Gesehen: „James Bond 007: Skyfall“

James Bond 007: Skyfall — endlich habe ich ihn mir angesehen!
James Bond 007: Skyfall — endlich habe ich ihn mir angesehen!

Zeitverzögert

Bei manchen Filmen bin ich immer ein wenig später dran als die Allgemeinheit, zum Glück stört es mich nicht im Geringsten, erst nach Ablauf einer ganzen Weile einen Film zu sehen, den ich als Jugendlicher gefühlt sicher sofort hätte sehen müssen. Bei den Bond-Filmen bin ich nun immer noch einen hinten dran, doch ich habe Zeit und Geduld…

Die „Craig-Bonds“

Insgesamt muss man den Bond-Filmen mit Daniel Craig attestieren, dass sie den Action-Aspekt deutlicher als alle Vorgänger in den Vordergrund stellen, wofür — leider — der feine Humor, der beispielsweise die Bond-Filme mit Roger Moore zu meinen Favoriten machte, etwas (streckenweise sogar weit) zurückgedrängt wurde. So sehr ich die rasante Action schätze, für mich sind die Craig-Bonds dahingehend unübertroffen, so sehr vermisse ich dieses fein ausgewogene Pendel zwischen Ironie/Humor und Action. Das ist sicher eine Frage des Zeitgeschmacks, anscheinend bin ich da irgendwie in den 80er-Jahren stehen geblieben…

An der dritten Bond-Komponente, dem zu entziffernden Rätsel, hat sich nichts geändert. Im Gegensatz zu den früheren Bond-Filmen, in denen oft schon sehr früh klargestellt wird, was der Titel zu bedeuten hat (z.B. bei „Goldeneye“), muss man sich bei „Skyfall“ bis etwa 20 Minuten vor Ende des Films gedulden. Das hat mir gefallen.

Gleichzeitig wirkt James Bond in der Darstellung von Daniel Craig immer deutlich fragiler als die früheren, vor Selbstsicherheit und Arroganz nur so strotzenden Versionen (vor allem bei Sean Connery und Roger Moore). Mehr als je zuvor wird trotz der Härte der Action der zerbrechliche menschliche Aspekt des Agenten beleuchtet, wodurch die Action einen emotionalen Widerpart findet (womöglich blieb dabei der Humor auf der Strecke), der die Filme geschickt ausbalanciert. Ohne diese psychologische Komponente wären die Craig-Bonds ziemlich tumbe Action-Filme ohne Tiefe.

Gleichzeitig ist es aus Sicht der gesamten Serie absolut verständlich, wenn nicht gar sinnvoll, den Charakter so anzulegen, denn die Craig-Bonds stellen ja eine Art Vorgeschichte (neudeutsch auch „Prequel“ genannt) zu den früheren Filmen dar. Die spätere Selbstsicherheit bzw. Arroganz des Doppelnull-Agenten ist dann wie das Resultat der inneren Kapitulation vor der Gewalt, die nun einmal sein gesamtes Leben beherrscht, zu deuten. Zumindest erscheint es mir so ganz schlüssig.

Skyfall

Insgesamt ist „Skyfall“ meiner Meinung nach ein sehr gelungener, zügig und energiereich inszenierter Action-Knaller mit einer wehmütigen und gleichzeitig nostalgisch verklärten Schlusswendung (Stichwort: „Moneypenny“).

Grundsätzlich dreht sich die Geschichte darum, einem ehemaligen MI6-Agenten namens Raoul Silva, der entdeckt hat, dass die andere Seite des Gesetzes für ihn viel spannender und schöner ist, dingfest zu machen bzw. in seiner Zerstörungswut zu stoppen, denn der hat es in äußerst mörderischer Absicht auf „M“, Bonds Chefin, abgesehen. Und dieses Ziel verfolgt er ohne Rücksicht auf Verluste. Zusätzlich gewürzt wird die Handlung durch einen anfänglichen Ausstieg Bonds aus dem Geheimdienst, weil er sich nach einer vermeintlich tödlichen Verletzung längere Zeit nicht zum Dienst zurückmeldet.

Positiv aufgefallen sind mir vor allem die folgenden Aspekte:

  • Endlich geht ein Bond-Film intensiver auf die Familiengeschichte der Bonds ein! Hier und da gab es ja immer ein paar Anspielungen, doch nie so detailliert wie in „Skyfall“. So wird geschickt der Charakter des Geheimagenten vertieft, ohne vom hauptsächlichen Handlungsstrang abzulenken. Bedenkt man, dass es sich um den 23. Film einer seit mehr als 50 Jahren fortgesetzten Filmreihe handelt, ist das durchaus eine willkommene Abwechslung.
  • Die in diesem Zuge (Charaktervertiefung) verwendeten Landschaftsaufnahmen aus den schottischen Highlands sind schlicht umwerfend!
  • Der Titelsong von Adele ist gleichzeitig modern und doch hörbar an den typisch opulenten Stil der frühen Bond-Songs angelehnt. Geschickt wurde die charakteristische Bond-Harmoniefolge (mit der kreisenden chromatischen Melodielinie) in die Begleitung der Strophe eingebaut – sehr schön!
  • Die Verneigung vor den früheren Filmen, z.B. in Form des Aston Martins, der während der Flucht vor dem Bösewicht aus einer versteckten Garage geholt wird, stellt eine weitere Verbindung zur Bond-Tradition dar. Es ist für mich auch gleich die lustigste Stelle im Film, als James Bond seiner Chefin scherzhaft damit droht, sie mittels Schleudersitz aus seinem Aston Martin zu befördern — ich glaube, zuletzt kam der in „Goldfinger“ zum Einsatz… Herrlich!

