Album der Woche – Episode 15 – 2017-12-31

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

The Blues Brothers (Original Soundtrack Recording)

Eines der ganz großen Alben des 20. Jahrhunderts, das man auf gar keinen Fall „zu häufig“ anhören kann.
Eines der ganz großen Alben des 20. Jahrhunderts, das man auf gar keinen Fall „zu häufig“ anhören kann.

Als Jugendlichem ging es mir so, doch bis heute sollen Leute herumlaufen, die nicht wissen, dass die Band The Blues Brothers nicht nur im gleichnamigen Film von John Landis existierte. Vielmehr veröffentlichte die Band eine ganze Reihe grooviger Alben, von denen ich insgesamt mindestens drei sehr gut kenne.

Vielleicht habe ich den Soundtrack einfach zu oft gehört, um nicht sofort an ihn denken zu müssen, wenn die Sprache auf diese Band kommt. Doch das Album ist unglaublich stark. Es hat sich den Platz in dieser illustren Runde mehr als nur verdient, es war von Anfang an dafür prädestiniert

Die Songs:

Elf Songs, 40 Minuten Spielzeit, Gast-Stars ohne Ende, von der ersten bis zur letzten Sekunde Groove – alles handgemacht, wer da nicht mit den Füßen mitwippt oder die Hüften kreisen lässt, der hat das Leben nicht begriffen.

Es gibt faktisch nur Highlights auf dieser Platte, ein Hit jagt den nächsten, doch ich habe natürlich auch ein paar Favoriten, die ich besonders gern höre:

  • „She Caught The Katy“: Eine der goldenen Regeln in der Musik heißt ja, dass der Opener eines Albums stark sein muss. Dieser ist es. Im Film gleich noch mehr, denn erst wird Jake Blues völlig ohne Musik aus dem Gefängnis entlassen, dann holt ihn sein Bruder in einer „Bullenschaukel“, einem ausgemusterten Polizeiwagen, ab. Erst als sich die beiden vor den Gefängnismauern gegenüberstehen, setzt die Musik ein – mit diesem Stück. Und es verfehlt seine Wirkung nicht, zumindest nicht die Wirkung auf mich. Als ich vor gut einem Jahr bei der Blues-Band „Blues and the Gang“ für zwei Gigs aushelfen durfte, stand „She Caught The Katy“ mit auf dem Programm – das war wie eine Erleuchtung für mich, das Stück mal „von der anderen Seite aus“ kennenlernen zu dürfen. Seither mag ich es noch mehr.
  • „Peter Gunn Theme“: Unter dem Adjektiv „cool“ findet man ja viel Musik, doch dieses Stück definiert meiner bescheidenen Ansicht nach den Informationsgehalt von Coolness in musikalischer Form. Der Einstieg über Schlagzeug, Bass und Gitarre, bevor dann die Bläser mit ihrem rotzigen Riff einfallen, das ist ein derart gelungenes Stück Musik, dass ich es bereits vor einigen Jahren für meine Schul-Big Band arrangiert habe. Die Rhythmusgruppe langweilt sich zwar immer ein wenig, weil sie wirklich das gesamte Stück (mit Ausnahme der letzten zwei oder drei Takte) das gleich Pattern zu spielen haben, doch auch das kann man ja mit einer gewissen Nonchalance vortragen und sich dabei entspannen.
  • „Everybody Needs Somebody To Love“: Von allen Highlights ist dieses das mitreißendste. Ganz unzweifelhaft stellt diese Szene den Höhepunkt des Films dar: Die Blues Brothers kommen viel zu spät zum eigenen Konzert und werden entsprechend kühl empfangen. Doch mit diesem Song schaffen sie es, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, sogar die Polizeistreitkräfte, die sie eigentlich verhaften sollen, werden von der Kraft der Musik angesteckt und vergessen ganz, was sie eigentlich tun sollten. Ein Märchen, klar, aber ein schönes!
  • „Think“: Aretha Franklin in absoluter Höchstform! Der Song ist allein schon superb, im Film aber, gewürzt mit der süffisanten Choreographie, in den Kontext der Szene gestellt, verfehlt sie nie die Wirkung auf die Zuschauer. Meine Nackenhaare stellen sich ehrfürchtig auf, wenn ich nur an den Song denke.

