Archiv der Kategorie: Album der Woche

Album der Woche – Episode 5 – 2017-10-15

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

AC/DC: „Back in Black“

Das vielleicht beste AC/DC-Album aller Zeiten: „Back in Black“

Das vielleicht beste AC/DC-Album aller Zeiten: „Back in Black“

1980 erschien mit „Back In Black“ von AC/DC einer der größten Meilensteine der Rock-Geschichte. Die zehn Songs stellen eine derart gelungene Zusammenstellung von eingängigen Krachern voller kantiger Riffs, Mitsing-Refrains, frecher Texte und eines knallharten Sounds dar, dass es absolut kein Wunder ist, dass mittlerweile über 50 Millionen Exemplare davon verkauft wurden.

Für die echten AC/DC-Fans stellt es noch in einer weiteren Hinsicht einen Meilenstein dar, denn es ist das erste Album mit Brian Johnson als Sänger. Nach dem Vorjahres-Erfolg des Albums „Highway To Hell“ verstarb der vorige Sänger Bon Scott am Ende einer durchzechten Nacht im Auto von Angus Young. Kurz darauf begann die Suche nach einem Ersatz, denn die Karriere der Band hatte gerade erst Fahrt aufgenommen. Brian Johnson sang zwei Lieder vor, dann stand er als Nachfolger des früheren Frontmanns fest. Seine kratzige Reibeisenstimme verpasst dem Album mit dem hohen Maß an Energie den letzten Schliff.

Die Songs:

Wie so oft fällt es mir schwer, die besten Songs des Albums auszuwählen, da sie alle so fantastisch sind. Ein paar Highlights möchte ich dennoch hervorheben:

Hells Bells

Dies war mein erstes AC/DC-Stück, das ich auf der E-Gitarre spielen konnte. Mit 15 hatte ich mit der Band meinen ersten Auftritt. Aus einem Programm von gut 20 Stücken kam dieses irgendwann kurz vor Ende des Gigs dran – und ich hatte vor lauter Aufregung vergessen, wie genau das Zupfmuster am Anfang ging. Das war ein ganz, ganz peinlicher Moment (peinlicher war an dem Abend nur noch „meine Version“ von Steve Vais „For The Love of God“). Fast immer, wenn ich den Anfang höre, muss ich wieder daran denken. Da mittlerweile gut 27 Jahre seitdem vergangen sind, ist die Peinlichkeit weitgehend verflogen.

Back In Black

Für mich ist das Riff, mit dem dieses Stück so markant einsteigt, das beste Gitarren-Riff aller Zeiten (vielleicht mit der Ausnahme von „Highway To Hell“). Sehr effektvoll wurde es als Filmmusik im ersten Teil von „Iron Man“ eingesetzt. In vielerlei Hinsicht ist das für mich der Höhepunkt des musikalischen Schaffens von AC/DC.

You Shook Me All Night Long

Nachdem AC/DC ohnehin schon als „schlimme Finger“ bekannt waren, passte dieses Stück perfekt in die Sex, Drugs & Rock and Roll-Facette. Darüber hinaus ist es eine der großen AC/DC-Hymnen, die man immer, aber wirklich immer mitsingen kann.

Zuerst könnte man ja noch auf die Idee kommen, es handle sich um eine Ballade, denn die ersten Sekunden klingen – für AC/DC-Verhältnisse – melancholisch-verträumt. Doch dann steigen Gitarre und Schlagzeug in das Riff ein. Ab da geht gnadenlos die Post ab, denn das Grundtempo wird ordentlich angezogen. Und hat man diesen Teil einmal gehört, bleibt der Refrain so übel im Ohr hängen, dass er noch tagelang immer wieder in den unvorhersehbarsten Situationen wie ein Springteufel hervorschnellt und einen in Besitz nimmt…

Rock & Roll Ain‘t Noise Pollution

Der Song ist ein Frontalangriff auf die viel zu oft geäußerte Behauptung, Rockmusik sei „akustische Umweltverschmutzung“. Nach dem Motto „den Stier bei den Hörern packen“ vertreten AC/DC hier vehement die gegenteilige Meinung. Und das auf so charmant-melodiöse Weise, dass man eigentlich nur laut mitsingen kann (klappt in diesem Fall vermutlich auch mit 1-2 Promille Alkoholgehalt im Blut).

Wie schon bei „You Shook Me All Night Long“ beginnt der Song mit einem melancholischen Gitarren-Intro. Doch statt in ein höheres Tempo abzubiegen und ordentlich einzuheizen wird hier das trügerisch langsam voranschreitende Tempo genutzt, um ordentlich Spannung aufzubauen, sodass sich nach einem wundervoll auf die Klimax hinarbeitenden Pre-Chorus alle angestaute Kraft im Refrain entladen kann. Auch das Gitarrensolo gehört zu den ganz feinen Aspekten des Songs, die ihn definitiv hörenswert machen.

Fazit

Für mich steht fest, dass es bis heute (immerhin 37 Jahre später) noch kein gelungeneres AC/DC-Album gibt. Hier stimmt einfach alles: Länge, Eingängigkeit, Kraft und Virtuosität – die Band rockt, was das Zeug hält, mitreißend bis zum Umfallen.

Ich unterstelle nun einfach mal, dass das Album fast allen potentiellen Lesern dieses Blogs bekannt ist. An diese Adresse muss ich gar keine weiteren Worte richten, denn das Album zu kennen heißt, es zu lieben. Wer es noch nicht kennt, wird sicher mit den empfohlenen Tracks überaus glücklich. Doch auch alle anderen sind auf dem gleichen (=hohen) Qualitätsniveau, sodass man getrost die ca. 40 Minuten investieren kann – eine Enttäuschung wird das in keinem Fall!

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Album der Woche – Episode 4 – 2017-10-08

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

ZZ Top: „Tonite at Midnight. Live – Greatest Hits From Around The World“

Für ein Live-Album ein echter Augenöffner – so mag ich ZZ Top wirklich!

Für ein Live-Album ein echter Augenöffner – so mag ich ZZ Top wirklich!

