Archiv der Kategorie: E-Gitarre

Album der Woche – Episode 12 – 2017-12-03

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Richie Sambora: „Stranger In This Town“

Ein himmlisches Blues-Album von einem Gitarristen, den man so vorher noch nicht erlebt hatte...

Ein himmlisches Blues-Album von einem Gitarristen, den man so vorher noch nicht erlebt hatte…

Richie Sambora ist vielen ja als langjähriger Gitarrist der Glam-Rock-Band Bon Jovi bekannt, doch mit der Band konnte ich bis auf ein paar wenige Stücke nie so richtig viel anfangen (wobei die paar Stücke, die mir gefallen, dann über Jahrzehnte hinweg ihren Platz in meinen Favoriten-Listen behaupten konnten). 1990 erschien jedoch ein Solo-Album des Gitarristen, auf dem er auch singt – und zwar richtig, richtig gut –, und das einen gänzlich anderen musikalischen Weg einschlägt als der gesammelte Bon Jovi-Stoff.

Es ist ein Album mit einer gelungenen Mischung aus Pop, Rock und ganz viel Blues. Wie sehr ihn dieses eigene Projekt gereizt haben muss, erkennt man ganz einfach daran, mit wieviel Liebe zum Detail alle Stücke aufgenommen wurden. Der Sound ist eine ganz runde Sache, die dem Blues eigene Melancholie kommt nicht zu kurz, und doch gibt es immer wieder ordentlich „eins auf die Glocke“, sodass für jeden Musikfans etwas dabei ist.

Gemeinsam mit einem guten Kumpel aus der Gymnasialzeit, der sehr gut Schlagzeug spielt und eine Zeit lang einen dem meinen äußerst ähnlichen Musikgeschmack hatte, habe ich das Album damals immer und immer wieder angehört. Dann verlor ich es während des Studiums aus den Augen und Ohren, entdeckte es aber gleich nach meiner Anmeldung bei Apple Music vor gut zwei Jahren wieder – seitdem sind mehrere Stücke in meiner aktuellsten Favoriten-Liste enthalten (und dort dürfen sie auch lange bleiben).

Die Stücke:

Insgesamt beinhaltet das 1990 erschienene Album 10 Titel mit einer Spielzeit von etwa 52 Minuten. Alle sind gut, doch ein paar muss man meiner bescheidenen Meinung nach einfach gehört haben:

  • „Church Of Desire“: Nach einer gemütlichen Einladung etablieren Bass und Schlagzeug einen pulsierenden Grundrhythmus, über den sich sowohl der Gesang als auch die Gitarren-Einwürfe aufschwingen können. Seit dem ersten Hören hat sich mir die Textzeile „Now we dance with the devil down the lonely street…“, mit der der (Pre-) Chorus eingeleitet wird, ins Gedächtnis eingegraben. Und dann das wirklich gelungene Gitarrensolo, ein schönes Understatement, rau und ruppig, doch absolut keine „Yngwie Malmsteen-Personality-Show“ – kein Wunder, dass dieses Stück so gut rüberkommt!
  • „Stranger In This Town“: Der Titeltrack ist fantastisch, kein Wunder, dass das gesamte Album danach benannt wurde. Bereits ab dem ersten Ton dringt die für den Blues typische Melancholie schwer wie ein guter Scotch durch alle musikalischen Poren, nicht zuletzt angefeuert durch den heftigen Einsatz des Reverb-Effekts. An diesem Song passt alles so perfekt auf das etablierte Blues-Idiom, dass man ohne Kenntnis des Künstlers glatt einen gestandenen afroamerikanischen Blues-Man an Gitarre und Mikrofon vermuten könnte. Ohne jeden Zweifel ist dies das stärkste Stück des gesamten Albums!
  • „Mr. Bluesman“: Im Gegensatz zu den beiden vorigen Favoriten wird hier eher die akustische Gitarre in den Mittelpunkt gestellt, was einen feinen klanglichen Unterschied erzeugt. Die Synthesizer-Untermalung, die den Hintergrund ein bisschen auspolstert, ist so dezent, dass nicht einmal Puristen wie der leider allzu früh verstorbene Stevie Ray Vaughan etwas dagegen gehabt haben würden. Für das Solo darf dann natürlich wieder die elektrifizierte Version des Instruments ran, und – Freunde – wenn Eric „Slowhand“ Clapton nicht noch leben würde, hier wäre seine Inkarnation zu finden!

Fazit

Jeder, der Bon Jovi musikalisch nicht mag, sich aber für gut gemachten Blues erwärmen kann, sollte hier unbedingt ein Ohr hineinhängen, denn dieses Album ist wundervoll! Klar, meine Sicht ist durch die vielen freundschaftlichen Genuss-Momente mit meinem Kumpel aus Schulzeiten etwas nostalgisch aufgehübscht, dennoch ist an dem Album so vieles gelungen, dass selbst Bon Jovi-Hasser nicht umhin können, Richie Sambora zu einem vollends empfehlenswerten Solo-Projekt zu gratulieren.

Persönlich finde ich es schade, dass der Gitarrist und Sänger nicht seiner Sucht Herr wird, denn bereits seit einigen Jahren verbringt er immer wieder längere Zeit in diversen Entzugskliniken. Ob das 1990 auch schon der Fall war, weiß ich nicht. Die Musik lässt jedoch durchscheinen, dass er nicht nur die angenehmsten Seiten des Lebens zu Gesicht bekommen hatte, bevor er sich an sein Solo-Projekt gewagt hat. Ich drücke ihm alle vorhandenen Daumen, dass er aus dem Sumpf wieder herausfindet.