Fazit

Könnte man die Zeit einfach so zurückdrehen und ohne das Auslösen diverser Zeitreise-Paradoxa ein paar Jahre in die Vergangenheit reisen, dann würde ich mir auf jeden Fall einen der legendären Live-Auftritte dieser Band reinziehen. Das muss schlicht umwerfend gewesen sein. Leider ist John Belushi ja nun schon seit etlichen Jahren tot, sodass es nicht mehr möglich ist, diesen Haufen, der „stark genug war, um Ziegenpisse in Benzin zu verwandeln“ live zu hören. Schade, sehr schade. Zum Trost kann man sich das Album aber gut und gerne ein paar hundert Mal anhören.

Links

Nachdem sich hin und wieder Leser meines Blogs über den Mangel an Links zu den Stücken beschwert haben, kommt hier – erstmalig – eine Sektion für die Musikhungrigen ohne Streaming-Abo:

So, mehr schreibe ich in diesem Jahr nicht mehr in diesen Blog hinein, lasst es euch allen gut gehen, seid nett zueinander, wir sehen/lesen/hören uns im neuen Jahr wieder!

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Song des Tages (212) – 2017-04-12

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Eigentlich dürfte sein Spitzname für die meisten Gitarristen der Welt eine ziemliche Beleidigung darstellen, doch Eric „Slowhand“ Clapton scheint es schon immer mit Humor genommen zu haben. Vor allem, weil der Spitzname seine Fans nicht davon abhalten konnte, ihn auf Platz 2 der besten Gitarristen aller Zeiten zu wählen – und in der Position macht er eine ziemlich gute Figur.

Das 1998 erschienene „Pilgrim“-Album war ein Versuch Claptons, neue musikalische Wege einzuschlagen. Vor allem im heutigen Song des Tages spürt man eine beinahe schon „aufregend“ zu nennende Vermischung von Pop, Hip Hop (der Drumcomputer-Beat im Hintergrund), Soul (der Background-Chor) und Blues (die allgemeine Stimmung sowie der Tremolo-Effekt auf der Gitarre). Das Ergebnis hat mich vom ersten Anhören an begeistert, daher präsentiere ich hier voller Begeisterung: „My Father’s Eyes“ von Eric Clapton:

Wenn ich mir den Background-Chor im Refrain anhören, müsste ich fast noch einen Schuss Reggae in den musikalischen Mix werfen. Aber dann wäre ich frivol. Das muss nicht sein.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

Song des Tages (125) – 2017-01-14

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Blues-Männer können einem ja derart auf die Nerven gehen mit ihrem pathetischen Gejammere, was gerade wieder alles schief geht in ihrem Leben…:

Meine Frau hat mich verlassen,
Meine Bude ist abgebrannt,
Meinen Job hab‘ ich verloren,
Mein letztes Geld ist ausgegeben,
Mein Hund ist davongelaufen,
Mein Auto hat ’nen Platten,
Und nun sitz‘ ich hier und heul‘ den Blues…

Das kann furchtbar abgeschmackt sein. Kann es, muss aber nicht. Manchmal ist es halt genau dieses (leicht) wehleidige Gejammere (ähnlich der sog. „Männergrippe“), das perfekt zur Stimmung passt.

Zum Beispiel bei mir. Jetzt. Der vergangene Tag war anstrengend: Die letzten Schneematsch-Reste machten das Radeln zu einem annähernden Spießrutenlauf, Unterricht, ein Behördengang ins Rathaus, Big Band-Probe anleiten, Lehrerkonferenz (satte dreieinhalb Stunden)… Nach dem Abendessen bin ich voll auf dem Sofa eingepennt, um 0:50 h wieder aufgewacht. Und so tippe ich nun diese Zeilen. Da passt der Blues.

Und es muss ein hammerharter, die Melancholie mit der Schaufel auftragender und im Pathos förmlich badender Blues sein, wie ihn eben nur einer hinbrachte: Stevie Ray Vaughan singt den Song des Tages: „The Sky Is Crying“:

Die Blues-Litanei ist seit etlichen Jahrzehnten derart festgefahren, dass so mancher Witz über die ewig gleichen Floskeln existiert. Zum Beispiel beginnen so viele Blues-Songs mit der Zeile

Woke up this morning…

— da musste irgendwann jemand den Witz erfinden:

Was steht auf dem Grabstein eines Blues-Musikers? — „Didn’t wake up this morning…“

Ganz ehrlich: Im Moment passt diese Art von Humor gerade perfekt. Genießt den Samstag!

