Noch zwei Jahre…

Liebe Programmierer, Techniker, Entwickler und Designer bei Apple!

Ich gebe euch noch zwei Jahre.

Beginnend mit dem heutigen Tag, dem 1. Januar 2016, werde ich zwei Jahre mehr oder weniger geduldig abwarten, ob sich die in den letzten Jahren vermehrt aufgetretenen und dann Stück für Stück gravierender gewordenen Probleme vor allem in der hauseigenen Software irgendwann einmal haben lösen lassen – oder eben nicht. In letzterem Fall werde ich euch gnadenlos den Rücken kehren. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen/schreiben würde, aber es ist mir mittlerweile wirklich egal.

2005 habe ich mir meinen ersten Mac gekauft, einen G4 Mac Mini. Knuffig und toll, ein traumhaftes Gerät. Die Einstiegsdroge. Dann kam nach ungefähr anderthalb Jahren mein erster iMac. Ein super Teil! Auch die Software: Mac OS X 10.4 Tiger und 10.5 Leopard – ich liebte sie beide. 10.6 Snow Leopard übrigens auch, das nichts anderes machte, als ein paar kleinere Fehler zu beseitigen und ein paar Kleinigkeiten neu einzuführen. Von vielen in der Technik-Welt belächelt, von den Benutzern aber sehr genossen, da einfach nur die kleinen Unpässlichkeiten beseitigt wurden, eigentlich genau das, was man sich als Kunde/Benutzer immer wünschte.

Tatsächlich bin ich mir sehr sicher, dass es vielen Leuten ganz ähnlich wie mir geht: Ich verlange nicht ständig nach neuen Funktionen, ich möchte aber, dass die alltäglichen Handgriffe immer leichter und schneller, vor allem aber stabil(er) vonstatten gehen. Sodass ich mir keine Sorgen darüber machen muss, ob die gestern auf dem iPad erstellte Textdatei morgen auch auf meinem iPhone oder iMac verfügbar sein wird.

Hardware: Hui! Software/Web Services: Pfui!

Und irgendwann kamen dann so Geschichten wie Mobile Me und iCloud. Und ab da ging es eigentlich permanent bergab. Die Hardware eigentlich immer sensationell gut, die Webservices (also vor allem die Cloud) grauselig schlecht. Obwohl iCloud nach wie vor nicht ganz zuverlässig funktioniert, werden immer weitere Teile des Betriebssystems, nein: beider Betriebssysteme (iOS ist ja noch viel stärker davon betroffen) so fest mit der iCloud verwoben, dass sie ohne noch weniger funktionieren. Das wäre ja fein, wenn die iCloud anstandslos funktionierte, doch das tut sie nun einmal nicht. Vor ein paar Monaten hatte ich dazu schon einen ausführlichen Artikel geschrieben. Wesentlich besser geworden ist an keinem der Punkte bis heute etwas.

Wie oft standen meine Frau oder ich morgens schon in der Schule, öffneten das iPad und der gestern noch getippte Unterrichtsentwurf, der sich nach offiziellen Angaben „im Hintergrund“ über iCloud auf alle Geräte synchronisieren sollte, war einfach nicht da… Ärgerlich! Vor allem, wenn es nicht nur einmal passiert. Und ich will gar nicht mit dem Zählen der Tage anfangen, an denen genau das passierte.

Ist Design wirklich wichtiger als Funktionalität?

Dann so Geschichten wie die immer dünner werdenden Geräte, vor allem bei den iPhones. Ist ja schön, dass die Designer das toll finden. Aber nicht jeder Kunde ist begeistert, wenn sein Handy so dünn ist, dass man sich beim Joggen nicht mehr darauf verlassen kann, dass der Akku vom iPhone vor lauter Dünnheit nicht auf halber Strecke aufgibt, weil es ihm zu kalt wird. Ist mir vor ein paar Tagen erst passiert, meiner Frau noch wesentlich häufiger.