Advertisements
Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages (373) – 2017-11-23

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Seit dem letzten Song des Tages ist schon fast ein ganzer Monat vergangen, was so keineswegs beabsichtigt war. Die letzten Wochen waren einfach nur so zugeknallt mit Arbeit, dass ich mit Mühe und Not das aktuelle Projekt (Album der Woche) am Laufen halten konnte. Vor Beginn der Weihnachtsferien wird das auch sicher nicht mehr viel besser werden. Den einen oder anderen Song habe ich schon seit geraumer Zeit im Blick, daher gibt es heute mal wieder einen Song mit mehr oder weniger aktuellem Bezug.

Vor ein paar Tagen ist Charles Manson gestorben. Der Mann saß fast so lange im Gefängnis, wie es mir bislang vergönnt war, auf der Welt zu sein. Seine Taten sprechen bzw. sprachen für sich, kaum jemand wird ihm eine Träne nachweinen. Doch zurück zum eigentlichen Thema: Durch Zufall ist mir vor ein paar Wochen ein altes Ozzy Osbourne-Album eingefallen, auf dem Zakk Wylde Gitarre spielt. Mehr wusste ich nicht mehr, denn zuletzt hatte ich die CD vor gefühlten fünfzehn Jahren angehört. Über Apple Music war ich schnell wieder dabei – und sofort fiel mir auf, dass einer der Songs eine Referenz an Charles Manson beinhaltet. Es geht um den Song „Bloodbath In Paradise“:

Der Bezug zu Charles („Charlie“) Manson ist überhaupt nicht versteckt, vielmehr steht er mitten im Text:

Your comin‘ home
There’s blood on the walls
‚Cos Charlie and the family made house calls
If you’re alone
Then watch what you do
‚Cos Charlie and the family might get you

Auch in den folgenden Strophen wird immer wieder auf die brutalen Morde des Sektenführers angespielt. Doch eigentlich wollte ich Fokus gar nicht auf die verwerflichen Taten des Psychopathen lenken, mir geht es ja um die Musik…

Der eingangs erwähnte Zakk Wylde ist ein fantastischer Gitarrist, der auch diesem Stück seinen eigenen Stempel aufdrückt. Das war der Teil, an den ich mich auch nach mehr als einem Jahrzehnt erinnerte. Möglicherweise gefällt es ja auch anderen.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Album der Woche – Episode 10 – 2017-11-19

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

ZZ Top: „Rhythmeen“

„Rhythmeen“ ist eines meiner liebsten ZZ Top-Alben, voller schnörkellos rockender Knaller.

„Rhythmeen“ ist eines meiner liebsten ZZ Top-Alben, voller schnörkellos rockender Knaller.

Die Band ZZ Top war schon einmal für ein Album der Woche verantwortlich, was diese Häufung – zweimal innerhalb von gerade einmal zehn Beiträgen dieser Sparte – etwas übertrieben wirken lassen könnte. Doch ich habe meine Gründe:

  • In den vergangenen zwei Wochen habe ich insgesamt sechs Tests schreiben lassen, die alle korrigiert werden wollten. Beim Korrigieren lasse ich meist leise Musik laufen, die die vielen Hintergrundgeräusche überdeckt, wodurch ich mich leichter konzentrieren kann. Die Musik darf nicht zu aufdringlich sein, insofern taugen ZZ Top mit ihrem meist etwas gleichförmigen Groove ganz gut.
  • In einem der Tests mussten die Schüler die Struktur eines Songs erkennen. Wir besprechen das vorher im Unterricht anhand mehrerer Beispiele, dann üben wir es an weiteren drei oder vier Stücken im Verlauf der folgenden Wochen ein, im Test frage ich es mit einem wiederum neuen Stück ab. Dieses Mal war es „Rhythmeen“, der Titel-Track des Albums. Ausgewählt habe ich ihn, weil er eben nicht dem Standard-Aufbau der meisten Pop-/Rock-Stücke folgt.

Die Stücke:

Insgesamt beinhaltet das 1996 erschienene Album (immerhin das zwölfte Studio-Album) 12 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 55 Minuten. Wie bei so ziemlich allen ZZ Top-Alben darf man keine extreme stilistische Bandbreite erwarten, denn die drei Jungs beackern meist ziemlich genau den gleichen Acker wie bei den früheren und den späteren Veröffentlichungen. Auffällig gut ist aber der Sound (so richtig fett und satt) sowie die Tatsache, dass man wirklich von vorne bis hinten durchhören kann, ohne sich zu langweilen – obwohl alles recht ähnlich ist. Bemerkenswert.