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

Song des Tages (98) – 2016-12-18

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Der gestrige Blues-Auftritt schwingt in mir noch immer nach. Einer der besten Songs unseres Sets war der heutige Song des Tages: „Messin‘ With The Kid“ von den Blues Brothers. Lustigerweise kennen zwar viele Leute den Film, wissen aber nicht, dass diese Band tatsächlich eine ganze Weile bestand. Das Video zeigt sie bei einem („echten“) Live-Auftritt:

Spürt ihr schon die feucht Schwüle im Konzertsaal, wenn sich die Leiber der Zuhörer in ekstatischen rhythmischen Zuckungen aneinander reiben, alle völlig in der Musik verloren? Herrrrrrrrlich.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

52 Wochen – Teil 43 („Bluesman“)

Gestern Abend durfte ich bei Blues & The Gang im Gleis 1 aushelfen. Zweimal hatte ich mit der Band geprobt, doch nie waren alle anwesend. Die Ehre hatte ich erst im Konzert – doch es war fantastisch. Einzig die Uhrzeit lag weit außerhalb meiner Komfortzone, denn das Konzert begann erst kurz nach 21:00 h und bestand aus zwei Sets. Mit Pause waren wir kurz nach Mitternacht fertig. Da schlafe ich normalerweise schon seit mehr als zwei Stunden. Gestern/heute kamen dann aber noch Abbau und Verladen, danach lenkte ich den Wagen des Pianisten nach Hause. Pünktlich um 2:30 h kroch ich in mein Bett.

Alles in allem war der Abend zwar höllisch anstrengend, aber auch sehr erfrischend, denn mit einer kleinen Band hatte ich schon seit gefühlt ewigen Zeiten nicht mehr gespielt. Als langhaariger Teenager war ich als Gitarrist in einer sensationell guten Rockband aktiv (soll heißen: Wir mussten uns nach jedem Auftritt umbenennen, damit beim nächsten noch Leute kommen…). Je kleiner die Band, desto wichtiger ist der einzelne Musiker. Bei einer Big Band – da habe ich deutlich mehr Erfahrung – ist das zwar ähnlich, aber bei Weitem nicht so zwingend. Setze ich bei der kleinen Band ein paar Takte aus, fehlt da tatsächlich ein Part, bei der Big Band dagegen ist oft noch ein anderer Spieler parallel zu mir (klar: es fehlt immer noch etwas, nicht zuletzt die Klangfarbe, aber es ist halt nicht ganz so dramatisch).

Der Auftrittsort ist außerordentlich skurril: Ein alter Bahnhof, der sich in zwei Teile gliedert: Links vom Eingang landet man in einer dadaistischen Dauerinstallation (siehe heutiges Selfie-Konstrukt), rechts geht es in den Aufführungsraum. Wesentlich mehr als 40-50 Personen bekommt man neben der Band nicht mehr in den Raum, gestern war es rappelvoll. An zwei Stellen im Set gab es zwei Stücke ohne Bläser hintereinander, da gingen wir von der Bühne. In diesen Pausen wandelte ich durch die dadaistische Installation – und zückte flugs mein iPhone…

Dadaismus und Blues müssen keine Gegensätze sein, das habe ich gestern Abend gelernt...
Dadaismus und Blues müssen keine Gegensätze sein, das habe ich gestern Abend gelernt…

Im Lauf der letzten 43 Wochen ist mir aufgefallen, wie schwierig es ist, beim Selfie-Schießen nicht allzu doof in die Kamera zu schielen… Das Problem kaschierte ich heute durch die Kombination der Fotos. Schön (im Sinne von: „AAAAAAAAAAhhhhhhhhhh!“) auch rechts oben die Hinweise zur technischen Installation im Konzertraum…

Zur Aktion „52 Wochen“

Seit nunmehr 43 Wochen läuft Zeilenendes Foto-Aktion „52 Wochen“, an der ich teilnehme (hier findet man alle meine Beiträge). Ziel ist es, jeden Sonntag ein neues Selfie oder Portrait einzustellen. Die übrigen Teilnehmer sind: