraus auch den ganzen Tag in seinem Zimmer sitzen, Bücher lesen, LEGO bauen und Musik hören – der würde freiwillig keine Sekunde aus dem Zimmer herauskommen. Die Mädels dagegen sind wesentlich neugieriger und agiler, die motzen meist schon nach 10 Minuten Ferien, dass sie sich langweilen. Wenn man Glück hat, finden sie sehr schnell eine Beschäftigung für die folgenden Stunden, wenn man dies nicht hat, kommen sie alle paar Minuten wieder, um zu fragen, was sie denn nun tun könnten. Das kann anstrengend sein, meist finden sie aber sehr zügig eine Ihnen genehme Beschäftigung.

Unsere zwei Großen sind unter der Schulwoche an mehreren Tagen im Hort, weil wir Erwachsenen an fast allen Tagen Nachmittagsunterricht haben. Da auch noch vorbereitet werden muss, bleiben die Kinder dann bis etwa 16:00 h im Hort. Mit etwas Glück haben sie danach die Hausaufgaben fertig und können nach dem obligatorischen Instrumentalüben ihren eigenen Wünschen nachgehen. Die jüngste war bislang im Kindergarten, aus dem sie mit den anderen gemeinsam (gleiches Gebäude) gegen 16:00 h abgeholt wurde. Ab September geht auch sie in die Schule, dann werden sich die Hortzeiten angleichen (es sei denn, der neue gymnasiale Stundenplan bei unserem Großen macht dem einen Strich durch die Rechnung).

Wenn der Hort eine Ferienbetreuung anbietet, nehmen wir meist ein paar Tage davon dankend an, um unsere anstehenden Arbeiten erledigen zu können, ohne ein allzu schlechtes Gewissen zu haben. Meist gehen wir in den Wintermonaten an einem der Vormittage auch einfach mal in die Sauna, so bleiben wir etwas gesünder – auch nicht schlecht.

Bietet der Hort keine Ferienbetreuung an (die Stadt gibt den Betreuungseinrichtungen die Anzahl der freien Tage genau vor), wird es manchmal etwas „tricky“, denn wenn wir arbeiten müssen, bleibt oft nichts anderes übrig, als die Kinder ein paar Stunden sich selbst zu überlassen. Den Kindern taugt das sehr, doch es zieht meist energische Aufräumarbeiten im Haus nach sich…

Fazit

Den Kindern gefallen Ferien immer, die könnten dem Bild durchweg zustimmen. Als Lehrer kann ich nicht bestätigen, dass ich in den Ferien nur Alkohol trinke, meine Fingernägel lackiere, Geld scheffle (bekommen die normalen Arbeitnehmer während der Urlaubszeit ihren Lohn nicht weitergezahlt?), Party mache (bin eh nicht der Party-Typ, da stehe ich nur dumm herum und lese in der WordPress-App, was Zeilenende und meine anderen virtuellen Freunde so wundervoll schreiben). Ich erhole mich gezielt, arbeite nach und vor – und schreibe unzählige Blog-Einträge, die dann keiner lesen möchte. Zum Glück habe ich mit Zeilenende einen bezahlten (*hüstel*: Gottes Lohn) Dauerleser, der mir auf jeden Artikel ein Like geben muss, sonst komm ich rüber und geb ihm auf die Mütze… 😉

Spaß beiseite: In unserer Funktion als Eltern mögen wir die Ferien nicht ganz so hundertprozentig, da sie meist weniger Struktur und somit mehr Arbeit mit sich bringen. Gleichzeitig lernt man es so, die geregelten Wochen der Schulzeit noch mehr zu schätzen… Was für uns Eltern an den Ferien einmalig schön ist: Die Möglichkeit, sich jedem Kind mit mehr Zeit widmen zu können. Da kann dann eine Bastelarbeit in Ruhe zu Ende gebracht und gewürdigt werden, für die man in der Schulzeit oftmals nur den Gedanken (Verzeihung bitte!) „Wo sollen wir das Teil denn noch hinstellen?“ übrig hätte. Laut ausgesprochen wird der Gedanke nie, aber vor allem in den Ferien haben wir die nötige Ruhe (und den Mangel an Terminen, die uns herumschleichen), um das Ergebnis mit den Kindern gemeinsam zu genießen.