Negativ aufgefallen ist mir eigentlich nur eines: Der neue „Q“ kommt als jugendlicher Nerd in meinen Augen total unglaubwürdig rüber. Gerade in einem so traditionsversessenen Land wie England müssten schon wahre Wunder geschehen, bis so ein „Jungspund“ zu einer derartigen Position im MI6 aufsteigen könnte. Da seine Rolle in „Skyfall“ insgesamt sehr klein ausfällt, macht das nicht viel aus. Dennoch wird dieser Charakter sicher ein Element in den kommenden Bonds werden, das mir ein wenig Magengrimmen verursachen könnte.

Fazit

Alles in allem ein wirklich sehenswerter Bond-Film, der sich gleichzeitig gut in die Traditionen einfügt, dabei aber auch neue Elemente geschickt ins Spiel bringt. Ein bisschen Spannung hat mich ja schon gepackt, wie denn die Reihe insgesamt (ab dem 25. oder 26. Film) fortgesetzt werden soll. Speziell als britischem Agenten gehen Bond langsam aber sicher die Konfliktherde aus (na ja, vielleicht könnte die EU ja angesichts des Brexit zum neuen „Schurkenreich“ aufsteigen). Und irgendwann nutzt sich die „Terroristen oder ehemalige Kollegen“-Schiene auch ein wenig ab. Wie gesagt: spannend.

Mal sehen, wann ich mir „Spectre“ ansehen kann. Meinetwegen darf da noch ein gutes Jahr ins Land ziehen. Eventuell greife ich ihn auch erst später – wie schon „Skyfall“ – für 4€ bei einer iTunes-Aktion ab…

Brexit zum Frühstück

Während meiner Yoga-Runde führte am gestrigen frühen Morgen mein iPhone eine Art Breakdance auf: Permanent gingen aktuelle Push-Mitteilungen zum Brexit über meine Tagesschau– und heute-Apps ein und versetzten den Vibrationsalarm in einen wahren Taumel. Das hier ist kein politischer Blog, ich will das auch nicht lange ausdehnen, mir kam nur beim Duschen ein Gedanke, dessen Ausformulierung ich tatsächlich für erstrebenswert erachte.

Der Brexit war aus meiner Sicht eher zu erwarten als der Verbleib in der EU, denn die Briten sind ein stolzes Volk, deren ältere Bevölkerungsschichten sich nach dem alten Glanz des Empire zurücksehnen. In gewisser Weise habe ich mir den Brexit sogar fast herbeigewünscht – nicht wirklich, aber als Gedankenspiel, denn er ermöglicht – nun sogar in der Realität – ein einzigartiges Experiment: Ich habe in Gedanken für mich mal durchgespielt, was die Langzeitfolgen des Brexit sein könnten. Aus meiner Sicht bleiben ja nur drei grundlegende Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung:

  1. Es geht den Briten besser als vorher, die Wirtschaft blüht auf, die Politik stabilisiert sich. Das wäre das Signal schlechthin für weitere Länder, in denen die EU-Unzufriedenheit hoch ist, sich zu verabschieden. (Glaubt man einigen Twitterern, so bereitet Horst Seehofer bereits ein eigenes Volksreferendum vor, um Bayern über den Verbleib in/den Austritt aus der EU abstimmen zu lassen…)
  2. Es geht den Briten schlechter als vorher, die Wirtschaft schrumpft schmerzhaft, die Politik destabilisiert sich (und/oder rutscht deutlich nach rechts), soziale Probleme (und in deren Folge ein tumber Nationalismus) verschärfen sich. Eine gewisse Häme gegenüber Großbritannien würde sich EU-weit ausbreiten, die Vorteile einer großen Gemeinschaft würden deutlicher denn je hervortreten und den Zusammenhalt der verbliebenen Länder effektiv stärken. Da die Schotten angeblich ein erneutes Referendum zur Loslösung von England vorbereiten, spekulieren sie offensichtlich auf diesen Ausgang und werden dann als eigenständiges Land selbstverständlich gleich nach der (ebenfalls zu erwartenden) Unabhängigkeit (das wäre ja ein ganz entzückender Wortwitz, denn der Brexit wurde von dessen Befürwortern gestern ja als „Independence Day“ gefeiert) eigene Aufnahmegespräche mit der EU beginnen.
  3. Es passiert fast nichts – nach einer kurzen Anpassungsphase, in der es sicherlich turbulent wird, danach läuft für 85-95 Prozent der Menschen alles in gewohnten Bahnen weiter. Das ist wiederum die spannendste Alternative, denn die Reaktionen der anderen EU-Länder hängen dann von der medialen Interpretation dieser unspektakulären Entwicklung ab. Ich erwähne hier nur ganz beiläufig den Namen einer Zeitung mit vier Großbuchstaben, zu der es in allen europäischen Ländern mindestens ein entsprechendes Pendant gibt – und deren simple, aber häufig (fast schon unablässig) wiederholte, Parolen schon häufig zur Meinungsbildung ganzer gesellschaftlicher Schichten beigetragen haben.

