Archiv der Kategorie: E-Gitarre

Album der Woche – Episode 5 – 2017-10-15

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

AC/DC: „Back in Black“

Das vielleicht beste AC/DC-Album aller Zeiten: „Back in Black“

Das vielleicht beste AC/DC-Album aller Zeiten: „Back in Black“

1980 erschien mit „Back In Black“ von AC/DC einer der größten Meilensteine der Rock-Geschichte. Die zehn Songs stellen eine derart gelungene Zusammenstellung von eingängigen Krachern voller kantiger Riffs, Mitsing-Refrains, frecher Texte und eines knallharten Sounds dar, dass es absolut kein Wunder ist, dass mittlerweile über 50 Millionen Exemplare davon verkauft wurden.

Für die echten AC/DC-Fans stellt es noch in einer weiteren Hinsicht einen Meilenstein dar, denn es ist das erste Album mit Brian Johnson als Sänger. Nach dem Vorjahres-Erfolg des Albums „Highway To Hell“ verstarb der vorige Sänger Bon Scott am Ende einer durchzechten Nacht im Auto von Angus Young. Kurz darauf begann die Suche nach einem Ersatz, denn die Karriere der Band hatte gerade erst Fahrt aufgenommen. Brian Johnson sang zwei Lieder vor, dann stand er als Nachfolger des früheren Frontmanns fest. Seine kratzige Reibeisenstimme verpasst dem Album mit dem hohen Maß an Energie den letzten Schliff.

Die Songs:

Wie so oft fällt es mir schwer, die besten Songs des Albums auszuwählen, da sie alle so fantastisch sind. Ein paar Highlights möchte ich dennoch hervorheben:

Hells Bells

Dies war mein erstes AC/DC-Stück, das ich auf der E-Gitarre spielen konnte. Mit 15 hatte ich mit der Band meinen ersten Auftritt. Aus einem Programm von gut 20 Stücken kam dieses irgendwann kurz vor Ende des Gigs dran – und ich hatte vor lauter Aufregung vergessen, wie genau das Zupfmuster am Anfang ging. Das war ein ganz, ganz peinlicher Moment (peinlicher war an dem Abend nur noch „meine Version“ von Steve Vais „For The Love of God“). Fast immer, wenn ich den Anfang höre, muss ich wieder daran denken. Da mittlerweile gut 27 Jahre seitdem vergangen sind, ist die Peinlichkeit weitgehend verflogen.

Back In Black

Für mich ist das Riff, mit dem dieses Stück so markant einsteigt, das beste Gitarren-Riff aller Zeiten (vielleicht mit der Ausnahme von „Highway To Hell“). Sehr effektvoll wurde es als Filmmusik im ersten Teil von „Iron Man“ eingesetzt. In vielerlei Hinsicht ist das für mich der Höhepunkt des musikalischen Schaffens von AC/DC.

You Shook Me All Night Long

Nachdem AC/DC ohnehin schon als „schlimme Finger“ bekannt waren, passte dieses Stück perfekt in die Sex, Drugs & Rock and Roll-Facette. Darüber hinaus ist es eine der großen AC/DC-Hymnen, die man immer, aber wirklich immer mitsingen kann.

Zuerst könnte man ja noch auf die Idee kommen, es handle sich um eine Ballade, denn die ersten Sekunden klingen – für AC/DC-Verhältnisse – melancholisch-verträumt. Doch dann steigen Gitarre und Schlagzeug in das Riff ein. Ab da geht gnadenlos die Post ab, denn das Grundtempo wird ordentlich angezogen. Und hat man diesen Teil einmal gehört, bleibt der Refrain so übel im Ohr hängen, dass er noch tagelang immer wieder in den unvorhersehbarsten Situationen wie ein Springteufel hervorschnellt und einen in Besitz nimmt…

Rock & Roll Ain‘t Noise Pollution

Der Song ist ein Frontalangriff auf die viel zu oft geäußerte Behauptung, Rockmusik sei „akustische Umweltverschmutzung“. Nach dem Motto „den Stier bei den Hörern packen“ vertreten AC/DC hier vehement die gegenteilige Meinung. Und das auf so charmant-melodiöse Weise, dass man eigentlich nur laut mitsingen kann (klappt in diesem Fall vermutlich auch mit 1-2 Promille Alkoholgehalt im Blut).

Wie schon bei „You Shook Me All Night Long“ beginnt der Song mit einem melancholischen Gitarren-Intro. Doch statt in ein höheres Tempo abzubiegen und ordentlich einzuheizen wird hier das trügerisch langsam voranschreitende Tempo genutzt, um ordentlich Spannung aufzubauen, sodass sich nach einem wundervoll auf die Klimax hinarbeitenden Pre-Chorus alle angestaute Kraft im Refrain entladen kann. Auch das Gitarrensolo gehört zu den ganz feinen Aspekten des Songs, die ihn definitiv hörenswert machen.

Fazit

Für mich steht fest, dass es bis heute (immerhin 37 Jahre später) noch kein gelungeneres AC/DC-Album gibt. Hier stimmt einfach alles: Länge, Eingängigkeit, Kraft und Virtuosität – die Band rockt, was das Zeug hält, mitreißend bis zum Umfallen.

Ich unterstelle nun einfach mal, dass das Album fast allen potentiellen Lesern dieses Blogs bekannt ist. An diese Adresse muss ich gar keine weiteren Worte richten, denn das Album zu kennen heißt, es zu lieben. Wer es noch nicht kennt, wird sicher mit den empfohlenen Tracks überaus glücklich. Doch auch alle anderen sind auf dem gleichen (=hohen) Qualitätsniveau, sodass man getrost die ca. 40 Minuten investieren kann – eine Enttäuschung wird das in keinem Fall!

