Trumps zweite Amtszeit

Heute mal noch eine kleine politische Prophezeiung: Ich bin mir relativ sicher, dass es hinsichtlich des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika eine von zwei Meldungen geben wird: Entweder wird Donald Trump ziemlich bald seines Amtes enthoben (aus meiner persönlichen Sicht heraus wünschenswert, aber derzeit nicht ernsthaft zu erwarten), oder er schafft es tatsächlich in eine zweite Amtszeit.

Den ersten Punkt muss ich nicht elaborieren, denn durch die Medien geistern täglich neue Meldungen über Fehltritte und (mehr oder weniger grobe) Schnitzer des Präsidenten. Kombiniert man das noch mit den Anschuldigungen hinsichtlich seiner vielen Russland-Verbindungen, die in der amerikanischen Seele ja immer noch eine ganz bestimmte Glocke zum Klingen bringen, müsste es eigentlich langsam sehr eng werden – ob es das wirklich tut, wird die Zeit zeigen müssen. Bislang habe ich nicht den Eindruck.

Erstaunlich ist nur, dass die Republikaner noch nicht gemerkt haben, dass sie im Falle eines erfolgreichen Impeachment Trumps als seine Steigbügelhalter ebenso „den Bach runter gehen“ würden wie ihr ungeliebter Präsident. Von den Demokraten erwarte ich im Moment nicht wesentlich mehr als das, was sie aktuell tun: Nichts bzw. fast nichts. In den ersten Wochen nach der Wahl konnte man das durchaus einer gewissen Schockstarre zuschreiben, mittlerweile ist es schlicht unentschuldbar. Trotzdem bekommen sie keine gerade Linie in ihren Widerstand gegen die aktuelle Regierung – echte „Opposition“ sieht anders aus.

Aber für den Moment möchte ich einfach mal davon ausgehen, dass es kein erfolgreiches Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump geben wird. Und für diesen Fall rechne ich mittlerweile mit einer zweiten Amtszeit. Das klingt vielleicht etwas provokant, ich habe aber Gründe, die ich nun darlegen möchte.

Pro-Trump-Wähler leben in ihrer eigenen Welt

Ein Großteil der Trump-Wähler ist schlicht und einfach nicht gebildet genug, um die platten Statements als das zu erkennen, was sie sind: heiße Luft. In diversen in- und ausländischen Nachrichtenformaten wurde nach 100 Tagen Amtszeit zusammengefasst, was von Trumps angekündigten Veränderungen umgesetzt wurde: Nichts (siehe Bild unten). Bei seinen überzeugten Wählern hat dies jedoch keinerlei Auswirkungen gehabt, ihre Unterstützung ist im weiterhin sicher. Der Grund liegt auf der Hand: Er erzählt ihnen genau, was sie hören wollen. Die Umsetzung der vielen Versprechen ist mittlerweile gar nicht mehr nötig, nur versprochen muss es werden, garniert mit einem zünftigen „Make America GREAT AGAIN!“

Tweets wie diese geistern bereits seit Wochen täglich durch alle „sozialen“ Medien.

Tweets wie diese geistern bereits seit Wochen täglich durch alle „sozialen“ Medien.

Genau genommen hat Donald Trump aber auch noch nicht wirklich etwas auf die Beine stellen können in seiner Amtszeit – in dieser Hinsicht bleibt er weit hinter seinen vollmundigen Versprechungen zurück.

Genau genommen hat Donald Trump aber auch noch nicht wirklich etwas auf die Beine stellen können in seiner Amtszeit – in dieser Hinsicht bleibt er weit hinter seinen vollmundigen Versprechungen zurück.

Postfaktische Neuigkeitsblasen

Wir sind definitiv im Zeitalter des Postfaktischen angekommen. Damit meine ich nicht nur die einzelnen Nachrichtensender, die ausschließlich positiv über den Präsidenten und seine Parteikollegen berichten. Mir geht es eher um die auf den jeweiligen Nutzer maßgeschneiderten News-Bubbles, wie sie die modernen sozialen Netzwerke erlauben. Neuigkeiten, die einem nicht in den Kram passen, werden stumm geschaltet („mute“) oder der Verfasser gleich ganz geblockt. Noch nie war es so einfach, sich eine eigene Welt voll von ausschließlich „genehmen“ Nachrichten zu basteln. Bereits vor Jahren (zu Zeiten der „Tea-Party“ um Sarah Palin) war das deutlich erkennbar, doch das Ausmaß ist derart angewachsen, dass es immer schwerer wird, zu den Menschen innerhalb einer solchen maßgeschneiderten Blase von Neuigkeiten, die derjenige an sich heranlässt, vorzudringen. Und wenn ein absoluter Trump-Anhänger sich so seine eigene Realität einmal gebastelt hat, ist es schier unmöglich, ihn oder sie wieder mit rationalen Argumenten auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Beweis gefällig? Hier.