Was daraus wird, hängt nun von der weiteren Entwicklung der kommenden zwei bis fünf Jahre (als Mindestzeitrahmen) ab. Wirklich valide Vergleiche benötigen sicher noch etwas länger, da alle kurzfristigeren Entwicklungen auch anderen ganz üblichen Schwankungen unterliegen könnten.

Schön finde ich persönlich, dass nach der anfänglichen Entsetzenswelle im Internet nun auch einige sehr besonnene Kommentare die möglichen positiven Auswirkungen des Brexit auf das restliche Europa, das — wie ich oben bereits geschlussfolgert habe — ja durchaus auch gestärkt werden könnte, erscheinen, z.B. bei heute.de. Was aus der Angelegenheit wird, dürfte uns allen in den kommenden Jahren wieder und wieder unter die Nase gerieben werden – egal, was in der Substanz dabei herauskommt. Insofern dürfen wir uns als Nicht-Akteure in diesem Spiel ab sofort zurücklehnen und entspannt die Show genießen.

Ein paar aus meiner Timeline ausgewählte Twitter-Kommentare zum Brexit gibt’s noch als kleines Schmankerl:

Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher
Das ist sicher zu erwarten, wenn das Experiment misslingt und die Briten schlechter dastehen als vorher
Verfrühter Jubel?
Verfrühter Jubel?
Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht...)
Schöner Vergleich — und nicht falsch (ich spreche aus Erfahrung, zumindest was Linux angeht…)
Schönes Wortspiel!
Schönes Wortspiel!
Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen...
Dass es so viel ausmacht, war mir vorher nicht bewusst gewesen…
Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit...
Der oben schon erwähnte Seehofer-Bayxit…
Der Brexit aus kulinarischer Sicht
Der Brexit aus kulinarischer Sicht
Ein Grundproblem aller Basisdemokratie...
Ein Grundproblem aller Basisdemokratie…
Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?
Nach der Wahl informieren, was könnte schon schiefgehen?

52 Wochen – Teil 13 („Junker Solera auf der Wartburg“)

Die vergangenen drei Tage weilte ich mit meiner Familie in Sömmerda, ganz in der Nähe von Erfurt. Ein alter Schulfreund ist arbeitsbedingt im letzten Sommer dorthin gezogen, nun wollten wir mal sehen, wie es ihm und seiner Familie dort geht.

Wenn man aber schon 340 Kilometer einfache Strecke auf sich nimmt, hängt man nach Möglichkeit gleich noch ein paar kulturelle Exkursionen an. Und so kam es, dass wir als Lehrer und somit KvD (Kulturvermittler vom Dienst) am vorgestrigen Freitag der Wartburg und dem Bachhaus in Eisenach einen Besuch abstatteten.

Beide sind touristisch voll erschlossen – und das meine ich positiv, denn es war hervorragend organisiert. Auch die Führung durch die Wartburg war so gemacht, dass wir mit drei Kindern (6-10 Jahre alt) ohne größere Drängeleien und Nörgeleien durchkamen.

In diesem Kontext entstand das Foto für meinen heutigen Beitrag zu Zeilenendes immer noch (mal sehen, wann sich das ändert) wundervoller Foto-Aktion „52 Wochen“ (hier sein heutiger Beitrag, hier alle seine Beiträge, hier alle von mir unter dieser Rubrik veröffentlichten): Ich als „Junker Solera“, der sich auf der Wartburg vor der Kirchen- und Reichsacht versteckt, um dort in Ruhe ein Buch zu übersetzen (das Neue Testament muss es jetzt nicht sein, auch Griechisch liegt mir nicht so ganz…):

Wartburg-Selfie.jpg
Solera versteckt sich als Junker Solera auf der Wartburg – aber in Begleitung seiner schönen Frau, sonst wäre der Zustand unerträglich!

Wie das Bild verrät, kann ich mich mit einem zölibatären Dasein nicht einverstanden zeigen, meine Tonsur ist eher Tarnung als Berufung – daher nahm ich kurzerhand meine hübsche Frau zu mir aufs Selfie, ohne sie gehe ich schließlich fast nirgendwo hin.