Insofern, lieber Zeilenende, kann ich der Elternzeile im aktuellen Zustand nicht zustimmen. Ein weinendes Gesicht vorne und hinten, aber viele lachende und gemütlich auf dem Sofa kuschelnde Emojis in der Mitte wären passender. Trotzdem: Vielen Dank für den Impuls! Schönen Samstag noch, vielleicht komme ich heute neben der Korrektur der Oberstufenklausur auch noch zum Schreiben eines weiteren Eintrags.

Die Osterferien beginnen dieses Jahr erst am Mittwoch (nächste Woche), da die Weihnachtsferien um ein paar Tage verlängert waren. Insofern verzögert sich der Ansturm meiner neuen Einträge etwas. Aber das ist ja eher erholsam als schlimm… 😉

 

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Routine? – Pustekuchen!

Blick auf den Terminkalender

Ein Blick auf unseren Terminkalender in einer *ganz normalen* Woche...

Bei Routine scheiden sich ja die Geister: Die einen können nicht ohne, weil der automatisierte Ablauf vieler alltäglicher Tätigkeiten Kapazitäten freilegt, die dann für andere Dinge (beispielsweise kreative Tätigkeiten) nutzbar werden. Andere wiederum lehnen Routine grundsätzlich als Quelle allen Übels ab, weil sich gerade bei den immer gleichen Abläufen über längere Zeiträume hinweg Fehlerquellen in eigentlich gut funktionierende Handlungsmuster einschleifen können.

Ich gehöre eindeutig zur ersten Kategorie: Mein Alltag ist so voll mit Terminen (nicht nur eigenen, da sind ja noch drei Kinder mit Musikschule, Sportverein etc.), dass ich feste Abläufe dringend benötige, um darüber hinaus auch nur ein Minimum an kreativer Entfaltung (z.B. in Form dieses Blogs) und Muse (beim Musizieren, Lesen etc.) ausleben zu können. Meiner Frau geht es genauso.

Und dieses Kalenderjahr ist in dieser Hinsicht irgendwie verhext. Gerade vor ein paar Tagen haben wir gemeinsam überlegt und kamen überein, dass in diesem Kalenderjahr noch keine einzige Woche einfach nur im „normalen Alltagswahnsinn“ ablief. Immer kamen noch Sondertermine hinzu, zum Teil Aktivitäten, die fast den ganzen Tag oder einen eigentlich dringend zur Entspannung benötigten Abend auffraßen. Natürlich zusätzlich, nicht im Austausch für entfallene andere Termine. Und das nagt im Moment an uns.

Jetzt könnte man ja gleich argumentieren: „Aber ihr seid doch Lehrer, ihr habt doch so viele und so lange Ferien. Da könnt ihr euch doch immer wieder erholen und alles aufarbeiten.“ Dabei vergessen die meisten, dass ja viele Einrichtungen zur Kinderbetreuung in der Zeit auch die Pforten schließen oder verkürzte Öffnungszeiten haben, sodass es sich schlicht nicht lohnt, die Kinder für die Ferientage dort einzubuchen. Und wenn drei Kinder permanent um einen herum fegen und immer wieder (zum Teil im Zwei-bis-Drei-Minuten-Takt) Forderungen stellen, dann fällt es sehr schwer, liegen gebliebene Arbeit mal eben so abzuarbeiten. Noch dazu muss ich ganz ehrlich einen gewissen Altersanteil mittlerweile einrechnen: Zu Beginn aller Ferien benötige ich erst einmal ein paar Tage, um wieder auf „normal Null“ zu kommen. Knalle ich mir die Ferien zu voll, bin ich danach noch weniger erholt – und dann schlägt der vermeintliche Alltag mit unglaublicher Brutalität zu.

Das soll jetzt partout kein Motz-Blogeintrag werden, denn mir geht es absolut nicht um erbettelte Sympathien. Eigentlich schwebt mir etwas ganz anderes vor: Mich interessiert eher, ob auch andere (vor allem andere Eltern) den Eindruck haben, dass sich immer mehr Vereine, Ensembles und Organisationen anscheinend gezwungen (oder auch nur „moralisch verpflichtet“) sehen, andauernd durch abendfüllende oder Wochenende verschlingende Extra-Termine auf ihre bloße Existenz hinzuweisen. Vielleicht fehlt mir da auch ein speziell für diese Dinge entstandenes Lust-Gen, aber ich kann einer Veranstaltung wie einem (in diesem Fall natürlich fiktiven) „Elternstammtisch Karate“ oder einem „Elternabend Kinderturnen“ so rein gar nichts abgewinnen – am allerwenigsten nach einem vollen Arbeitstag und danach erledigter Unterrichtsvorbereitung (und eventuell sogar noch Korrekturen). Da bräuchte ich ein zusätzliches Akkupack…

Auch hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: Es gibt haufenweise Leute, die diese Abendtermine gut und wichtig finden – denen möchte ich den Spaß daran nicht verderben. Auch gibt es etliche Termine, die einen guten Rahmen bieten, um sich auszutauschen und organisatorisch einiges voranzutreiben. Aber die implizite Aufforderung und Anklage – „Nimm teil – sonst trägst du nichts zu unserer gemeinsamen Sache bei!“ – nervt mich unglaublich.

Hier würde mich ein Feedback wahrlich interessieren…

 

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Ferienende und die endlose Suche nach DEM Rezept

Mit dem gestrigen Tag endeten die sog. „Ferien“. Halt, warum benutze ich dieses kleine und fast schon unscheinbar hinzugefügte Wörtchen „sog.“ vor dem Substantiv „Ferien“? Ganz einfach: Weil Ferien als Lehrer immer etwas anderes sind als noch damals, vor einer gefühlten Ewigkeit, in der Zeit als Schüler.

Ferien sind nur anders verpackte Arbeitszeit

In diesen Ferien musste ich das Abitur vorbereiten, genauer gesagt: das Fachpraktische Abitur. Die diversen Verordnungen zur Durchführung des Abiturs geben ganz genau vor, dass exakt acht Wochen vor dem Prüfungstermin die individuell festgelegten Pflichtstücke bekannt gegeben werden. Dazu muss natürlich im Vorfeld mit den Instrumentallehrern gesprochen/geschrieben werden, um eine für den jeweiligen Schüler passende Auswahl zu erhalten. Aus diesem Fundus legt man als Kursleiter dann wiederum ein Stück fest, welches genau acht Wochen vor der Prüfung bekannt gegeben wird. Das hat in diesen Ferien satte drei Tage Organisation, Emailschreiben und Telefonate mit sich gebracht.

Dann habe ich für eine Klasse, die ich erst im zweiten Halbjahr unterrichte, einen Großteil des Materials, das sich über die letzten fünf bis zehn Jahre etabliert hat, überarbeitet, weil mir gerade in den letzten zwei Jahren immer wieder kleinere Mängel an der einen oder anderen Stelle aufgefallen sind. Diese sind nun behoben, aber es waren wieder zwei Tage.

Für meine Big Band und den vierstündigen Kurs müssen noch ein paar Stücke neu arrangiert werden. Bislang habe ich dafür nur einen kompletten Arbeitstag geopfert, aber heute und morgen werde ich noch einmal Zeit investieren müssen.

So, und das waren nur ein paar der schulischen Dinge. Aber es sind, nein waren, ja Ferien.

Kinder daheim

Was die Ferien als vermeintliche Entspannungszeit spürbar einschränkt, ist die Tatsache, dass auch die Erzieherinnen und Betreuer in Kindergarten und Hort einmal eine kleine Auszeit benötigen. Ich gönne sie ihnen vollkommen. Und doch ist es ganz schön anstrengend, wenn man sich auf die Arbeit konzentrieren will, alle drei bis fünf Minuten aber ein Kind ins Arbeitszimmer schleicht und sich mehr oder weniger gnadenlos aufdrängt.

Am harmlosesten ist die Bitte: „Darf ich mir ein Hörbuch anmachen?“ – Das gewähren wir Eltern gerne, denn wir müssen eigentlich gar nichts tun, die Kinder können das Apple TV komplett alleine bedienen.

Nur für eine sehr kurze Ablenkung sorgt: „Kannst du mir ein Ausmalbild ausdrucken?“ – „Na klar, was hättest du denn gerne?“ – „Irgend etwas mit einer Prinzessin…“ – Zwei Minuten später darf der Drucker das von DuckDuckGo gelieferte Ergebnis ausspucken – und mit etwas Glück kehrt Ruhe ein. Vorläufig.

Schlimmer ist manchmal: „Mir ist langweilig!“ – „Dann lies ein Buch!“ – „Ich habe schon zwei gelesen.“ – „Dann üb auf deinem Instrument!“ – „Das will ich aber nicht…“ – Das kann schnell gehen, wenn man zufällig etwas in den Raum wirft, was taugt, es kann aber auch ergebnislos ausgehen. Dann steigt die Gefahr einer baldigen Arbeitsunterbrechung exponentiell an.

Die endlose Suche nach DEM Rezept

Kompletter Themenwechsel, es sind (nein, waren) ja Ferien, da dürfen die Gedanken auch mal abschweifen…

Was haben pädagogische Fachzeitschriften mit den typischen Frauenzeitschriften gemeinsam? Sie kreisen beständig um die immer gleichen Themen.

Wann immer ich eine Frauenzeitschrift herumliegen sehe und die Überschriften und Ankündigungen auf dem Cover sehe, scheinen sich die Inhalte auf grob die folgenden Kategorien zu erstrecken:

  • Die aktuelle Mode für die kommende Jahreszeit.
  • Rezepte (für die aktuelle Jahreszeit)
  • Tipps zum Abnehmen (oft in Kombination mit vorigem Punkt)
  • Lebenshilfe („Wie werde ich glücklich?“ und dergleichen)
  • Prominente etc.

Pädagogische Fachzeitschriften dagegen fokussieren sich auf:

  • Änderungen an der Rechtssituation für Lehrer
  • Änderungen am Beamtenrecht (und was man dagegen zu tun gedenkt)
  • Ausschreiben von Neuwahlen für die verschiedenen Vertretergremien
  • Was macht guten Unterricht aus?

Gerade dieser letzte Punkt wird gebetsmühlenartig immer und immer wieder aus der mittlerweile völlig zugemüllten Kiste herausgeholt. Und die Tipps und Anregungen, die man als Lehrer daraus ziehen kann, sind in ihrer Summe so widersprüchlich, dass man sich am Ende ohnehin wieder ein eigenes System ersinnen muss. Und komischerweise funktioniert das dann meist gar nicht so schlecht.

Ich verstehe, warum das Thema immer und immer wieder herausgeholt wird. Permanent werden neue Experimente angesetzt, neue Ergebnisse eingefahren, neue Strukturen geschaffen. Was dabei völlig aus dem Blick gerät: Stabilität hat auch einen Wert. Und der ist meist höher als alle Experimente je einbringen könnten.

Mein direkter Vorgänger hat etwa 35 Jahre lang durchgehend an dieser einen Schule unterrichtet. Seine Methoden und Ansichten waren glasklar, seine Linie wankte nie. Jeder Schüler und jeder Kollege wusste ganz genau, woran man bei ihm war. Manche Schüler hatten natürlich ihre Probleme damit, aber noch heute merkt man genau, welche Klassen er unterrichtet hat, denn durch die Stabilität der ganzen Unterrichtsstruktur war ein Fokus auf die Inhalte gewährleistet. Und das, was bei ihm einmal gelernt wurde, saß auch Jahre später noch. Beeindruckend. Und dabei so völlig frei von pädagogischem Schnickschnack.

Ständig das Rad neu zu erfinden, hat noch niemandem geholfen. Meine erste Planstelle hatte ich an einer Modellschule, die es sich in ihren ersten fünf oder sechs Jahren zum Motto gemacht hatte, alles noch einmal neu zu erfinden – und jedes Jahr gefühlt „alles anders“ zu machen. Das war für alle Beteiligten anstrengend, führte zu unglaublich viel Verwirrung und letztlich steigerte es die Unterrichtsqualität nicht, ganz im Gegenteil: Weil man sich so stark auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen konzentrieren musste, blieb unterm Strich weniger Zeit für die Kernaufgabe: Unterricht vorbereiten und erteilen.

Daher meide ich die Lektüre von pädagogischen Zeitschriften genauso wie die von Frauenzeitschriften. Vergleichbares Schriftwerk für Männer übrigens ebenso.

 

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