Rhythmeen

Wie schon gesagt, dieses Stück folgt eben nicht der üblichen Struktur der meisten Pop-/Rock-Stücke. Diese wäre nämlich:

Intro – Strophe – (Pre-Chorus) – Chorus – Strophe – (Pre-Chorus) – Chorus – Solo/Bridge (oder beides) – (Strophe) – (Pre-Chorus) – Chorus – Outro

Alle eingeklammerten Teile sind optional, sodass im einfachsten Fall ein Pop-Song nur aus den folgenden Teilen bestehen kann:

Intro – Strophe – Chorus – Strophe – Chorus – Bridge/Solo – Chorus – Outro

Bei ZZ Top und „Rhythmeen“ dagegen sieht der Aufbau ganz anders aus, weshalb es ein ideales Stück für einen Test war (ich hatte angekündigt, ein Stück auszusuchen, das eben nicht der Standard-Form folgt):

Intro – Strophe – Strophe – Pre-Chorus/Chorus (schwer voneinander abzugrenzen) – Solo – Strophe – Chorus – Bridge/Strophe (eigentlich eine Strophe, aber die Begleitung ist anders als zuvor) – Solo/Outro

Zusätzlich gibt es mehrere Zwischenspiele, bei denen selbst ich mich nie ganz entscheiden konnte, ob es sich lohnt, da einen eigenen Formteil zu vergeben. Alles in allem eine ziemlich raffinierte Sache, die die Jungs da abgezogen haben. Beim oberflächlichen Hinhören fällt das vor allem gar nicht weiter auf, erst wenn man mit den Lyrics davor sitzt und sich bemüht, alles in eine Struktur zu bringen, wird klar, wie ausgefuchst hier gearbeitet wurde.

Alles gut…

Es ist ein wenig peinlich, aber mir fällt es schwer, einzelne Songs herauszuheben, da sie eben so nahe beieinander sind. Am ehesten stechen für mich positiver als der Rest diese beiden hervor: „What’s Up With That“ und „Hairdresser“. Ich bin mir aber sicher, dass jeder, der sich mit dem etwas raubeinigen Stil der Band anfreunden konnte, hier und da seine eigenen privaten Schätzchen entdecken wird.

Fazit

Für ein ZZ Top-Album ist „Rhythmeen“ eine wirklich gelungene Ansammlung von cool vorbeirauschenden Songs, bei denen man durch die amerikanische (am besten kalifornische) Landschaft fahren, das Fenster herunterkurbeln und sich den warmen Wind durch das (zugegeben spärlicher werdende) Haar wehen lassen möchte. Mich entführt der Sound aus dem tristen Novembergrau, vielleicht war es mir deshalb so eine willkommene Korrektur-Begleitung…

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Album der Woche – Episode 8 – 2017-11-05

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Savatage: „Hall of the Mountain King“

Eines der besten Metal-Alben aller Zeiten, hier passt einfach alles!

Eines der besten Metal-Alben aller Zeiten, hier passt einfach alles!

1987 erschien mit „Hall of the Mountain King“ das fünfte Album der Power-Metal-Band Savatage. In einer Auflistung irgendeiner Heavy Metal-Zeitschrift, vermutlich war es der Metal Hammer, den ich mir als Vierzehn-/Fünfzehnjähriger gelegentlich kaufte, landete das Album unter den bedeutendsten Alben der 1980er Jahre. Mein Interesse war geweckt, also kaufte ich mir die CD. Ein Kauf, den ich nie bereute, denn dieses Album ist dermaßen fantastisch, dass ich mich schlicht nie daran satt höre.

Meine Begeisterung rührt vor allem von der stimmigen und kompakten Atmosphäre her, bei der die Titel und Texte der Songs, der Sound des gesamten Albums und die Gestaltung des Covers perfekt ineinander greifen und sich zu einem Ganzen verbinden.

Die Songs:

In der 2011 neu aufgelegten Version des Albums gibt es noch zwei Bonustracks, daher kommt das Album mit den 12 Songs mit 48 Minuten auf etwas mehr Spielzeit als im Original (10 Songs, ca. 40 Minuten). Da wirklich alle Songs empfehlenswert sind, möchte ich euer Augenmerk heute nur auf ein Song-Gespann richten, das es dafür absolut in sich hat…

Prelude To Madness

Nach einer kurzen Synthesizer- und E-Gitarren-Einleitung beginnt ein Stück, das vermutlich allen Hörern schon einmal begegnet ist, denn es handelt sich um „In der Halle des Bergkönigs“ aus der von Edvard Grieg komponierten Bühnenmusik zu „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen. Es entwickelt sich aber ein spektakulärer „Battle“ zwischen der bekannten (Instrumental-)Musik (hier vom Synthesizer) und der E-Gitarre, die darüber und dagegen ein markantes (und mit äußerst flinken Fingern ausgeführtes) Gitarren-Solo hinlegt. Das klingt jetzt möglicherweise nicht allzu faszinierend, ist aber ein spektakuläres Hörerlebnis.

Hall of the Mountain King

Der Titeltrack geht direkt aus dem „Prelude To Madness“ hervor und setzt mit einem äußerst charismatischen Riff auf der E-Gitarre ein. Die düster-bedrohliche Atmosphäre, die schon auf dem Album-Cover gezeigt wird, findet hier ihr perfektes musikalisches Pendant. Insgesamt dominieren Gesang und E-Gitarre das musikalische Geschehen – kein Wunder, wurden doch beide von den Oliva-Brüdern, die bis zum Tod von Criss, dem Gitarristen, den harten Kern der Band bildeten, ausgeführt. Gerade in der Kombination mit dem „Vorspiel“ ist das wirklich der Höhepunkt des Albums.

Fazit

Nach dem unerwarteten und verfrühten Unfalltod von Criss Oliva im Herbst 1993 büßte Savatage sein wichtigstes Markenzeichen, den unnachahmlichen Gitarren-Sound und die wieselflinken Finger, ein, die bis zum Album „Edge of Thorns“ (ebenfalls ein heißer Anwärter auf einen Platz in dieser Blog-Sparte) jede Veröffentlichung maßgeblich geprägt hatte. Die folgenden Alben kenne ich bislang nicht, denn Savatage ist für mich immer die Band der Oliva-Brüder gewesen. Irgendwann wage ich mich mal daran, die neueren Sachen zu hören. 2007 hat sich die Band aufgelöst – insofern kommt da auch nichts mehr nach.