Macht euch einen schönen Sonntag, ich bin gerade noch etwas erschlagen von einigen Stunden Probe in der Big Band. Viel mehr bringe ich heute nicht zustande.

San Francisco: Coit Tower

Viel zu lange habe ich nichts mehr über meine Geburtsstadt San Francisco geschrieben. Einige Absätze des heutigen Artikels liegen schon seit Monaten in meinem Entwürfe-Ordner herum, doch es kostet Zeit, sich dieses Themas mit dem gebotenen Ernst und der notwendigen Muse zu widmen. Daher wollte ich keinen Schnellschuss aus der Hüfte loslassen, nur um den Artikel fertig zu bekommen.

Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)
Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)

Mit dem Coit Tower treffen wir heute ein weiteres Highlight San Franciscos, das mir diese Stadt so sehr ans Herz hat wachsen lassen. Im Coit Tower vereinigen sich gleich mehrere kulturell interessante Aspekte, die natürlich auch touristisch ausgeschlachtet werden, doch in diesem Fall ist es gut so, denn sonst hätte am Ende kaum jemand Zugang zu dieser Attraktion.

An manchen Tagen kann es da ziemlich bedrängt zugehen, wir hatten damals (2003) riesiges Glück, denn trotz sonnigen Wetters und milder sommerlicher Temperaturen waren höchsten eine Handvoll Leute zeitgleich mit uns anwesend, was einige ungestörte Fotos ermöglichte.

Geschichte:

Erbaut wurde der Coit Tower im Jahr 1933, verantwortlich für den Bau waren Arthur Brown Jr. und Henry Howard. Der Name des Turms geht auf eine ganz interessante Geschichte zurück:

Lillie Hitchcock Coit, ein Kind aus sehr wohlhabenden Verhältnissen, half den Feuerwehrmännern bei einem Brand in der Nähe des Telegraph Hill, woraufhin sie zu einem Maskottchen der Freiwilligen Feuerwehr San Franciscos wurde. 1929 starb sie und hinterließ der Stadt 100.000 (andere Quellen sprechen von 125.000) Dollar für die Verschönerung der Stadt. Die Summe klingt vermutlich nach heutigen Verhältnissen nicht besonders opulent, zumindest wenn man bedenkt, was allein die Großbaustelle des BER täglich an Geld verschlingt, für damalige Verhältnisse war es aber ein „riesiger Batzen“.

Auf jeden Fall wurde der 64 Meter hohe Aussichtsturm errichtet, der bis heute fantastische Ausblicke auf einen Großteil der Stadt und der Bucht ermöglicht. Davon konnten wir uns persönlich überzeugen. Und davon gibt’s natürlich gleich einiges zu sehen…

Wer nun ein wenig auf den Geschmack gekommen ist, findet weitere Informationen zum Coit Tower hier und hier.

Architektur:

Der Coit Tower soll zwar offiziell nicht so aussehen wie eine aus dem Boden ragende Feuerwehrspritze, zumindest beabsichtigten die Architekten dies nicht. Wenn man ihn sich allerdings ansieht, fällt eine gewisse Ähnlichkeit dennoch ins Auge.

Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier schon die stilisierte Spritze eines Feuerwehrschlauchs erkennen...
Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier (zumindest meiner Meinung nach) schon die stilisierte Spitze einer Feuerwehrspritze erkennen.

Zumindest geht es mir so. Aber wer es anders sieht, darf mir gerne einen Kommentar schreiben. Gerade visuelle Analogien sind ja ein Gebiet, in dem sich schier unendliche Diskussionen führen lassen.

Aussicht:

Die Aussicht von der Spitze des Coit Tower ist schlicht sensationell. Aus den fast schon unzähligen Bildern habe ich nur eine sehr kleine Auswahl zusammengestellt, die als kleiner Appetizer angesehen werden können, doch einmal einen Trip nach San Francisco zu unternehmen.

Hier ein Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.
Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.
Hier der wundervolle Ausblick direkt auf die Golden Gate Bridge.
Die vermutlich bekannteste Attraktion der City by the Bay: Die Golden Gate Bridge.
Hier der Blick in Richtung der Innenstadt, zentral ist die Needle zu sehen.
Blick in Richtung der Innenstadt, im Zentrum ist die sog. Needle zu sehen.
Und zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003...
Zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003.

Kunst im Innern:

Beim ersten Besuch wird man fast überwältigt von den atemberaubend schön bemalten Innenwänden im Erdgeschoss. Die Wandmaler ließen sich von Diego Riveras sozialkritischer Malerei inspirieren und bauten zahlreiche „linke“ Elemente in die Wandgemälde ein.

Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).
Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).
Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess
Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess…
Fleiß und körperlicher Einsatz als durchgehende Motive
Fleiß und harter körperlicher Einsatz sind die durchgehenden Motive.
Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.
Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.
Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower ganz unerwartet zum Leuchten bringt.
Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower noch mehr zum Leuchten bringt…

Fazit:

Der Coit Tower gehört zu den von außen eher unscheinbaren, in seiner Gesamtwirkung aber immens bedeutsamen Attraktionen San Franciscos. Wenn ich mal wieder in der Stadt sein sollte, muss ich die drei Dollar für den Aufzug auf jeden Fall investieren – der Ausblick ist es wert!