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Song des Tages (368) – 2017-10-10

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Yngwie Malmsteen ist und bleibt ein Phänomen: Einerseits ein sensationell guter Gitarrist, der seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten auf der Bühne steht und dort mehr Hornhaut von den Fingerkuppen bei seinen High-Speed-Attacken auf die sechs Saiten seiner E-Gitarre eingebüßt hat als anderen Leuten in einem ganzen überhaupt in der gesamten Handfläche gewachsen ist. Dem steht auf der anderen Seite ein unglaublich von sich selbst eingenommener Egomane gegenüber, der es einfach nicht lassen kann, in jedem einzelnen seiner Stücke gnadenlos seine fingertechnischen Fertigkeiten unter Beweis zu stellen. Und „unter Beweis zu stellen“ ist eigentlich eine viel zu zurückhaltende Art, die Sache auszudrücken, denn er führt sich auf der Bühne auf wie ein Donald Trump der Musik.

Bereits seit Jahren verfolge ich seine Karriere nicht mehr, denn das Muster hatte sich damals so fest eingefahren, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geändert hat: Die Begleitmusiker sind nichts weiter als Staffage, sie liefern einen Klangteppich, über dem dann ein Gitarrensolo nach dem anderen abgezogen werden kann. Wer nicht spurt, wird rausgeworfen.

Mit dem heutigen Song des Tages kehre ich aber ganz zu Yngwie Malmsteens Wurzeln zurück, genauer gesagt zum ersten Stück seines ersten Solo-Albums: „Black Star“.

Hört man sich den Song in der Album-Version an (Empfehlung für alle Streaming Abo-Kunden), überrascht – zumindest aus der Perspektive seiner späteren Veröffentlichungen – die ungeheure Zurückhaltung, die dabei zum Ausdruck kommt. Natürlich packt er an der einen oder anderen Stelle seine wieselflinken Finger aus und lässt sie tanzen. Dafür ist das Stück ansonsten immer wieder wundervoll ruhig und melodisch.

Die Live-Version (und es ist die beste von drei oder vier, die ich bei YouTube fand) ist leider eine, bei der der gute Mann wieder einmal allen im Raum zeigen musste, dass er sich nicht an ein Geschwindigkeits-Limit zu halten bereit ist. Zum Glück blitzt zwischendurch noch der ruhige Charakter des Originals durch. Sonst könnte man den alten Aufschneider schier nicht ertragen.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Album der Woche – Episode 4 – 2017-10-08

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

ZZ Top: „Tonite at Midnight. Live – Greatest Hits From Around The World“

Für ein Live-Album ein echter Augenöffner – so mag ich ZZ Top wirklich!

Für ein Live-Album ein echter Augenöffner – so mag ich ZZ Top wirklich!

Das heutige Album der Woche fällt selbst meiner eigenen Einschätzung nach aus der Reihe, denn es handelt sich nicht um ein „richtiges“ Album im Sinn des Wortes. Live-Alben sind fast ausnahmslos Zusammenstellungen von live aufgenommenen Songs, die von anderen, bereits veröffentlichten Studio-Alben genommen wurden.

Doch im Falle von ZZ Top ist diese gerade erst in diesem Jahr erschienene Live-Compilation tatsächlich eher von Vorteil. Dieser Satz bringt mich gleich zu einem meiner Kerngedanken bezüglich dieser Band. Ich mag die Jungs wirklich, sie sind seit Jahrzehnten im Geschäft, treten nach wie vor immer und immer wieder live auf und schaffen es dort auch, mit ihrer „leicht minimalistischen“ (man verzeihe mir den kleinen Euphemismus) Bühnenshow das Publikum zu begeistern. Doch – und das ist der Punkt, der für die Live-Compilation spricht – hört man sich die Studio-Alben an, sind sie für drei, maximal vier Songs am Stück interessant, danach klingt (zumindest für mich) alles ziemlich gleich. Hier und da warten absolute musikalische Juwelen, mehrere davon habe ich in meiner Song des Tages-Sparte auch präsentiert. Doch im Großen und Ganzen haben die drei Herren einen – zugegebenermaßen cool-rockigen – Sound kultiviert, der nur geringe Nuancen an Unterschiedlichkeit zwischen den einzelnen Stücken (und zum Teil sogar Alben) aufweist.

Die Songs:

Heute verkneife ich mir – und das noch nicht einmal aus Zeitgründen – sogar das Hervorheben einzelner Songs. Immerhin sind es 15 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 65 Minuten. Und alle sind sie gut. Vor allem sind sie gut aufgenommen, denn nur zu oft sind Live-Aufnahmen außerordentlich flach im Sound, sodass immer ein (mehr oder weniger) leicht unbefriedigendes Hörerlebnis dabei herauskommt. Hier jedoch kann davon keine Rede sein, denn der Sound ist fett und druckvoll, auch wenn die Songs tatsächlich an den unterschiedlichsten Orten der Welt (darunter Berlin, Chicago, Dallas, Las Vegas, London, Los Angeles, Nashville, New York, Paris und Sao Paolo) mitgeschnitten wurden. Da dann am Ende immer noch so einen guten Sound abzuliefern… Hut ab!

Auch wenn ich gerade noch ankündigte, keine Songs hervorheben zu wollen, so bleibe ich doch bei jedem neuen Hördurchgang (und das Album habe ich in seiner vollen Gänze mindestens fünf Mal in den letzten drei Wochen komplett angehört) bei diesem einen Song hängen: „Rough Boy“. Erstmals auf „Afterburner“ erschienen, avancierte der Song schon bald zu einem veritablen Hit, der auch immer wieder im Radio gespielt wird. Die Live-Version auf dem aktuellen Album dagegen wurde am Geburtstag von Jeff Beck, dem berühmten Gitarristen, aufgenommen, mit ihm als Gast! Und auch wenn das Stück nicht plötzlich zu einer zehnminütigen Gitarrenorgie mutiert, ist es eine sehr hörenswerte Version, die (zumindest mir) einfach nur Spaß macht.