Fazit

Zusammengefasst können wir also festhalten, dass es auf der einen Seite in den USA eine schwache Opposition gibt, die ihre Zeit in den letzten Monaten zu stark mit einer eigenen verzweifelten Suche nach Lösungen für ihre internen Probleme verbracht hat: Würden Trump und sogar noch Pence durch ein hypothetisches Impeachment schon morgen aus dem Amt gejagt, wer sollte denn als demokratischer Kandidat einspringen? Da ist einfach kein charismatischer Kandidat, der bereit steht – selbst Hillary Clinton war ja nicht wirklich beliebt (und Bernie Sanders würde es nach dem letzten Wahlkampf vermutlich nicht noch einmal wagen, anzutreten).

Auf der anderen Seite stellen die Trump-Wähler eine große gesellschaftliche Gruppe dar, die sich wenig Sorgen um die Erfüllung der vollmundigen Versprechungen macht, solange man die Versprechungen in der passenden Rhetorik („MAKE AMERICA GREEEEAAAAT AGAAAAAAAIIIN!“) nur immer wieder laut genug wiederholt. Gleichzeitig wird medial zwar über alles berichtet, doch je nach Fernsehsender oder sozialen Medien haben sich die Lager klar einsortiert, sodass man als Angehöriger der einen oder anderen Gruppe oft nur noch die „gewünschten“ Fakten zu Gesicht bekommt1.

Der nächste Wahlkampf wird eine reine Schlammschlacht werden, doch Donald Trump lebt seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten in genau dieser Welt und beherrscht dieses Spiel mit einer gnadenlosen Rücksichtslosigkeit wie kein Zweiter. Genau deshalb wird Trump meiner Einschätzung nach auch wieder gewählt werden und eine zweite Amtszeit im Weißen Haus absolvieren. Und die Amerikaner werden – auch wenn es sich „hart“ anhört – ihn verdienen. Doch das muss ich an anderer Stelle noch einmal aufgreifen, denn für heute habe ich genug über Politik geschrieben.

Nachtrag 1 (31.7.2017, 20:10):

Vorhin habe ich bei Twitter den folgenden Link entdeckt, der mittels eines Zitats angekündigt wurde – passt perfekt zum Thema, gerade zum Kommentar von Robert.

IMG_1364.jpg

Sehr passend, schon in der kurzen Zusammenfassung.

Nachtrag 2 (5.8.2017, 17:15):

Gerade heute früh hat jemand bei Twitter (siehe Bild) ebenfalls diese News-Bubble schön treffend erwähnt:

IMG_1392.jpg

Grob übersetzt: Nicht nur Dschihadisten werden online radikalisiert. [Es gibt] so viele Twitter-Subkulturen mit ihrem eigenen Ansichten-Set und der sich selbst verstärkenden Empörung.

  1. Darüber muss ich mich an anderer Stelle auch noch einmal auslassen, denn das politische System der USA unterscheidet nur noch zwischen zwei Lagern, somit gibt es nur noch: „Bist du nicht für mich, bist du gegen mich!“ – Kompromisse, wie sie in der Politik unvermeidlich sind, werden dadurch aber unmöglich gemacht.
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5 Gedanken zu „Trumps zweite Amtszeit

  1. Pialalama sagt:

    Hallo! Wirklich gut geschrieben. Schade nur, dass ein Präsident leider nicht wegen schlechtem Benehmen seines Amtes enthoben werden kann. Ich denke auch, dass er zumindest einer ersten Amtszeit erhalten bleibt. Wer weiß, was in den 4 Jahren noch alles passiert. In dem Punkt mit seinen Wählern stimme ich auch 100% zu. Die hören nur das was sie wollen – das macht zwar an sich jeder, aber die einen machen sich darüber dann eben Gedanken und die anderen nicht. Den Leuten kann man noch tausendmal solche schöne Grafiken zeigen – Twitter ist ein Palast dafür – , die reden sich trotzdem irgendwie raus.

  2. Robert sagt:

    Ich muss leider dir lieber Solera und auch dir Pialalama 100%ig Recht geben. Wenn Trump fällt, dann nur über seine eigenen Füße oder er wird irgendwann mal erschossen. Dass er sich mit seinem Benehmen schon so lange halten konnte und überhaupt Präsident werden konnte, zeigt mir die Verblödung dieses Landes. Die eigene Partei schafft es nicht, ihn zu bremsen und die anderen wissen nicht, wie sie dagegen halten sollen.

    Am Anfang habe ich mich fürchterlich über ihn aufgeregt, aber wie du schon geschrieben hast, die Amis haben ihn wahrscheinlich verdient. Ich hoffe nur, dass sich die anderen Länder zusammen tun und sein Verhalten und seine Taten nicht noch unterstützen. Dieser Mann ist einfach kein Politiker. Er ist ein Selbstdarsteller.

    Aber sind wir mal ehrlich. Haben wir nicht noch mehr von diesen Typen derzeit an den Regierungen und wir lassen uns von ihnen an der Nase herum führen? (siehe Erdogan!) Nur diese beiden zusammen genommen sind doch echte Kriegstreiber. Und ich würde mich nicht wundern (bete aber für unsere Kinder und Enkelkinder, dass es nicht passiert!), wenn es in absehbarer Zeit zu einem solchen kommen wird.

    Die Motive der beiden mögen unterschiedlich sein, aber im Kern sind sie äußerst gefährlich.

    • solera1847 sagt:

      Danke für den wundervollen Kommentar, ich habe vorhin noch etwas gefunden, das ich als Nachtrag an den Blog-Eintrag angehängt habe.

      • Robert sagt:

        Danke für den Nachtrag. Da kann einem nur Angst und Bange werden. Was sich derzeit im Weißen Haus abspielt ist einfach unfassbar.

  3. Zeilenende sagt:

    Das Problem eines jeden politischen Systems, das auf dem Mehrheitswahlrecht basiert, wie man auch in Großbritannien sehr schön verfolgen kann und mit Abstrichen in Frankreich (auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich ein Fan von Macron bin – bislang mag ich nur seine Anzüge g). Die Alternative ist die Konsens-Sauce eines Verhältniswahlrechts, wobei wir da echt auf der Insel der Seligen leben. Dessen diverse Probleme kann man allerdings sehr anschaulich in Österreich und den Niederlanden bewundern.
    Das Problem ist, dass uns ein Narrativ verloren geht: Im Zweifel war der Identifikationspunkt, mit der man Politik erklären konnte, das Wohl der Nation. So einfach ist Politik nicht mehr, Donald Trump ist dafür ein wunderbarer Beleg: Er ist mit einem klassischen nationalistischen Programm angetreten und für die Geschichte vom Wohl der Nation ist er gewählt worden. Konnte aber (bislang – und möge das so bleiben) nichts davon umsetzen. Aber er kann seine Politik damit zumindest erklären.
    Er macht damit etwas deutlich: So zynisch es klingt, aber in der Politik geht es nie um Wahrheit, sondern um das bessere Argument (das ist der Unterschied zwischen Philosophie und Politik 😉 ). Und Argumente müssen nicht wahr sein, um zu wirken, sondern überzeugend. Das klappt, wenn sie ein Narrativ bedienen. Angela Merkel macht das auf ihre Weise, ihr Narrativ ist technokratischer Rationalismus: Etwas ist a) vernünftig und b) durch Gesetze und Verträge gedeckt, also machen wir das so. Kann trotzdem Müll sein ,was dabei rauskommt, aber sie hat ein Narrativ. Es ist sogar so, dass sie nur den Anschein braucht, dass ihre Position rational und legal ist. Weil das Narrativ ja nur Fiktion ist.
    Deshalb bin ich übrigens so angepisst auf die SPD. Da haben sie die Chance, ein neues Narrativ zu etablieren (Europa!) und was tun sie? Ja … Öhm … Selbst auf dem CSD war mehr Stimmung bei der CDU. Nuff said. Und jetzt gehe ich mich vor Politik ekeln.

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