Der kleine Mann mit der großen Stimme

Hehe, nein, nicht was ihr wieder denkt… Hier geht es um Musik, genauer gesagt um einen mittlerweile – und leider viel zu früh – verstorbenen Musiker, dessen Stil sich als äußerst einflussreich auf die gesamte Machart der Musik vieler Zeitgenossen und Nachfolger ausübte. Die Rede ist von Ronnie James Dio.

Ronnie James Dio auf der Bühne
Ronnie James Dio auf der Bühne

(Quelle: hier)

Tatsächlich stimmte die in der Überschrift zitierte Aussage, denn mit 1,63 m war Ronnie James Dio (gebürtig Ronald James Padavona) kleiner als die meisten Männer, doch seine Gesangsstimme sucht bis heute ihresgleichen. In Heavy Metal-Kreisen gehören er bzw. seine verschiedenen Bands, am bekanntesten sicher Black Sabbath, Rainbow und DIO, zu den ganz großen Namen, die eigentlich jeder Eingeweihte kennen muss.

Biographie in ganz kurzer Fassung

Zur Biographie möchte ich hier eigentlich kaum etwas schreiben, denn sie ist eine typische Musiker-Biographie: Früher Kontakt zur Musik (mit etwa fünf Jahren erster Instrumentalunterricht), bereits als junger Teenager erste Band-Erfahrung, immer wieder Wechsel zwischen verschiedenen Bands, von denen in seinem Fall einige eben sehr bekannt waren (Black Sabbath und Rainbow), danach Gründung der eigenen Band. Steigende Popularität, Blütezeit, allmählicher Abstieg, diverse Projekte, Tod.

Mano cornuta

Darüber hinaus hat Ronnie James Dio zumindest deutlichen Anteil daran, in Metal-Kreisen die sog. „Mano cornuta“, auch bekannt als „Devil Horns“, „Metal Sign“ oder „Pommesgabel“ populär gemacht zu haben. Zwar gibt (eher gab) es einen minimalen Urheber-Streit, ob eher Gene Simmons (von der Band KISS) oder Dio zuerst diese Geste verwendet haben.

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Die Pommesgabel von Solera – stilecht in düsterem Schwarz/Weiß gehalten…

Letztlich kann man diesen Zwist aber getrost ignorieren, denn es herrscht Einigkeit darüber, dass Dio die Geste durch häufige Verwendung auf der Bühne – immer bei Stellen, in denen es um den Teufel oder das Böse ging – in Metal Kreisen als sein Markenzeichen etabliert hat. Es wurde sogar zu seinem weithin bekannten Markenzeichen – und in der Szene wird es bis heute als Identifikationszeichen verwendet, das beim gemeinsamen Hochreißen der Hände während eines Konzert das Gruppengefühl stärkt sowie die Begeisterung für die Musik zeigt. Weitere spannende Informationen zu den vielfältigen Bedeutungen dieser Geste findet man hier.

Hörempfehlungen

Nun komme ich endlich zum wichtigsten Teil dieses Blog-Eintrags: den Hörempfehlungen. Ronnie James Dio hinterließ vor allem mit seiner eigenen Band DIO eine Reihe sehr starker Alben, von denen mir vor allem „Holy Diver“, „The Last in Line“ und „Dream Evil“ gefallen. Meine Favoriten-Stücke sind (Reihenfolge ist nur alphabetisch sortiert):

Wer einen Streaming-Service wie Apple Music nutzt, braucht nur die Album-Titel oder DIO eingeben, alle Alben sind dort zum Streamen verfügbar.

Rush: Beeindruckende Leistungen

Und noch ein Artikel aus dem Rush-Blog:

Rush ist eine Band, die eigentlich immer an ihrem Limit spielen muss, denn sie sind nur drei. Beim Lesen in der Rush-Bibel von Martin Popoff stieß ich auf eine Stelle, die einmal auch Alex Lifesons Einzelleistungen hervorhebt. Meistens wird er in (medialen) Wahrnehmung der Band von Geddy — der Bass spielt, die Pedale und Synthesizer bedient und zusätzlich auch noch singt — und Neil — der als Songtext-Schreiber und Schlagzeuger seit seinem Einstieg eine besondere Position innehat — ziemlich aus dem Rampenlicht verdrängt. Ganz und gar unverdient, wenn man den folgenden Abschnitt liest.

And Alex’s guitar playing blew me away. We would double the guitars, which was a thing I was very much into at that point. And we only had three days to do all this work. So we did guitar track, drums and bass, and then I said to him, 'Let’s double it.‘ And I’ll never forget, to this day, I put the original guitar on the left speaker, we put the new guitar on the right speaker, and he doubled it from top to bottom, flawlessly, in one take. And it sounded like one huge guitar, it was so accurate.