Wer aber in die glorreichen Glanzzeiten dieser einmaligen Band eintauchen will, ist mit „Hall of the Mountain King“ definitiv an einem ziemlich perfekten Punkt in der Geschichte der Band. Für alle, die danach auf den Geschmack gekommen sind, empfehle ich die drei Nachfolger-Alben: „Streets – A Rock Opera“, „Gutter Ballet“ und „Edge of Thorns“. Mit keinem dieser musikalischen Juwelen kann man etwas falsch machen.

Getaggt mit , , , , , , , , , ,

Album der Woche – Episode 7 – 2017-10-29

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Glenn Frey: „Soul Searchin’“

Soul Searchin‘ – ein nostalgischer Trip in Soleras Jugend...

Soul Searchin‘ – ein nostalgischer Trip in Soleras Jugend…

1988 erschien das Album „Soul Searchin‘“ von Glenn Frey. Den Musiker kannte ich über den wirklich starken Song „The Heat Is On“, der gleich zu Beginn des ersten Beverly Hills Cop-Films eingesetzt wurde. Meine Brüder und ich hörten die Single rauf und runter, doch ich hatte als knapp Dreizehnjähriger noch keinen blassen Schimmer, was der gute Glenn Frey musikalisch noch so alles zu bieten hatte.

Erkannt habe ich das nur durch Zufall, denn damals lebten in Estenfeld, meinem Heimatort nahe Würzburg, viele der in Würzburg stationierten amerikanischen Soldaten. Hin und wieder kamen sie mit ihren American Footballs auf den Schulplatz, um sich ein paar Minuten lang diese komischen Leder-Eier zuzuwerfen. Selbstverständlich waren wir als Kids völlig hin und weg und mussten unbedingt mitspielen. Schließlich ließen wir uns auch ein paar echte (und tatsächlich qualitativ hochwertige) Footballs besorgen, meiner liegt sicher noch im Haus meiner Eltern herum.

Einmal brachte uns einer der GIs diese unscheinbare CD mit, die wir ausleihen durften: Es handelte sich um das heutige Album der Woche. Binnen weniger Minuten war ich völlig angefixt und kaufte mir alsbald selbst die CD – sie steht bis heute im CD-Regal (auch wenn ich schon seit Jahren nur noch digitalisierte Musik höre).

Die Songs:

Die zehn Songs füllen insgesamt 47 Minuten Spielzeit, damit ist der Durchschnitt etwas länger als für typische Popmusik-Stücke. Wirkliche Schwächen gibt es nicht, auch wenn die letzten beiden Songs deutlich seichteres Pop-Gesülze sind, als ich es mir normalerweise anhören würde. Dafür sind die drei ausgewählten Favoriten (siehe unten) absolute Knaller.

Für mich als studierten Musiker gibt es einen echten Kritikpunkt am gesamten Album: Die Verwendung des Drumcomputers. Ich kann mir diesen absoluten Faux-Pas nur auf eine einzige Weise erklären, nämlich mit der Technikverliebtheit der 1980er Jahre, denn da schien es das oberste Gebot zu sein, alles, was vorher menschliche Musiker geleistet haben, durch synthetische Tonerzeuger zu ersetzen. Die Filmmusik jener Zeit ist oft schwer künstlich, meist mehr als der gute Geschmack erträgt. Zum Glück ist es bei „Soul Searchin‘“ nicht ganz so schlimm. Manch einer wird es auch nicht sogleich merken, jedoch schleicht sich nach einer Weile eine dezente Monotonie ein, wenn halt jeder Schlag auf die Snare, jeder „Wumms“ auf die Bass-Drum und alle abertausend Hi-Hat-Zischer exakt gleich sind – das könnte kein Mensch so akkurat hinbekommen.

Livin‘ Right

Der Opener ist das Aushängeschild eines jeden Albums. Manche Künstler gehen es eher ruhig an, um dann eine kräftige Steigerung hinzulegen (siehe „Son Of A Gun“ vom letzten Album der Woche), andere gehen sofort in die Vollen. Letzteres trifft auch hier zu, denn Glenn Frey startet gleich voll durch. Und was ist das für ein Vergnügen: Über den funkigen Rhythmus-Teppich setzen sich die funkelnden Bläser mit Akkorden, die Spannung erzeugen oder eisenharten Kicks (das Saxophon-Solo ist außerdem wirklich hörenswert), und dann der Gesang, der den Hörer mit viel Energie gleich in seinen Bann schlägt. Wow!

True Love

Der vielleicht romantischste Love-Song aller Zeiten, zumindest aus meiner Sicht. (Wenn er nur nicht so durch den Drum-Computer heruntergezogen würde, denn gerade der Anfang klingt echt heftig synthetisch…) Was genau mich hier so fasziniert, kann ich nicht beschreiben, es ist die gelungene Mischung aus schmachtender Rhythmusgruppe, den Soul-Bläsern, dem emotional aufgeladenen Gesang und dem gegen Ende angewandten Kunstgriff.

Der haut mich jedes Mal um: Dabei endet das eigentliche Stück schon, jeder erwartet beim ersten Hören die nächste Nummer, dann ertönt ein vorbereitender Schlag auf der Snare-Drum und schon sind wir wieder mitten drin. Das Saxophon soliert vor sich hin, der Gesang wirft kurze Phrasen ein, der Groove läuft noch einmal gute anderthalb Minuten weiter. Was für ein „Schmachtfetzen“, aber ich liebe es!

Workin‘ Man

Mein Lieblingsstück auf dem Album, ein amerikanischer Klassiker, das den „hart arbeitenden Mann wie dich und mich“ beschreibt. Der bodenständige Groove, die simple Song-Struktur, das hervorragende Gitarren-Solo, die – zumindest für mich gewährleistete – Authentizität, all das macht den Song zu einem mitreißenden Musikerlebnis.

Lustigerweise wurde auch eine zweite Version von diesem Song aufgenommen, die allen Ernstes im halben Tempo läuft. Ein Kumpel hatte sich von meinem Fieber anstecken lassen und sich die Single bestellt, darauf war diese langsamere Version enthalten, was ihn sehr enttäuschte – ich wünschte, ich hätte ihm das Schmuckstück abgekauft, denn seitdem (und das war zu Beginn der 1990er Jahre) habe ich diese eigenartige, aber dennoch coole Version nicht mehr zu Gehör bekommen. Schade! (Ich muss glatt mal bei Apple Music und YouTube auf die Suche gehen, vielleicht finde ich sie ja doch noch).

Fazit

Das Album stellt für mich einen ganz starken Trip auf meiner „Memory Lane“ dar, ein nostalgisch verklärtes Highlight, das andere vielleicht als fürchterlich sentimentalen Pop-Mist verdammen werden. Mir jedoch gefällt jedes Stück auf seine eigene Weise, die drei genannten Hits könnte ich gut und gern jeden Tag hören, für so gelungen halte ich sie. Bin schon gespannt, welches Feedback ich darauf bekomme…

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , ,

Album der Woche – Episode 6 – 2017-10-23

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Wieder einmal bin ich etwas spät dran, denn eigentlich wollte ich diesen Beitrag spätestens bis gestern Mittag online haben. Doch die Vorbereitungen für das Konzert gestern (eine erste Kritik findet sich hier, ich bin sogar im Foto als zweiter „Koch“ von links zu sehen) nahmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Ich gelobe Besserung!

Bruce Dickinson: „Tattooed Millionaire“

Eingängiger, witziger, verspielter und doch sehr geradliniger Hard Rock, ein fantastisches Album – kann ich mir immer und immer wieder anhören.

Eingängiger, witziger, verspielter und doch sehr geradliniger Hard Rock, ein fantastisches Album – kann ich mir immer und immer wieder anhören.

Das 1990 erschienene Album „Tattooed Millionaire“ von Bruce Dickinson war eigentlich nur als kurzfristiges Nebenprojekt gedacht, das dem Iron Maiden-Sänger die Möglichkeit bot, nach etlichen Jahren mit der immer gleichen Band, die nun einmal einen klar definierten Stil besitzt, andere musikalische Facetten an sich selbst auszuprobieren.

Zuerst entstand nur ein einzelner Song, der als Soundtrack zu einem Horror-Film in Auftrag gegeben war. Kaum war dieser fertig, schon bot die Plattenfirma dem Sänger einen eigenen Plattenvertrag an, den er ohne großes Zögern annahm. Gemeinsam mit Janick Gers, der bereits den ersten Song gemeinsam mit ihm geschrieben hatte, entstand auch das restliche Album (mit Ausnahme eines von David Bowie gecoverten Songs).

Ich erinnere mich noch, dass das Album bei seinem Erscheinen einigen Wirbel verursachte, denn viele Iron Maiden-Fans erwarteten von Bruce Dickinson eher Songs im Stil der Heavy Metal-Boliden. Doch diese enthielt das Album nun einmal nicht, was für viel Enttäuschung sorgte. Andere Fans dagegen – zu dieser Fraktion gehöre ich ganz eindeutig – freuten sich, dass der Sänger auf diese Weise neues musikalisches Terrain eroberte.

Die Songs:

Wie so oft fällt es mir schwer, die besten Songs des Albums auszuwählen, da sie alle hörenswert sind. Meine persönlichen Highlights möchte ich dennoch individuell hervorheben:

Son Of A Gun

Melancholisch, fast schon bedächtig beginnt mit diesem Song das Album, um dann aber immer kraftvoller zu werden und die für einen guten Opener unabdingbare mitreißende Qualität zu entwickeln. Bereits die ersten Worte des Liedtextes werden mit fesselnder Intensität gesungen, am Ende der einleitenden Strophe ist Bruce Dickinson bereits bei maximalem Energie-Output angekommen – und das lässt bis zum Schluss nicht mehr nach. Wahnsinn!

Tattooed Millionaire

Der Titelsong des Albums ist eine der ganz eingängigen Mitsing-Hymnen des Albums, zumindest was den Refrain angeht. Aber auch davon abgesehen steckt einiges drin: Der Groove ist superb, der Text macht sich in perfekter Underdog-Manier über das gekünstelte Gehabe reicher Menschen her, das Gitarrensolo und der Break davor (kommt auch am Schluss noch einmal vor) ist einfach vom Feinsten. Den Song kann man gar nicht oft genug hören – von daher ist es auch kein Wunder, dass er es einmal zum Song des Tages brachte.