Fazit

Ich weiß, ZZ Top ist eine Band, an der sich die Geister durchaus scheiden, denn nicht allen gefällt der unterkühlte Texas-Rock, den sie über die Jahrzehnte kultiviert hat. Ich mag die Band sonst nur in kleinen Dosen, doch dieses Live-Album bietet genau die Abwechslung, die manchen Studio-Alben fehlt. Noch dazu gibt es hier und da genau die benötigte Menge an Extras, die dem Album „das Tüpfelchen auf dem i“ verpassen…

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Album der Woche – Episode 3 – 2017-10-01

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Heute bin ich etwas zu spät dran, da ich das ganze Wochenende und sogar noch den Montag familiär so dauerhaft eingebunden war, dass ich meinen eigenen Zeitplan nicht einhalten konnte. Es ergab sich einfach kein Zeitfenster, um den bereits lange geplanten Eintrag fertigzustellen. Jetzt ist es immerhin geschehen – nur etwas mehr als einen Tag verspätet, hoffentlich zu verschmerzen.

Iron Maiden: „Powerslave“

Ein wundervoll energiegeladenes Album, das eindrucksvoll vor Augen führt, warum Iron Maiden in den 1980er Jahren zu den wichtigsten Bands der „New Wave of British Heavy Metal“ gehörten.

Ein wundervoll energiegeladenes Album, das eindrucksvoll vor Augen führt, warum Iron Maiden in den 1980er Jahren zu den wichtigsten Bands der „New Wave of British Heavy Metal“ gehörten.

1984 erschien mit „Powerslave“ das Album, das zu meinen absoluten Favoriten des gesamten Schaffens der Band Iron Maiden gehört. Nur wenige andere der mittlerweile doch recht zahlreichen Alben kommen an diese kompakte Qualität und diesen fantastischen Klang heran.

Wie gelegentlich gemunkelt wird1, könnte die erstmalig unveränderte Besetzung der Band zwischen zwei Album-Veröffentlichungen ein hohes Maß an Stabilität geschaffen haben, das sich äußerst positiv auf die Ausgestaltung der neuen Ideen auswirkte. Und in der Tat ist die qualitative Amplitude geringer als bei den beiden — ebenfalls schon wirklich guten — Vorgängeralben „Piece of Mind“ (1983) und „The Number of the Beast“ (1982). Und diese kleinere Amplitude spielt sich auf einem wesentlich höheren Niveau ab.

Die Songs (Highlights):

In insgesamt acht Songs, die sich über eine Spielzeit von gut 51 Minuten erstrecken, liefert die Band ein „Brett“ nach dem anderen ab, um im Titelsong einen fulminanten und kaum zu überbietenden Höhepunkt des Albums zu erreichen.

Heute werde ich – quasi als Experiment – nicht alle acht Songs separat besprechen, sondern nur meine drei persönlichen Favoriten herausgreifen, auch wenn das bedeutet, dass ein knapper vierter Platz („Two Minutes To Midnight“) dann leider außen vor bleiben muss. Aber insgeheim hoffe ich ja immer darauf, dass zumindest der eine oder andere sich das Album beim Streaming-Anbieter seiner Wahl einfach ganz anhört.

Aces High (4:31)

Der vielleicht beste Opener aller Zeiten auf einem Heavy Metal-Album: Nach einem mehrstimmigen Gitarren-Intro legt die Band in hohem Tempo gemeinsam bei voll aufgedrehter Energie los. Bruce Dickinson, damals noch ein junger Kerl, singt melodisch bis in die höchsten Lagen und verleiht der Komposition von Steve Harris eine Intensität, die selbst in vielen anderen Maiden-Stücken ihresgleichen sucht.

Der National Review äußerte sich über dieses Lied in einer wenig zweifelhaften Weise2:

Aces High is about as perfect a heavy-metal tune as there is. It‘s about the Battle of Britain, told from the perspective of a British pilot.

Und ich teile die Ansicht, denn der Song ist sowohl textlich3 als auch musikalisch in einem gehetzt-atemlosen und angespannten Gestus gehalten, man spürt als Hörer das Adrenalin förmlich in einem Sturzbach durch die Adern schießen:

There goes the siren that warns of the air raid
Then comes the sound of the guns sending flak
Out for the scramble, we‘ve got to get airborne
Got to get up for the coming attack

Jump in the cockpit and start up the engines
Remove all the wheelblocks, there‘s no time to waste
Gathering speed as we head down the runway
Gotta get airborne before it‘s too late

Die Anspannung der Flieger, die aus ihrer Bereitschaft binnen weniger Momente in ihren Flieger klettern und sich sofort in einen Kampf auf Leben und Tod stürzen, ist so gut umgesetzt, dass beim Anhören der eigene Herzschlag gleich mit ansteigt. Wahnsinn!

Powerslave (7:11)

„Aces High“ war ja schon sensationell, doch der Titelsong, der auch das Thema (ägyptischer Totenkult) für die Covergestaltung (siehe oben) vorgibt, ist meiner Meinung nach der unangefochtene Höhepunkt des Albums. Nur selten passen Thema, Text, Grundstimmung und Musik so gut zusammen. Bruce Dickinson beschwört mit seiner Stimme den Geist des verstorbenen Pharaos herauf, der sich und seine Rolle als Herr über Leben und Tod angesichts der eigenen Sterblichkeit kritisch hinterfragt4:

Tell me why I had to be a Powerslave
I don‘t wanna die, I‘m a God
Why can‘t I live on?
When the Life Giver dies
All around is laid waste.
And in my last hour
I‘m a slave to the power of Death.

Musikalisch besticht der Song durch seine kraftvolle Ausstrahlung auf der einen, den vielen kleinen lyrischen Passagen auf der anderen Seite. Wie bei vielen längeren Maiden-Stücken gibt es deutliche Stimmungswandel, die dafür sorgen, dass sich der Song eher nach vier als nach sieben Minuten anfühlt – und jede Sekunde ist ein Genuss.

The Rime of the Ancient Mariner (13:48)

Dieses musikalische Epos von immerhin fast 14 Minuten Länge stellt die Nacherzählung des 1798 geschriebenen gleichnamigen Gedichts von Samuel Taylor Coleridge dar. Darin werden die Erlebnisse (vor allem die von Reuegefühlen gefolgten Fehltritte) des alten Seefahrers erzählt. Iron Maiden waren von dem Gedicht derart angetan, dass im Liedtext sogar passagenweise daraus zitiert wird.