Das Zitat stammt von Terry Brown, der in der frühen Phase von Rush für die Aufnahmen im Studio zuständig war. Da er auch schon andere Bands produziert und deren Platten zu Hits gemacht hatte, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er *genau* wusste, von was er hier sprach.

Auch ich als studierter Musiker, der sowohl CD-Aufnahmen als auch etliche Live-Auftritte absolviert hat, kann nicht meine Faszination verhehlen, denn so etwas ist eine absolut atemberaubende Leistung. Dazu eine kleine Anekdote: Ich unterrichte ein paar Privatschüler. Für eine ganz junge Schülerin habe ich vor einigen Wochen ein kleines Stück zum Mitspielen aufgenommen, da sie sich immer wieder (zu viele) Freiheiten im Rhythmus herausgenommen hatte, als dass ich einfach darüber hinwegsehen hätte können.

Ich bastelte mit Logic Pro X auf meinem Mac einen Rhythmus-Track, der einfach nur die Zählzeiten durchpulste. Dazu spielte ich dann die — wirklich einfache — Melodie ein. Doch vielleicht gerade weil es ein so einfaches Stück war, benötigte ich mehrere Anläufe, bis es rhythmisch akkurat „im Kasten“ war. Der geradelinige Puls vom Computer ließ sich einfach nicht auf meine Atempausen und leichten Verzögerungen ein. Und ich bin eigentlich kein Stümper auf meinem Gebiet (drei Studienabschlüsse *ohne* Bestechungszahlungen…).

Doch gerade diese noch relativ frische Erfahrung kam mir beim Lesen der obigen Stelle sofort wieder ins Gedächtnis. Es ist einfach wahnsinnig beeindruckend. Hoffentlich auch für Nicht-Musiker.

Befindlichkeiten

Eine kurze Vorbemerkung. Diesen Artikel habe ich schon am Mittwoch geschrieben, doch abends war ich zu müde, um die Sätze auf ihre Sinnhaftigkeit hin zu kontrollieren, daher kommt er jetzt erst.

Heute ist der 27. Januar, ein sehr geschichtsträchtiger Tag, zumindest aus deutscher Sicht. Zum zweiten Mal veranstaltet unsere Schule an diesem Datum einen speziellen Gedenktag, bei dem allerlei unterschiedlichen Themen – sei es die Zeit der Nationalsozialisten und aller Arten von Widerstandsbewegungen dagegen, die DDR oder auch Kinderrechte – auf unterschiedliche Weise (und auf Kosten des regulären Unterrichts) nachgegangen wird.

Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronner
Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronn

Ich schloss mich zwei Kolleginnen an, die mit fast 60 Schülern nach Königsbronn (einem kleinen Ort zwischen Oberkochen und Heidenheim) zur Georg Elser Gedenkstätte fuhren. Von Aalen aus ist man mit dem Regionalzug in weniger als 15 Minuten am Königsbronner Bahnhof angekommen, dann läuft man ungefähr fünf Minuten bis zur Gedenkstätte, die direkt neben Rathaus und „Brenztopf“ (so heißt der Ursprung der Brenz) gelegen ist. Begrüßt wurden wir von zwei sehr kompetenten Führern (ein durchaus heikler Begriff in diesem Zusammenhang, ist mir klar…).

Falls einem meiner Leser Georg Elser kein Begriff ist, würde mich das nicht wundern, denn mir ging es vor dem heutigen Tag genauso. Leider wird um ihn bislang immer noch nicht viel Aufhebens gemacht, obwohl er sicher zu den bedeutenden heroischen Gestalten des innerdeutschen Widerstands gegen Hitler gehört – und er hat seinen privaten Widerstand wirklich ganz allein durchgezogen, völlig ohne äußere Unterstützung. Bemerkenswert.

Georg Elser hat aus einem inneren Antrieb heraus die Kriegstreiberei der NS-Führung verurteilt und beschlossen, durch einen gezielten Bombenanschlag zumindest Hitler, nach Möglichkeit aber auch Göring und Goebbels (oder so viele führende Nazi-Funktionäre wie möglich) zu töten. Er wartete eine wiederkehrende Veranstaltung ab, bei der die ganze Führungsriege anwesend sein würde, installierte nach wochenlanger geheimer Vorarbeit eine Bombe in der Säule hinter dem Rednerpult – und verpasste am Ende Hitler nur um ein paar Minuten. Entgegen dessen Gewohnheit, ausufernde und lange Reden zu halten, zog ihn die Kriegsvorbereitung zurück nach Berlin, daher fasste er sich ungewohnt kurz. Viel Unheil hätte der Welt erspart bleiben können, wäre er an diesem Tag nicht so ungewohnt wortkarg gewesen.

Kurz vor der Schweizer Grenze wurde Elser auf der Flucht gefangen genommen, inhaftiert, überführt und gefoltert, gekrönt wurde die „Ermittlungsarbeit“ mit einem Geständnis. Von da an lebte er noch bis kurz vor Kriegsende im KZ, wo er wenige Tage vor der Befreiung durch die Alliierten per angeordnetem Genickschuss hingerichtet wurde (der Hinrichtungsbefehl mit der strikten Anweisung zur sofortigen Vernichtung des Dokuments ist in der Gedenkstätte zu besichtigen). Vermutlich sollte er kein Zeugnis von seinen Erkenntnissen mehr ablegen können.

Zurück zur Gedenkstätte: Zu Beginn sahen wir einen etwa halbstündigen Dokumentarfilm, der das gesamte Leben Georg Elsers zusammenfasste – sehr gelungen, leider mit vielen (mindestens 15-20) Aussetzern, denn der Windows 10-Rechner war mit dem Abspielen einer handelsüblichen DVD ganz offensichtlich überfordert. Danach in sehr geraffter, aber vielleicht dadurch gerade besonders eindringlicher Form Hitlers Weg weg von der Demokratie hin zur Diktatur in Form der „Ermächtigungsgesetze“ (immer wieder neu erschreckend, wie schnell das ging – ein großes Lob an die exzellent zusammengestellte Präsentation), wonach sich ein paar Minuten Pause an der frischen Luft anschlossen.

Dann tauschten die beiden Schülergruppen (die Räume sind nicht für 60 Personen ausgelegt), jetzt offenbarte ein französischer Experte (mit wundervoll klingendem Akzent) in einem etwa anderthalbstündigen Vortrag eine herausragend kompakte und dennoch überzeugend schlüssige Zusammenfassung der Ereignisse, die zu Hitlers Machtergreifung und den Gründen für Elsers Anschlag auf ihn führten. Die Schüler konnten sich bei solchen Input-Mengen oftmals nur noch ins Gähnen retten, ich verdenke Ihnen das nicht, denn in dem Alter wäre ich dabei glatt im Stehen eingeschlafen. Heute jedoch war von Müdigkeit keine Spur, die Ausführungen sprachen mich wirklich sehr an. Auch die Kollegin, die mit mir bei dieser Schülergruppe geblieben war, fand ihn sehr überzeugend.

Das Georg Elser-Denkmal am Königsbronner Bahnhof
Das Georg Elser-Denkmal am Königsbronner Bahnhof

Als die Schüler dann gegangen waren, um sich vor der Haustür zu versammeln, kamen eben jene Kollegin und ich mit dem französischen Führer ins Gespräch. Dabei erwähnte er die sehr diffizile Lage der Befindlichkeiten im Heimatort eines solchen Helden. Natürlich war auch Königsbronn in der NS-Zeit in vielerlei Hinsicht gleichgeschaltet worden: HJ, BDM und alle typischen weiteren Vereinigungen gab es auch dort. Nach dem missglückten Attentat wurde ein Großteil der Bevölkerung über Wochen strengen (und fast ausnahmslos brutalen) Verhören unterzogen. Dann griff die Propaganda-Maschine, die Elser als Marionette eines ausländischen (in diesem Fall britischen) Geheimdienstes hinstellte (völliger Unfug, aber dafür ist Propaganda ja nun einmal zuständig), ein. Wirklich fundierte Aufklärung über alle Details fand erst ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre statt, bis sie breiteren Bevölkerungsschichten bekannt wurde, hatten bereits die 1990er Jahre begonnen.

Die Gedenkstätte wurde gegen Ende des letzten Jahrtausends eingerichtet – gegen teils heftigen Widerstand der ansässigen Bevölkerung. Die lange zurückliegende Propaganda hatte teilweise ihre Wirkung getan, außerdem gab es haufenweise Probleme mit den individuellen Befindlichkeiten von Familien, die in diesem Zusammenhang nicht erwähnt werden wollten. Alles ein sehr heikles Geflecht von sozialen Fäden, die man besser nicht entwirren sollte, wenn am Ende irgendwann einmal eine echte Aufklärung für alle erreichen möchte.

Mich beeindruckten vor allem das Fingerspitzengefühl für die gerade dargelegten sozialen Befindlichkeiten und die Fachkompetenz der beiden Führer. In ein paar Jahren werde ich da sicherlich wieder hingehen, vielleicht ja wieder mit einer Schülergruppe. Wer einmal in die Gegend kommt, sollte sich diese Gedenkstätte unbedingt ansehen. Der Eintrittspreis ist lächerlich gering, die Details sind über die Homepage der Gedenkstätte einfach zu erfahren.

 

Political Correctness & Disneyfication – nein danke!

Gestern habe ich das oben abgedruckte Bild bei Twitter entdeckt. Und – ohne dass ich jetzt eine konkrete Quelle angeben könnte – erinnere ich mich an einen schönen Artikel eines US-amerikanischen Bloggers darüber, dass die überall eingeforderte „politische Korrektheit“ eine „echte eigene Meinung“ zunehmend unterdrückt. Im Sinne einer „Disneyfication“ gilt nur noch als akzeptabel, was niemanden „aus der jeweiligen Komfortzone“ herausreißt – somit wird jede Äußerung weichgespült und immer nur dann geäußert, wenn man sich als Autor sicher sein kann, niemanden auch nur andeutungsweise anzugreifen bzw. (im Umkehrschluss) möglichst viele „Likes“ zu generieren.

Als ich den Artikel gelesen hatte, reifte in mir der Entschluss, in der Zukunft von meinen Schülern durchaus in der im Bild angedeuteten Richtung wesentlich mehr zu verlangen.

Schon jetzt lasse ich mich im Beruf nicht von Überlegungen leiten, die mir „mehr Beliebtheit“ bei den Schülern versprechen, denn gibt man dieser Versuchung erst einmal nach, wird es sehr schwierig, später wieder einen konfrontativen Kurs einzuschlagen. Und gerade Teenager auf der Höhe der Pubertät benötigen einen knüppelharten Widerpart, an dem sie sich reiben und ihre private Revolution ausleben können. Keiner behauptet, dass sich das für beide Seiten gut anfühlt, aber auf dem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit ist diese aufrührerische Phase unumgänglich.

Wenn man sich mal vor Augen führt, wie lange der Zustand der Adoleszenz sich heute ausdehnt (oft bis Mitte/Ende Zwanzig), so mag einer der Gründe dafür darin zu suchen sein, dass den Jugendlichen immer mehr Möglichkeiten genommen werden/wurden, kontrovers zu sein. In den 1960er Jahren konnten die Teenager die Rolling Stones hören (nur als ein schönes Beispiel) und sich sicher sein, dass die Eltern strikt dagegen waren. Das beschwor Konflikte herauf, dringend notwendige Konflikte, dafür waren die jungen Erwachsenen dann auch schon früher gereifte(re) Persönlichkeiten.

Vergleichen wir die Situation damals (Rolling Stones) mit heute: Die meisten Eltern hören weitgehend die gleiche Musik wie ihre Kinder, zumindest gibt es immer weniger substantielle Unterschiede. Das Radio hat mit seinem dreieinhalb-Minuten-Diktat für eine weitgehende Angleichung der Popularmusik gesorgt. Klar, man findet immer noch Nischen, bei denen sich die Eltern sicher genervt abwenden. Aber es wird immer schwieriger, die Nischen werden immer kleiner.

Ich lehne mich nun ein wenig aus dem Fenster: Das Erstarken extrem rechter und extrem linker politischer Ansichten sowie deren gewaltbereites/-volles Ausleben könnte auch eine Folge der zunehmend unmöglich gewordenen Revolutionsphase in der Pubertät sein. Unter Garantie spielen da noch etliche andere Faktoren eine gewichtige Rolle, nicht zuletzt Bildungsgrad (des Jugendlichen wie auch der Eltern), soziale und geographische Herkunft, persönliche Vorerfahrungen und vieles mehr. Aber ich denke, dass es ein zwingender Teil des Erwachsenwerdens ist, sich eine Zeit lang mit allem und jedem um sich herum anzulegen, die Grenzen aktiv auszutesten. Und jedes Unterbinden dieser Möglichkeit verlängert den Abnabelungsprozess bzw. hinterlässt ungelöstes Konfliktpotenzial, das später dann unter Umständen wieder an die Oberfläche drängt.

Zurück zur Ausgangssituation: Warum sollte nun also der Lehrer immer nur einen auf „Kuschelkurs“ machen und seinen Schülern nicht grundsätzlich mehr abverlangen, als sie in ihrer „Komfortzone“ zu leisten bereit sind? Also: Macht euch auf etwas mehr Stress in den kommenden Monaten gefasst!

 

San Francisco: Der einzig wahre Podcast

In den letzten Wochen habe ich einige Einträge über die schönste Stadt der mir bekannten Welt verfasst. Nun ist es so, dass ich zwar dort geboren wurde, im weiteren Verlauf meines Lebens aber gar nicht so viel Zeit dort verbrachte, wie ich dies gerne getan hätte — aber wer weiß, vielleicht kommt ja noch eine Zeit, in der ich mich dort für eine Weile niederlassen kann…

Wer durch die Beiträge der letzten Zeit ein wenig auf den Geschmack gekommen ist, dem sei der Podcast „Sparkletack – The San Francisco History Podcast“ von Richard Miller wärmstens ans Herz gelegt.

In seinen (nicht ganz – aber fast) unzähligen Episoden der sog. „Timecapsules“ behandelt er immer ein aktuelles oder historisches Thema der Stadt. Und er hat sich da unglaublich viel Mühe gegeben, jeder einzelne Podcast stellt für sich ein Juwel dar.

Natürlich kostet unsereins der Genuss dieser Juwelen gar nichts, denn Richard Miller stellt das alles auf seiner Homepage frei zur Verfügung. Man kann als iOS- oder iTunes-User auch direkt über iTunes- bzw. die Podcast-App den Podcast abonnieren – wundervoll! Hört doch einfach mal rein, es lohnt sich wirklich.