Hell On Wheels

Über diesen Song habe ich vor einiger Zeit schon einmal geschrieben (hier), er ist gleichzeitig ein schamloser wie auch ein demütiger AC/DC-„Rip-Off“. Hört man sich diesen Song parallel zu Songs wie „Highway To Hell“ oder „Back in Black“ an, bemerkt man gleich die mehr als nur zufälligen Ähnlichkeiten. Doch vermute ich weniger Ideenlosigkeit, vielmehr scheint es eine ernstgemeinte Hommage an musikalische Mitstreiter und Wegbegleiter zu sein. Und (am wichtigsten) es macht einfach nur tierisch Spaß, sich diesen Song anzuhören, schließlich gehört er zu den wenigen Songs, bei denen ich meine früher ach so langen Haare gelegentlich vermisse…

Gypsy Road

Wie sähe unser Leben aus, wenn wir als „Zigeuner“ (das ist nun einmal die Übersetzung von „gypsy“) geboren wären? Der Song versucht auf sowohl textlich wie auch musikalisch sehr eindringliche Weise, diesen Gedanken umzusetzen – mit einigem Erfolg, zumindest aus der Perspektive, dass dabei ein genialer Rock-Song entstanden ist. Wieder einmal zieht Bruce Dickinsons intensive Stimme den Hörer binnen kurzer Zeit in ihren Bann, der Text fließt dahin, die Band untermalt dieses Zusammenspiel gelungen – ganz klar einer der Höhepunkte des Albums.

Fazit

Bedenkt man die Umstände der Entstehung des Albums, dann kann man sich eigentlich nur wünschen, dass noch mehr etablierte Sänger von Heavy Metal-Bands sich aufmachen, um auch ein paar Solo-Alben auf den Markt zu bringen. Die Freude am Experiment, die Frische der Musik, die Unverbrauchtheit des Materials, alles an dieser Sammlung von Songs ist gelungen (auch wenn ich nicht auf jeden Song hier eingegangen bin).

Dieses Album höre ich nun seit mehr als einem Jahr immer wieder, die Songs sind dermaßen stark, dass sie nie langweilig werden – selbst wenn man jede Textzeile „im Schlaf“ mitsingen könnte (eine mehr als eigenartige Redewendung). Ich finde es beinahe schade, dass die folgenden Solo-Alben allesamt deutlich härter – also näher am Heavy Metal denn am Hard Rock – ausgefallen sind, denn dieser musikalische Stil läge mir mehr. Doch auch dort finden sich einige Juwelen, insofern steht es mir nicht zu, hier herumzujammern.

Getaggt mit , , , , , , , , , , ,

Song des Tages (371) – 2017-10-23

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Rush waren in diesem Blog schon häufig vertreten, heute ist es ein weiteres mal soweit. Das jüngste Album der Band, „Clockwork Angels“, ist ein meisterhaft von vorne bis hinten durchdachtes Konzeptalbum, ich habe mir vor ein paar Monaten die Romanfassung der Geschichte in Hörbuchform angehört (hier).

Der heutige Song des Tages ist ein ruhigeres Stück, vielleicht am ehesten mit diesem Neologismus „Power-Ballade“ getroffen. Dennoch können Rush ihre progressiven Wurzeln nicht ganz abschütteln, sodass es in stilistischer Hinsicht recht variantenreich daherkommt, nie auch nur für einen Moment bereits „ausgelutscht“ klingt. Hier nun also Rush mit dem wundervollen „Halo Effect“:

Üblicherweise habe ich meine Songs des Tages immer in aller Frühe publiziert (5:55 h ist die übliche Einstellung). Doch die Proben vorgestern und das Konzert mit allem Drum und Dran gestern haben mir die Zeit geraubt, den Beitrag entsprechend vorzubereiten (eigentlich war er sogar schon für Donnerstag geplant…). Egal, immerhin ist er jetzt da, und auch wenn das Video eine Live-Version ist (da stimmt der Sound oft nicht so ganz), der Song ist und bleibt mehr als nur hörenswert!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Album der Woche – Episode 5 – 2017-10-15

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

AC/DC: „Back in Black“

Das vielleicht beste AC/DC-Album aller Zeiten: „Back in Black“

Das vielleicht beste AC/DC-Album aller Zeiten: „Back in Black“

1980 erschien mit „Back In Black“ von AC/DC einer der größten Meilensteine der Rock-Geschichte. Die zehn Songs stellen eine derart gelungene Zusammenstellung von eingängigen Krachern voller kantiger Riffs, Mitsing-Refrains, frecher Texte und eines knallharten Sounds dar, dass es absolut kein Wunder ist, dass mittlerweile über 50 Millionen Exemplare davon verkauft wurden.

Für die echten AC/DC-Fans stellt es noch in einer weiteren Hinsicht einen Meilenstein dar, denn es ist das erste Album mit Brian Johnson als Sänger. Nach dem Vorjahres-Erfolg des Albums „Highway To Hell“ verstarb der vorige Sänger Bon Scott am Ende einer durchzechten Nacht im Auto von Angus Young. Kurz darauf begann die Suche nach einem Ersatz, denn die Karriere der Band hatte gerade erst Fahrt aufgenommen. Brian Johnson sang zwei Lieder vor, dann stand er als Nachfolger des früheren Frontmanns fest. Seine kratzige Reibeisenstimme verpasst dem Album mit dem hohen Maß an Energie den letzten Schliff.

Die Songs:

Wie so oft fällt es mir schwer, die besten Songs des Albums auszuwählen, da sie alle so fantastisch sind. Ein paar Highlights möchte ich dennoch hervorheben:

Hells Bells

Dies war mein erstes AC/DC-Stück, das ich auf der E-Gitarre spielen konnte. Mit 15 hatte ich mit der Band meinen ersten Auftritt. Aus einem Programm von gut 20 Stücken kam dieses irgendwann kurz vor Ende des Gigs dran – und ich hatte vor lauter Aufregung vergessen, wie genau das Zupfmuster am Anfang ging. Das war ein ganz, ganz peinlicher Moment (peinlicher war an dem Abend nur noch „meine Version“ von Steve Vais „For The Love of God“). Fast immer, wenn ich den Anfang höre, muss ich wieder daran denken. Da mittlerweile gut 27 Jahre seitdem vergangen sind, ist die Peinlichkeit weitgehend verflogen.

Back In Black

Für mich ist das Riff, mit dem dieses Stück so markant einsteigt, das beste Gitarren-Riff aller Zeiten (vielleicht mit der Ausnahme von „Highway To Hell“). Sehr effektvoll wurde es als Filmmusik im ersten Teil von „Iron Man“ eingesetzt. In vielerlei Hinsicht ist das für mich der Höhepunkt des musikalischen Schaffens von AC/DC.

You Shook Me All Night Long

Nachdem AC/DC ohnehin schon als „schlimme Finger“ bekannt waren, passte dieses Stück perfekt in die Sex, Drugs & Rock and Roll-Facette. Darüber hinaus ist es eine der großen AC/DC-Hymnen, die man immer, aber wirklich immer mitsingen kann.

Zuerst könnte man ja noch auf die Idee kommen, es handle sich um eine Ballade, denn die ersten Sekunden klingen – für AC/DC-Verhältnisse – melancholisch-verträumt. Doch dann steigen Gitarre und Schlagzeug in das Riff ein. Ab da geht gnadenlos die Post ab, denn das Grundtempo wird ordentlich angezogen. Und hat man diesen Teil einmal gehört, bleibt der Refrain so übel im Ohr hängen, dass er noch tagelang immer wieder in den unvorhersehbarsten Situationen wie ein Springteufel hervorschnellt und einen in Besitz nimmt…

Rock & Roll Ain‘t Noise Pollution

Der Song ist ein Frontalangriff auf die viel zu oft geäußerte Behauptung, Rockmusik sei „akustische Umweltverschmutzung“. Nach dem Motto „den Stier bei den Hörern packen“ vertreten AC/DC hier vehement die gegenteilige Meinung. Und das auf so charmant-melodiöse Weise, dass man eigentlich nur laut mitsingen kann (klappt in diesem Fall vermutlich auch mit 1-2 Promille Alkoholgehalt im Blut).

Wie schon bei „You Shook Me All Night Long“ beginnt der Song mit einem melancholischen Gitarren-Intro. Doch statt in ein höheres Tempo abzubiegen und ordentlich einzuheizen wird hier das trügerisch langsam voranschreitende Tempo genutzt, um ordentlich Spannung aufzubauen, sodass sich nach einem wundervoll auf die Klimax hinarbeitenden Pre-Chorus alle angestaute Kraft im Refrain entladen kann. Auch das Gitarrensolo gehört zu den ganz feinen Aspekten des Songs, die ihn definitiv hörenswert machen.

Fazit

Für mich steht fest, dass es bis heute (immerhin 37 Jahre später) noch kein gelungeneres AC/DC-Album gibt. Hier stimmt einfach alles: Länge, Eingängigkeit, Kraft und Virtuosität – die Band rockt, was das Zeug hält, mitreißend bis zum Umfallen.

Ich unterstelle nun einfach mal, dass das Album fast allen potentiellen Lesern dieses Blogs bekannt ist. An diese Adresse muss ich gar keine weiteren Worte richten, denn das Album zu kennen heißt, es zu lieben. Wer es noch nicht kennt, wird sicher mit den empfohlenen Tracks überaus glücklich. Doch auch alle anderen sind auf dem gleichen (=hohen) Qualitätsniveau, sodass man getrost die ca. 40 Minuten investieren kann – eine Enttäuschung wird das in keinem Fall!

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages (368) – 2017-10-10

Ein Jahr lang habe ich jeden Tag einen Song als den „Song des Tages“ empfohlen, nun bin ich schon in der zweiten Runde und habe das Intervall etwas gelockert: Statt „jeden Tag“ gibt es nun „hin und wieder“ einen Song des Tages an dieser Stelle.

Yngwie Malmsteen ist und bleibt ein Phänomen: Einerseits ein sensationell guter Gitarrist, der seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten auf der Bühne steht und dort mehr Hornhaut von den Fingerkuppen bei seinen High-Speed-Attacken auf die sechs Saiten seiner E-Gitarre eingebüßt hat als anderen Leuten in einem ganzen überhaupt in der gesamten Handfläche gewachsen ist. Dem steht auf der anderen Seite ein unglaublich von sich selbst eingenommener Egomane gegenüber, der es einfach nicht lassen kann, in jedem einzelnen seiner Stücke gnadenlos seine fingertechnischen Fertigkeiten unter Beweis zu stellen. Und „unter Beweis zu stellen“ ist eigentlich eine viel zu zurückhaltende Art, die Sache auszudrücken, denn er führt sich auf der Bühne auf wie ein Donald Trump der Musik.

Bereits seit Jahren verfolge ich seine Karriere nicht mehr, denn das Muster hatte sich damals so fest eingefahren, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geändert hat: Die Begleitmusiker sind nichts weiter als Staffage, sie liefern einen Klangteppich, über dem dann ein Gitarrensolo nach dem anderen abgezogen werden kann. Wer nicht spurt, wird rausgeworfen.