Noch deutlicher als bei „Powerslave“ spielen Iron Maiden die Vielseitigkeitskarte aus: Mehrere musikalisch komplett unterschiedlich gestaltete Abschnitte wechseln sich ab, immer wieder dürfen vor allem E-Bass und die beiden (damals, heute sind es drei) E-Gitarren ihre Virtuosität demonstrieren, ganz zu schweigen vom fein justierten Schlagzeugspiel von Nicko McBrain.

Wäre der Song etwas kürzer und kompakter, wäre er vermutlich sogar noch ein wenig besser als der Titelsong – und der war ja schon ein Hammer!

Fazit

Es fühlt sich etwas seltsam an, nicht zu jedem Song etwas zu schreiben, doch es schont das im Moment arg gebeutelte Zeitbudget. Insofern werde ich vermutlich in den stressigen Zeiten eher darauf zurückgreifen.

Das soll aber nicht davon ablenken, dass „Powerslave“ sicher eines der hörenswertesten Iron Maiden-Alben ist. Ich genieße es jedes einzelne Mal (auch wenn ich zugeben muss, dafür am besten in der passenden Stimmung zu sein, denn gerade die ganz langen Stücke kann ich nicht jeden Tag mit der gleichen Entspannung anhören…). Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich auch das restliche Album anhört, wird auf keinen Fall enttäuscht.

  1. Siehe auch: So this calmer period was also a very productive one for Iron Maiden. Before flying to Compass Point again to track the new album with producer Martin Birch, the band‘s songwriting would flourish into new territory that Billboard would conclude »catalogues every major facet of the band‘s personality during the Dickinson years and does so while fyring on all cylinders. Perhaps that‘s in part because Powerslave is the first Maiden album to feature the same line-up as its predecessor, creating a definite continuity and comfort level. Or perhaps it‘s simply that we‘re witnessing a great band in it’s creative prime.« aus: Jake Brown: „Iron Maiden in the Studio“ (iBook)
  2. Quelle: „Iron Maiden in the Studio“ von Jake Brown (iBook)
  3. Quelle: Apple Music (Lyrics)
  4. Quelle: Apple Music (Lyrics)
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Album der Woche – Episode 2 – 2017-09-24

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Magnum: „On A Storyteller’s Night“

Tolkien-Fans aufgepasst: Diese Musik dürfte euch gefallen, aber sowas von...

Tolkien-Fans aufgepasst: Diese Musik dürfte euch gefallen, aber sowas von…

Die 1972 in Birmingham gegründete Band Magnum gehört zum britischen Hard Rock-/Heavy Metal-Urgestein, die durch viele gelungene Album-Veröffentlichungen und stimmungsvoll-mitreißende Live-Auftritte bis heute überzeugen, die vor allem aber auch seit ihren Anfängen das Fantasy-Element in der Rock-Musik stark betonen. Ein Blick auf das Artwork fast aller Album-Cover der vergangenen Jahrzehnte stellt das eindrucksvoll unter Beweis.

Das für den heutigen Eintrag ausgewählte Album, „On A Storyteller‘s Night“ erschien 1985 und brachte der Band den verdienten internationalen Durchbruch. Als Teenager sah ich immer dieses Cover in den Platten-/CD-Läden stehen. Irgendwann siegte die Neugier und ich kaufte die CD. Keinen einzigen Tag habe ich es bereut, denn die Musik ist melodisch, kraftvoll und voller Geheimnisse. Fans von J. R. R. Tolkien kommen hier voll auf ihre Kosten (und das war Jahrzehnte VOR dem Hype um die Peter Jackson-Verfilmungen).

Die Songs:

„On A Storyteller’s Night“ ist ein ganz klassisches Rock-Album: 10 Stücke, Gesamtspielzeit: ca. 46 Minuten. Rechnet man das kurz durch, wird klar, warum die Stücke trotz all ihrer eingängigen Melodien nicht allzu viel Radiopräsenz abbekamen: Sie (zumindest die meisten) sind dafür einfach ein bisschen zu lang (alles über drei oder dreieinhalb Minuten scheidet für das Radio mehr oder weniger sofort aus). Doch als Rock-Musiker darf man ohnehin nicht auf eine riesige Radiopräsenz bauen, gerade in Zeiten einer immer stärker am Mainstream ausgerichteten Pop-Kultur wäre das fatal.

How Far Jerusalem (6:25)

Das ist für mich neben dem Titelsong DER Tolkien-Song schlechthin. All die Faszination, die die episch ausgebreiteten Geschichten von Tolkien bei ihren Fans hervorrufen, bildet den inhaltlichen Hintergrund des Songs.

Nach der geheimnisvollen Klangkulisse, die am Anfang aufgebaut wird, setzt dann die Band mit rockigen Riffs ein und heizt ordentlich ein, nur um dann in einen sanften, lyrischen Teil umzuschwenken. Auch später wird die mysteriöse Stimmung durch den geschickten Einsatz von reichlich Delay und Reverb in der E-Gitarre verstärkt. Dann noch der mehrstimmige Gesang, der aus der Ruhe der kleinen Zwischenparts wieder in den energetisch rockenden Refrain wechselt – einfach nur herrlich. Was für ein fantastischer Opener für ein Album! Kein Wunder, dass die Fans das Album und diesen Song lieben!

