Archiv der Kategorie: Google

Social Media-Verweigerer

Ich bin kein Freund der sog. „sozialen Medien“, was vor allem an der Datensammelwut vieler Apps liegt. Ich würde z.B. Whatsapp tatsächlich benutzen, aber solange die App im Hintergrund mein gesamtes Adressbuch auf ihren Server lädt und dort alles damit tun kann, was sie will (denn kaum ist es einmal hochgeladen, habe ich ja keine Kontrolle mehr darüber, was damit angestellt wird), kommt das für mich nicht in Frage. Mir geht es dabei noch nicht einmal um einen Selbstschutz, aber ich bin letztlich auch kein Freund davon, wenn meine Daten über Bekannte und Verwandte auf solche Weise verbreitet werden. Schließlich gehen meine Kontaktdaten diese Firmen solange einen Scheiß an, bis ich mich dazu entschließe, sie ihnen mitzuteilen.

Whatsapp, Facebook und Cie.

Und Whatsapp ist ja noch nicht einmal das Schlimmste, was einem in dieser Hinsicht passieren kann. Früher einmal war ich ein Instagram-Nutzer. Allerdings nur genau bis zu dem Tag, an dem die Firma von Facebook aufgekauft wurde. Noch am gleichen Tag habe ich alle meine Bilder gelöscht und meinen Account geschlossen.

Aber Facebook, Google+, LinkedIn und die ganzen anderen Netzwerke sind mir zutiefst suspekt, denn — und da gebe ich Tim Cook zu 100 Prozent recht — bei all diesen kostenlos angebotenen Apps ist der vermeintliche Kunde eben das Produkt, denn für die Leistungen des jeweiligen sozialen Netzwerks bezahlt man mit der Preisgabe intimer Daten, über deren weitere Verknüpfung und Verwendung man keinerlei Kontrolle hat.

Ich leide wirklich nicht an Verfolgungswahn, aber das geht mir dann doch immer einige Schritte zu weit.

Gut kann ich mich an meine ersten Jahre als Lehrer am LGH erinnern: Quasi täglich gingen von diversen Schülern (jeglichen Geschlechts) Kontaktanfragen von Facebook ein. Diese Kontaktanfragen sahen harmlos aus, offenbarten aber, wie tief bereits damals die Informationen verschiedener Adressbücher verschiedener Schüler miteinander verknüpft wurden, denn in jeder dieser Emails wurde sofort auf Personen hingewiesen, die ich „kennen könnte“. Tatsächlich kannte ich jeweils die meisten. Aber gerade diese Demonstration, was mit den Daten angestellt würde, ließ mich sofort Abstand nehmen.

Twitter

Jetzt könnte man sofort entrüstet ausrufen und fragen: „Aber du bist doch bei Twitter! Wie verträgt sich das mit der gerade offenbarten Einstellung?“ Ganz einfach: Bei Twitter hinterlasse ich so gut wie keine privaten Daten, denn ich schreibe/poste fast nichts. Für mich ist Twitter ein sehr schnelles Nachrichten-Medium. Ich folge hauptsächlich den Nachrichtenseiten und Personen, die mich interessieren, so bleibe ich da auf einem aktuellen Stand. Wenn ich selbst kaum etwas schreibe, bleibt meine Privatsphäre weitgehend gewahrt. Sollte sich das mal ändern, bin ich sofort weg.

Letzte Woche las ich einen Artikel, dass Google überlege, Twitter aufzukaufen. Das wäre exakt der Tag, an dem meine Teilnahme dort endete.

WordPress

So, nun bleibt nur noch ein soziales Netzwerk, in dem ich aktiv bin — nicht zu knapp und mit der Preisgabe etlicher privater Informationen: WordPress. Also „hier“.