Mit dem heutigen Song des Tages kehre ich aber ganz zu Yngwie Malmsteens Wurzeln zurück, genauer gesagt zum ersten Stück seines ersten Solo-Albums: „Black Star“.

Hört man sich den Song in der Album-Version an (Empfehlung für alle Streaming Abo-Kunden), überrascht – zumindest aus der Perspektive seiner späteren Veröffentlichungen – die ungeheure Zurückhaltung, die dabei zum Ausdruck kommt. Natürlich packt er an der einen oder anderen Stelle seine wieselflinken Finger aus und lässt sie tanzen. Dafür ist das Stück ansonsten immer wieder wundervoll ruhig und melodisch.

Die Live-Version (und es ist die beste von drei oder vier, die ich bei YouTube fand) ist leider eine, bei der der gute Mann wieder einmal allen im Raum zeigen musste, dass er sich nicht an ein Geschwindigkeits-Limit zu halten bereit ist. Zum Glück blitzt zwischendurch noch der ruhige Charakter des Originals durch. Sonst könnte man den alten Aufschneider schier nicht ertragen.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , ,

Album der Woche – Episode 4 – 2017-10-08

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

ZZ Top: „Tonite at Midnight. Live – Greatest Hits From Around The World“

Für ein Live-Album ein echter Augenöffner – so mag ich ZZ Top wirklich!

Für ein Live-Album ein echter Augenöffner – so mag ich ZZ Top wirklich!

Das heutige Album der Woche fällt selbst meiner eigenen Einschätzung nach aus der Reihe, denn es handelt sich nicht um ein „richtiges“ Album im Sinn des Wortes. Live-Alben sind fast ausnahmslos Zusammenstellungen von live aufgenommenen Songs, die von anderen, bereits veröffentlichten Studio-Alben genommen wurden.

Doch im Falle von ZZ Top ist diese gerade erst in diesem Jahr erschienene Live-Compilation tatsächlich eher von Vorteil. Dieser Satz bringt mich gleich zu einem meiner Kerngedanken bezüglich dieser Band. Ich mag die Jungs wirklich, sie sind seit Jahrzehnten im Geschäft, treten nach wie vor immer und immer wieder live auf und schaffen es dort auch, mit ihrer „leicht minimalistischen“ (man verzeihe mir den kleinen Euphemismus) Bühnenshow das Publikum zu begeistern. Doch – und das ist der Punkt, der für die Live-Compilation spricht – hört man sich die Studio-Alben an, sind sie für drei, maximal vier Songs am Stück interessant, danach klingt (zumindest für mich) alles ziemlich gleich. Hier und da warten absolute musikalische Juwelen, mehrere davon habe ich in meiner Song des Tages-Sparte auch präsentiert. Doch im Großen und Ganzen haben die drei Herren einen – zugegebenermaßen cool-rockigen – Sound kultiviert, der nur geringe Nuancen an Unterschiedlichkeit zwischen den einzelnen Stücken (und zum Teil sogar Alben) aufweist.

Die Songs:

Heute verkneife ich mir – und das noch nicht einmal aus Zeitgründen – sogar das Hervorheben einzelner Songs. Immerhin sind es 15 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 65 Minuten. Und alle sind sie gut. Vor allem sind sie gut aufgenommen, denn nur zu oft sind Live-Aufnahmen außerordentlich flach im Sound, sodass immer ein (mehr oder weniger) leicht unbefriedigendes Hörerlebnis dabei herauskommt. Hier jedoch kann davon keine Rede sein, denn der Sound ist fett und druckvoll, auch wenn die Songs tatsächlich an den unterschiedlichsten Orten der Welt (darunter Berlin, Chicago, Dallas, Las Vegas, London, Los Angeles, Nashville, New York, Paris und Sao Paolo) mitgeschnitten wurden. Da dann am Ende immer noch so einen guten Sound abzuliefern… Hut ab!

Auch wenn ich gerade noch ankündigte, keine Songs hervorheben zu wollen, so bleibe ich doch bei jedem neuen Hördurchgang (und das Album habe ich in seiner vollen Gänze mindestens fünf Mal in den letzten drei Wochen komplett angehört) bei diesem einen Song hängen: „Rough Boy“. Erstmals auf „Afterburner“ erschienen, avancierte der Song schon bald zu einem veritablen Hit, der auch immer wieder im Radio gespielt wird. Die Live-Version auf dem aktuellen Album dagegen wurde am Geburtstag von Jeff Beck, dem berühmten Gitarristen, aufgenommen, mit ihm als Gast! Und auch wenn das Stück nicht plötzlich zu einer zehnminütigen Gitarrenorgie mutiert, ist es eine sehr hörenswerte Version, die (zumindest mir) einfach nur Spaß macht.

Fazit

Ich weiß, ZZ Top ist eine Band, an der sich die Geister durchaus scheiden, denn nicht allen gefällt der unterkühlte Texas-Rock, den sie über die Jahrzehnte kultiviert hat. Ich mag die Band sonst nur in kleinen Dosen, doch dieses Live-Album bietet genau die Abwechslung, die manchen Studio-Alben fehlt. Noch dazu gibt es hier und da genau die benötigte Menge an Extras, die dem Album „das Tüpfelchen auf dem i“ verpassen…

Getaggt mit , , , , , , , , , ,