Just Like An Arrow (3:21)

Diese schnelle und (für Magnum-Verhältnisse) sehr energetische Nummer in (ausnahmsweise einmal) bester Radio-Länge besticht durch wundervolle Gitarrenriffs und den geschickten Einsatz der Synthesizer, alles daran treibt nach vorne. Sowohl der melodische (und stellenweise aufregend raue) Gesang als auch das kraftvolle Gitarrensolo sind so gestaltet, dass sie problemlos im Gehör hängen bleiben – ganz klar einer der Höhepunkte des Albums. Also schon der zweite von zwei Songs…

On A Storyteller’s Night

Genau genommen gilt hier das, was ich zum Opener „How Far Jerusalem“ geschrieben habe, außer dass es ganz explizit die Bildersprache Tolkiens heraufbeschwört. Werft doch gerade noch einmal einen Blick auf das oben eingebettete Album-Cover, dann seht ihr vermutlich sofort, was ich meine. Ein reisender Erzähler sitzt in geselliger Runde am Kamin und erzählt eine – den Gesichtern der Zuhörer zufolge vermutlich gruselige – Geschichte. Alle lauschen gebannt und sind vollkommen fasziniert, sogar aus dem Keller lugen eigenartige Gestalten hervor. Und die Musik fängt diese Stimmung geradezu perfekt ein. Schön ist auch der Schluss, der den Hörer mit einem fast schon unerwarteten Ruck aus dem Hörgenuss herausreißt. Hammer!

Before First Light

Eine schöne, schnörkellose Rock-Nummer, die aber inhaltlich nicht viel zu bieten hat. Sicher ein Song, der gefällig im Hintergrund laufen kann, dabei auch eine gehörige Portion Genuss bereitet. Doch im Vergleich zu einigen anderen Highlights des Albums fehlt ihm ein wenig die Finesse – eventuell urteile ich auch zu hart, denn für mich gehört Magnum (zumindest bei diesem Album) so eindeutig in diese Mittelalter-/Fantasy-/Sagenwelt-Schiene, dass der in dieser Hinsicht fehlende Bezug mir wie ein Mangel vorkommt. Doch zum Trost kann ich gleich noch attestieren, dass es vermutlich nur meine Einbildung ist.

Les Morts Dansant

Übersetzt heißt der Titel des Songs „Die Toten tanzen“, die dem Titel innewohnende Dramatik wird auch auf musikalischer Ebene gut umgesetzt, denn die Spannung baut sich von der ruhigen Einleitung bis zum Refrain allmählich immer weiter auf. Bemerkenswert ist der sehr sparsame Einsatz des Schlagzeugs, das in der Rockmusik sonst ja eine ziemlich permanente Präsenz besitzt und stark zum Gesamtklang beiträgt. Aber auch dieses wächst mit der zunehmenden Intensität immer weiter an, um den hymnenhaften Charakter der Gesangslinie zu unterstützen. Vor meinem inneren Auge baut sich bei diesem Song immer das Bild einer tanzenden Schar in den Katakomben einer der großen alten Städte Europas auf. Geht es noch jemandem so?

Endless Love

Liest man den Titel, denkt man ja eher an eine Ballade, doch dann? Haha! Weit gefehlt, denn schon der erste Schlagzeug-Einsatz zeigt ganz klar, dass es hier nicht allzu soft zur Sache geht. Dann kommen Gitarre, Gesang, später auch noch der Rest der Band dazu – und schon fährt der Rock-Zug unaufhaltsam auf sicherem Gleis durch die Nacht.

Inhaltlich geht es um einen ruhelosen Geist, der niemals lange an einem Ort bleiben kann, stets treibt es ihn weiter. So kann das natürlich nichts mit der „nie endenden Liebe“ werden. Wenn man das weiß, kommt der treibende Grundbeat gleich noch viel besser. (Und das kleine Wörtchen „No“ vor dem Titel des Songs ergibt dann auch gleich wesentlich mehr Sinn…)

Two Hearts

An diesem Song liebe ich vor allem die Einleitung, denn sie erinnert mich immer an einen mittelalterlichen Troubadour, zumindest bis dann der Beat der ganzen Band einsetzt. Ab da ist es dann ein ganz geradliniger Rock-Song mit gefälligen Melodiebögen sowohl im Gesang als auch beim Synthesizer und glatten Gitarren-Riffs, die von unten etwas Druck nach vorne erzeugen. Insgesamt ein guter Song, doch sicher nicht ganz auf dem Niveau der ersten drei, die einfach eine wahnsinnig hohe Messlatte angelegt haben.

Steal Your Heart

Das klingt vielleicht böse, aber ich halte diesen Song für einen der wenigen schwächeren Momente des Albums. Er ist noch nicht einmal kein guter Song, aber gerade nach dem unglaublich starken (da stimmungsvollen) Anfang sind „Two Hearts“ und „Steal Your Heart“ einfach nur gute Songs, nicht überragende. Sie stören den Hörgenuss nicht, aber mich reißen sie nicht annähernd so sehr mit wie die Highlights des Albums.

All England’s Eyes

Ich weiß nicht, wie ich es (abgesehen von den Lyrics) konkret faktisch begründen soll, doch für mich verkörpert dieser Song die „Rockmusik in bester britischer Tradition“. Irgendwie klingt das so britisch, dass es wohl von kaum einer anderen Band so gut gespielt werden könnte. Vermutlich ist es die Kombination aus Schlagzeug-Beat, dem pumpenden Synthesizer-Klang und den fetten Power-Chords der E-Gitarre. Die „Kriegstrommeln“ zu Beginn der Strophe sind auch nicht zu verachten, sie erzeugen gleich eine Stimmung wie in einer mittelalterlichen Sagenwelt. Für mich ist es einer der stärkeren Songs des Albums.

The Last Dance

Das Album wird abgerundet durch eine sentimental eingefärbte Ballade, die wiederum eine Situation heraufbeschwört, die es sowohl in den „alten Zeiten“ gegeben hat, wie auch heute noch Menschen sie tagtäglich erleben (müssen). Diese melancholisch niedergeschlagene Stimmung ist musikalisch überzeugend umgesetzt und beschließt daher das Album ganz elegant. Mich hat es früher immer etwas überrascht, dass zum Ende nicht noch ein energetischer Knaller kommt, doch mittlerweile gefällt mir diese Variante sogar noch besser.

Fazit

Wäre das Album nicht schon seit vielen Jahren einer meiner „Schätze“, würde ich es nicht in diesen illustren Zirkel aufnehmen. Doch in diesem Fall stand die Wahl schon vor Monaten fest, eigentlich sofort nach dem Fassen des Entschlusses, diese Kategorie aufzumachen. Da gab es wirklich keinen noch so kurzen Moment der Unsicherheit. Und ich freue mich selbst, noch einmal intensiv gerade in jene Songs hineingehört zu haben, die ich sonst nur nebenher wahrnehme. Ein oder zwei sind dadurch in meiner Gunst gleich ein Stück angestiegen.