Was macht den Unterschied aus? Warum bin ich hier aktiv und verweigere anderen Netzwerken diese Art der Offenheit? Da gibt's ein paar Dinge:

  • WordPress interessiert sich nicht für mein Adressbuch,
  • es jubelt mir nicht ständig irgendwelche ungewollten Kontaktanfragen unter,
  • ich bestimme das genaue Ausmaß dessen, was ich preisgebe,
  • die Wahl, mit wem ich es in diesem Netzwerk zu tun habe, liegt bei mir,
  • WordPress gleicht aufgrund seiner meist etwas ausufernden Form eher einer Reihe von Brieffreundschaften. Man nimmt sich Zeit, um etwas auszuformulieren, Bilder einzupflegen, Links zu setzen, kurz: investiert mehr Mühe und Sorgfalt (und auf jeden Fall mehr Zeichen, als diese bei Twitter je erlaubt sein werden…).

Gerade der letzte Punkt ist mir wichtig. Darum bin ich hier, darum schätze ich meine WordPress-Bekanntschaften, darum schreibe ich hier.

Nun wünsche ich euch allen einen wundervollen Donnerstag — und freue mich auf die vielen interessanten Sachen, die ich heute wieder lesen darf!

 

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Ganz so viel wollte ich eigentlich nicht laden…

Prozente

Naaaajaaaa, es wurde etwas mehr als geplant...

Nachdem YouTube einigen Sauge-Apps, darunter der von mir früher benutzten TubeBox, den (Achtung! Wortwitz!) Hahn zugedreht hat (nicht so lustig, gell?), musste ich mich neu umsehen. Mit der Ersatz-Lösung bin ich auch sehr zufrieden, nur werden die Prozentzahlen eigentlich permanent in einer derartigen Manier angezeigt. Und die Lokalisierung scheint vom Google-Übersetzer zu stammen: aus »Herunterladen« wird »Unterladen«, aus »Fortschritt« wird »Gebrauch« (siehe Bild oben) und dergleichen. Doch damit kann ich leben, denn die Hauptsache (das Speichern von Videos auf meinem iPad) funktioniert einwandfrei, zumindest bis Google wieder neue Spielchen ersinnt…

 

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Duck Duck Go statt Google

Seit einer Weile gibt es bei iOS die Möglichkeit, DuckDuckGo als Standard-Suchmaschine für Safari einzustellen. Ich habe diese Funktion damals sofort auf allen Geräten aktiviert. Mir gefällt an DuckDuckGo die Tatsache, dass es zur Philosophie des Unternehmens gehört, eben nicht den Kunden als Ware zu betrachten, dessen über die unterschiedlichen Suchen offenbarten Daten gesammelt und verkauft werden sollen.

Ich gehöre sicher nicht zu den hysterischen und nach Aufmerksamkeit heischenden Verschwörungstheoretikern, dazu bin ich viel zu pragmatisch (und faul). Aber ich grenze die von mir preisgegebenen Daten gerne ein, daher ja auch mein Blog-Motto „Nur ein paar Schnipsel von mir“ – und jeder, der mich kennt, wird bestätigen können, dass der Blog eben nur immer ein wenig von mir verrät. Ich bin zwar bei Twitter, nutze dies aber eher als Informationsquelle und zum Erhalten von technischem Support und Tipps denn als Plattform für seelischen Striptease. Facebook meide ich komplett, und daran wird sich auch sicher niemals etwas ändern. In den letzten Jahren hat Facebook immer schamloser gezeigt, in welche Richtung sich deren Datenschutzpolitik bewegt (nämlich ins Nirwana).