Das heutige Album der Woche fällt selbst meiner eigenen Einschätzung nach aus der Reihe, denn es handelt sich nicht um ein „richtiges“ Album im Sinn des Wortes. Live-Alben sind fast ausnahmslos Zusammenstellungen von live aufgenommenen Songs, die von anderen, bereits veröffentlichten Studio-Alben genommen wurden.

Doch im Falle von ZZ Top ist diese gerade erst in diesem Jahr erschienene Live-Compilation tatsächlich eher von Vorteil. Dieser Satz bringt mich gleich zu einem meiner Kerngedanken bezüglich dieser Band. Ich mag die Jungs wirklich, sie sind seit Jahrzehnten im Geschäft, treten nach wie vor immer und immer wieder live auf und schaffen es dort auch, mit ihrer „leicht minimalistischen“ (man verzeihe mir den kleinen Euphemismus) Bühnenshow das Publikum zu begeistern. Doch – und das ist der Punkt, der für die Live-Compilation spricht – hört man sich die Studio-Alben an, sind sie für drei, maximal vier Songs am Stück interessant, danach klingt (zumindest für mich) alles ziemlich gleich. Hier und da warten absolute musikalische Juwelen, mehrere davon habe ich in meiner Song des Tages-Sparte auch präsentiert. Doch im Großen und Ganzen haben die drei Herren einen – zugegebenermaßen cool-rockigen – Sound kultiviert, der nur geringe Nuancen an Unterschiedlichkeit zwischen den einzelnen Stücken (und zum Teil sogar Alben) aufweist.

Die Songs:

Heute verkneife ich mir – und das noch nicht einmal aus Zeitgründen – sogar das Hervorheben einzelner Songs. Immerhin sind es 15 Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 65 Minuten. Und alle sind sie gut. Vor allem sind sie gut aufgenommen, denn nur zu oft sind Live-Aufnahmen außerordentlich flach im Sound, sodass immer ein (mehr oder weniger) leicht unbefriedigendes Hörerlebnis dabei herauskommt. Hier jedoch kann davon keine Rede sein, denn der Sound ist fett und druckvoll, auch wenn die Songs tatsächlich an den unterschiedlichsten Orten der Welt (darunter Berlin, Chicago, Dallas, Las Vegas, London, Los Angeles, Nashville, New York, Paris und Sao Paolo) mitgeschnitten wurden. Da dann am Ende immer noch so einen guten Sound abzuliefern… Hut ab!

Auch wenn ich gerade noch ankündigte, keine Songs hervorheben zu wollen, so bleibe ich doch bei jedem neuen Hördurchgang (und das Album habe ich in seiner vollen Gänze mindestens fünf Mal in den letzten drei Wochen komplett angehört) bei diesem einen Song hängen: „Rough Boy“. Erstmals auf „Afterburner“ erschienen, avancierte der Song schon bald zu einem veritablen Hit, der auch immer wieder im Radio gespielt wird. Die Live-Version auf dem aktuellen Album dagegen wurde am Geburtstag von Jeff Beck, dem berühmten Gitarristen, aufgenommen, mit ihm als Gast! Und auch wenn das Stück nicht plötzlich zu einer zehnminütigen Gitarrenorgie mutiert, ist es eine sehr hörenswerte Version, die (zumindest mir) einfach nur Spaß macht.

Fazit

Ich weiß, ZZ Top ist eine Band, an der sich die Geister durchaus scheiden, denn nicht allen gefällt der unterkühlte Texas-Rock, den sie über die Jahrzehnte kultiviert hat. Ich mag die Band sonst nur in kleinen Dosen, doch dieses Live-Album bietet genau die Abwechslung, die manchen Studio-Alben fehlt. Noch dazu gibt es hier und da genau die benötigte Menge an Extras, die dem Album „das Tüpfelchen auf dem i“ verpassen…

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Filme en masse

Vorbemerkung

Die vergangenen Tage habe ich mich hier im Blog kaum sehen lassen, denn die Tage waren einfach zu voll. Neben dem Schuljahresende, der Mitte und allen Zeiten dazwischen ist der Schuljahresbeginn immer die stressigste Zeit, denn da muss zusätzlich zur Unterrichtsvorbereitung unglaublich viel organisatorischer Krempel abgearbeitet werden. Außerdem gibt es viele außerplanmäßige Termine, die einem den Tag verkürzen. Wenn man dann trotzdem am nächsten Tag eine ordentliche Arbeit abliefern will, wird’s stressig.

Das legt sich hoffentlich bald wieder, sonst falle ich in den Herbstferien krank ins Bett. Und bislang habe ich dieses Jahr wirklich eine ziemlich stabile Gesundheit, das soll so bleiben. Den heutigen Blog-Eintrag habe ich seit gut einer Woche in Vorbereitung, doch zum Schreiben kam ich schlicht und ergreifend nicht. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich heute noch meinen eigentlich ausstehenden Artikel zum „Album der Woche“ veröffentlicht bekomme. Mal sehen…

Zurück zum eigentlichen Thema: In den letzten Wochen habe ich mir ein paar Filme angesehen, manche davon abends in aller Ruhe, andere morgens auf dem Laufband (wenn draußen mal wieder ein ekelhaftes Mistwetter war). Auf jeden Fall waren ein paar bemerkenswerte Filme dabei, die es lohnen, von ihnen zu berichten:

E.T. – Der Außerirdische

Einer der ganz starken Filme meiner Kindheit – nun kennen ihn auch meine Kinder!

Einer der ganz starken Filme meiner Kindheit – nun kennen ihn auch meine Kinder!

Dieser Klassiker aus den 1980er Jahren ist mir seit meiner Kindheit ein treuer Begleiter, allerdings hatte ich ihn seit mehr als fünf Jahren nicht mehr angesehen. Und darüber hätte ich fast ausgeblendet (vergessen kann man es nicht), wie gut der Film ist. Unsere Kinder kannten den Film noch gar nicht, also überraschte ich sie damit, bereitete sie hier und da auf kommende dramatische Entwicklungen vor (vor allem unsere Mittlere reagiert sonst unter Umständen etwas eigen selbst auf einen hervorragenden Film wie diesen), freute mich aber umso mehr, als sie bei den lustigen Szenen vor Vergnügen laut quietschten.

Einmal mehr hat mich die Musik völlig umgehauen, John Williams hat hier meiner Meinung nach sogar noch bessere Arbeit vollbracht als bei allen Teilen der Star Wars-Reihe (und da setzte er ja wirklich Meilensteine der Filmmusik). Und wie jedes Mal ärgere ich mich, dass die reine Klavierfassung des „Flying“-Themas (gleich zu Beginn des Abspanns) nicht Teil der veröffentlichten Filmmusik ist. Da gibt es eine ähnliche Version, die allerdings gleich vom Orchester untermalt wird. Sehr schön, keine Frage, doch eben nicht ganz so verträumt wie das Stück aus dem Abspann.

Oblivion

Spannende Science Fiction mit einem gereiften Tom Cruise – sehenswert!

Spannende Science Fiction mit einem gereiften Tom Cruise – sehenswert!

Bevor ich den Film angesehen habe, gab es ein langes Zögern. Der Grund ist bzw. war: Tom Cruise. Ich mag ihn als Schauspieler nicht allzu sehr, seine Scientology-Zugehörigkeit hat ihn mir zusätzlich verleidet. Daher bin ich in seiner Hinsicht immer etwas zurückhaltend.

Doch dieser Film hat mich positiv überrascht, denn einerseits trägt er darstellerisch nicht mehr ganz so dick auf (bei „Rain Man“ oder anderen älteren Filmen war das furchtbar), andererseits ist die Story wirklich gut und nicht nur auf ihn als Charakter fixiert.

Alles in allem ein wirklich solider Science Fiction-Action-Film mit berauschend guten Effekten, einer guten (wenngleich recht dystopischen) Story und überzeugenden Leistungen aller Darsteller (einziges Manko: der auf dem Poster groß angekündigte Morgan Freeman taucht nur in gut 10-15 Minuten des 100-minütigen Films auf). Diesen Film kann man sich gut auch öfter ansehen – ich werde das sicher machen.

My Big Fat Greek Wedding 2

Für mich eine der besten familientauglichen Komödien der letzten Jahre – absolute Empfehlung!

Für mich eine der besten familientauglichen Komödien der letzten Jahre – absolute Empfehlung!

Wer den ersten Teil kennt, weiß vermutlich schon, in welcher Comedy-Liga der Film spielt: Es ist ein harmloser Familien-Spaß, den man gut und gern auch mit den Kindern angucken kann. Gleichzeitig ist er so gut gemacht, dass Erwachsene sich angesprochen fühlen, herzhaft lachen und mitfiebern können, ohne sich dabei albern zu fühlen.

Und der zweite Teil setzt einfach noch so viele neue kleine Spitzen auf das bekannte Schema des ersten Films, dass ich gleich nach Beenden des ersten Durchgangs sofort wieder von vorne beginnen wollte. Eine ganz und gar herrliche Komödie, die es mit den aus dem ersten Teil bekannten Schauspielern schafft, tatsächlich eine gelungene (und keineswegs abgeflachte) Fortsetzung abzuliefern. Wunderbar!

Live. Die. Repeat

Actionreiche Science Fiction, die sich bei einer guten Vorlage bedient und sie geschickt umsetzt – spannend!

Actionreiche Science Fiction, die sich bei einer guten Vorlage bedient und sie geschickt umsetzt – spannend!

Noch ein Film mit Tom Cruise. Nach den positiven Erfahrungen mit „Oblivion“ dachte ich mir, ein weiterer Film könne nicht schaden, um mein etwas revidiertes Urteil über ihn erneut auf die Probe zu stellen. Und tatsächlich ist der Film wiederum ein gelungener Science Fiction-Action-Film.

Die Grundidee entstammt einer alten Star Trek TNG-Folge namens „Deja-vu“, in der die Enterprise bei einer Raumkollision zerstört wird, woraufhin sie in einer Zeitschleife gefangen bleibt und diesen Tag wieder und wieder erlebt – bis sie es schafft, die Situation zu meistern.

Bei „Live. Die. Repeat“ ist das Prinzip extrem ähnlich: Tom Cruise wird als Soldat in eine Gefechtssituation gebracht, wo er beim Töten eines Aliens selbst stirbt. Der Kontakt mit dem Alien löst eine Zeitschleife aus, wodurch er diesen einen Tag immer und immer wieder erlebt, bis er einen Ausweg aus der Situation findet und – man hätte es nicht erwartet – die Menschheit dabei rettet.

Besonders gelungen ist die Beschleunigung der Wiederholungsabläufe, denn gerade an dieser heiklen Stelle könnte der Film unendlich zäh werden. Wird er aber nie, denn der Regisseur hat sich für eine gekonnte Raffung aller zeitlichen Abläufe auf die wenigen notwendigen Momente beschränkt. Es ist so ähnlich wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“, nur halt nicht in lustig (na ja, ein paar Szenen sind auf ihre Weise schon lustig).

Auch wenn ich den Ausgang jetzt schon kenne, der Film landet garantiert noch öfter im Apple TV oder auf dem iPad, er strotzt nur so vor tollen Effekten, die Handlung ist wirklich nicht schlecht, man kann kaum weggucken. Sehr gut!

Fazit

Wenn ich schon abends meist zu müde bin, um einen ganzen Film am Stück zu gucken, so hat sich das mit dem iPad-Gucken während des Laufens als gute Möglichkeit erwiesen, die 100 Minuten Monotonie im Keller spannend(er) zu gestalten. Durch die AirPods höre ich alles kristallklar direkt im Kopf, ohne meine Familie schon morgens um kurz vor Fünf aus dem Schlaf zu reißen. Und es ist tatsächlich unterhaltsam – das wird’s in Zukunft noch öfter geben!

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Album der Woche – Episode 3 – 2017-10-01

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Heute bin ich etwas zu spät dran, da ich das ganze Wochenende und sogar noch den Montag familiär so dauerhaft eingebunden war, dass ich meinen eigenen Zeitplan nicht einhalten konnte. Es ergab sich einfach kein Zeitfenster, um den bereits lange geplanten Eintrag fertigzustellen. Jetzt ist es immerhin geschehen – nur etwas mehr als einen Tag verspätet, hoffentlich zu verschmerzen.

Iron Maiden: „Powerslave“

Ein wundervoll energiegeladenes Album, das eindrucksvoll vor Augen führt, warum Iron Maiden in den 1980er Jahren zu den wichtigsten Bands der „New Wave of British Heavy Metal“ gehörten.

Ein wundervoll energiegeladenes Album, das eindrucksvoll vor Augen führt, warum Iron Maiden in den 1980er Jahren zu den wichtigsten Bands der „New Wave of British Heavy Metal“ gehörten.

1984 erschien mit „Powerslave“ das Album, das zu meinen absoluten Favoriten des gesamten Schaffens der Band Iron Maiden gehört. Nur wenige andere der mittlerweile doch recht zahlreichen Alben kommen an diese kompakte Qualität und diesen fantastischen Klang heran.

Wie gelegentlich gemunkelt wird1, könnte die erstmalig unveränderte Besetzung der Band zwischen zwei Album-Veröffentlichungen ein hohes Maß an Stabilität geschaffen haben, das sich äußerst positiv auf die Ausgestaltung der neuen Ideen auswirkte. Und in der Tat ist die qualitative Amplitude geringer als bei den beiden — ebenfalls schon wirklich guten — Vorgängeralben „Piece of Mind“ (1983) und „The Number of the Beast“ (1982). Und diese kleinere Amplitude spielt sich auf einem wesentlich höheren Niveau ab.

Die Songs (Highlights):

In insgesamt acht Songs, die sich über eine Spielzeit von gut 51 Minuten erstrecken, liefert die Band ein „Brett“ nach dem anderen ab, um im Titelsong einen fulminanten und kaum zu überbietenden Höhepunkt des Albums zu erreichen.

Heute werde ich – quasi als Experiment – nicht alle acht Songs separat besprechen, sondern nur meine drei persönlichen Favoriten herausgreifen, auch wenn das bedeutet, dass ein knapper vierter Platz („Two Minutes To Midnight“) dann leider außen vor bleiben muss. Aber insgeheim hoffe ich ja immer darauf, dass zumindest der eine oder andere sich das Album beim Streaming-Anbieter seiner Wahl einfach ganz anhört.

Aces High (4:31)

Der vielleicht beste Opener aller Zeiten auf einem Heavy Metal-Album: Nach einem mehrstimmigen Gitarren-Intro legt die Band in hohem Tempo gemeinsam bei voll aufgedrehter Energie los. Bruce Dickinson, damals noch ein junger Kerl, singt melodisch bis in die höchsten Lagen und verleiht der Komposition von Steve Harris eine Intensität, die selbst in vielen anderen Maiden-Stücken ihresgleichen sucht.

Der National Review äußerte sich über dieses Lied in einer wenig zweifelhaften Weise2:

Aces High is about as perfect a heavy-metal tune as there is. It‘s about the Battle of Britain, told from the perspective of a British pilot.

Und ich teile die Ansicht, denn der Song ist sowohl textlich3 als auch musikalisch in einem gehetzt-atemlosen und angespannten Gestus gehalten, man spürt als Hörer das Adrenalin förmlich in einem Sturzbach durch die Adern schießen:

There goes the siren that warns of the air raid
Then comes the sound of the guns sending flak
Out for the scramble, we‘ve got to get airborne
Got to get up for the coming attack

Jump in the cockpit and start up the engines
Remove all the wheelblocks, there‘s no time to waste
Gathering speed as we head down the runway
Gotta get airborne before it‘s too late

Die Anspannung der Flieger, die aus ihrer Bereitschaft binnen weniger Momente in ihren Flieger klettern und sich sofort in einen Kampf auf Leben und Tod stürzen, ist so gut umgesetzt, dass beim Anhören der eigene Herzschlag gleich mit ansteigt. Wahnsinn!

Powerslave (7:11)

„Aces High“ war ja schon sensationell, doch der Titelsong, der auch das Thema (ägyptischer Totenkult) für die Covergestaltung (siehe oben) vorgibt, ist meiner Meinung nach der unangefochtene Höhepunkt des Albums. Nur selten passen Thema, Text, Grundstimmung und Musik so gut zusammen. Bruce Dickinson beschwört mit seiner Stimme den Geist des verstorbenen Pharaos herauf, der sich und seine Rolle als Herr über Leben und Tod angesichts der eigenen Sterblichkeit kritisch hinterfragt4:

Tell me why I had to be a Powerslave
I don‘t wanna die, I‘m a God
Why can‘t I live on?
When the Life Giver dies
All around is laid waste.
And in my last hour
I‘m a slave to the power of Death.

Musikalisch besticht der Song durch seine kraftvolle Ausstrahlung auf der einen, den vielen kleinen lyrischen Passagen auf der anderen Seite. Wie bei vielen längeren Maiden-Stücken gibt es deutliche Stimmungswandel, die dafür sorgen, dass sich der Song eher nach vier als nach sieben Minuten anfühlt – und jede Sekunde ist ein Genuss.

The Rime of the Ancient Mariner (13:48)

Dieses musikalische Epos von immerhin fast 14 Minuten Länge stellt die Nacherzählung des 1798 geschriebenen gleichnamigen Gedichts von Samuel Taylor Coleridge dar. Darin werden die Erlebnisse (vor allem die von Reuegefühlen gefolgten Fehltritte) des alten Seefahrers erzählt. Iron Maiden waren von dem Gedicht derart angetan, dass im Liedtext sogar passagenweise daraus zitiert wird.

Noch deutlicher als bei „Powerslave“ spielen Iron Maiden die Vielseitigkeitskarte aus: Mehrere musikalisch komplett unterschiedlich gestaltete Abschnitte wechseln sich ab, immer wieder dürfen vor allem E-Bass und die beiden (damals, heute sind es drei) E-Gitarren ihre Virtuosität demonstrieren, ganz zu schweigen vom fein justierten Schlagzeugspiel von Nicko McBrain.

Wäre der Song etwas kürzer und kompakter, wäre er vermutlich sogar noch ein wenig besser als der Titelsong – und der war ja schon ein Hammer!

Fazit

Es fühlt sich etwas seltsam an, nicht zu jedem Song etwas zu schreiben, doch es schont das im Moment arg gebeutelte Zeitbudget. Insofern werde ich vermutlich in den stressigen Zeiten eher darauf zurückgreifen.

Das soll aber nicht davon ablenken, dass „Powerslave“ sicher eines der hörenswertesten Iron Maiden-Alben ist. Ich genieße es jedes einzelne Mal (auch wenn ich zugeben muss, dafür am besten in der passenden Stimmung zu sein, denn gerade die ganz langen Stücke kann ich nicht jeden Tag mit der gleichen Entspannung anhören…). Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich auch das restliche Album anhört, wird auf keinen Fall enttäuscht.

  1. Siehe auch: So this calmer period was also a very productive one for Iron Maiden. Before flying to Compass Point again to track the new album with producer Martin Birch, the band‘s songwriting would flourish into new territory that Billboard would conclude »catalogues every major facet of the band‘s personality during the Dickinson years and does so while fyring on all cylinders. Perhaps that‘s in part because Powerslave is the first Maiden album to feature the same line-up as its predecessor, creating a definite continuity and comfort level. Or perhaps it‘s simply that we‘re witnessing a great band in it’s creative prime.« aus: Jake Brown: „Iron Maiden in the Studio“ (iBook)
  2. Quelle: „Iron Maiden in the Studio“ von Jake Brown (iBook)
  3. Quelle: Apple Music (Lyrics)
  4. Quelle: Apple Music (Lyrics)
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Album der Woche – Episode 2 – 2017-09-24

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Magnum: „On A Storyteller’s Night“

Tolkien-Fans aufgepasst: Diese Musik dürfte euch gefallen, aber sowas von...

Tolkien-Fans aufgepasst: Diese Musik dürfte euch gefallen, aber sowas von…

Die 1972 in Birmingham gegründete Band Magnum gehört zum britischen Hard Rock-/Heavy Metal-Urgestein, die durch viele gelungene Album-Veröffentlichungen und stimmungsvoll-mitreißende Live-Auftritte bis heute überzeugen, die vor allem aber auch seit ihren Anfängen das Fantasy-Element in der Rock-Musik stark betonen. Ein Blick auf das Artwork fast aller Album-Cover der vergangenen Jahrzehnte stellt das eindrucksvoll unter Beweis.

Das für den heutigen Eintrag ausgewählte Album, „On A Storyteller‘s Night“ erschien 1985 und brachte der Band den verdienten internationalen Durchbruch. Als Teenager sah ich immer dieses Cover in den Platten-/CD-Läden stehen. Irgendwann siegte die Neugier und ich kaufte die CD. Keinen einzigen Tag habe ich es bereut, denn die Musik ist melodisch, kraftvoll und voller Geheimnisse. Fans von J. R. R. Tolkien kommen hier voll auf ihre Kosten (und das war Jahrzehnte VOR dem Hype um die Peter Jackson-Verfilmungen).

Die Songs:

„On A Storyteller’s Night“ ist ein ganz klassisches Rock-Album: 10 Stücke, Gesamtspielzeit: ca. 46 Minuten. Rechnet man das kurz durch, wird klar, warum die Stücke trotz all ihrer eingängigen Melodien nicht allzu viel Radiopräsenz abbekamen: Sie (zumindest die meisten) sind dafür einfach ein bisschen zu lang (alles über drei oder dreieinhalb Minuten scheidet für das Radio mehr oder weniger sofort aus). Doch als Rock-Musiker darf man ohnehin nicht auf eine riesige Radiopräsenz bauen, gerade in Zeiten einer immer stärker am Mainstream ausgerichteten Pop-Kultur wäre das fatal.

How Far Jerusalem (6:25)

Das ist für mich neben dem Titelsong DER Tolkien-Song schlechthin. All die Faszination, die die episch ausgebreiteten Geschichten von Tolkien bei ihren Fans hervorrufen, bildet den inhaltlichen Hintergrund des Songs.

Nach der geheimnisvollen Klangkulisse, die am Anfang aufgebaut wird, setzt dann die Band mit rockigen Riffs ein und heizt ordentlich ein, nur um dann in einen sanften, lyrischen Teil umzuschwenken. Auch später wird die mysteriöse Stimmung durch den geschickten Einsatz von reichlich Delay und Reverb in der E-Gitarre verstärkt. Dann noch der mehrstimmige Gesang, der aus der Ruhe der kleinen Zwischenparts wieder in den energetisch rockenden Refrain wechselt – einfach nur herrlich. Was für ein fantastischer Opener für ein Album! Kein Wunder, dass die Fans das Album und diesen Song lieben!

Just Like An Arrow (3:21)

Diese schnelle und (für Magnum-Verhältnisse) sehr energetische Nummer in (ausnahmsweise einmal) bester Radio-Länge besticht durch wundervolle Gitarrenriffs und den geschickten Einsatz der Synthesizer, alles daran treibt nach vorne. Sowohl der melodische (und stellenweise aufregend raue) Gesang als auch das kraftvolle Gitarrensolo sind so gestaltet, dass sie problemlos im Gehör hängen bleiben – ganz klar einer der Höhepunkte des Albums. Also schon der zweite von zwei Songs…

On A Storyteller’s Night

Genau genommen gilt hier das, was ich zum Opener „How Far Jerusalem“ geschrieben habe, außer dass es ganz explizit die Bildersprache Tolkiens heraufbeschwört. Werft doch gerade noch einmal einen Blick auf das oben eingebettete Album-Cover, dann seht ihr vermutlich sofort, was ich meine. Ein reisender Erzähler sitzt in geselliger Runde am Kamin und erzählt eine – den Gesichtern der Zuhörer zufolge vermutlich gruselige – Geschichte. Alle lauschen gebannt und sind vollkommen fasziniert, sogar aus dem Keller lugen eigenartige Gestalten hervor. Und die Musik fängt diese Stimmung geradezu perfekt ein. Schön ist auch der Schluss, der den Hörer mit einem fast schon unerwarteten Ruck aus dem Hörgenuss herausreißt. Hammer!

Before First Light

Eine schöne, schnörkellose Rock-Nummer, die aber inhaltlich nicht viel zu bieten hat. Sicher ein Song, der gefällig im Hintergrund laufen kann, dabei auch eine gehörige Portion Genuss bereitet. Doch im Vergleich zu einigen anderen Highlights des Albums fehlt ihm ein wenig die Finesse – eventuell urteile ich auch zu hart, denn für mich gehört Magnum (zumindest bei diesem Album) so eindeutig in diese Mittelalter-/Fantasy-/Sagenwelt-Schiene, dass der in dieser Hinsicht fehlende Bezug mir wie ein Mangel vorkommt. Doch zum Trost kann ich gleich noch attestieren, dass es vermutlich nur meine Einbildung ist.

Les Morts Dansant

Übersetzt heißt der Titel des Songs „Die Toten tanzen“, die dem Titel innewohnende Dramatik wird auch auf musikalischer Ebene gut umgesetzt, denn die Spannung baut sich von der ruhigen Einleitung bis zum Refrain allmählich immer weiter auf. Bemerkenswert ist der sehr sparsame Einsatz des Schlagzeugs, das in der Rockmusik sonst ja eine ziemlich permanente Präsenz besitzt und stark zum Gesamtklang beiträgt. Aber auch dieses wächst mit der zunehmenden Intensität immer weiter an, um den hymnenhaften Charakter der Gesangslinie zu unterstützen. Vor meinem inneren Auge baut sich bei diesem Song immer das Bild einer tanzenden Schar in den Katakomben einer der großen alten Städte Europas auf. Geht es noch jemandem so?

Endless Love

Liest man den Titel, denkt man ja eher an eine Ballade, doch dann? Haha! Weit gefehlt, denn schon der erste Schlagzeug-Einsatz zeigt ganz klar, dass es hier nicht allzu soft zur Sache geht. Dann kommen Gitarre, Gesang, später auch noch der Rest der Band dazu – und schon fährt der Rock-Zug unaufhaltsam auf sicherem Gleis durch die Nacht.

Inhaltlich geht es um einen ruhelosen Geist, der niemals lange an einem Ort bleiben kann, stets treibt es ihn weiter. So kann das natürlich nichts mit der „nie endenden Liebe“ werden. Wenn man das weiß, kommt der treibende Grundbeat gleich noch viel besser. (Und das kleine Wörtchen „No“ vor dem Titel des Songs ergibt dann auch gleich wesentlich mehr Sinn…)

Two Hearts

An diesem Song liebe ich vor allem die Einleitung, denn sie erinnert mich immer an einen mittelalterlichen Troubadour, zumindest bis dann der Beat der ganzen Band einsetzt. Ab da ist es dann ein ganz geradliniger Rock-Song mit gefälligen Melodiebögen sowohl im Gesang als auch beim Synthesizer und glatten Gitarren-Riffs, die von unten etwas Druck nach vorne erzeugen. Insgesamt ein guter Song, doch sicher nicht ganz auf dem Niveau der ersten drei, die einfach eine wahnsinnig hohe Messlatte angelegt haben.

Steal Your Heart

Das klingt vielleicht böse, aber ich halte diesen Song für einen der wenigen schwächeren Momente des Albums. Er ist noch nicht einmal kein guter Song, aber gerade nach dem unglaublich starken (da stimmungsvollen) Anfang sind „Two Hearts“ und „Steal Your Heart“ einfach nur gute Songs, nicht überragende. Sie stören den Hörgenuss nicht, aber mich reißen sie nicht annähernd so sehr mit wie die Highlights des Albums.

All England’s Eyes

Ich weiß nicht, wie ich es (abgesehen von den Lyrics) konkret faktisch begründen soll, doch für mich verkörpert dieser Song die „Rockmusik in bester britischer Tradition“. Irgendwie klingt das so britisch, dass es wohl von kaum einer anderen Band so gut gespielt werden könnte. Vermutlich ist es die Kombination aus Schlagzeug-Beat, dem pumpenden Synthesizer-Klang und den fetten Power-Chords der E-Gitarre. Die „Kriegstrommeln“ zu Beginn der Strophe sind auch nicht zu verachten, sie erzeugen gleich eine Stimmung wie in einer mittelalterlichen Sagenwelt. Für mich ist es einer der stärkeren Songs des Albums.

The Last Dance

Das Album wird abgerundet durch eine sentimental eingefärbte Ballade, die wiederum eine Situation heraufbeschwört, die es sowohl in den „alten Zeiten“ gegeben hat, wie auch heute noch Menschen sie tagtäglich erleben (müssen). Diese melancholisch niedergeschlagene Stimmung ist musikalisch überzeugend umgesetzt und beschließt daher das Album ganz elegant. Mich hat es früher immer etwas überrascht, dass zum Ende nicht noch ein energetischer Knaller kommt, doch mittlerweile gefällt mir diese Variante sogar noch besser.

Fazit

Wäre das Album nicht schon seit vielen Jahren einer meiner „Schätze“, würde ich es nicht in diesen illustren Zirkel aufnehmen. Doch in diesem Fall stand die Wahl schon vor Monaten fest, eigentlich sofort nach dem Fassen des Entschlusses, diese Kategorie aufzumachen. Da gab es wirklich keinen noch so kurzen Moment der Unsicherheit. Und ich freue mich selbst, noch einmal intensiv gerade in jene Songs hineingehört zu haben, die ich sonst nur nebenher wahrnehme. Ein oder zwei sind dadurch in meiner Gunst gleich ein Stück angestiegen.

Für mich ist „On A Storyteller‘s Night“ ein zeitlos gutes Album, das aus der Masse der schier unzählbar vielen guten Alben durch die oben angesprochenen Besonderheiten heraussticht. Aber vor allem im Herbst und Winter passt es perfekt zur jahreszeitlich bedingten Stimmung. Gerade bevor ich mit dem Schreiben des Fazits begann, zündete ich das Feuer im Ofen hinter mir an. So bin ich mir sicher, genau in der richtigen Stimmung zu sein. In diesem Sinne schicke ich euch warme (hach, mein Rücken ist bald gar…) musikalische Grüße und wünsche euch viel Vergnügen mit diesem musikalischen Juwel!

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Album der Woche – Episode 1 – 2017-09-17

Jede Woche präsentiere ich ein Album, das mir persönlich gut gefällt. Im Vorfeld höre ich es noch einmal (oder häufiger) durch und bemühe mich dann, es allen Interessierten „schmackhaft“ zu machen.

Alphaville: „Strange Attractor“

2017 erschienen, für die Ewigkeit gemacht: „Strange Attractor“ von Alphaville

2017 erschienen, für die Ewigkeit gemacht: „Strange Attractor“ von Alphaville

Meine erste selbst gekaufte Schallplatte (noch echtes Vinyl, Baby!) war „Forever Young“ von Alphaville. Mein Bruder hatte sie schon, teilte aber nicht gerne – wer verleiht schon die Lieblingsplatte an den kleinen Bruder (damals war ich gerade einmal neun Jahre alt)? Auch das Nachfolger-Album „Afternoons in Utopia“ besorgte ich mir, damals schon auf CD. Ein Kumpel lieh sie sich aus, bis heute kam sie nicht zurück (ob er sie nach den fast 20 Jahren wohl noch hat…?). Danach riss der Faden ab, denn dann steckte ich voll in meiner Heavy Metal-Phase.

Erst im Rahmen meines Song des Tages-Projekts machte mich Zeilenende darauf aufmerksam, dass die Band in den letzten Jahren wieder neue Alben auf den Markt gebracht habe. Ich sah bei Apple Music nach und entdeckt das ganz frisch – 2017! – erschienene Album „Strange Attractor“. Geladen, gehört, begeistert. Daher ein wundervoller Kandidat, um diese neue Kategorie meines Blogs zu eröffnen.

Die Songs:

Insgesamt beinhaltet das Album 13 Songs mit insgesamt 63 Minuten Spielzeit, was für ein Pop-Album schon sehr ordentlich ist. Ich habe mir alle Songs einzeln vorgenommen, um dann etwas dazu zu schreiben. Mal sehen, ob ich diesen Aufwand für jedes einzelne Album betreiben kann (vermutlich nicht), hier war es mir aber ein Vergnügen.

Giants (3:27)

Die erste Begegnung mit dem neuen Album: Eine düstere, verhangene Musik-Kulisse, die an einen wolkenverhangenen Himmel über regennassem Brachland erinnert. Dann der erste Einsatz der Stimme in einer für Pop-Verhältnisse sehr tiefen Lage, leicht mit Effekten verfremdet. Satte anderthalb Minuten wird diese düstere Stimmung im Opener aufgebaut, dann plötzlich ein Atmosphärenwechsel: schwebende Klänge, Chor- und Synthesizerklänge im Hintergrund. Nach zwei Minuten endet der Gesang, der Rest des Stücks ist eine einzige stimmungsvolle Instrumentalpassage – ganz ungewöhnlich für Popmusik. Doch als Opener für dieses fantastische Album sehr gelungen, denn hier gibt’s keinen Pop von der Stange, diese Musik fordert mehr vom Hörer, gibt dafür aber auch mehr zurück.

Marionettes With Halos (4:21)

Was für ein eigenartiger, aber doch ganz und gar wundervoller Song! Am Anfang war ich etwas irritiert von der musikalischen Untermalung des Refrains, doch nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, gefiel mir das Stück. Und das war noch, bevor ich das herrlich wilde Gitarrensolo bewusst wahrgenommen hatte (es schließt sich an den ruhigen, fast schon schwebenden Bridge-Teil an) – Wahnsinn!

House of Ghosts (5:06)

Irgendwie scheinen Alphaville bei diesem Album verstärkt darauf aus zu sein, sich den Preis für die meisten sphärischen Anfänge auf einem Pop-Album unter den Nagel zu reißen. Dieses Stück beginnt in der Schwebe, erst nach fast einer Minute etabliert sich ein fester Synthesizer-Beat as Begleitung. Und über allem schwebt immer – und das ist meiner Meinung nach die größte Stärke dieser Band – eine Melodie, die schlicht perfekt ist. Sie spannt weite Bögen, windet sich schwerelos, umfasst einen weiten Ambitus, ohne jemals angestrengt oder gekünstelt zu klingen. An den genau richtigen Stellen wird der Gesang zweistimmig, um gleich danach wieder in seiner melancholischen Einsamkeit zurückzubleiben, auch an Effekten zur Verfremdung wird hier und da nicht gespart. Aber es geht dabei nicht um ein plattes „Wir haben ja sonst nichts, also müssen wir mit Effekten drüber…“ – ganz im Gegenteil: Die Effekte erzeugen mehr Tiefe, verschaffen der Band eine größere Klangpalette.

Around the Universe (3:59)

Der schlichte Beginn mit nur der akustischen Gitarre und dem Gesang täuscht leicht darüber hinweg, dass sich hier wieder einmal ein kleines Juwel verbirgt. Auch wenn ich der bei Alphaville häufig mitschwingenden religiösen Komponente persönlich nicht viel abgewinnen kann, ist es ein solider und anmutiger Song, der sich zu einem wundervollen Höhepunkt aufbaut, um dann sanft auszuklingen.

Enigma (5:59)

Dieser Song stellt mein persönliches Highlight des gesamten Albums, wenn nicht gar des gesamten Bandschaffens dar. Mit fast sechs Minuten ist der Song etwa doppelt so lange, wie er es sein müsste, um radiotauglich zu sein. Aber – und das ist wirklich eine ernst gemeinte Aufforderung – ihr solltet euch als erstes eure besten Kopfhörer aufsetzen und den Song auf ordentlicher Lautstärke hören, dann werdet ihr vermutlich intuitiv verstehen, warum er mein Favorit ist.

Aus der tiefen Ruhe der Einleitung wie auch der Zwischenspiele spinnt sich eine schier unglaubliche Melodie, dreht immer wieder ihre Kreise, arbeitet sich aus tiefer Lage in die höchste empor, tarnt die gewagten harmonischen Fortschreitungen durch ihre Eleganz. Ich habe es zwar nicht gezählt, aber diesen einen Song habe ich mindestens schon 50 Mal gehört – und es werden noch etliche weitere Male folgen.

Mafia Island (6:22)

Nach den ersten paar Malen hatte ich dieses Stück eigentlich schon als „nicht mein Ding“ abgeschrieben, doch irgendwann spielte der Song dann noch einmal im Hintergrund, als ich das gesamte Album durchlaufen ließ. Und plötzlich mochte ich ihn. Sehr sogar. Ich kann mittlerweile nicht einmal mehr sagen, was mich anfangs gestört hatte, vermutlich war es das nach dem Refrain eingeschobene Zwischenspiel, das mir irgendwie von der Klangfarbe (speziell der etwas blecherne Klang der Gitarre) nicht zum Rest zu passen schien. Egal, das Stück ist klasse!

A Handful of Darkness (7:49)

Der Anfang dieses für Pop-Musik ziemlich langen und in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlichen Songs ist ganz behutsam und unaufdringlich: Stück für Stück schält sich eine Begleitung aus dem Nichts, bis dann der Gesang in der unteren Mittellage einsetzt, dann mehrstimmig wird, aussetzt, zögert… Und dann wird einem der fantastische Refrain präsentiert. Wow! Dieses erste Mal bläst mich noch immer bei jedem Anhören weg. Mitten in der zweiten Strophe wird dann ein neues Zwischenthema eingeführt (ungewöhnlich für Pop-Musik, aber es kommt gut), um sich nach einer kurzen Klimax wieder zurückzuziehen. Platz für die nächste Strophe, die sich wieder aufbaut, dieses Mal jedoch ohne Zögern in den Refrain übergeht – und wieder hüllt mich diese unnachahmliche Alphaville-Klangwolke ein, wie eine kleine Epiphanie. Dann kommt der einzige Abschnitt, der ein wenig „billig“ wirkt: der Synthi-Chor, da wäre vom Sound her bestimmt noch mehr herauszuholen gewesen. Immerhin ist die Band innovativ, hängt gleich noch den Refrain ohne den Gesang an, was man als Hörer jedoch sofort anhand der Akkord-Progression hört, ein gelungener Kunstgriff! Und dann zum Schluss die Auflösung bis hin zum Nichts. Ein wirklich außergewöhnliches Stück Pop-Musik!

Sexyland (3:50)

Der Titel hat mich am Anfang abgeschreckt, doch hier haben Alphaville ein schönes Stück in – auf diesem Album fast „zur Abwechslung mal“ – höherem Tempo und mit einer ordentlichen Portion Ohrwurmqualität abgeliefert.

Rendezvoyeur (4:15)

Das Eröffnungsriff lässt mich jedes Mal spontan an einen Western-Film denken, fehlt nur noch, dass sich zwei Typen aus dem Saloon auf die Straße begeben, um sich dort zu duellieren… Und auch wenn ich nicht DER Western-Fan bin, so ist der Song trotzdem ein Ohrwurm sonder gleichen. Er fetzt gut – und macht Laune auf mehr von dieser Art!

Nevermore (4:49)

Als Überschrift über diesem Song könnte man das Wort „Cool“ anbringen. Die verzerrte E-Gitarre, die sonst bei Alphaville nicht im Fokus steht, kontrolliert den harten Sound des Refrains, ein erfrischender Wandel zum sonst eher Syntheszier-zentrierten Sound. Sogar ein (kleines aber feines) Gitarrensolo wurde eingebaut. Gerade im Zusammenhang wirken „Sexyland“, „Rendezvoyeur“ und „Nevermore“, als wollten Alphaville die genussvolle melancholische Schwermut der ersten Hälfte des Albums hier abwerfen, um ein bisschen Dampf abzulassen und es all jenen zu zeigen, die sich bis zu dem Zeitpunkt den Eindruck verschafft hatten, dass da wohl keine energiereichen Stücke mehr kommen würden… Sehr schön, dieser kraftvolle Ritt über drei Stücke!

Fever! (3:46)

Hatte ich gerade von drei Stücken gesprochen? Ha! Es kommt auch gleich noch ein viertes daher, das das Tempo anzieht. Allerdings ist hier der Synthesizer wieder fest an vorderster Front der Instrumente zu sehen/hören. Nein, eine ruhige Kugel wird hier nicht geschoben.

Heartbreak City (3:46)

Warum muss ich nur immer an „Moves Like Jagger“ von Maroon 5 denken? Funky Gitarre, Kleiderbügel-Gesang, synthetische Klatscher im Beat – die Disco-Vergangenheit holt die Musiker ein… Ich kann mir gut vorstellen, wie sie im Studio standen: Schlaghosen, Afro-Frisur (zur Not als Perücke), Poster von James Brown und Maceo Parker an der Wand… Auch wenn es möglicherweise klingen mag, als würde ich mich über den Song lustig machen, könnte der Eindruck nicht mehr täuschen, denn er ist sehr gelungen. Vor allem der Wechsel zwischen den Funk-Passagen und den schwerelosen Momenten (dem typischen Alphaville-Sound) ist sehr gelungen und sorgt für viel Hörvergnügen.

Beyond the Laughing Sky (5:39)

Der ruhige Anfang scheint anzudeuten, dass das Album ausklingen soll, wie es begonnen hat. Doch dann mausert sich der Song zu einem derart fulminanten Mittelteil mit einem wundervollen Gitarrensolo und einer Klangwand, die ihres gleichen sucht. Ein absolut würdiger Abschluss für dieses exzellente Album!

Fazit

Kurz und knackig: Ich bin begeistert. Ein sehr schönes Album, das in der besten Tradition der alten Alphaville steht, aber mindestens ebenso reich an innovativen Elementen ist. Wer die frühen Erfolge wie „Big In Japan“, „Forever Young“ oder „Summer in Berlin“ mochte, wird sich hier daheim fühlen, gleichzeitig aber auch den frischen Anstrich und die kleinen, aber delikaten Anbauten bemerken.

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