Für mich ist „On A Storyteller‘s Night“ ein zeitlos gutes Album, das aus der Masse der schier unzählbar vielen guten Alben durch die oben angesprochenen Besonderheiten heraussticht. Aber vor allem im Herbst und Winter passt es perfekt zur jahreszeitlich bedingten Stimmung. Gerade bevor ich mit dem Schreiben des Fazits begann, zündete ich das Feuer im Ofen hinter mir an. So bin ich mir sicher, genau in der richtigen Stimmung zu sein. In diesem Sinne schicke ich euch warme (hach, mein Rücken ist bald gar…) musikalische Grüße und wünsche euch viel Vergnügen mit diesem musikalischen Juwel!

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Song des Tages (367) – 2017-09-23

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Bis gestern Abend war mir nicht bekannt gewesen, dass die Scorpions ein Album namens „Face The Heat“ herausgebracht hatten – 1993 war das schon. Bereits beim ersten Anhören merkte ich, wie sehr mir der Opener des Albums gefiel, sofort wanderte er in meine Liste von Power-Songs, die ich beim Sport gebrauchen kann. Auch in diese illustre Runde wird er mit dem heutigen Tag aufgenommen: „Alien Nation“ von den Scorpions ist der heutige Song des Tages:

Selbst nach 24 Jahren strahlt der Song ordentlich Kraft aus, genau was ich beim Sporteln zu früher Stunde gebrauchen kann. Gönnt euch ein wundervolles Wochenende!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Song des Tages (365) – 2017-09-20

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Weil es doch so schön ist, sich wieder an der musikalischen Front zurückzumelden, gibt es heute gleich ein „Double Feature“ (das ist die neudeutsche Ausdrucksweise für: „Ich trete gleich zweimal auf den Rechen…“): Mit dem Whitesnake-Album „1987“ sind damals gleich zwei kolossale musikalische Schätze veröffentlicht worden, die beide als Song des Tages taugen – und beide sollen hier gleichberechtigt nebeneinander stehen:

Einerseits das in einer himmlischen Melancholie versinkende „Is This Love“, bei dem man sich eigentlich sofort mit einer heißen Schokolade in den hintersten Winkel des Hauses zurückziehen möchte, um dort (genussvoll) vor sich hin zu brüten über verflossene Liebschaften.

Andererseits das unnachahmliche und weltbekannte „Here I Go Again“, das nach der sentimentalen Einleitung eine dermaßen gigantische Energie entwickelt, dass es in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren quasi zum Dauerhit sowohl bei Cover-Bands als auch im Radio wurde.

Beide Songs wären es alleine schon wert, ein Song des Tages zu sein, doch als Wiedereintritt wollte ich sie hier vereinen, wenn sie schon vom selben Album stammen. Ab jetzt gibt’s häufiger wieder eine kleine Dosis musikalischer Genüsse, versprochen!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Album der Woche – Episode 1 – 2017-09-17

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Alphaville: „Strange Attractor“

2017 erschienen, für die Ewigkeit gemacht: „Strange Attractor“ von Alphaville

2017 erschienen, für die Ewigkeit gemacht: „Strange Attractor“ von Alphaville

Meine erste selbst gekaufte Schallplatte (noch echtes Vinyl, Baby!) war „Forever Young“ von Alphaville. Mein Bruder hatte sie schon, teilte aber nicht gerne – wer verleiht schon die Lieblingsplatte an den kleinen Bruder (damals war ich gerade einmal neun Jahre alt)? Auch das Nachfolger-Album „Afternoons in Utopia“ besorgte ich mir, damals schon auf CD. Ein Kumpel lieh sie sich aus, bis heute kam sie nicht zurück (ob er sie nach den fast 20 Jahren wohl noch hat…?). Danach riss der Faden ab, denn dann steckte ich voll in meiner Heavy Metal-Phase.

Erst im Rahmen meines Song des Tages-Projekts machte mich Zeilenende darauf aufmerksam, dass die Band in den letzten Jahren wieder neue Alben auf den Markt gebracht habe. Ich sah bei Apple Music nach und entdeckt das ganz frisch – 2017! – erschienene Album „Strange Attractor“. Geladen, gehört, begeistert. Daher ein wundervoller Kandidat, um diese neue Kategorie meines Blogs zu eröffnen.

Die Songs:

Insgesamt beinhaltet das Album 13 Songs mit insgesamt 63 Minuten Spielzeit, was für ein Pop-Album schon sehr ordentlich ist. Ich habe mir alle Songs einzeln vorgenommen, um dann etwas dazu zu schreiben. Mal sehen, ob ich diesen Aufwand für jedes einzelne Album betreiben kann (vermutlich nicht), hier war es mir aber ein Vergnügen.

Giants (3:27)

Die erste Begegnung mit dem neuen Album: Eine düstere, verhangene Musik-Kulisse, die an einen wolkenverhangenen Himmel über regennassem Brachland erinnert. Dann der erste Einsatz der Stimme in einer für Pop-Verhältnisse sehr tiefen Lage, leicht mit Effekten verfremdet. Satte anderthalb Minuten wird diese düstere Stimmung im Opener aufgebaut, dann plötzlich ein Atmosphärenwechsel: schwebende Klänge, Chor- und Synthesizerklänge im Hintergrund. Nach zwei Minuten endet der Gesang, der Rest des Stücks ist eine einzige stimmungsvolle Instrumentalpassage – ganz ungewöhnlich für Popmusik. Doch als Opener für dieses fantastische Album sehr gelungen, denn hier gibt’s keinen Pop von der Stange, diese Musik fordert mehr vom Hörer, gibt dafür aber auch mehr zurück.