Es bleibt die meiner Meinung nach am stärksten unterschätzte Datenkrake der Welt: Google. Als ob mehrere hundert Millionen Suchanfragen aus aller Welt, unzählige private Emails, Dokumente und Termine in den Webservices (die alle stets „anonymisiert“ nach „Schlüsselwörtern“ durchforstet werden, um dann passende Werbung einblenden zu können) noch nicht genug wären. Am perfidesten ist für mich die Verknüpfung all dieser Dienste, sodass Google ständig weiß, was seine Nutzer bewegt, was sie wann, wo und mit wem tun. Wer sich bei YouTube, das ja nun auch zu Google gehört, einloggt, gibt automatisch auch preis, welche Clips, Filme, Musik er oder sie dort ansieht und wie bewertet. Entsprechend kann gleich darauf die passende Werbung in der Seitenleiste erscheinen. Erschreckend!

Das Tiefenausmaß dieser Informationsverknüpfung wird meiner Einschätzung nach ca. 85 Prozent der Nutzer zu keinem Zeitpunkt bewusst. Und sollte es einem für einen kurzen Augenblick einmal klar vor Augen stehen, überwiegt häufig die Bequemlichkeit. Alle privaten Emails, Dokumente, Termine, Videos, Kontakte etc. von dort wegzuverlegen, kostet Mühe – und die scheut man. Das weiß Google, darauf baut Google.

Nun möchte ich nicht nur Google allein schlecht hinstellen, denn Bing (Microsoft), Yahoo und alle anderen kommerziellen Suchdienst verfahren sicher genauso, wenngleich oft nicht mit gleichem Erfolg, denn dazu fehlt den Unternehmen der Zugriff auf weitere Daten. Apple wäre sicher in der Lage, über die an iCloud angeschlossenen Dienst (ähem, na ja, wenn die Cloud abwechslungsweise mal funktioniert, hüstel) ähnlich weitgehende Nutzerprofile zu erstellen. Im Gegensatz zu Google (beim Anmelden für einen Gmail-Account muss man diesen Bedingungen zustimmen, es wird auch ohne Alternative ein Google+-Konto angelegt, das auch sogleich mit diversen Datenstreams belegt wird) behaupten sie aber zumindest, dies nicht zu tun. Die Einführung einer per Standard aktivierten Verschlüsselung aller mobilen Geräte scheint dies auch zu bestätigen. Noch dazu betont Tim Cook seit geraumer Zeit, dass bei Apple die verkauften Geräte das Produkt seien, nicht der Kunde. Andererseits kann das auch nur Masche sein.

Immerhin stellt Apple die Möglichkeit zur Verfügung, DuckDuckGo als Suchmaschine festzulegen. Die nutze ich seither durchweg (auf iMac, iPad und iPhone). Nun ist es so, dass die Qualität der Suchergebnisse bei Google höher ist. Das gebe ich sofort zu.

Eine häufige Situation in meinem Arbeitsalltag ist die Suche nach einem geeigneten Bild für ein Arbeitsblatt. Mit Google landen die wirklich geeigneten Bilder üblicherweise sehr weit vorne in den Suchergebnissen. Das ist möglich, weil viele über Google verknüpfte User dieses Bild angeklickt, aufgerufen und gespeichert haben. Das weiß Google, und daher werden diese Bilder in den Suchergebnissen weit nach vorne gestellt. Das ist gut und schlecht zugleich:

  • Gut daran ist, dass häufig genau das Gesuchte schnell zu finden ist,
  • schlecht daran ist, dass bei populären Themen auch der häufig von meinem eigenen abschweifende Geschmack der Masse zuschlägt (sucht beispielsweise am Tag nach einer Fernsehshow mit Helene Fischer mal nach einer Bekannten namens „Helena Fischer“ bei Google – sehr erhellend…).
  • Ebenso schlecht daran ist auch die Tatsache, dass die User dabei auf einen Teil ihrer Privatsphäre verzichten mussten.

Und deshalb nutze ich DuckDuckGo. Die Suche dauert eventuell einen Moment länger, manchmal finde ich das Gesuchte auch gar nicht. Aber meine Suchergebnisse werden nicht gespeichert, ich muss nicht auf meine Privatsphäre verzichten. Das ist mir die paar Sekunden am Tag durchaus wert.

 

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