Der Countdown läuft…

Ich werde die Liste an dieser Stelle nicht weiter fortsetzen, denn jeder Apple-Nutzer wird seine eigene kleine Horror-Liste haben. Aber ich schreibe mir in den kommenden Wochen in einer privaten Liste alles auf, was mich immer wieder nervt, mir Steine in den Weg legt, statt sie zu beseitigen. Und dann, nach zwei Jahren, öffne ich diese Liste wieder, hake mich von oben nach unten durch. Sollten die substantiellen Kritikpunkte dann immer noch nicht behoben sein, habt ihr mindestens einen Kunden weniger. Und das ist unabhängig davon, wieviel Geld ich bereits in eure Produkte investiert habe.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich hasse Android, freiwillig möchte ich es eigentlich nicht benutzen. Es ist ein völlig uneinheitliches und zutiefst unsicheres System, das bekannt dafür ist, Kundendaten an allen Ecken und Enden preiszugeben (99 % aller mobilen Malware existiert ausschließlich für Android und wird da auch heftigst eingesetzt). Doch der Premium-Preis der Apple-Produkte ist ab einem gewissen Unzufriedenheitsfaktor schlicht und einfach nicht mehr hinzunehmen. Und gerade an dieser Front sticht euch jedes einzelne Android-Gerät aus. Gnadenlos.

Also, macht was draus, die Zeit läuft…

 

Apple Music nach ein paar Wochen

Es wird im Internet ja viel gelästert über Apple Music. Wenn man sich das so im Einzelnen durchliest, müsste man glatt davon ausgehen, dass bei diesem Streaming-Dienst nichts, aber auch gar nichts funktioniert, dass alles Mist ist, der von unfähigen Gestalten zusammengemurkst wurde etc.

Ich weiß ja nicht, was für exorbitante Erwartungen manche Leute haben, aber bei mir funktioniert Apple Music ziemlich gut, wenn nicht gar exzellent. Um das zu begreifen, muss ich vielleicht meine Art der Nutzung erläutern, denn womöglich bin ich ein gänzlich atypischer Nutzer: Wenn ich zufälligerweise auf ein neues Stück, eine neue Band oder ein interessantes Album gestoßen werde, weiteres Material von einem mir lieb gewordenen Musiker (oder einer Band) suche oder aber einen Film gesehen habe, dessen Soundtrack mich interessiert, dann wechsle ich auf dem iPad in die Musik-App (oder auf dem iMac in iTunes) und gebe den entsprechenden Suchbegriff ein – bislang wurde ich kein einziges Mal enttäuscht. Alles kam schnell und ließ sich abspielen. Wie ich vor ein paar Wochen bei meinem ersten Artikel anmerkte, sind mir andere Streaming-Dienste gänzlich unvertraut. Vermutlich funktionieren die auch gut, aber wenn es eine Lösung von Apple gibt, die dann auch nahtlos auf allen meinen Geräten funktioniert, dann werde ich mich fast immer für diese entscheiden.

Es gibt — natürlich — noch ein paar Ecken und Kanten, z.B. beim Erstellen von Wiedergabelisten, denn neu hinzugefügte Titel tauchen bei mir manchmal erst mit Zeitverzug, seltener auch gar nicht, auf. Aber das sind vermutlich die so oft genannten Kinderkrankheiten.

Beispiele für meine häufigsten Anwendungen

Ein paar Beispiele für meine Nutzung in den letzten Tagen möchte ich anfügen, denn die illustrieren, warum mir Apple Music Spaß macht.

Twitter-Tipp: Titus Andronicus

Vorgestern empfahl einer der Twitterer, denen ich folge, die Band Titus Andronicus (ja, es ist der Titel eines äußerst blutrünstigen Dramas von William Shakespeare) bzw. deren Album „The Most Lamentable Comedy“ (noch eine Anspielung auf Shakespeare, es handelt sich — ich weiß das nur, weil es meine Lieblingskomödie ist — um ein Zitat aus „Ein Sommernachtstraum“).

Titus Andronicus
@gallenbitter empfiehlt: Titus Andronicus „The Most Lamentable Comedy“

Nun bin ich ein relativ spontaner Mensch, zumindest was Einkäufe im iTunes Store angeht (zum Glück sind die Beträge dort ja auch überschaubar). Aber in diesem Fall hätte ich mir das Album nach einem kurzen Reinhören nicht zwingend gekauft. Mit Apple Music konnte ich es aber beim morgendlichen Seilspringen einmal komplett durchhören. Ein kurzer Höreindruck hätte mir diese eigenwillige und dadurch faszinierend schöne Musik kaum so nahe bringen können. Das Schöne an Apple Music ist, dass ich mir das Album noch etliche Male anhören kann. Und ebenso alle anderen der Band. Und viele weitere. Ohne extra dafür bezahlen zu müssen. Schick.

Fritz Kalkbrenner: „Back Home“

Fritz Kalkbrenner war mir bislang absolut kein Begriff. Die Musikwelt ist schon seit etlichen Jahren auf ein derart unübersichtliches Ausmaß angewachsen, dass ich schlicht nicht jeden Künstler kennen kann, nicht einmal jeden, der „etwas taugt“

Zurück zu Fritz Kalkbrenner: Heute hat Arabella in ihrem „Das Lied zum Tag“-Eintrag das sensationell genussvoll anzusehende Video-Clip von „Back Home“ verlinkt. Ich sah es, holte meine Frau an den Rechner, sie sah es, wir beide genossen es.

Fritz Kalkbrenner
Fritz Kalkbrenner: „Back Home“ — sehr entspannend!

Danach suchte ich nach dem Titel in Apple Music, fand ihn und lud ihn herunter (und fügte ihn meiner Playlist mit Lieblingssongs hinzu). Und weil der Song so schön war, durfte das restliche Album gleich folgen (aber noch nicht in meine Playlist).

Fazit

Es wird immer Leute geben, die an allem etwas auszusetzen haben. Und es wird immer Leute geben, die an Apple etwas auszusetzen haben. Auch ich habe hier und da meine Probleme mit dem Laden, und ich habe keine Scheu, diesen Ärger dann auch zu formulieren. Aber: Für mich funktioniert Apple Music gut. Der Preis, den ich ab Ende September monatlich zu zahlen habe (knapp 10 €) entspricht dem früheren Kauf eines einzigen Albums — nun kann ich unbegrenzt hören und zwischenspeichern. Für mich als Musiklehrer und -liebhaber ein absoluter Gewinn.

Wie sehen eure Erfahrungen mit Apple Music aus? Eher positiv, eher negativ, völlig neutral, noch gar nicht ausprobiert, wird auch nie getestet…? Der Kommentarbereich wartet schon.

 

NotateMe und der Stylus

Unten die Handschrift, oben das konvertierte Ergebnis
Unten die Handschrift, oben das konvertierte Ergebnis — nicht schlecht!

Vor ein paar Wochen habe ich ja schon einmal berichtet, dass ich mir zwei Stylus-Modelle für mein iPad zugelegt habe. In den letzten Tagen hatte ich mehrere Stunden lang genug Zeit, die Anwendung eines dieser Geräte in einer Musik-App namens NotateMe auszuprobieren. Und ich habe dabei so einiges gelernt – über mich, über den Stylus und über die App.

Was ist „NotateMe“?

NotateMe ist eine Software, die die per Hand notierten Noten und einige spezielle musikalische Zeichen erkennt und in eine genormte Notenschrift („Notensatz“) überführt. Auf meinem iMac benutze ich Sibelius, an das ich mich bereits im Studium gewöhnt habe. Aber unterwegs habe ich das iPad, von Sibelius gibt es keine iOS-Version, daher muss ich mir anders behelfen. NotateMe füllt diese Lücke zwar nicht ganz, aber zumindest in Teilen aus.

Unterschied zwischen Fingern und Stylus

Mit den Fingern habe ich schon etliche Male mit der App gearbeitet, doch die Ergebnisse waren bestenfalls mittelmäßig. Entweder sind meine Finger etwas zu dick (das wäre aber ganz schlecht, denn ich kenne noch etliche Menschen mit kräftigeren Fingern) oder die Eingabe bedarf schlichtweg einer höheren Präzision.

Und um eine sonst ellenlange Geschichte kurz zu machen: Mit dem Stylus geht es gut. Noch immer nicht perfekt, aber deutlich besser als mit meinen Fingern.

Am meisten beeindruckte mich die Geschwindigkeit der Eingabe. Mit den Fingern war das eine recht mühsame Sache, da die Fingerspitze den Eingabebereich auf dem Bildschirm während des Notierens verdeckt. Gerade bei einer Notationsweise, die ganz exakter Platzierung bedarf (der Notenkopf darf nur genau die Notenlinie kreuzen oder muss zwischen zwei Notenlinien liegen – aber nicht beides zugleich), waren die Finger dem Auge soweit im Weg, dass die Ergebnisse prinzipiell darunter leiden mussten. Das ist mit dem Stylus definitiv viel besser geworden (aber auch noch nicht ganz perfekt).

Zeitvergleich

Ich habe bei dem einen Stück insgesamt 62 Takte inklusive vieler Bindebögen, etlicher unterschiedlicher Akzente, Portato-Striche, Staccato-Punkte, crescendo- und decrescendo-Klammern, Wiederholungszeichen etc. innerhalb von etwas weniger als zwei Schulstunden (=90 Minuten) perfekt fertig notiert. Mit Sibelius auf dem Mac und dem MIDI-Keyboard wäre das gleiche Ergebnis in ca. 20 bis 25 Minuten erreicht gewesen, was ohne jeden Zweifel deutlich kürzer ist. Dafür hätte ich aber noch meinen Mac und das Keyboard gebraucht, und beides steht nun einmal ein paar Kilometer von der Schule entfernt. Mich erfreut daran, dass ich mit etwas mehr Übung auch garantiert noch schneller werde – und dann ist NotateMe zumindest eine akzeptable Alternative, wenn mein Mac nicht zur Hand ist.

Fazit

Wenn ich daheim bin, werde ich die Notationsarbeit sicher immer am Mac mit Sibelius ausführen. Unterwegs stellt NotateMe in Kombination mit einem geeigneten Stylus aber eine akzeptable Alternative dar, die auch ohne große Zusatzgeräte funktioniert. Der Stylus hat sich in diesem Kontext für mich als probat erwiesen – weitere Erfahrungsberichte folgen alsbald.

 

Apple Music – Erste Impressionen

Gleich vorweg: Ich habe keinerlei Vorerfahrungen mit anderen Streaming-Diensten, die ich zum Vergleich heranziehen könnte. Mir geht es bei diesem Eintrag lediglich darum, nach ein paar Tagen Benutzung ein erstes kurzes Zwischenergebnis aus meiner Sicht abzuliefern.

Der erste Eindruck ist: Wow! In den letzten Tagen habe ich nebenbei ganz viel Musik gehört, bei der ich mich vorher einfach nicht überwinden konnte, das Geld auszugeben. Nebenbei habe ich auch einige neue Alben über die Empfehlungslisten angehört, die mir ganz unbekannt waren. Ich habe das auf dem iPad, dem iPhone und dem iMac gemacht – und es hat sich auf allen drei Geräten sehr gut angefühlt. Auf dem iPad gibt es gelegentlich kurze Ladehemmungen, allerdings meist nur ein paar Sekunden, dann läuft alles gut.

Für mich als Musiklehrer löst Apple Music einige der altbekannten „Beschaffungsprobleme“, denn ich gehöre zu der Fraktion von Lehrern, die den Jugendlichen einen korrekten Umgang mit digitaler Musik vorleben möchten — wenn nicht ich als Musiklehrer das korrekt vormache, wer soll dann einen Wertemaßstab vermitteln?

Exkurs: An meiner früheren Schule (ein Internat für Hochbegabte) gab es für die Schüler fast rund um die Uhr 100 MBit-LAN. Dort wurde Musik nur noch in GB und TB gemessen, nicht etwa nach Qualität oder Geschmack. Ganz oft, wenn ich äußerte, einen Song oder Künstler nicht zu kennen, schallte es mir entgegen: „Dann bringen Sie doch einfach mal eine Festplatte mit, die mach’ ich Ihnen voll…“ – ich habe dieses Angebot kein einziges Mal wahrgenommen, denn als jemand, der gelegentlich auch Musik erschafft, sind mir die Existenznöte gerade kleinerer und wenig bekannter Acts durchaus einleuchtend. Wenn mir Musik gefällt und erschwinglich ist, kaufe ich sie.

Nun, seit Apple Music kann ich mir zum monatlichen Festpreis so ziemlich alles anhören. Ohne Extra-Kosten, ohne kaufen zu müssen. Der Dienst funktioniert sogar in meiner Schule (mit einem leider etwas zickigen Netzwerk, was das Streamen aus dem Internet angeht), zusätzlich kann man die Tracks auch daheim laden und für die Offline-Verwendung speichern. Problem gelöst.

Um eine langfristige Veränderung an meinem Musik-Konsumverhalten feststellen zu können, ist es noch viel zu früh, doch ein paar der sich nun neu ergebenden Möglichkeiten nutze ich bereits mehr denn je. Es ist und bleibt spannend.