Marionettes With Halos (4:21)

Was für ein eigenartiger, aber doch ganz und gar wundervoller Song! Am Anfang war ich etwas irritiert von der musikalischen Untermalung des Refrains, doch nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, gefiel mir das Stück. Und das war noch, bevor ich das herrlich wilde Gitarrensolo bewusst wahrgenommen hatte (es schließt sich an den ruhigen, fast schon schwebenden Bridge-Teil an) – Wahnsinn!

House of Ghosts (5:06)

Irgendwie scheinen Alphaville bei diesem Album verstärkt darauf aus zu sein, sich den Preis für die meisten sphärischen Anfänge auf einem Pop-Album unter den Nagel zu reißen. Dieses Stück beginnt in der Schwebe, erst nach fast einer Minute etabliert sich ein fester Synthesizer-Beat as Begleitung. Und über allem schwebt immer – und das ist meiner Meinung nach die größte Stärke dieser Band – eine Melodie, die schlicht perfekt ist. Sie spannt weite Bögen, windet sich schwerelos, umfasst einen weiten Ambitus, ohne jemals angestrengt oder gekünstelt zu klingen. An den genau richtigen Stellen wird der Gesang zweistimmig, um gleich danach wieder in seiner melancholischen Einsamkeit zurückzubleiben, auch an Effekten zur Verfremdung wird hier und da nicht gespart. Aber es geht dabei nicht um ein plattes „Wir haben ja sonst nichts, also müssen wir mit Effekten drüber…“ – ganz im Gegenteil: Die Effekte erzeugen mehr Tiefe, verschaffen der Band eine größere Klangpalette.

Around the Universe (3:59)

Der schlichte Beginn mit nur der akustischen Gitarre und dem Gesang täuscht leicht darüber hinweg, dass sich hier wieder einmal ein kleines Juwel verbirgt. Auch wenn ich der bei Alphaville häufig mitschwingenden religiösen Komponente persönlich nicht viel abgewinnen kann, ist es ein solider und anmutiger Song, der sich zu einem wundervollen Höhepunkt aufbaut, um dann sanft auszuklingen.

Enigma (5:59)

Dieser Song stellt mein persönliches Highlight des gesamten Albums, wenn nicht gar des gesamten Bandschaffens dar. Mit fast sechs Minuten ist der Song etwa doppelt so lange, wie er es sein müsste, um radiotauglich zu sein. Aber – und das ist wirklich eine ernst gemeinte Aufforderung – ihr solltet euch als erstes eure besten Kopfhörer aufsetzen und den Song auf ordentlicher Lautstärke hören, dann werdet ihr vermutlich intuitiv verstehen, warum er mein Favorit ist.

Aus der tiefen Ruhe der Einleitung wie auch der Zwischenspiele spinnt sich eine schier unglaubliche Melodie, dreht immer wieder ihre Kreise, arbeitet sich aus tiefer Lage in die höchste empor, tarnt die gewagten harmonischen Fortschreitungen durch ihre Eleganz. Ich habe es zwar nicht gezählt, aber diesen einen Song habe ich mindestens schon 50 Mal gehört – und es werden noch etliche weitere Male folgen.

Mafia Island (6:22)

Nach den ersten paar Malen hatte ich dieses Stück eigentlich schon als „nicht mein Ding“ abgeschrieben, doch irgendwann spielte der Song dann noch einmal im Hintergrund, als ich das gesamte Album durchlaufen ließ. Und plötzlich mochte ich ihn. Sehr sogar. Ich kann mittlerweile nicht einmal mehr sagen, was mich anfangs gestört hatte, vermutlich war es das nach dem Refrain eingeschobene Zwischenspiel, das mir irgendwie von der Klangfarbe (speziell der etwas blecherne Klang der Gitarre) nicht zum Rest zu passen schien. Egal, das Stück ist klasse!

A Handful of Darkness (7:49)

Der Anfang dieses für Pop-Musik ziemlich langen und in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlichen Songs ist ganz behutsam und unaufdringlich: Stück für Stück schält sich eine Begleitung aus dem Nichts, bis dann der Gesang in der unteren Mittellage einsetzt, dann mehrstimmig wird, aussetzt, zögert… Und dann wird einem der fantastische Refrain präsentiert. Wow! Dieses erste Mal bläst mich noch immer bei jedem Anhören weg. Mitten in der zweiten Strophe wird dann ein neues Zwischenthema eingeführt (ungewöhnlich für Pop-Musik, aber es kommt gut), um sich nach einer kurzen Klimax wieder zurückzuziehen. Platz für die nächste Strophe, die sich wieder aufbaut, dieses Mal jedoch ohne Zögern in den Refrain übergeht – und wieder hüllt mich diese unnachahmliche Alphaville-Klangwolke ein, wie eine kleine Epiphanie. Dann kommt der einzige Abschnitt, der ein wenig „billig“ wirkt: der Synthi-Chor, da wäre vom Sound her bestimmt noch mehr herauszuholen gewesen. Immerhin ist die Band innovativ, hängt gleich noch den Refrain ohne den Gesang an, was man als Hörer jedoch sofort anhand der Akkord-Progression hört, ein gelungener Kunstgriff! Und dann zum Schluss die Auflösung bis hin zum Nichts. Ein wirklich außergewöhnliches Stück Pop-Musik!

Sexyland (3:50)

Der Titel hat mich am Anfang abgeschreckt, doch hier haben Alphaville ein schönes Stück in – auf diesem Album fast „zur Abwechslung mal“ – höherem Tempo und mit einer ordentlichen Portion Ohrwurmqualität abgeliefert.

Rendezvoyeur (4:15)

Das Eröffnungsriff lässt mich jedes Mal spontan an einen Western-Film denken, fehlt nur noch, dass sich zwei Typen aus dem Saloon auf die Straße begeben, um sich dort zu duellieren… Und auch wenn ich nicht DER Western-Fan bin, so ist der Song trotzdem ein Ohrwurm sonder gleichen. Er fetzt gut – und macht Laune auf mehr von dieser Art!

Nevermore (4:49)

Als Überschrift über diesem Song könnte man das Wort „Cool“ anbringen. Die verzerrte E-Gitarre, die sonst bei Alphaville nicht im Fokus steht, kontrolliert den harten Sound des Refrains, ein erfrischender Wandel zum sonst eher Syntheszier-zentrierten Sound. Sogar ein (kleines aber feines) Gitarrensolo wurde eingebaut. Gerade im Zusammenhang wirken „Sexyland“, „Rendezvoyeur“ und „Nevermore“, als wollten Alphaville die genussvolle melancholische Schwermut der ersten Hälfte des Albums hier abwerfen, um ein bisschen Dampf abzulassen und es all jenen zu zeigen, die sich bis zu dem Zeitpunkt den Eindruck verschafft hatten, dass da wohl keine energiereichen Stücke mehr kommen würden… Sehr schön, dieser kraftvolle Ritt über drei Stücke!

Fever! (3:46)

Hatte ich gerade von drei Stücken gesprochen? Ha! Es kommt auch gleich noch ein viertes daher, das das Tempo anzieht. Allerdings ist hier der Synthesizer wieder fest an vorderster Front der Instrumente zu sehen/hören. Nein, eine ruhige Kugel wird hier nicht geschoben.

Heartbreak City (3:46)

Warum muss ich nur immer an „Moves Like Jagger“ von Maroon 5 denken? Funky Gitarre, Kleiderbügel-Gesang, synthetische Klatscher im Beat – die Disco-Vergangenheit holt die Musiker ein… Ich kann mir gut vorstellen, wie sie im Studio standen: Schlaghosen, Afro-Frisur (zur Not als Perücke), Poster von James Brown und Maceo Parker an der Wand… Auch wenn es möglicherweise klingen mag, als würde ich mich über den Song lustig machen, könnte der Eindruck nicht mehr täuschen, denn er ist sehr gelungen. Vor allem der Wechsel zwischen den Funk-Passagen und den schwerelosen Momenten (dem typischen Alphaville-Sound) ist sehr gelungen und sorgt für viel Hörvergnügen.

Beyond the Laughing Sky (5:39)

Der ruhige Anfang scheint anzudeuten, dass das Album ausklingen soll, wie es begonnen hat. Doch dann mausert sich der Song zu einem derart fulminanten Mittelteil mit einem wundervollen Gitarrensolo und einer Klangwand, die ihres gleichen sucht. Ein absolut würdiger Abschluss für dieses exzellente Album!

Fazit

Kurz und knackig: Ich bin begeistert. Ein sehr schönes Album, das in der besten Tradition der alten Alphaville steht, aber mindestens ebenso reich an innovativen Elementen ist. Wer die frühen Erfolge wie „Big In Japan“, „Forever Young“ oder „Summer in Berlin“ mochte, wird sich hier daheim fühlen, gleichzeitig aber auch den frischen Anstrich und die kleinen, aber delikaten Anbauten bemerken.

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Song des Tages (362) – 2017-09-09

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Eines der besten Heavy Metal-Alben, das meiner Meinung nach jemals veröffentlicht wurde (und somit sicher auch einmal bei meinem „Album der Woche“-Projekt Erwähnung finden wird), ist „The Last In Line“ von Dio. Als Jugendlicher war ich eher begeistert von den schnellen und mitreißenden Nummern wie „We Rock“ oder „I Speed At Night“. Mit zunehmendem Alter jedoch wuchsen mir eher die pathetischen, ja fast schon dramatischen Nummern wie der Titelsong oder „Egypt (The Chains Are On)“ (hier) ans Herz, da sie eine größere musikalische Bandbreite zu bieten hatten. Hier nun also Dio mit „The Last In Line“:

Es gibt Bands, bei denen die Studio-Alben eindeutig den Live-Fassungen vorzuziehen sind, doch vom heutigen Song des Tages habe ich eine Live-Version gefunden, die keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass die Band Dio live ein echter Hammer war. Überzeugt euch selbst:

Als Fazit kann man eindeutig festhalten, dass Ronnie James Dio viel zu früh gestorben ist, denn ich hätte gerne noch mehr Alben mit so herrlicher Musik zum Anhören. Glücklicherweise ist die Musik einer der Bereiche, in denen es fast nie einen Mangel gibt, das ist mir völlig klar. trotzdem darf man die wirklich Großen auch einmal vermissen. So, und jetzt muss ich den Song noch einmal anhören, weil er halt so unschlagbar gut ist.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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Song des Tages (361) – 2017-09-08

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Vor ein paar Wochen habe ich schon ein Stück aus der Filmmusik zum amerikanischen Actionfilm „Top Gun“ an dieser Stelle verbraten (hier). In dem Zuge habe ich mich auch (wenngleich nicht allzu ausführlich) über den Film ausgelassen, sodass ich das heute nicht wiederholen muss.

Aber es gibt eine ganz andere und durchweg faszinierende Sache, die ich ins Zentrum der Betrachtung lenken möchte: Der heutige Song des Tages stammt von Kenny Loggins. Aha, das war doch der, der auch schon „Footloose“ gesungen hat (hier). Ganz genau! Doch die beiden Songs könnten kaum unterschiedlicher sein. Diese stilistische Wandlungsfähigkeit fasziniert mich bei etablierten Musikern immer wieder, so auch hier. Wo „Footloose“ ein mit viel Soul und einer guten Prise Rock & Roll gepfefferter Pop-Song war, sind wir bei „Danger Zone“ fast am anderen Ende der Skala: hier wird’s rockig (gleichzeitig mit einem hohen Synthie-Anteil, der aber hervorragend dazu passt). Also: Ohren auf für „Danger Zone“ von Kenny Loggins!

Auch wenn ich heute dieser unverhohlen positiven Darstellung des (selbstverständlich „heroischen“) US-Militärs deutlich kritischer (wenn nicht gar gerade heraus ablehnend) gegenüber stehe, so fühle ich auch jetzt noch beim Ansehen der actionreichen Flugszenen das aufgeregte Prickeln, das mir schon mit elf Jahren im Kino über den ganzen Körper fuhr. Hach, irgendwie ist das schon sehr nostalgisch…

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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